Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.591/2008
Zurück zum Index II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2008
Retour à l'indice II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2008


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_591/2008 /zga

Urteil vom 24. Oktober 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiberin Gut.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Urs Schlegel,

gegen

Y.________,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Rechtsanwalt Christian Eggenberger,

und

Z.________,
Verfahrensbeteiligter,
vertreten durch Rechtsanwalt Reto Fischer.

Gegenstand
Abänderung des Scheidungsurteils (elterliche Sorge),

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, II. Zivilkammer,
vom 27. Juni 2008.

Sachverhalt:

A.
A.a Y.________ und X.________ heirateten 1998. Sie haben ein gemeinsames Kind,
Z.________, geb. 1999. Im Jahre 2000 hoben sie ihren gemeinsamen Haushalt auf
und liessen ihre Ehe vom Kreisgericht Werdenberg-Sargans auf gemeinsames
Begehren scheiden. Das Gericht genehmigte die Vereinbarung, wonach Z.________
der elterlichen Sorge der Mutter anvertraut und dem Vater regelmässiger Kontakt
zum Kind eingeräumt wurde.
A.b Im Juni 2002 klagte Y.________ auf Abänderung des Scheidungsurteils und
beantragte die Umteilung des Kindes in seine elterliche Sorge.

Mit dringlicher Verfügung ordnete die Gerichtspräsidentin des Kreisgerichts
Werdenberg-Sargans im August 2002 die Umplatzierung von Z.________ in die Obhut
des Vaters an, errichtete eine Erziehungsbeistandschaft und räumte der Mutter
mit vorsorglicher Massnahme ein begleitetes Besuchsrecht ein. Das Kreisgericht
holte bei einer Kinderpsychologin ein Gutachten ein und beauftragte den Kinder-
und Jugendpsychiatrischen Dienst St. Gallen, ein zusätzliches Gutachten zu
erstellen. Für Z.________ wurde eine Kindesvertretung bestellt. Den Eltern
gelang es, in einer Mediation die Kommunikation wesentlich zu verbessern,
worauf sie eine zukünftige gemeinsame elterliche Sorge vereinbarten.

Im Anschluss an die Hauptverhandlung des Kreisgerichts unterzeichneten die
Eltern im April 2007 eine Vereinbarung mit Widerrufsvorbehalt, wonach
Z.________ nach den Sommerferien bei der Mutter wohne. Y.________ widerrief die
Vereinbarung und das Kreisgericht entschied mit Urteil vom 30. April 2007, dass
Z.________ in der elterlichen Sorge der Mutter verbleiben und die
Beistandschaft weitergeführt werden soll. Dem Vater wurde ein Besuchsrecht
eingeräumt.
A.c Gegen diesen Entscheid erhob Y.________ Berufung beim Kantonsgericht St.
Gallen und beantragte, Z.________ sei in seine elterliche Sorge zu stellen, der
Mutter sei ein regelmässiges Besuchsrecht einzuräumen und sie sei zu
verpflichten, monatliche Unterhaltsbeiträge für Z.________ zu bezahlen. Weiter
verlangte er die Aufhebung der Beistandschaft. Der Kindsvertreter ersuchte
darum, die durch das Kreisgericht angeordneten Kinderbelange unverändert zu
bestätigen.

Mit Entscheid des Kantonsgerichts vom 27. Juni 2008 wurde Z.________ unter die
elterliche Sorge des Vaters gestellt, der persönliche Verkehr zwischen Mutter
und Kind geregelt und die Mutter verpflichtet, ab 1. September 2008 bis zur
Mündigkeit oder späterem ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung
an den Unterhalt des Kindes monatlich Fr. 400.-- zuzüglich Kinderzulage zu
bezahlen. Die Parteien wurden verpflichtet, die Gerichtskosten für das
Verfahren vor Kreisgericht je zur Hälfte und die Parteikosten selber zu
bezahlen. Die Gerichtskosten für das Verfahren vor Kantonsgericht sowie die
Kosten der Kindsanhörung und Kindervertretung wurden den Parteien je zur Hälfte
auferlegt, jedoch wurden sie in Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege von
der vorläufigen Bezahlung befreit. Zudem wurde den Parteien die unentgeltliche
Rechtsvertretung bewilligt.

B.
X.________ (fortan: Beschwerdeführerin) ist am 3. September 2008 mit Beschwerde
in Zivilsachen an das Bundesgericht gelangt und verlangt die Aufhebung des
kantonsgerichtlichen Urteils, mit Ausnahme der Anordnung der Beistandschaft.
Sie beantragt, es sei ihr die elterliche Sorge über Z.________ zu belassen und
ihr die Obhut wieder zuzuweisen. Eventualiter beantragt sie die Rückweisung der
Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. Weiter verlangt sie die
Verurteilung von Y.________ (fortan: Beschwerdegegner) zur Bezahlung der Kosten
des Verfahrens vor Kreisgericht und Kantonsgericht. Für das Verfahren vor
Bundesgericht ersucht sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.

Der Beschwerdegegner und das Kantonsgericht sind nicht zur Vernehmlassung
eingeladen worden.

Erwägungen:

1.
Angefochten ist ein letztinstanzlicher Entscheid im Sinne von Art. 75 Abs. 1
BGG betreffend Abänderung eines Scheidungsurteils, mit welchem die elterlichen
Rechte und Pflichten (elterliche Sorge, persönlicher Verkehr, Unterhalt) neu
geregelt werden. Dabei handelt es sich um einen Entscheid in Zivilsachen (Art.
72 Abs. 1 BGG). Streitpunkt vor Bundesgericht ist u.a. die elterliche Sorge,
weshalb eine nicht vermögensrechtliche Streitigkeit vorliegt. Die Beschwerde in
Zivilsachen ist somit zulässig.

2.
Gemäss Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Begründung in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt. Dabei ist es unerlässlich, dass
die Beschwerde auf die Begründung des angefochtenen Entscheids eingeht und im
Einzelnen aufzeigt, worin eine Verletzung von Bundesrecht liegt. Der
Beschwerdeführer soll in der Beschwerdeschrift nicht bloss die
Rechtsstandpunkte, die er im kantonalen Verfahren eingenommen hat, erneut
bekräftigen, sondern mit seiner Kritik an den als rechtsfehlerhaft erachteten
Erwägungen der Vorinstanz ansetzen (vgl. BGE 121 III 397 E. 2a S. 400; Urteil
4A_22/2008 vom 10. April 2008 E. 1). Genügt die Beschwerdeschrift diesen
Begründungsanforderungen nicht, so ist darauf nicht einzutreten (Art. 108 Abs.
1 lit. b BGG; 134 II 244 E. 2.1 S. 245 f.; BGE 134 III 102 E. 1.1 S. 104).

Die Beschwerdeführerin setzt sich mit dem kantonsgerichtlichen Urteil nur
ansatzweise auseinander. Das Kantonsgericht begründet seinen
Zuweisungsentscheid vor allem damit, die kontinuierlichen, stabilen
Verhältnisse beim Vater aufrecht zu erhalten und dem Wunsch des neunjährigen
Z.________s, in seiner vertrauten Umgebung bei seinem Vater und seinen
Halbgeschwistern bleiben zu können, Rechnung zu tragen. Die Beschwerdeführerin
äussert sich mit keinem Wort zu diesem Wunsch, den Z.________ in zwei
kinderpsychologischen Befragungen klar geäussert hat. Ebenso wenig geht sie auf
das Argument betreffend Aufrechterhaltung der Kontinuität der
Lebensverhältnisse beim Vater und den Halbgeschwistern ein. Die
Beschwerdeführerin stützt sich vor allem auf ein gerichtliches Gutachten aus
dem Jahre 2005, welches jedoch von der Vorinstanz angesichts der inzwischen
eingetretenen Entwicklung als nicht mehr massgebend erachtet wird. Es ist daher
fraglich, ob die Beschwerdeschrift den Begründungsanforderungen von Art. 42
Abs. 2 BGG genügt. Da die Beschwerde jedoch auch unter materiellen
Gesichtspunkten klar abzuweisen ist, kann diese Frage offen gelassen werden.

3.
Die Beschwerdeführerin macht vorab geltend, der Entscheid des Kantongerichts
weiche ohne triftige Gründe von den fachlichen Grundlagen des aktuellen
Gerichtsgutachtens ab. Er sei daher willkürlich und verstosse gegen Art. 9 BV.

3.1 Zur Begründung führt sie aus, das Kantonsgericht habe sich nicht mit allen
Argumenten des Gutachtens des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes St.
Gallen vom Oktober 2005 auseinandergesetzt. Insbesondere habe das
Kantonsgericht nicht berücksichtigt, dass das Gutachten beim Kindsvater eigene
emotionale Konflikte festgestellt habe, welche wegen mangelnder
Reflexionsfähigkeit und Abgrenzung direkt auf das Kind Z.________ übertragen
würden. Weiter sei dem Gutachten zu entnehmen, dass der Kindsvater und seine
Ehefrau in der Vergangenheit Angriffe auf die Beziehung zwischen Z.________ und
seiner Mutter gemacht hätten. Nach Ansicht der Beschwerdeführerin müsste bei
einer Berücksichtigung aller Argumente des Gutachtens eine Interessenabwägung
insgesamt zu ihren Gunsten ausfallen.

3.2 Der Beschwerdeführerin ist darin beizupflichten, dass das Gericht in
Fachfragen nicht grundlos von Gutachten abweichen darf und Abweichungen
begründen muss. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Gerichte die Ergebnisse eines
Gutachtens unkritisch übernehmen dürften. Das Gericht würdigt ein Gutachten
grundsätzlich frei (BGE 128 I 81 E. 2 S. 86).

Das Kantongericht hat seinen Entscheid, weshalb die elterliche Sorge und Obhut
in Abweichung des Gutachtens vom Oktober 2005 dem Beschwerdegegner zuzuteilen
sei - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - ausführlich und
sorgfältig begründet. So betont es insbesondere, dass die beiden eingeholten
Gerichtsgutachten mehrere Jahre zurücklägen, sich die Situation der Eltern und
des Kindes im Verlaufe des langwierigen Verfahrens hingegen grundlegend
verändert habe. Während aus dem ersten Gutachten des Jahres 2002 hervor
gegangen sei, dass der Vater das Kindeswohl besser zu gewährleisten vermöge,
habe sich das zweite Gutachten aus dem Jahre 2005 dafür ausgesprochen, das Kind
in die elterliche Sorge der Mutter zu geben. Die hauptsächliche Schwierigkeit
bei der Frage der Kinderzuteilung habe früher darin bestanden, dass die Eltern
sich gegenseitig misstraut hätten, was sich negativ auf die Förderung der
Beziehung des Kindes zum nicht sorgeberechtigten Elternteil ausgewirkt habe.
Anfang 2006 sei es jedoch zu einem Umschwung gekommen. Mit Unterstützung der
Beiständin und des Kindsvertreters seien die Eltern befähigt worden, sich offen
und respektvoll über die Bedürfnisse Z.________s auszutauschen und den Kontakt
Mutter-Kind flexibel und grosszügig auszuüben. Z.________ sei durch diesen
Wandel richtiggehend aufgeblüht. Die wiedererlangte Kooperationsfähigkeit habe
dazu geführt, dass nun zwei gleichwertige und engagierte Eltern, die beide eine
emotionale Bindung zum Kind hätten, Z.________ einen geeigneten Rahmen bieten
und es in seiner Entwicklung angemessen fördern könnten. Es sei daher weiter zu
untersuchen, ob die Möglichkeit der persönlichen Betreuung durch die Mutter
oder die Kontinuität der Lebensverhältnisse beim Vater, wo Z.________ seit
sechs Jahren lebe, für das allein ausschlaggebende Wohl des Kindes überwiege,
wobei die Bindungstoleranz der beiden Eltern und die Meinung des neunjährigen
Kindes beim Entscheid über die elterliche Sorge zu berücksichtigen sei.

Das Kantonsgericht ist somit nicht grundlos vom Gutachten vom Oktober 2005
abgewichen, sondern weil dieses seiner Ansicht nach im Entscheidzeitpunkt nicht
mehr aktuell war bzw. sich die Situation der Eltern und des Kindes grundlegend
verändert hat. Das Kantonsgericht hat bei der Frage, welche Zuteilungsvariante
dem Kindeswohl am besten entspricht, verschiedenste Kriterien untersucht,
gegeneinander abgewogen und dabei insbesondere der verbesserten
Kooperationsbereitschaft des Beschwerdegegners betreffend persönliche Kontakte
zur Mutter, der Aufrechterhaltung von kontinuierlichen, stabilen Verhältnissen
und dem Wunsch des neunjährigen Kindes Rechnung getragen. Es ist der Vorinstanz
darin beizupflichten, dass sich die tatsächliche Situation für die Beurteilung
des Kindeswohls ändern kann und daher nicht einfach unkritisch auf die
Ergebnisse eines Gutachtens abgestellt werden soll, insbesondere dann nicht,
wenn dieses bereits einige Jahre alt ist. Hat eine Betreuungslösung vor drei
Jahren den Bedürfnissen eines Kindes und dem Kindeswohl am besten entsprochen,
muss dies nicht bedeuten, dass dieselbe Lösung auch noch heute für das Kind
optimal ist. Die Frage des Kindeswohls entzieht sich einer starren Beurteilung
und ist stets im Hinblick auf die aktuellen Verhältnisse zu beantworten. Nach
dem Gesagten kann es nicht beanstandet werden, dass das Kantonsgericht bei der
Zuweisung der elterlichen Sorge von dem bereits drei Jahre zurückliegenden
Gutachten abgewichen ist. Insbesondere ist diese Abweichung vom Gutachten
keinesfalls willkürlich und der Entscheid verstösst somit nicht gegen Art. 9
BV. Denn Willkür liegt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts vor, wenn das
Gericht bei seinem Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen
Situation in klarem Widerspruch stehen, auf einem offenkundigen Fehler beruhen
oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderlaufen (BGE 128 I 81
E. 2 S. 86).

4.
Weiter rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihres materiellen
rechtlichen Gehörs und damit von Art. 29 Abs. 2 BV, da sich das Kantonsgericht
bei seinem Zuteilungsentscheid nicht genügend mit wichtigen Gegenargumenten
auseinandergesetzt habe.

4.1 Dazu führt die Beschwerdeführerin insbesondere aus, der angefochtene
Entscheid gehe nicht auf den Vorwurf des Gutachtens vom Oktober 2005, ihrer
Berufungsantwort und ihrer Eingabe vom April 2008 ein, wonach beim
Beschwerdegegner nur der "Beobachtungsdruck des Verfahrens" die Annäherung der
Kindseltern wieder möglich gemacht habe bzw. beim Beschwerdegegner weder von
einer Verinnerlichung noch von einem Bestand des Lernprozesses ausgegangen
werden könne. Auch würde die von ihr und ihrem Partner an einem Mobiltelefon
mitgehörte Beeinflussung des Kindes durch den Beschwerdegegner im angefochtenen
Entscheid weder diskutiert noch sonst beachtet. Damit missachte das
Kantonsgericht die inhaltliche Beschäftigung mit entscheidwesentlichen und auch
im Verfahren vorgebrachten Fragen.

4.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin setzt sich das
Kantonsgericht in seinem Urteil mit der Problematik betreffend Kooperation der
Kindseltern eingehend auseinander. Aus der kantonsgerichtlichen Begründung geht
klar hervor, dass die mangelnde Kooperation früher ein Problem darstellte und
den Entscheid der Kinderzuteilung erschwerte. Jedoch ist die Vorinstanz zur
Überzeugung gelangt, dass es dank Unterstützung der Beiständin und des
Kindsvertreters Anfang 2006 zu einem Umschwung kam und sich die Kooperation
zwischen den Eltern stark verbesserte. Es sei den Eltern auch während des
Berufungsverfahrens gelungen, die wiedererlangte Kooperation aufrecht zu
erhalten, was auch beide Eltern mit übereinstimmenden Aussagen bestätigt
hätten.

Wie bereits ausgeführt (E. 3.2), hat die Vorinstanz aufgrund veränderter
Situation der Eltern und des Kindes zu Recht davon abgesehen, die Ergebnisse
des drei Jahre zurückliegenden Gutachtens unkritisch zu übernehmen bzw. dieses
Gutachten im Detail zu berücksichtigen. Diese begründete Abweichung vom
Gutachten stellt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, da die
tatsächliche Situation im Beurteilungszeitpunkt für die Frage des Kindeswohls
und der für das Kind optimalen Zuteilungsregel entscheidend ist.

Was die Berücksichtigung der Vorbringen in den Eingaben der Beschwerdeführerin
betreffend fehlende Verinnerlichung des Lernprozesses beim Beschwerdegegner und
Beeinflussungsversuche per Mobiltelefon anbelangt, trifft es zu, dass sich das
Kantonsgericht zu diesen Vorbringen nicht explizit geäussert hat. Jedoch stellt
es keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, wenn sich das Gericht nicht mit
allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann es sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGE 134 I 83 E. 4.1. S. 88). Das
Kantonsgericht hat sich genügend zur Kooperationsfähigkeit der Eltern geäussert
und begründet, weshalb es zur Überzeugung gelangt ist, dass heute eine
tatsächliche Kooperationsbereitschaft des Beschwerdegegners besteht. Seine
Überzeugung stützt es zudem auf diesbezügliche übereinstimmende Aussagen beider
Eltern. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt unter diesen Umständen
nicht vor.

5.
Die Beschwerdeführerin bringt schliesslich vor, das Kantonsgericht habe mit der
Sorgerechtszuteilung an den Beschwerdegegner gegen Art. 133 Abs. 2 ZGB
verstossen, indem es massgebende Kriterien für die Zuteilung teils nicht
berücksichtigt und teils falsch gewichtet habe.

5.1 Gemäss Art. 133 Abs. 1 und 2 ZGB hat das Scheidungsgericht die elterliche
Sorge einem Elternteil zuzuteilen und dabei alle für das Kindeswohl
massgebenden Umstände zu berücksichtigen. Auf die Meinung der Kinder ist,
soweit tunlich, Rücksicht zu nehmen. Im Übrigen sind für die Zuteilung die vom
Bundesgericht in der langjährigen Rechtsprechung zum früheren Art. 156 ZGB
umschriebenen Kriterien wegleitend. Entscheidend ist demnach stets das
Kindeswohl (BGE 115 II 206 E. 4a S. 209, 317 E. 2 S. 319; 117 II 353 E. 3 S.
354 f.). Den Bedürfnissen der Kinder ist entsprechend ihrem Alter, ihren
Neigungen und ihrem Anspruch auf elterliche Fürsorglichkeit, Zuwendung und
Erziehung bestmöglich zu entsprechen. Als massgebliche Gesichtspunkte stehen
dabei im Vordergrund die persönlichen Beziehungen der Eltern zu den Kindern,
ihre erzieherischen Fähigkeiten und ihre Bereitschaft, die Kinder in eigener
Obhut zu haben und sie weitgehend persönlich zu betreuen und zu pflegen. Zudem
ist dem Bedürfnis der Kinder nach der für eine harmonische Entfaltung in
körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht notwendigen Stabilität der
Verhältnisse Rechnung zu tragen (BGE 114 II 200 E. 3 S. 201 f.; 112 II 381 E. 3
S. 382 f.). Bei ungefähr gleicher Erziehungs- und Betreuungsfähigkeit beider
Eltern kommt dem letztgenannten Kriterium besonderes Gewicht zu. Die
Möglichkeit der persönlichen Betreuung kann unter Umständen dahinter
zurücktreten (Urteil 5C.212/2005 vom 25. Januar 2006 E. 4.2 und 4.4.1, publ.
in: FamPra.ch 2006 S. 753). Zusätzlich zu diesen Kriterien können weitere
Gesichtspunkte berücksichtigt werden, so beispielsweise der Grundsatz,
Geschwister nach Möglichkeit nicht zu trennen.

Bei der Zuteilung der elterlichen Sorge steht den kantonalen Behörden, welche
die Parteien und die Verhältnisse besser kennen als das Bundesgericht, ein
erhebliches Ermessen zu. Das Bundesgericht greift nur ein, wenn einschlägige
Kriterien grundlos ausser Betracht geblieben oder offenkundig falsch gewichtet
worden sind oder wenn die Zuteilung auf Überlegungen abgestützt worden ist, die
unter dem Gesichtswinkel des Kindeswohls bedeutungslos sind oder gegen die
dargelegten bundesgerichtlichen Grundsätze verstossen (BGE 117 II 353 E. 3 S.
355).
5.2
Die Beschwerdeführerin vertritt die Auffassung, das Kantonsgericht habe das
Kriterium der Erziehungsfähigkeit nicht berücksichtigt. Sie habe die besseren
erzieherischen Fähigkeiten als der Beschwerdegegner, was auch dem Gutachten vom
Oktober 2005 zu entnehmen sei. Weiter habe das Kantonsgericht das Kriterium der
Eigenbetreuungsmöglichkeit nicht genügend stark gewichtet. Im Gegensatz zum
Beschwerdegegner sei sie in der Lage, das Kind durchgehend persönlich zu
betreuen. Sinngemäss führt die Beschwerdeführerin aus, ein Kind sei demjenigen
Elternteil zuzuweisen, welcher die besseren Erziehungsfähigkeiten aufweise. Bei
ungefähr gleicher Erziehungsfähigkeit sei das Sorgerecht stets demjenigen
Elternteil zuzuweisen, welcher die bessere Eigenbetreuungsmöglichkeit habe. Zur
Begründung ihrer Auffassung weist sie insbesondere auf die beiden
Bundesgerichtsentscheide BGE 117 II 353 und 115 II 206 hin.

5.3 Was die Erziehungsfähigkeit anbelangt, ist das Kantonsgericht zur Ansicht
gelangt, dass beide Eltern ungefähr gleichermassen befähigt wären, die
Erziehungsaufgabe wahr zu nehmen. Auch würden sie beide einen geeigneten Rahmen
bieten, Z.________ in seiner Entwicklung angemessen zu fördern. Die Vorinstanz
hat daher weiter untersucht, ob die Möglichkeit der durchgehenden persönlichen
Betreuung durch die Mutter oder die Kontinuität der Lebensverhältnisse beim
Vater für das ausschlaggebende Wohl des Kindes Z.________ überwiegt.

Dabei hat es berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin in einer gefestigten
Partnerschaft lebt, ihre Erwerbstätigkeit im Hinblick auf die Betreuung von
Z.________ vor einiger Zeit aufgegeben hat und somit das Kind durchgehend
persönlich betreuen könnte. Der Beschwerdegegner hingegen arbeitet tagsüber.
Nach Ansicht des Kantonsgerichts sei aber zu beachten, dass er eine neue Ehe
eingegangen sei, mit seiner zweiten Ehefrau drei gemeinsame Kinder habe und
diese tagsüber die Kinder betreue. Z.________ lebe seit seinem dritten
Altersjahr in der längst vertrauten Umgebung und im wachsenden Familienverband
des Vaters. Weiter hat das Kantonsgericht zwei kinderpsychologische Befragungen
Z.________s neueren Datums für seine Interessenabwägung beigezogen. Aus diesen
gehe klar hervor, dass Z.________ seine Mutter zwar gerne besuche, aber in
seiner heutigen Umgebung mit Freunden, Schule und der Familie des Vaters
bleiben möchte. Entscheidendes Kriterium sei auch, dass Z.________ eine enge
Beziehung zu seinen drei Halbgeschwistern aufgebaut habe und sich als deren
grosser Bruder und Beschützer fühle.

Das Kantonsgericht ist unter Berücksichtigung dieser Umstände zum Ergebnis
gelangt, dass für das Kindeswohl die Kontinuität der Lebensverhältnisse beim
Vater gegenüber der durchgehenden Eigenbetreuungsmöglichkeit der
Beschwerdeführerin überwiege. Einem Kind dürfe nicht ohne Not ein Wechsel
zugemutet werden, den es selber gar nicht wünsche, sondern man müsse sich
bemühen, ihm seine persönlichen Beziehungen und seine vertraute Umwelt
möglichst zu erhalten. Dies gelte besonders für Z.________, der in seiner
frühen Kindheit schon einmal einen unvermittelten Beziehungsabbruch und einen
jähen Umgebungswechsel zu verkraften gehabt habe. Es entspreche offensichtlich
dem Interesse von Z.________, dass er in seiner vertrauten Umgebung, bei seinem
Vater und seinen Geschwistern, bleiben könne, wo er nun seit sechs Jahren lebe
und sich wohl fühle.

5.4 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin hat das Kantonsgericht das
Kriterium der Erziehungsfähigkeit berücksichtigt und ist dabei zur Ansicht
gelangt, dass beide Eltern ungefähr gleichermassen zur Erziehung befähigt
wären. Diese Feststellungen des Kantonsgerichts können nicht beanstandet
werden. Insbesondere vermögen die Ausführungen in dem nicht mehr aktuellen
Gutachten vom Oktober 2005 nicht gegen die Erziehungsfähigkeit des
Beschwerdegegners zu sprechen. Vielmehr ist auf die tatsächlichen Verhältnisse
in den letzten Jahren bzw. auf das gute Funktionieren der Kinderbetreuung und
Kindererziehung und das Aufblühen Z.________s in den letzten Jahren
abzustellen.

Was die weiteren Kriterien für die Kinderzuteilung anbelangt, kann der
Auffassung der Beschwerdeführerin, wonach bei gleicher Erziehungsfähigkeit
beider Eltern das Kind stets demjenigen Elternteil zugeteilt werden müsse,
welcher die bessere Eigenbetreuungsmöglichkeit aufweise, nicht gefolgt werden.
Oft entspricht zwar eine Zuteilung an den Elternteil, welcher das Kind
persönlich unter eigener Obhut betreuen kann, dem Kindeswohl am besten; daraus
kann aber nicht gefolgert werden, dass es sich beim Kriterium der
Eigenbetreuungsmöglichkeit stets um ein vorrangiges, stärker zu gewichtendes
Kriterium handelt. Der Vorgang der Kinderzuteilung entzieht sich einem starren
Prüfungsprogramm. Denn entscheidend ist stets das Kindeswohl und dieses
beurteilt sich nach der konkreten Situation des einzelnen Kindes. Die in der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung entwickelten Zuteilungskriterien sind als
Leitlinien für einen dem Kindeswohl entsprechenden Zuteilungsentscheid, nicht
aber als starre, in einer ganz bestimmten Reihenfolge zu befolgende Regeln zu
verstehen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin lässt sich aus der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine schematische Prüfungsabfolge der
entwickelten Zuteilungskriterien herleiten.

Vorliegend hat das Kantonsgericht berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin
Z.________ durchgehend selber betreuen könnte. Jedoch hat es auch die
Betreuungssituation beim Beschwerdeführer als optimal beurteilt. Denn
Z.________ wird tagsüber in seiner vertrauten Umgebung von der Ehefrau seines
Vaters betreut. Am frühen Abend widmet sich der Beschwerdegegner seiner
Familie. Z.________ hat somit die Möglichkeit, in einer intakten Familie mit
seinem Vater und seinen Halbgeschwistern aufzuwachsen. Z.________ hat bei den
kinderpsychologischen Gesprächen spontan erzählt, dass er sich bei seinem Vater
sehr wohl fühle und in seinem vertrauten Umfeld, bei seinen Halbgeschwistern
und Schulfreunden, bleiben möchte. Dem Kantonsgericht ist unter diesen
Umständen beizupflichten, dass insgesamt die Argumente, welche für die
Zuteilung der elterlichen Sorge an den Kindsvater sprechen, überwiegen. Das
Kantonsgericht hat die von Lehre und Rechtsprechung entwickelten Kriterien
allesamt berücksichtigt und sorgfältig gewürdigt. Insbesondere werden mit dem
kantonsgerichtlichen Entscheid die wichtigen Kriterien der Stabilität der
Verhältnisse, der zu vermeidenden Trennung der Geschwister und der
Berücksichtigung des Wunschs des Kindes gebührend berücksichtigt. Es besteht
daher kein Anlass, in das Ermessen des kantonalen Gerichts einzugreifen. Die
Beschwerde ist insoweit abzuweisen.

6.
Die Beschwerdeführerin verlangt mit ihren Rechtsbegehren weiter die Aufhebung
des Entscheids des Kantonsgerichts betreffend ihr Besuchs- und Ferienrecht,
ihre Verpflichtung zur Bezahlung von monatlichen Kinderunterhaltsbeiträgen und
die Verteilung der Gerichts- und Verfahrenskosten des kantonalen Verfahrens.

Da in der Beschwerde eine Begründung für diese Begehren fehlt, genügt die
Beschwerdeschrift den Anforderungen von Art. 42 Abs. 2 BGG nicht, weshalb nicht
darauf eingetreten werden kann. Anzumerken ist, dass aus der Beschwerde nicht
klar hervor geht, ob die Aufhebung des Urteils betreffend Bezahlung von
Kinderunterhaltsbeiträgen, Regelung des persönlichen Verkehrs und Verteilung
der Gerichts- und Verfahrenskosten lediglich für den nicht eingetretenen Fall
der Zuteilung der elterlichen Sorge an die Beschwerdeführerin beantragt worden
ist.

7.
Insgesamt ist der Beschwerde an das Bundesgericht kein Erfolg beschieden.
Ausgangsgemäss trägt die Beschwerdeführerin die Kosten (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist abzuweisen, da ihre Anträge,
soweit darauf überhaupt einzutreten war, von vornherein aussichtslos waren
(Art. 64 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verfahrensbeteiligten und dem
Kantonsgericht St. Gallen, II. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. Oktober 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Raselli Gut