Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.594/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_594/2008/don

Urteil vom 2. Dezember 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer, Bundesrichter Marazzi,
nebenamtlicher Bundesrichter Riemer,
Gerichtsschreiber Gysel.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Hans Bertschinger,

gegen

1. A.________,
2. B.________,
3. C.________,
4. D.________,
5. E.________,
Beschwerdegegner,
alle fünf vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürgen Imkamp.

Gegenstand
Haftung der vormundschaftlichen Organe (Art. 426 ff. ZGB),

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts (II. Zivilkammer) des Kantons
Zürich vom 12. Juni 2007 und den Zirkulationsbeschluss des Kassationsgerichts
des Kantons Zürich vom 30. Juni 2008.

Sachverhalt:

A.
A.a X.________ ist heute Alleinerbe seines am 5. August 2000 verstorbenen
Onkels und Paten Y.________, der in F.________ gewohnt hatte. Auf eigenes
Ersuchen war für Y.________ durch Beschluss der Sozial- bzw.
Vormundschaftsbehörde F.________ vom 5. Juli 1999 eine Beistandschaft im Sinne
von Art. 394 ZGB errichtet und wunschgemäss G.________ als Beiständin ernannt
worden. Y.________ rekurrierte, zog aber das Rechtsmittel am 7. September 1999
wieder zurück. Nachdem G.________ trotz verschiedener Aufforderungen und
Mahnungen kein Eröffnungsinventar erstellt hatte, beschloss die erwähnte
Behörde am 23. Mai 2000, die Beiständin per sofort im Sinne von Art. 448 ZGB in
ihrem Amt vorläufig einzustellen. Gleichzeitig wurde Treuhänder H.________ als
vorläufiger Beistand eingesetzt. Laut der von diesem nach dem Tod des
Verbeiständeten vorgelegten Schlussabrechnung fehlten für einen Betrag von Fr.
108'140.55 Belege, die von G.________ nicht beigebracht worden waren.
A.b Mit Eingabe vom 22. August 2002 erhob X.________ beim Bezirksgericht
I.________ Klage gegen G.________ und verlangte, diese zu verpflichten, ihm Fr.
108'140.55 nebst Zins zu 5 % seit 2. April 2002 zu zahlen. G.________ erklärte
Anerkennung der Klage, worauf das Verfahren durch Beschluss vom 17. Oktober
2002 als durch Klageanerkennung erledigt abgeschrieben wurde. In der Folge
stellte sich heraus, dass G.________ überschuldet war und die Forderung deshalb
als uneinbringlich erschien.

B.
Unter Berufung auf die Art. 426 ff. ZGB reichte X.________ hierauf mit Eingabe
vom 23. September 2003 beim Bezirksgericht I.________ eine Klage gegen
A.________, B.________, C.________, D.________ und E.________, alle fünf
Mitglieder der Sozial- bzw. Vormundschaftsbehörde F.________, ein und
beantragte, sie zu verpflichten, ihm Fr. 115'231.75 nebst Zins zu 5 % auf Fr.
108'140.55 seit 2. April 2002 und auf Fr. 7'091.20 (Prozessentschädigung aus
dem Verfahren gegen G.________ sowie Weisungskosten) seit 17. April 2003 zu
zahlen.
Das Bezirksgericht (II. Abteilung) und das Obergericht (II. Zivilkammer) des
Kantons Zürich wiesen die Klage mit Urteilen vom 14. September 2006 bzw. vom
12. Juni 2007 ab.
Am 30. Juni 2008 wies das Kassationsgericht des Kantons Zürich die von
X.________ gegen den obergerichtlichen Entscheid erhobene
Nichtigkeitsbeschwerde ab, soweit darauf einzutreten war.

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen vom 8. September 2008 beantragt X.________, die
Entscheide des Obergerichts und des Kassationsgerichts aufzuheben und die
Beschwerdegegner A.________, B.________, C.________, D.________ und E.________
zu verpflichten, ihm die bereits im kantonalen Verfahren geforderten Beträge zu
zahlen; allenfalls seien die beiden Entscheide aufzuheben und die Sache zu
neuer Beurteilung an das Obergericht zurückzuweisen.
Durch Präsidialverfügung vom 10. September 2008 ist das vom Beschwerdeführer
gleichzeitig gestellte Gesuch, der Beschwerde aufschiebende Wirkung
zuzuerkennen, abgewiesen worden.
Die Beschwerdegegner schliessen auf Abweisung der Beschwerde. Ober- und
Kassationsgericht haben auf eine Vernehmlassung zur Beschwerde verzichtet.

Erwägungen:

1.
1.1 Ist der Entscheid eines oberen kantonalen Gerichts mit einem Rechtsmittel,
das nicht alle Rügen nach den Art. 95-98 BGG zulässt, bei einer zusätzlichen
kantonalen Gerichtsinstanz angefochten worden, so beginnt die Beschwerdefrist
erst mit der Eröffnung des Entscheids dieser Instanz (Art. 100 Abs. 6 BGG). Die
innert der - mit der Zustellung des Beschlusses des Kassationsgerichts
ausgelösten und durch den Stillstand gemäss Art. 46 Abs. 1 lit. b (15. Juli bis
und mit 15. August) verlängerte - Frist von 30 Tagen (Art. 100 Abs. 1 BGG)
eingereichte Beschwerde ist daher auch bezüglich der Anfechtung des
obergerichtlichen Urteils rechtzeitig, zumal das Kassationsgericht wenigstens
teilweise auf die kantonale Nichtigkeitsbeschwerde eingetreten ist und letztere
insoweit somit zulässig war (dazu BGE 134 III 92 E. 1.4 S. 95).

1.2 Angefochten sind Entscheide über die vermögensrechtliche Verantwortlichkeit
eines vormundschaftlichen Organs. Auseinandersetzungen dieser Art stehen - wie
diejenigen auf dem Gebiet der Aufsicht über die Vormundschaftsbehörden (dazu
ausdrücklich Art. 72 Abs. 2 lit. b Ziff. 5 BGG) - in unmittelbarem Zusammenhang
mit Zivilrecht, zumal sich die Haftungsvoraussetzungen nach privatrechtlichen
Grundsätzen beurteilen (vgl. KATHRIN KLETT/ELISABETH ESCHER, Basler Kommentar,
N. 8 zu Art. 72 BGG). Auch sie unterliegen daher der Beschwerde in Zivilsachen
(so auch Rolando Forni/Giorgio Piatti, Basler Kommentar, 3. Auflage, N. 13 zu
den Art. 426-429 ZGB). Auf die Beschwerde ist mithin auch aus dieser Sicht ohne
weiteres einzutreten.

2.
2.1 Für den Beistand gelten, soweit - wie für die hier zu beurteilenden Fragen
- keine besonderen Vorschriften aufgestellt sind, die Bestimmungen über den
Vormund (Art. 367 Abs. 3 ZGB). Demnach haben aufgrund von Art. 426 ZGB der
Beistand und die Mitglieder der vormundschaftlichen Behörden bei der Ausübung
ihres Amtes die Regeln einer sorgfältigen Verwaltung zu beobachten; sie haften
alle für den Schaden, den sie (absichtlich oder fahrlässig) verschulden. Wird
die vormundschaftliche Behörde aus der Führung der Vormundschaft bzw.
Beistandschaft verantwortlich, so ist jedes Mitglied haftbar, soweit es nicht
nachweisen kann, dass ihm kein Verschulden zur Last fällt (Art. 428 Abs. 1
ZGB); jedes der haftbaren Mitglieder trägt den Schaden für seinen Anteil (Art.
428 Abs. 2 ZGB). Falls der Vormund bzw. Beistand und die Mitglieder der
Vormundschaftsbehörde zugleich haftbar sind, so haften letztere nur für das,
was vom Vormund bzw. Beistand nicht erhältlich ist (Art. 429 Abs. 1 ZGB); aus
Arglist (d.h. einem absichtlichen Verhalten) haften jedoch alle
verantwortlichen Personen unmittelbar und solidarisch (Art. 429 Abs. 3 ZGB).

2.2 Die Klage bezieht sich auf das Verhältnis zwischen der Beiständin und dem
(verstorbenen) Verbeiständeten. Da es sich beim klagenden Beschwerdeführer
nicht um eine Drittperson, sondern um den Universalsukzessor handelt (vgl. Art.
560 Abs. 2 ZGB), sind auf den vorliegenden Fall die angeführten Haftungsnormen
anwendbar, und nicht etwa die allgemeinen Bestimmungen von Art. 41 ff. OR über
die Haftung aus unerlaubter Handlung (vgl. BGE 115 II 15 E. 2 S. 17). Der
Beschwerdeführer wirft den Beschwerdegegnern die Verletzung von Pflichten vor,
die sich aus dem Bundesrecht (Art. 379-381 und 398 in Verbindung mit Art. 367
Abs. 3 ZGB) ergeben. Es kommen deshalb auch aus dieser Sicht die Art. 426 ff.
ZGB zum Tragen (dazu BGE 57 II 3 E. 2 S. 3 f.).

2.3 Eine Haftung nach den Art. 426 ff. ZGB setzt - wie eine solche nach den
Art. 41 ff. OR - Schaden, Widerrechtlichkeit (hier durch Verstoss gegen die
Regeln einer sorgfältigen Vermögensverwaltung), adäquaten Kausalzusammenhang
zwischen der beanstandeten Handlung oder Unterlassung und dem eingetretenen
Schaden sowie Verschulden der ins Recht gefassten Person voraus (dazu Forni/
Piatti, a.a.O., N. 1, 5 und 6 zu Art. 426-429 ZGB). Soweit die Haftung der
Beschwerdegegner für das Verhalten der Beiständin in Frage steht, sind sodann
im Sinne von Art. 7 ZGB die für die Geschäftsherrenhaftung (Art. 55 OR)
bestehenden Regeln heranzuziehen (vgl. VICTOR LIEBER, Zürcher Kommentar, 3.
Auflage, Zürich 1998, N. 87 zu Art. 7 ZGB). Es gelten mit anderen Worten die
für diesen Tatbestand entwickelten Sorgfaltsgrundsätze betreffend das
Auswählen, die Instruktion und die Beaufsichtigung einer Hilfsperson (cura in
eligendo, in instruendo et in custodiendo).

3.
Das Obergericht hat offen gelassen, ob ein Schaden, den der Beschwerdeführer in
der Höhe des Geldbetrags von Fr. 108'140.55 erblicke, für den die frühere
Beiständin nicht habe Rechenschaft ablegen können bzw. den sie verprasst habe,
überhaupt eingetreten sei. Falls die Voraussetzungen für eine Haftung der
Beschwerdegegner erfüllt sind, wird die kantonale Berufungsinstanz noch
Abklärungen zur Höhe des Schadens zu treffen oder allenfalls die Sache zu
solchen Abklärungen an das Bezirksgericht zurückzuweisen haben.

4.
4.1 Ebenso wenig hat das Obergericht sich zur Frage der Widerrechtlichkeit
einer allfälligen schädigenden Handlung abschliessend geäussert. Mit der ersten
Instanz und unter Hinweis auf deren Erwägungen verneinte es das Vorliegen eines
haftungsbegründenden schuldhaften Verhaltens der Beschwerdegegner, das der
Beschwerdeführer darin sehe, dass diese die Beiständin nicht sorgfältig
ausgewählt und dann auch nicht genügend instruiert und überwacht hätten. Dem
Vorbringen des Beschwerdeführers, G.________ habe angesichts ihrer nur
minimalen schulischen Ausbildung und des Fehlens einer Berufsausbildung und von
Kenntnissen über die Vermögensverwaltung die notwendigen Voraussetzungen für
das Amt einer Beiständin nicht erfüllt und hätte deshalb von den
Beschwerdegegnern nicht ernannt werden dürfen, hält das Obergericht ergänzend
entgegen, der Verbeiständete habe diese Ernennung selbst gewünscht, er hätte
daher der Vormundschaftsbehörde nicht nachträglich vorwerfen können, die
falsche Person ausgewählt bzw. bei der Ernennung der Beiständin ihre
Sorgfaltspflicht verletzt zu haben; ein solcher Vorwurf hätte in krasser Weise
gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstossen. Da der Beschwerdeführer
nur Ansprüche geltend zu machen befugt sei, die er vom Verbeiständeten geerbt
habe, könne auch er sich nicht mit Erfolg auf die Verletzung der cura in
eligendo durch die Beschwerdegegner berufen. Mit dem Hinweis, G.________ sei
durch den Sozialsekretär K.________ persönlich über die Pflichten einer
Beiständin informiert worden, hat die kantonale Berufungsinstanz erklärt, den
Beschwerdegegnern könne auch nicht vorgeworfen werden, sie hätten ihre
Instruktionspflicht verletzt.
Zum Vorwurf mangelnder Beaufsichtigung führt das Obergericht sodann aus, der
Beschwerdeführer begründe diesen im Wesentlichen damit, dass die
Beschwerdegegner die Verschleppung der Erstellung des Eröffnungsinventars durch
die Beiständin zugelassen und dem Verkauf der Eigentumswohnung des
Verbeiständeten zugestimmt hätten, obwohl das erwähnte Inventar noch nicht
vorgelegen habe. Unter Hinweis auf die Darlegungen der ersten Instanz
bezeichnet es den Vorwurf als unbegründet. Es sei im Übrigen nicht ersichtlich,
inwiefern die sofortige Erstellung des Inventars den behaupteten Schaden hätte
vermeiden können; auch wenn die Beiständin diese Aufgabe unmittelbar nach
Übernahme des Amtes korrekt erfüllt hätte und die Wohnung erst darnach verkauft
worden wäre, wären flüssige finanzielle Mittel in der Höhe von Fr. 108'500.--
zugeflossen, so dass auch eine nach Auffassung des Beschwerdeführers korrekte
Überwachung der Tätigkeit der Beiständin im Zusammenhang mit der Erstellung des
Eröffnungsinventars nicht hätte verhindern können, dass die Beiständin den
Verkaufserlös ohne Zustimmung des Verbeiständeten teils zu eigenem Nutzen
verbraucht hätte. Ausserdem werde nicht geltend gemacht, der Verbeiständete
habe die Verzögerung bei der Inventaraufnahme gerügt, und wäre eine
nachträgliche Beanstandung deshalb treuwidrig gewesen, was der Beschwerdeführer
als Rechtsnachfolger sich entgegenhalten zu lassen habe.
Das Obergericht erklärt schliesslich, dass entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers auch aus dem Beschluss vom 5. Februar 2001, worin die
Sozialbehörde (Vormundschaftsbehörde) F.________ die unter den Aktiven die
Position "Kontokorrent Beiständin Fr. 108'140.55" ausweisende Schlussrechnung
genehmigt habe, kein Haftungsanspruch gegenüber den Beschwerdegegnern
abgeleitet werden könne.

4.2 Das Kassationsgericht ist einzig auf das Vorbringen des Beschwerdeführers
eingetreten, er habe entgegen den Erwägungen des Obergerichts effektiv
bestritten, dass die Beiständin durch den Sozialsekretär persönlich instruiert
worden sei, und hat die Rüge verworfen. Soweit eine Verletzung klaren
materiellen Rechts geltend gemacht worden war, trat es auf die Beschwerde nicht
ein, zum einen, weil die beanstandete Missachtung kantonalen Rechts für den
Ausgang des Verfahrens unerheblich geblieben sei, zum anderen, weil die
Verletzung von Bundesrecht im Verfahren der Nichtigkeitsbeschwerde nicht gerügt
werden könne.

4.3 Der Beschwerdeführer macht nach wie vor geltend, die Beschwerdegegner
hätten mit der Ernennung von G.________ als Beiständin wie auch bei deren
Instruktion und Beaufsichtigung die ihnen obliegenden Sorgfaltspflichten
verletzt, und rügt die gegenteilige Auffassung der beiden kantonalen
Rechtsmittelinstanzen als bundesrechtswidrig. Im Einzelnen beanstandet er die
dem Wunsch des Verbeiständeten bezüglich der als Beistand zu ernennenden Person
beigemessene Bedeutung. Ferner bringt er vor, eine Instruktion von G.________
habe nicht stattgefunden, eine solche sei auf jeden Fall deren Person nicht
angemessen gewesen. Eine Verletzung von Bundesrecht erblickt der
Beschwerdeführer ebenfalls darin, dass von den Beschwerdegegnern nicht ein
Beharren auf fristgerechter Erstellung eines Eröffnungsinventars gefordert und
zudem angenommen worden sei, der Schaden wäre wohl auch dann eingetreten, wenn
die einschlägigen Vorschriften eingehalten worden wären. Er bemerkt, dass bei
einem Bestehen auf die bei der Erstellung des genannten Inventars zu
beachtenden Fristen festgestellt worden wäre, dass die Beiständin ihrer Aufgabe
gar nicht gewachsen gewesen sei. Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, dass
das Obergericht die Haftungsvoraussetzungen des Schadens, der
Widerrechtlichkeit und des adäquaten Kausalzusammenhangs, die er ausser dem
Verschulden der Beschwerdegegner ebenfalls für erfüllt hält, nicht geprüft hat.

5.
Das Bezirksgericht I.________, auf dessen Ausführungen zum Vorwurf der
mangelnden Beaufsichtigung der Beiständin das Obergericht verweist, war in
tatsächlicher Hinsicht davon ausgegangen, dass G.________ nach Eintritt der
Rechtskraft des die Beistandschaft anordnenden und sie zur Beiständin
ernennenden Beschlusses der Vormundschaftsbehörde vom 5. Juli 1999 am 24.
September 1999 schriftlich gebeten worden sei, sich im Zusammenhang mit dem
Verkauf der Eigentumswohnung des Verbeiständeten mit der Sozialbehörde in
Verbindung zu setzen. Die Beiständin habe dies getan und sich in der Folge um
den Verkauf gekümmert. Mit Schreiben vom 29. November 1999 habe sie einen
Antrag auf Zustimmung zum Verkauf der Wohnung zum Preis von 200'000 Franken
gestellt, dem die Sozialbehörde am 13. Dezember 1999 stattgegeben habe. Durch
Schreiben vom 3. Januar 2000 sei G.________ dann erstmals schriftlich darauf
aufmerksam gemacht worden, dass noch kein Eröffnungsinventar und auch kein
Zwischenbericht per 30. November 1999 eingegangen sei. Sie sei aufgefordert
worden, bis zum 11. Januar 2000 sich mit dem Sekretär der Sozialbehörde in
Verbindung zu setzen, um einen Besprechungstermin zu vereinbaren, und die
erforderlichen Unterlagen bereit zu halten. Am 15. Januar 2000 habe sie
reagiert und Auszüge aus dem Postcheckkonto des Verbeiständeten eingereicht. Da
damit noch nicht alle angeforderten Unterlagen eingereicht gewesen seien, sei
die Beiständin mit Schreiben vom 1. Februar 2000 aufgefordert worden, das
Versäumte bis zum 11. Februar 2000 nachzuholen. Nachdem auch diese Frist
unbenutzt abgelaufen sei, sei am 14. Februar 2000 eine neue Frist bis zum 8.
März 2000 angesetzt worden, um die für das Eröffnungsinventar erforderlichen
Belege und einen Zwischenbericht einzureichen. Am 2. März 2000 habe G.________
hierauf angerufen, doch habe sie den zuständigen Sekretär wegen dessen
Ferienabwesenheit nicht erreichen können. Mit Schreiben vom 9. März 2000 sei
sie alsdann auf den 14. März 2000 zu einer Besprechung vorgeladen worden. Zu
dieser habe sie Quittungen über für den Verbeiständeten ausgeführte Zahlungen
mitgebracht. Gleichzeitig habe sie versprochen, raschmöglichst das
Eröffnungsinventar und die Buchhaltung abzuliefern. Da in der Folge jedoch
keine weiteren Unterlagen eingegangen seien, sei die Beiständin mit Schreiben
vom 11. April 2000 auf die Pendenz hingewiesen und ihr eine letzte Frist bis
27. April 2000 angesetzt worden, verbunden mit der Ankündigung, dass im
Säumnisfall ein Amtsenthebungsverfahren durchgeführt werde. G.________ habe am
25. April 2000 wieder mit einem Anruf reagiert und mitgeteilt, sie werde bis 5.
Mai 2000 in den Ferien weilen, die fehlenden Unterlagen jedoch in der Woche vom
8. bis 12. Mai 2000 abgeben. Auf eine nochmalige Mahnung mit Fristansetzung vom
18. Mai 2000 habe sie dann am 23. Mai 2000 diverse Quittungen und Belege
eingereicht, doch seien auch diese nicht geeignet gewesen, ein
Eröffnungsinventar oder eine Buchhaltung zu erstellen. Noch am selben 23. Mai
2000 sei deshalb die vorläufige Amtseinstellung von G.________ und die
Einsetzung von H.________ als Beistand beschlossen worden.

6.
6.1 Damit ein Beistand seine Aufgabe als Vermögensverwalter richtig erfüllen
kann, muss er wissen, woraus das zu verwaltende Vermögen überhaupt besteht
(Hans Michael Riemer, Grundriss des Vormundschaftsrechts, 2. Auflage, Bern
1997, § 4 N. 156). Art. 398 Abs. 1 (in Verbindung mit Art. 367 Abs. 3) ZGB
sieht deshalb vor, dass bei Übernahme der Vormund- bzw. Beistandschaft ein
Inventar über dieses Vermögen aufzunehmen ist. Es liegt in der Natur der Sache,
dass dies rasch, nachdem die Anordnung der Beistandschaft rechtskräftig
geworden ist, zu geschehen hat (dazu Joseph Kaufmann, Berner Kommentar, N. 7 zu
Art. 398 ZGB, wonach das Inventar gemeinsam durch den Vormund und den Vertreter
der Vormundschaftsbehörde aufgenommen wird und der Vormund bei einem Zögern der
Vormundschaftsbehörde verpflichtet ist, die sofortige Festsetzung eines Termins
zu verlangen; nach A. Egger, Zürcher Kommentar, N. 16 zu Art. 398 ZGB, Peter
Tuor/Bernhard SCHNYDER/JÖRG SCHMID/ALEXANDRA RUMO-JUNGO, Das Schweizerische
Zivilgesetzbuch, 12. Auflage, Zürich 2002, S. 522, und Albert Guler, Basler
Kommentar, 3. Auflage, N. 3 zu Art. 398 ZGB, ist das Inventar "unverzüglich"
bzw. "möglichst bald nach Amtsantritt" bzw. "so rasch als möglich nach der
Amtsübernahme" aufzunehmen, wobei der letztgenannte Autor beifügt, dass für die
Inventaraufnahme auf jeden Fall ein Zeitpunkt zu wählen sei, der vor den ersten
den Vermögensstand beeinflussenden Amtshandlungen liege).

6.2 Aus den vom Obergericht übernommenen Feststellungen des Bezirksgerichts zum
zeitlichen Ablauf der Geschehnisse ergibt sich, dass nicht nur G.________,
sondern auch die Beschwerdegegner als Mitglieder der Vormundschaftsbehörde in
krasser Weise gegen Art. 398 Abs. 1 ZGB verstossen haben: Aufgrund der sie
treffenden Beaufsichtigungspflicht hätten die Beschwerdegegner - durch
entsprechende Weisungen an den für die Vormundschaftsbehörde handelnden
Sekretär - vorbehaltlos auf eine rasche Erstellung und Einreichung des
Eröffnungsinventars dringen müssen. Bei einer Nichtbefolgung der sich dabei
aufdrängenden Anordnungen durch die Beiständin hätten sie diese alsdann sofort
in ihrem Amt einstellen müssen. Statt dessen haben sie zugelassen, dass
G.________ erst am 3. Januar 2000, d.h. mehr als drei Monate, nachdem die
Anordnung der Beistandschaft in Rechtskraft erwachsen war, und ausserdem zu
einem Zeitpunkt, da die Zustimmung zum Verkauf der Wohnung des Verbeiständeten
durch die Beiständin (13. Dezember 1999) bereits erteilt war, schriftlich auf
das Fehlen des Eröffnungsinventars aufmerksam gemacht und aufgefordert wurde,
sich mit dem Sekretär der Sozialbehörde in Verbindung zu setzen. Bis zum
Beschluss vom 23. Mai 2000 über die vorläufige Amtseinstellung von G.________
vergingen dann noch fast fünf weitere Monate. Es braucht unter den gegebenen
Umständen gar nicht näher erörtert zu werden, ob die vom Beschwerdeführer
angesprochene in § 111 des Zürcher EG zum ZGB dem Vormund für die
Berichterstattung über die persönliche Fürsorge des Bevormundeten bzw. für die
Einreichung der Rechnung eingeräumte Frist von sechs Wochen in einem Fall der
vorliegenden Art überhaupt herangezogen werden kann. Dass der Beschwerdeführer
sich auf das dargelegte säumige Verhalten der Beiständin bzw. der
Beschwerdegegner im Zusammenhang mit der Erstellung des Eröffnungsinventars
beruft, verstösst entgegen der Auffassung des Obergerichts ungeachtet der
Tatsache, dass der Verbeiständete keine entsprechenden Rügen erhoben hatte,
nicht gegen das Gebot von Treu und Glauben: Es war nämlich in jedem Fall
Pflicht der Vormundschaftsbehörde selbst, für eine fristgerechte Erfüllung der
Inventarisationspflicht zu sorgen. Unter diesen Umständen mag dahin gestellt
bleiben, ob der Verbeiständete überhaupt in der Lage gewesen wäre, die
Pflichtverletzung der Beiständin rechtzeitig zu erkennen.

7.
Nach dem Gesagten ist die Haftungsvoraussetzung der Widerrechtlichkeit in dem
Sinne erfüllt, dass die Beschwerdegegner das Untätigsein der Beiständin viel zu
lange geduldet haben und damit den sich aus Art. 398 Abs. 1 ZGB für sie
ergebenden Pflichten nicht nachgekommen sind. In der dargelegten Verletzung der
Beaufsichtigungspflicht liegt zudem auch das für eine Haftung der
Beschwerdegegner vorausgesetzte Verschulden. Aufgrund des Festgestellten mag
offen bleiben, ob die Beschwerdegegner ihre Sorgfaltspflichten schon mit der
Auswahl der Person der Beiständin (cura in eligendo) oder bei deren Einführung
in das Amt (cura in instruendo) verletzt haben. Was die Auswahl betrifft, sei
immerhin bemerkt, dass das Vorschlagsrecht der zu bevormundenden bzw. zu
verbeiständenden Person (Art. 381 in Verbindung mit Art. 367 Abs. 3 ZGB) keinen
Anspruch auf Berücksichtigung des Vorschlags beinhaltet (BGE 118 Ia 229 E. 2 S.
230 f.; 117 Ia 506 S. 506 f.; 107 II 504 E. 3 S. 506); ein allfälliger
Vorschlag ändert nichts daran, dass die Vormundschaftsbehörde eine "geeignete"
Person zu bestimmen (Art. 379 Abs. 1 ZGB) bzw. zu prüfen hat, ob nicht wichtige
Gründe gegen eine Wahl des oder der Vorgeschlagenen sprechen (Art. 381 ZGB).
Entgegen der Auffassung des Obergerichts verstösst es daher auch nicht gegen
Treu und Glauben, wenn der Verbeiständete bzw. sein Rechtsnachfolger im Falle
einer Ernennung der von jenem gewünschten Person eine Verletzung der cura in
eligendo geltend macht.

8.
Mit der Feststellung, auch eine korrekte Überwachung der Amtsführung der
Beiständin hätte nicht verhindern können, dass diese den Erlös aus dem Verkauf
der Wohnung des Verbeiständeten teils zu eigenem Nutzen verbraucht hätte,
verneint das Obergericht - angesichts der tatsächlichen Gegebenheiten zu
Unrecht - einen (adäquaten) Kausalzusammenhang zwischen dem dargelegten
Fehlverhalten der Beschwerdegegner und dem Schaden. Wie der Beschwerdeführer
mit Recht betont, wäre bei einem - vom Gesetz geforderten - Beharren der
Beschwerdegegner auf fristgerechter Erstellung des Eröffnungsinventars sehr
rasch zutage getreten, dass G.________ überhaupt nicht in der Lage (oder aber
nicht willens) war, das ihr übertragene Amt einer Beiständin korrekt auszuüben.
Dies hätte zwangsläufig zur Einstellung der Beiständin in ihrem Amt vor Ende
November/anfangs Dezember 1999 führen müssen, so dass sich die Frage einer
Zustimmung zum Verkauf der Wohnung des Verbeiständeten durch sie von vornherein
nicht gestellt hätte. Der in einem Verbrauch des erzielten Verkaufserlöses
bestehende Schaden hätte somit gar nicht eintreten können.

9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass alle Voraussetzungen für eine grundsätzliche
Haftung der Beschwerdegegner gegeben sind. Die Beschwerde ist daher
gutzuheissen, und die beiden angefochtenen Entscheide sind aufzuheben. Als
Mitglieder der Vormundschaftsbehörde haften die Beschwerdegegner für das, was
von der Beiständin nicht erhältlich ist (Art. 429 Abs. 1 in Verbindung mit Art.
367 Abs. 3 ZGB). Es ist unbestritten, dass G.________ zahlungsunfähig ist. Ein
vorsätzliches Fehlverhalten der Beschwerdegegner, d.h. Arglist im Sinne von
Art. 429 Abs. 3 ZGB, liegt nicht vor, so dass diese nicht solidarisch, sondern
anteilsmässig haften (Art. 428 Abs. 1 erster Teil und Abs. 2 ZGB). Abzuklären
ist noch, ob einzelne Beschwerdegegner allenfalls Exkulpationsgründe darzutun
vermögen (Art. 428 Abs. 1 zweiter Teil ZGB) oder ob bei gewissen
Beschwerdegegnern das individuelle Verschulden eine Reduktion des Anteils zu
rechtfertigen vermöge (dazu Tuor/ Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo, a.a.O. S. 536).
Hierzu - wie auch zur Bestimmung des Schadensbetrages (s. oben E. 3) - ist die
Sache an das Obergericht zurückzuweisen, das anschliessend neu zu entscheiden
haben wird.

10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten - unter Solidarhaft -
den Beschwerdegegnern aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 und 5 BGG). Diese sind
ausserdem - ebenfalls unter Solidarhaft - zu verpflichten, den Beschwerdeführer
für seine Umtriebe im bundesgerichtlichen Verfahren zu entschädigen (Art. 68
Abs. 1 und 4 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
1.1 In Gutheissung der Beschwerde werden das Urteil des Obergerichts (II.
Zivilkammer) des Kantons Zürich vom 12. Juni 2007 und der Zirkulationsbeschluss
des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 30. Juni 2008 aufgehoben.

1.2 Die Sache wird zu neuer Beurteilung im Sinne der Erwägungen an das
Obergericht (II. Zivilkammer) des Kantons Zürich zurückgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 8'000.-- werden unter Solidarhaft den
Beschwerdegegnern auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegner werden verpflichtet, den Beschwerdeführer für seine
Umtriebe im bundesgerichtlichen Verfahren unter Solidarhaft mit Fr. 8'000.-- zu
entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Obergericht (II. Zivilkammer) des Kantons
Zürich und dem Kassationsgericht des Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 2. Dezember 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli Gysel