Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.61/2008
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Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_61/2008/don

Urteil vom 16. Juni 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer, Bundesrichter Marazzi,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiber Levante.

Parteien
1. X.________,
2. Y.________,
Beschwerdeführerinnen,
beide gesetzlich vertreten durch ihre Mutter A.________,
diese vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Markus Bachmann,

gegen

Z.________,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Rechtsanwalt R. Kurt Brunner.

Gegenstand
Namensänderung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern, I. Kammer als
Beschwerdeinstanz, vom 30. November 2007.

Sachverhalt:

A.
Mit Urteil des Amtsgerichts Luzern-Stadt vom 6. Januar 2004 wurde die Ehe von
A.________ und Z.________ geschieden. Die Kinder X.________ (geboren im 1995)
und Y.________ (geboren im 1998) mit dem Familiennamen D.________wurden unter
die elterliche Sorge der Mutter gestellt, welche nach der Scheidung wieder
ihren angestammten Namen annahm und seit der Heirat am 13. Mai 2005 den
Familiennamen C.________ trägt.

Am 18. Januar 2006 reichte A.________ als gesetzliche Vertreterin der beiden
Kinder beim Justiz- und Polizeidepartement des Kantons Luzern, Amt für
Gemeinden, ein Gesuch um Namensänderung gemäss Art. 30 Abs. 1 ZGB ein, mit
welchem die Änderung des Familiennamens der Kinder von "D.________" (Name des
Vaters Z.________) in "C.________" verlangt wurde.

B.
Mit Entscheid vom 22. August 2007 wies das kantonale Departement das Gesuch um
Änderung des Familiennamens ab, mit der Begründung, dass den Gesuchstellerinnen
aufgrund ihres angestammten Familiennamens keine ernsthaften Nachteile
erwachsen würden und daher keine wichtigen Gründe im Sinne des Gesetzes für
eine Namensänderung vorlägen. Die gegen diesen Entscheid erhobene
Verwaltungsgerichtsbeschwerde wies das Obergericht des Kantons Luzern, I.
Kammer, mit Urteil vom 30. November 2007 ab.

C.
X.________ und Y.________ (Beschwerdeführerinnen) erheben durch ihre
gesetzliche Vertreterin mit Eingabe vom 25. Januar 2008 Beschwerde in
Zivilsachen und beantragen dem Bundesgericht, das Urteil des Obergerichts sei
aufzuheben und die beantragte Änderung des Namens von "D.________" in
"C.________" sei zu bewilligen; eventuell sei die Sache zur Neuentscheidung an
die Vorinstanz zurückzuweisen.

Vernehmlassungen sind nicht eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten ist ein Entscheid über die (verweigerte) Bewilligung der
Namensänderung, welche der Beschwerde in Zivilsachen unterliegt (Art. 72 Abs. 2
lit. b Ziff. 3 BGG). Die Beschwerde gegen den letztinstanzlichen kantonalen und
verfahrensabschliessenden Entscheid (Art. 75 Abs. 1, Art. 90 BGG) in einer
nicht vermögensrechtlichen Angelegenheit ist grundsätzlich zulässig.

1.2 Die ältere der beiden Beschwerdeführerinnen war bei Einreichung des Gesuchs
erst 10½ Jahre alt und in Bezug auf die Namensänderung nicht urteilsfähig
gemäss Art. 16 ZGB (vgl. Urteil 5P.426/2000 vom 6. März 2001, E. 1, wo die
Urteilsfähigkeit einer 14-jährigen Jugendlichen in Bezug auf die Namensänderung
bejaht wurde). Für das urteilsunfähige Kind wird nach konstanter Rechtsprechung
das Gesuch um Namensänderung vom gesetzlichen Vertreter gestellt (BGE 117 II 6
E. 1b S. 7 f. mit Hinweisen; kritisch u.a. Thomas Geiser, AJP 1998 S. 1513, mit
Hinweis auf die Interessenkollision und das Erfordernis der Bestellung eines
Beistandes gemäss Art. 392 Ziff. 2 ZGB, wenn das Kind seinen bisherigen Namen
gegen den aktuellen Namen des Inhabers bzw. der Inhaberin der elterlichen Sorge
austauschen soll).

1.3 In der Beschwerdebegründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern
der angefochtene Entscheid Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG). Mit der
Beschwerde kann insbesondere die Verletzung von Bundes- und Völkerrecht gerügt
werden (Art. 95 lit. a und b BGG). Soweit die Vorbringen der
Beschwerdeführerinnen den Begründungsanforderungen nicht genügen oder im vom
Obergericht verbindlich festgestellten Sachverhalt keine Stütze finden (Art.
105 Abs. 1 BGG) kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden. Neue
Tatsachenvorbringen (wie das nachträglich eingereichte Semesterzeugnis vom 25.
Januar 2008) sind unzulässig (vgl. Art. 99 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des
Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder
auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und die Behebung des
Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1
BGG). Dabei bedeutet "offensichtlich unrichtig" willkürlich (BGE 133 II 249 E.
1.2.2 S. 252).

2.
2.1 Das Obergericht hat den Antrag auf persönliche Anhörung der
Beschwerdeführerinnen abgelehnt. Zur Begründung hat es ausgeführt, die Kinder
hätten sich in ihren Schreiben vom Januar 2006 schriftlich zum
Namensänderungsgesuch geäussert. Sodann hätten sie im Rahmen der Begutachtung
durch den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst (KJPD) des Kantons Luzern
(Gutachten vom 12. März 2007) zur Namensänderung Stellung genommen, auch wenn
die Namensänderung nicht eigentlicher Gegenstand der Begutachtung gewesen sei.
Schliesslich hätten die Beschwerdeführerinnen ein Gutachten von Dr. med.
E.________, Facharzt FMH für Kinder- und Jugend-Psychiatrie und
-Psychotherapie, vom 11. September 2007 eingereicht, welcher sie im Hinblick
auf die Namensänderung untersucht (und die Änderung empfohlen) habe. Da die
Standpunkte der Beschwerdeführerinnen auf diese Weise in das Verfahren
eingeflossen seien und die Meinungsäusserungen in ihrer Richtigkeit nicht
bestritten würden, sei der Verzicht auf eine mündliche Anhörung mit Art. 12 des
UNO-Übereinkommens über die Rechte der Kinder (SR 0.107; KRK) vereinbar. Die
Beschwerdeführerinnen rügen eine Verletzung des Anhörungsrechts, weil sie
entgegen ihrem Antrag weder vom kantonalen Departement noch vom Obergericht
mündlich angehört worden seien.

2.2 Gemäss Art. 12 KRK sichern die Vertragsstaaten dem Kind, das fähig ist,
sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das
Kind berührenden Angelegenheiten bzw. Gerichts- oder Verwaltungsverfahren
unmittelbar oder durch einen Vertreter oder eine geeignete Stelle frei zu
äussern und angehört zu werden. Art. 12 KRK ist unmittelbar anwendbar (BGE 124
III 90 E. 3a S. 91). Die Anhörung ist ein Persönlichkeitsrecht des Kindes; sie
muss nicht notwendigerweise in jedem Fall mündlich erfolgen, sondern es kann
genügen, wenn der Standpunkt des Kindes sonstwie in tauglicher Weise, zum
Beispiel durch eine Eingabe seines Vertreters, Eingang in das Verfahren
gefunden hat (BGE 124 II 361 E. 3c S. 368 m.H.).

2.3 Der Wortlaut von Art. 12 Abs. 1 KRK - "in allen das Kind berührenden
Angelegenheiten" - lässt für die Bestimmung des Anwendungsbereiches dieses
speziellen konventionsrechtlichen Gehörsanspruches einen Beurteilungsspielraum
offen. Der Anspruch setzt zunächst voraus, dass das Kind überhaupt fähig ist,
sich eine eigene Meinung zu bilden. Sodann können die Interessen eines Kindes
in vielerlei Verwaltungs- und Gerichtsverfahren in irgend einer Weise "berührt"
sein, ohne dass sich deswegen eine Anhörung des Kindes sachlich rechtfertigen
würde. Der konventionsrechtliche Anhörungsanspruch muss sich vernünftigerweise
auf Verfahren beschränken, in denen persönlichkeitsrelevante essentielle eigene
Interessen des Kindes unmittelbar auf dem Spiele stehen, wie dies insbesondere
etwa bei Trennung des Kindes von seiner Familie (vgl. Art. 314 ZGB [Verfahren
bei Kindesschutzmassnahmen]) oder beim Entscheid über das Sorgerecht bei
Ehescheidung (vgl. Art. 144 ZGB) der Fall ist. Da der Name Bestandteil der
Persönlichkeit ist (BGE 108 II 161 E. 1 S. 162), ist auch das Verfahren gemäss
Art. 30 Abs. 1 ZGB, mit welchem der Name des Kindes geändert werden soll, vom
Anwendungsbereich von Art. 12 KRK erfasst.

2.4 In der Beschwerde wird in Frage gestellt, dass die beiden Briefe vom Januar
2006, welche die Beschwerdeführerinnen im Alter von 7½ und 10½ Jahren
geschrieben haben, ein taugliches Mittel seien, um ihren Standpunkt in das
Verfahren einzubringen; ebenso wenig vermöchten die Stellungnahmen in einer
Begutachtung, die nicht die Namensänderung zum Gegenstand hatte, dem
Anhörungsrecht genügen.

Ob das Anhörungsrecht gemäss Art. 12 KRK durch die beiden Briefe hinreichend
gewahrt ist, braucht nicht weiter erörtert zu werden. Ausschlaggebend ist, dass
die Stellungnahmen der Beschwerdeführerinnen zur Namensänderung im Gutachten
des KJPD, welches im Rahmen des vormundschaftlichen Verfahren erfolgte und von
der Vormundschaftsbehörde angeordnet wurde, ausgiebig abgehandelt werden.
Dadurch haben ihre Standpunkte in tauglicher Weise Eingang in das vorliegende
Verfahren gefunden. Im Übrigen hat das Obergericht darauf abgestellt, dass
durch das - von den Beschwerdeführerinnen via ihre Kinderärztin in Auftrag
gegebene und von ihnen eingereichte - (Privat-) Gutachten von Dr. med.
E.________ vom 11. September 2007 die Standpunkte der Beschwerdeführerinnen in
genügender und geeigneter Weise in das Verfahren eingeflossen seien. Darauf
gehen die Beschwerdeführerinnen nicht ein; entgegen ihrer Darstellung hat sich
die Vorinstanz mit diesem Gutachten auseinandergesetzt. Die
Beschwerdeführerinnen vermögen mit ihrer Rüge, ihr Anhörungsrecht gemäss Art.
12 KRK sei verletzt worden, nicht durchzudringen.

2.5 Soweit die Beschwerdeführerinnen in diesem Zusammenhang unter Hinweis auf
die bundesrechtlichen Regeln zum Scheidungsverfahren vorbringen, die Abweisung
des Antrags auf persönliche Anhörung verletze die Pflicht zur
Sachverhaltsfeststellung, gehen sie schliesslich fehl. Das Bundesrecht sieht im
Rahmen der Namensänderung nach Art. 30 Abs. 1 ZGB nicht vor, dass der
Sachverhalt von Amtes wegen zu erforschen sei.

3.
3.1 Das Obergericht ist in der Sache zum Ergebnis gelangt, dass keine wichtigen
Gründe im Sinne von Art. 30 Abs. 1 ZGB vorliegen, um die Änderung des
Familiennamens der Beschwerdeführerinnen von "D.________" in "C.________" zu
bewilligen. Nach den Sachverhaltsfeststellungen im angefochtenen Urteil ist die
Beziehung der Beschwerdeführerinnen zu ihrem leiblichen Vater stark belastet.
Die Vorinstanz hat unter Hinweis auf das Gutachten des KJPD festgehalten, dass
das innere Bild der Beschwerdeführerinnen von ihrem Vater von Schrecken und
Verachtung geprägt sei. Die Not der Kinder sei durch einen seit längerer Zeit
bestehenden Loyalitätskonflikt bedingt, welchen sie durch eine radikale
Identifizierung mit der Position der Mutter zu lösen versuchen. Sie hätten
bereits begonnen, die Tatsache, dass der Beschwerdegegner ihr leiblicher Vater
sei, zu verdrängen. Vom Vater gehe allerdings keine eigentliche Gefährdung aus
und von einer grundsätzlichen Unzumutbarkeit von Begegnungen der Kinder mit ihm
könne nicht gesprochen werden. Für die stark belastete Beziehung zum Vater sei
nicht nur der Vater verantwortlich, sondern auch die Mutter, indem sie der
rigiden Ablehnung des Vaters keine übergeordnete Sicht entgegensetze und mit
einer unguten Solidarität die Realitätsverkennung der Töchter unterstütze. Die
gesundheitliche Entwicklung (beginnende depressive Entwicklung gemäss
Privatgutachten von Dr. med. E.________) von X.________ sei nicht zu
bagatellisieren, jedoch sei ein Trugschluss anzunehmen, mit der Ablegung des
angestammten Namens könnten sich die Kinder aus der belastenden Situation
befreien. Das Obergericht hat erwogen, dass der schwere Konflikt mit der
Ablegung des angestammten Namens (des leiblichen Vaters) kaum beeinflusst oder
gar behoben werden könne. Am Fehlen von wichtigen Gründen für eine
Namensänderung ändere auch nichts, dass sich die Beschwerdeführerinnen in der
neuen Familie sicher und geborgen fühlten, oder seit gut zwei Jahren den Namen
des Stiefvaters verwenden würden.

3.2 Die Regierung des Wohnsitzkantons kann einer Person die Änderung des Namens
bewilligen, wenn wichtige Gründe vorliegen (Art. 30 Abs. 1 ZGB). Ob im
einzelnen Fall ein Grund für eine Namensänderung vorliegt, ist eine
Ermessensfrage, die von der zuständigen Behörde nach Recht und Billigkeit zu
beantworten ist (Art. 4 ZGB; BGE 124 III 401 E. 2a S. 402; 126 III 1 E. 2 S.
2).
Ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 30 Abs. 1 ZGB ist gegeben, wenn das
Interesse des Namensträgers an einem neuen Namen dasjenige der Allgemeinheit
und der Verwaltung an der Unveränderlichkeit des einmal erworbenen und in die
Register eingetragenen Namens sowie an der eindeutigen Kennzeichnung und
Unterscheidung des Einzelnen überwiegt. Der Name soll dem Namensträger das
Fortkommen ermöglichen und erleichtern; aus dem Namen sollen nicht wirkliche
Nachteile oder erhebliche Unannehmlichkeiten erwachsen (BGE 120 II 276 E. 1 S.
277). Die Namensänderung hat den Zweck, ernstliche Nachteile, die mit dem
bisherigen Namen verbunden sind, zu beseitigen, wobei vor allem moralische,
geistige und seelische, aber auch wirtschaftliche oder administrative
Interessen im Spiele stehen können (BGE 108 II 1 E. 5a S. 4; 124 III 401 E. 2b
S. 402, je mit Hinweis; Thomas Geiser, Die neuere Namensänderungspraxis des
schweizerischen Bundesgerichts, ZZW 1993, S. 375 Ziff. 2.11.). Diese Interessen
sind jedoch nach objektiven Kriterien, mithin danach zu werten, wie der zu
ändernde Name auf die Umwelt wirkt; subjektive Gründe des Namensträgers bleiben
bei dieser Wertung grundsätzlich bedeutungslos (Hans Michael Riemer,
Personenrecht des ZGB, 2. Aufl. 2002, S. 114 Rz. 230; Henri Deschenaux/
Paul-Henri Steinauer, Personnes physiques et tutelle, 4. Aufl. 2001, S. 132 Rz.
427; Roland Bühler, Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 3. Aufl. 2006, N. 5 zu
Art. 30 ZGB).

3.3 Die Beschwerdeführerinnen leben in der Obhut der sorgeberechtigten Mutter,
welche nach der Scheidung ihren angestammten Namen wieder angenommen und nach
der Heirat den Namen des Ehemannes ("C.________") als Familiennamen erworben
hat, und verlangen die behördliche Änderung des angestammten Familiennamens
("D.________") in den Familiennamen der Mutter. Das Obergericht ist unter
Berufung auf die jüngere Rechtsprechung des Bundesgerichts davon ausgegangen,
die blosse Wiederherstellung der Namensidentität zwischen Kind und
sorgeberechtigter Mutter vermöge eine Namensänderung nicht zu rechtfertigen
(dazu BGE 121 III 145; 124 III 401).
3.3.1 Die Beschwerdeführerinnen stellen diese Rechtsprechung mit Hinweis auf
BGE 132 III 497 in Frage. Im betreffenden Urteil ging es - wie das Obergericht
festgehalten hat - allerdings um das Namensänderungsgesuch für ein Kind nicht
verheirateter Eltern, welches beim Vater aufwächst und diesem nach Art. 298
Abs. 2 ZGB die elterliche Sorge übertragen wurde. Der gesetzlichen Wertung,
wonach das Kind unverheirateter Eltern den Namen der Mutter trägt und im
Allgemeinen unter der elterlichen Sorge der Mutter steht, entspricht es, dass
es sich ebenso verhält, wenn der Vater das Sorgerecht für das bei ihm
aufwachsende Kind trägt (BGE 132 III 497E. 4.4.1 S. 501). Inwiefern vor diesem
Hintergrund die Praxis betreffend die Namensänderung Kinder nach der Scheidung
zu ändern sei, vermögen die Beschwerdeführerinnen nicht dartun.
3.3.2 Nach der erwähnten Praxis ist entscheidend, dass den Kindern aufgrund der
gewandelten gesellschaftlichen Verhältnisse nicht mehr allein deshalb ein
sozialer Nachteil erwächst, weil sie nicht den Namen der sozialen Familie
tragen, welcher sie aufgrund besonderer Umstände angehören (BGE 124 III 401 E.
2b/bb S. 403; kritisch Riemer, a.a.O., S. 115 Rz. 234; Andreas Bucher,
Natürliche Personen und Persönlichkeitsschutz, 3. Aufl. 1999, S. 212 f., Rz.
816a). Damit haben die Beschwerdeführerinnen auch im vorliegenden Fall konkret
aufzuzeigen, inwiefern ihnen durch die Führung des von Gesetzes wegen
erworbenen Namens des leiblichen Vaters (Art. 160 Abs. 1 i.V.m. Art. 270 Abs. 1
ZGB) ernsthafte Nachteile erwachsen, welche als wichtige Gründe für eine
Namensänderung in Betracht gezogen werden können (vgl. BGE 121 III 145 E. 2c S.
148).

3.4 Die Beschwerdeführerinnen rügen zunächst verschiedene unrichtige
Sachverhaltsfeststellungen.
3.4.1 Die Rüge, das Obergericht habe willkürlich auf das Gutachten vom KJPD vom
März 2007 abgestellt, obwohl sich dieses ausdrücklich nicht zur Frage der
Namensänderung äussere, geht fehl. Die Begutachtung wurde zwar nicht im
Hinblick auf die Namensänderung erstellt, sondern von der Vormundschaftsbehörde
der Stadt Luzern im Rahmen eines Verfahrens zur Gestaltung der Elternrechte
(Besuchsrecht) verfügt. Die Behörde beauftragte den KJPD, das Verhältnis der
Beschwerdeführerinnen zu ihren Eltern zu untersuchen und Empfehlungen zur
Gestaltung der Elternkontakte zu formulieren. Im Gutachten wird festgehalten,
dass die Beschwerdeführerinnen das Thema der Namensänderung vehement und
mehrfach eingebracht hätten; die Gutachterinnen haben diesbezüglich
Beobachtungen getroffen und zur Frage aus fachlicher Sicht Stellung genommen.
Die Beschwerdeführerinnen haben dieses Gutachten selber (der Erstinstanz)
eingereicht und sich auf dieses Beweismittel berufen, einschliesslich der
Ausführungen der Gutachterinnen zur Namensänderung. Unter diesen Umständen kann
von einer willkürlicher Sachverhaltsfeststellung keine Rede sein, wenn das
Obergericht sich nicht nur für das Verhältnis der Beschwerdeführerinnen zu
ihrem Vater, sondern auch betreffend Namensänderung auf die Angaben im
Gutachten gestützt hat.
3.4.2 Sodann hat das Obergericht entgegen der Behauptung der
Beschwerdeführerinnen das von ihnen eingereichte (Privat-) Gutachten von Dr.
med. E.________ gewürdigt, so dass der Vorwurf, die Vorinstanz habe einseitig
Beweise berücksichtigt, und andere, aus denen sich Gegenteiliges ergeben
könnte, ausser Betracht gelassen habe (BGE 118 Ia 28 E. 1b S. 30), unbegründet
ist. Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerinnen hat das Obergericht auf
den im Privatgutachten von Dr. med. E.________ erwähnten Beginn einer
depressiven Entwicklung bei X.________ ausdrücklich Bezug genommen, so dass
auch diese Rüge der Aktenwidrigkeit bzw. unrichtigen Tatsachenfeststellung fehl
geht.

3.5 Die Beschwerdeführerinnen machen in rechtlicher Hinsicht im Wesentlichen
geltend, das Obergericht habe die Gefahr, dass der Vater aus ihrem Leben
verdrängt werde, falsch gewichtet bzw. zu Unrecht berücksichtigt. Es habe
übergangen, dass die Beschwerdeführerinnen sich (für den Namen "C.________")
entschieden hätten, weil sie sich mit ihrer neuen Familie identifizierten, was
vor dem Hintergrund zu sehen sei, dass sie seit langem keine engere und
positive Beziehung zum Vater hätten. Der anhaltende Kampf des Vaters auf
juristischer Ebene habe dazu beigetragen, dass sie sich von ihm distanzierten.
Sie würden wegen des angestammten Namens in einem Mass leiden, welches die
Gesundheit und die schulische Leistung gefährde. Sie und ihre Mutter würden
geplagt durch rechtliche Verfahren, seit sie den Kontakt zu ihm verweigerten.
Das Obergericht habe übergangen, dass die Gewährung der Namensänderung den
Beschwerdeführerinnen seelische Entlastung bringen und die schulische
Entwicklung erleichtern würde. Zu prüfen ist, ob das Obergericht wichtige
Gründe zur behördlichen Namensänderung verkannt habe.
3.5.1 Aus den Sachverhaltsfeststellungen (E. 3.1) ergibt sich, dass die
Beziehung zwischen den Beschwerdeführerinnen und ihrem Vater sehr stark
belastet ist. Die Beschwerdeführerinnen weisen vergeblich auf die Aussage von
Dr. med. E.________ hin, wonach es keinen Loyalitätskonflikt gebe. In diesem
Punkt ist das Privatgutachten - wie die Vorinstanz festgehalten hat -
widersprüchlich, wird doch darin ausgeführt, dass der juristische Kampf des
"Vaters gegen die Mutter" die aversive Haltung der Kinder gegen den Vater
verfestigt habe, zumal der Kindsvater am Privatgutachten (im Unterschied zum
Gutachten des KJPD) nicht mitgewirkt hat und feststeht, dass die Mutter eine
Mitverantwortung für die gegenwärtige Beziehung der Kinder zum Vater trägt.
3.5.2 Nach den Sachverhaltsfeststellungen liegt der Grund für die Belastung der
Beziehung der Beschwerdeführerinnen zu ihrem Vater in einem starken
Loyalitätskonflikt, in welchen die Kinder geraten sind und welchen sie durch
die radikale Ablehnung ihres Vaters bzw. radikale Identifizierung mit der
Position der Mutter zu lösen versuchen. Das innere Bild der
Beschwerdeführerinnen von ihrem Vater ist von Schrecken und Verachtung geprägt,
obwohl keine Gefährdung vom Vater ausgeht oder die Begegnung mit ihm zumutbar
wäre. Dass hier die Namensfrage für die Kinder subjektiv bedeutsam ist, steht
ausser Frage. Vor dem Hintergrund des starken Konfliktes vermögen die
Beschwerdeführerinnen jedoch nicht darzulegen, dass - objektiv gesehen - die
Namensfrage im Verhältnis zu ihrem Vater von zentraler Bedeutung sei und die
Namensänderung der Konfliktbewältigung dienen könnte. Mit der blossen
Spekulation, das Tragendürfen des Namens Bertschmann könnte den seelischen
Druck verringern oder vielleicht eine Annäherung an den leiblichen Vater
bewirken, ist die Begründung der Vorinstanz, dass durch die Namensänderung das
stark belastete Verhältnis der Beschwerdeführerinnen zu ihrem Vater nicht
verbessert bzw. der schwere Loyalitätskonflikt nicht gelöst werde, nicht zu
widerlegen. Insoweit liegt keine gesetzwidrige Ermessensausübung (Art. 4 ZGB)
vor, wenn das Obergericht angenommen hat, der Konflikt und die seelische
Belastung lasse sich mit der Namensänderung nicht beheben, da insoweit die
Namensänderung rein subjektiv begründet ist, was nach der Rechtsprechung nicht
genügt.
3.5.3 Die Beschwerdeführerinnen weisen weiter auf die im angefochtenen Urteil
festgestellte gesundheitliche Beeinträchtigung (beginnende depressive Störung)
bei X.________ hin, in welcher sie einen wichtigen Grund für die Namensänderung
sehen. Das Obergericht hat erwogen, dass die psychischen Probleme der Kinder
nicht mit der Namensänderung gelöst werden könnten, weil deren Ursachen tiefer
und im seit lange bestehenden Loyalitätskonflikt liegen. In der
Beschwerdeschrift wird auf die entscheidende Überlegung der Vorinstanz, dass
die Beschwerdeführerinnen nicht durch den Namen, sondern durch den ungelösten
Loyalitätskonflikt in ihrer psychischen und schulischen Entwicklung
beeinträchtigt werden, und dass die Annahme, die Namensänderung könne Abhilfe
schaffen, ein Trugschluss sei, nicht eingegangen. Aufgrund der
Sachverhaltsfeststellungen ergeben sich - mit Blick auf die voraussichtliche
Weiterentwicklung - keine hinreichenden Anhaltspunkte, dass eine Bewältigung
des Loyalitätskonflikts unwahrscheinlich sei und sich eine einigermassen
geordnete Beziehung zum Vater nicht herstellen liesse. Dass - objektiv gesehen
- die Namensänderung für die seelische Gesundheit besser sei, ist insoweit
nicht dargetan.
3.5.4 Das Obergericht hat im Weiteren zu Recht festgehalten, dass dem Wunsch
von Kindern auf Namensänderung mögliche spätere Auswirkungen gegenüberzustellen
sind, die sich aus der Verschleierung der Herkunft bzw. der Beziehung zum
leiblichen Vater ergeben könnten (BGE 124 III 401 E. 3b/aa S. 404; vgl.
Reinhart Lempp, Gerichtliche Kinder- und Jugendpsychiatrie, Bern 1983, S. 186
f.). Auf diese Erwägung und die vorinstanzliche Feststellung, dass sich
vorliegend die Gefahr der Verschleierung der Herkunft abzeichne und sich diese
negativ auf die Identitätsfindung auswirken könne, gehen die
Beschwerdeführerinnen nicht ein. Dem Vorwurf, das Obergericht "missbrauche" das
Namensrecht für Fragen der Beziehung zwischen dem Vater und den Kindern, ist
entgegenzuhalten, dass vielmehr die Namensfrage im Loyalitätskonflikt der
Kinder zwischen ihrer Mutter und der neuen Familie einerseits und ihrem Vater
andererseits instrumentalisiert wird. Die übrigen Vorbringen der
Beschwerdeführerinnen (wie betreffend die Namensführungspflicht im Privaten)
vermögen die Rechtmässigkeit der Verweigerung der Namensänderung nicht in Frage
zu stellen. Dass die Vorinstanz den Umstand, wonach der Beschwerdegegner im
Gutachten die Vaterschaft bezweifelte, vor dem konkreten Hintergrund der heftig
geführten Nach-Scheidungsdivergenz nicht als ausschlaggebend für die
Namensänderung erachtet hat, vermag weder Missbrauch noch Überschreitung des
Ermessens darzustellen.

3.6 Nach dem Dargelegten besteht kein Anlass, in die Ermessensausübung des
kantonalen Gerichts einzugreifen. Es ist haltbar, wenn das Obergericht zum
Ergebnis gelangt ist, dass - bei fehlender Konfliktlösung - das allfällige
Eintreten von Nachteilen nicht in entscheidender Weise von der Namensänderung
abhängig ist und daher den Beschwerdeführerinnen keine ernstlichen Nachteile
erwachsen, wenn sie mit dem bisherigen Namen weiter verbunden bleiben.

4.
Aus diesen Gründen ist die Beschwerde unbegründet und abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden kann. Bei diesem Verfahrensausgang werden die
Beschwerdeführerinnen kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 und 5 BGG). Eine
Parteientschädigung entfällt, da keine Vernehmlassung eingeholt worden ist und
dem Beschwerdegegner keine Kosten entstanden sind.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde in Zivilsachen wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden den Beschwerdeführerinnen gemeinsam
unter solidarischer Haftbarkeit auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Luzern, I.
Kammer als Beschwerdeinstanz, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 16. Juni 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli Levante