Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.676/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_676/2008/don

Urteil vom 15. Januar 2009
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer,
Gerichtsschreiber Levante.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Fidel Cavelti,

gegen

Kantonsgericht von Appenzell Ausserrhoden, Einzelrichter.

Gegenstand
Konkurseröffnung aufgrund einer Insolvenzerklärung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts von Appenzell Ausserrhoden,
Einzelrichter, vom 1. September 2008.

Sachverhalt:

A.
X.________ ist teilweise als selbständiger Landwirt auf seinem Betrieb in
Z.________ tätig und bezieht zudem eine Invalidenrente sowie ein Taggeld nach
UVG. Er lebt von seiner Ehefrau getrennt und das Scheidungsverfahren ist
bereits im Gang. Seine beiden Kinder, geboren in den Jahren 1991 und 1992,
leben bei der Mutter.

B.
Mit Eingabe vom 24. April 2008 an das Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden
erklärte sich X.________ für zahlungsunfähig und beantragte die
Konkurseröffnung über sein Vermögen. Nach Einholung verschiedener Unterlagen
wies der Einzelrichter das Gesuch am 23. Mai 2008 ab. Er bejahte die Aussicht
auf eine Schuldenbereinigung und erachtete das Gesuch überdies als
rechtsmissbräuchlich.

C.
Daraufhin gelangte X.________ an das Obergericht von Appenzell Ausserrhoden,
welches seine Appellation am 1. September 2008 abwies. Der Einzelrichter
verneinte zwar die Aussicht auf eine Schuldenbereinigung, beurteilte indessen
das Gesuch als offensichtlich rechtsmissbräuchlich.

D.
Mit Beschwerde in Zivilsachen vom 6. Oktober 2008 beantragt X.________
(nachfolgend: Beschwerdeführer) dem Bundesgericht die Aufhebung des
obergerichtlichen Entscheides und die Eröffnung des Konkurses über sein
Vermögen.

Das Obergericht hat auf eine Vernehmlassung verzichtet.

Erwägungen:

1.
Gegen Entscheide des Konkursrichters ist die Beschwerde in Zivilsachen gegeben.
Sie ist an keinen Streitwert gebunden (Art. 74 Abs. 2 lit. d BGG). Die
Abweisung des Konkursbegehrens stellt einen Endentscheid dar (Art. 90 BGG; BGE
133 III 687 E. 1.2 S. 689). Damit kann der Beschwerdeführer sämtliche
Beschwerdegründe vorbringen und das Bundesgericht ist nicht auf die Prüfung der
verfassungsmässigen Rechte beschränkt (Art. 95 ff. BGG).

2.
Der Schuldner kann die Konkurseröffnung selber beantragen, indem er sich beim
Gericht zahlungsunfähig erklärt (Art. 191 Abs. 1 SchKG). Der Richter eröffnet
den Konkurs, wenn keine Aussicht auf eine Schuldenbereinigung nach Art. 333 ff.
besteht (Art. 191 Abs. 2 SchKG). Diese Voraussetzung wurde von der Vorinstanz
als gegeben erachtet. Damit ist im vorliegenden Fall nur mehr strittig, ob das
Gesuch des Beschwerdeführers offensichtlich rechtsmissbräuchlich erfolgt ist.

2.1 Anlässlich der SchKG-Revision von 1994 wurden die Voraussetzungen für die
Eröffnung eines Insolvenzverfahrens strenger gefasst. Nunmehr genügt die
Erklärung des Schuldners nicht mehr, um den Konkurs zu bewirken. Der Richter
prüft den Antrag und entscheidet, ob der Konkurs auszusprechen ist. Wenn dies
auch in vielen Fällen weiterhin die Regel sein dürfte, so stellt die Neufassung
von Art. 191 SchKG doch klar, dass der Richter - wie bisher in der Praxis
bereits gehandhabt - rechtsmissbräuchliche Gesuche ablehnen muss (Botschaft vom
8. Mai 1991 über die Änderung des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und
Konkurs, BBl 1991 III 117 Ziff. 205.31; DOMINIK GASSER, Nachlassverfahren,
Insolvenzerklärung und Feststellung des neuen Vermögens, ZBJV 1996, S. 14 f.;
HANS ULRICH HARDMEIER, Änderungen im Konkursrecht, AJP 1996, S. 1432). Statt
der von der Lehre teilweise gewünschten Konkretisierungen wird der Richter hier
nach wie vor auf das Verbot des Rechtsmissbrauchs verwiesen (ISAAK MEIER,
Konkursrecht: Revisionspunkte und aktuelle Fragen, ZSR 1996 I, S. 283). Somit
ist der Konkurs demjenigen Schuldner zu verwehren, der nicht einen
wirtschaftlichen Neubeginn anstrebt, sondern völlig andere Ziele verfolgt
(PIERRE-ROBERT GILLIÉRON, Commentaire de la loi fédérale sur la poursuite pour
dettes et la faillite, N. 30 zu Art. 191; ALEXANDER BRUNNER, in: Basler
Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, N. 6 und 15 zu
Art. 191, je mit Hinweisen). Allein der Umstand, dass der Schuldner mit der
Abgabe der Insolvenzerklärung auch eigennützige Zwecke verfolgt, lässt diese
jedoch noch nicht rechtsmissbräuchlich werden. Bezweckt er hingegen einzig, die
Zugriffsrechte seiner Gläubiger zunichte zu machen, so ist ihm die
Konkurseröffnung zu verweigern (Amonn/Walther, Grundriss des Schuldbetreibungs-
und Konkursrechts, 8. Aufl. 2008, § 38 Rz. 25; FLAVIO COMETTA, in: Commentaire
Romand, Poursuite et faillite, N. 11 zu Art. 191; BEAT LANTER, Die
Insolvenzerklärung als Mittel zur Abwehr von Pfändungen, Diss. Zürich 1976, S.
49 ff.). Ein Schuldner verhält sich beispielsweise rechtsmissbräuchlich, wenn
er einen Konkurs im Wissen darum anstrebt, dass die Konkursmasse keine Aktiven
aufweisen würde, oder wenn er auf diesem Wege zum Nachteil der Gläubiger eine
Lohnpfändung abschütteln möchte (BGE 123 III 402 E. 3a/aa S. 404).

2.2 Die Vorinstanz stellte fest, dass die Liegenschaft des Beschwerdeführers
für ein ihm und seiner Ehefrau seinerzeit gewährtes Darlehen im Umfang von Fr.
225'000.-- von seinen Schwiegereltern gepfändet wurde, nachdem in der
Betreibung Nr. 20809748 kein Rechtsvorschlag erhoben worden war. Der
Beschwerdeführer wolle einzig seine Liegenschaft dem Zugriff der
Schwiegereltern entziehen, hingegen strebe er keinen wirtschaftlichen Neubeginn
an. Damit erweise sich sein Insolvenzbegehren als offensichtlich
rechtsmissbräuchlich.

2.3 Der Beschwerdeführer stellt nicht in Abrede, dass er die von seinen
Schwiegereltern verlangte Zwangsverwertung seiner Liegenschaft verhindern
möchte. Er wolle sich aber durch die Konkurseröffnung auch die nötige Ruhe
verschaffen, um sich wirtschaftlich erholen zu können. Dies komme allenfalls
erst in der Appellationserklärung mit der wünschenswerten Deutlichkeit zum
Ausdruck. Indessen müsse ihm zugestanden werden, dass er im Verlaufe des
Verfahrens seine Motive überdenke und allenfalls anpasse. Indem die Vorinstanz
seine Ergänzungen nicht berücksichtigt und einen offensichtlichen
Rechtsmissbrauch angenommen habe, verletze sie Art. 2 Abs. 2 ZGB und Art. 191
Abs. 2 SchKG.

2.4 Welche Absicht der Beschwerdeführer mit der Abgabe der Insolvenzerklärung
verbunden hatte, beschlägt eine innere Tatsache, die sich im vorliegenden Fall
einzig aufgrund seiner Äusserungen feststellen lässt (vgl. dazu BGE 134 III 452
E. 4.1 S. 456). Das Bundesgericht ist an die diesbezüglichen Feststellungen der
Vorinstanz gebunden und überprüft deren Beweiswürdigung nur auf Willkür (Art.
97 Abs. 1 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.2.2 S. 252). Davon zu unterscheiden ist die
Rechtsfrage, ob die Absicht sachfremd und damit offensichtlich
rechtsmissbräuchlich ist. Die hier massgebliche Norm von Art. 2 Abs. 2 ZGB
stellt Bundesrecht dar, welches aufgrund einer Beschwerde in Zivilsachen frei
geprüft wird (Art. 95 lit. a BGG). Unter der bis Ende 2006 geltenden Herrschaft
des OG prüfte das Bundesgericht im Rahmen einer staatsrechtlichen Beschwerde
hingegen auch Rechtsfragen bei der Konkurseröffnung nur auf Willkür (vgl. BGE
107 III 53 E. 1 und 2 S. 55).

2.5 Die vom Beschwerdeführer vorgenommene Auslegung seiner Eingabe vom 24.
April 2008 an die Erstinstanz lässt die tatsächliche Feststellung der
Vorinstanz, dass er einzig seine Liegenschaft vor dem Zugriff der
Schwiegereltern bewahren möchte und keinen wirtschaftlichen Neubeginn anstrebe,
nicht als willkürlich erscheinen. Darin weist er zwar auf seine prekäre
finanzielle Lage hin, welche den Schwiegereltern bekannt sei und ihnen erlaube,
auf seine Liegenschaft zu greifen. Die Absicht eines wirtschaftlichen
Neubeginns wird indessen - entgegen der Darlegung im vorliegenden Verfahren -
nicht einmal angedeutet. Ob die vom Beschwerdeführer in seiner
Appellationserklärung geschilderte Absicht eines wirtschaftlichen Neustarts von
der Vorinstanz überhaupt berücksichtigt werden musste (vgl. Art. 174 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 194 SchKG), ist vorliegend nicht zu erörtern. Sie besteht
einzig in einer entsprechenden Behauptung. Insoweit genügt der Beschwerdeführer
seiner Begründungspflicht in keiner Weise. Entsprechend den altrechtlichen
Begründungsanforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG hätte er nämlich klar und
detailliert anhand der Erwägungen des angefochtenen Entscheides darzulegen
müssen, inwiefern verfassungsmässige Rechte verletzt sein sollen (Art. 106 Abs.
2 BGG; BGE 133 III 393 E. 6 S. 397). Damit bleibt es bei der Feststellung der
Vorinstanz, dass es dem Beschwerdeführer bei der Abgabe seiner
Insolvenzerklärung einzig um die Abwehr der von seinen Schwiegereltern
verlangten Pfändung und nicht um einen wirtschaftlichen Neubeginn gehe. Dass
darin ein rechtsmissbräuchliches Verhalten zu erblicken ist, welches zur
Abweisung des Konkursantrages führen muss, wird vom Beschwerdeführer als
solches zu Recht nicht in Frage gestellt.

3.
Nach dem Dargelegten ist der Beschwerde kein Erfolg beschieden. Bei diesem
Verfahrensausgang wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1
BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde in Zivilsachen wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht von Appenzell Ausserrhoden,
Einzelrichter, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 15. Januar 2009
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Levante