Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.766/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_766/2008/don

Urteil vom 4. Februar 2009
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter L. Meyer,
Gerichtsschreiber von Roten.

Parteien
X.________ (Ehemann),
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Andreas Hubacher,

gegen

Y.________ (Ehefrau),
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Urs Emch.

Gegenstand
Eheschutz,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern,
Appellationshof, 1. Zivilkammer, vom 21. Oktober 2008.

Sachverhalt:

A.
X.________ (Ehemann), Jahrgang xxxx, und Y.________ (Ehefrau), Jahrgang xxxx,
heirateten am xxxxxx 2003. Sie wurden Eltern einer Tochter T.________, geboren
am xxxxx 2006. Der Ehemann ist Architekt von Beruf und betrieb unter seinem
Namen eine Einzelfirma. Er wandelte die Einzelfirma im Jahre 2005 in die Firma
X.________ AG um, aus der im Jahre 2006 die Firmen X.________ Architektur AG
und X.________ Holding AG hervorgingen. Der Ehemann ist Alleinaktionär der
Firmen und mit 50 % an der Firma E.________ und X.________ AG beteiligt. Die
Ehefrau ist als Hausfrau und als Innenarchitektin bei der Firma
Innenarchitektur X.________ AG tätig. Die Familie lebt im eigenen Wohnhaus an
der A.________strasse xx in P.________. Das Kind T.________ besucht zeitweise
die Kinderkrippe und wird auch von seiner Grossmutter betreut, die am
B.________weg xx in P.________ wohnt.

B.
Im Juni 2008 leitete die Ehefrau ein gerichtliches Eheschutzverfahren ein. Über
ihre Trennung auf unbestimmte Zeit und die Zuteilung der Obhut über das Kind an
die Mutter waren sich die Ehegatten einig. Der ausserordentliche
Gerichtspräsident im Kreis K.________ entschied am 26. August 2008 über alle
weiteren Folgen des Getrenntlebens. Beide Ehegatten appellierten gegen den
Eheschutzentscheid. Bezüglich Dispositiv-Ziff. 1 Abs. 2 wies das Obergericht
des Kantons Bern die Appellation des Ehemannes ab und bestätigte die Zuweisung
des ehelichen Hauses an der A.________strasse xx in P.________ an die Ehefrau
zur alleinigen Nutzung ab dem 1. Dezember 2008 (Dispositiv-Ziff. 2). Bezüglich
Dispositiv-Ziff. 3 hiess es die Appellation des Ehemannes gut und änderte die
Regelung über den persönlichen Verkehr zwischen dem Vater mit seiner unter der
Obhut der Mutter stehenden Tochter (Dispositiv-Ziff. 3). In teilweiser
Gutheissung der Appellation der Ehefrau erhöhte das Obergericht die vom Ehemann
ab 1. September 2008 zu leistenden monatlichen Unterhaltsbeiträge von Fr.
3'642.-- auf Fr. 9'700.-- für die Ehefrau neu ohne zeitliche Befristung und von
Fr. 1'358.-- auf Fr. 3'600.-- für das Kind (Dispositiv-Ziff. 4 und 5 des
Entscheids vom 21. Oktober 2008).

C.
Dem Bundesgericht beantragt der Ehemann (Beschwerdeführer), die Ziffern 2, 4
und 5 des obergerichtlichen Entscheids aufzuheben, das eheliche Domizil an der
A.________strasse xx in P.________ ihm zur alleinigen Nutzung zuzuweisen und
ihn ab 1. September 2008 zu Unterhaltsbeiträgen an seine Ehefrau
(Beschwerdegegnerin) wie auch an die gemeinsame Tochter in gerichtlich zu
bestimmender Höhe zu verurteilen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er,
der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Bezüglich des Gesuchs hat
das Obergericht auf eine Stellungnahme verzichtet, die Beschwerdegegnerin
hingegen auf Abweisung geschlossen. Der Präsident der II. zivilrechtlichen
Abteilung des Bundesgerichts hat der Beschwerde - wie zuvor bereits
superprovisorisch - die aufschiebende Wirkung mit Bezug auf Dispositiv-Ziff. 2
des obergerichtlichen Entscheids zuerkannt (Verfügungen vom 19. November 2008
und vom 1. Dezember 2008). In der Sache sind die Akten, aber keine
Vernehmlassungen eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerde gemäss Art. 72 ff. BGG ist gegen den kantonal letztinstanzlichen
Entscheid über Eheschutzmassnahmen betreffend Unterhalt und Benützung des
ehelichen Wohnhauses (vgl. Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 und 2 ZGB) grundsätzlich
zulässig. Geprüft werden kann nur die Verletzung verfassungsmässiger Rechte
(Art. 98 BGG), soweit eine entsprechende Rüge in der Beschwerde vorgebracht und
begründet wird (Art. 106 Abs. 2 BGG; vgl. BGE 133 III 393 Nr. 47).

2.
Mit Bezug auf den Unterhalt an die Beschwerdegegnerin und das Kind beantragt
der Beschwerdeführer, die Dispositiv-Ziff. 4 und 5 des angefochtenen Entscheids
aufzuheben und ihn ab 1. September 2008 zu Unterhaltsbeiträgen in gerichtlich
zu bestimmender Höhe zu verurteilen.

2.1 Da die Beschwerde in Zivilsachen ein reformatorisches Rechtsmittel ist
(Art. 107 Abs. 2 BGG), darf sich der Beschwerdeführer grundsätzlich nicht
darauf beschränken, die Aufhebung des angefochtenen Entscheids zu beantragen,
sondern muss einen Antrag in der Sache, einen sog. materiellen Antrag stellen.
Anträge auf Rückweisung an die Vorinstanz zu neuer Entscheidung oder blosse
Aufhebungsanträge genügen nicht und machen die Beschwerde unzulässig. Ein
blosser Rückweisungsantrag reicht ausnahmsweise aus, wenn das Bundesgericht im
Falle der Gutheissung in der Sache nicht selbst entscheiden könnte, weil die
erforderlichen Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz fehlen (BGE 134 III
379 E. 1.3 S. 383). Dass das Bundesgericht im Falle der Gutheissung der
Beschwerde nicht selbst in der Lage wäre, ein Sachurteil zu fällen, wird in der
Beschwerdeschrift nicht dargetan, wie das die Rechtsprechung verlangt (BGE 133
III 489 E. 3.2 S. 490). Der Beschwerdeführer geht gegenteils davon aus, dass
das Bundesgericht in der Sache entscheiden kann, beantragt er doch neben der
Aufhebung des angefochtenen Entscheids, ihn zu Unterhaltsbeiträgen in
gerichtlich zu bestimmender Höhe zu verurteilen.

2.2 Anträge auf Geldforderungen sind zu beziffern (BGE 134 III 235 E. 2 S. 236
f.). Unterhaltsbegehren auf Festlegung der üblichen, angemessenen oder
gesetzlichen Leistungen erfüllen die formellen Anforderungen nicht (Urteil
5A_669/2007 vom 4. August 2008 E. 1.2, betreffend Kindesunterhalt im
Eheschutzverfahren; vgl. Urteile 5A_256/2007 vom 20. Juli 2007 E. 1 und 5A_384/
2007 vom 3. Oktober 2007 E. 1.3, je betreffend Kindesunterhalt im
Abänderungsprozess, in: ZVW 62/2007 S. 316 bzw. Fampra.ch 2008 S. 227 f.). Das
Rechtsbegehren des Beschwerdeführers, ihn zu Unterhaltsbeiträgen in gerichtlich
zu bestimmender Höhe zu verurteilen, ist formell ungenügend, selbst wenn es
nach kantonalem Recht zulässig sein sollte (vgl. BGE 121 III 390 E. 1 S. 392;
so noch ausdrücklich: LEUCH, Die Zivilprozessordnung für den Kanton Bern, 3.A.
Bern 1956/85, N. 2 Abs. 1 a.E. zu Art. 137 ZPO/BE mit Hinweis).

2.3 Auf eine Beschwerde mit formell mangelhaftem Rechtsbegehren kann das
Bundesgericht ausnahmsweise dann eintreten, wenn sich aus der
Beschwerdebegründung, allenfalls in Verbindung mit dem angefochtenen Entscheid,
"zweifelsfrei" bzw. "ohne weiteres" ergibt, was der Beschwerdeführer in der
Sache verlangt (BGE 133 II 409 E. 1.4 S. 414 f.; 134 V 208 E. 1 S. 210) oder -
im Falle zu beziffernder Rechtsbegehren - welcher Geldbetrag zuzusprechen ist
(BGE 134 III 235 E. 2 S. 236 f.). Anders als in vergleichbaren Fällen (z.B.
Urteil 5D_167/2008 vom 13. Januar 2009 E. 1) lässt sich hier den Angaben zum
Streitwert kein ziffernmässig bestimmter Betrag entnehmen, der mit Bezug auf
die Unterhaltsverpflichtung zuzusprechen wäre. Aus dem angefochtenen Entscheid
(E. III/5 S. 11 ff.) und der Beschwerdeschrift (S. 7 ff. Ziff. 3-6) folgt, dass
eine Vielzahl von Bemessungsfaktoren streitig ist und erst eine langwierige
Berechnung den ziffernmässig zuzuerkennenden Unterhalt ergibt, wobei auch dann
noch genau und ohne nähere Angaben des Beschwerdeführers zu bestimmen wäre,
welcher Betrag der Beschwerdegegnerin für welche Dauer und welcher Betrag dem
Kind zukommen soll. Da der Beschwerdeführer zusätzlich - seiner Ansicht nach
zulässige - neue Beweismittel vorbringt, die nach Abschluss des
Schriftenwechsels vor Obergericht ausgestellt wurden, will er es letztlich dem
Bundesgericht überlassen, die angemessenen Unterhaltsbeiträge festzulegen.
Damit stimmen seine Schlussfolgerungen überein, wonach vorstehend nachgewiesen
worden sei, dass der festgesetzte Unterhaltsbeitrag seine Leistungsfähigkeit
bei weitem sprenge, dass kaum zu begründen sein dürfte, weshalb eine Mutter mit
kleinem Kind einen monatlichen Bedarf von über Fr. 25'000.-- aufweisen solle,
und dass folglich die eingangs gestellten Rechtsbegehren begründet seien und
ersucht werde, ihnen zu entsprechen (S. 13 f. der Beschwerdeschrift). Ein auch
nur annähernd beziffertes Unterhaltsbegehren ist nicht ersichtlich, geschweige
denn "zweifelsfrei" bzw. "ohne weiteres" der Beschwerdeschrift unter Beizug des
angefochtenen Entscheids entnehmbar. Dass eine Bezifferung der
Unterhaltsbegehren unmöglich gewesen wäre, widerlegt im Übrigen die
Beschwerdegegnerin, die mit ihrer Appellation einen Mindestunterhaltsbeitrag
und den Anteil des Kindes daran genau beziffert hat (act. 80).

2.4 Soweit sie sich gegen den Unterhalt während des Getrenntlebens richtet,
kann auf die Beschwerde mangels formell genügenden Rechtsbegehrens nicht
eingetreten werden.

3.
Nach Art. 176 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB muss das Gericht auf Begehren eines Ehegatten
die Benützung der Wohnung und des Hausrates regeln, wenn die Aufhebung des
gemeinsamen Haushaltes begründet ist.

3.1 Das Eheschutzgericht entscheidet über die vorübergehende Zuteilung der
ehelichen Liegenschaft an eine der Parteien nach Zweckmässigkeit und unabhängig
davon, wer Eigentümer oder Mieter ist. Kann nicht eindeutig ausgemacht werden,
wem das Haus oder die Wohnung den grösseren Nutzen bringt, so hat derjenige
auszuziehen, dem es unter Würdigung aller Umstände eher zuzumuten ist (BGE 120
II 1 E. 2c S. 3, betreffend inhaltlich übereinstimmende vorsorgliche Massnahmen
während des Scheidungsverfahrens).

3.2 Was unter "Zweckmässigkeit" und "grösserem Nutzen" im Einzelnen zu
verstehen ist, haben Gerichtspraxis und Lehre verdeutlicht. Im Vordergrund der
Beurteilung stehen das Interesse der Kinder, in der gewohnten und vertrauten
Umgebung bleiben zu dürfen, und die Erfahrungstatsache, dass der alleinstehende
Ehegatte als Einzelperson rascher eine Wohnung findet als der andere Ehegatte
mit den Kindern, sowie Gründe beruflicher und gesundheitlicher Art, wenn ein
Ehegatte in der ehelichen Liegenschaft seinen Beruf ausübt oder ein Geschäft
betreibt oder wenn die Wohnverhältnisse auf besondere Bedürfnisse eines
gebrechlichen oder invaliden Familienmitglieds zugeschnitten sind. In zweiter
Linie werden Affektionsinteressen berücksichtigt wie z.B. die Beziehungsnähe
zur ehelichen Liegenschaft, deren höherer zeitlicher Nutzungswert oder die
Möglichkeit für einen Ehegatten, den Unterhalt persönlich zu besorgen. Führt
die Interessenabwägung zu keinem eindeutigen Ergebnis, ist schliesslich im
Zweifel den Eigentums- oder anderen rechtlich geordneten Nutzungsverhältnissen
Rechnung zu tragen, denen auch bei voraussehbarer längerer Aufhebung des
gemeinsamen Haushaltes ein zusätzliches Gewicht beigemessen wird. Nur
ausnahmsweise (z.B. bei unausweichlich notwendigem Verkauf, in offensichtlichen
Mangelfällen u.ä.) können finanzielle Gründe für die Zuweisung des ehelichen
Wohnhauses entscheidend sein (vgl. die Zusammenstellungen mit teilweise
unterschiedlicher Gewichtung der nachrangigen Zuteilungskriterien: BRÄM,
Zürcher Kommentar, 1998, N. 41, Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar,
1999, N. 30 f., und Vetterli, in: FamKomm. Scheidung, Bern 2005, N. 16, je zu
Art. 176 ZGB; vgl. auch Stettler/Germani, Effets généraux du mariage (art.
159-180 CC), 2.A. Fribourg 1999, S. 245 ff. N. 377-380; SCHWANDER, Basler
Kommentar, 2006, N. 7 zu Art. 176 ZGB).

3.3 In seiner Rechtsprechung verweist das Bundesgericht fallbezogen auf die
geschilderten Zuteilungskriterien, betont aber stets, dass im Streitfall das
Eheschutzgericht über die Zuteilung von Wohnung und Hausrat nach freiem
Ermessen unter Berücksichtigung der konkreten Umstände und in Abwägung der
Interessen der Eltern und der Kinder entscheidet (Urteile 5P.336/2004 vom 10.
März 2005 E. 2 und 5A_344/2008 vom 28. Juli 2008 E. 5, je mit Hinweis auf
HAUSHEER/REUSSER/GEISER, a.a.O., N. 29 zu Art. 176 ZGB). Hervorgehoben werden
muss dabei, dass die Prüfungsbefugnis gegenüber Eheschutzmassnahmen auf die
Verletzung verfassungsmässiger Rechte, namentlich auf Willkür beschränkt ist
(Urteil 5P.413/2006 vom 25. Juni 2007 E. 3, betreffend Zuteilung der Wohnung;
allgemein: BGE 133 III 585 E. 3.4 und E. 4.1 S. 587 ff.).

4.
Beide kantonalen Gerichte haben das eheliche Wohnhaus der Beschwerdegegnerin
mit dem unter ihrer Obhut stehenden Kind zur alleinigen Nutzung während des
Getrenntlebens zugeteilt. Das Obergericht hat dabei auf die zutreffenden
Ausführungen des Gerichtspräsidenten verwiesen und ergänzende Anmerkungen
hinzugefügt (E. III/3 S. 9 f. des angefochtenen Entscheids). Der
Beschwerdeführer rügt die Zuteilung als willkürlich (S. 4 ff. Ziff. 2 der
Beschwerdeschrift).

4.1 Der Beschwerdeführer wendet ein, letztlich allein die Tatsache, dass es
einer Mutter mit zweijährigem Kind nicht zuzumuten sei, das eheliche Domizil
und damit das angestammte Umfeld zu verlassen, habe den Ausschlag zu ihren
Gunsten gegeben (S. 4 f. Ziff. 2 der Beschwerdeschrift). Der Gerichtspräsident,
auf den das Obergericht verwiesen hat, ist indessen davon ausgegangen, für die
Zuweisung des ehelichen Wohnhauses an die Beschwerdegegnerin spreche auf den
ersten Blick, dass sie mit dem unter ihrer Obhut stehenden Kind daselbst
bleiben könnte. Indessen sei zu beachten, dass das Kind mit seinen zwei Jahren
kaum schon selbstständige ausserhäusliche Kontakte mit anderen Kindern im
Wohnquartier pflege und bereits seit Gesuchseinreichung sehr viel mehr Zeit als
zu Hause an der A.________strasse xx bei der Grossmutter am B.________weg xx
verbracht habe und auch weiterhin in der Kinderkrippe oder bei der Grossmutter
verbringen werde, arbeite doch die Beschwerdegegnerin seit August 2008
vollzeitlich. Das eheliche Wohnhaus müsse deshalb nicht zwingend als vertraute
Umgebung des Kindes bezeichnet werden, so dass ein Umzug nicht unbedingt dem
Interesse des Kindes zuwiderlaufen würde (E. 7 S. 3 ff., act. 49 ff.). Die Rüge
des Beschwerdeführers geht insoweit an den Entscheidgründen vorbei.

4.2 Für eine Übernahme des ehelichen Wohnhauses durch die Beschwerdegegnerin
haben nach Auffassung des Gerichtspräsidenten vor allem lebenspraktische
Kriterien wie Umzug, Umgebung in der neuen Wohnsituation, Wohnungseinrichtung
usw. gesprochen. Der Gerichtspräsident hat dafürgehalten, es erscheine
zweifelsohne zweckmässiger, wenn nicht die Mutter mit dem Kind ausziehe, weil
die Beschwerdegegnerin nebst ihren persönlichen Gegenständen auch diejenigen
des Kindes zügeln und überdies vorab die zu beziehende Wohnung nach den
Bedürfnissen des Kindes einrichten müsse. Da erscheine es für einen gut
situierten Mann allein doch wesentlich einfacher, das eheliche Haus zu
verlassen und sich eine neue, seinen Bedürfnissen entsprechende Wohngelegenheit
zu suchen, was dem Beschwerdeführer in P.________ auch möglich sein dürfte (E.
7 S. 3 ff., act. 49 ff.). Das Obergericht hat der Beurteilung zugestimmt und
ergänzt, es sprächen auch weder berufliche Gründe noch besondere emotionale
Beziehungen zur ehelichen Liegenschaft zu Gunsten des einen oder anderen
Ehegatten. Für den Beschwerdeführer als gut situierte Einzelperson (noch dazu
als Architekt) dürfte es einfacher sein, eine neue Wohnung zu finden als für
die Beschwerdegegnerin mit dem Kind (E. III/3 S. 9 des angefochtenen
Entscheids). Der Beschwerdeführer wendet gegen die Beurteilung der
übergeordneten Zuteilungskriterien nichts Stichhaltiges ein. Sind aber für die
Zuteilung der ehelichen Liegenschaft weder Interessen des Kindes noch
berufliche oder gesundheitliche Gründe entscheidend, bleibt es beim
unwidersprochenen Erfahrungssatz, dass der alleinstehende Ehegatte, dem dies
gewöhnlich leichter fällt, die neue Wohnung suchen muss und nicht der
kinderbetreuende Ehegatte. Dass hier auch auf keiner Seite Affektionsinteressen
bestanden haben, bleibt dabei nebensächlich.

4.3 Der Beschwerdeführer bemängelt, dass die finanziellen Verhältnisse zu wenig
beachtet worden seien (S. 5 ff. Ziff. 2 der Beschwerdeschrift). Es trifft zu,
dass der Gerichtspräsident angenommen hat, die finanziellen Aspekte vermöchten
eher für eine Übernahme des ehelichen Wohnhauses durch den Beschwerdeführer zu
sprechen (E. 7 S. 3 ff., act. 49 ff.). Demgegenüber ist das Obergericht davon
ausgegangen, für die Zuteilung der ehelichen Wohnung sei nicht massgebend, wie
hoch deren Kosten seien und ob der fragliche Ehepartner in der Lage sei, sich
diese zu finanzieren, bzw. ob der Ehepartner nicht eine billigere
Wohnmöglichkeit hätte. Schliesslich verfügten die Ehegatten gemeinsam über
ausreichende Mittel, um eine derart teure Wohnung bzw. sogar zwei derart teure
Wohnungen zu bezahlen (E. III/3 S. 9 des angefochtenen Entscheids). Mit Blick
auf die rechtlichen Zuteilungskriterien (E. 3.2 hiervor) kann die
obergerichtliche Auffassung nicht beanstandet werden. Die Ausführungen des
Beschwerdeführers, namentlich dessen Vorbringen zur Gleichbehandlung und
Gleichberechtigung der Ehegatten (Art. 8 BV) stehen offenkundig vor dem
Hintergrund einer endgültigen Regelung der Rechte an der ehelichen Wohnung, wie
sie als Scheidungsfolge (Art. 121 Abs. 3 ZGB), im Güterrecht (Art. 219 ZGB) und
im Erbrecht (Art. 612a ZGB) nur gegen Entschädigung oder in Abgeltung von
Vermögensinteressen getroffen werden kann. Darum geht es bei der Regelung des
Getrenntlebens gerade nicht. Die Zuweisung der ehelichen Wohnung erfolgt nur
vorübergehend und auf Zeit, so dass finanzielle Gründe nur in Ausnahmefällen
entscheidend sein können, deren Voraussetzungen der Beschwerdeführer hier nicht
darlegt und auch nicht darzulegen vermag. Die Ehegatten leben nicht an der
Grenze zum Existenzminimum, sondern in guten wirtschaftlichen Verhältnissen,
ist auch im Einzelnen streitig, ob ihr durchschnittliches Gesamteinkommen
monatlich Fr. 52'403.-- beträgt oder ein paar tausend Franken weniger. Es
verletzt deshalb kein Verfassungsrecht, dass das Obergericht die geltend
gemachten finanziellen Gründe für die Zuweisung der ehelichen Liegenschaft
während des Getrenntlebens nicht als rechtserheblich betrachtet hat.

4.4 Die Zuteilung der ehelichen Liegenschaft durfte hier an die
Beschwerdegegnerin mit dem unter ihrer Obhut stehenden Kind erfolgen, weil es
dem alleinstehenden Beschwerdeführer im Vergleich zu seiner Restfamilie als
zumutbarer erscheint, aus der ehelichen Liegenschaft auszuziehen, und weil es
ihm auf Grund seiner beruflichen Tätigkeit leicht fallen dürfte, einfach und
rasch eine neue Wohnung zu finden. Daran mussten die kantonalen Gerichte in
Anbetracht der Umstände des Einzelfalls keine Zweifel haben und deshalb -
entgegen der Annahme des Beschwerdeführers - auch nicht auf die
Eigentumsverhältnisse abstellen (vgl. S. 6 Ziff. 2 der Beschwerdeschrift).

4.5 Aus den dargelegten Gründen kann die Zuteilung der ehelichen Liegenschaft
nicht beanstandet werden. Die Willkürrügen des Beschwerdeführers erweisen sich
insgesamt als unbegründet (Art. 9 BV; vgl. zum Begriff: BGE 134 I 140 E. 5.4 S.
148; 134 II 124 E. 4.1 S. 133). Infolge Gewährung der aufschiebenden Wirkung
ist der Termin neu festzusetzen, ab dem das eheliche Haus der
Beschwerdegegnerin zur alleinigen Nutzung zugewiesen wird. Der Beschwerdeführer
äussert sich dazu weder allgemein noch mit Bezug auf die erstinstanzlich
eingeräumte Frist von rund drei Monaten (für eher kürzere Fristen: VETTERLI,
a.a.O., N. 17, und Hausheer/Reusser/Geiser, a.a.O., N. 37 Abs. 2, je zu Art.
176 ZGB). Eine Zuweisung der ehelichen Liegenschaft zu alleiniger Nutzung an
die Beschwerdegegnerin ab 1. April 2009 erscheint auf Grund der Umstände als
angemessen.

5.
Bei diesem Verfahrensausgang wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 66
Abs. 1 BGG). Eine Parteientschädigung ist nicht geschuldet, da keine
Beschwerdeantwort eingeholt wurde und die Beschwerdegegnerin mit ihrem Antrag,
das Gesuch um aufschiebende Wirkung abzuweisen, im Hauptstreitpunkt der
Zuweisung der ehelichen Liegenschaft unterlegen ist (vgl. Art. 68 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das eheliche Haus an der A.________strasse xx in P.________ wird der
Beschwerdegegnerin ab dem 1. April 2009 zur alleinigen Nutzung zugewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Appellationshof, 1. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 4. Februar 2009
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl von Roten