Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.823/2008
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_823/2008

Urteil vom 27. März 2009
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Escher, präsidierendes Mitglied, Bundesrichter L. Meyer,
Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiberin Gut.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Kreis,

gegen

Y.________,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Jürg Diggelmann.

Gegenstand
Ehescheidung (elterliche Sorge),

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, II. Zivilkammer,
vom 5. November 2008.

Sachverhalt:

A.
A.a
X.________ und Y.________ schlossen 1998 die Ehe. Sie haben einen gemeinsamen
Sohn, A.________, geb. 1999. Im Juni 2006 hoben die Ehegatten ihren gemeinsamen
Haushalt auf. Das Getrenntleben wurde gerichtlich geregelt, wobei A.________
unter die Obhut der Mutter gestellt und der persönliche Verkehr mit dem Vater
festgelegt wurde.
A.b Mit Entscheid vom 9. Januar 2008 schied das Kreisgericht St. Gallen die Ehe
der Parteien. Unter anderem wies es der Mutter die elterliche Sorge zu und
räumte dem Vater das Recht ein, jedes zweite Wochenende, jeden zweiten
Mittwochnachmittag und vier Wochen Ferien im Jahr mit A.________ Kontakt zu
halten. Weiter verpflichtete es den Vater, an den Unterhalt seines Sohnes Fr.
450.-- im Monat zu bezahlen, bis zu dessen vollendetem zwölften Altersjahr und
Fr. 550.-- danach, jeweils zuzüglich einer allenfalls bezogenen Kinderzulage.
Zudem nahm es die güterrechtliche Auseinandersetzung vor, teilte das
Vorsorgeguthaben und stellte fest, dass sich die Ehegatten keine nachehelichen
Unterhaltsbeiträge schulden.
A.c Gegen diesen Entscheid erhoben beide Parteien Berufung beim Kantonsgericht
St. Gallen. X.________ beantragte, A.________ unter seine elterliche Sorge zu
stellen und Y.________ zur Leistung von nachehelichen Unterhaltsbeiträgen und
Kinderunterhaltsbeiträgen zu verpflichten. Für den Entscheid über die
Kinderzuteilung ersuchte er um Anordnung eines kinderpsychologischen Gutachtens
und um erneute Anhörung des Kindes. Y.________ hingegen beantragte die Erhöhung
der Kinderunterhaltsbeiträge und im Übrigen die Bestätigung des
erstinstanzlichen Urteils.
Mit Entscheid vom 5. November 2008 stellte das Kantonsgericht St. Gallen
A.________ unter die elterliche Sorge der Mutter und verpflichtete den Vater,
an den Unterhalt des Kindes bis zu dessen vollendetem zwölften Altersjahr Fr.
600.-- im Monat und anschliessend Fr. 800.-- zu bezahlen, jeweils zuzüglich
einer allfällig bezogenen Kinderzulage. Im Übrigen bestätigte es das
erstinstanzliche Urteil und gewährte X.________ die unentgeltliche
Rechtspflege.

B.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2008 (Postaufgabe) ist X.________ (fortan:
Beschwerdeführer) mit Beschwerde in Zivilsachen an das Bundesgericht gelangt.
Er beantragt unter teilweiser Aufhebung des kantonsgerichtlichen Urteils die
Unterstellung des Sohnes A.________ unter seine elterliche Sorge. Y.________
(fortan: Beschwerdegegnerin) sei ein grosszügiges Besuchs- und Ferienrecht
einzuräumen und diese sei zu verpflichten, an den Unterhalt des Kindes Fr.
1'000.-- bis zu dessen vollendetem 10. Altersjahr, Fr. 1'200.-- bis zum 14.
Altersjahr und Fr. 1'400.-- danach zu bezahlen. Eventualiter beantragt er die
teilweise Aufhebung des kantonsgerichtlichen Urteils und Rückweisung der
Angelegenheit zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz. Weiter verlangt er die
Kostentragung des kantonalen und des bundesgerichtlichen Verfahrens durch die
Beschwerdegegnerin und die Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
sowie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege.
Mit Mitteilung vom 9. Dezember 2008 ist das Gesuch um aufschiebende Wirkung
mangels genügender Begründung abgewiesen worden.
Es sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
Angefochten ist ein letztinstanzlicher Entscheid im Sinn von Art. 75 Abs. 1 BGG
betreffend die Nebenfolgen der Ehescheidung. Dabei handelt es sich um einen
Entscheid in Zivilsachen (Art. 72 Abs. 1 BGG). Streitpunkt vor Bundesgericht
ist die Regelung der Kinderbelange, so u.a. die Zuteilung der elterlichen
Sorge, weshalb eine nicht vermögensrechtliche Streitigkeit vorliegt. Die
Beschwerde in Zivilsachen ist somit grundsätzlich zulässig.

2.
Mit der Beschwerde kann insbesondere die Verletzung von Bundesrecht geltend
gemacht werden (Art. 95 BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nur gerügt
werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung
im Sinn von Art. 95 BGG beruht und die Behebung des Mangels für den Ausgang des
Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG).
Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Begründung in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt. Dabei ist es unerlässlich, dass
die Beschwerde auf die Begründung des angefochtenen Entscheids eingeht und im
Einzelnen aufzeigt, worin eine Verletzung von Bundesrecht liegt. Der
Beschwerdeführer soll in der Beschwerdeschrift mit seiner Kritik an den als
rechtsfehlerhaft erachteten Erwägungen der Vorinstanz ansetzen (vgl. BGE 121
III 397 E. 2a S. 400; Urteil 4A_22/2008 vom 10. April 2008 E. 1). Strengere
Anforderungen gelten, wenn die Verletzung von Grundrechten, einschliesslich
Willkür bei der Sachverhaltsfeststellung (BGE 133 II 249 E. 1.4.3 S. 255),
geltend gemacht wird. Die Beschwerdeschrift muss die wesentlichen Tatsachen und
eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche verfassungsmässigen
Rechte inwiefern durch den angefochtenen Entscheid verletzt worden sind. Das
Bundesgericht prüft nur klar und detailliert erhobene und belegte Rügen; auf
rein appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid tritt es nicht ein. Wird
eine Verletzung des Willkürverbots geltend gemacht, muss anhand der
angefochtenen Subsumtion im Einzelnen dargelegt werden, inwiefern der Entscheid
an einem qualifizierten und offensichtlichen Mangel leidet (BGE 134 II 244 E.
2.1 S. 246; 133 III 585 E. 4.1 S. 588 f.).

3.
Hauptstreitpunkt bildet die Frage, unter wessen elterliche Sorge das Kind
A.________ gestellt werden soll.

3.1 Gemäss Art. 133 Abs. 1 und 2 ZGB hat das Scheidungsgericht die elterliche
Sorge einem Elternteil zuzuteilen und dabei alle für das Kindeswohl
massgebenden Umstände zu berücksichtigen. Auf die Meinung des Kindes ist,
soweit tunlich, Rücksicht zu nehmen. Im Übrigen sind für die Zuteilung die vom
Bundesgericht in der langjährigen Rechtsprechung zum früheren Art. 156 ZGB
umschriebenen Kriterien wegleitend. Entscheidend ist demnach stets das
Kindeswohl (BGE 115 II 206 E. 4a S. 209, 317 E. 2 S. 319; 117 II 353 E. 3 S.
354 f.). Den Bedürfnissen der Kinder ist entsprechend ihrem Alter, ihren
Neigungen und ihrem Anspruch auf elterliche Fürsorglichkeit, Zuwendung und
Erziehung bestmöglich zu entsprechen. Als massgebliche Gesichtspunkte stehen
dabei im Vordergrund die persönlichen Beziehungen der Eltern zu den Kindern,
ihre erzieherischen Fähigkeiten und ihre Bereitschaft, die Kinder in eigener
Obhut zu haben und sie weitgehend persönlich zu betreuen und zu pflegen. Zudem
ist dem Bedürfnis der Kinder nach der für eine harmonische Entfaltung in
körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht notwendigen Stabilität der
Verhältnisse Rechnung zu tragen (BGE 114 II 200 E. 3 S. 201 f.; 112 II 381 E. 3
S. 382 f.). Bei ungefähr gleicher Erziehungs- und Betreuungsfähigkeit beider
Eltern kommt dem letztgenannten Kriterium besonderes Gewicht zu. Unter
Umständen kann die Möglichkeit der persönlichen Betreuung auch dahinter
zurücktreten (Urteil 5C.212/2005 vom 25. Januar 2006 E. 4.2 und 4.4.1, publ.
in: FamPra.ch 2006 S. 753). Bei der Zuteilung der elterlichen Sorge steht den
kantonalen Behörden, welche die Parteien und die Verhältnisse besser kennen als
das Bundesgericht, ein erhebliches Ermessen zu. Das Bundesgericht greift nur
ein, wenn einschlägige Kriterien grundlos ausser Betracht geblieben oder
offenkundig falsch gewichtet worden sind oder wenn die Zuteilung auf
Überlegungen abgestützt worden ist, die unter dem Gesichtswinkel des
Kindeswohls bedeutungslos sind oder gegen die dargelegten bundesgerichtlichen
Grundsätze verstossen (BGE 117 II 353 E. 3 S. 355).

3.2 Das Kantonsgerichts hält fest, dass A.________ in seiner frühen Kindheit
während der beruflichen Abwesenheit der Beschwerdegegnerin intensiv durch
seinen Vater betreut worden sei, jedoch seit der Trennung seiner Eltern im Juni
2006 bei seiner Mutter lebe. Die Mutter sei seither die Hauptbezugsperson von
A.________. Er besuche seither seinen Vater an jedem zweiten Wochenende, jeden
zweiten Mittwochnachmittag sowie während vier Wochen seiner Ferien. Zudem komme
es aufgrund des gleichen Wohnorts der Parteien auch zu spontanen Besuchen
zwischen Vater und Sohn. Aus dem im Jahre 2006 erstellten und im Jahre 2007
ergänzten Sozialbericht der Vormundschaftsbehörde St. Gallen gehe hervor, dass
sich A.________ wünschen würde, bei beiden Eltern zu sein und dass er
gleichermassen an beiden Eltern hänge. Weiter sei dem Bericht zu entnehmen,
dass der Vater einen positiven Erziehungsstil zeige, die Mutter das Kind
fördere und ihm eher Grenzen setze als der Vater. In der Organisation des
Alltags habe zudem die Mutter stets die aktivere Rolle übernommen. Weiter führt
das Kantonsgericht aus, dass beide Eltern lieb und fürsorglich seien, beide
eine innige Beziehung zu A.________ hätten und sich beide der grossen Bedeutung
der Beziehung des Kindes zu Vater und Mutter bewusst seien. An mehreren Stellen
wird festgehalten, dass beide Parteien ihre Elternrolle verantwortungsvoll
erfüllen würden. Die Mutter fördere die Entwicklung ihres Sohnes angemessen und
organisiere die Betreuung im Schulhort während ihrer beruflichen Abwesenheit
zuverlässig. Dass sich der Vater dem Kind ihn höherem Masse als die Mutter
persönlich widmen könne, sei nicht anzunehmen; zwar sei dieser momentan
erwerbslos, absolviere aber ein Beschäftigungsprogramm und möchte so rasch wie
möglich eine neue Stelle annehmen. Die Beschwerdegegnerin bemühe sich zudem,
den Vater-Kind-Kontakt zu fördern. Der Vater hingegen habe im Verlauf des
Scheidungsverfahrens die Mitwirkung an der Aktualisierung des Sozialberichts
verweigert, weil dieser das Vertrauen in die Behörden verloren habe. Zudem sei
es ihm auch nicht gelungen, angemessen mit der eingesetzten Beiständin
zusammenzuwirken und er habe Mühe, Kontakte zwischen seinem Sohn und dem neuen
Partner der Beschwerdegegnerin zuzulassen. Vor diesem Hintergrund liege es im
Kindeswohl, A.________ in seiner vertrauten Umgebung zu belassen und dem
Kriterium der Kontinuität der Lebensverhältnisse und der besseren
Bindungstoleranz der Mutter Rechnung zu tragen.

3.3 Der Beschwerdeführer führt in seiner Beschwerde im Wesentlichen aus, er sei
bis zum siebten Altersjahr die Hauptbezugsperson seines Sohnes gewesen. Es habe
sich während dieser Zeit ein herzliches Vater-Sohn-Verhältnis entwickelt,
welches nach wie vor bestehe. Er habe sich als einfühlsamer Erzieher bewährt,
was auch die Berichte des Vormundschaftsamtes der Stadt St. Gallen und des
Kinderhortes bestätigt hätten. Seit A.________ bei der Mutter wohne, sei sein
Sohn verändert: zerstreut, launisch und unruhig. Das Moment der Beziehungs- und
Erlebniskontinuität spreche vor diesem Hintergrund klar für eine Zuteilung der
elterlichen Sorge an ihn. Weiter präsentiere sich die Lage bei ausgewogener
Betrachtung der Erziehungsfähigkeit keinesfalls so, dass die Mutter bei der
Kinderzuteilung einen Vorrang vor dem Vater verdiente. Denn A.________ erfahre
keine bessere Förderung durch die Mutter und diese sei auch nicht geschickter
in der Organisation des Alltags. Die beantragten Beweismittel des
kinderpsychologischen Gutachtens und der erneuten gerichtlichen Befragung von
A.________, auf welche die Vorinstanzen verzichtet hätten, würden zweifellos
die vollwertige Erziehungsfähigkeit des Vaters, die gute emotionale
Vater-Sohn-Beziehung und letztlich die bessere Betreuungssituation beim Vater
bestätigen. Zudem treffe die Vermutung des Kantonsgerichts, dass er sich nicht
in höherem Masse als die Mutter persönlich dem Kind widmen könne, nicht zu.
3.4
3.4.1 Vorab ist festzuhalten, dass aus den Ausführungen des Beschwerdeführers
nicht klar hervorgeht, welche Beschwerdegründe er geltend machen will. Der
Beschwerdeführer zählt zwar zutreffend die von Lehre und Rechtsprechung
entwickelten Kinderzuteilungskriterien auf, unterlässt es dabei aber, sich mit
der kantonsgerichtlichen Begründung auseinanderzusetzen bzw. im Einzelnen
aufzuzeigen, inwiefern das Kantonsgericht im Zusammenhang mit der Prüfung
dieser Zuteilungskriterien Bundesrecht verletzt oder den Sachverhalt in
willkürlicher Weise festgestellt haben sollte. Vielmehr begnügt er sich damit,
zu jedem Zuteilungskriterium seine eigene Sichtweise der Dinge ausführlich zu
schildern. Dabei wiederholt er auf weiten Strecken seine im kantonalen
Verfahren gemachten Ausführungen oder verweist auf diese. Damit genügt der
Beschwerdeführer den Begründungsanforderungen an eine Beschwerde vor
Bundesgericht jedoch nicht (vgl. E. 2).
3.4.2 Insbesondere geht aus seinen Ausführungen nicht hervor, inwiefern das
Kantonsgericht die Erziehungsfähigkeit des Vaters verneinen oder diejenige der
Mutter als besser beurteilen würde, wie dies der Beschwerdeführer in
allgemeiner Weise behauptet. Hält doch auch das Kantonsgericht in
Übereinstimmung mit den Ausführungen des Beschwerdeführers wiederholt fest,
dass beide Eltern fürsorglich und mit A.________ sehr verbunden seien. Auch
vertritt das Kantonsgericht nicht die Auffassung, dass der Beschwerdeführer das
Kind nicht fördern würde oder Mühe mit der Organisation des Alltags hätte. Dem
Urteil ist lediglich zu entnehmen, dass die Mutter dem Kind eher Grenzen setze
und die aktivere Rolle in der Organisation des Alltags übernommen habe. Das
Kantonsgericht hat die Erziehungsfähigkeit beider Elternteile als gleichwertig
beurteilt, jedoch die Zuteilung der elterlichen Sorge an die Beschwerdegegnerin
aufgrund anderer Kriterien, inbesondere der Kontinuität der Lebensverhältnisse
bei der Mutter und der besseren Bindungstoleranz, entschieden. Vor diesem
Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, wogegen sich der Beschwerdeführer mit
seinen langen Ausführungen zur Erziehungsfähigkeit überhaupt wenden möchte bzw.
welche Feststellungen des Kantonsgerichts er kritisiert. Weiter ist nicht
ersichtlich, weshalb im Zusammenhang mit der Beurteilung der
Erziehungsfähigkeit ein kinderpsychologisches Gutachten hätte erstellt werden
oder eine erneute gerichtliche Befragung hätte angeordnet werden sollen. Zudem
bleibt unklar, was der Beschwerdeführer aus der geltend gemachten
verschlechterten gesundheitlichen Situation von A.________, seit dieser bei
seiner Mutter lebt, herleiten möchte. Ist es doch nicht weiter erstaunlich,
dass ein Kind unter der Trennung seiner Eltern leidet, was sich auf seine
Konzentrationsfähigkeit und gefühlsmässige Stimmung auswirken kann. Inwiefern
aufgrund dieser Veränderungen auf eine fehlende Erziehungsfähigkeit der Mutter
oder eine bessere Erziehungsfähigkeit des Vaters geschlossen werden könnte, ist
nicht ersichtlich. Weiter gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, mit seinen
allgemeinen Ausführungen und Behauptungen aufzuzeigen, weshalb die Beziehungs-
und Erlebniskontinuität für eine Zuteilung an den Vater sprechen sollte.
Insbesondere kann er aus dem immer wieder erwähnten Umstand, er sei in den
frühen Kindsjahren von A.________ die Hauptbezugsperson gewesen, nicht
herleiten, dass er dies heute immer noch sei bzw. zu seinem Sohn nach wie vor
eine stärkere Bindung habe, als dieser zu seiner Mutter. Immerhin lebt
A.________ unterdessen seit rund drei Jahren bei seiner Mutter. Ebenso wenig
können die anlässlich der Kindsanhörung erfolgten Aussagen von A.________, "er
vermisse seinen Vater", und er "hätte am liebsten, dass seine Eltern wieder
zusammenwohnen" für eine Zuteilung an den Vater sprechen, wie dies der
Beschwerdeführer zu glauben scheint. Zudem kann auch offen gelassen werden, ob
eine Zuteilung in früheren Jahren an den Vater dem Kindeswohl entsprochen
hätte. Denn hat eine Betreuungslösung vor einigen Jahren den Bedürfnissen eines
Kindes und dem Kindeswohl entsprochen, muss dies nicht bedeuten, dass dieselbe
Lösung auch noch heute für das Kind optimal ist. Die Frage des Kindeswohls
entzieht sich einer starren Beurteilung und ist stets im Hinblick auf die
aktuellen Verhältnisse zu beantworten. Auf das entscheidende Zuteilungsargument
des Kantonsgerichts, wonach die Beschwerdegegnerin seit der Trennung der
Parteien, mithin seit rund drei Jahren, die Hauptbezugsperson von A.________
sei und es aufgrund der reibungslos funktionierenden Betreuungssituation der
Kontinuität der Verhältnisse Rechnung zu tragen gelte bzw. A.________ in seiner
vertrauten Umgebung zu belassen sei, geht der Beschwerdeführer mit keinem Wort
ein.
3.4.3 Das Kantonsgericht hat im Hinblick auf die Sorgerechtszuteilung alle
relevanten Tatsachen eingehend berücksichtigt und sorgfältig gegeneinander
abgewogen. Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass vorliegend dem Bedürfnis
eines Kindes nach der für eine harmonische Entfaltung in körperlicher,
seelischer und geistiger Hinsicht notwendigen Stabilität der Verhältnisse stark
Rechnung getragen werden muss und es daher die persönlichen Beziehungen und
vertraute Umgebung von A.________ möglichst zu erhalten gilt (BGE 114 II 200 E.
3 S. 201 f. ). Denn fest steht, dass A.________ seit rund drei Jahren bei
seiner Mutter lebt, welche seine Entwicklung angemessen fördert und seine
Betreuung im Schulhort während ihrer beruflichen Abwesenheit zuverlässig
organisiert. Zudem besucht A.________ seinen Vater regelmässig, wobei die
Beschwerdegegnerin den Vater-Kind-Kontakt fördert. Nach der Rechtsprechung gilt
die Bereitschaft eines Elternteils, mit dem anderen in Kinderbelangen
zusammenzuarbeiten, als ein entscheiderheblicher Gesichtspunkt, gerade wenn die
Erziehungsfähigkeit beider Elternteile gegeben ist (vgl. BGE 115 II 317 E. 3 S.
320). Vorliegend ist nicht ersichtlich und vom Beschwerdeführer auch nicht
aufgezeigt, inwiefern die Vorinstanzen die Zuteilungskriterien ausser Betracht
gelassen oder offensichtlich falsch gewichtet haben sollten. Auch ist der
Zuteilungsentscheid nicht auf bedeutungslose Überlegungen abgestützt oder dabei
gegen bundesgerichtliche Grundsätze verstossen worden. Vor diesem Hintergrund
und angesichts der reibungslos funktionierenden Betreuungssituation besteht für
das Bundesgericht kein Anlass, in den Ermessensentscheid des Kantonsgerichts
einzugreifen.

4.
Der Beschwerdeführer erhebt neben seinen Rügen betreffend die
Zuteilungskriterien von Art. 133 ZGB verschiedene Einwendungen formeller Natur
gegen die Vorgehensweise der Vorinstanzen.

4.1 Er bemängelt insbesondere, dass keine kinderpsychologische Abklärung
erfolgt ist. Weiter seien Personen aus A.________s Umfeld nicht in die
Abklärungen miteinbezogen worden und gewisse Abklärungen oder Befragungen vor
dem Kantonsgericht nicht wiederholt worden. Er rügt in diesem Zusammenhang eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV), eine falsche Anwendung
von Art. 133 ZGB sowie eine Verletzung des Beweisrechts (Art. 8 ZGB).

4.2 Die kinderpsychologische Begutachtung ist eine der Beweismassnahmen, die
das Gericht aufgrund des in Art. 145 ZGB verankerten Untersuchungsgrundsatzes
anordnen kann, aber nicht muss; der Entscheid darüber liegt in seinem
pflichtgemässen Ermessen (Peter BREITSCHMID, in: Basler Kommentar,
Zivilgesetzbuch I, 3. Auflage 2006, N. 3 zu Art. 145 ZGB; THOMAS SUTTER/DIETER
FREIBURGHAUS, Kommentar zum neuen Scheidungsrecht, 1999, N. 18 zu Art. 145
ZGB). Im Verzicht auf die vom Beschwerdeführer beantragte Begutachtung allein
liegt daher noch keine Bundesrechtsverletzung (vgl. auch BGE 114 II 200 E. 2b
S. 201). Dabei gilt es insbesondere auch zu berücksichtigen, dass das
Kantonsgericht wie bereits die erste Instanz auf den im Jahre 2006 erstellten
und im Jahre 2007 ergänzten Sozialbericht des Vormundschaftsamtes der Stadt St.
Gallen abgestellt hat und A.________ zudem im erstinstanzlichen
Scheidungsverfahren gemäss Art. 144 Abs. 2 ZGB angehört worden ist. Des
Weiteren hat es von Personen aus dem näheren Umfeld von A.________, so von
seiner Lehrerin und den Kinderhortbetreuern, Berichte eingeholt. Die Anordnung
eines kinderpsychologischen Gutachtens hat das Kantonsgericht angesichts der
bereits erhobenen Beweise und der klaren Situation als unnötig erachtet und
daher in antizipierter Beweiswürdigung darauf verzichtet. Art 8 ZGB steht einer
bloss beschränkten Beweisabnahme nicht entgegen, wenn der Richter schon nach
deren Ergebnis vom Sachverhalt überzeugt ist oder dafür hält, die zusätzlich
beantragten Beweise vermöchten zur Klärung des Sachverhalts nichts beizutragen
(BGE 122 III 219 E. 3c S. 223). Denn diesfalls liegt freie Beweiswürdigung vor,
die nicht durch Art. 8 ZGB geregelt ist. Anzumerken ist ferner, dass bei der
Beurteilung zivilrechtlicher Ansprüche beweisrechtlich Art. 29 Abs. 2 BV nicht
relevant ist, sondern allein Art. 8 ZGB zum Zug käme (Urteile 5A_44/2008 vom 7.
Juli 2008 E. 3 und 5A_193/2008 vom 13. Mai 2008 E. 3.1). Der Beschwerdeführer
vermöchte mit seiner Rüge daher nur durchzudringen, wenn er aufgezeigt hätte,
dass das Beweisergebnis trotz der abgenommen Beweise gerade wegen des Verzichts
auf eine kinderpsychologische Begutachtung als willkürlich bezeichnet werden
muss. Jedoch unterlässt es der Beschwerdeführer, sich mit der Begründung des
Kantonsgerichts auseinanderzusetzen und aufzuzeigen, inwiefern die
Beweiswürdigung der Vorinstanz willkürlich sein sollte bzw. inwiefern die
Einholung des beantragten Gutachtens etwas am Entscheidergebnis geändert hätte.
Stattdessen begnügt er sich damit, für die Begründung der Rügen auf seine
Eingabe vor dem Kantonsgericht zu verweisen. Damit vermag er jedoch den
formellen Anforderungen an die Beschwerdeschrift wiederholt nicht zu genügen
(vgl. E. 2).
Das Gesagte gilt auch für die weiteren Beanstandungen betreffend erneute
Anhörung von A.________ und Personen aus seinem Umfeld. Der Beschwerdeführer
unterlässt es aufzuzeigen, weshalb eine ergänzende Anhörung durch das
Kantonsgericht geboten oder sinnvoll gewesen wäre bzw. inwiefern sich seit dem
erstinstanzlichen Verfahren die Situation verändert und sich eine erneute
Abklärung aufgedrängt hätte. Auch diesbezüglich beschränkt sich der
Beschwerdeführer darauf, pauschal auf seine früheren Ausführungen im Verfahren
vor Kantonsgericht zu verweisen.

5.
Die weiteren Anträge betreffend Neuregelung der Unterhaltsbeiträge und
Besuchsrecht stellt der Beschwerdeführer für den Fall einer Änderung der
Kinderzuteilung. Weil das Hauptbegehren abgewiesen wird, werden sie
gegenstandslos. Im Übrigen hätte auf sie mangels Begründung nicht eingetreten
werden können.

6.
Die Beschwerde erweist sich, soweit auf diese überhaupt eingetreten werden
kann, als unbegründet und muss abgewiesen werden. Ausgangsgemäss trägt der
Beschwerdeführer die Kosten (Art. 66 Abs. 2 BGG). Sein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege ist abzuweisen, da seine Anträge, soweit darauf überhaupt
einzutreten war, von vornherein aussichtslos waren (Art. 64 Abs. 1 BGG). Da der
angefochtene Entscheid nicht geändert wird, erfolgt zudem keine Neuverlegung
der kantonalen Verfahrenskosten (Art. 67 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird
abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, II.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 27. März 2009
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Escher Gut