Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2C.397/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
2C_397/2010

Urteil vom 6. Dezember 2010
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Zünd, Präsident,
Bundesrichter Merkli, Stadelmann,
Gerichtsschreiberin Dubs.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Rolf Benz,

gegen

Kantonales Steueramt Zürich, Dienstabteilung Recht, Bändliweg 21, Postfach,
8090 Zürich,

Kantonale Steuerverwaltung Obwalden, St. Antonistrasse 4, Postfach 1564, 6061
Sarnen.

Gegenstand
Steuerhoheit (ab 2007) / Doppelbesteuerung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich,
2. Kammer, vom 3. März 2010.

Sachverhalt:

A.
X.________, geboren 1949, ledig, zog am 9. Oktober 1980, von A.________
kommend, in B.________ zu und meldete sich als Wochenaufenthalter an. Er
bewohnt in B.________ eine selbst möblierte 1-Zimmer-Wohnung. X.________
arbeitet in C.________. Seine Schriften hat er in A.________ deponiert, wo er
die Wochenenden, zusammen mit seiner Schwester, in einer 4-Zimmerwohnung
verbringt.

B.
Am 24. November 2008 erliess das Kantonale Steueramt Zürich einen Vorentscheid
über die Beanspruchung der Steuerhoheit und entschied, die Steuerhoheit des
Kantons Zürich und der Steuergemeinde B.________ werde für die Steuerperiode
2007, pflichtig ab 1. Januar 2007, beansprucht. Die gegen diesen Vorentscheid
erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt am 12. Februar 2009 ab, indem
es an der Beanspruchung der Steuerhoheit ab 1. Januar 2007 festhielt. Am 18.
Juni 2009 wies die Steuerrekurskommission I des Kantons Zürich den gegen den
Einspracheentscheid erhobenen Rekurs ab und am 3. März 2010 wies das
Verwaltungsgericht des Kantons Zürich die gegen den Rekursentscheid erhobene
Beschwerde ab.

C.
Gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich hat X.________
mit Eingabe vom 7. Mai 2010 Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten beim Bundesgericht erhoben. Er beantragt, den Entscheid des
Verwaltungsgerichts vom 3. März 2010 aufzuheben und festzustellen, dass sich
der steuerrechtliche Wohnsitz des Beschwerdeführers im Steuerjahr 2007 in
A.________ (Kanton Obwalden) befinde und dass der Beschwerdeführer im
Steuerjahr 2007 im Kanton Zürich keinen steuerrechtlichen Wohnsitz habe. Gerügt
wird die Verletzung von Bundesrecht, insbesondere des interkantonalen
Doppelbesteuerungsverbots.

D.
Das Steueramt des Kantons Zürich beantragt die Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf einzutreten sei. Die Steuerverwaltung des Kantons Obwalden verzichtet
auf Vernehmlassung. Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich beantragt die
Abweisung der Beschwerde. Die Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtet auf
die Stellung eines Antrages, wirft jedoch die Frage auf, ob vorliegend nicht
ein Verfahren im Sinne des Art. 108 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990
über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) ein adäquater Ansatzpunkt wäre.

Erwägungen:

1.
1.1 Gegen den kantonal letztinstanzlichen Entscheid des Verwaltungsgerichts des
Kantons Zürich betreffend die Feststellung der Steuerpflicht ab 1. Januar 2007
ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten grundsätzlich
zulässig (vgl. Art. 82 lit. a in Verbindung mit Art. 86 Abs. 1 lit. d BGG).

Der angefochtene Entscheid sowie die ihm vorangegangenen Verfügung bzw.
Entscheide befassen sich ausschliesslich mit der Frage des Steuerdomizils
betreffend die Staats- und Gemeindesteuern. Sie nehmen keinen Bezug auf die
Veranlagung der direkten Bundessteuer. Die von der Eidgenössischen
Steuerverwaltung aufgeworfene Frage nach der Anwendung des Verfahrens nach Art.
108 DBG kann daher offenbleiben, und es ist nicht darauf einzugehen, in welchem
Verhältnis die Zuständigkeit der Eidgenössischen Steuerverwaltung zur
Feststellung des Veranlagungsortes und die gegen deren Entscheid offenstehenden
Rechtsmittel (vgl. dazu FELIX RICHNER/WALTER FREI/STEFAN KAUFMANN/HANS ULRICH
MEUTER, Handkommentar zum DBG, 2. Auflage, 2009, N 9 zu Art. 108 DBG) zum
ordentlichen Rechtsmittelverfahren nach Art. 132 ff. DBG bzw. Art. 140 ff. DBG
stehen.
Der Beschwerdeführer ist gestützt auf Art. 89 Abs. 1 BGG zur Anfechtung des
vorinstanzlichen Urteils legitimiert. Auf sein frist- und formgerecht
eingereichtes Rechtsmittel ist einzutreten (vgl. Art. 100 und Art. 42 BGG).

1.2 Im hier zu beurteilenden interkantonalen Kompetenzkonflikt könnte eine
(gegebenenfalls sogar rechtskräftige) Veranlagung des Kantons Obwalden für die
Steuerperiode 2007 mit angefochten werden (vgl. Art. 100 Abs. 5 BGG). Der
Beschwerdeführer erhebt jedoch diesbezüglich keine Anträge. Die Beschwerde
richtet sich formell nur gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Zürich. Allerdings hat der Entscheid im vorliegenden Verfahren auch
Auswirkungen auf die Steuerpflicht im Kanton Obwalden. Insofern richtet sich
die Beschwerde materiell ebenso gegen den Kanton Obwalden, welcher denn auch
zur Vernehmlassung eingeladen wurde.

1.3 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG); von deren
Sachverhaltsfeststellungen kann nur abgewichen werden, wenn sie offensichtlich
unrichtig sind oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen
(Art. 105 Abs. 2 BGG). Angesichts der Besonderheiten des Beschwerdeverfahrens
in Doppelbesteuerungssachen ist das Bundesgericht selbst bei Vorliegen des
Entscheids einer letztinstanzlichen kantonalen richterlichen Behörde nicht in
jedem Fall davon entbunden, den Sachverhalt frei zu überprüfen, z.B. wenn der
andere Kanton den Sachverhalt bestreitet und eigene Beweismittel vorlegt, wozu
sich der Beschwerdeführer unter Umständen äussern können muss. Aber das neue
Recht schreibt selbst bei Steuerkompetenzkonflikten gemäss Art. 127 Abs. 3 BV
vor, dass der kantonale Instanzenzug zumindest in einem Kanton durchlaufen
werden muss. Insoweit muss der Beschwerdeführer seine Behauptungen sowie
Beweismittel bereits im kantonalen Verfahren vorbringen und sind die dort
getroffenen Feststellungen für das Bundesgericht im Rahmen von Art. 105 BGG
verbindlich. Demgemäss kann sich der Beschwerdeführer nicht damit begnügen, die
Feststellungen der Vorinstanz einfach zu bestreiten; vielmehr muss er den
Nachweis erbringen, dass deren Sachverhaltsermittlung qualifiziert mangelhaft
ist (vgl. zum Ganzen BGE 133 I 300 E. 2.3 S. 306; 131 I 145 E. 2.4 S. 149;
Urteil 2C_230/2008 vom 27. August 2008 E. 1.3).

2.
2.1 Eine gegen Art. 127 Abs. 3 BV verstossende Doppelbesteuerung liegt
namentlich vor, wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren
Kantonen für das gleiche Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern
herangezogen wird (aktuelle Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in
Verletzung der geltenden Kollisionsnormen seine Steuerhoheit überschreitet und
eine Steuer erhebt, die einem anderen Kanton zusteht (virtuelle
Doppelbesteuerung).

2.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 127 Abs. 3 BV (bzw.
Art. 46 Abs. 2 aBV) ist der steuerrechtliche Wohnsitz (Hauptsteuerdomizil)
einer unselbständig erwerbenden Person derjenige Ort, wo sich die betreffende
Person mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (vgl. auch Art. 3 Abs. 2
des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten
Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG; SR 642.14], Art. 3 Abs. 2 des
Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG, SR
642.11] und Art. 23 Abs. 1 ZGB) bzw. wo sich faktisch der Mittelpunkt ihrer
Lebensinteressen befindet (vgl. BGE 125 I 54 E. 2 S. 56; 123 I 289 E. 2a S.
293; ASA 63 S. 836 E. 2a). Dieser Mittelpunkt der Lebensinteressen bestimmt
sich nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren Umstände, aus denen sich
diese Interessen erkennen lassen, nicht nach den bloss erklärten Wünschen der
steuerpflichtigen Person. Auf die gefühlsmässige Bevorzugung eines Ortes kommt
es nicht an; der steuerrechtliche Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar. Dem
polizeilichen Domizil, wo die Schriften hinterlegt sind oder wo die politischen
Rechte ausgeübt werden, kommt dagegen keine entscheidende Bedeutung zu; das
sind bloss äussere Merkmale, die ein Indiz für den steuerrechtlichen Wohnsitz
bilden können, wenn auch das übrige Verhalten der Person dafür spricht (statt
vieler: BGE 132 I 29 E. 4.1 S. 35 f.). Wenn sich eine Person abwechslungsweise
an zwei Orten aufhält, ist für die Bestimmung des steuerrechtlichen Wohnsitzes
darauf abzustellen, zu welchem Ort sie die stärkeren Beziehungen unterhält. Bei
unselbständig erwerbenden Steuerpflichtigen ist das gewöhnlich der Ort, wo sie
für längere oder unbestimmte Zeit Aufenthalt nehmen, um von dort aus der
täglichen Arbeit nachzugehen, ist doch der Zweck des Lebensunterhalts dauernder
Natur. Die Frage, zu welchem der Aufenthaltsorte die steuerpflichtige Person
die stärkeren Beziehungen unterhält, ist jeweils aufgrund der Gesamtheit der
Umstände des Einzelfalls zu beurteilen (BGE 132 I 29 E. 4.2 S. 36 f. mit
Hinweisen).
Bei verheirateten Personen mit Beziehungen zu mehreren Orten werden die
persönlichen und familiären Kontakte zum Ort, wo sich ihre Familie aufhält, als
stärker erachtet als diejenigen zum Arbeitsort, wenn sie in nicht leitender
Stellung unselbständig erwerbstätig sind und täglich oder an den Wochenenden
regelmässig an den Familienort zurückkehren. Demnach unterstehen verheiratete
Pendler oder Wochenaufenthalter grundsätzlich ausschliesslich der Steuerhoheit
desjenigen Kantons, in dem sich ihre Familie aufhält (BGE 132 I 29 E. 4.2 und
4.3 S. 36 f. mit Hinweisen).
Diese Praxis findet auch auf ledige Personen Anwendung, zählt die
Rechtsprechung doch Eltern und Geschwister ebenfalls zur Familie des
Steuerpflichtigen. Allerdings werden die Kriterien, nach denen das
Bundesgericht entscheidet, wann anstelle des Arbeitsorts der Aufenthaltsort der
Familie als Hauptsteuerdomizil anerkannt werden kann, besonders streng
gehandhabt; dies folgt aus der Erfahrung, dass die Bindung zur elterlichen
Familie regelmässig lockerer ist als diejenige unter Ehegatten. Bei ledigen
Steuerpflichtigen ist vermehrt noch als bei verheirateten Personen zu
berücksichtigen, ob weitere als nur familiäre Beziehungen zum einen oder
anderen Ort ein Übergewicht begründen. Dadurch erhält der Grundsatz, wonach das
Hauptsteuerdomizil von Unselbständigerwerbenden am Arbeitsort liegt, grösseres
Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwöchentlich zu den Eltern oder
Geschwistern zurückkehren, können die Beziehungen zum Arbeitsort überwiegen.
Dies kann namentlich dann zutreffen, wenn sie sich am Arbeitsort eine Wohnung
eingerichtet haben oder über einen besonderen Freundes- und Bekanntenkreis
verfügen. Besonderes Gewicht haben in diesem Zusammenhang auch die Dauer des
Arbeitsverhältnisses und das Alter des Steuerpflichtigen (BGE 125 I 54 E. 2b/bb
S. 57 mit Hinweisen). Die bundesgerichtliche Praxis geht dabei davon aus, dass
die Beziehungen des Steuerpflichtigen zur elterlichen Familie regelmässig nicht
mehr so stark sind, wenn der Steuerpflichtige das 30. Altersjahr überschritten
hat, oder aber sich seit mehr als fünf Jahren ununterbrochen am selben
Arbeitsort aufhält (vgl. Urteil 2P.25/1993 vom 20. Januar 1994 E. 3c, in: ASA
63 S. 836, 842).

2.3 In Bezug auf die Beweisführung sind folgende Grundsätze massgebend: Der
Umstand, dass der unverheiratete, im fraglichen Jahr 2007 bereits 58-jährige
Steuerpflichtige vom Ort aus, wo er sich während der Woche aufhält, einer
unselbständigen Erwerbstätigkeit nachgeht, begründet nach der Rechtsprechung
eine natürliche Vermutung, dass der Steuerpflichtige dort sein
Hauptsteuerdomizil hat. Diese Vermutung lässt sich entkräften, so wenn er
regelmässig, mindestens ein Mal pro Woche, an den Ort zurückkehrt, wo seine
Familie lebt, mit welcher er aus bestimmten Gründen besonders eng verbunden
ist, und wo er andere persönliche und gesellschaftliche Beziehungen pflegt.
Wenn der steuerpflichtigen Person der Nachweis solcher familiärer und
gesellschaftlicher Beziehungen am Ort, wo die Familie wohnt, gelingt, obliegt
es dem Kanton des Wochenaufenthalts- oder Arbeitsorts nachzuweisen, dass die
Person gewichtige wirtschaftliche und allenfalls persönliche Beziehungen zu
diesem Ort unterhält (Urteil 2C_748/2008 vom 19. März 2008 E. 3.2 mit
Hinweisen; vgl. auch BGE 125 I 54 E. 3a S. 58). Die steuerpflichtige Person ist
allerdings verpflichtet, im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht die für einen
Nachweis nötigen Informationen und Aufschlüsse zu erteilen (Art. 42 StHG, Art.
126 DBG).

2.4 Aus diesen Grundsätzen ergibt sich zunächst, wie die Vorinstanz zu Recht
festgestellt hat, eine natürliche Vermutung, dass sich das Hauptsteuerdomizil
des Beschwerdeführers, der seit 1980 bei einem Arbeitgeber in der
Nachbargemeinde C.________ tätig ist, in der fraglichen Steuerperiode in
B.________ befand. Bei dieser Sachlage muss der Beschwerdeführer nachweisen,
dass er regelmässig nach A.________ zurückkehrt, sowie dass er dort gewichtige
persönliche und gesellschaftliche Beziehungen pflegt, welche den Schluss
zulassen, er habe dort seinen Lebensmittelpunkt.
2.4.1 Das Verwaltungsgericht hat festgestellt, es sei durchaus glaubhaft und
werde von der Vorinstanz nicht in Frage gestellt, dass der Beschwerdeführer
seine Wochenenden und übrige Freizeit in A.________ verbringe, wo er eine
4-Zimmer-Wohnung mit 940 m2 Umschwung besitze. Im weiteren hat es festgehalten,
die Ausführungen in einem Schreiben des Pistolenclubs A.________ vom 7. August
2009 seien zwar sehr allgemein gehalten; immerhin gehe daraus hervor, dass der
Beschwerdeführer "äusserst aktiv" sei und an den Vereinsanlässen "regelmässig
teilnehme". Die Vorinstanz führte sodann aus, die Vereinsaktivitäten und die
gesellschaftlichen Beziehungen würden zwar auf eine Verbundenheit des
Beschwerdeführers mit A.________ schliessen lassen. Mangels Substanziierung
besonders enger familiärer Beziehungen zu A.________ misslinge dem
Beschwerdeführer jedoch die Entkräftung der natürlichen Vermutung zugunsten der
zürcherischen Steuerhoheit. Das Verwaltungsgericht begründete dies damit, der
Beschwerdeführer habe es unterlassen, eine besonders intensive, über den
üblichen Rahmen hinausgehende familiäre Beziehung zu wenigstens einer Schwester
zu substanziieren bzw. nachzuweisen. Dass er mit ihr - während der Wochenenden
- eine Wohnung teile, sei noch nichts aussergewöhnliches und die Behauptung,
dass die Schwester auf die Unterstützung des Beschwerdeführers "in allgemeinen
Belangen" angewiesen sei, werde nicht weiter dargelegt.
Die Vorinstanz kam aus diesen Gründen zum Schluss, der Beschwerdeführer habe es
versäumt, eine substanziierte Darstellung seiner (familiären) Beziehungen zu
A.________ zu geben, welche die zugunsten der zürcherischen Steuerhoheit
bestehende Vermutung zu entkräften vermochte, weshalb die Beschwerde abzuweisen
sei.
2.4.2 Die Vorinstanz verkennt mit ihrem Schluss die Funktion der natürlichen
Vermutung. Diese ist ein Element der Beweiswürdigung und nicht eine
Beweislastregel (vgl. DANIEL SCHÄR, Grundsätze der Beweislastverteilung im
Steuerrecht, 1998, S. 253 f.), welche darüber entscheiden würde, wer die Folgen
der Beweislosigkeit zu tragen hat. Bei der natürlichen Vermutung wird aufgrund
von Indizien mittels Wahrscheinlichkeitsüberlegungen und aufgrund der
Lebenserfahrung auf eine nicht direkt bewiesene Tatsache geschlossen, welche
die Behörde als wahr vermuten und ohne weitere Abklärungen ihrem Entscheid
zugrunde legen darf. Es geht dabei nicht um die Frage, ob sich eine
rechtserhebliche Tatsache verwirklicht hat oder nicht, sondern lediglich darum,
ob eine beweismässige Abklärung vorzunehmen ist. Aus diesem Grunde muss die
Vermutung bereits dann als entkräftet gelten, wenn der Gegenbeweis erbracht
wird (vgl. bereits MAX KUMMER, Berner Kommentar, Einleitung, Artikel 1 bis 10
ZGB, N 363 zu Art. 8 ZGB), d.h. beweismässige Anhaltspunkte erstellt sind,
welche begründete Zweifel an der Richtigkeit des Hauptbeweises, also der
natürlichen Vermutung, erbringen (vgl. KUMMER, a.a.O. N 107 zu Art. 8 ZGB).
Daraus ergibt sich, dass bei Bestehen von Anhaltspunkten, welche gegen die
vermutete Tatsache sprechen, diese näher zu prüfen und zu gewichten sind. Es
geht dabei darum festzustellen, ob die gegen die natürliche Vermutung
vorgebrachten Anhaltspunkte überzeugen und stärker sind als die Vermutung (vgl.
noch weitergehend Martin Zweifel/Hugo Casanova, Schweizerisches
Steuerverfahrensrecht, Direkte Steuern, 2008, § 14 Rz. 7).
In Bezug auf die Feststellung des Hauptsteuerdomizils ist daher in diesem
Zusammenhang zu beachten, dass es darum geht, aufgrund von objektiven, äusseren
Umständen auf innere Tatsachen, den Mittelpunkt der Lebensinteressen, zu
schliessen. Dabei kann generell kein klarer Beweis geführt werden, sondern es
ist aufgrund von Indizien eine Gewichtung vorzunehmen. Die Prüfung darf sich
deshalb nicht auf eine schematische oder isolierte Betrachtung einzelner
Merkmale beschränken, sondern es ist eine sorgfältige Berücksichtigung und
Gewichtung sämtlicher Berufs-, Familien- und Lebensumstände notwendig (vgl.
Urteil 2C_646/2007 vom 7. Mai 2008 E. 4.3.3). Betreffend die natürliche
Vermutung des Hauptsteuerdomizils einer ledigen Person an dem Ort, an dem sie
sich während der Woche aufhält um von dort aus zur Arbeit zu gehen (nachfolgend
auch kurz Wochenaufenthaltsort), bedeutet dies, dass die Zerstörung dieser
Vermutung nicht den lückenlosen Nachweis klar definierter abweichender Indizien
voraussetzt. Zwar ist aus Praktikabilitätsüberlegungen ein gewisser
Schematismus im Sinne einer Neigung, bei unklar gebliebenen Verhältnissen
zugunsten der Vermutung zu entscheiden, unvermeidlich. Trotzdem muss es
genügen, wenn Anhaltspunkte für den Wochenendwohnort in einer Weise
nachgewiesen werden, die so gewichtig und überzeugend sind, dass sie geeignet
sind, die Domizilvermutung zu entkräften (etwas unklar diesbezüglich wohl die
Urteil 2C_809/2008 vom 6. August 2009 E.3.2 und 2C_748/2008 vom 19. März 2009
E. 3.2 sowie weitere dort zitierte Urteile). Dies zeigt sich ohne weiteres,
wenn die Situation lediger Steuerpflichtiger betrachtet wird, die keine nahen
Familienangehörigen mehr haben. Solche begründen zwar nur ausnahmsweise dort
ein Steuerdomizil, wo sie sich in ihrer Freizeit aufhalten, weshalb in einem
derartigen Fall vom Kanton, in dem sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen, nicht
verlangt werden kann, das Überwiegen ihrer persönlichen Beziehungen zum
Arbeitsort zu beweisen, sondern sie den Nachweis eines vom Arbeitsort
abweichenden Lebensmittelpunktes selbst zu erbringen haben (vgl. BGE 125 I 54
E. 3a S. 58). Immerhin ist zu beachten, dass die natürliche Vermutung des
Wohnsitzes am Wochenwohnort umso mehr Gewicht erhält, je älter eine Person ist
und je länger das Auseinanderfallen von Wochenaufenthaltsort und zweitem
Wohnort angedauert hat. So ist bei einem ledigen Fünfzigjährigen, der seit
langer Zeit am selben Ort wohnt, von dem aus er der Arbeit nachgeht, ein
blosser Wochenaufenthaltsort, wie er vor allem bei Studenten und Stagiaires
vorkommt, nur mit grosser Zurückhaltung anzunehmen. Auch in diesem Falle muss
es dem Pflichtigen jedoch möglich sein, mittels gewichtiger Indizien die
Vermutung des Wohnsitzes am Wochenaufenthaltsort zu entkräften und Indizien für
den Wochenendaufenthaltsort in ausreichender Qualität nachzuweisen, so dass in
der Folge die Steuerbehörde ihrerseits Umstände, welche für die Annahme des
Lebensmittelpunktes am Wochenaufenthaltsort sprechen, aufzuzeigen hat.
Dies übersieht die Vorinstanz wenn sie feststellt, Vereinsaktivitäten und
Gesellschaftsaktivitäten liessen zwar auf eine Verbundenheit des
Beschwerdeführers mit A.________ schliessen, es gelinge ihm aber nicht, die
natürliche Vermutung des Wohnsitzes zugunsten der zürcherischen Steuerhoheit
umzustossen, weil er keine besonderen familiären Beziehungen nachweise, und
darum sei die Beschwerde abzuweisen. Sie hätte bei dieser Sachlage die weiteren
Indizien nicht einfach völlig unbeachtet lassen dürfen, sondern hätte diese
sorgfältig gewichten müssen. Werden die vorliegenden Sachumstände gewürdigt, so
ergibt sich Folgendes: Zwar bekommt - jedenfalls mit der Zeit - der Arbeitsort
bzw. der Wochenwohnort eine grössere Bedeutung und die Arbeit als solche macht
in aller Regel den grössten Teil des Lebensinhalts aus. Trotzdem ist der
Umstand, dass der Beschwerdeführer in A.________ einer intensiven
Vereinstätigkeit nachgeht und auch dort seinen Freundes- und Kollegenkreis hat,
nicht einfach unerheblich, sondern stellt ein Element dar, welches für den
Lebensmittelpunkt in A.________ spricht. Zu wenig berücksichtigt hat die
Vorinstanz im Besonderen auch den Umstand, dass der Beschwerdeführer gemäss
ihren eigenen Feststellungen in A.________ eine 4-Zimmerwohnung mit 940 m2
Umschwung gemietet hat, währenddem er in B.________ lediglich über eine kleine
1-Zimmerwohnung verfügt. Damit liegen mehrere gewichtige Umstände vor, welche
den Schluss nahelegen, dass sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen des
Beschwerdeführers in A.________ befindet.
2.4.3 Vorliegend ist weiter zu beachten, dass der Vorinstanz auch bei der
Interpretation des von ihr als wesentlich erachteten Sachumstandes der
besonderen familiären Beziehungen am Wochenendaufenthaltsort nicht gefolgt
werden kann. Sie führt aus, es sei nichts Aussergewöhnliches, wenn der
Beschwerdeführer während den Wochenenden mit seiner Schwester eine Wohnung
teile. Dem kann nicht zugestimmt werden. Eine derartige Wohnsituation stellt
offensichtlich nicht den Regelfall dar, ist doch nicht davon auszugehen, dass
üblicherweise Geschwister während vielen Jahren eine Wohnung teilen und dort
regelmässig gemeinsam die Wochenenden verbringen. Es ist gemäss den
Feststellungen der Vorinstanz auch nicht etwa so, dass die Schwester des
Beschwerdeführers diesem mehr oder weniger pro Forma in einer von ihr
gemieteten Wohnung ein Zimmer als Absteige zur Verfügung halten würde. Die von
der Vorinstanz festgestellten Umstände deuten vielmehr stark darauf hin, dass
eben gerade speziell intensive familiäre Beziehungen des Beschwerdeführers zu
seiner Schwester vorliegen. Die Bezugnahme der Vorinstanz auf das Urteil 2C_809
/2008 vom 6. August 2009 erfolgt in diesem Zusammenhang zu Unrecht, lag doch
der Sachverhalt dort in wesentlichen Punkten anders. So hatte der
Beschwerdeführer in jenem Fall geltend gemacht, er wohne am Wochenende mit den
Eltern in der 2½-Zimmerwohnung, an welcher diese ein lebenslängliches Wohnrecht
hatten. Abgesehen davon, dass vorliegend eine 4-Zimmerwohnung, mit Umschwung,
Garten und Gartenhaus, in einem ansonsten leer stehenden Haus und damit eine
ganz andere Wohnsituation zur Diskussion steht, handelte es sich damals
offensichtlich um die häufig anzutreffende Situation, wonach junge Erwachsene
während einiger Zeit noch ein gewisses Standbein in der elterlichen Wohnung
behalten; in der Regel lassen solche Lebensumstände mangels weiterer
Anhaltspunkte nicht darauf schliessen, die Beziehungen zu den Eltern seien
weiterhin derart eng, dass sie als bestimmend für die Festlegung des
Lebensmittelpunktes bezeichnet werden müssten. Damit ist die Situation des
heute 61-jährigen Beschwerdeführers, der seit langem jeweils an den Wochenenden
mit seiner Schwester zusammen lebt, nicht zu vergleichen.
2.4.4 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer gemäss verbindlicher
Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz demnach mehrere Umstände nachgewiesen,
welche deutlich darauf hinweisen, dass sich der Mittelpunkt seiner
Lebensinteressen am Ort befindet, wo er seine Wochenenden verbringt.
Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass der von der Vorinstanz
grundsätzlich verbindlich ermittelte Sachverhalt, richtig interpretiert und
gewichtet, deutliche Indizien liefert, welche den Schluss zulassen, sein
Lebensmittelpunkt befinde sich in A.________. Demgegenüber spricht für einen
allfälligen Lebensmittelpunkt in B.________ einzig, dass er von dort aus seiner
Arbeit in C.________ nachgeht, wobei zur Gewichtung dieses Umstandes zu
berücksichtigen ist, dass sich der Beschwerdeführer durch die Wohnungsnahme in
B.________ - gemäss seinen unbestrittenen Ausführungen in der Beschwerde an die
Vorinstanz - einen Arbeitsweg von rund 2 bis 2½ Stunden pro Weg ersparen
konnte. Die Vorinstanz kam demzufolge zu Unrecht zum Schluss, der Mittelpunkt
der Lebensinteressen des Beschwerdeführers und damit sein steuerliches
Hauptdomizil befinde sich nicht in A.________, sondern in B.________.

3.
Die Beschwerde erweist sich somit als begründet. Es erübrigt sich deshalb, die
weiteren Rügen des Beschwerdeführers - namentlich diejenige der Verletzung von
Treu und Glauben und des Rückwirkungsverbotes - näher zu prüfen. Das
angefochtene Urteil ist aufzuheben und die Sache an das Verwaltungsgericht des
Kantons Zürich zur Neuregelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen im
kantonalen Verfahren zurückzuweisen.

4.
Bei diesem Verfahrensausgang werden die bundesgerichtlichen Kosten dem Kanton
Zürich, der Vermögensinteressen wahrnimmt, auferlegt (Art. 66 Abs. 1 und 4
BGG). Dieser hat zudem den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche
Verfahren zu entschädigen (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen den Kanton
Zürich wird gutgeheissen, und das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Zürich vom 3. März 2010 wird aufgehoben. Die Sache wird an das
Verwaltungsgericht des Kantons Zürich zur Neuregelung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen im kantonalen Verfahren zurückgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Kanton Zürich auferlegt.

3.
Der Kanton Zürich hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr.
2'000.-- auszurichten.

4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Kantonalen Steueramt Zürich, der
Kantonalen Steuerverwaltung Obwalden, dem Verwaltungsgericht des Kantons
Zürich, 2. Kammer, sowie der Eidgenössischen Steuerverwaltung schriftlich
mitgeteilt.

Lausanne, 6. Dezember 2010
Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Zünd Dubs