Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2C.800/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
2C_800/2010

Urteil vom 22. März 2011
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Karlen, präsidierendes Mitglied,
Bundesrichterin Aubry Girardin,
Bundesrichter Donzallaz,
Gerichtsschreiber Merz.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Beschwerdeführerin,
vertreten durch Beratungsstelle für Ausländer
Milosav Milovanovic,

gegen

Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich,
Migrationsamt, Postfach, 8090 Zürich,
Regierungsrat des Kantons Zürich,
Kaspar Escher-Haus, 8090 Zürich.

Gegenstand
Familiennachzug,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich,
2. Kammer, vom 1. September 2010.
Erwägungen:

1.
1.1 Die serbische Staatsangehörige X.________ (geb. 1974) reiste im Oktober
1992 in die Schweiz ein, wo sie sich seither aufhält. Ein Jahr später heiratete
sie in ihrer Heimat ihren Landsmann Z.________. Aus dieser Ehe ging der Sohn
Y.________ (geb. 1994) hervor. Dieser lebt seit seiner Geburt in Serbien. Im
Februar 1997 wurde die Ehe rechtskräftig geschieden und die elterliche Sorge
über das Kind der Mutter anvertraut. Im Oktober 2002 erhielt Letztere die
Niederlassungsbewilligung für den Kanton Zürich. Im August 2006 heiratete sie
in ihrer Heimat einen anderen Landsmann, den sie im darauf folgenden Jahr zu
sich in die Schweiz holte. Das gleichzeitig - am 12. März 2007 - auch für ihren
Sohn Y.________ gestellte Nachzugsgesuch wies die Sicherheitsdirektion des
Kantons Zürich indes am 19. September 2007 ab. Die dagegen im Kanton erhobenen
Rechtsmittel wurden am 17. März 2010 vom Regierungsrat und am 1. September 2010
vom Verwaltungsgericht abgewiesen.

1.2 Mit Beschwerde vom 18. Oktober 2010 beantragt X.________ dem Bundesgericht,
den Entscheid des Verwaltungsgerichts aufzuheben und den Nachzug ihres Sohnes
zu bewilligen.

Das Verwaltungsgericht stellt den Antrag, die Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf einzutreten sei. Das Bundesamt für Migration beantragt die Abweisung der
Beschwerde. Die Sicherheitsdirektion sowie der Regierungsrat haben sich nicht
geäussert.

2.
2.1 Die Vorinstanzen gehen in Übereinstimmung mit der Beschwerdeführerin zu
Recht davon aus, dass sich das Gesuch um Nachzug des Sohnes materiell noch nach
dem am 1. Januar 2008 aufgehobenen Bundesgesetz vom 26. März 1931 über
Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG; BS 1 121 sowie die in der
Fussnote zu Ziff. I von Anhang 2 AuG [SR 142.20] erwähnten Änderungen)
beurteilt (Art. 126 Abs. 1 und 2 AuG). Insoweit hat die Vorinstanz die
bundesgerichtliche Praxis zu Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG (AS 1991 1034 1043) und
Art. 8 EMRK bzw. zum Nachzug durch ein Elternteil korrekt wiedergegeben (vgl.
BGE 129 II 11 und 133 II 6). Sie ist zum Schluss gelangt, es sei der
Beschwerdeführerin nicht gelungen darzulegen, dass die Betreuung ihres Sohnes
in dessen Heimat nicht mehr gewährleistet sei. Auch liege eine Übersiedlung in
ein dem Sohn sowohl sprachlich wie auch kulturell fremdes Land nicht in seinem
Interesse, nachdem er bisher ausschliesslich in Serbien gelebt und im Zeitpunkt
des Nachzugsgesuchs bzw. ihres Entscheids bereits 13 bzw. 16 Jahre alt gewesen
sei.

2.2 Die Beschwerdeführerin rügt eine "Überschreitung des Ermessens" durch die
Vorinstanzen. Ausserdem sei der rechtserhebliche Sachverhalt offensichtlich
unrichtig und unvollständig abgeklärt worden. Zunächst sei die
Sicherheitsdirektion fälschlicherweise davon ausgegangen, ihr stehe das
Sorgerecht über ihren Sohn nicht zu.

Wohl war die Sicherheitsdirektion in ihrer Verfügung vom 19. September 2007
noch von dieser unzutreffenden Annahme ausgegangen. Der Regierungsrat und das
Verwaltungsgericht legen ihren Entscheiden indes korrekt zugrunde, dass die
Beschwerdeführerin immer über das Sorgerecht verfügt hat.

Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, diejenigen Personen, die bisher
bei der Betreuung ihres Sohnes mitgeholfen hätten, seien heute hiezu nicht mehr
bereit oder fähig. Insoweit widerspricht sie bloss den Feststellungen und
Schlüssen der Vorinstanzen. Das genügt jedoch nicht, um gemäss Art. 42 Abs. 2
und Art. 97 Abs. 1 BGG eine fehlerhafte Sachverhaltsfeststellung und
Rechtsanwendung zu rügen. Die Vorinstanzen haben ausführlich begründet, warum
sie davon ausgehen, dass die Betreuung des Sohnes in seiner Heimat weiterhin
gewährleistet sei. Die Beschwerdeführerin beruft sich zwar darauf, die
Urgrossmutter von Y.________ habe bisher hauptsächlich dessen Betreuung
übernommen und sei seit dem Jahr 2007 dazu aus gesundheitlichen Gründen nicht
mehr in der Lage. Die Vorinstanzen weisen jedoch unter Bezugnahme auf ein
Arztzeugnis darauf hin, dass die betagte Urgrossmutter (geb. 1928) schon seit
über zwölf Jahren gesundheitlich angeschlagen sei; mithin seien bereits im
Verlaufe der letzten Jahre alternative Betreuungsmöglichkeiten gefunden worden.
Dabei zeigen sie in nachvollziehbarer Weise unter anderem auf, warum das
Vorbringen der Beschwerdeführerin, dem Kindsvater sei namentlich wegen
Arbeitslosigkeit "nicht mehr möglich", sich um Y.________ zu kümmern, fehl
geht. Immerhin hatte die Beschwerdeführerin behauptet, sie komme finanziell für
ihren Sohn auf. Auf die Argumentation der Vorinstanzen geht sie nicht näher
ein. Unbehelflich ist in diesem Zusammenhang ihr Einwand, die
Betreuungspersonen in der Heimat seien nicht gesetzlich verpflichtet, für das
Kind zu sorgen.
Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, sie habe den Nachzug ihres
Sohnes deshalb nicht früher beantragt, weil sie sich zunächst mit dem Gedanken
getragen habe, in die Heimat zurückzukehren. Dieser Umstand stellt indes keinen
stichhaltigen Grund dar, um erst dreizehn Jahre nach Geburt des Kindes bzw.
knapp fünf Jahre nach Erlangung der Niederlassungsbewilligung eine
Familienzusammenführung zu beantragen. Die Beschwerdeführerin hat sich
freiwillig für ein jahrelanges Getrenntleben von ihrem Sohn entschieden (vgl.
Entscheid des EGMR in Sachen Ahmut gegen Niederlande vom 28. November 1996, §§
67 ff., Recueil CourEDH 1996-IV S. 2017).

2.3 Die Erwägungen der Vorinstanz halten sich im Übrigen an die zitierte
bundesgerichtliche Praxis. Mithin ist es nicht bundesrechtswidrig, wenn diese
den Nachzug des Sohnes verweigert hat. Die Beschwerde erweist sich als
offensichtlich unbegründet. Dementsprechend kann sie im vereinfachten Verfahren
nach Art. 109 BGG mit summarischer Begründung abgewiesen werden. Ergänzend wird
auf die Ausführungen in den erwähnten Entscheiden des Verwaltungsgerichts und
des Regierungsrats verwiesen.

3.
Diesem Ausgang entsprechend hat die Beschwerdeführerin die Kosten des
bundesgerichtlichen Verfahrens zu tragen (Art. 65 f. BGG).
Parteientschädigungen werden nicht zugesprochen (vgl. Art. 68 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten, dem Verwaltungsgericht des
Kantons Zürich, 2. Kammer, und dem Bundesamt für Migration schriftlich
mitgeteilt.

Lausanne, 22. März 2011
Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Das präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber:

Karlen Merz