Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.1090/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_1090/2010

Urteil vom 14. Juli 2011
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Mathys, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Denys,
Gerichtsschreiber Keller.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Urs Ebnöther,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8001 Zürich,
Beschwerdegegner 1

2. Y.________,
Beschwerdegegner 2.

Gegenstand
Einfache Körperverletzung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, vom 29. September 2010.

Sachverhalt:

A.
Y.________, Inhaber der A.________ Bar im Langstrassenquartier in Zürich, trat
am 6. Juni 2009, um ca. 05.00 Uhr, vor die Bar, um frische Luft zu schnappen.
X.________ versetzte ihm in der Folge unvermittelt einen heftigen Schlag mit
einer Flasche an den Kopf. Dadurch erlitt Y.________ eine Rissquetschwunde über
dem linken Auge sowie ein Hämatom an der linken Wange, am linken Oberkiefer und
am linken Auge.
Y.________ erstattete am 14. Juli 2009 gegen X.________ Anzeige wegen
Körperverletzung. Das Amt für Jugend- und Berufsberatung des Kantons Zürich
erhob gegen letzteren zudem Strafantrag und die Staatsanwaltschaft des Kantons
Zürich in der Folge Anklage wegen Vernachlässigung von Unterstützungspflichten.

B.
Das Bezirksgericht Zürich sprach X.________ wegen einfacher Körperverletzung
mit einem gefährlichen Gegenstand schuldig. Es bestrafte ihn unter Einbezug
einer widerrufenen Rest-Freiheitsstrafe von 50 Tagen zu einer unbedingten
Gesamt-Freiheitsstrafe von sechs Monaten sowie zu einer Genugtuungszahlung von
Fr. 800.--. Vom Vorwurf der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten sprach es
ihn frei.
X.________ erhob Berufung an das Obergericht des Kantons Zürich. Dieses
bestätigte am 29. September 2010 den Schuldspruch sowie die Sanktion.

C.
X.________ erhebt Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht. Er beantragt,
das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich sei aufzuheben, und er sei ohne
Kostenauflage vollumfänglich freizusprechen. Eventualiter sei die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es seien ihm die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und Rechtsanwalt Urs Ebnöther als
unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.

D.
Die Oberstaatsanwaltschaft sowie das Obergericht des Kantons Zürich verzichten
auf eine Vernehmlassung. Y.________ verweist auf seine Aussagen anlässlich der
polizeilichen Befragung vom 18. August 2009 und beantragt sinngemäss Abweisung
der Beschwerde.

E.
Das Bundesgericht hat den Entscheid öffentlich beraten.

Erwägungen:

1.
1.1 Der Beschwerdeführer bestreitet die Tat und stellt in Abrede, im
Tatzeitpunkt vor Ort gewesen zu sein. Er rügt eine willkürliche Feststellung
des Sachverhalts sowie eine Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" als
Beweiswürdigungsregel. Die Vorinstanz stütze sich massgeblich auf die Aussagen
im Polizeiprotokoll vom 18. August 2009, das jedoch nicht verwertbar sei. Er
habe damals trotz ungenügender Deutschkenntnisse in Selbstüberschätzung auf den
Beizug eines Dolmetschers verzichtet. Dieser Mangel sei erkannt worden, weshalb
in sämtlichen folgenden Befragungen der Untersuchungs- und Gerichtsbehörden ein
Dolmetscher beigezogen worden sei. Anlässlich der polizeilichen Befragung sei
ihm nicht klar gewesen, was ihm genau vorgeworfen werde. Er sei verwirrt
gewesen und habe selbst bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 3.
Dezember 2009 noch gedacht, es gehe um eine verbale und körperliche
Auseinandersetzung, die vor der in Frage stehenden Tat stattgefunden habe.
Diese Verwirrung lasse die Vorinstanz unberücksichtigt (Beschwerde, S. 4 f.).
Er habe sich aufgrund der Verwirrung nicht sofort an die Umstände des 6. Juni
2009 erinnern können. Die Aussagen des Beschwerdegegners 2 seien nicht
uneingeschränkt glaubhaft. Dieser habe etwa in der Tatnacht kein Signalement
zur Täterschaft abgeben oder genauere Angaben zum Tathergang machen können. Der
Beschwerdegegner 2 gelte als Rassist und dulde in seinem Lokal keine Schwarzen.
Er habe daher neben ihm (dem Beschwerdeführer) zahlreiche weitere Schwarze
gegen sich aufgebracht. Insgesamt bestünden erhebliche und nicht zu
unterdrückende Zweifel an der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung
(Beschwerde, S. 5).
1.2
1.2.1 Die Vorinstanz erachtet die Aussagen des Beschwerdegegners 2 in
Übereinstimmung mit der ersten Instanz als sehr glaubhaft. Die Aussagen in
Bezug auf die Täterschaft seien so bestimmt und präzise, dass eine Verwechslung
ausgeschlossen werden könne. Die Beschreibung sei ausserdem sehr realitätsnah.
Die Glaubhaftigkeit werde nicht dadurch beeinträchtigt, dass er diese Angaben
nicht bereits den am Tatort erschienenen Polizeibeamten gemacht habe
(angefochtenes Urteil, S. 8 f.).
Die Aussagen des Beschwerdegegners 2 seien sachlich, und die neutrale
Schilderung der Verletzungsfolgen seien völlig untypisch für eine Racheaktion
gegenüber dem Beschwerdeführer. Wer zwecks falscher Anschuldigung lüge, nenne -
im Gegensatz zum Beschwerdegegner 2 - zudem keine leicht objektivierbaren
Umstände, wie das Kennzeichen des vom Beschwerdeführer benutzten Taxis oder den
Türsteher des gegenüberliegenden Lokals als Zeugen (angefochtenes Urteil, S. 10
f.).
1.2.2 Nach Auffassung der Vorinstanz sind die Aussagen des Beschwerdeführers
wenig glaubhaft. Sie enthielten Widersprüche, Strukturbrüche und Anzeichen
ausweichenden Aussageverhaltens. Teilweise seien sie gar unverständlich. Dem
Beschwerdeführer sei immerhin zugute zu halten, dass unklar bleibe, inwiefern
die Äusserungen auf die Übersetzung, die fremdländische Mentalität, den
beschränkten Intellekt oder auf übermässigen Alkohol- oder Drogenkonsum
zurückzuführen seien. Auffallend oft habe er wiederholt, er könne sich nicht an
einen Schlag gegen den Beschwerdegegner 2 erinnern. Seine Erinnerungslücken
seien zwar mit dem hohen Alkoholkonsum erklärbar, sie widerlegten aber nicht
die belastenden Aussagen des Beschwerdegegners 2 (angefochtenes Urteil, S. 11
ff.).
Der Beschwerdeführer habe ferner wenig überzeugend behauptet, seine Freundin
B.________ sei bei ihm gewesen, obwohl er keine objektiven Hinweise hierzu
geliefert habe. Diese habe ausgesagt, er sei an manchen Wochenenden alleine
ausgegangen. Zudem habe sie sich nicht an den 6. Juni 2009 erinnern können.
Dass er zusätzlich von C.________ begleitet gewesen sei, habe er erst
anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung erwähnt. Diese habe zwar
bestätigt, in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 2009 mit ihm und dessen Freundin
im Ausgang gewesen zu sein. Deren Aussagen seien jedoch in sich selbst
widersprüchlich, ausweichend und stereotyp oder nicht mit denjenigen von
B.________ und des Beschwerdeführers vereinbar. Insgesamt seien ihre Aussagen
wenig überzeugend (angefochtenes Urteil, S. 16 ff.).
1.2.3 Die Vorinstanz weist darauf hin, dass der Türsteher der D.________ Bar in
unmittelbarer Nähe des Tatorts den Vorfall zwar beobachten, den Täter jedoch
nicht identifizieren konnte. Einer der beiden Schwarzen, die um den
Beschwerdegegner 2 herumgestanden hätten, habe gemäss Türsteher Rastas gehabt.
Da keine objektiven Hinweise bestünden, dass der Beschwerdeführer die Rastas
vor dem 6. Juni 2009 abgeschnitten habe, könne ihn diese Aussage nicht
entlasten (angefochtenes Urteil, S. 15 f.).
1.2.4 Die Vorinstanz erachtet es als erwiesen, dass der Beschwerdeführer dem
Beschwerdegegner 2 einen heftigen Schlag mit einer Flasche an den Kopf
versetzte. Er habe zudem ein Motiv gehabt, habe er doch ihm gegenüber starke
negative Gefühle empfunden, weil er mit diesem einen Streit gehabt habe und
diesen auch als Rassisten betrachte. Schliesslich seien im Strafregister seit
2004 sieben Verurteilungen, vor allem wegen Betäubungsmitteldelikten, aber auch
wegen Körperverletzung und Drohung, verzeichnet (angefochtenes Urteil, S. 19).

1.3 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des
Sachverhalts durch die Vorinstanz kann nur gerügt werden, wenn sie
offensichtlich unrichtig, d.h. willkürlich im Sinne von Art. 9 BV ist (BGE 133
II 249 E. 1.2.2), oder wenn sie auf einer Verletzung von schweizerischem Recht
im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 97 Abs. 1 BGG). Die Rüge der
offensichtlich unrichtigen Feststellung des Sachverhalts (Art. 105 Abs. 2 BGG)
prüft das Bundesgericht unter den in Art. 106 Abs. 2 BGG vorgegebenen
Bedingungen.

1.4 Der Beschwerdeführer, der die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz
anfechten will, muss substantiiert darlegen, inwiefern die Voraussetzungen
einer Ausnahme gemäss Art. 105 Abs. 2 BGG gegeben sind und das Verfahren bei
rechtskonformer Ermittlung des Sachverhalts anders ausgegangen wäre. Der
Beschwerdeführer kann sich nicht damit begnügen, den bestrittenen
Feststellungen eigene tatsächliche Behauptungen gegenüberzustellen oder
darzulegen, wie die Beweise seiner Ansicht nach zu würdigen gewesen wären.
Vielmehr hat er klar und substantiiert aufzuzeigen, inwiefern die gerügten
Feststellungen bzw. die Unterlassung von Feststellungen offensichtlich
unrichtig sind oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen
(BGE 133 III 462 E. 2.4).

1.5 Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher
Ermessensspielraum zu (BGE 129 IV 6 E. 6.1 mit Hinweisen; 120 Ia 31 E. 4b). Das
Bundesgericht greift auf Beschwerde hin nur ein, wenn das Sachgericht diesen
missbraucht, insbesondere offensichtlich unhaltbare Schlüsse zieht, erhebliche
Beweise übersieht oder solche willkürlich ausser Acht lässt (BGE 132 III 209 E.
2.1). Inwiefern das kantonale Gericht sein Ermessen im dargelegten Sinn
missbraucht haben soll, ist in der Beschwerde klar und detailliert aufzuzeigen
(BGE 130 I 258 E. 1.3).

1.6 Was der Beschwerdeführer gegen die tatsächlichen Feststellungen der
Vorinstanz einwendet, erschöpft sich in einer appellatorischen Kritik am
angefochtenen Urteil, die für die Begründung einer willkürlichen Feststellung
des Sachverhalts nicht genügt. Seine Ausführungen sind nicht geeignet,
offensichtlich erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel an der
vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung darzutun. Er zeigt nicht auf,
inwiefern er glaubhaft bzw. der Beschwerdegegner 2 unglaubhaft ausgesagt haben
soll und deshalb nicht auf dessen Aussagen abzustellen wäre.

1.7 Ebenfalls nicht einzugehen ist auf das neue Vorbringen des
Beschwerdeführers, das Polizeiprotokoll vom 18. August 2009 sei nicht zu
verwerten, da er trotz mangelhafter Deutschkenntnisse ohne Dolmetscher befragt
worden sei (Art. 99 Abs. 2 BGG). Sein Rechtsvertreter wies im Plädoyer
anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung zwar auf die dürftigen
Deutschkenntnisse seines Mandaten hin, verlangte jedoch nicht die
Unverwertbarkeit des fraglichen Protokolls (act. 43, S. 4 der Vorakten).

2.
2.1 Der Beschwerdeführer macht im Sinne eines Eventualantrags geltend, die
Vorinstanz verletze bezüglich der ausgesprochenen Freiheitsstrafe das
Verhältnismässigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2 BV). Gesetzgeber und Rechtsprechung
hätten für Strafen unter 12 Monaten eine klare Priorisierung nicht
freiheitsentziehender Sanktionen eingeführt. Freiheitsstrafen unter sechs
Monaten seien gar nur unter Berücksichtigung der Voraussetzungen von Art. 41
StGB zulässig. Unter anderem werde verlangt, dass eine bedingte Strafe gemäss
Art. 42 StGB nicht möglich sei. Da ihm eine gute Prognose gestellt werden
könne, sei diese Voraussetzung vorliegend nicht erfüllt. Seine Hauptdelinquenz
habe in den Jahren 2004 bis 2006 stattgefunden. Danach habe er nur noch einmal
delinquiert, was jedoch bereits eineinhalb Jahre zurück liege. Er lebe in einer
stabilen Beziehung, seine Freundin sei sogar schwanger und erwarte demnächst
ein Kind. Da er mit diesem Kind von Beginn weg eine enge Beziehung aufbauen
möchte, habe er ein gewichtiges Interesse, die Strafe nicht im Gefängnis zu
verbüssen.
Die Vorinstanz gehe weiter zu Unrecht davon aus, dass eine Geldstrafe bei ihm
nicht vollzogen werden könne. Der Zweck der Geldstrafe liege in der
Beschränkung des Lebensstandards, der auch bei einkommensschwachen Verurteilten
erreicht werden könne. Es lägen keine Hinweise vor, wonach er eine Geldstrafe
mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht bezahlen würde. Zudem sei er gewillt,
gemeinnützige Arbeit zu leisten. Diese Sanktionsart sei ihm daher ebenfalls zu
Unrecht verwehrt worden. Gründe gegen die Zweckmässigkeit der beiden
Sanktionsarten lägen nicht vor. Dürfe keine unbedingte Freiheitsstrafe
ausgefällt werden, entfalle auch die Möglichkeit der Gesamtstrafenbildung.
Gemäss Art. 89 Abs. 2 StGB sei von einer Gesamtstrafe abzusehen und die
Probezeit für die Reststrafe zu verlängern (Beschwerde, S. 6 ff.).
Wenn die Vorinstanz ausführe, er habe sich weder durch die zahlreichen
Vorstrafen noch durch den Strafvollzug oder die bedingte Entlassung von
erneuter Delinquenz abhalten lassen, betreffe dies nicht die Sanktionsart,
sondern das Strafmass bzw. die Frage des bedingten Vollzugs der auszufällenden
Strafe (Beschwerde, S. 7 f.).

2.2 Die Vorinstanz verweist zur Frage der Strafzumessung auf die
erstinstanzlichen Ausführungen. Diese verneinen die Möglichkeit einer
Geldstrafe, weil der Beschwerdeführer weder Vermögen besitze noch ein
effektives Einkommen erziele. Der Vollzug einer Geldstrafe könne in Anbetracht
der finanziellen Verhältnisse nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Eine
gemeinnützige Arbeit komme aufgrund des ungeklärten Aufenthaltsstatus ebenfalls
nicht in Frage. Aufgrund der gerichtlichen Trennung der Ehe gelte die
Familiengemeinschaft als aufgelöst, weshalb die Aufenthaltsbewilligung des
Beschwerdeführers eingezogen und nicht verlängert worden sei. Der Ausgang des
Rechtsmittelverfahrens sei offen. Die Gewährung des bedingten Vollzugs der
Strafe falle ausser Betracht, da der Beschwerdeführer seit 2004 sieben
Vorstrafen erwirkt und sich durch den Vollzug der letzten Freiheitsstrafe
offenbar nicht habe genügend beeindrucken lassen. Die erneute Delinquenz lasse
auf eine beträchtliche Uneinsichtigkeit und Unbelehrbarkeit schliessen. Einer
regelmässigen Arbeit gehe er nicht nach, finanziell werde er von seiner
Lebenspartnerin unterstützt. Es fehle an einem stabilen familiären Umfeld
(erstinstanzliches Urteil, S. 18 ff.).
Die Vorinstanz erwähnt zusätzlich, dass für die Wahl der Sanktionsart die
Zweckmässigkeit, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie
ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen seien. Eine Freiheitsstrafe sei
vorliegend angemessen, da sich der Beschwerdeführer weder durch seine
zahlreichen Vorstrafen noch durch den Strafvollzug oder die bedingte Entlassung
von erneuter Delinquenz habe abhalten lassen. Eine mildere Sanktionsart sei
vorliegend nicht angezeigt (angefochtenes Urteil, S. 20 f.).
Die erste Instanz erachtete für die Straftat eine Freiheitsstrafe von 150 Tagen
als schuldangemessen. Unter Einbezug einer Reststrafe von 50 Tagen fällte sie
eine Freiheitsstrafe - als Gesamtstrafe - von sechs Monaten aus
(erstinstanzliches Urteil, S. 20 f.), was die Vorinstanz bestätigt.

2.3 Gemäss Art. 89 Abs. 6 StGB bildet das Gericht in Anwendung von Artikel 49
eine Gesamtstrafe, wenn auf Grund der neuen Straftat die Voraussetzungen für
eine unbedingte Freiheitsstrafe erfüllt sind und diese mit der durch den
Widerruf vollziehbar gewordenen Reststrafe zusammentrifft (...). Zu prüfen ist,
ob die Vorinstanz vorliegend zu Recht eine Gesamtstrafe gebildet hat.

2.4 Die Vorbringen des Beschwerdeführers, in denen er die Ausfällung einer
Geldstrafe oder von gemeinnütziger Arbeit verlangt, gehen fehl. Mit Art. 41
StGB hat der Gesetzgeber zwar für Strafen unter sechs Monaten eine gesetzliche
Prioritätsordnung zugunsten nicht freiheitsentziehender Sanktionen eingeführt.
Dahinter steckt das zentrale Anliegen des reformierten Sanktionenrechts, die
sozial desintegrierenden kurzen Freiheitsstrafen zurückzudrängen (BGE 134 IV 97
E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen). Eine Gesamtstrafe nach Art. 89 Abs. 6 StGB
kann nur ausgefällt werden, wenn im konkreten Fall sowohl bei der neuen Strafe
als auch bei der Reststrafe die Voraussetzungen des unbedingten Vollzugs
gegeben sind. Da diese zusammen vollzogen werden, ist auf die Gesamtlänge der
Strafe abzustellen, die der Täter zu verbüssen hat. Eine Strafe ab sechs
Monaten fällt nicht mehr in den Anwendungsbereich von Art. 41 StGB. Dies gilt
auch, wenn es sich um eine Gesamtstrafe handelt. Führen die Reststrafe und die
neue Strafe zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten oder mehr, steht daher Art.
41 StGB nicht mehr zur Diskussion.

2.5 Für Strafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr sieht das Gesetz
Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor (vgl. Art. 34 Abs. 1 und Art. 40 Satz 1
StGB). Im Vordergrund steht dabei die Geldstrafe. Das ergibt sich aus dem
Prinzip der Verhältnismässigkeit, wonach bei alternativ zur Verfügung stehenden
Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden soll, die weniger stark in die
persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart
trifft. Bei der Wahl der Sanktionsart sind als wichtige Kriterien die
Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und
sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE
134 IV 97 E. 4.2.2; 134 IV 82 E. 4.1; je mit Hinweisen). Dem Sachgericht steht
in der Wahl der Sanktionsart ein Ermessen zu. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung hat es konkret zu prüfen und auch zu begründen, weshalb im
Einzelfall eine Geldstrafe unzweckmässig und stattdessen eine Freiheitsstrafe
auszusprechen ist. Die Begründungspflicht reicht nicht so weit, wie dies Art.
41 Abs. 2 StGB hinsichtlich der Ausfällung kurzer Freiheitsstrafen unter sechs
Monaten verlangt. Allerdings sollten die Beweggründe des Gerichts für die eine
oder andere Sanktionsform aus dem Urteil ersichtlich sein.
Die Vorinstanz erachtet eine Freiheitsstrafe als angemessen, weil sich der
Beschwerdeführer weder durch seine zahlreichen Vorstrafen noch durch den
Strafvollzug oder die bedingte Entlassung von erneuter Delinquenz abhalten
liess. Sie bezieht sich in ihrer kurzen Begründung ausdrücklich auf die
erwähnte bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Bestimmung der geeigneten
Sanktionsform. Angesichts der offensichtlichen Unmöglichkeit, den
Beschwerdeführer vorliegend mit einer milderen Sanktionsart als einer
Freiheitsstrafe vom Delinquieren abzuhalten, verletzt die vorinstanzliche
Strafbegründung kein Bundesrecht.

2.6 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit
oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten
(Art. 42 Abs. 1 StGB). Während nach altem Recht für die Gewährung des bedingten
Strafvollzugs eine günstige Prognose erforderlich war, genügt nach geltendem
Recht das Fehlen einer ungünstigen Prognose. Die Gewährung des bedingten
Strafaufschubs setzt mit anderen Worten nicht die positive Erwartung voraus,
der Täter werde sich bewähren, sondern es genügt die Abwesenheit der
Befürchtung, dass er es nicht tun werde. Der Strafaufschub ist deshalb die
Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger Prognose abgewichen werden
darf. Er hat im breiten Mittelfeld der Ungewissheit den Vorrang (BGE 134 IV 1
E. 4.2.2 mit Hinweisen).

2.7 Die Vorinstanz verweist zur Prognosebildung auf die Ausführungen der ersten
Instanz. Diese begründet die ungünstige Bewährungsaussicht im Wesentlichen mit
den vom Beschwerdeführer seit 2004 erwirkten sieben Vorstrafen, die ihn nicht
genügend beeindruckt hätten, sowie dem fehlenden stabilen familiären Umfeld.
Die diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers sind unbehelflich. Zwar
liegt der Schwerpunkt der Delinquenz schon einige Jahre zurück. Gleichwohl ist
es ihm nicht gelungen, deliktsfrei zu leben, und er hat sogar während laufender
Probezeit wieder delinquiert. Indem die Vorinstanz mit der ersten Instanz eine
günstige Prognose für das künftige Wohlverhalten des Beschwerdeführers
verneint, verletzt sie kein Bundesrecht.
Die Vorinstanz durfte daher für die Sanktionierung des neuen Delikts
(Körperverletzung zum Nachteil des Beschwerdegegners 2) von einer unbedingten
Freiheitsstrafe ausgehen, die vorhandene Reststrafe widerrufen und in Anwendung
von Art. 89 Abs. 6 StGB eine Gesamtstrafe von sechs Monaten ausfällen.

3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang sind die
bundesgerichtlichen Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 66 Abs. 1 BGG). Er stellt indessen ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung, das gutzuheissen ist, da seine Bedürftigkeit
ausgewiesen scheint und die Beschwerde nicht von vornherein aussichtslos war
(Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG). Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist eine
angemessene Entschädigung aus der Bundesgerichtskasse auszurichten. Der
Beschwerdegegnerin 1 ist keine Entschädigung zuzusprechen (Art. 68 Abs. 3 BGG).
Dem Beschwerdegegner 2 ist ebenfalls keine Entschädigung zuzusprechen, da ihm
im vorliegenden Verfahren keine Umtriebe entstanden sind (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen. Dem
Beschwerdeführer wird Urs Ebnöther als unentgeltlicher Rechtsbeistand
beigegeben.

3.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.
Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wird eine Parteientschädigung von Fr.
1'500.-- aus der Bundesgerichtskasse ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 14. Juli 2011

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Mathys

Der Gerichtsschreiber: Keller