Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.121/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_121/2010

Urteil vom 22. Februar 2011
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger, Mathys,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari
Gerichtsschreiberin Koch.

Verfahrensbeteiligte
1. T.________,
vertreten durch Fürsprecher RAf.________,
2. RAf.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Schweizerische Bundesanwaltschaft, Taubenstrasse 16, 3003 Bern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Kosten und Entschädigung; Entschädigung für den amtlichen Verteidiger,

Beschwerde gegen den Entscheid des Bundesstrafgerichts, Strafkammer, vom 8.
Juli 2009.

Sachverhalt:

A.
Das Bundesstrafgericht in Bellinzona sprach T.________ und die weiteren
Mitangeklagten, R.________, S.________, X.________, Y.________, Z.________ und
U.________, am 8. Juli 2009 von den Vorwürfen der Beteiligung an bzw. der
Unterstützung einer kriminellen Organisation und der (qualifizierten bzw. der
Gehilfenschaft zur) Geldwäscherei vollumfänglich frei. Zwei weitere Angeklagte,
V.________ und W.________, verurteilte es wegen Unterstützung einer kriminellen
Organisation. Hingegen sprach es beide vom Vorwurf der qualifizierten
Geldwäscherei frei.
Es auferlegte T.________ Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 57'787.85. Seinem
Rechtsvertreter RAf.________ sprach es Fr. 311'000.-- (inkl. MWST) für die
Bemühungen als amtlicher Verteidiger zu. Es verpflichtete T.________, der Kasse
des Bundesstrafgerichts für diese Kosten Ersatz zu leisten und verweigerte ihm
eine Entschädigung.

B.
T.________ und RAf.________ erheben gegen dieses Urteil Beschwerde in
Strafsachen. Sie beantragen, Ziffern VII.4, VII.5 und VII.6 des angefochtenen
Urteils seien aufzuheben. Die auf T.________ entfallenden Verfahrenskosten
seien vollumfänglich der Schweizerischen Eidgenossenschaft aufzuerlegen.
RAf.________ sei für die amtliche Verteidigung eine Entschädigung von Fr.
488'750.-- nebst Zins zu 5% seit 9. Juli 2009 auf Fr. 177'750.-- zuzusprechen.
T.________ sei von einer entsprechenden Ersatzforderung für diese Kosten zu
befreien. Es sei ihm für die ausgestandene Untersuchungshaft eine Entschädigung
von Fr. 39'900.-- (Fr. 300.-- pro Tag) sowie eine Genugtuung in richterlich zu
bestimmender Höhe zuzusprechen. T.________ ersucht um unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung.

C.
Das Bundesstrafgericht beantragt in der Vernehmlassung, die Beschwerde sei
abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die Schweizerische
Bundesanwaltschaft stellt den Antrag, das Verfahren 6B_609/2009 sowie das
vorliegende Verfahren zu vereinigen. Die Beschwerden von T.________ und
RAf.________ seien abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.

D.
Die Schweizerische Bundesanwaltschaft führte gegen das Urteil des
Bundesstrafgerichts ebenfalls Beschwerde in Strafsachen (vgl. Urteil 6B_609/
2009), über welche das Bundesgericht am 22. Februar 2011 entschieden hat.

Erwägungen:

1.
Eine Vereinigung des vorliegenden Verfahrens mit dem Verfahren 6B_609/2009
drängt sich nicht auf. Zwar besteht ein Zusammenhang zwischen beiden Verfahren.
Sie behandeln aber unterschiedliche Themen und Problemstellungen.

2.
2.1 Der Beschwerdeführer 1 rügt, die Vorinstanz lege ihm trotz Freispruchs ein
strafrechtliches Verschulden zur Last. Sie begründe diese Vorwürfe nicht näher,
sondern mache ihm pauschale Unterstellungen, ohne sein Verhalten unter eine
konkrete Norm zu subsumieren. Er habe auch nie Gelegenheit erhalten, zu diesen
Vorwürfen Stellung zu nehmen. Die Verlegung der Gerichts- und Parteikosten
verstosse gegen die Unschuldsvermutung nach Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1
EMRK und Art. 14 Ziff. 2 UNO-Pakt II. Die Vorinstanz verletze zudem den
Anspruch auf rechtliches Gehör und die Begründungspflicht nach Art. 29 Abs. 2
BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK sowie Art. 38 Abs. 2, Art. 122, Art. 169 Abs. 1,
Art. 173 Abs. 2 und Art. 176 des seit dem 1. Januar 2011 aufgehobenen
Bundesgesetzes vom 15. Juni 1934 über die Bundesstrafrechtspflege (BStP; BS 3
303). Sie stelle den der Kostenregelung zugrundeliegenden Sachverhalt in
willkürlicher und unrichtiger Weise fest (Art. 97 BGG, Art. 9 BV). Weiter fehle
es an der Kausalität seines Verhaltens für die ihm auferlegten
Verfahrenskosten.

2.2 Das angefochtene Urteil, darunter der Freispruch des Beschwerdeführers 1,
wurde im parallelen Verfahren auf Beschwerde der Schweizerischen
Bundesanwaltschaft hin aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die
Vorinstanz zurückgewiesen (Urteil 6B_609/2009 vom 22. Februar 2011). Damit wird
die Vorinstanz auch die Regelung der Verfahrenskosten und der
Parteientschädigungen, deren Rückforderung, die Entschädigung für die Haft und
Genugtuungsansprüche neu beurteilen müssen. Die Rügen des Beschwerdeführers 1
sind deshalb gegenstandslos geworden.

3.
3.1
3.1.1 Der Beschwerdeführer 2 rügt, die Vorinstanz verletze bei der Kürzung des
amtlichen Honorars seinen Anspruch auf rechtliches Gehör. Sie nehme zu seinen
Ausführungen, wonach er als einziger amtlicher Verteidiger keine
italienischsprachigen Berufskollegen im Hintergrund hatte, keine Stellung. So
seien insbesondere für die Angeklagten W.________, S.________, R.________,
V.________ und U.________ nebst dem amtlichen Verteidiger auch andere Anwälte
tätig gewesen. Die Vorinstanz lege zudem, mit Ausnahme der von Rechtsanwalt
RAk.________ an der Hauptverhandlung geleisteten 70 Arbeitsstunden, nicht
nachvollziehbar dar, welche Positionen sie kürze. Für 273 gekürzte
Anwaltsstunden fehle eine Begründung. Sein Aufwand sei in ein angemessenes
Verhältnis zu den von den anderen amtlichen Verteidigern geltend gemachten
Arbeitsstunden zu setzen. Im Vergleich zu den Rechtsanwälten RAh.________,
RAg.________ und denjenigen des Mitangeklagten U.________ sei sein Aufwand
ähnlich hoch und somit angemessen. Die Vorinstanz habe seinen Aufwand in
unzulässiger Weise geschätzt. Die Anzahl der von ihr zugestandenen
Arbeitsstunden sei qualifiziert falsch und willkürlich im Sinne von Art. 97
BGG.
3.1.2 Die Vorinstanz führt aus, der Straffall habe in mehreren Punkten Probleme
in tatsächlicher Hinsicht gestellt. Die Anklageschrift umfasse 233 Seiten, die
Einvernahmen, Akten und Verhandlungen hätten erhöhte Sprachkompetenzen
erfordert. In rechtlicher Hinsicht seien die Schwierigkeiten auf ein
Rechtsgebiet begrenzt gewesen, in welchem noch keine umfassende und eindeutige
Rechtsprechung bestehe. Es seien jedoch nur ein Sachverhalt und zwei
Anklagevorwürfe zu beurteilen gewesen. Der immense Aktenumfang schlage sich
weniger im Stundenansatz als in der Anzahl Stunden nieder und sei bei der
Festlegung des Stundenansatzes nur am Rande zu beachten. Der Stundenansatz sei
unter Berücksichtigung dieser Punkte auf Fr. 260.-- festzusetzen, jener für die
Reisezeit auf Fr. 200.--. Für die von Rechtspraktikanten geleistete Arbeit
werde 100.-- pro Stunde vergütet. Der Beschwerdeführer 2 sei am 1. September
2009 zum amtlichen Verteidiger des Beschwerdeführers 1 ernannt worden. Er mache
einen Zeitaufwand von 1'634.58 Stunden zu Fr. 300.-- bzw. von 290.75 Stunden zu
Fr. 200.--- geltend, die durch ihn und einen Bürokollegen bzw. Praktikanten
erbracht worden seien. Der Aufwand sei überhöht und stehe in keinem
nachvollziehbaren Verhältnis zu dem von den anderen amtlichen Verteidigern
erbrachten Aufwand. Es sei Rechtsanwalt RAk.________ zwar gestattet worden, dem
Beschwerdeführer 2 in Teilen an der Hauptverhandlung zu assistieren. Der Sinn
davon sei jedoch nicht gewesen, dass dieser als zweiter Verteidiger zugelassen
werde. Art. 35 Abs. 2 aBStP gelte ohnehin nur für erbetene Verteidiger. Deshalb
könne die Anwesenheit von Rechtsanwalt RAk.________ an der Hauptverhandlung
nicht zusätzlich in Rechnung gestellt werden. Angemessen sei ein Zeitaufwand
von 1'000 Stunden zu Fr. 260.-- für anwaltliche Leistungen und von 200 Stunden
zu Fr. 100.-- für die Tätigkeit von Praktikanten. Für die zu hoch berechnete
Reisezeit sei ein moderater Pauschalabzug von Fr. 2'000.-- vorzunehmen.
Zusammen mit den Auslagen von Fr. 11'079.40 ergebe sich eine Entschädigung von
Fr. 311'000.-- (inkl. MWST).
3.1.3 Nach Art. 38 Abs. 1 aBStP setzt das Bundesstrafgericht die Entschädigung
des amtlichen Verteidigers fest. Diese umfasst das Honorar für den notwendigen
und ausgewiesenen Zeitaufwand von 200 bis 300 Franken pro Stunde und die
notwendigen Auslagen (Art. 2 Abs. 1 und Art. 3 des seit dem 1. Januar 2011
aufgehobenen Reglements vom 26. September 2006 über die Entschädigung in
Verfahren vor dem Bundesstrafgericht; AS 2006 4467). Für Reisen werden die
Kosten eines Bahnbilletts erster Klasse vergütet (Art. 4 Abs. 2 lit. a des
Reglements). Anstelle der Bahnkosten kann ausnahmsweise, insbesondere bei
erheblicher Zeitersparnis, die Benutzung eines privaten Motorfahrzeugs vergütet
werden (vgl. Art. 4 Abs. 3 des Reglements).
Auch wenn die Entschädigung des Beschwerdeführers 2 vom Bundesrecht geregelt
wird, überprüft das Bundesgericht deren Bemessung nur mit Zurückhaltung. Als
erstinstanzliches Sachgericht ist das Bundesstrafgericht am besten in der Lage,
die Angemessenheit der anwaltlichen Bemühungen zu beurteilen, weshalb ihm ein
erheblicher Ermessensspielraum zusteht (vgl. 133 IV 187 E. 6.1 S. 196 mit
Hinweis). In Fällen, in denen es den vom Anwalt in Rechnung gestellten
Arbeitsaufwand als übersetzt bezeichnet und entsprechend kürzt, schreitet das
Bundesgericht nur ein, wenn es Bemühungen nicht honoriert hat, die zu den
Obliegenheiten eines amtlichen Verteidigers gehören und die Entschädigung nicht
in einem vernünftigen Verhältnis zu den vom Anwalt geleisteten Diensten steht
(vgl. Urteil 6B_136/2009 vom 12. Mai 2009 mit Hinweis auf BGE 122 I 1 E. 3a S.
2 f. zur Entschädigung des amtlichen Verteidigers im kantonalen Verfahren). Bei
der Beurteilung der konkreten Honorarfestsetzung ist auf die Umstände des
Einzelfalles abzustellen. Obwohl die Entschädigung des amtlichen Anwalts
gesamthaft gesehen angemessen sein muss, darf sie tiefer angesetzt werden als
bei einem privaten Rechtsanwalt (BGE 132 I 201 E. 7.3.4 S. 209 mit Hinweisen).
Sie ist allerdings so zu bemessen, dass es den Rechtsanwälten möglich ist,
einen bescheidenen - nicht bloss symbolischen - Verdienst zu erzielen (a.a.O.
E. 8.5 S. 216 f.).
Art. 29 Abs. 2 BV verpflichtet das Bundesstrafgericht, seinen Entscheid
wenigstens summarisch zu begründen. Hat der amtliche Verteidiger eine
detaillierte Kostennote eingereicht, so ergibt sich aus dem Grundsatz des
rechtlichen Gehörs, dass das Bundesstrafgericht, wenn es diese nicht unbesehen
übernimmt, wenigstens kurz in nachvollziehbarer Weise zu begründen hat, weshalb
es welche der in Rechnung gestellten Aufwandspositionen für übersetzt hält
(Urteil 6B_136/2009 vom 12. Mai 2009 E. 2.3 mit Hinweisen).
3.1.4 Die Vorinstanz setzt sich mit der Honorarrechnung des Beschwerdeführers 2
nicht hinreichend auseinander, sondern erachtet den Zeitaufwand bloss im
Verhältnis zum Aufwand der im selben Prozess tätigen amtlichen Verteidigern
hinsichtlich der Anzahl Stunden, der Reisezeit und der in Rechnung gestellten
Fahrtkosten zu hoch. Ein solcher Quervergleich kann zwar für die Beurteilung
einer Honorarrechnung durchaus nützlich sein, z.B. bei einer ermessensweisen
Festsetzung des Verteidigerhonorars (Art. 3 Abs. 2 des zwischenzeitlich
aufgehobenen Reglements über die Entschädigung in Verfahren vor dem
Bundesstrafgericht; a.a.O.). Indessen bestehen bei jedem Mandat Unterschiede,
welche zu einem anderen Zeitaufwand führen können (z.B. unterschiedliche
Anreiserouten, Initiative/Fragen des Klienten, Geständigkeit,
Verteidigerwechsel mit entsprechender Einarbeitungszeit etc.). Der
Beschwerdeführer 2 hat seinen Aufwand für die Mandatsführung in allen
Einzelheiten ausgewiesen, weshalb das Bundesstrafgericht unter dem
Gesichtspunkt von Art. 29 Abs. 2 BV verpflichtet gewesen wäre, sich damit
auseinanderzusetzen und in Bezug auf die konkreten, geltend gemachten
Aufwendungen des Beschwerdeführers 2 nachvollziehbar darzulegen, aus welchem
Grund es diese als sachfremden oder übertriebenen Aufwand nicht entschädigt.
Die vorinstanzliche Begründung erweist sich damit als unzureichend (vgl. Urteil
6B_136/2009 vom 12. Mai 2009 E. 3 mit Hinweisen).
3.1.5 Die Gutheissung einer Beschwerde wegen Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör führt in der Regel ohne weiteres zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheids, der Verfahrensmangel kann im Rechtsmittelverfahren
nur ausnahmsweise geheilt werden (zu den Voraussetzungen: BGE 129 I 129 E.
2.2.3 S. 135; 126 I 68 E. 2 S. 71 f.; je mit Hinweisen). Ob eine Heilung
vorliegend möglich wäre, kann offen bleiben. Eine reformatorische Beurteilung
der Beschwerde fällt ausser Betracht, da das Bundesgericht nicht in der Lage
ist, die Angemessenheit der Forderung des Beschwerdeführers 2 zu überprüfen
(vgl. Urteil 6B_136/2009 vom 12. Mai 2009 E. 5).
3.2
3.2.1 Der Beschwerdeführer 2 beruft sich in Bezug auf die Kürzung der für die
Hauptverhandlung aufgewendeten 70 Arbeitsstunden von Rechtsanwalt RAk.________
auf den Grundsatz des Vertrauensschutzes nach Art. 5 Abs. 3 BV und das
Willkürverbot nach Art. 9 BV. Die Vorinstanz habe ihm zugesichert, dass er in
der internen Arbeitsorganisation frei sei. Sie habe ihm die Erlaubnis erteilt,
dass Rechtsanwalt RAk.________ während der Hauptverhandlung hinten im
Gerichtssaal Platz nehmen könne. Während der Verhandlung sei mündlich bewilligt
worden, dass Rechtsanwalt RAk.________ direkt neben dem Beschwerdeführer 2
sitze, damit Letzterer die notwendigen Rechts- und Sachverhaltsabklärungen
umgehend an Rechtsanwalt RAk.________ delegieren könne. Aufgrund des dichten
Verhandlungsplanes und der langen Verhandlungstage habe Rechtsanwalt
RAk.________ das Plädoyer verfasst, was Kenntnisse der Hauptverhandlung
vorausgesetzt habe. Weil dem Mitangeklagten U.________ ein zweiter amtlicher
Verteidiger beigeordnet wurde, sei er davon ausgegangen, die Teilnahme von
Rechtsanwalt RAk.________ an der Hauptverhandlung werde entschädigt.
3.2.2 Der verfassungsrechtliche Vertrauensschutz nach Art. 9 BV verleiht einen
Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen
oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden. Er
setzt weiter voraus, dass gestützt auf berechtigtes Vertrauen nicht mehr
rückgängig zu machende nachteilige Dispositionen getroffen wurden und dass
nicht überwiegende öffentliche Interessen entgegenstehen (BGE 129 I 161 E.
4.1).
3.2.3 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers 2 fehlt es an einer
vorinstanzlichen Zusicherung, in welcher ihm die Entschädigung des
Arbeitsaufwandes von Rechtsanwalt RAk.________ in Aussicht gestellt wird. Die
Vorinstanz hatte vielmehr mit Präsidialverfügung vom 21. November 2008 die
Substitution des amtlichen Mandats abgewiesen (Beschwerdebeilage 9) und mit
Schreiben vom 17. April 2009 noch einmal darauf hingewiesen, dass für eine
allfällige Stellvertretung durch Rechtsanwalt RAk.________ ein Gesuch zu
stellen wäre (Beschwerdebeilage 10). Aus der Einsetzung mehrerer amtlicher
Verteidiger für den Mitangeklagten U.________ lässt sich nichts ableiten. Die
Kürzung des doppelt verrechneten Aufwandes für die Teilnahme zweier
Rechtsanwälte an der Hauptverhandlung ist nicht zu beanstanden.
3.3
3.3.1 Der Beschwerdeführer 2 macht geltend, die Vorinstanz habe den
Stundenansatz mit Fr. 260.-- willkürlich tief festgelegt. Angesichts des
grossen Umfangs des Falls (Akten, Anklageschrift), der teilweise
italienischsprachigen Akten, der Rechtshilfeersuchen, des internationalen
Bezugs und der zu beurteilenden komplexen Straftatbestände sei die
Arbeitsstunde mit Fr. 300.-- zu vergüten. Der Fall habe zudem Sprachkompetenzen
erfordert. Er habe für seinen Klienten gewisse Dinge übersetzt. In den Monaten
April bis Juli 2009 sei er infolge der Hauptverhandlung teilweise für mehrere
Tage kanzleiabwesend gewesen und habe den normalen Geschäftsbetrieb nur mit
zusätzlichem Personal aufrecht erhalten können. Zudem hätten Mitarbeiter in
Bern während der Hauptverhandlung parallel Abklärungen vorgenommen. Auch in der
prozessfreien Zeit sei er durch das Verfahren vereinnahmt gewesen. Infolge des
Prozesses habe er bereits vor der Verhandlung gewisse Mandate abgelehnt. Zudem
sei die Bedeutung des Falls für seinen Mandanten zu würdigen. Die Vorinstanz
habe diese Umstände nicht berücksichtigt. Der Stundenansatz sei im maximal
möglichen Betrag festzusetzen. Dies ergebe sich auch aus dem Vergleich mit der
Gerichtsgebühr. Diese sei mit Fr. 150'000.-- auf den maximalen Betrag für eine
Besetzung des Gerichts mit drei Richtern angesetzt worden. Im Weiteren sei
fraglich, auf welche Praxis sich die Vorinstanz bei der Festsetzung des
Stundenansatzes für die Leistungen von Praktikanten stütze. In weniger
komplexen Fällen habe sie den Stundenansatz auch auf Fr. 150.-- festgesetzt
(vgl. Entscheide BK.2009.9, vom 2. Dezember 2009 E. 3.4 sowie BK 2008.2 vom 20.
Oktober 2008 E. 2). Die Entschädigung für die Praktikanten sei auf Fr. 200.--
pro Stunde zu fixieren.
3.3.2 Wie der Beschwerdeführer 2 zutreffend ausführt, ist zahlreiches
Aktenmaterial vorhanden, es sind mehrere Angeklagte beteiligt und der Fall ist
nicht einfach zu beurteilen. Die Komplexität des Falls schlägt sich aber in
erster Linie nicht in der Höhe des Stundenansatzes, sondern in dem zu
entschädigenden zeitlichen Aufwand nieder. Je schwieriger ein Fall ist, desto
mehr Stunden sind dem amtlichen Verteidiger zur Erarbeitung einer sachgemässen
Verteidigungsstrategie (z.B. Aktenstudium, Besprechungen mit dem Klienten,
Rechtsabklärungen) zuzugestehen. Hingegen ist bei der Bemessung des
Stundenansatzes zu berücksichtigen, dass die im Verfahren verwendeten
verschiedenen Fremdsprachen die Verteidigung zusätzlich erschwerten. Trotz der
allfälligen Ablehnung neuer Mandate durch den Beschwerdeführer 2 im Vorfeld
bzw. während der Beschäftigung mit dem amtlichen Mandat ist eine Erhöhung des
Stundenansatzes nicht angezeigt. Ob er andere Klienten betreuen kann, ist eine
Frage seiner zeitlichen Auslastung (welche mit amtlichen Mandat abgegolten
wird) und der internen Büroorganisation (z.B. telefonische Erreichbarkeit des
Sekretariats, Terminkoordination, allfällige Stellvertretung). Die Vorinstanz
hat mit Fr. 260.-- einen über dem Durchschnitt liegenden Stundenansatz gewählt.
Auch die Gerichtsgebühr von Fr. 150'000.-- hat sie in vergleichbarem Rahmen
festgesetzt. Die ordentliche Gerichtsgebühr beträgt bei Dreierbesetzung
zwischen Fr. 3'000.-- und Fr. 60'000.-- (Art. 2 Abs. 1 lit. b des seit dem 1.
Januar 2011 aufgehobenen Reglements über die Gerichtsgebühren vor dem
Bundesstrafgericht vom 11. Februar 2004; AS 2004 1585). Sie kann, wenn
besondere Gründe es rechtfertigen, insbesondere bei umfangreichen Verfahren und
mehreren Angeklagten, bis auf Fr. 200'000.-- erhöht werden (vgl. Art. 4 lit. b
des Reglements). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers 2 liegt die
maximale Gerichtsgebühr nicht bei Fr. 150'000.-- für ein in Dreierbesetzung
amtendes Gericht. Zu beachten ist, dass die von der Vorinstanz festgesetzte
Gerichtsgebühr, im Gegensatz zum Stundentarif für die anwaltlichen Leistungen,
auch den grossen Zeitaufwand abdeckt. Im vorliegenden Fall liegt die Höhe des
Stundenansatzes von Fr. 260.-- für die Leistungen des amtlichen Verteidigers
gerade noch innerhalb des vorinstanzlichen Ermessens. Auch die Kürzung des
Stundenansatzes für die Leistungen der Rechtspraktikanten verletzt kein
Bundesrecht. Selbstredend kann bei Praktikanten nicht der vom Beschwerdeführer
2 geltend gemachte Betrag von Fr. 200.-- pro Stunde verrechnet werden, zumal
dies der minimale Tarif für rechtsanwaltliche Leistungen wäre. Die Rügen
erweisen sich als unbegründet.

4.
4.1
4.1.1 Die Beschwerde des Beschwerdeführers 1 ist infolge Gegenstandslosigkeit
vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben. Erklärt das Bundesgericht einen
Rechtsstreit als erledigt, entscheidet es mit summarischer Begründung über die
Prozesskosten aufgrund der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrunds. Dabei
ist in erster Linie auf den mutmasslichen Verfahrensausgang abzustellen, ohne
unter Verursachung weiterer Umtriebe die Prozessaussichten im Einzelnen zu
prüfen (BGE 129 V 113 E. 3.1 S. 115 f. mit Hinweisen). Es muss bei einer
knappen Beurteilung der Aktenlage sein Bewenden haben. Auf dem Weg über den
Kostenentscheid soll nicht ein materielles Urteil gefällt und unter Umständen
der Entscheid in einer heiklen Rechtsfrage präjudiziert werden. Lässt sich der
mutmassliche Ausgang des Verfahrens nicht ohne weiteres feststellen, ist auf
allgemeine prozessuale Kriterien zurückzugreifen. Danach wird in erster Linie
jene Partei kosten- und entschädigungspflichtig, die das gegenstandslos
gewordene Verfahren veranlasst oder bei der die Gründe eingetreten sind, die
zur Gegenstandslosigkeit des Verfahrens geführt haben (vgl. Urteil 2C_237/2009
vom 28. September 2009 E. 3.1 mit Hinweis).
4.1.2 Die Prozessaussichten der Beschwerde des Beschwerdeführers 1 sind davon
abhängig, ob zusammen mit der Vorinstanz ein zivilrechtlich vorwerfbares
Verhalten zu bejahen ist, welches eine Kostenauflage trotz Freispruchs nach
Art. 173 aBStP rechtfertigt. Vorliegend lässt sich der mutmassliche
Prozessausgang nicht ohne weiteres ermitteln. Das angefochtene Urteil wurde im
parallelen Verfahren aufgehoben, weil die Vorinstanz den massgeblichen
Sachverhalt nicht vollständig und für jeden Angeklagten einzeln festgestellt
hat. Mangels hinreichender Sachverhaltsfeststellungen kann nicht geprüft
werden, ob dem Beschwerdeführer 1 ein zivilrechtlich vorwerfbares Verhalten
anzulasten ist. Deshalb rechtfertigt es sich, für seine Beschwerde keine
Gerichtskosten zu erheben (Art. 66 Abs. 1 BGG) und ihm bzw. seinem
Rechtsvertreter eine angemessene Parteientschädigung zu Lasten der
Schweizerischen Eidgenossenschaft zuzusprechen (Art. 68 Abs. 1 BGG). Sein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird damit gegenstandslos.

4.2 Die Beschwerde des Beschwerdeführers 2 ist teilweise gutzuheissen. Er hat
den auf ihn entfallenden reduzierten Kostenanteil zu bezahlen (Art. 66 Abs. 1
BGG). Die Schweizerische Eidgenossenschaft hat ihm eine angemessene
Entschädigung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
1.1 Die Beschwerde in Strafsachen des Beschwerdeführers 1 wird als
gegenstandslos vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

1.2 Die Beschwerde des Beschwerdeführers 2 wird teilweise gutgeheissen, das
Urteil des Bundesstrafgerichts vom 8. Juli 2009 aufgehoben und die Sache zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Im Übrigen wird die
Beschwerde abgewiesen.

2.
Das Gesuch des Beschwerdeführers 1 um unentgeltliche Rechtspflege wird als
gegenstandslos abgeschrieben.

3.
3.1 Für die Beschwerde des Beschwerdeführers 1 werden keine Gerichtskosten
erhoben.

3.2 Dem Beschwerdeführer 2 werden Gerichtskosten von Fr. 500.-- auferlegt.

4.
4.1 Die Schweizerische Eidgenossenschaft hat den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers 1, Rechtsanwalt RAf.________, Bern, für das
bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 3'000.-- zu entschädigen.

4.2 Die Schweizerische Eidgenossenschaft hat den Beschwerdeführer 2 für das
bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 1'500.-- zu entschädigen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Bundesstrafgericht, Strafkammer,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. Februar 2011

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Favre Koch