Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.223/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_223/2010

Urteil vom 13. Januar 2011
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger,
Gerichtsschreiber Keller.

Verfahrensbeteiligte
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8001 Zürich,
Beschwerdeführerin,

gegen

X.________, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christoph Hohler,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Mehrfache qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 und 3
StGB),

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, vom 27. Januar 2010.

Sachverhalt:

A.
Das Bezirksgericht Zürich sprach X.________ am 17. Juni 2009 anklagegemäss der
mehrfachen qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig und bestrafte
ihn mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren (unter Anrechnung von drei Tagen
erstandener Untersuchungshaft), bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von
zwei Jahren.

B.
X.________ erhob gegen diesen Entscheid Berufung beim Obergericht des Kantons
Zürich. Dieses sprach ihn mit Urteil vom 27. Januar 2010 vom Vorwurf der
mehrfachen qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung frei und sprach ihm
eine Prozessentschädigung im Umfang von Fr. 21'520.-- sowie eine Genugtuung von
Fr. 900.-- zuzüglich Zins für die erlittene Untersuchungshaft zu.

C.
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich erhebt Beschwerde in Strafsachen
beim Bundesgericht. Sie beantragt, das Urteil des Obergerichts des Kantons
Zürich vom 27. Januar 2010 sei aufzuheben, und die Sache sei zu neuer
Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

D.
Die Vorinstanz verzichtet auf eine Vernehmlassung. X.________ beantragt, die
Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne, unter
Zusprechung einer angemessenen Entschädigung.

Erwägungen:

1.
Die Vorinstanz geht von folgendem Sachverhalt aus:
Der Beschwerdegegner X.________ liess als Angestellter der ACH.________ AG
(nachfolgend ACH.________) im Range eines stellvertretenden Direktors, später
als Direktor und als Mitglied der Direktion mit der Funktion Teamleiter
Osteuropa, zwischen Dezember 2004 und Juni 2006 elf Kommissionszahlungen im
Gesamtbetrag von Fr. 1'463'532.50, welche der London-Branch der A.________
(nachfolgend ALN.________) im Zusammenhang mit der Platzierung ihrer
strukturierten Finanzprodukte bei den Endabnehmern ausgezahlt hatte,
unberechtigt und zu seiner eigenen Bereicherung auf Konten überweisen, die ihm
persönlich zugerechnet werden konnten, statt diese den tatsächlich Berechtigten
zukommen zu lassen. Die Zweigniederlassung Zürich der A.________ (nachfolgend
AZN.________) diente dabei als Überweisungsstelle für die Kommissionszahlungen
gemäss Zahlungsvorgaben des Beschwerdegegners. Die Vorinstanz führt aus, dass
die tatsächlich Berechtigten mutmasslich die Endkunden der ACH.________ seien.

2.
2.1 Die Beschwerdeführerin erwähnt, in der anklagerelevanten Zeit sei ohne
Zweifel die gesamte Struktur der ACH.________ darauf ausgerichtet gewesen, dass
Kommissionen für die Platzierung strukturierter Produkte von Kunden der
ACH.________ Erträge der ACH.________ gewesen seien und ihr entsprechend
zugestanden hätten. Die Annahme der Vorinstanz, die inkriminierten Kommissionen
seien den Endkunden zugestanden, sei willkürlich und falsch. Dies zeigten die
Aussagen der damaligen Mitangeschuldigten B.________ und C.________, die als
leitende Verantwortliche der AZN.________ die Kommissionszahlungen der in Frage
stehenden Geschäfte auf die vom Beschwerdegegner angegebenen Offshore-Konten
überwiesen hätten sowie die bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 132 III
460). Die Aussagen von B.________ und C.________ seien zudem nicht besonders
verlässlich, zumal diese aufgrund eines gegen sie laufenden Strafverfahrens ein
Verteidigungsinteresse gehabt hätten und auch nicht mehr sicher gewesen seien,
um welche Art von Fee-Zahlungen es sich gehandelt habe. Es sei daher
willkürlich, aus deren Aussagen den Schluss zu ziehen, nicht die ACH.________,
sondern die Endkunden seien an den elf inkriminierten Kommissionszahlungen
berechtigt gewesen. Das erwähnte Bundesgerichtsurteil sei schon deshalb zu
relativieren, weil es kurz vor der zweitletzten Transaktion ergangen sei und
daher den Sachverhalt nicht beeinflusst habe. Soweit die Vorinstanz hiervon
ausgehe, sei dies willkürlich.

2.2 Die Vorinstanz führt aus, die Mitarbeiter der AZN.________, B.________ und
C.________, seien klar davon ausgegangen, dass die Zahlungen auf Konten der
Kunden des Beschwerdegegners respektive der ACH.________ gehen würden.
C.________ habe ausgesagt, er hätte die Zahlungen nicht veranlasst, wenn er
gewusst hätte, dass diese an den Berschwerdegegner persönlich gehen würden. Er
habe angenommen, bei den Firmen D.________, E.________ und F.________, auf
deren Konten die Zahlungen geflossen seien, handle es sich um Firmen von Kunden
des Beschwerdegegners. B.________ habe in der Untersuchung ausgesagt, die
"arranger fees" seien den Endkunden versprochen worden. Diese würden über die
vom Beschwerdegegner bezeichneten Offshore-Firmen D.________, E.________ und
F.________ bezahlt, hinter denen die Kunden des Beschwerdegegners stünden, was
dieser mehrfach bestätigt habe. Die Vorinstanz erachtet es als erstellt, dass
der Beschwerdegegner die AZN.________-Angestellten B.________ und C.________
wahrheitswidrig informierte, die Zahlungen an die Kunden der ACH.________ und
nicht an ihn persönlich zu leisten.

2.3 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die
Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz nur berichtigen oder ergänzen, wenn sie
offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG). Überdies muss die Behebung des Mangels für
den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein (Art. 97 Abs. 1 BGG).

2.4 Der Beschwerdeführer, der die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz
anfechten will, muss substantiiert darlegen, inwiefern die Voraussetzungen
einer Ausnahme gemäss Art. 105 Abs. 2 BGG gegeben sind und das Verfahren bei
rechtskonformer Ermittlung des Sachverhalts anders ausgegangen wäre.
Andernfalls kann ein Sachverhalt, der von dem im angefochtenen Entscheid
festgestellten abweicht, nicht berücksichtigt werden. Der Beschwerdeführer kann
sich nicht damit begnügen, den bestrittenen Feststellungen eigene tatsächliche
Behauptungen gegenüberzustellen oder darzulegen, wie die Beweise seiner Ansicht
nach zu würdigen gewesen wären. Vielmehr hat er klar und substantiiert
aufzuzeigen, inwiefern die gerügten Feststellungen bzw. die Unterlassung von
Feststellungen offensichtlich unrichtig sind oder auf einer Rechtsverletzung im
Sinne von Art. 95 BGG beruhen. Auf eine Kritik an den tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz, die diesen Anforderungen nicht genügt, ist nicht
einzutreten (vgl. BGE 133 III 462 E. 2.4).

2.5 Zu beachten ist, dass dem Sachgericht im Bereich der Beweiswürdigung ein
erheblicher Ermessensspielraum zusteht (Urteil 6B_209/ 2010 vom 2. Dezember
2010 E. 5.3.3; BGE 120 Ia 31 E. 4b). Das Bundesgericht greift auf Beschwerde
hin nur ein, wenn das Sachgericht diesen missbraucht, insbesondere
offensichtlich unhaltbare Schlüsse zieht, erhebliche Beweise übersieht oder
solche willkürlich ausser Acht lässt (vgl. BGE 132 III 209 E. 2.1). Inwiefern
das kantonale Gericht sein Ermessen im dargelegten Sinn missbraucht haben soll,
ist in der Beschwerde klar und detailliert aufzuzeigen (BGE 130 I 258 E. 1.3).
Namentlich genügt es nicht, einzelne Beweise anzuführen, die anders als im
angefochtenen Entscheid gewichtet werden sollen, und dem Bundesgericht in
appellatorischer Kritik die eigene Auffassung zu unterbreiten, als ob diesem
die freie Prüfung aller Tat- und Rechtsfragen zukäme (Urteil 6B_209/2010 vom 2.
Dezember 2010 E. 5.3.3 mit Hinweis auf BGE 116 Ia 85 E. 2b).

2.6 Die Beweiswürdigung der Vorinstanz ist nicht als schlechterdings unhaltbar
zu bezeichnen, auch wenn einige ihrer Überlegungen fraglich sind. Zutreffend
macht die Beschwerdeführerin zum Beispiel geltend, es sei nicht Sache von
B.________ und C.________ gewesen, wie der Beschwerdegegner die Angelegenheiten
einerseits mit der ACH.________ und andererseits mit den Endkunden zu regeln
hatte. Zutreffend ist ebenfalls, dass die von B.________ und C.________
vertretene AZN.________ lediglich als Überweisungsstelle der Zahlungen der
ALN.________ fungiert hatte und die beiden sich mit den Hintergründen einer
Zahlung nicht zu befassen hatten (Beschwerde, S. 5). Schliesslich haben die
beiden Zeugen im Rahmen der internen Untersuchung tatsächlich ausgesagt, dass
die beanstandeten elf Transaktionen "Fee-Zahlungen" an Endkunden oder
Asset-Manager gewesen sein könnten. Der blossen Mutmassung der beiden Zeugen
hat die Vorinstanz insofern Rechnung getragen, als sie als tatsächlich
Berechtigte der Kommissionen bloss mutmasslich die vom Beschwerdegegner
betreuten Endkunden bezeichnete. Ebensowenig ersichtlich ist, inwiefern die
Vorinstanz festgestellt hätte, das Bundesgerichtsurteil (vgl. BGE 132 III 460)
habe den vorliegenden Sachverhalt beeinflusst. Die Vorinstanz erwähnt das
Urteil lediglich zur Bestätigung, dass die Endkunden der ACH.________ als
mögliche Berechtigte anzusehen seien und dies aufgrund des durchgeführten
Beweisergebnisses im vorliegenden Fall zutreffend sei (angefochtenes Urteil, S.
14 f.).

2.7 Insgesamt können diese Vorbringen die von der Vorinstanz vorgenommene
Sachverhaltsfeststellung im Sinne von Art. 97 BGG nicht in Frage stellen,
weshalb sie für das Bundesgericht verbindlich ist (Art. 105 Abs. 1 BGG).

3.
3.1
3.1.1 Die Beschwerdeführerin wendet sich gegen die rechtliche Auffassung der
Vorinstanz, nur der Endkunde der ACH.________ sei durch das Verhalten des
Beschwerdegegners unmittelbar geschädigt worden, während die ACH.________
selber lediglich einen zivilrechtlichen Schaden erlitten habe. Die Untersuchung
hätte daher gemäss Vorinstanz unter dem Gesichtspunkt der Veruntreuung zum
Nachteil der Endkunden geführt werden müssen. Diese Ansicht verletze
Bundesrecht, zumal das Verhältnis des Kunden zu einem externen
Vermögensverwalter nicht denselben Regeln unterliege wie dasjenige des Kunden
zur Bank. Der externe Vermögensverwalter habe aufgrund seines
Auftragsverhältnisses die Regeln über den Auftrag zu beachten. So unterliege
etwa alles, was er einnehme, der Herausgabepflicht gemäss Art. 400 OR.
Interessenkonflikte entstünden, wenn er von einem Dritten für seine Tätigkeit
honoriert werde. Dies lasse sich dadurch lösen, dass er verpflichtet werde,
diese Dritthonorare dem Auftraggeber herauszugeben. Einer Bank würden die
Vermittlungskommissionen jedoch wie das Einkommen an Zinsdifferenzen selber
zufallen. Aus BGE 132 III 460, der sich den Pflichten des externen
Vermögensverwalters widme, liessen sich keine Pflichten ableiten, dass
Vermittlungskommissionen, die eine Bank einnehme, dem Geldgeber abzuliefern
seien. Zu unterscheiden sei zwischen Retrozessionen und den
Bestandespflegekommissionen. Die im vorliegenden Fall ausbezahlten
Vermittlungskommissionen stellten Bestandespflegekommissionen dar und stünden
der ACH.________ zu.
3.1.2 Im Sinne eines Eventualstandpunktes macht die Beschwerdeführerin geltend,
dass ein Freispruch des Beschwerdegegners auch bundesrechtswidrig wäre, wenn
die Endkunden (und nicht die ACH.________ gemäss Hauptstandpunkt) an den
Geldern aus Kommission berechtigt wären. Der Beschwerdegegner sei gehalten
gewesen, durch seine Kundenberatungstätigkeit für die ACH.________ Einkommen zu
generieren. Art. 158 Ziff. 1 StGB habe er nicht nur dadurch verletzen können,
auf der Grundlage des Kundenportefeuilles keine Erträge zu erwirtschaften,
sondern auch durch den vorsätzlichen Entzug von Vermögenswerten der
ACH.________, die Verpflichtungen abdeckten, die sie gegenüber den Kunden
gehabt habe. Es sei daher bundesrechtswidrig, von einem indirekten Schaden bei
der ACH.________ auszugehen. Die Haftpflicht der ACH.________ gegenüber ihren
Kunden sei die unmittelbare Folge, dass der Beschwerdegegner der ACH.________
gegenüber seine Geschäftsführerpflichten gemäss Art. 158 Ziff. 1 StGB verletzt
habe, weshalb ein direkter Schaden vorliege.

3.2 Die Vorinstanz verneint die Tatbestandsmässigkeit von Art. 158 Ziff. 1
StGB. Der Beschwerdegegner habe die Kunden der ACH.________ geschädigt, indem
er diesen die ihnen als Rabatt zustehenden Kommissionen vorenthalten und diese
zur eigenen Bereicherung eingenommen habe. Den ACH.________-Kunden sei dadurch
ein obligatorischer (rein zivilrechtlicher) Anspruch gegen die ACH.________ auf
Restitution des durch den Beschwerdegegner als Bankangestellten verursachten
Schadens entstanden. Eine direkte Schädigung der ACH.________ liege im
Gegensatz zu den Kunden der ACH.________ nicht vor. Die Vorinstanz verneinte
zudem eine relevante Pflichtverletzung gegenüber der ACH.________, da die
Kommissionszahlungen den Kunden der ACH.________ zugedacht gewesen seien,
weshalb aus der Nichtweitergabe dieser Gelder keine strafrechtlich relevante
Treuepflicht abgeleitet werden könne (angefochtenes Urteil, S. 20 f.).
Schliesslich habe der Beschwerdegegner in Bezug auf das Vermögen der
ACH.________ nicht die verlangte Geschäftsführerstellung aufgewiesen. Art. 158
Ziff. 1 StGB sei daher in mehrfacher Hinsicht nicht erfüllt (angefochtenes
Urteil, S. 20 f.).
3.3
3.3.1 Nach dem sogenannten Treuebruchtatbestand der ungetreuen
Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) wird mit Freiheitsstrafe bis
zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer aufgrund des Gesetzes oder eines
Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern zu verwalten oder eine
solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, und dabei unter Verletzung seiner
Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt wird.
Handelt der Täter in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu
bereichern, kann auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren erkannt
werden (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB). Täter kann sein, wer in tatsächlicher
oder formell selbstständiger und verantwortlicher Stellung im Interesse eines
andern für einen nicht unerheblichen Vermögenskomplex zu sorgen hat. Nach
herrschender Lehre und Praxis ist der Tatbestand des Treuebruchs namentlich auf
selbstständige Geschäftsführer (sowie auf operationell leitende Organe) von
juristischen Personen bzw. Kapitalgesellschaften anwendbar, unter Einschluss
derjenigen, die unter Benutzung von Strohmännern die tatsächliche Leitung
innehaben oder die sich als Strohmänner benutzen lassen (Urteil des
Bundesgerichts 6B_66/2008 vom 9. Mai 2008 E. 6.3.2 mit Hinweisen auf Lehre und
Rechtsprechung).
3.3.2 Die Pflichtwahrnehmung bezüglich fremder Interessen muss den typischen
und wesentlichen Inhalt des Rechtsverhältnisses bilden, und die verwalteten
Vermögensinteressen müssen von einigem Gewicht sein. Der Inhalt der
Treuepflicht des Geschäftsbesorgers ergibt sich aus dem jeweiligen
Grundverhältnis und ist im Einzelfall näher zu konkretisieren. Massgebliche
Basis sind insbesondere gesetzliche und vertragliche Bestimmungen, aber auch
Statuten, Reglemente oder Beschlüsse der Generalversammlung, der
Gesellschaftszweck oder branchenspezifische Usanzen. Die Treuepflicht der
Organe von Gesellschaften besteht grundsätzlich gegenüber der Gesellschaft und
nicht gegenüber den Aktionären, wobei es in erster Linie um Treuepflichten in
Bezug auf das Vermögen als ganzes und nur sekundär um einzelne
Handlungspflichten geht (Urteil des Bundesgerichts, a.a.O., E. 6.3.3).
3.3.3 Ein Vermögensschaden ist gegeben bei tatsächlicher Schädigung durch
Verminderung der Aktiven, Vermehrung der Passiven, Nichtverminderung der
Passiven oder Nichtvermehrung der Aktiven sowie, wenn das Vermögen in einem
Masse gefährdet wird, dass es in seinem wirtschaftlichen Wert vermindert ist.
Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten vermindert ist das Vermögen, wenn der
Gefährdung im Rahmen einer sorgfältigen Bilanzierung durch Wertberichtigung
oder Rückstellung Rechnung getragen werden muss (BGE 129 IV 124 E. 3.1).
Zwischen der Verletzung der Treuepflicht und dem Vermögensschaden muss ein
Kausalzusammenhang bestehen. Tätigkeiten, die sich im Rahmen einer
ordnungsgemässen Geschäftsführung bewegen, sind nicht tatbestandsmässig, auch
wenn geschäftliche Dispositionen vielfach mit Verlustrisiken verbunden sind.
Strafbar ist einzig das Eingehen von Risiken, die ein umsichtiger
Geschäftsführer in derselben Situation nicht eingehen würde. In subjektiver
Hinsicht genügt Eventualvorsatz. Dieser muss sich auf Tatmittel, Erfolg und
Kausalzusammenhang richten. Als Qualifikationsgrund tritt in Art. 158 Ziff. 3
StGB das Handeln unter Bereicherungsabsicht hinzu (Urteil des Bundesgerichts
6B_66/2008 vom 9. Mai 2008 E. 6.3.4 und 6.3.5 mit Hinweisen auf Literatur und
Rechtsprechung).
3.4
3.4.1 Zu analysieren sind vorab die objektiven Tatbestandselemente der
ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 StGB. Diese bestehen
erstens in der Vermögensverwaltung (bzw. in der hier nicht einschlägigen
Aufsicht darüber) für eine vom Vermögensverwalter verschiedene Person. Diese
Person wird, zweitens, infolge Verletzung der Pflichten des Vermögensverwalters
(im Sinne von Schutzpflichten zur Wahrung der Vermögensinteressen) in ihrem
Vermögen geschädigt, indem, drittens, der Vermögensverwalter eine Schädigung
bewirkt oder eine solche zulässt.
3.4.2 Nach den verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz
verwaltete der Beschwerdegegner Gelder der Kunden der ACH.________ und zahlte
diesen Kunden verschiedene Gelder aus Retrozessionen nicht aus, um sie
stattdessen auf eigene Konten zu überweisen. Diese Vermögensverwaltungsaufgabe,
aus der die hier relevanten Kommissionszahlungen herrührten, bestand somit -
entgegen der Auffassung der Vorinstanz und in Übereinstimmung mit der
Beschwerdeführerin - gegenüber der ACH.________ und nicht unmittelbar gegenüber
den Endkunden der ACH.________. Der Beschwerdegegner verwaltete die Gelder als
Geschäftsführer im Sinne von Art. 158 StGB nämlich nicht als externer
Vermögensverwalter, sondern im Rahmen seiner (leitenden) Anstellung als
Vizedirektor, Direktor sowie als Direktionsmitglied bei der ACH.________. Seine
Tätigkeit gemäss Pflichtenheft hat laut Vorinstanz die Vermittlung
konzerneigener Produkte der ALN.________ für die Kunden der ACH.________
umfasst, wofür er von der ACH.________ arbeitsrechtlich mit einem Grundlohn
sowie erfolgsabhängig mit Bonuszahlungen entlöhnt wurde (angefochtenes Urteil,
S. 15 f.). Das Tatbestandselement der Vermögensverwaltung für eine vom
Vermögensverwalter verschiedene Person, nämlich der ACH.________, ist daher zu
bejahen.
3.4.3 Zu prüfen ist im Weiteren eine allfällige Verletzung der Pflichten des
Beschwerdegegners als Vermögensverwalter. Das Bundesgericht hat in ständiger
Praxis festgehalten, dass in der Verletzung der vertraglich vereinbarten
Herausgabepflicht angenommener Gelder allein noch keine strafwürdige ungetreue
Geschäftsführung liegt. Der Tatbestand von Art. 158 Ziff. 1 StGB ist nur
erfüllt, wenn der Empfänger - vorliegend der Beschwerdegegner - durch die
Zahlung von Provisionen oder Schmiergeldern zu einem Verhalten verleitet wird,
das sich gegen die Vermögensinteressen des Geschäftsherrn - vorliegend die
ACH.________ - richtet und sich daher schädigend auswirkt (vgl. zuletzt BGE 129
IV 124 E. 4.1 mit Hinweisen). Mit anderen Worten wird die Schwelle zur
Strafbarkeit erst erreicht, wenn der Beschwerdegegner durch die Zahlung dazu
verleitet wurde, nachteilige Verwaltungsentscheide zu treffen, die bei der
ACH.________ zu einem Schaden geführt haben.
3.4.4 Aus dem schriftlichen Arbeitsvertrag sowie gestützt auf Art. 321b OR
ergibt sich, dass der Beschwerdegegner als zu 100 % angestellter
Bankmitarbeiter ohne spezielle Bewilligung der ACH.________ keinen Nebenerwerb
generieren durfte (HD 1/02010 ff. der Vorakten). Sämtliche Zahlungen, welche in
banktechnischer Hinsicht über ihn abgewickelt und die durch ihn verwaltet
wurden oder in seinen Herrschaftsbereich gelangten, hatte er grundsätzlich der
ACH.________ zuzuführen sowie Rechenschaft darüber abzulegen, und zwar
ungeachtet, welcher Rechtsgrund den entsprechenden Zahlungsflüssen zugrunde
lag. Er hatte keine Bewilligung zur Entgegennahme von Nebenerwerb
(erstinstanzliches Urteil, S. 18). Der Beschwerdegegner ist also klarerweise
als interner Vermögensverwalter zu bezeichnen. BGE 132 III 460, der entschied,
dass die vereinnahmten Retrozessionen der Ablieferungspflicht unterlägen und
den Kunden herauszugeben seien, betrifft demgegenüber einen unabhängigen,
externen Vermögensverwalter (vgl. etwa Marc Engler, Retrozessionen aus
strafrechtlicher Perspektive, ungetreue Geschäftsbesorgung, Privatbestechung,
Veruntreuung, Betrug, Der Schweizer Treuhänder 2010 S. 137 f.; Monika Roth, Das
Dreiecksverhältnis Kunde-Bank-Vermögensverwalter, St. Gallen 2007 S. 27 ff.;
Monika Roth, Retrozessionen und Interessenkonflikte - wenn der Berater in Tat
und Wahrheit ein Verkäufer ist, ZBJV 146 2010 S. 522 f.; Susan Emmenegger,
Anlagekosten: Retrozessionen im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung,
in: Anlagerecht, Basel 2007 S. 69 ff.). Als Retrozession wird die Tatsache
bezeichnet, dass eine Bank, gestützt auf eine entsprechende Vereinbarung, einem
Dritten (insbesondere einem mit der Bank zusammenarbeitenden unabhängigen
Vermögensverwalter) einen Anteil der von der Bank vereinnahmten Kommissionen
des Kunden weitergibt. Der unabhängige Vermögensverwalter erhält von der
Depotbank eine Rückvergütung für die von ihm an eine bestimmte Bank
vermittelten und betreuten Mandate (Raphael Jaeger und Thomas Hautle,
Retrozessionen vs. Bestandespflegekommissionen im Vermögensverwaltungsgeschäft,
Anwaltsrevue 2008 S. 438 ff.).
3.4.5 Im Unterschied zu Retrozessionen sind sog. Bestandespflegekommissionen
vom erwähnten Bundesgerichtsentscheid (BGE 132 III 460) nicht betroffen. Viele
Fondsanbieter (wie zum Beispiel vorliegend die strukturierten Produkte der
ALN.________) delegieren den Vertrieb ihrer Produkte an sog. Vertriebsträger.
Im klassischen Fall übernehmen vornehmlich Universal- oder
Vermögensverwaltungs-Banken diese Funktion (vorliegend die ACH.________).
Zwischen der Depotbank (der ACH.________) und dem Produktanbieter (der
ALN.________) besteht ein Vertriebsvertrag. Der Kunde schliesst mit der
Depotbank den üblichen Konto-Depotvertrag und allenfalls einen
Vermögensverwaltungs- oder Anlageberatungsvertrag ab. Keine vertragliche
Beziehung hingegen besteht zwischen dem Kunden und dem Produktanbieter. Im
Unterschied zu den Retrozessionen erhält die Depotbank für den Vertrieb von
Produkten eine Bestandespflegekommission oder Vertriebsentschädigung vom
Produktanbieter, also vorliegend die Bank ACH.________ (bei welcher der
Beschwerdegegner angestellt war) von der ALN.________ (JAEGER/HAUTLE, a.a.O. S.
440). Es besteht keine rechtlich relevante Verknüpfung zwischen dem Auftrag des
Kunden zum Kauf von Fondsanteilen (vorliegend von strukturierten Produkten) und
den eingenommenen Vertriebsentschädigungen der Bank. Dies ist auch die
ausschlaggebende Unterscheidung zu den Retrozessionen, welche unabhängige
Vermögensverwalter von den Banken kassieren. Bestandespflegekommissionen werden
der Depotbank nicht aufgrund des Auftragsverhältnisses zwischen Kunde und
Depotbank bezahlt, sondern für Dienstleistungen (vorliegend strukturierte
Produkte), die gegenüber dem Produktanbieter (ALN.________) erbracht werden
(JAEGER/HAUTLE, a.a.O., S. 440 und dortige Abbildung 2 gemäss Quelle Wegelin).
3.4.6 Daraus geht klar hervor, dass die elf Kommissionszahlungen der
ALN.________ im Zusammenhang mit der Platzierung ihrer strukturierten Produkte
der ACH.________ zustanden. Indem der Beschwerdegegner die ihm von der
ALN.________ entrichteten Vertriebsentschädigungen nicht seiner Arbeitgeberin
zukommen liess, sondern sich selbst zuführte, verstiess er gegen seine
arbeitsrechtliche Treuepflicht und richtete sich damit gegen die
Vermögensinteressen des Geschäftsherrn (der ACH.________), welche dadurch eine
Nichtvermehrung der Aktiven hinnehmen musste. Der Beschwerdegegner hat durch
sein Verhalten entgegen der Auffassung der Vorinstanz die ACH.________ direkt
geschädigt. Die Vorinstanz hat Bundesrecht verletzt, als sie den
Beschwerdegegner vom Vorwurf der mehrfachen qualifizierten ungetreuen
Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 StGB freigesprochen hat.

4.
Die Beschwerde ist damit gutzuheissen, das angefochtene Urteil des Obergerichts
des Kantons Zürich vom 27. Januar 2010 aufzuheben und die Sache an die
Vorinstanz (auch insbesondere zur Behandlung des subjektiven Tatbestandes)
zurückzuweisen.
Bei diesem Verfahrensausgang sind dem Beschwerdegegner die Verfahrenskosten
aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Der Beschwerdeführerin ist keine
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 68 Abs. 3 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Das angefochtene Urteil des Obergerichts des
Kantons Zürich vom 27. Januar 2010 wird aufgehoben und die Sache an die
Vorinstanz zurückgewiesen.

2.
Dem Beschwerdegegner werden Verfahrenskosten von Fr. 2'000.-- auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 13. Januar 2011

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Keller