Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.385/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_385/2010

Urteil vom 24. August 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiberin Häne.

Verfahrensbeteiligte
X.________, vertreten durch Rechtsanwalt René Peyer,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau,
Frey-Herosé-Strasse 12, Wielandhaus, 5001 Aarau,
Beschwerdegegnerin 1,
2. A.________,
Beschwerdegegnerin 2.

Gegenstand
Vergewaltigung, versuchte sexuelle Nötigung; Willkür, Grundsatz "in dubio pro
reo",

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Strafgericht,
1. Kammer, vom 18. Februar 2010.

Sachverhalt:

A.
Das Bezirksgericht Muri sprach X.________ am 20. Januar 2009 vom Vorwurf der
sexuellen Nötigung (recte: der versuchten sexuellen Nötigung) und der
Vergewaltigung frei. Es verurteilte ihn wegen Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu einer Busse von Fr. 1'000.--.

B.
In Gutheissung der Berufungen der Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau und von
A.________ hob das Obergericht des Kantons Aargau, Strafgericht, 1. Kammer, das
Urteil des Bezirksgerichts auf und verurteilte X.________ wegen Vergewaltigung,
versuchter sexueller Nötigung und Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, teilbedingt
vollziehbar bei einer Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von Fr.
500.--, bei einer Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. Den zu vollziehenden Teil
der Freiheitsstrafe setzte es auf ein Jahr fest. Zudem verpflichtete es
X.________, A.________ eine Genugtuung im Betrag von Fr. 10'000.-- zu bezahlen,
und stellte fest, dass er ihr für die Folgen der Vergewaltigung und der
versuchten sexuellen Nötigung schadenersatzpflichtig sei.

C.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen und beantragt, die Ziffern 1 bis 3
des Urteils des Obergerichts seien aufzuheben und das erstinstanzliche Urteil
sei vollumfänglich zu bestätigen, eventualiter sei das Verfahren zu neuer
Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Staats (Beschwerde S. 2). Sinngemäss beantragt
er zudem, bei einer Rückweisung an die Vorinstanz sei eine erneute
Zeugenbefragung des ehemaligen Freunds von A.________, B.________, anzuordnen
(Beschwerde S. 10) und ein aussagepsychologisches Gutachten betreffend die
Glaubhaftigkeit der Aussagen von A.________ einzuholen (Beschwerde S. 14).
Er stellt ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung
(Eingaben vom 7. Mai 2010 und 26. Mai 2010).

D.
Vernehmlassungen wurden keine eingeholt.
Erwägungen:

1.
Die Vorinstanz geht von folgendem Sachverhalt aus:
Am 6. Juni 2006 trafen sich der Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin 2
am Bahnhof Zug. Sie fuhren mit der Bahn gemeinsam nach Mühlau, und der
Beschwerdeführer begleitete die Beschwerdegegnerin 2 zu Fuss nach C.________,
wo diese wohnte. Im Wald von Mühlau überrumpelte und vergewaltigte er sie
(angefochtenes Urteil S. 49 f.).
Am 4. November 2006 traf der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2 am
Bahnhof Eschenbach/LU. Sie begaben sich in der Folge zum Friedhof. Sie setzte
sich auf eine Bank, um eine Zigarette zu rauchen. Der Beschwerdeführer rieb
seinen Körper an ihren Beinen, liess sie dann los, drückte sie, öffnete in der
Folge seine Hose, nahm seinen Penis hervor und ejakulierte in seine Hand. Er
wollte das Sperma der Beschwerdegegnerin 2 in den Mundbereich schmieren, worauf
diese ihm einen Fusstritt versetzte (angefochtenes Urteil S. 51).

2.
Der Beschwerdeführer wendet sich gegen seine Verurteilung wegen Vergewaltigung
und versuchter sexueller Nötigung. Er rügt eine willkürliche Beweiswürdigung.
Das angefochtene Urteil verletze den aus der Unschuldsvermutung abgeleiteten
Grundsatz "in dubio pro reo".

2.1 Feststellungen zum Sachverhalt prüft das Bundesgericht nur unter dem
Gesichtspunkt der Willkür (Art. 97 Abs. 1 BGG). Willkür in der Beweiswürdigung
nach Art. 9 BV liegt vor, wenn die Behörde in ihrem Entscheid von Tatsachen
ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen, auf
einem offenkundigen Fehler beruhen oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderlaufen. Für die Annahme von Willkür genügt es
nicht, dass eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar
vorzuziehen wäre. Willkür liegt nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines
Entscheids, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 135 V 2 E. 1.3 S. 4 f.
mit Hinweisen; 129 I 49 E. 4 S. 58 mit Hinweis). Wird eine Verletzung des
Willkürverbots geltend gemacht, muss anhand der angefochtenen Subsumtion im
Einzelnen dargelegt werden, inwiefern der Entscheid an einem qualifizierten und
offensichtlichen Mangel leidet (BGE 136 I 49 E. 1.4.1 S. 53 mit Hinweisen; 134
II 244 E. 2.2 S. 246 mit Hinweis).

2.2 Aus der in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten
Unschuldsvermutung wird die Rechtsregel "in dubio pro reo" abgeleitet. Als
Beweislastregel bedeutet die Maxime, dass es Sache der Anklagebehörde ist, die
Schuld des Angeklagten zu beweisen, und nicht dieser seine Unschuld nachweisen
muss. Dies prüft das Bundesgericht mit freier Kognition. Als
Beweiswürdigungsregel besagt sie, dass sich der Strafrichter nicht von einem
für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalt überzeugt erklären darf, wenn bei
objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen,
ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Inwiefern dieser Grundsatz
verletzt sein soll, prüft das Bundesgericht unter dem Gesichtspunkt der
Willkür. Es greift nur ein, wenn das Sachgericht die beschuldigte Person
verurteilte, obgleich bei objektiver Würdigung des Beweisergebnisses
offensichtlich erhebliche beziehungsweise schlechterdings nicht zu
unterdrückende Zweifel an deren Schuld fortbestehen. Bloss abstrakte und
theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und
absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann (BGE 127 I 38 E. 2a S. 40 f.;
124 IV 86 E. 2a S. 88; je mit Hinweisen).

3.
3.1 Soweit der Beschwerdeführer der vorinstanzlichen Beweiswürdigung lediglich
seine eigene Sicht der Dinge gegenüberstellt, ohne näher zu erörtern, inwiefern
der Entscheid (auch) im Ergebnis schlechterdings unhaltbar sein sollte,
erschöpfen sich seine Ausführungen in einer unzulässigen appellatorischen
Kritik. Darauf ist nicht einzutreten. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn er
vorbringt, die Beschwerdegegnerin 2 suche noch immer Kontakt zu ihm (Beschwerde
S. 6 f.), ihr "angespanntes Verhalten" sei auf ihre Befürchtung zurückzuführen,
dass sich ihre Aussagen als falsch erweisen könnten (Beschwerde S. 7), sie habe
den Zettel mit dem Datum des Übergriffs und ihre Jacke nicht mehr gefunden
(Beschwerde S. 7), sowie sie sei in sexueller Hinsicht nicht unerfahren gewesen
(Beschwerde S. 8). Gleiches gilt für seine Behauptungen, ihre körperlichen
Veränderungen könnten auch auf andere Gründe zurückgeführt werden, sie habe
falsche Angaben gemacht, da das Erlebnis nicht in dieser Form stattgefunden
habe (Beschwerde S. 10), und es sei lebensfremd, dass er sie mit Drogen habe
versorgen wollen (Beschwerde S. 12). Aus denselben Gründen ist auch auf die
Ausführungen zur Glaubhaftigkeit des Beschwerdeführers und der Mutter der
Beschwerdegegnerin 2 (Beschwerde S. 12) sowie auf die Behauptung, die
Beschwerdegegnerin 2 belaste D.________ nicht, da sie sich selbst schützen
wolle (Beschwerde S. 13), nicht einzutreten.

3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz hätte sich bei der
Würdigung der erstinstanzlichen Ausführungen Zurückhaltung auferlegen müssen.
Die erste Instanz könne aufgrund ihrer unmittelbaren Befragung der Beteiligten
den Sachverhalt zuverlässiger beurteilen (Beschwerde S. 5).
Es ist nicht ersichtlich und auch nicht dargelegt, weshalb die Vorinstanz als
Berufungsinstanz den Sachverhalt nicht sollte umfassend würdigen dürfen. Ihre
Vorgehensweise ist nicht zu beanstanden.

3.3 Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz die Verletzung der
Unschuldsvermutung vor. Soweit er eine Verletzung der aus dem Grundsatz "in
dubio pro reo" abgeleiteten Beweislastregel geltend macht (Beschwerde S. 5),
ist seine Rüge unbegründet. Die Vorinstanz würdigt die Beweise einlässlich. Sie
stützt die Schuldsprüche nicht auf den Vorwurf, der Beschwerdeführer habe seine
Unschuld nicht nachgewiesen. Sie überbindet ihm weder die Beweislast, noch
nimmt sie an, er müsse seine Unschuld beweisen.

3.4 Die Vorinstanz führt aus, die Angaben der Beschwerdegegnerin 2 zum
konkreten Ablauf der Vergewaltigung und die Antworten auf Nachfragen, welche
das Geschehen konkretisierten, seien spontan und schnell erfolgt. Die
Beschwerdegegnerin 2 habe umgehend reagiert, ohne überlegen zu müssen, und sich
in keine Widersprüche verstrickt. Vielmehr habe sie auf Nachfragen hin neue,
die bisherigen Ausführungen ergänzende und detaillierende Angaben gemacht.
Dieses prompte Nachschieben von Einzelheiten, welche die Situation lebendig und
einfühlbar machen würden, spreche für die subjektive Wahrheit ihrer
Schilderungen. Auch hinsichtlich des Vorwurfs der sexuellen Nötigung berichte
sie fliessend (angefochtenes Urteil S. 22 f.).
Gemäss den Vorbringen des Beschwerdeführers berücksichtigt die Vorinstanz
nicht, dass die Beschwerdegegnerin 2 den Vorfall in Mühlau auf den 5. Juni 2006
datierte und erst auf Hinweis der Befragerin auch den 6. Juni 2006 als möglich
erachtete. Es komme aber nur der 6. Juni 2006 infrage, da die
Beschwerdegegnerin 2 angegeben habe, sie sei am Dienstag nach der Schule
vergewaltigt worden. Dies zeige, dass diese immer erst auf Nachfrage hin
Sachverhaltselemente preis gebe. Erst als die Befragerin habe wissen wollen, ob
er die Beschwerdegegnerin 2 habe küssen wollen, was mit den Brüsten gewesen
sei, und ob er mit der Hand in ihrem Schambereich aktiv gewesen sei, habe diese
entsprechende Handlungen erwähnt. Die Vorinstanz berücksichtige nicht, dass
eine Aussage glaubhafter sei, wenn Ergänzungen und Lückenfüllung spontan
erfolgten (Beschwerde S. 6).
Es ist nicht ersichtlich und nicht dargetan, weshalb die Tatsache, dass die
Vorinstanz den Irrtum der Beschwerdegegnerin 2 betreffend das Datum nicht
erwähnt, (auch) im Ergebnis zu einer willkürlichen Beweiswürdigung führen
sollte. Die Vorinstanz würdigt die Angaben der Beschwerdegegnerin 2 in
einlässlicher Weise und sieht in den spontanen und detailreichen Antworten auf
Nachfragen Anhaltspunkte für deren Wahrheit. Der Beschwerdeführer legt nicht in
rechtsgenüglicher Weise dar, weshalb diese Würdigung willkürlich sein soll.

3.5 Die Vorinstanz führt aus, die Beschwerdegegnerin 2 habe hinsichtlich der
Thematik, ob es seitens des Beschwerdeführers zu weiteren Gewaltanwendungen
gekommen sei, auf Mehrbelastungen verzichtet (angefochtenes Urteil S. 26 f.).
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz stelle in aktenwidriger
Weise fest, dass die Beschwerdegegnerin 2 auf seine Mehrbelastung verzichte. Im
Gegenteil habe diese aus eigenem Antrieb erzählt, er sei "sicher pervers"
veranlagt, und ihn damit bewusst angeschwärzt. Die Vorinstanz hätte die
Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 aufgrund dieser Belastung in Zweifel ziehen
müssen, nachdem diese in Zusammenhang mit den vorgängigen, auf
Mehrfachbelastungen verzichtenden Angaben gesetzt worden wären (Beschwerde S. 7
f.).
Die Ausführungen im angefochtenen Urteil betreffend die Frage der Mehrbelastung
des Beschwerdeführers durch die Beschwerdegegnerin 2 sind nicht aktenwidrig,
nachdem sie sich einzig auf die Thematik der Gewaltanwendung durch den
Beschwerdeführer beschränken.

3.6 Gemäss den Ausführungen im angefochtenen Urteil vermag es die
Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin 2 nicht zu erschüttern, wenn diese sich
anlässlich ihrer Befragung vom 26. Mai 2008 nicht mehr an ihre Aussagen vom 19.
November 2006 betreffend das Lokal "E.________" zu erinnern vermöge. Am 19.
November 2006 habe sie erwähnt, sie habe sich im "E.________" in Eschenbach
aufgehalten, als der Beschwerdeführer sie angerufen habe. Irgendwann habe sie
den Anruf entgegen genommen. Bei ihrer Befragung vom 26. Mai 2008 habe sie
demgegenüber angegeben, dass sie bereits bei ihrem Freund in Eschenbach
geschlafen habe, als ihr Mobiltelefon geklingelt und sie sich dann bereit
erklärt habe, den Beschwerdeführer zu treffen. Die Vorinstanz hält fest, dass
die letzteren Aussagen keinen Widerspruch zu den vorgängig gemachten Angaben
darstellen würden. Die Beschwerdegegnerin 2 habe ihre ursprünglichen, den
Geschehensablauf in groben Zügen darstellenden Beschreibungen dahingehend
ergänzt, dass sie den zeitlichen Ablauf konkretisiert habe (angefochtenes
Urteil S. 28).
Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz verfalle in Willkür, wenn sie
hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Beschwerdegegnerin 2 keine Schlüsse daraus
ziehe, dass diese einerseits angab, der Beschwerdeführer habe sie im
"E.________" angerufen, andererseits aber, sie habe zum Zeitpunkt des Anrufs
bei ihrem Freund geschlafen (Beschwerde S. 9).
Mit diesen Ausführungen vermag der Beschwerdeführer nicht darzutun, dass und
inwieweit die Beweiswürdigung der Vorinstanz willkürlich sein soll. Er setzt
sich mit der Begründung im angefochtenen Urteil, dass die Beschwerdegegnerin 2
lediglich genauere Angaben machte und den zeitlichen Ablauf verfeinert
darstellte, nicht auseinander. Weshalb die Beweiswürdigung der Vorinstanz
unhaltbar sein soll, legt er nicht dar.

3.7 Die Vorinstanz zitiert die Aussagen der Beschwerdegegnerin 2, wonach ihr
damaliger Freund sie nach dem Vorfall angerufen und sie diesem "so halbbatzig"
etwas erzählt habe. Ihre Mutter habe dieses Telefonat mitgehört und reagiert.
Sie habe "eigentlich nicht darüber sprechen wollen" und dieser "eigentlich
nicht gross" etwas erzählt (angefochtenes Urteil S. 21). Bei der Würdigung der
Aussagen hält die Vorinstanz fest, die Beschwerdegegnerin 2 habe sich bezüglich
des Kerngeschehens - dass es zu einem sexuellen Übergriff gekommen war - zwei
ihr nahestehenden Personen anvertraut (angefochtenes Urteil S. 30). Weiter
führt die Vorinstanz aus, die Mutter der Beschwerdegegnerin 2 habe angegeben,
ihre Tochter auf das von ihr Mitgehörte angesprochen zu haben. Diese habe ihr
in etwa gesagt, was geschehen sei. Ihre Tochter habe die Frage, ob der Täter
aufs Ganze gegangen sei, bejaht (angefochtenes Urteil S. 34). Im angefochtenen
Urteil wird weiter festgehalten, die Beschwerdegegnerin 2 sei anfangs kaum
bereit gewesen, ihrer Mutter Angaben über die Geschehnisse, die sich im Wald
von Mühlau ereignet hatten, zu machen (angefochtenes Urteil S. 36).
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz halte in aktenwidriger Weise
fest, dass die Beschwerdegegnerin 2 sich hinsichtlich des Kerngeschehens des
sexuellen Übergriffs zwei ihr nahestehenden Personen anvertraut habe. Sie habe
aber nach dem Vorfall in Mühlau lediglich mit ihrem Freund telefoniert, wobei
dieses Telefongespräch von ihrer Mutter zufällig mitgehört worden sei. Ein
aktives Anvertrauen habe nicht stattgefunden (Beschwerde S. 9).
Aus den Ausführungen der Vorinstanz geht hervor, dass die Beschwerdegegnerin 2
mit ihrem damaligen Freund sowie - auf deren Nachfragen hin - mit ihrer Mutter
über den fraglichen Vorfall sprach. Auch hält die Vorinstanz fest, dass sie
ihrer Mutter gegenüber nicht zu genaueren Angaben bereit war. Es ist vor diesem
Hintergrund entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers nicht aktenwidrig,
wenn im angefochtenen Urteil ausgeführt wird, die Beschwerdegegnerin 2 habe
sich hinsichtlich des Kerngeschehens zwei ihr nahestehenden Personen
anvertraut.

3.8 Die Vorinstanz erwägt, die Mutter der Beschwerdegegnerin 2 habe sowohl bei
der polizeilichen Befragung als auch anlässlich ihrer Zeugeneinvernahme im
Rahmen der Verhandlung vom 18. November 2008 primär ihre eigene Wahrnehmung
betreffend den Zustand ihrer Tochter betont. An der Verhandlung habe sie
ausgesagt, die Erinnerung an die eigene Wahrnehmung liege ihr näher. Die Mutter
der Beschwerdegegnerin 2 habe konstant wiedergegeben, dass sie im Juni 2006
gemerkt und gehört habe, dass ihre Tochter das Opfer eines sexuellen Übergriffs
geworden sei. Diese Kernaussage stehe im Vordergrund, da die Beschwerdegegnerin
2 grundsätzlich nicht habe über den Vorfall sprechen wollen, und zudem in ihre
rudimentären Angaben gegenüber ihrer Mutter habe Falschinformationen
einfliessen lassen (angefochtenes Urteil S. 37).
Der Beschwerdeführer macht geltend, nach Ansicht der Vorinstanz seien die
Informationen der Mutter der Beschwerdegegnerin 2 betreffend die Tatumstände,
welche diese von der Beschwerdegegnerin 2 erhalten habe, rudimentär oder gar
falsch gewesen. Daher seien ihre Aussagen nicht stimmig. Die Vorinstanz setze
sich aber nicht damit auseinander, dass auch die Angaben, welche die Mutter der
Beschwerdegegnerin 2 aufgrund ihrer eigenen Wahrnehmung gemacht habe,
uneinheitlich seien. So habe sie einerseits ausgesagt, sie habe von der
Vergewaltigung erfahren, als der ehemalige Freund der Beschwerdegegnerin 2 bei
dieser gewesen sei und sie die beiden habe sprechen hören. Andererseits habe
sie später angegeben, sie habe an der Türe gehört, wie die Beschwerdegegnerin 2
mit ihrem damaligen Freund telefoniert habe. Es sei kaum vorstellbar, dass
diese sich nach nur zwei Jahren nicht mehr detailliert an die Ereignisse rund
um die schockierende Nachricht der Vergewaltigung der eigenen Tochter erinnern
könne. Es sei willkürlich und verletze den Grundsatz "in dubio pro reo", wenn
die Vorinstanz zu Ungunsten des Beschwerdeführers auf diese Angaben abstelle.
Weiter sei es willkürlich, wenn argumentiert werde, die Kernaussage sei
konstant wiedergegeben worden (Beschwerde S. 11).
Es erscheint nicht als willkürlich, wenn die Vorinstanz der Frage, ob die
Beschwerdegegnerin 2 mit ihrem damaligen Freund ein Telefongespräch führte oder
sich mit diesem in der Wohnung unterhielt, keine so grosse Bedeutung beimisst,
dass der Widerspruch zu Zweifeln an der Glaubhaftigkeit der Angaben der Mutter
der Beschwerdegegnerin 2 führen müsste. Im Übrigen erachtet die Vorinstanz die
eingeklagten Sachverhalte ausdrücklich aufgrund der glaubhaften Angaben der
Beschwerdegegnerin 2 als erstellt (angefochtenes Urteil S. 47).

3.9 Die Vorinstanz führt aus, der Beschwerdeführer habe sowohl an der
erstinstanzlichen Verhandlung als auch an der Berufungsverhandlung vorgebracht,
es sei ihm aus fahrplantechnischen Gründen nicht möglich gewesen, sich zur
Tatzeit in Mühlau aufgehalten zu haben. Er mache geltend, kein Auto zu besitzen
und daher auf den öffentlichen Verkehr angewiesen zu sein. Am fraglichen Tag
habe er gemäss seinen Angaben in Horgen gearbeitet. Um 17.00 Uhr sei
Arbeitsschluss gewesen. Der Beschwerdeführer gebe an, er und seine
Arbeitskollegen hätten sich dann jeweils umgezogen und seien in der Folge mit
dem Mannschaftswagen nach Sihlbrugg gefahren worden. Von dort würden Busse um
jeweils 00.12 Uhr, 00.32 Uhr und 00.42 Uhr in Richtung des Bahnhofs Baar
fahren. Da er zunächst seine Schutzbekleidung habe ausziehen müssen, sei nach
Ansicht des Beschwerdeführers davon auszugehen, dass er den Bus um 17.32 Uhr
verpasst habe. Zudem sei es aufgrund des Feierabendverkehrs unmöglich, die
Strecke von Horgen nach Sihlbrugg innert 20 Minuten zurückzulegen. Folglich
habe er in Sihlbrugg frühestens den Bus um 17.42 Uhr erreichen könne, und somit
in Baar den Zuganschluss verpasst. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers sei
es ihm daher nicht möglich gewesen, um 18.02 Uhr den Zug nach Mühlau zu
erreichen.
Die Vorinstanz hält hierzu fest, es sei dem Beschwerdeführer trotz dieser
Fahrplangegebenheiten durchaus möglich gewesen, zum fraglichen Zeitpunkt in
Mühlau zu sein. Es sei nicht endgültig definierbar, wie lange das Ausziehen der
Schutzkleidung in Anspruch nehme. Damit variiere auch der Zeithorizont für die
Fahrt nach Sihlbrugg, und zudem hänge die Dauer dieser Fahrt vom
Verkehrsaufkommen ab. Damit könne wiederum nicht ausgeschlossen werden, dass es
dem Beschwerdeführer möglich gewesen sei, den Bus um 17.32 Uhr zu erreichen
(angefochtenes Urteil S. 46).
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz setze sich zwar mit seinem
fahrplantechnischen Einwand auseinander, komme aber zum Schluss, es sei nicht
erstellt, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, den Bus um 17.32 Uhr zu
erreichen. Damit verletze sie den Grundsatz "in dubio pro reo". Der Stau vor
dem Kreisel in Sihlbrugg vor der Eröffnung der Autobahn A4 durch das
Knonaueramt im November 2009 dürfe als legendär bezeichnet werden. Im
Feierabendverkehr sei es ausgeschlossen gewesen, innerhalb von 20 Minuten von
Horgen nach Sihlbrugg zu gelangen. Weiter räume die Vorinstanz ein, es sei
nicht definierbar, wie lange die Fahrt und das Ausziehen der Schutzkleidung in
Anspruch nehme. Trotzdem gehe sie von der für ihn ungünstigeren Variante aus.
Hierein liege eine Rechtsverletzung (Beschwerde S. 13).
Die Vorinstanz bringt mit den zitierten Formulierungen nicht lediglich zum
Ausdruck, sie schliesse es nicht aus beziehungsweise halte es für möglich, dass
der Beschwerdeführer den Bus um 17.32 Uhr erreichte. Vielmehr will die
Vorinstanz ihre Überzeugung äussern, dass es dem Beschwerdeführer in zeitlicher
Hinsicht durchaus möglich war, den Bus um 17.32 Uhr zu erreichen, und dass
somit die vom Beschwerdeführer vorgetragenen fahrplantechnischen Gründe nicht
gegen dessen Täterschaft sprechen. Inwiefern aber die Feststellung der
Vorinstanz, es sei dem Beschwerdeführer durchaus möglich gewesen, den Bus um
17.32 Uhr zu erreichen, willkürlich sei, legt der Beschwerdeführer nicht dar.

3.10 Die Vorinstanz führt aus, dass die Beschwerdegegnerin 2 nicht erwähne, der
Beschwerdeführer habe nach einem Tag auf der Baustelle "gestunken". Daraus
könne nichts abgeleitet werden. Es sei nicht erstellt, dass der
Beschwerdeführer zum Tatzeitpunkt "gestunken" habe (angefochtenes Urteil S.
46).
Der Beschwerdeführer bringt vor, dass jedermann nach einem Arbeitstag auf der
Baustelle im Juni Schweissgeruch verströme. Gehe man davon aus, er habe duschen
können, spreche dies für den fahrplantechnischen Einwand. Die Vorinstanz hätte
festhalten müssen, dass das Detail des Schweissgeruchs der Beschwerdegegnerin 2
entgangen sei, was gegen ihre Sachverhaltsdarstellung spreche. Es verletze den
Grundsatz "in dubio pro reo", wenn im angefochtenen Urteil festgehalten werde,
es sei nicht erstellt, dass er "gestunken" habe (Beschwerde S. 13).
Die Beweiswürdigung der Vorinstanz ist auch in diesem Punkt nicht willkürlich,
zumal dieser Schweissgeruch allenfalls eines von vielen Elementen darstellte
und für die eigentliche Tat von keiner ausschlaggebenden Bedeutung war. Auch
wenn man davon ausginge, dass der Schweissgeruch vorhanden war, würde dessen
Nichterwähnung durch die Beschwerdegegnerin 2 nicht dazu führen, dass die
Beweiswürdigung im angefochtenen Urteil als (im Ergebnis) willkürlich zu
bezeichnen wäre.

3.11 Der Beschwerdeführer weist darauf hin, dass weder seine Angaben noch die
Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 einer Glaubhaftigkeitsbegutachtung unterzogen
worden seien (Beschwerde S. 14).
Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist primär Sache des Gerichts.
Eine Glaubwürdigkeitsbegutachtung durch eine sachverständige Person drängt sich
nur bei Vorliegen besonderer Umstände auf. Dies ist etwa der Fall, wenn schwer
interpretierbare Äusserungen eines Kleinkinds zu beurteilen sind, bei
ernsthaften Anzeichen geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit des
Zeugen beeinträchtigen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass
der Zeuge einer Beeinflussung durch Drittpersonen ausgesetzt ist (BGE 129 IV
179 E. 2.4 S. 184; 128 I 81 E. 2 S. 86; 118 Ia 28 E. 1c S. 30 ff.; je mit
Hinweisen). Dem Gericht steht bei der Beantwortung der Frage, ob aufgrund der
konkreten Umstände des Einzelfalls der Beizug eines Sachverständigen zur
Glaubwürdigkeitsbegutachtung notwendig ist oder nicht, ein Ermessensspielraum
zu (Urteil des Bundesgerichts 6B_244/2009 vom 21. Juli 2009 E. 3.3).
Es ist nicht ersichtlich, weshalb die Vorinstanz Gutachten betreffend die
Glaubhaftigkeit hätte einholen müssen. Besondere Umstände im Sinne der
dargestellten Rechtsprechung sind nicht erkennbar und auch nicht geltend
gemacht. Die Vorinstanz verletzt den ihr zustehenden Ermessensspielraum nicht.

4.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ist abzuweisen, da die
Beschwerde von vornherein aussichtslos war (Art. 64 Abs. 1 BGG e contrario).
Bei diesem Verfahrensausgang sind die bundesgerichtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Seinen angespannten
finanziellen Verhältnissen ist mit reduzierten Gerichtskosten Rechnung zu
tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Strafgericht, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. August 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Favre Häne