Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.429/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_429/2010

Urteil vom 24. Januar 2012
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Mathys, Präsident,
Bundesrichter Schneider,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiberin Koch.

Verfahrensbeteiligte
X.________, vertreten durch Rechtsanwalt Gian Andrea Danuser,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8001 Zürich,
2. C.________,
3. D.________, handelnd durch H.________,
4. E.________,
5. F.________, handelnd durch C.________,
6. G.________, handelnd durch C.________,

2.-6. vertreten durch Rechtsanwältin Barbara Laur,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Mord (Art. 112 StGB),

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II.
Strafkammer, vom 12. Februar 2010 und den Sitzungsbeschluss des
Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 6. Juni 2011.

Sachverhalt:

A.
Am 1. März 2008 trennten sich A.________ und X.________ nach einjähriger
Liebesbeziehung. A.________ zog vorübergehend zu ihrer Cousine. X.________
versuchte mehrfach, A.________ zur Rückkehr zu bewegen. Er drohte, ihre
Schwester und ihren Schwager zu töten. Am Abend des 8. März begab er sich zur
Wohnung der Cousine. Deren Ehemann B.________ versuchte vergeblich, ihn
wegzuschicken. Schliesslich kam A.________ zusammen mit ihrer Cousine herbei
und erklärte X.________, sie wolle nicht mehr zu ihm zurückkehren. X.________
verabschiedete sich, klingelte aber wenige Minuten später erneut. Wiederum
öffnete B.________ die Haustüre. Beim anschliessenden verbalen Streit setzte
dieser einen Pfefferspray ein. X.________ zog seine Pistole aus dem Hosenbund
und schoss viermal auf B.________, welcher lebensgefährlich verletzt zu Boden
fiel. X.________ entfernte sich, kehrte aber wieder zurück und tötete
B.________ mit einem Schuss in den Hinterkopf.
Die Staatsanwaltschaft legt X.________ in der Anklageschrift vom 19. Mai 2009
zur Last, er habe B.________ ermordet. Ausserdem habe er mehrfach eine
Schusswaffe und Munition ohne Berechtigung auf sich getragen und ein geleastes
Fahrzeug veruntreut. Dieses habe er im Juli 2007 entgegen den vertraglichen
Bestimmungen mit der Leasinggesellschaft an eine Drittperson verkauft.

B.
Das Obergericht des Kantons Zürich verurteilte X.________ am 12. Februar 2010
wegen Mordes, mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz und Veruntreuung zu
einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Das Kassationsgericht wies die
Nichtigkeitsbeschwerde von X.________ mit Beschluss vom 6. Juni 2011 ab, soweit
es darauf eintrat. Mit Zirkulationsbeschluss vom 20. Juli 2011 trat es auf die
Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft nicht ein.

C.
X.________ erhebt mit Eingaben vom 12. Mai 2010 und 10. Juli 2011 Beschwerde in
Strafsachen und subsidiäre Verfassungsbeschwerde gegen die Urteile des
Obergerichts und des Kassationsgerichts. Er beantragt, die angefochtenen
Urteile seien aufzuheben, und die Sache sei an die Vorinstanzen zurückzuweisen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatsanwaltschaft. Er
stellt ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung.

D.
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich führt gegen das Urteil des
Obergerichts ebenfalls Beschwerde in Strafsachen (Verfahren 6B_515/2011).

Erwägungen:

1.
Mit Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 78 ff. BGG kann grundsätzlich jede
Rechtsverletzung geltend gemacht werden, die bei der Anwendung von materiellem
Strafrecht oder Strafprozessrecht begangen wird (BGE 134 IV 36 E. 1.4.3 S. 41).
Dies gilt auch für die Verletzung von Verfassungsrecht (Art. 95 BGG). Die
subsidiäre Verfassungsbeschwerde ist somit ausgeschlossen (Art. 113 BGG; Urteil
6B_99/2007 vom 30. Mai 2007 E. 1 mit Hinweisen). Soweit der Beschwerdeführer
dieses Rechtsmittel erhebt, ist die Eingabe als Beschwerde in Strafsachen
entgegenzunehmen.

2.
Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung seiner Verteidigungsrechte in
mehrfacher Hinsicht.

2.1 Nach der Praxis des Bundesgerichtes zu Art. 32 Abs. 2 und Art. 29 Abs. 3 BV
hat der amtlich verteidigte Beschuldigte einen grundrechtlichen Anspruch auf
sachkundige, engagierte und effektive Wahrnehmung seiner Parteiinteressen. Wird
von den Behörden untätig geduldet, dass der amtliche Verteidiger seine
anwaltlichen Berufs- und Standespflichten zum Nachteil des Angeschuldigten in
schwerwiegender Weise vernachlässigt, kann darin eine Verletzung der von
Verfassung und EMRK gewährleisteten Verteidigungsrechte liegen.

Zu den Pflichten des amtlichen Verteidigers gehört es, die
Verteidigungsstrategie zu bestimmen, namentlich indem er Beweisanträge zu einem
bestimmten Zeitpunkt stellt, Tatsachen hervorhebt, Schlüsse daraus zieht und
das Plädoyer erarbeitet. Soweit es um diese Fragen geht, kann von einer
offensichtlichen Verletzung der Verteidigungsrechte keine Rede sein. Denn es
ist nicht möglich, bereits zu Prozessbeginn die Erfolgsaussichten der gewählten
Taktik zu bestimmen. Die strategischen Entscheidungen hängen von zahlreichen
Faktoren ab, welche dem Verteidiger einen grossen Ermessensspielraum eröffnen
und von den Behörden nicht überprüft werden können (BGE 126 I 194 E. 3d S. 198
ff. mit Hinweisen).
2.2
2.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, weder die Staatsanwaltschaft noch
sein früherer Verteidiger hätten eine Untersuchung des Pfeffersprays beantragt.
Auch das Obergericht habe keine solche angeordnet, obwohl dies zur Klärung des
Sachverhalts erforderlich gewesen wäre. Das Kassationsgericht verletze seine
richterliche Fürsorgepflicht (Beschwerde S. 16 ff.).
2.2.2 Der Beschwerdeführer zeigt keine krassen und offensichtlichen
Pflichtverletzungen in der amtlichen Verteidigung auf (vgl. zu Beispielen
schwerer Pflichtverletzung BGE 126 I 194 E. 3d S. 199 mit Hinweisen). Ob sein
Rechtsvertreter eine Analyse des Sprays verlangte, lag in dessen
Ermessensspielraum. Dass das Kassations- und das Obergericht ihrerseits von
entsprechenden Beweiserhebungen absahen, verletzt die Verteidigungsrechte
ebensowenig.
2.3
2.3.1 Der Beschwerdeführer rügt, das Kassationsgericht verletze seine
Verteidigungsrechte auch in Bezug auf das psychiatrische Gutachten. Der
Gutachter habe keine Kenntnis über die Auswirkungen des Pfeffersprayangriffs
gehabt. Seine Feststellung, wonach die Folgen der Pfeffersprayattacke beim
letzten Schuss keine Rolle mehr gespielt haben, hätte er in Bezug auf die
psychischen Folgen näher ausführen und begründen müssen. Das Gutachten sei
derart offensichtlich mangelhaft, dass von Amtes wegen ein ergänzendes
Gutachten hätte eingeholt werden müssen. Weder das Obergericht, die
Staatsanwaltschaft noch der damalige Verteidiger hätten ein solches beantragt
(Beschwerde S. 18 ff.).
2.3.2 Das Kassationsgericht erwägt, der Gutachter unterteile die Handlung in
zwei Abschnitte. Er lege dar, dass die Rückkehr an den Tatort eine gedankliche
Planung voraussetze. Der Beschwerdeführer habe den Tatablauf beim fünften
Schuss "zielgerichtet gestaltet", während die ersten Schüsse eher als
reflexartige Reaktion erfolgt seien. Die Erkenntnis des Gutachters, der
Schrecken über die "Tränengasattacke", die dabei erlittenen Schmerzen und die
Sehstörungen hätten beim letzten Schuss keine Rolle gespielt und dieser sei
nicht unbeabsichtigt erfolgt, sei haltbar. Es sei nicht ersichtlich, weshalb
die beantragten Erklärungen des Gutachters zu seinen Kenntnissen über die
Wirkung von Tränengas relevant sein sollten (Urteil des Kassationsgerichts S.
17 f.).
2.3.3 Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Ausführungen nicht aufzuzeigen,
dass das Kassations- und das Obergericht seine Verteidigungsrechte ungenügend
gewahrt hätten. Die gutachterliche Feststellung stützt sich auf die kognitiven
und motorischen Leistungen, welche erforderlich waren, um an den Ort des
Geschehens zurückzukehren und ein letztes Mal zu schiessen (Gutachten S. 82).
Damit bringt der Gutachter zum Ausdruck, dass der erste Schrecken des
Beschwerdeführers verflogen und der Pfefferspray für die zweite Phase nicht
mehr bestimmend war, selbst wenn das Reizgas nach dreissig Sekunden immer noch
gewisse Auswirkungen hatte. Es drängten sich keine weiteren Abklärungen auf,
welche von Amtes wegen vorzunehmen gewesen wären. Die Rüge erweist sich als
unbegründet.

3.
Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz eine willkürliche Beweiswürdigung
(Art. 9 BV) sowie die Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV)
vor.

3.1 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Sachverhaltsfeststellung
kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des
Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1
BGG; vgl. auch Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG). Offensichtlich unrichtig im Sinne
von Art. 97 Abs. 1 BGG ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn sie willkürlich
ist (BGE 136 II 304 E. 2.4 S. 313 f. mit Hinweis; vgl. zum Begriff der Willkür
BGE 136 III 552 E. 4.2 S. 560 mit Hinweisen).

Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV garantiert den
betroffenen Personen ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht. Sie sollen
sich vor Erlass des Entscheids zur Sache äussern, erhebliche Beweise
beibringen, an der Erhebung von Beweisen mitwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis äussern können. Die Behörde ist grundsätzlich verpflichtet, die
ihr angebotenen Beweismittel abzunehmen, wenn sie zur Abklärung des
Sachverhalts tauglich erscheinen. Sie muss die Vorbringen der Parteien
tatsächlich hören, prüfen und in der Entscheidfindung berücksichtigen. Die
Begründung muss deshalb zumindest kurz die wesentlichen Überlegungen nennen,
von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid
stützt. Dagegen wird nicht verlangt, dass sich die Begründung mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 137 II 266 E. 3.2 S. 270 mit Hinweisen).

Wird die Verletzung von Grundrechten (einschliesslich der willkürlichen
Anwendung von kantonalem Recht und Willkür bei der Sachverhaltsfeststellung)
gerügt, gelten qualifizierte Anforderungen an die Begründung. Eine solche Rüge
prüft das Bundesgericht nicht von Amtes wegen, sondern nur, wenn sie in der
Beschwerde vorgebracht und substanziiert begründet worden ist. Das bedeutet,
dass klar und detailliert anhand der Erwägungen des angefochtenen Entscheids
darzulegen ist, inwiefern verfassungsmässige Rechte verletzt worden sein sollen
(Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 136 I 65 E. 1.3.1 S. 68 mit Hinweisen).

3.2 Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör geltend macht, ohne seine Rügen näher zu substanziieren (Beschwerde S.
15, S. 16, S. 18, S. 21), ist darauf nicht einzutreten. Ebenfalls nicht
einzutreten ist auf die Rügen, mit welchen der Beschwerdeführer sinngemäss eine
Verletzung kantonalen Prozessrechts hinsichtlich der vorinstanzlichen
Prüfungsbefugnis geltend macht (z.B. das Kassationsgericht äussere sich zu
Unrecht zum Notwehrexzess) oder den vorinstanzlichen Sachverhalt ergänzt, ohne
Willkür darzulegen (z.B. Beschwerde S. 15 f. zur Frage, ob er bei seinem
Weggang vom Tatort wusste, dass sein Opfer kampfunfähig war; vgl. E. 3.1).
3.3
3.3.1 Der Beschwerdeführer rügt, das Kassationsgericht setze sich mit seiner
Rüge zur Wirkungsweise des eingesetzten Reizgases nicht auseinander. Das
Obergericht habe einen Vergleich zwischen zwei Pfeffersprays angestellt, wovon
der vom Opfer verwendete Wirkstoff unbekannt sei. Die darauf basierende
Sachverhaltsfeststellung sei willkürlich und verletze seinen Anspruch auf
rechtliches Gehör (Beschwerde S. 11 f.).
3.3.2 Das Kassationsgericht befasst sich mit den Ausführungen des
Beschwerdeführers zum verwendeten Pfefferspray und legt dar, weshalb es diesen
nicht folgt. Aus seinen Erwägungen geht hervor, dass nicht das Obergericht
mehrere Pfeffersprays miteinander vergleicht, sondern der vom Beschwerdeführer
eingereichte Zeitungsartikel (vgl. act. 33), in dem von einem
"Reizstoffsprühgerät" als "stärkere militärische Version des Pfeffersprays" und
dessen Wirkungsweise die Rede ist (Urteil des Kassationsgerichts S. 13 mit
Hinweis auf das Urteil des Obergerichts S. 8 f.). Das Kassationsgericht setzt
sich mit den Argumenten des Beschwerdeführers hinreichend auseinander und wahrt
den Anspruch auf rechtliches Gehör. Die Rüge erweist sich als unbegründet.
3.4
3.4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das Obergericht sei von seiner subjektiven
Schilderung zur Wirkung des Sprays ausgegangen, ohne seine Angst vor einem
weiteren Angriff zu berücksichtigen. Eine Untersuchung des Pfeffersprays hätte
ergeben, dass dieser auch auf die Psyche wirke und aggressives Verhalten,
panikartige Reaktionen oder Furcht auslösen könne (Beschwerde S. 16 ff.).
3.4.2 Das Kassationsgericht stützt sich auf die Sachverhaltsfeststellungen des
Obergerichts (angefochtenes Urteil S. 13). Danach habe der Beschwerdeführer
gemäss seinen eigenen Angaben die Augen nach dem Einsatz des Pfeffersprays
wieder öffnen können. Auch wenn seine Sicht in einem gewissen Grad behindert
gewesen sei, habe er den Schatten des Opfers bei den ersten vier Schüssen
gesehen (Urteil des Obergerichts S. 6 f., S. 9). Später habe er ein fünftes Mal
auf das bäuchlings vor ihm liegende Opfer geschossen. Gemäss der
Tatrekonstruktion des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich habe
er von oben herab mitten auf den Hinterkopf des Opfers gezielt (Urteil des
Obergerichts S. 7, S. 12 f.).
3.4.3 Die unabhängig von der Tatsituation verlangte Analyse der Wirkung des
Pfeffersprays kann keinen Aufschluss über die konkrete Beeinträchtigung des
Beschwerdeführers am Tatabend geben. So hängt der Effekt eines Pfeffersprays
beispielsweise davon ab, ob und wieviel Reizgas eingeatmet wird, ob der
Betroffene den Atem anhält, das Gesicht wegdreht, es verdeckt, die Augen
schliesst oder sich sonstwie schützt. Die Beweiswürdigung, welche auf die
Aussagen des Beschwerdeführers und auf die medizinischen
Untersuchungsergebnisse abstellt, wonach die Bindehäute unmittelbar nach der
Verhaftung zwar wässrig, aber nicht gerötet waren, erweist sich als vertretbar
(Urteil des Kassationsgerichts S. 13 f., S. 16 mit Verweis auf das Urteil des
Obergerichts S. 10, S. 14). Somit ist von einer nicht starken
Reizgaskontamination auszugehen (angefochtenes Urteil S. 16), welche angesichts
der kurzen Schussdistanz nicht entscheidend war.

3.5
3.5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, auch der fünfte Schuss sei eine
Reaktion auf den Pfefferspray gewesen. Er sei in seiner Sicht behindert
gewesen, habe aber auch Probleme mit seiner Atmung gehabt. Diese körperlichen
Auswirkungen seien geeignet gewesen, ihn psychisch zu beeinflussen und
aggressives Verhalten, Panik oder Furcht zu verstärken. Sie seien für seine
Rückkehr zum Tatort wesentlich gewesen. Die neuen Vorbringen im Zusammenhang
mit der Atmung seien gestützt auf Art. 116 und Art. 118 BGG zuzulassen
(Beschwerde S. 13 f.).
3.5.2 Der Beschwerdeführer machte im kantonalen Verfahren Angaben zu den
Auswirkungen des Pfeffersprays in Bezug auf sein Sehvermögen. Eine
Beeinträchtigung seiner Atmung erwähnte er nach der Darstellung in der
Beschwerde nicht. Auch in den angefochtenen Urteilen des Kassationsgerichts und
des Obergerichts finden sich hierzu keine Ausführungen, weshalb diese nicht
Ursache für die Noven sein können. Die neue Tatsachenbehauptung, er habe
Atemprobleme gehabt, ist daher unzulässig (Art. 99 Abs. 1 BGG). Nicht
massgeblich sind die vom Beschwerdeführer angerufenen Bestimmungen zur
subsidiären Verfassungsbeschwerde (vgl. E. 1). Die kassationsgerichtliche
Würdigung, es sei vertretbar, dass das Obergericht den fünften Schuss nicht als
Reaktion auf den Pfefferspray werte, verletzt angesichts des körperlichen
Zustands des Beschwerdeführers nach der Tat (vgl. E. 3.4.3) keine
verfassungsmässigen Rechte (Art. 9 BV).
3.6
3.6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei willkürlich, dass sowohl das
Kassationsgericht als auch das Obergericht seine Aussage als lebensfremd
erachteten, er sei aus Angst vor einem weiteren Angriff zum Opfer zurückgekehrt
(Beschwerde S. 15 f.). Dabei werde nicht berücksichtigt, dass er mit einem
Pfefferspray angegriffen worden sei. Aufgrund seiner eingeschränkten Sicht habe
er nicht fliehen können. Ausserdem habe das Opfer ein Schlaginstrument bei sich
gehabt. Im Zeitpunkt seiner Umkehr habe er noch nicht gewusst, dass sein Gegner
kampfunfähig gewesen sei. Deshalb habe er sich mit seiner Waffe "aktiv
gewehrt". Das Kassationsgericht setze sich mit seinen Rügen nicht auseinander.
3.6.2 Nach den Erwägungen des Kassationsgerichts verliess der Beschwerdeführer
den Tatort, nachdem er aus einer kurzen Distanz mehrmals auf das Opfer
geschossen hatte und es nicht verfehlen konnte (vgl. Urteil des
Kassationsgerichts S. 14 f.; Urteil des Obergerichts S. 6 f., S. 9). Auch nach
seiner Vorstellung musste er das Opfer schwer verletzt haben. Entgegen der
Darstellung in der Beschwerde war es ihm möglich, sich unbehelligt kurzzeitig
vom Tatort zu entfernen. In diesem Zeitpunkt war der Angriff durch das Opfer
vorüber. Das Schlaginstrument sah der Beschwerdeführer nicht (Urteil des
Kassationsgerichts S. 12). Weil das Opfer im Zeitpunkt der Umkehr des
Beschwerdeführers nicht mehr auf diesen einwirkte, ist die Würdigung, die Angst
vor einem weiteren Angriff sei nicht der Grund für die Rückkehr zum Tatort
gewesen, vertretbar. Eine Verletzung des Willkürverbots ist nicht ersichtlich.

4.
4.1 Der Beschwerdeführer bestreitet die rechtliche Würdigung des
Tötungsdelikts. Es handle sich mangels besonderer Skrupellosigkeit nicht um
einen Mord im Sinne von Art. 112 StGB. Er habe nicht aus reiner Rachelust und
Wut gegenüber seiner früheren Freundin gehandelt. Die Schüsse seien eine
Reaktion auf den unrechtmässigen Angriff mit dem Pfefferspray. Damit sei ein
nachvollziehbares Motiv gegeben.

4.2 Eine vorsätzliche Tötung ist als Mord zu qualifizieren, wenn der Täter
besonders skrupellos handelt, namentlich wenn sein Beweggrund, der Zweck der
Tat oder die Art der Ausführung besonders verwerflich sind (Art. 112 StGB).
Mord zeichnet sich nach der Rechtsprechung durch eine aussergewöhnlich krasse
Missachtung fremden Lebens bei der Durchsetzung eigener Absichten aus. Für die
Qualifikation verweist das Gesetz in nicht abschliessender Aufzählung auf
äussere (Ausführung) und innere Merkmale (Beweggrund, Zweck). Diese müssen
nicht (alle) erfüllt sein, um Mord anzunehmen. Sie sollen vermeiden helfen,
dass allein auf die Generalklausel abgestellt werden muss. Die für eine
Mordqualifikation konstitutiven Elemente sind jene der Tat selber, während
Vorleben und Verhalten nach der Tat nur heranzuziehen sind, soweit sie
tatbezogen sind und ein Bild der Täterpersönlichkeit ergeben. Entscheidend ist
eine Gesamtwürdigung der äusseren und inneren Umstände der Tat. Eine besondere
Skrupellosigkeit kann beispielsweise entfallen, wenn das Tatmotiv einfühlbar
und nicht krass egoistisch war, so etwa wenn die Tat durch eine schwere
Konfliktsituation ausgelöst wurde. Für Mord typische Fälle sind die Tötung
eines Menschen zum Zwecke des Raubes, Tötungen aus religiösem oder politischem
Fanatismus oder aus Geringschätzung (BGE 127 IV 10 E. 1a S. 13 f. mit
Hinweisen).

4.3 Das Ende der Beziehung zu A.________ war für das Verhalten des
Beschwerdeführers in der Woche vor der Tat sowie am Tatabend bestimmend. Er
wollte seine Freundin um jeden Preis zurückgewinnen. Zu diesem Zweck drohte er
unbestrittenermassen eine Bluttat an. Am Tatabend ging er in die Offensive. Er
liess sich trotz der ablehnenden Haltung von A.________ nicht abweisen. Die
Waffe trug er bereits beim ersten Gespräch auf sich (Urteil des Obergerichts S.
7 bis S. 17, Urteil des Kassationsgerichts S. 10 ff.).

4.4 Die Rüge des Beschwerdeführers, das Obergericht berücksichtige die
Pfeffersprayattacke zu wenig, geht fehl, weil es insbesondere deshalb den
ersten Handlungsabschnitt noch nicht für die Mordqualifikation genügen lässt.
Auch wenn der Beschwerdeführer erst auf das Opfer schoss, als dieses den
Pfefferspray einsetzte, ändert dies an der Würdigung des Tatmotivs nichts.
Namentlich setzte er seine Todesdrohungen um, welche er im Hinblick auf das
Beziehungsende mit A.________ ausgestossen hatte. Auch als das schwer verletzte
Opfer wehrlos am Boden lag, liess er nicht von diesem ab, sondern kehrte zurück
und exekutierte es.

Angesichts der Tatumstände und des Tatmotivs durfte das Obergericht die
Skrupellosigkeit und damit den Tatbestand des Mordes bejahen, ohne Bundesrecht
zu verletzen.

5.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege ist ebenfalls abzuweisen, weil die Beschwerde
aussichtslos war (Art. 64 Abs. 1 BGG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird
der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG). Seinen angespannten
finanziellen Verhältnissen ist bei der Bemessung der Gerichtskosten angemessen
Rechnung zu tragen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'600.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Obergericht des Kantons Zürich, II.
Strafkammer, und dem Kassationsgericht des Kantons Zürich schrift lich
mitgeteilt.

Lausanne, 24. Januar 2012

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Mathys

Die Gerichtsschreiberin: Koch