Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.444/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_444/2010

Urteil vom 16. September 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Schneider, präsidierendes Mitglied,
Bundesrichter Mathys,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiberin Koch.

Verfahrensbeteiligte
X.________, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. Christoph Willi,
Beschwerdeführerin,

gegen

1. Swissmedic, Schweizerisches Heilmittelinstitut, Hallerstrasse 7, 3012 Bern,
2. Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Schützengasse 1, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerinnen.

Gegenstand
Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte
(Heilmittelgesetz); Willkür,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, Strafkammer, vom
1. März 2010.

Sachverhalt:

A.
Das Kantonsgericht St. Gallen verurteilte X.________ am 1. März 2010 im
Berufungsverfahren wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz vom 15. Dezember
2000 über Arzneimittel und Medizinprodukte (Heilmittelgesetz, HMG; SR 812.21)
zu einer Busse von Fr. 2'500.--.

B.
Gegen dieses Urteil erhebt X.________ Beschwerde in Strafsachen. Sie beantragt,
das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 1. März 2010 sei aufzuheben. Sie
sei vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz freizusprechen.
Eventualiter sei die Sache zur Vervollständigung der Akten an die Vorinstanz
zurückzuweisen.

Erwägungen:

1.
Die Vorinstanz geht davon aus, X.________ habe im Zeitraum vom 24. August 2002
bis 14. Juli 2005 als Verantwortliche der Y.________ AG an Dr. med. A.________
31 Medikamentenlieferungen im Rechnungsbetrag von Fr. 98'000.-- zugelassen. Ein
Grossteil dieser Medikamente gelte nicht als Bestandteil einer Notfallapotheke
und dürfe auch nicht im Rahmen der Direktversorgung abgegeben werden. Von den
zur Notfall- und Direktversorgung geeigneten Medikamenten sei eine Menge
geliefert worden, die ausserhalb des üblichen Rahmens liege. Die Lieferungen
verletzten Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG i.V.m. Art. 86 Abs. 1 lit. a HMG.

2.
2.1
2.1.1 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz verletze ihren Anspruch auf
rechtliches Gehör nach Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK. Sie habe dem Gutachter Dr.
med. C.________ keine Ergänzungsfragen stellen können. Gleichzeitig macht sie
eine Verletzung des Willkürverbots nach Art. 9 BV geltend. Sie habe in ihren
Eingaben vom 22. November 2007 und 21. April 2008 vor erster Instanz
Ergänzungsfragen beantragt, weshalb die anderslautende vorinstanzliche
Feststellung aktenwidrig sei (Beschwerde S. 9, S. 15 ff.).
2.1.2 Die Vorinstanz erwägt, im erstinstanzlichen Verfahren sei von Dr. med.
C.________ ein Gutachten erstellt worden, welches vom 30. Januar 2008 datiere.
Dieses sei der Beschwerdeführerin am 7. Februar 2008 zur Stellungnahme
zugestellt worden. Ergänzungsfragen an den Gutachter habe sie keine verlangt.
Die erste Instanz habe sodann ein Ergänzungsgutachten eingeholt, welches den
Parteien am 13. Januar 2009 zur Stellungnahme übermittelt worden sei. Die
Beschwerdeführerin habe sich am 19. Februar 2010 (recte: 2009) zum
Ergänzungsgutachten geäussert, ohne Ergänzungsfragen zu beantragen. Sie habe
vor erster Instanz keinen form- und fristgerechten Antrag auf Ergänzungsfragen
gestellt. Auch im Berufungsverfahren, wo die Beweisanträge schriftlich
anzumelden seien, habe die Beschwerdeführerin keine Ergänzungsfragen beantragt
(angefochtenes Urteil S. 6 f.).
2.1.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können Verfahrensmängel im
Rechtsmittelverfahren geheilt werden, wenn die Rechtsmittelinstanz über
dieselbe Kognition verfügt, wie die erste Instanz und dem Beschwerdeführer
daraus kein Nachteil erwächst. Ausgeschlossen ist die Heilung bei besonders
schwerwiegenden Verletzungen der Parteirechte (BGE 133 I 201 E. 2.2 S. 204 f.
mit Hinweis).
Gemäss Art. 238 des Strafprozessgesetzes des Kantons St. Gallen vom 1. Juli
1999 (StPO/SG: sGS 962.1) können mit der Berufung alle Mängel des Verfahrens
geltend gemacht werden. Ausgenommen sind Verfahrensmängel, die mit Beschwerde
hätten gerügt werden können, soweit sie sich auf das Untersuchungsverfahren
erstrecken (Abs. 1). Neue Tatsachen und Beweismittel werden zugelassen, soweit
sie nicht missbräuchlich zurückgehalten worden sind (Abs. 2). Dabei erhalten
die Parteien Gelegenheit, mit schriftlicher Eingabe die Berufung zu begründen,
Gegenbemerkungen anzubringen und Beweisanträge zu stellen (Art. 242 Abs. 1 StPO
/SG).
2.1.4 Die Vorinstanz verfügt über dieselbe Kognition wie die erste Instanz,
weshalb eine Heilung von Verfahrensmängeln im erstinstanzlichen Verfahren
möglich ist (vgl. Art. 238 StPO/SG), sofern diese rechtzeitig geltend gemacht
werden. Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin stellte in der
Berufungsbegründung keine Ergänzungsfragen zum Gutachten von Dr. med.
C.________ und erwähnte auch keine Ausstandsgründe. Hingegen verlangte sie die
Befragung von Dr. pharm. B.________ als Sachverständigen (act. B/9 S. 2 bis S.
4). Dies zeigt, dass ihr die Formvorschriften des kantonalen Rechts zum
Zeitpunkt, in welchem sie Beweisergänzungen beantragen musste, bekannt waren.
Die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie die
Beweisergänzungsanträge brachte sie vor Vorinstanz erstmals im mündlichen
Plädoyer vor (act. B/32). Diese hätten nach Art. 242 Abs. 1 StPO/SG bereits mit
der Berufungsbegründung geltend gemacht werden müssen und erweisen sich als
verspätet. Nichts daran ändert der Umstand, dass die Beschwerdeführerin im
erstinstanzlichen Verfahren vor Kreisgericht Rheintal Ergänzungsfragen zum
Gutachten stellte, welche dieses nicht berücksichtigte. Die Rüge der
Beschwerdeführerin zielt nicht auf eine Verletzung des Anspruchs auf ein faires
Verfahrens, sondern auf eine willkürliche Anwendung kantonalen Rechts ab. Sie
substanziiert jedoch nicht näher, inwiefern die Vorinstanz kantonales Recht
schlechterdings unhaltbar angewendet hätte. Ihre Rüge genügt den
Begründungsanforderungen von Art. 106 Abs. 2 BGG nicht, weshalb darauf nicht
einzutreten ist (vgl. BGE 136 I 65 E. 1.3.1 S. 68 mit Hinweisen).
2.2
2.2.1 Weiter rügt die Beschwerdeführerin die Verletzung des rechtlichen Gehörs
im Zusammenhang mit den Aussagen von Dr. pharm. B.________. Die Vorinstanz habe
auf dessen Aussagen nicht abstellen dürfen. Sie habe beantragt, dass Dr.
B.________ persönlich befragt werde. Die Vorinstanz habe ihr verweigert, Dr.
B.________ Ergänzungsfragen zu stellen. Ihre Beweisanträge seien für die Frage
relevant, ob anhand des Umsatzes der ärztliche Bedarf an Medikamenten für die
Notfall- und Direktversorgung beurteilt werden könne. (Beschwerde S. 16 f.)
2.2.2 Die Vorinstanz erwägt, es sei nicht ersichtlich, was eine Befragung von
Dr. B.________ am Beweisergebnis ändern könnte. Denn dessen Einschätzungen
lägen in Form eines ausführlichen Befragungsprotokolls vom 20. März 2003 (Akten
des Bezirksgerichts Zürich, GU030174, act. 59 S. 3) vor. Die Fragen der
Verteidigung zielten auf die Praxis der Heilmittelkontrolle des Kantons Zürich,
für welche Dr. B.________ seit Frühjahr 2007 nicht mehr tätig sei.
2.2.3 Aus den Vorakten ergibt sich, dass Dr. B.________ es ablehnte, im
erstinstanzlichen Verfahren vor Kreisgericht Rheintal als Sachverständiger
befragt zu werden. Die Beschwerdeführerin, welche auf diesen Umstand aufmerksam
gemacht wurde, beantragte mit Eingabe vom 27. August 2007, eventualiter seien
anstelle einer persönlichen Einvernahme von Dr. B.________ die Akten des
Bezirksgerichts Zürich, GU030174 beizuziehen. Dr. B.________ habe dort zu allen
interessierenden Fragen ausgesagt. Ersatzweise sei auf diese Aussagen
abzustellen (Vorakten act. 26, act. 30). Dr. B.________ wurde daraufhin nicht
als Zeuge befragt, sondern die Vorinstanz zog die von der Beschwerdeführerin
beantragten Akten bei. Die Beschwerdeführerin verzichtete in ihrem
Eventualstandpunkt ausdrücklich auf eine Einvernahme von Dr. B.________ sowie
auf Ergänzungsfragen. Sie verhält sich widersprüchlich, wenn sie heute geltend
macht, ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei durch die unterbliebene
Einvernahme von Dr. B.________ verletzt worden. In Anbetracht der Weigerung von
Dr. B.________ vor erster Instanz auszusagen und dem Einverständnis der
Beschwerdeführerin, auf dessen protokollierte Aussagen in einem anderen
Verfahren abzustellen, verletzt die Ablehnung des Beweisantrags durch die
Vorinstanz den Anspruch auf rechtliches Gehör nicht.
2.3
2.3.1 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz verletze ihren Anspruch auf
rechtliches Gehör auch dadurch, dass sie auf Aussagen von Dr. A.________
abstelle, welche dieser in seinem eigenen Strafverfahren gemacht habe. Sie habe
weder Ergänzungsfragen stellen, noch zu dessen Aussagen Stellung zu nehmen
können. Dr. A.________ sei gemäss Art. 82 Abs. 1 StPO/SG als Zeuge
einzuvernehmen. Seine Aussagen würden das zentrale Thema des Verfahrens
betreffen (Beschwerde S. 18 f.). Die Vorinstanz wende insoweit kantonales
Prozessrecht willkürlich an (Beschwerde S. 18 f.).
2.3.2 Die Vorinstanz erwägt zum subjektiven Tatbestand, Dr. A.________ habe in
der polizeilichen Einvernahme vom 18. Oktober 2007 ausgesagt, es seien nie
Nachfragen des Pharmalieferanten bezüglich der von ihm bestellten
Betäubungsmittel oder seiner Bewilligungen gekommen. Man habe ihm geliefert,
was er bestellt habe (angefochtenes Urteil S. 10).
2.3.3 Die Beschwerdeführerin räumt in der Beschwerdeschrift indirekt selbst
ein, sie habe die Arzneimittellieferungen an Dr. A.________ nicht geprüft. Denn
sie geht davon aus, eine Prüfung sei ihr angesichts der grossen Anzahl der
täglichen Lieferungen nicht zumutbar gewesen (Beschwerde S. 22) bzw. sie habe
sich über ihre Pflicht zur Prüfung der Lieferungen geirrt (Beschwerde S. 41
f.). Unter diesen Umständen ist die Beschwerdeführerin durch die Aussagen von
Dr. A.________ nicht beschwert (Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG e contrario). Im
Übrigen legt sie nicht dar, welche entscheidwesentlichen Fragen sie an Dr.
A.________ hätte richten wollen, nachdem sie den Umfang sowie die Zeitpunkte
der Medikamentenlieferungen nicht bestreitet. Eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör ist nicht ersichtlich. Soweit die Beschwerdeführerin die
Verletzung kantonalen Rechts rügt (Art. 82 StPO/SG), genügt sie den
Begründungsanforderungen von Art. 106 Abs. 2 BGG nicht (BGE 136 I 65 E. 1.3.1
S. 68 mit Hinweisen). Die Rüge ist verfehlt, soweit darauf einzutreten ist.

3.
3.1
3.1.1 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz stelle den Sachverhalt
willkürlich fest (Art. 9 BV). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz habe Dr.
B.________ nicht ausgesagt, die Grenze für zulässige Lieferungen liege für
einen Hausarzt im Bereich von wenigen tausend Franken. Er habe sich auf die
Frage, ob es eine herrschende oder ständige Praxis der kantonalen
Heilmittelkontrolle gebe oder Richtlinien existierten, geantwortet, es gebe
weder eine Praxis noch Richtlinien. Bis vor einigen Jahren habe sich das
Problem gar nicht gestellt. Bei Limiten könne es sich lediglich um eine
Faustregel handeln. Die zulässige Grenze variiere von Praxis zu Praxis, je
nachdem, welche Tätigkeit ein Arzt ausführe. Bei einem Allgemeinpraktiker wie
dem zur Diskussion stehenden Arzt (um welches sich das dortige Verfahren
drehte) sei die Grenze relativ tief. Bei einem Spezialisten für Krebserkrankung
könne diese um die Fr. 50'000.-- betragen, da Arzneimittel und Spritzen
initiiert würden, wobei noch nicht von einer Privatapotheke gesprochen werden
könne. Aus diesen Aussagen von Dr. B.________ liessen sich keine bestimmten
Kriterien ableiten (Beschwerde S. 11 f.).
3.1.2 Die Vorinstanz erwägt, Dr. A.________ habe gemäss der geltenden Regelung
nur mit Medikamenten für Notfalleinsätze sowie für die sogenannte
"Direktversorgung" beliefert werden dürfen. Die an Dr. A.________ gelieferten
Mengen seien gemäss Gutachten weit ausserhalb derjenigen Mengen gelegen, die im
Rahmen einer Notfall- bzw. Direktversorgung in einer ambulanten psychiatrischen
Praxis auf Stadtgebiet üblich sind (angefochtenes Urteil S. 8). Appetitzügler,
Abführmittel, Tropfen gegen übermässigen Haarausfall, Tabletten zur Senkung der
Blutfettwerte sowie gegen Nikotinabhängigkeit und Erektionsstörungen würden
offenkundig nicht zur Notfall- oder Direktversorgung durch einen Psychiater
gehören.
3.1.3 Gemäss Art. 9 BV hat jede Person Anspruch darauf, von den staatlichen
Organen ohne Willkür behandelt zu werden. Willkürlich ist ein Entscheid nicht
schon, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar
vorzuziehen wäre, sondern erst, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur
tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen
unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt nur vor, wenn nicht bloss
die Begründung eines Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist. Das
Bundesgericht hat die Voraussetzungen an die Begründungspflicht einer
Willkürrüge und wann Willkür vorliegt, bereits mehrfach dargelegt. Darauf kann
verwiesen werden (BGE 134 II 244 E. 2.1 und 2.2 S. 245 f.; 132 I 175 E. 1.2 S.
177; je mit Hinweisen).
3.1.4 Die Vorinstanz orientiert sich bei der Frage, ob die
Medikamentenlieferungen an Dr. A.________ der Notfall- oder Direktversorgung
bzw. dessen Selbstmedikation gedient haben, am Gutachten von Dr. C.________
(angefochtenes Urteil S. 8 mit Verweis auf das Gutachten act. 47 S. 14),
welches die Beschwerdeführerin nicht beanstandet. Die Aussagen von Dr.
B.________ zieht sie nur insoweit heran, als dass sie das Vorgehen beschreibt,
wie eine betriebsinterne Grenze als Kontrollmechanismus festgesetzt werden
könnte. Dass der von der Vorinstanz festgestellte Sachverhalt (auch) im
Ergebnis willkürlich sein sollte, ist nicht ersichtlich.
3.2
3.2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz gehe in
willkürlicher Weise davon aus, die Sachverhaltsfeststellungen des Kreisgerichts
seien unbestritten. Insbesondere habe sie immer ausgesagt, die an Dr.
A.________ gelieferten Arzneimittel könnten der Abgabe in Notfällen oder der
Direktversorgung dienen (Beschwerde S. 12 ff.). Entgegen der Annahme der
Vorinstanz könne nicht für jedes Medikament zweifelsfrei entschieden werden, ob
es der Notfall- oder Direktversorgung diene. Der Gutachter Dr. C.________ habe
diese Frage anders beurteilt als Dr. pharm. D.________, welcher sich in den
Vorakten der Swissmedic dazu geäussert habe. Dr. D.________ ordne zwei
Medikamente der Notfall- bzw. Direktversorgung zu. Nach Dr. C.________ dienten
zwölf Arzneimittel dem Notfallbedarf und 43 Arzneimittel der Direktversorgung.
Im Ergänzungsgutachten habe Dr. C.________ weitere Medikamente der Notfall- und
Direktversorgung zugeordnet (Beschwerde S. 14).
3.2.2 Sowohl der Gutachter Dr. C.________ als auch Dr. D.________ sprechen
zahlreichen Medikamenten, mit welchen Dr. A.________ beliefert wurde, die
Zwecktauglichkeit zur Notfall- bzw. Direktversorgung ab. Die Vorinstanz geht
von einem für die Beschwerdeführerin günstigeren Sachverhalt (nach dem
Grundsatz in dubio pro reo) aus, indem sie in Zweifelsfällen die Medikamente
der Notfall- und Direktversorgung zuschreibt. Dabei stützt sie sich auf ein
Gutachten einer fachlich qualifizierten Person. Eine willkürliche
Sachverhaltsfeststellung ist nicht ersichtlich.

4.
4.1
4.1.1 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz verstosse mehrfach gegen die
Begründungspflicht. Sie stelle höhere Anforderungen an die Sorgfaltspflicht als
das Bezirksgericht Zürich in einem vergleichbaren Fall. Die Vorinstanz begründe
nicht, weshalb Ziff. 17 der Leitlinie zu ihren Sorgfaltspflichten gehöre und
weshalb sie dagegen sowie gegen Art. 80c der EU-Richtlinie 2001/83/EG
verstossen habe. Es fehle weiter an einer Begründung, warum ihr die aufwändige
Prüfung jedes Arzneimittels zumutbar sei. Dabei sei zu berücksichtigen, dass
die Y.________ AG rund 700 Ärzte täglich mit Arzneimitteln beliefere
(Beschwerde S. 20 ff.).
4.1.2 Die Vorinstanz erwägt, Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG sehe eine Bestrafung von
Personen vor, die vorsätzlich den Umgang mit Heilmitteln nach Art. 86 Abs. 1
lit. a HMG verletzen, ohne die Gesundheit von Menschen konkret zu gefährden. Zu
diesen Sorgfaltspflichten zählten die Regeln der "guten Grosshandelspraxis"
nach Art. 29 Abs. 1 HMG und Art. 3 HMG. Für die Regeln der "guten
Grosshandelspraxis" verweise Art. 9 Abs. 2 der Verordnung vom 17. Oktober 2001
über die Bewilligungen im Arzneimittelbereich
(Arzneimittel-Bewilligungsverordnung, AMBV; SR. 812.212.1) auf die Regeln der
"guten Vertriebspraxis" (Anhang 2 lit. a und b AMBV). Diese Normen verwiesen
weiter auf Art. 76 bis Art. 84 der Richtlinie 2001/83/EG des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 6. November 2001 sowie die Leitlinien 94/C 63/03
für die "Gute Vertriebspraxis" von Humanarzneimitteln. Art. 80 lit. c der
Richtlinie entspreche Ziff. 17 der Leitlinie. Danach dürfe der Inhaber einer
Grosshandelsbewilligung Arzneimittel nur an Personen liefern, die entweder
selbst Inhaber einer Grosshandelsgenehmigung seien oder die in dem betreffenden
Mitgliedstaat zur Abgabe von Arzneimitteln an die Öffentlichkeit ermächtigt
oder befugt seien. Die Y.________ AG sei während des zu beurteilenden Zeitraums
als Grosshändlerin aufgetreten (Art. 2 lit. e AMBV).
Ärzte dürften verschreibungspflichtige Arzneimittel abgeben, wenn sie zur
Selbstdispensation berechtigt seien (Art. 24 HMG). Ob und unter welchen
Bedingungen ein Arzt zur Selbstdispensation (d.h. zur Abgabe eines
verschreibungspflichtigen Arzneimittels durch die Medizinalperson selbst; vgl.
HEIDI BÜRGI, in: Basler Kommentar Heilmittelgesetz, 2006, N. 15 zu Art. 24 HMG)
berechtigt sei, regle das kantonale Recht, was sich aus Art. 37 Abs. 3 KVG, aus
der Botschaft zum Heilmittelgesetz sowie einschlägigen Kommentarstellen ergebe.
Das zürcherische Gesundheitsgesetz vom 4. November 1962 (LS 810.0, aGesG/ZH,
aufgehoben per 1. Juli 2008) habe die Selbstdispensation in den Städten
Winterthur und Zürich generell verboten. Ein Gesuch von Dr. A.________ um
Führung einer Privatapotheke sei im Jahr 2005 abgewiesen worden. Er habe für
den fraglichen Zeitraum über keine Selbstdispensationsbewilligung verfügt. Es
sei ihm nach der Praxis des Verwaltungsgerichts Zürich lediglich gestattet
gewesen, in Notfällen und für die sogenannte "Direktversorgung" (d.h. in
Notfällen, in welchen der Arzt selbst Medikamente verabreicht bzw. am Patienten
anwendet, vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 23.
Oktober 2003, VB.2002.00147, E. 4c und d) direkt Medikamente an Patienten
abzugeben. Die Lieferberechtigung des Grosshändlers, d.h. der Y.________ AG,
orientiere sich an der Abgabeberechtigung des Empfängers. § 33 aGesG/ZH habe
zudem bestimmt, dass Arzneimittel von einem Grosshändler nur an Personen hätten
geliefert werden dürfen, die befugt gewesen seien, sie weiterzugeben oder
anzuwenden. Im Umfang der Abgabeberechtigung sei es rechtlich zulässig gewesen,
Dr. A.________ mit Medikamenten zu beliefern.
Zwar existierten keine allgemeingültigen Listen mit Arzneimitteln für die
Notfall- und Direktversorgung. Dafür sei die Fachrichtung des Arztes
entscheidend, und es bestehe ein gewisser Ermessensspielraum. Die
Beschwerdeführerin verfüge aber als fachtechnisch verantwortliche Person der
Y.________ AG über die notwendige Ausbildung, Sachkenntnis und Erfahrung, da
sie Inhaberin eines Apothekerdiploms bzw. einer gleichwertigen Ausbildung sein
müsse (Art. 10 Abs. 2 und Art. 5 AMBV). Die an Dr. A.________ gelieferten
Medikamente lägen gemäss Gutachten weit ausserhalb der für die Notfall- bzw.
Direktversorgung üblichen Mengen. Beispielsweise gehörten Appetitzügler,
Abführmittel, Tropfen gegen Haarausfall, Tabletten zur Senkung der
Blutfettwerte, gegen Nikotinabhängigkeit und Erektionsstörungen nicht zur
Notfall- bzw. Direktversorgung durch einen Psychiater, was für die
Beschwerdeführerin ohne weiteres erkennbar gewesen sei.
4.1.3 Die Beschwerdeführerin hatte als fachtechnisch verantwortliche Person den
sachgemässen Umgang mit Arzneimitteln sicherzustellen (vgl. Art. 5 Abs. 1
AMBV). Die von ihr anzuwendende Sorgfaltspflicht ergibt sich aus den im
angefochtenen Entscheid dargelegten gesetzlichen Bestimmungen. Diese legt die
Vorinstanz so aus, dass die Beschwerdeführerin nur in jenem Umfang Medikamente
an Dr. A.________ liefern darf, in welchem dieser im Rahmen der Notfall- und
Direktversorgung abgabeberechtigt ist. Die Vorinstanz setzt sich mit den
anwendbaren Normen auseinander, so auch mit Ziff. 17 der Leitlinie 94/C 63/03
für die "Gute Vertriebspraxis" von Humanarzneimitteln. Indem sie die
Verurteilung bestätigt, übernimmt sie implizit die Argumentation der
vorangehenden Entscheide, insbesondere jene der Strafverfügung der Swissmedic
vom 11. September 2006. Daraus ergibt sich, dass die fachtechnisch
verantwortliche Person die gesundheitspolizeiliche Verantwortung für die
Sicherheit der hergestellten und freigegebenen Arzneimittel trägt, weil sie
betriebsintern für die Einhaltung der Regeln der "Guten Vertriebspraxis"
verantwortlich ist (Art. 5, 10 und 14 AMBV). Sie muss nach Ziff. 6 der
Leitlinie 94/C 63/03 die betrieblichen Arbeitsvorgänge überwachen, so etwa die
Annahme und Kontrolle der Lieferungen, die Entnahme aus dem Verkaufslager und
die Dokumentation der Kundenaufträge (vgl. Strafverfügung der Swissmedic vom
11. September 2006 S. 5 ff.). Eine Verletzung der Begründungspflicht ist nicht
ersichtlich. Insbesondere musste die Vorinstanz weder die gegenüber einem
Zürcher Urteil abweichende Auffassung noch die Zumutbarkeit einer Überprüfung
der Medikamentenlieferungen begründen, weil sich die Prüfungspflicht, welche
die Beschwerdeführerin nach dem vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt weder
persönlich noch durch Delegation an fachlich geeignete Personen wahrgenommen
hat (angefochtenes Urteil S. 6 bis 8), aus dem Gesetz ableiten lässt. Soweit
die Beschwerdeführerin eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes im
Zusammenhang mit der Frage geltend macht, ob ihr eine Überprüfung der
Medikamentenlieferungen zumutbar sei (Art. 63 Abs. 2 StPO/SG), genügt sie den
Begründungsanforderungen nicht. Darauf ist nicht einzutreten (vgl. BGE 136 I 65
E. 1.3.1 S. 68 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz begründe nicht, weshalb sie
durch die beanstandeten Lieferungen zumindest eine abstrakte Gesundheitsgefahr
geschaffen habe (Beschwerde S. 23 f.).
4.2.2 Nach Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG macht sich strafbar, wer die Tatbestände
nach Art. 86 Abs. 1 erfüllt, ohne dass dadurch die Gesundheit von Menschen
gefährdet wird. Art. 86 Abs. 1 lit. a HMG stellt die Verletzung von
Sorgfaltspflichten im Umgang mit Heilmitteln unter Strafe. Die in Art. 86 Abs.
1 lit. a HMG geregelte Tatbestandsvariante bezieht sich auf die generelle
Sorgfaltspflicht nach Art. 3 HMG, welche zumindest eine abstrakte
Gesundheitsgefährdung voraussetzt (BENEDIKT A. SUTER, Basler Kommentar
Heilmittelgesetz, 2006, N. 34 zu Art. 87 HMG).
4.2.3 Die Vorinstanz bejaht implizit eine abstrakte Gesundheitsgefährdung,
indem sie die Sorgfaltspflichtverletzung nach Art. 3 HMG i.V.m. Art. 29 HMG als
gegeben erachtet (vgl. angefochtenes Urteil S. 3 ff.), bzw. indem sie den
Tatbestand von Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG i.V.m. Art. 86 Abs. 1 lit. a HMG
bejaht. Eine weitergehende Auseinandersetzung mit möglichen Gesundheitsgefahren
ist nicht erforderlich. Denn die Vorschriften des Heilmittelgesetzes dienen
dazu, die Gesundheit von Mensch und Tier zu schützen (Art. 1 Abs. 1 HMG). Wird
eine solche Vorschrift (wie die Regeln der "Guten Vertriebspraxis", wonach der
Grosshändler nur Medikamente weitergeben darf, soweit eine Abgabeberechtigung
besteht, vgl. Art. 3 HMG i.V.m. Art. 29 Abs. 1 und Abs. 2 HMG i.V.m. Art. 9
Abs. 2 AMBV i.V.m. Anhang 2 lit. a und b AMBV i.V.m. Art. 80 lit. c der
Richtlinie 2001/83/EG und Ziff. 17 der Leitlinie 94/C 63/03) verletzt, ist
davon auszugehen, dass eine abstrakte Gefahr für die Gesundheit anderer gegeben
ist. Dies gilt insbesondere, weil durch die ärztliche Abgabe von Medikamenten
die im Kanton Zürich zur Tatzeit gesetzlich vorgesehene, doppelte Kontrolle
durch Arzt und Apotheker ausgeschaltet wird und die Medikamentenabgabe nicht
zum Kerngeschäft eines Arztes zählt (vgl. BGE 131 I 205 E. 3.2 S. 214 ff.; § 7
Abs. 1 lit. c, 1 17, 1 33 und § 65 aGesG/ZH; HEIDI BÜRGI, Basler Kommentar
Heilmittelgesetz, 2006, N. 11 zu Art. 24 HMG).

5.
5.1 Die Beschwerdeführerin rügt, die Verurteilung verletze die derogatorische
Kraft des Bundesrechts. Das Heilmittelgesetz regle den Umgang mit Arzneimitteln
und Medizinprodukten abschliessend. Es bestehe kein Raum für ergänzendes oder
konkurrierendes kantonales Recht in Bezug auf den Grosshandel mit
Arzneimitteln. Die Vorinstanz verstosse gegen Art. 49 Abs. 1 BV, indem sie § 33
aGesG/ZH anwende (Beschwerde S. 26 f.).

5.2 Die Vorinstanz erwägt, das zürcherische Gesundheitsgesetz habe die
Selbstdispensation durch Ärzte in den Städten Zürich und Winterthur generell
verboten (§ 17 aGesG/ZH). Dr. A.________ habe für den fraglichen Zeitraum über
keine Selbstdispensationsbewilligung verfügt. Aus § 33 aGesG/ZH ergebe sich,
dass nicht jeder Arzt in den Städten Winterthur und Zürich mit jeglichen
Arzneimitteln habe beliefert werden dürfen. Zulässig gewesen sei nur die
Lieferung solcher Arzneimittel, für die auch eine Abgabeberechtigung des Arztes
bestanden habe (angefochtenes Urteil S. 5).

5.3 Die Vorinstanz zieht § 33 aGesG/ZH für die Beurteilung der Frage heran, ob
und in welchem Rahmen Dr. A.________ als Arzt direkt Medikamente an Patienten
abgeben durfte. Die Regelung der Selbstdispensation ist nicht Gegenstand des
Heilmittelgesetzes (Botschaft vom 1. März 1999 zu einem Bundesgesetz über
Arzneimittel und Medizinprodukte, BBl 1999 3453 ff. Ziff. 22.03.4). Unter
diesen Umständen verstösst es nicht gegen die derogatorische Kraft des
Bundesrechtes, wenn die Vorinstanz hinsichtlich der Zulässigkeit der
Selbstdispensation kantonales Recht anwendet.

6.
6.1 Die Beschwerdeführerin rügt, es fehle an einer genügenden gesetzlichen
Grundlage zu ihrer Verurteilung. Art. 86 Abs. 1 lit. a HMG sanktioniere
lediglich Sorgfaltspflichten, welche im Heilmittelgesetz selbst verankert
seien, was sich aus dem Legalitätsprinzip ergebe. Es genüge nicht, wenn die
Sorgfaltspflichten erst in den Ausführungsvorschriften zum Heilmittelgesetz
bzw. in ausländischen Verhaltensnormen, wie Ziff. 17 der Leitlinie oder Art.
80c der EU-Richtlinie, begründet würden. Im Übrigen seien die Leitlinie und die
EU-Richtlinie ungenügend bestimmt (Beschwerde S. 28 f.).

6.2 Der Grundsatz der Legalität ("nulla poena sine lege") ist in Art. 1 StGB
und Art. 7 EMRK verankert. Er ist verletzt, wenn ein Bürger wegen einer
Handlung, die im Gesetz überhaupt nicht als strafbar bezeichnet ist,
strafrechtlich verfolgt wird, oder wenn eine Handlung, derentwegen ein Bürger
strafrechtlich verfolgt wird, zwar in einem Gesetz mit Strafe bedroht ist,
dieses Gesetz selber aber nicht als rechtsbeständig angesehen werden kann, oder
endlich, wenn der Richter eine Handlung unter ein Strafgesetz subsumiert, die
darunter auch bei weitestgehender Auslegung nach allgemeinen strafrechtlichen
Grundsätzen nicht subsumiert werden kann (BGE 112 Ia 107 E. 3a S. 112 mit
Hinweis). Das Bestimmtheitsgebot als Teilgehalt des Legalitätsprinzips verlangt
eine hinreichend präzise Umschreibung der Straftatbestände (vgl. BGE 117 Ia 472
E. 4c S. 489).

6.3 Der Beschwerdeführerin wird ein Verstoss gegen die Regeln der guten
Vertriebspraxis nach Art. 29 Abs. 1 HMG (i.V.m. Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG
i.V.m. Art. 86 Abs. 1 lit. a HMG i.V.m. Art. 3 HMG) zur Last gelegt. Die Regeln
der "Guten Vertriebspraxis" werden im Verordnungsrecht konkretisiert (vgl. Art.
29 Abs. 2 HMG, Art. 9 Abs. 2 AMBV, Anhang 2 lit a und b AMBV, Art. 80 lit. c
der Richtlinie 2001/83/EG und Ziff. 17 der Leitlinie 94/C 63/03). Daraus ergibt
sich, dass Grosshändler nur Medikamente an Personen abgeben dürfen, welche
ihrerseits berechtigt sind, diese weiterzugeben. Die Zulässigkeit der
Selbstdispensation durch Ärzte wird vom kantonalen Recht geregelt. Nach § 7
Abs. 1 lit. c aGesG/ZH war im massgebenden Zeitraum eine Bewilligung
erforderlich, um Arzneimittel im Gross- oder Kleinhandel abzugeben. Nur Ärzten
ausserhalb der Stadt Zürich und Winterthur wurde eine solche Bewilligung zur
Führung einer Privatapotheke erteilt (vgl. § 17 aGesG/ZH). Ansonsten war die
Abgabe von Arzneimittel an Verbraucher auf Apotheken beschränkt (§ 65 Abs. 1
aGesG). Nach der gesetzlichen Regelung durften Ärzte in der Stadt Zürich
grundsätzlich keine Medikamente an Patienten abgeben. Zu diesen Ärzten zählte
Dr. A.________, welchem nach den vorinstanzlichen Feststellungen das Führen
einer Privatapotheke verweigert wurde. Die entsprechende gesetzliche Regelung,
welche ein generelles Abgabeverbot für Ärzte in der Stadt Zürich statuierte,
ist hinreichend klar und verstösst nicht gegen das Legalitätsprinzip. Nichts
daran ändert die Tatsache, dass das Abgabeverbot in der Praxis aufgrund eines
Verwaltungsgerichtsentscheids (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Zürich vom 23. Oktober 2003, VB.2002.00147, E. 4c und d) im Einzelfall, vorab
bei Notfällen, gelockert wurde.

7.
7.1 Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss geltend, der objektive Tatbestand
von Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG i.V.m. Art. 86 Abs. 1 lit. a HMG sei nicht
erfüllt. Sie verletze weder die Regeln der "Guten Grosshandelspraxis" noch
Ziff. 17 der Leitlinie 94/C 63/03. Die Zürcher Ärzte, welche berechtigt seien,
in bestimmten Fällen Arzneimittel an die Bevölkerung abzugeben, dürften auch
mit Arzneimitteln beliefert werden. Ziff. 17 der Leitlinie verbiete nicht
jegliche Belieferung von Ärzten mit Arzneimitteln, sondern nur die Belieferung
von Personen, die generell nicht zur Abgabe berechtigt seien. Sie habe geprüft,
ob Dr. A.________ Inhaber einer Bewilligung zur Ausübung des ärztlichen Berufs
sei. Eine Sorgfaltspflichtverletzung könne ihr nicht vorgeworfen werden. Es
könne ihr auch nicht angelastet werden, dass sie keine internen Direktiven
erlassen habe, denn mit solchen lasse sich nicht gewährleisten, dass ein Arzt
nur in zulässigem Umfang beliefert werde. Die Arzneimittel liessen sich weder
nach dem Namen noch nach dem Warenwert einschränken, denn diese Kriterien
hingen von der Grösse der ärztlichen Praxis, des Fachgebiets, der
Zusammensetzung der Patienten, der Präferenzen des Arztes und der Häufigkeit
von Notfällen ab. Eine Verurteilung wäre zudem unverhältnismässig, da die
Prüfung in jedem Einzelfall, ob ein Arzt Medikamente im Rahmen der Notfall-
oder Direktversorgung abgeben dürfe, nicht erforderlich sei, um eine Gefährdung
von Mensch und Tier zu vermeiden. Eine Prüfung jedes Einzelfalls sei weder
verhältnismässig noch zumutbar. Denn jeder Kanton verfüge über eine andere
Bewilligungspraxis. Insbesondere im Kanton Zürich sei die Rechtslage äusserst
kontrovers und habe sich wiederholt geändert. Schliesslich fehle es an einer
abstrakten Gesundheitsgefährdung. Die Einschränkung der Medikamentenabgabe
durch Ärzte sei ausschliesslich politisch motiviert (Be-schwerde S. 29 ff.).

7.2 Zu den anwendbaren Bestimmungen kann auf die zutreffenden Ausführungen des
angefochtenen Entscheids verwiesen werden (vgl. E. 4.1.2). Die
Beschwerdeführerin hat die Bestellungen des in der Stadt Zürich praktizierenden
Psychiaters Dr. med. A.________ nach den unbestrittenen vorinstanzlichen
Feststellungen nicht persönlich kontrolliert (angefochtenes Urteil S. 6) und
auch nicht durch Weisungen sichergestellt, dass die Lieferungen von Fachleuten
mit ausreichender Qualifikation geprüft werden (angefochtenes Urteil S. 7 f.).
Vom 24. August 2002 bis 14. Juli 2005 wurde Dr. A.________ 31 Mal mit
Medikamenten im Gesamtwert von Fr. 98'000.-- beliefert. Diese
Medikamentenlieferungen liegen gemäss dem von der Vorinstanz erstellten
Gutachten, sowohl hinsichtlich der Medikamentenpalette als auch hinsichtlich
des Umfangs der als Notfallmedikamente einsetzbaren Präparate, weit über dem
Ausmass, welches für eine Arztpraxis zur Notfall- bzw. Direktversorgung üblich
ist.
Die Argumentation der Beschwerdeführerin, eine Überprüfung der
Medikamentenlieferungen sei ihr nicht zumutbar bzw. wirtschaftspolitisch
motiviert, ist nicht stichhaltig. Das Bundesgericht hat die entsprechende
kantonale Regelung geschützt (BGE 131 I 205 E. 3 S. 214 ff.). Der kantonale
Gesetzgeber hat sich für ein grundsätzliches Abgabeverbot durch Ärzte in der
Stadt Zürich entschieden, dessen Einhaltung die Beschwerdeführerin nach den
Regeln der "Guten Vertriebspraxis" hätte sicherstellen sollen (Art. 3 HMG
i.V.m. Art. 29 Abs. 1 HMG Art. 9 Abs. 2 AMBV i.V.m. Anhang 2 lit. a und b AMBV
i.V.m Art. 80 lit. c der Richtlinie 2001/83/EG und Ziff. 17 der Leitlinie 94/C
63/03, § 33 und § 65 Abs. 1 aGesG). Dieses Verbot dient dazu, die Sicherheit
der Patienten bei der Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente zu
gewährleisten. Denn damit wird die Medikation zweifach, nämlich durch einen
Arzt und einen studierten Apotheker fachgerecht und aus mehreren Perspektiven
geprüft. Nur in Notfällen sowie ausserhalb der Städte Zürich und Winterthur
kann die doppelte Prüfung umgangen werden. Dies liegt daran, dass der
Gesetzgeber die rasche Versorgung des Patienten - welche zu Unzeiten bzw. bei
geringer Apothekendichte nicht sichergestellt ist - höher gewichtet hat, als
das Risiko einer Fehlmedikation. Indem die Beschwerdeführerin die Bestellungen
von Dr. med. A.________ unbesehen verarbeitet und die gewünschten Medikamente
geliefert hat, schuf sie die abstrakte Gefahr einer Fehlmedikation. Dass die
Beschwerdeführerin nicht alle Kontrollen der bestellten Ware selbst durchführen
kann, entlastet sie als fachtechnisch verantwortliche Person nicht. Denn sie
hat jegliche Kontrolle unterlassen und nicht dafür gesorgt, dass ihr zumindest
auffällige, umfangreiche oder häufige Bestellungen bzw. jene aus dem Gebiet mit
einem grundsätzlichen Abgabeverbot unterbreitet werden. Entgegen ihrer
Auffassung sind Weisungen nicht schlechterdings ungeeignet, um den Vollzug des
Heilmittelgesetzes sicherzustellen. Sie verfügt als studierte Apothekerin über
das notwendige Wissen, pro Arztkategorie interne Kontrollmechanismen
einzuführen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, können auch umsatzbezogene
Kriterien helfen, kritische Bestellungen aufzudecken.

7.3 Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführerin
ausführt, die von der Vorinstanz aufgezählten Arzneimittel könnten auch dem
Eigenbedarf von Dr. A.________ gedient haben. Denn insoweit macht sie keine
Willkür hinsichtlich der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung geltend (BGE
136 I 65 E. 1.3.1 S. 68 mit Hinweisen).

8.
8.1 Die Beschwerdeführerin rügt, aus dem Wissen um die eingeschränkte
Arzneimittelabgabe im Kanton Zürich könne nicht gefolgert werden, sie habe die
Belieferung von Dr. A.________ mit Arzneimitteln in Kauf genommen, zu deren
Abgabe er nicht berechtigt gewesen sei. Die Lieferung unzulässiger Ware sei für
sie nicht erkennbar gewesen, da ihr die Detailprüfung nicht zumutbar sei
(Beschwerde S. 40 f.).

8.2 Was der Täter weiss, will und in Kauf nimmt, betrifft sogenannte innere
Tatsachen, ist damit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der
festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz begründet ist (BGE 133
IV 9 E. 4.1. S. 17 mit Hinweisen).

8.3 Soweit sich die Beschwerdeführerin gegen die tatsächlichen Feststellungen
der Vorinstanz zu ihrem Wissen und Willen bzw. zur Frage wendet, was sie in
Kauf genommen hat, genügt sie den Begründungsanforderungen nicht. Darauf ist
nicht einzutreten (BGE 136 I 65 E. 1.3.1 S. 68 mit Hinweisen). Nach den
vorinstanzlichen Feststellungen wusste die Beschwerdeführerin um das
grundsätzliche Selbstdispensationsverbot in den Städten Zürich und Winterthur.
Ebenso wusste sie, dass Dr. A.________ nicht über eine Bewilligung für eine
Privatapotheke verfügt. Dennoch unterliess sie eine Überprüfung der Lieferungen
und veranlasste auch keine solche. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass
die Beschwerdeführerin als studierte Apothekerin und fachtechnisch
Verantwortliche der Y.________ AG, welche keine Kontrollmechanismen einsetzte
und jegliche Überprüfung der Lieferungen an Dr. A.________ unterliess, mit
Eventualvorsatz handelte, ist bundesrechtlich nicht zu beanstanden.

9.
9.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei einem Verbotsirrtum
unterlegen. Sie habe sich auf das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, vom 19.
August 2003 (Geschäftsnummer GU030174, S. 8) verlassen, wonach es das Gericht
für einen Apotheker als nicht zumutbar erachtete, alle gelieferten Arzneimittel
im Detail zu prüfen (Beschwerde S. 41 f.).

9.2 Nach Art. 21 StGB handelt nicht schuldhaft, wer bei der Begehung der Tat
nicht weiss und nicht wissen kann, dass er sich rechtswidrig verhält. Nach der
Rechtsprechung des Bundesgericht zu aArt. 20 StGB, welche auf den neuen
Allgemeinen Teil des Strafgesetzbuches übertragbar ist, setzt der Rechtsirrtum
voraus, dass sich der Täter irrtümlich zur Tat berechtigt hält und dieser
Irrtum auf zureichenden Gründen beruht (BGE 129 IV 238 E. 3.1 S. 240 f. mit
Hinweisen).

9.3 Soweit die Lieferungen der Beschwerdeführerin den Zeitraum vor dem ins Feld
geführten Urteil des Bezirksgerichts Zürich betreffen, d.h. 24. August 2002 bis
18. August 2003, kann sie sich mangels Kenntnis dieses Urteils von vornherein
nicht auf den Rechtfertigungsgrund des Verbotsirrtums berufen. Ob die
Beschwerdeführerin nach diesem Zeitpunkt vom Urteil des Bezirksgerichts Zürich
Kenntnis hatte, ist dem angefochtenen Entscheid nicht zu entnehmen. Die
Beschwerdeführerin macht hinsichtlich der vorinstanzlichen
Sachverhaltsfeststellung insoweit keine willkürliche bzw. unvollständige
Beweiswürdigung geltend. Ihre Rüge ist nicht hinreichend substanziiert, weshalb
darauf nicht einzutreten ist.

10.

10.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, das angefochtene Urteil verletze den
Grundsatz der Rechtsgleichheit (Art. 8 Abs. 1 BV) und der Wirtschaftsfreiheit
(Beschwerde S. 24 f.).

10.2 Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, inwiefern das von ihr zitierte
Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 19. August 2003 mit dem vorliegenden Fall
vergleichbar wäre (insbesondere hinsichtlich des Tätigkeitsgebietes des
dortigen Arztes, des Umfangs der Medikamentenlieferungen, der Art der
gelieferten Medikamente). Mangels substanziiert vorgetragener Rüge ist auf ihre
diesbezüglichen Ausführungen nicht einzutreten (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 136 I
65 E. 1.3.1 S. 68 mit Hinweisen).

11.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 66
Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, Strafkammer,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 16. September 2010
Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Schneider Koch