Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.46/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_46/2010

Urteil vom 19. April 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Wiprächtiger, Mathys,
Gerichtsschreiber Boog.

Parteien
Generalprokurator des Kantons Bern, 3001 Bern,
Beschwerdeführer,

gegen

X.________, vertreten durch Fürsprecher Dr. Martin Buser,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Versuchter Betrug,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 2. Strafkammer,
vom 14. August 2009.

Sachverhalt:

A.
Das Kreisgericht des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen erklärte X.________ mit
Urteil vom 8./9. Oktober 2008 des versuchten Betruges schuldig und verurteilte
sie zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, mit bedingtem Strafvollzug bei
einer Probezeit von 2 Jahren. Ferner verurteilte es sie zur Bezahlung von
Schadenersatz an die Geschädigte in der Höhe von Fr. 20'664.10, zuzüglich 5%
Zins seit dem 14. September 2007.

Auf Appellation der Beurteilten hin sprach das Obergericht des Kantons Bern
X.________ am 14. August 2009 von der Anklage des versuchten Betruges frei. Die
Zivilklage wies es zurück.

B.
Der Generalprokurator des Kantons Bern führt Beschwerde beim Bundesgericht, mit
der beantragt wird, das angefochtene Urteil sei aufzuheben und die Sache zu
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

C.
Das Obergericht des Kantons Bern hat auf Vernehmlassung verzichtet. X.________
beantragt in ihrer Vernehmlassung die Abweisung der Beschwerde. Ferner stellt
sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.

Erwägungen:

1.
Dem angefochtenen Urteil liegt folgender Sachverhalt zugrunde:

1.1 Die Beschwerdegegnerin erlitt am 5. August 2000 bei ihrer Arbeit als
Aushilfszimmermädchen in einem Hotel in Bern einen Arbeitsunfall mit der Folge
eines Hyperextensionstraumas des Daumengrundgelenks rechts. Am 30. September
2000 wurde der Daumen operiert. Dabei kam es zu einer Nervenschädigung. Nach
dem Befund des Inselspitals Bern liegt eine hochgradige (80%) axonale
Dauerschädigung der sensiblen Endäste des Nervus medianus im Bereich des
rechten Daumens vor. Als Folge des operativen Eingriffs entwickelten sich eine
neue, weitaus schwerwiegendere Schmerzsymptomatik sowie Sensibilitätsstörungen.
Am 2. Dezember 2002 erfolgte die Operation eines mit dem Unfall nicht in
Kausalzusammenhang stehenden Karpaltunnelsyndroms an der rechten Hand, welche
zu keiner Besserung führte.

1.2 Im Zusammenhang mit dem Arbeitsunfall erbrachte die A.________
Unfallversicherung zunächst Leistungen für Heilungskosten und Taggelder,
stellte diese indes ab 7. November 2003 wegen Zweifel an den geltend gemachten
Beschwerden ein. Mit Verfügung vom 27. August 2004 wurde der Beschwerdegegnerin
rückwirkend per 1. August 2001 eine halbe IV-Rente bei einem Invaliditätsgrad
von 55% zugesprochen. Am 29. März 2005 richteten die für die langfristigen
UVG-Leistungen zuständigen B.________ Versicherung der Beschwerdegegnerin eine
Integritätsentschädigung von Fr. 14'952.-- (14%) aus. Den Anspruch auf eine
IV-Rente lehnten sie mangels unfallkausaler Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
vollumfänglich ab. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hiess mit Urteil vom
30. September 2006 eine von der Beschwerdegegnerin geführte Beschwerde gut, hob
den Einspracheentscheid auf und wies die Akten an die B.________ Versicherung
zur genaueren Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zurück.

Ein daraufhin von Prof. Dr. C.________ erstelltes Gutachten vom 26. März 2007
(Strafakten Bd. 1 act. 72 ff.) gelangte zum Schluss, als Folge der Beschwerden
sei die rechte Hand praktisch nicht mehr einsetzbar. Ausserdem liege ein
Schmerzsyndrom vor, welches als äquivalent zu einem Amputationsschmerz des
rechten Daumens zu betrachten sei. Der Beschwerdegegnerin seien Tätigkeiten,
bei welchen beide Hände eingesetzt würden, unzumutbar. Die Leistungsfähigkeit
für linkshändige und mentale Tätigkeiten sei auf 50% vermindert.

Die B.________ Versicherung beauftragte daraufhin ein privates Detektivbüro mit
der Observation der Beschwerdegegnerin. Die während fünf Tagen in der Zeit vom
11. bis 22. Juni 2007 durchgeführte Observation erhärtete die wesentliche
Funktionsbeeinträchtigung des rechten Armes der Beschwerdegegnerin nicht. Die
Beschwerdegegnerin zeigte im Gegenteil im observierten Alltag keine
Schutzhaltung des Armes und konnte die beobachteten Arbeiten des täglichen
Lebens ohne Einschränkungen verrichten. Gestützt hierauf erstattete die
B.________ Versicherung am 5. Oktober 2007 gegen die Beschwerdegegnerin
Strafanzeige wegen Betruges (angefochtenes Urteil S. 4 ff.; erstinstanzliches
Urteil S. 2 ff., 10 ff. [Strafakten Bd. 2, S. 358 ff.]; Beschwerde S. 3).

2.
Die Vorinstanz nimmt an, die Befunde des Experten im neurologischen Gutachten
vom 26. März 2007 wichen erheblich ab von den im Ermittlungsbericht des
privaten Detektivbüro getroffenen Feststellungen über die gesundheitlichen
Einschränkungen der Beschwerdegegnerin. Deren Darstellung ihrer Beschwerden
gegenüber dem Gutachter, wonach sie die rechte Hand seit dem Unfall vom August
2000 praktisch nicht mehr einsetzen könne, seien objektiv so nicht haltbar. Die
Beschwerdegegnerin habe ihren im Zeitpunkt der Begutachtung aktuellen
objektiven Status gegenüber dem Experten jedenfalls insofern tatsachenwidrig
dargelegt, als sie geltend machte, sie könne nach wie vor keine Tätigkeiten
ausführen, bei welchen beide Hände zum Einsatz gelangten. Insoweit habe sie
ihre Schmerzen und die damit verbundene Bewegungseinschränkungen des rechten
Armes übertrieben bzw. aggravierend dargestellt (angefochtenes Urteil S. 18 f.,
21).

In subjektiver Hinsicht gelangt die Vorinstanz zum Schluss, es könne der
Beschwerdegegnerin nicht entgangen sein, dass sie ihren Gesundheitszustand
gegenüber dem Gutachter übertrieben und insoweit tatsachenwidrig dargestellt
habe. Zu ihren Gunsten sei indes davon auszugehen, dass ihre Übertreibung durch
jahrelange, objektiv ausgewiesene und unbestrittene Einschränkungen bedingt und
geprägt gewesen sei, welche nicht nur in ihrem Berufsleben als Zimmermädchen,
sondern auch in ihrem Alltagsleben als Mutter und Hausfrau manifest geworden
und welche jedenfalls phasenweise sowie mit auf Dauer zermürbenden Schmerzen
verbunden gewesen gewesen seien. Ihre im Rahmen der Exploration durch den
Gutachter erfolgten Übertreibungen erschienen daher subjektiv als vertretbare
Darstellung von persistierenden Beschwerden einer langzeittraumatisierten
Patientin (angefochtenes Urteil S. 19).

Ausserdem nimmt die Vorinstanz im Rahmen einer hypothetischen Prüfung an, die
übertriebene Darstellung ihrer Beschwerden gegenüber dem Gutachter begründe
keine Arglist, zumal erstellt sei, dass gewisse, vom Unfall im Jahre 2000
herrührende Beschwerden bei der Beschwerdegegnerin nach wie vor vorhanden
seien. Der Gutachter sei denn auch nach seiner Auffassung nicht mutwillig
getäuscht worden. Er habe seine Expertise trotz anfänglicher Zweifel im blinden
Vertrauen auf die Angaben der Beschwerdegegnerin abgestellt und insgesamt
leichtgläubig, unkritisch und vorschnell verfasst. Ausserdem habe die
Beschwerdegegnerin angesichts der von den Versicherungen und den Ärzten von
Anbeginn an geäusserten Bedenken nicht davon ausgehen können, ihre Angaben
würden unbesehen akzeptiert und nicht weiter überprüft (angefochtenes Urteil S.
20, 23 ff).

3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst das theatralische, massiv übertriebene
Verhalten der Beschwerdegegnerin anlässlich der Exploration durch den Gutachter
lasse sich nicht als subjektiv vertretbare Darstellung von persistierenden
Beschwerden würdigen. Diese Begründung stehe in offensichtlichem Widerspruch
zur Annahme der Vorinstanz, die Beschwerdegegnerin habe ihre gesundheitliche
Beeinträchtigung gegenüber dem Gutachter tatsachenwidrig und übertrieben
dargestellt. Entweder habe die Beschwerdegegnerin tatsächlich derart starke
Schmerzen verspürt, welche die Schon- und Zwangshaltung ihres Armes erkläre,
oder sie habe dem medizinischen Experten etwas vorgespielt. Die Feststellung
des Sachverhalts sei in diesem Punkt offensichtlich unrichtig (Beschwerde S. 4
f.).

3.2 Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich,
wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer
die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt. Eventualvorsatz
liegt nach ständiger Rechtsprechung vor, wenn der Täter den Eintritt des
Erfolgs bzw. die Verwirklichung des Tatbestands für möglich hält, aber dennoch
handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich
mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; 133
IV 222 E. 5.3).

Nach der Rechtsprechung betrifft, was der Täter wusste, wollte und in Kauf
nahm, sogenannte innere Tatsachen, und ist damit Tatfrage. Rechtsfrage ist
demgegenüber, ob im Lichte der von der kantonalen Instanz festgestellten
Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz berechtigt erscheint (BGE 134 IV 26
E. 3.2.2; 133 IV 222 E. 5.3; 130 IV 58 E. 8.5 je mit Hinweisen).

3.3 Der Sachverständige führt in seinem Gutachten aus, die Beschwerdegegnerin
halte bei der neurologischen Untersuchung den rechten Arm in einer steifen,
antalgischen Haltung mit an den Oberkörper gepresstem Oberarm, angewinkeltem
Ellbogen und maximal flektiertem Handgelenk; die Finger würden in einer halb
flektierten Haltung steif gehalten und die rechte Schulter sei bei aktiver
Armabduktion blockiert. Es bestehe eine deutliche Druckdolenz im Bereich des
Daumengrundgelenks rechts. Das Entkleiden gelinge nur mühsam, weil der rechte
Arm und die rechte Hand kaum eingesetzt würden. Am rechten Arm lasse sich wegen
der Schmerzen die Kraft nicht prüfen (Gutachten S. 6). Der Gutachter bestätigte
schliesslich, dass die Beschwerdegegnerin an chronischen neurogenen Schmerzen
leide (Gutachten S. 13).

Diese Feststellungen des Gutachters standen in Widerspruch mit den Ergebnissen
der Observation der Beschwerdegegnerin durch das private Detektivbüro. Im
Ermittlungsbericht vom 6. Juli 2007 (Strafakten Bd. 1 act. 97 ff.) habe die
Beschwerdegegnerin bei beobachteten Haushaltsarbeiten, Einkäufen und
Autofahrten beide Hände gleichermassen benutzt, namentlich etwa mit der rechten
Hand gebügelt, die Autotüre mit der rechten Hand geöffnet und den Einkaufskorb
im rechten Arm getragen. Eine Schutzstellung des rechten Arms,
Bewegungseinschränkungen oder Anzeichen von Schmerzen hätten nicht beobachtet
werden können (Ermittlungsbericht S. 7 f.; vgl. auch Video, Strafakten Bd. 1
act. 135).

3.4 Es steht fest, dass die Beschwerdegegnerin durch den Arbeitsunfall und die
nachfolgende Operation eine Körperschädigung erlitten hat. Insofern wird der
Beschwerdegegnerin nicht vorgeworfen, sie habe ihre Sensibilitätsstörungen und
Schmerzen frei simuliert. Die Vorinstanz nimmt aufgrund des
Observationsberichts indes zu Recht an, der Beschwerdegegnerin habe nicht
verborgen bleiben können, dass sie ihren Gesundheitszustand bei der Exploration
durch den Gutachter jedenfalls übertrieben habe. Damit ist das Merkmal der
Täuschung erfüllt.

In Bezug auf das Ausmass der körperlichen Beeinträchtigung hat die
Beschwerdegegnerin gegenüber dem Gutachter somit ausdrücklich und konkludent
einen Gesundheitszustand vorgespiegelt, der so nicht bestand, und damit
zumindest in Kauf genommen, dass jener in Bezug auf das Ausmass ihrer
Gesundheitsbeeinträchtigung und damit auch auf den Umfang der Einschränkung
ihrer Arbeitsfähigkeit zu einem falschen Schluss gelangt. Damit steht ausser
Frage, dass die Beschwerdegegnerin insoweit mit Vorsatz gehandelt hat.
Angesichts der Diskrepanz zwischen der gegenüber dem Gutachter präsentierten
Schutzhaltung des Arms und dem durch die Observation dokumentierten Einsatz
desselben bei alltäglichen Verrichtungen lassen sich die übertreibende
Darstellung ihrer Beschwerden durch die Beschwerdegegnerin entgegen der
Auffassung der Vorinstanz nicht ernsthaft als vertretbare Darstellung von
persistierenden Beschwerden einer langzeittraumatisierten Patientin umdeuten.
Dass die Beschwerdegegnerin wie andere Patienten mit Langzeitschmerzen im Laufe
der Jahre gelernt habe, mit ihren Beschwerden umzugehen und diese im
Alltagsleben nicht mehr als gleich gravierend wahrnehme wie zu Beginn, mag
zutreffen. Doch ändert dies nichts daran, dass die gegenüber dem Experten
demonstrierte Einschränkung mit den durch die Observation belegten motorischen
Fähigkeiten widerlegt wird. Insofern leidet die Begründung des angefochtenen
Urteils, wie der Beschwerdeführer mit Recht einwendet, an einem Widerspruch.

4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Vorinstanz habe das
Tatbestandsmerkmal der Arglist zu Unrecht verneint. Die Beschwerdegegnerin habe
im observierten Alltag nicht die geringsten Schutzmassnahmen gezeigt und in den
verschiedensten Situationen ihre rechte Hand eingesetzt und unter Einsatz des
Daumens dezidiert zugegriffen. Indem diese während der drei- bis vierstündigen
Exploration eine Abwehrhaltung mit blockierender Verkrampfung des gesamten
rechten Arms und der rechten Schulter beibehalten und diese angebliche Schmerz-
und Zwangshaltung durch Schwierigkeiten beim Entkleiden unterstrichen habe,
habe sie sich eigentlicher betrügerischer Machenschaften bedient, welche
zusammen mit dem seit Jahren aufrechterhaltenen Schein und den
eigenanamnetischen Angaben sowie der Beschreibung der angeblich aktuellen
Beeinträchtigungen das Merkmal der Arglist erfülle. Ein konsequentes und
glaubhaftes Schauspiel während einer derart langen Untersuchungsdauer erfordere
eine gute Vorbereitung sowie hohe Aufmerksamkeit und Konzentration bei der
Gesprächsführung, der Mimik, der Körperhaltung und der Motorik. Das Verhalten
der Beschwerdegegnerin stelle zusammen mit den ausdrücklichen und konkludenten
Falschangaben ein kohärentes Ganzes dar, welches auch ein kritisches Opfer zu
täuschen vermöge. Die Arglist ergebe sich im Weiteren auch aus der fehlenden
Überprüfbarkeit der täuschenden Angaben, zumal die Abwesenheit der
vorgespiegelten Schmerzen vom Experten nicht durch übliche
Untersuchungsmethoden nachgewiesen werden könne. Die Beschwerdegegnerin habe
den Gutachter durch die vorgegebenen Schmerzen und die Schutzhaltung des Armes
von der Prüfung der Beweglichkeit und Kraft von Hand, Arm und Schulter bei der
Exploration bzw. zu einem späteren Zeitpunkt abgehalten (Beschwerde S. 5 ff.).

4.2 Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betrugs u.a. schuldig, wer in
der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, jemanden
durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt und so
den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen
anderen am Vermögen schädigt.

Der Tatbestand erfordert eine arglistige Täuschung. Der Täter muss mit einer
gewissen Raffinesse oder Durchtriebenheit täuschen. Einfache Lügen, plumpe
Tricks oder leicht überprüfbare falsche Angaben genügen nicht. Die Arglist der
Täuschung beurteilt sich im Weiteren unter Berücksichtigung der
Eigenverantwortlichkeit des Opfers. Danach ist zu prüfen, ob das Opfer den
Irrtum bei Inanspruchnahme der ihm zur Verfügung stehenden
Selbstschutzmöglichkeiten hätte vermeiden können. Wer sich mit einem
Mindestmass an Aufmerksamkeit selbst hätte schützen bzw. den Irrtum durch ein
Minimum zumutbarer Vorsicht hätte vermeiden können, wird nach der
Rechtsprechung strafrechtlich nicht geschützt. Dabei kommen der jeweiligen Lage
und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen bzw. seiner Fachkenntnis und
Geschäftserfahrung im Einzelfall besondere Bedeutung zu. Die Erfüllung des
Tatbestands erfordert indes nicht, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche
Sorgfalt walten lässt und alle erdenklichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet
nur aus, wenn es die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet.
Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit
des Opfers, sondern nur bei Leichtfertigkeit.

In diesem Sinne wird Arglist von der Rechtsprechung bejaht, wenn der Täter ein
ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe
(manoeuvres frauduleuses; mise en scène) bedient. Einfache falsche Angaben sind
arglistig, wenn ihre Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich
oder nicht zumutbar ist, wenn der Täter den Getäuschten von der möglichen
Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass dieser die
Überprüfung der Angaben auf Grund eines besonderen Vertrauensverhältnisses
unterlassen werde. Der Gesichtspunkt der Überprüfbarkeit der falschen Angaben
erlangt nach der neueren Rechtsprechung auch bei einem Lügengebäude oder bei
betrügerischen Machenschaften Bedeutung. Auch in diesen Fällen ist das
Täuschungsopfer somit zu einem Mindestmass an Aufmerksamkeit verpflichtet und
scheidet Arglist aus, wenn es die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht
beachtet hat (BGE 135 IV 76 E. 5.2; 128 IV 18 E. 3a; 126 IV 165 E. 2a; 125 IV
124 E. 3; 122 IV 246 E. 3a).

4.3 Das Verhalten der Beschwerdegegnerin anlässlich der Exploration durch den
Gutachter, namentlich die übertriebene Darstellung ihrer Schmerzen und der
Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit in Verbindung mit der verkrampften
antalgischen Haltung ihres rechten Arms sowie die vorgespielten Schwierigkeiten
beim Entkleiden sind als besondere betrügerische Machenschaften zu würdigen.
vgl. BGE 132 IV 20 E. 5.4 mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat ihre
jedenfalls im vorgegebenen Ausmass nicht vorhandenen Schmerzen und
Beeinträchtigungen dem Gutachter in einer eigentlichen Inszenierung
vorgespielt. Wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt, hat dies angesichts
der Dauer der Exploration von drei bis vier Stunden eine systematische
Vorbereitung sowie ein hohes Mass an Konzentration erfordert. Mit ihrer
übertriebenen Darstellung hat sie den Gutachter auch von einer Überprüfung
ihrer Angaben, namentlich von einer Kraftprüfung abgehalten. Zutreffend macht
der Beschwerdeführer auch geltend, Vorhandensein und Ausmass chronischer
Schmerzen sei objektiv nur beschränkt überprüfbar. Der Gutachter ist für seine
medizinische Diagnose auf die Schilderungen des Exploranden angewiesen und darf
sich grundsätzlich darauf verlassen, auch wenn dabei nicht von einem
eigentlichen Vertrauensverhältnis zwischen Explorand und Sachverständigem
ausgegangen werden kann.

Im Übrigen hat der medizinische Experte im vorliegenden Fall nicht
ausschliesslich auf die Darstellung der Beschwerdegegnerin abgestellt, sondern
deren Angaben im Rahmen seiner Möglichkeiten überprüft. So hat er sich
einlässlich mit den vorhandenen Unterlagen auseinandergesetzt und selber
neurophysiologische Untersuchungen durchgeführt. Ausserdem hat er die
Beschwerdegegnerin sich entkleiden lassen, um die Beweglichkeit des Arms bei
einer alltäglichen Verrichtung zu testen, und auch versucht, den rechten Arm
der Beschwerdegegnerin für die neurologischen Untersuchungen zu strecken, was
aber nicht bis zu einer normal ausgestreckten Position gelang (Strafakten Bd. 1
act. 179). Aufgrund der von der Beschwerdegegnerin hierbei demonstrierten
Einschränkungen in der Beweglichkeit ist er in seiner Auffassung bestärkt
worden, der Arm sei praktisch nicht mehr einsetzbar. Aus dem blossen Umstand,
dass eine mehrtägige, drei Monate nach der Begutachtung durchgeführte
Observation die Beurteilung des Experten widerlegte, kann nicht unbesehen
darauf geschlossen werden, dieser habe sein Gutachten vorschnell und
leichtfertig erstattet.

Damit erweist sich die Täuschung als arglistig. Indem die Beschwerdegegnerin
dem Gutachter einen falschen Gesundheitszustand vorspiegelte, hat sie
mittelbar, durch das von jenem erstellte Gutachten auch die Versicherung
getäuscht. Der Freispruch der Beschwerdegegnerin von der Anklage des Betruges
verletzt aus diesen Gründen Bundesrecht.

5.
Aus diesen Gründen ist die Beschwerde gutzuheissen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens ist die unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig (Art. 66
Abs. 1 BGG). Ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege kann indes gutgeheissen
werden. Es sind daher keine Kosten zu erheben. Dem Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin ist aus der Bundesgerichtskasse eine angemessene
Entschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 2 BGG). Dem Beschwerdeführer ist keine
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 68 Abs. 3 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern,
2. Strafkammer, vom 14. August 2009 aufgehoben und die Sache zu neuer
Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Dem Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin wird für das bundesgerichtliche
Verfahren eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- aus der Bundesgerichtskasse
ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern, 2.
Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 19. April 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Boog