Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.544/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_544/2010

Urteil vom 25. Oktober 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger,
Gerichtsschreiber Boog.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Advokat Alain Joset,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft,
2. Y.________,
vertreten durch Advokat Dr. Christian von Wartburg,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Genugtuung,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung
Zivil- und Strafrecht, vom 20. April 2010.

Sachverhalt:

A.
Das Strafgericht Basel-Landschaft erklärte X.________ mit Urteil vom 12.
Februar 2009 der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfach
versuchten sexuellen Nötigung sowie der Pornographie schuldig und verurteilte
ihn zu einer Freiheitsstrafe von 3 ¼ Jahren, unter Anrechnung der
ausgestandenen Untersuchungshaft von 71 Tagen. Den Strafvollzug schob es
zugunsten einer engmaschigen ambulanten psychotherapeutischen Massnahme auf.
Die Schadenersatzforderung des Opfers Y.________ hiess es gemäss Art. 9 Abs. 3
OHG dem Grundsatz nach gut und verwies sie im Übrigen auf den Zivilweg. Ferner
verpflichtete es X.________ zur Zahlung einer Genugtuung im Umfang von Fr.
10'000.--, zuzüglich 5 % Zins seit dem 31. Dezember 1998 an das Opfer
Y.________. Die Genugtuungsmehrforderung verwies es auf den Zivilweg.
Schliesslich entschied das Strafgericht über die Zivilforderungen eines
weiteren Opfers sowie über die Einziehung der beschlagnahmten Gegenstände.

In teilweiser Gutheissung einer vom Beurteilten erhobenen Appellation
verurteilte das Kantonsgericht Basel-Landschaft X.________ am 20. April 2010
wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern sowie wegen Pornographie zu
einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 2 ¾ Jahren, wobei es die
Strafe im Umfang von 1 ¼ Jahren als unbedingt vollziehbar erklärte und im
Umfang von 1 ½ Jahren bei einer Probezeit von 2 Jahren bedingt aufschob. Die
ausgestandene Untersuchungshaft rechnete es an. Von der Anklage der mehrfachen
sexuellen Nötigung zum Nachteil des Opfers Y.________ sprach es X.________
frei. In teilweiser Gutheissung einer vom Opfer Y.________ erklärten
Anschlussappellation erhöhte das Kantonsgericht die von X.________ zu
bezahlende Genugtuung auf Fr. 25'000.--.

B.
X.________ führt Beschwerde beim Bundesgericht, mit welcher er beantragt, das
angefochtene Urteil sei in Ziff. 4 aufzuheben, und er sei zu verpflichten, dem
Opfer Y.________ eine Genugtuung von höchstens Fr. 5'000.-- zu bezahlen.
Eventualiter sei die Sache zur erneuten Bemessung der Genugtuungssumme an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege.

C.
Es wurden keine Vernehmlassungen eingeholt.

Erwägungen:

1.
1.1 Die Vorinstanz geht hinsichtlich der sexuellen Handlungen zum Nachteil des
Beschwerdegegners von folgendem Sachverhalt aus:

Der Beschwerdeführer lernte den Beschwerdegegner, geboren am 15. August 1985,
ca. im Jahre 1997 kennen, nachdem sich dessen Eltern kurz zuvor getrennt hatten
und er mit seiner Mutter und seiner Schwester in das Nachbarhaus des
Beschwerdeführers gezogen war. Zwischen den beiden entwickelte sich im Laufe
der Zeit ein reger Kontakt, wobei eine Art Vater-Sohn-Beziehung entstand.
Vermutlich im Jahr 1998 übernachtete der Beschwerdegegner ein erstes Mal beim
Beschwerdeführer. An diesem Abend zeigte der Beschwerdeführer dem
Beschwerdegegner zunächst zwei Schusswaffen, erzählte ihm u.a. davon, wie er
seiner Exfrau einmal eine Waffe an den Kopf gehalten habe, und ermahnte ihn,
niemandem davon zu erzählen. Nachdem sich die beiden in das Doppelbett des
Beschwerdeführers gelegt und miteinander diskutiert hatten, begann dieser
plötzlich, den Beschwerdegegner in sexueller Absicht zu streicheln und dessen
Geschlecht zu berühren. Anschliessend zog er ihm seine Pyjamahose aus und
vollzog an ihm den Oralverkehr. Dabei sagte er, er mache dies, um ihm zu
zeigen, dass das, was sein Vater mit ihm gemacht habe, nicht schlimm sei. Der
Beschwerdegegner traute sich nicht, sich zu widersetzen, da er sich
insbesondere aufgrund der zuvor gezeigten Waffen vor dem Beschwerdeführer
fürchtete. Über Silvester/Neujahr 1999 nahm der Beschwerdeführer den
Beschwerdegegner mit in die Ferien nach Holland. Während dieser Ferienwoche
umarmte und berührte der Beschwerdeführer diesen jeden Abend und küsste ihn auf
den Mund. Auch versuchte er immer wieder an ihm den Oralverkehr zu vollziehen,
was der Beschwerdegegner jedoch nicht mehr zuliess (Anklageschrift,
erstinstanzliches Urteil S. 4 f.).

1.2 Die erste Instanz nahm bei der rechtlichen Würdigung an, der
Beschwerdeführer habe den Beschwerdegegner im Rahmen eines eigentlichen
"Targetings" als zurückgezogenen und verängstigten Jugendlichen als Opfer
ausgesucht. Zudem habe er ihn in der Folge darin bestärkt, gegen seinen Vater
Anzeige wegen sexueller Übergriffe zu erstatten, womit er den Vater quasi
"ausser Gefecht gesetzt" habe. Der Beschwerdeführer sei zur absoluten
Vertrauensperson des Beschwerdegegners aufgerückt, wobei jener seine
vaterähnliche Autorität ausgenutzt habe. Der Beschwerdegegner habe sich in
einer Situation echter Ausweglosigkeit befunden. Der Beschwerdeführer habe das
Kind de facto nicht nur missbraucht, sondern auch psychisch gequält. Dieses
habe immer wieder erneut befürchten müssen, Opfer eines sexuellen Übergriffs zu
werden, wobei keine zumutbaren Selbstschutzmöglichkeiten mehr für ihn bestanden
hätten. Allerdings sei die Beziehung zum Beschwerdegegner nicht von Gewalt
erfüllt gewesen (erstinstanzliches Urteil S. 16 f.).

Die Vorinstanz würdigt den angeklagten Sachverhalt in Bezug auf das Geschehen
in Holland in Abweichung vom erstinstanzlichen Urteil nicht als sexuelle
Nötigung. Sie kommt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer während des
Aufenthalts in Holland weder physische Gewalt angewendet noch den
Beschwerdegegner mit Gewalt bedroht noch ihn unter erheblichen psychischen
Druck gesetzt hat. Dass der Beschwerdegegner es wegen der Autorität des
Beschwerdeführers und wohl auch wegen der Tatsache, dass er sich von jenem
abhängig fühlte, nicht gewagt habe, sich gegen diesen klar und
unmissverständlich zu wehren, reiche für den Tatbestand der sexuellen Nötigung
nicht aus. Der Beschwerdeführer sei zwar zweifelsohne zu einer
Vertrauensperson, wenn nicht gar zu einem Ersatzvater für den Beschwerdegegner
geworden und habe diese Position ausgenützt. Der Beschwerdegegner sei dem
Beschwerdeführer indes nicht völlig ausgeliefert gewesen (angefochtenes Urteil
S. 13 f.).

2.
2.1 Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die Höhe der an den Beschwerdegegner
zu leistenden Genugtuung.

Die Vorinstanz erwägt in dieser Hinsicht, der Beschwerdeführer habe mit den von
ihm verübten mehrfachen Handlungen die sexuelle Integrität des
Beschwerdegegners erheblich verletzt. Aus den Aussagen des Beschwerdegegners in
der Voruntersuchung ergebe sich, dass er die Handlungen als extrem schlimm
empfunden und ihn die ganze Angelegenheit sehr gestresst habe. Der behandelnde
Arzt habe in seinem Bericht vom 24. Juli 2006 festgehalten, dass der
Beschwerdegegner an einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion und des Gehörs
(Alport-Syndrom), an einer sekundären Enuresis nocturna (nächtliches Einnässen)
sowie an einer reaktiven Störung leide, die auf eine schwere Belastung durch
misshandelnde Erziehung und sexuellen Missbrauch zurückzuführen sei. Der
Beschwerdegegner habe eine sehr belastende Familiengeschichte mit einem
gewalttätigen, alkoholabhängigen Vater, der seit Langem nicht mehr in der
Familie lebe, und einer Missbrauchsgeschichte, die fälschlicherweise zuerst dem
Vater angehängt worden sei. Die Enuresis nocturna habe sich mit der Anklage des
Beschwerdeführers schlagartig gebessert.

Die Vorinstanz nimmt an, aus diesem Bericht ergebe sich zunächst, dass die
gesundheitlichen Probleme des Beschwerdegegners auf verschiedene Ursachen
zurückzuführen seien. Da jedoch der behandelnde Arzt in einem früheren Bericht
vom 18. September 2003 mit Bezug auf das Alport-Syndrom festgestellt habe, der
Beschwerdegegner trage seine angeborene Krankheit mit Würde und Tapferkeit,
könne davon ausgegangen werden, dass sich die Beeinträchtigung seiner
körperlichen Gesundheit durch die Niereninsuffizienz und die Schwerhörigkeit
nicht oder kaum auf seine psychische Gesundheit auswirke. Aus dem ärztlichen
Bericht gehe sodann klar hervor, dass der Beschwerdegegner noch etliche Jahre
nach den Übergriffen auf seine sexuelle Integrität psychisch und physisch
darunter gelitten und insbesondere die Enuresis nocturna bzw. die damit
bewirkte Beeinträchtigung des körperlichen Wohlbefindens in einem
offensichtlichen Zusammenhang mit den sexuellen Handlungen des
Beschwerdeführers gestanden habe. Das Verschulden des Beschwerdeführers wiege
schwer. Angesichts dieser Umstände erscheine es angebracht, anstelle der
erstinstanzlich zugesprochenen Teilgenugtuung von Fr. 10'000.-- eine höhere
Genugtuung festzusetzen. In Anbetracht des Umstands, dass seit den Übergriffen
mittlerweile mehr als zehn Jahre verstrichen seien, sei es auch angezeigt, die
konkrete Genugtuung nach den derzeit geltenden Massstäben auf den heutigen
Zeitpunkt und damit unter Verzicht auf eine Verzinsung zu bemessen. Die vom
Beschwerdeführer als Abgeltung für die erlittene Unbill zu bezahlende
Genugtuung sei demzufolge auf Fr. 25'000.-- festzulegen (angefochtenes Urteil
S. 22 f.).

Die erste Instanz nahm an, der Beschwerdegegner leide anscheinend immer noch an
schweren psychischen Störungen, die durch die sexuellen Übergriffe ausgelöst
worden seien. Es stelle sich aber die Frage nach konkurrierenden Faktoren sowie
einer alternativen Kausalität der aktuellen Leiden. Es sei schwer, das Ausmass
der Persönlichkeitsverletzungen feststellen zu können, welche auf die
Übergriffe des Beschwerdeführers zurückzuführen seien. Das Strafgericht setzte
daher die Genugtuung "ex aequo et bono" auf Fr. 10'000.--, nebst Zins zu 5 %
seit dem 31. Dezember 1998 fest und verwies die Mehrforderung auf den Zivilweg
(erstinstanzliches Urteil S. 27).

2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz stütze sich bei der
Bemessung der Genugtuung einerseits auf offensichtlich falsche Annahmen und
lasse andererseits wichtige, in Lehre und Rechtsprechung entwickelte
Bemessungsfaktoren ausser Acht. Insbesondere habe sie in Bezug auf die
Persönlichkeitsverletzungen und die Leiden des Opfers die konkurrierenden
Faktoren und die alternative Kausalität nicht berücksichtigt (Beschwerde S. 5).
Im Einzelnen beanstandet der Beschwerdeführer, dass die Vorinstanz gestützt auf
den Bericht des behandelnden Arztes vom 24. Juli 2006 annehme, der frühere
Missbrauch des Opfers sei fälschlicherweise dem Vater angehängt worden, und sie
demnach die psychischen und physischen Leiden des Opfers in den Jahren nach den
sexuellen Übergriffen vollumfänglich ihm (dem Beschwerdeführer) anlaste. Damit
gehe die Vorinstanz von falschen Tatsachen aus. Denn der Vater des
Beschwerdegegners sei mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 2.
September 1998 wegen sexueller Handlungen mit seinem Sohn rechtskräftig
verurteilt worden. Ein gestützt auf die Aussagen des Opfers gestelltes
Revisionsbegehren des Vaters habe das Strafgericht Basel-Landschaft am 31. Mai
2005 abgewiesen. Es sei daher erstellt, dass das Opfer von zwei Personen
missbraucht worden sei. Die Folgen des sexuellen Missbrauchs, welche zudem
schwierig abzugrenzen seien von den psychischen Folgen der Nierenerkrankung und
den Misshandlungen durch den gewalttätigen und alkoholabhängigen Vater, seien
demnach nicht allein von ihm (dem Beschwerdeführer) verursacht worden. Diese
Umstände habe die Vorinstanz bei der Bemessung der Genugtuung nicht
berücksichtigt (Beschwerde S. 5 f.). Ausserdem habe die Vorinstanz die
Berechnung der Genugtuung nicht genügend begründet. Insbesondere habe sie keine
einschlägigen Präjudizien genannt, auf welche sie sich bei der Festlegung der
Höhe der zu leistenden Genugtuung gestützt hätte. Sie sei auch nicht nach der
in der Lehre bevorzugten Berechnungsmethode vorgegangen, nach welcher in einem
ersten Schritt eine Basisgenugtuung und in einem zweiten Schritt je nach
individueller Betroffenheit durch die Persönlichkeitsverletzung Zuschläge in
Prozenten der Basisgenugtuung festgesetzt würden (Beschwerde S. 6 f.).

3.
3.1 Gemäss Art. 49 Abs. 1 OR hat Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als
Genugtuung, wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, sofern
die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders
wiedergutgemacht worden ist. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für
erlittene Unbill, indem das Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die
Beeinträchtigung erträglicher gemacht wird.

Die Bemessung der Genugtuung richtet sich im Rahmen von Art. 49 OR bei der
Verletzung der sexuellen Integrität wie bei Art. 47 OR vor allem nach der Art
und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die
Persönlichkeit des Betroffenen sowie dem Grad des Verschuldens des
Haftpflichtigen. Dabei beruht die Festlegung der Höhe der Genugtuung auf
richterlichem Ermessen. Ob der kantonale Richter sein Ermessen richtig ausgeübt
hat, ist eine Rechtsfrage, die das Bundesgericht auf Beschwerde hin frei
überprüft. Das Bundesgericht übt indes bei der Überprüfung von
Ermessensentscheiden praxisgemäss Zurückhaltung und schreitet nur ein, wenn der
Sachrichter grundlos von den in Lehre und Rechtsprechung ermittelten
Bemessungsgrundsätzen abweicht, wenn er Tatsachen berücksichtigt, die für den
Entscheid im Einzelfall keine Rolle spielen, oder wenn er umgekehrt Umstände
ausser Acht lässt, die er in seinen Entscheid hätte miteinbeziehen müssen. Es
greift ausserdem in Entscheide des Sachrichters ein, wenn sich diese als
offensichtlich unbillig bzw. als in stossender Weise ungerecht erweisen (BGE
128 IV 53, E. 7a; 127 IV 215 E. 2a; 125 III 269 E. 2a und 412 E. 2a; 123 III 10
E. 4 c/aa je mit Hinweisen).

Die Bemessung der Summe, die als Ausgleich erlittener Unbill in Frage kommt,
lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen. Sie ist eine
Entscheidung nach Billigkeit. Es gibt mithin nicht nur eine richtige
Entscheidung, sondern in einer gewissen Bandbreite eine Mehrzahl von
angemessenen, dem Gebot der Billigkeit gehorchenden Lösungen (BGE 132 II 117 E.
2.2.2; 123 II 210 E. 2c). Die Genugtuung darf daher nicht nach schematischen
Massstäben oder nach festen Tarifen festgesetzt, sondern muss dem Einzelfall
angepasst werden. Dies schliesst weder den Rückgriff auf Präjudizien im Sinne
eines Richtwerts aus noch die Vornahme der Bewertung der immateriellen
Beeinträchtigung in zwei Phasen, nämlich einer objektiven Berechnungsphase mit
einem Basisbetrag als Orientierungspunkt, und einer nachfolgenden Phase, in der
die Besonderheiten des Einzelfalles berücksichtigt werden (BGE 132 II 117 E.
2.2.3; 127 IV 215 E. 2e S. 219). Vergleiche mit anderen Fällen können für sich
allein allerdings noch nicht die Rechtswidrigkeit der zugesprochenen Summe
begründen (BGE 125 III 412 E. 2c/cc).

3.2 Die Vorinstanz trägt bei der Festsetzung der Genugtuungssumme den
wesentlichen Kriterien Rechnung. Dass sie dabei von rechtlich nicht
massgeblichen Gesichtspunkten ausgegangen wäre oder relevante
Bemessungskriterien nicht berücksichtigt hätte, ist nicht ersichtlich. So geht
sie zu Recht von einer erheblichen Verletzung der sexuellen Integrität des
Beschwerdegegners und einem schweren Verschulden des Beschwerdeführers aus.

Der Beschwerdeführer wendet zwar zunächst zutreffend ein, dass der Vater des
Beschwerdegegners wegen sexueller Handlungen zum Nachteil seines Sohnes
schuldig gesprochen worden ist, wobei sich die von jenem ausgehenden Übergriffe
vor denjenigen, die vom Beschwerdeführer begangen worden sind, ereignet haben.
Dass diese sexuellen Handlungen zu Unrecht dem Vater zugeschrieben worden sind,
lässt sich somit nicht sagen, auch wenn der Beschwerdegegner in seinen Aussagen
angab, er habe den Vater fälschlicherweise bezichtigt (Untersuchungsakten act.
551, 557 und 661 ff.; vgl. auch Aussagen des behandelnden Arztes act. 867 ff.).
Jedenfalls hat jener im gegen ihn geführten Strafverfahren Berührungen in der
Genitalregion des Beschwerdegegners zugestanden (vgl. Entscheid des
Strafgerichts des Kantons Basel-Landschaft vom 31.5.2005, Untersuchungsakten
act. 1149). Dennoch stellt sich der Beschwerdeführer zu Unrecht auf den
Standpunkt, die Verfehlungen des Vaters seien in gleichem Masse für die
schwerwiegenden psychischen Probleme des Beschwerdegegners verantwortlich, wie
die von ihm selbst ausgehenden Übergriffe. Dies ergibt sich schon allein aus
deren unterschiedlicher Intensität. Im Vordergrund steht aber, dass der
Beschwerdeführer zu dem zurückgezogenen und verängstigten Beschwerdegegner, der
nach seinen eigenen Aussagen zu jener Zeit völlig labil war und nirgends Halt
hatte, eine enge, geradezu vaterähnliche Vertrauensbeziehung aufbaute und diese
gezielt ausnützte. Die kantonalen Instanzen halten denn auch fest, dass der
Beschwerdegegner sich vom Beschwerdeführer abhängig fühlte und sich gegen
diesen nicht klar und unmissverständlich zu wehren wagte (angefochtenes Urteil
S. 13; erstinstanzliches Urteil S. 16; vgl. auch die Aussagen des Opfers,
Untersuchungsakten act. 545 ff. und 657 ff.). Diesem Vertrauensmissbrauch kommt
gerade im Hinblick darauf, dass der Beschwerdegegner schon wegen seiner
angeborenen Krankheit mit Niereninsuffizienz und Schwerhörigkeit in
ausserordentlichem Masse verletzlich war, massgebliche Bedeutung zu. Wie der
behandelnde Arzt und die Mutter des Beschwerdegegners festhielten, trug der
Beschwerdegegner sein Gebrechen als eine persönliche Tragik mit Tapferkeit und
Würde (Untersuchungsakten act. 1545 und 811). Er hatte indes erheblich unter
dem Missbrauch durch den Beschwerdeführer zu leiden. In diesem Zusammenhang ist
auch darauf hinzuweisen, dass die enuresis nocturna nach dem ärztlichen Bericht
vom 24. Juli 2006 nicht mit dem angeborenen Alport-Syndrom zusammenhing und
sich mit der Anklage gegen den Beschwerdeführer schlagartig besserte (vgl.
Untersuchungsakten act. 1547). Daraus leitet die Vorinstanz zutreffend ab, dass
die durch das nächtliche Einnässen bewirkte Beeinträchtigung des körperlichen
Wohlbefindens in einem offensichtlichen Zusammenhang mit den vom
Beschwerdeführer verübten sexuellen Handlungen stand (angefochtenes Urteil S.
22). Dass die Vorinstanz diese Übergriffe nicht als sexuelle Nötigung gewürdigt
und den Beschwerdeführer dementsprechend von diesem Vorwurf freigesprochen hat,
ändert in diesem Kontext nichts.

Schliesslich liegt die festgesetzte Genugtuung von Fr. 25'000.-- nicht völlig
ausserhalb des von der Praxis bisher gezogenen Rahmens. Zwar trifft zu, dass
die bei Sexualdelikten zugesprochenen Genugtuungssummen erheblich divergieren
(vgl. die Übersichten bei Hütte/ Duksch/Guerrero, a.a.O., Tabelle X/1 ff.,
Genugtuung bei Sexualdelikten im Zeitraum 2003 - 2005; Gomm/Zehntner,
Opferhilfegesetz, 3. Aufl. 2009, Art. 23 N 22 ff.). Doch werden, wie das
Bundesgericht in einem jüngeren Entscheid festgehalten hat, in vergleichbaren
Fällen nicht selten auch Genugtuungen von Fr. 20'000.-- oder mehr zugesprochen
(Urteil des Bundesgerichts 6B_830/2008 vom 27.2.2009 E. 5.4; vgl. etwa die
Urteile des Bundesgerichts 6B_100/2010 vom 22.4.2010 [Urteil des
Kantonsgerichts von Graubünden vom 17.6.2009] und 6B_720/2008 vom 26.12.2008
[Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 23.5.2008]; ferner Urteil des
Bundesgerichts 4C.225/2003 vom 24.2.2004). Das Bundesgericht verweist in diesem
Entscheid auch darauf, dass in der Lehre dafür eingetreten wird, bei sexuellen
Handlungen mit Kindern ohne Geschlechtsverkehr Regelgenugtuungen von ungefähr
Fr. 20'000.-- bis Fr. 25'000.-- zuzusprechen (vgl. Beatrice Gurzeler, Beitrag
zur Bemessung der Genugtuung, 2005, S. 341 f.). Zu beachten ist in diesem
Zusammenhang im Weiteren, dass die Vorinstanz die Genugtuung im Gegensatz zum
erstinstanzlichen Strafgericht in Anbetracht des Umstands, dass seit den
Übergriffen mehr als 10 Jahre vergangen sind, auf den Urteilszeitpunkt und
damit unter Weglassung einer Verzinsung festgesetzt hat (vgl. dazu BGE 129 IV
149 E. 4.2; Roland Brehm, Berner Kommentar, 3. Aufl. 2006, Art. 47 N 94).

Insgesamt erscheint die Festsetzung der Genugtuung weder als stossend noch
offensichtlich unbillig. Jedenfalls hat die Vorinstanz ihr Ermessen nicht
verletzt.

4.
Aus diesen Gründen ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Ausgang trägt der
Beschwerdeführer die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens (Art. 66 Abs. 1
BGG). Sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 64 Abs. 1 BGG kann
gutgeheissen werden, da von seiner Bedürftigkeit auszugehen und diese
ausreichend belegt ist (vgl. BGE 125 IV 161 E. 4). Ausserdem war seine
Beschwerde nicht von vornherein aussichtslos (vgl. BGE 124 I 304 E. 2 mit
Hinweisen). Dem Beschwerdeführer werden deshalb keine Kosten auferlegt. Seinem
Vertreter wird aus der Bundesgerichtskasse eine angemessene Entschädigung
ausgerichtet (Art. 64 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wird für das bundesgerichtliche
Verfahren eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- aus der Bundesgerichtskasse
ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Basel-Landschaft,
Abteilung Zivil- und Strafrecht, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 25. Oktober 2010
Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Boog