Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.631/2010
Zurück zum Index Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 2010
Retour à l'indice Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 2010


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_631/2010

Urteil vom 24. Januar 2011
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Wiprächtiger, Mathys,
Gerichtsschreiber Keller.

Verfahrensbeteiligte
X.________, vertreten durch Rechtsanwalt Bernhard Jüsi,
Beschwerdeführer,

gegen

Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8001 Zürich,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Einfache Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte;
Strafzumessung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, vom 4. März 2010.

Sachverhalt:

A.
Das Bezirksgericht Zürich verurteilte X.________ am 3. September 2009 wegen
einfacher Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten,
abzüglich 1 Tag Polizeihaft. Das Gericht verpflichtete ihn ausserdem, dem
Geschädigten A.________ eine Genugtuung von Fr. 500.-- und eine
Prozessentschädigung von Fr. 5'081.45 zu entrichten. Es verlängerte zudem die
vierjährige Probezeit der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/
Unterland vom 23. März 2005 ausgesprochenen Gefängnisstrafe von drei Monaten um
zwei Jahre und die fünfjährige Probezeit der vom Bezirksgericht Zürich am 4.
September 2006 ausgefällten Gefängnisstrafe von 13 Monaten um zweieinhalb
Jahre.

B.
Gegen dieses Urteil erklärte X.________ Berufung an das Obergericht des Kantons
Zürich, das am 4. März 2010 das vorinstanzliche Urteil bestätigte.

C.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht. Er beantragt,
die Dispositivziffern 1 alinea 2 (Schuldspruch wegen Sachbeschädigung gemäss
Art. 144 StGB), Ziff. 2 und 3 (Strafmass und Vollzug), Ziff. 7 erster Teilsatz
(Kostenauflage) sowie Ziff. 9 erster Satz (Kostenauflage im Berufungsverfahren)
seien aufzuheben. X.________ verlangt ausserdem, dass er lediglich wegen
geringfügiger Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Art. 172ter
StGB schuldig zu sprechen und mit maximal 720 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu
bestrafen sei. Er beantragt ferner die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Verbeiständung.

D.
Die Vorinstanz sowie die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich verzichten
auf eine Vernehmlassung.
Erwägungen:

1.
Die Vorinstanz geht von folgendem Sachverhalt aus:
Der Beschwerdeführer suchte am Nachmittag des 9. Dezember 2008 die
Büroräumlichkeiten des Stadtammann- und Betreibungsamtes S.________ in Zürich
auf. Nach einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Sachbearbeiter B.________
über die Auszahlung von Bargeld und nach dessen Aufforderung, die
Büroräumlichkeiten zu verlassen, griff er den Stadtammann A.________ tätlich
an. Er packte ihn zwei Mal mit einer Hand am Hals, würgte ihn und warf ihn zu
Boden. A.________ erlitt dadurch am Hals eine Kehlkopfkontusion, diverse
Hautrötungen und -verfärbungen, eine Schwellung sowie an der rechten Hüfte
Hautunterblutungen.
Am Abend des 9. Dezember 2008 biss der Beschwerdeführer auf der Regionalwache
Industrie der Stadtpolizei Zürich in die Matratze seiner Arrestzelle und
verursachte einen ca. 30 cm langen Riss in der Matratze.

2.
2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe durch den Biss in die Matratze
nur eine geringfügige Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 172ter Abs. 1 StGB) begangen, da gemäss Anklageschrift lediglich ein
Sachschaden von ca. Fr. 300.-- entstanden sei. Die Vorinstanz verletze
Bundesrecht, indem sie ihn wegen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB verurteile (Beschwerde, S. 4 f.).
2.2
2.2.1 Gemäss Art. 172ter Abs. 1 StGB wird der Täter, auf Antrag, lediglich mit
Busse bestraft, wenn sich die Tat nur auf einen geringen Vermögenswert oder auf
einen geringen Schaden richtet. Die Grenze für den geringen Vermögenswert im
Sinne von Art. 172ter StGB beträgt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
Fr. 300.--. Die Anwendung von Art. 172ter StGB richtet sich nach den
Vorstellungen des Täters, nicht nach dem eingetretenen Erfolg. Liegt die
Deliktssumme unter dem Grenzwert von Fr. 300.--, scheidet Art. 172ter StGB aus,
wenn der Vorsatz des Täters auf eine den Grenzwert übersteigende Summe
gerichtet war (Urteil des Bundesgerichts 6B_316/2009 vom 21. Juli 2009 E. 3.3
mit Hinweis auf BGE 123 IV 155 E. 1a).
Nach den Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz erreichte die Deliktssumme
einen Wert von "ca. Fr. 300.--". Aus den vorinstanzlichen Erwägungen ist nicht
ersichtlich, ob der Schaden die Grenze von Fr. 300.-- überschritten hat.
Ebenfalls geht nicht hervor, ob der Vorsatz des Beschwerdeführers auf eine den
Grenzwert übersteigende Summe gerichtet war.
2.2.2 Das vorinstanzliche Urteil wäre aus diesen Gründen aufzuheben und die
Sache zur ergänzenden Sachverhaltsfeststellung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Allerdings würde die aufgrund des geltenden
Verschlechterungsverbots vorinstanzlich bestätigte Strafe von sechs Monaten
selbst dann nicht beeinflusst, wenn die Vorinstanz zum Schluss käme, der
Beschwerdeführer sei wegen geringfügiger Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB
in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB) statt gewöhnlicher Sachbeschädigung
zu verurteilen. Die Vorinstanz hätte diesfalls eine Busse auszufällen und die
von ihr als an sich angemessen eingestufte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten
(angefochtenes Urteil, S. 22 ff.) leicht zu reduzieren. Aufgrund des
Verschlechterungsverbots wäre sie jedoch weiterhin an die erstinstanzlich
ausgefällte Freiheitsstrafe von sechs Monaten gebunden. Von einer Aufhebung des
vorinstanzlichen Urteils ist daher in diesem Punkt abzusehen.

3.
3.1
3.1.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Strafzumessungsregeln
gemäss Art. 47 StGB in Verbindung mit Art. 9 BV. Die von der Vorinstanz
ausgefällte Freiheitsstrafe von sechs Monaten überschreite den Grenzwert der
Strafart der gemeinnützigen Arbeit um lediglich einen Tag. Dies stehe mit der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht im Einklang, wonach sich der Richter
bei einer Strafe, die im Bereich eines Grenzwertes liege, zu fragen habe, ob
eine Sanktion, welche die Grenze nicht überschreitet, noch innerhalb des
Ermessensspielraums liege.
3.1.2 Der Beschwerdeführer erachtet die subjektive Tatschwere insgesamt als
gering. Er habe eine einfache Körperverletzung begangen, die sich nur
geringfügig von einer Tätlichkeit unterscheide. Zudem seien seine
Blutalkoholkonzentration bei Tatbegehung sowie das seit Monaten
konfliktträchtige Verhältnis zwischen ihm und dem Geschädigten zu
berücksichtigen. Seine Selbstkontrolle sei aufgrund der existenziellen
Abhängigkeit, seiner damaligen psychischen Probleme sowie der
Blutalkoholkonzentration erheblich beeinträchtigt gewesen (Beschwerde, S. 5
f.).
Seine Vorstrafen seien ausserdem nicht einschlägig, da er bis anhin nie
gewalttätig in Erscheinung getreten sei. Er habe seine Fehler eingesehen. Sein
Umgang mit dem Betreibungsamt habe sich seit der Tat wesentlich verbessert und
vollständig normalisiert. Schliesslich sei seine berufliche, familiäre,
finanzielle und gesundheitliche Situation zu würdigen. Eine unbedingte
Freiheitsstrafe würde seine Bemühungen zur Normalisierung und seine berufliche
Integration zunichte machen. Es sei daher von einer erhöhten
Strafempfindlichkeit auszugehen. Eine Strafe von fünf Monaten und 29 Tagen
liege insgesamt noch innerhalb des vorinstanzlichen Ermessensspielraums
(Beschwerde, S. 6).
3.2
3.2.1 Die Vorinstanz geht von einem erheblichen objektiven Tatverschulden aus.
Die körperlichen Schäden des Geschädigten seien zwar nicht allzu schwer
einzustufen. Die Geringschätzung der körperlichen Integrität sowie die in Kauf
genommene Gesundheitsgefährdung aus objektiv nichtigem Anlass stellten aber ein
zumindest erhebliches Verschulden dar (angefochtenes Urteil, S. 19).
3.2.2 Zur subjektiven Tatschwere führt die Vorinstanz aus, dass der
Beschwerdeführer mit direktem Vorsatz gehandelt habe. Hingegen sei zu seinen
Gunsten anzunehmen, dass er die rechtliche Situation des ihm zustehenden Geldes
nicht richtig eingeschätzt habe. Die erste Instanz habe ferner seine
Blutalkoholkonzentration von 1,18-1,99 Gewichtspromille wohlwollend
strafmildernd berücksichtigt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung könne
auch bei Annahme eines Maximalwertes von 1,99 Gewichtspromillen keine
Beeinträchtigung seiner Schuldfähigkeit angenommen werden. Anhaltspunkte für
eine aufgehobene Steuerungsfähigkeit lägen ebenfalls nicht vor. Die subjektive
Tatschwere relativiere die objektive Tatschwere daher nur leicht (angefochtenes
Urteil, S. 20 f.).
3.2.3 Aus der Biografie des Beschwerdeführers liessen sich keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten, während sich die Vorstrafen sowie
das Delinquieren während laufender Probezeiten deutlich straferhöhend
auswirkten. Von einem Geständnis, Einsicht oder Reue könne nicht die Rede sein.
Ferner liege keine ausgeprägte Strafempfindlichkeit vor. Insgesamt resultiere
aufgrund der Täterkomponente eine spürbare Straferhöhung.
Die Vorinstanz erachtet insgesamt eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten als
angemessen, bestätigt aber aufgrund des geltenden Verschlechterungsverbots die
erstinstanzliche Strafe von sechs Monaten (angefochtenes Urteil, S. 22 ff.).

3.3 Gemäss Art. 47 StGB misst der Richter die Strafe nach dem Verschulden des
Täters zu. Er berücksichtigt die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen
Verhältnisse des Schuldigen. Es liegt im Ermessen des Sachrichters, in welchem
Umfang er die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren, worunter auch die
Strafempfindlichkeit fällt, berücksichtigt. Die Strafrechtliche Abteilung des
Bundesgerichts greift auf Beschwerde in Strafsachen hin nur in die
Strafzumessung ein, wenn die Vorinstanz den gesetzlichen Strafrahmen über- oder
unterschritten hat, wenn sie von rechtlich nicht massgebenden Kriterien
ausgegangen ist oder wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht gelassen
beziehungsweise in Überschreitung oder Missbrauch ihres Ermessens falsch
gewichtet hat (BGE 134 IV 17 E. 2.1 mit Hinweisen).

3.4 Indem der Beschwerdeführer seine Selbstkontrolle im Tatzeitpunkt aufgrund
der existenziellen Abhängigkeit, seiner damaligen psychischen Probleme sowie
der Blutalkoholkonzentration als erheblich beeinträchtigt bezeichnet, die
begangene Körperverletzung mit einer Tätlichkeit vergleicht und auf das
angeblich seit Monaten konfliktträchtige Verhältnis zwischen ihm und dem
Geschädigten hinweist, wirft er Tatfragen auf und weicht dabei in unzulässiger
Weise vom festgestellten Sachverhalt ab (Art. 105 Abs. 1 BGG). Darauf ist nicht
einzutreten.

3.5 Der Beschwerdeführer weist auf seine nicht einschlägigen Vorstrafen hin.
Allerdings sind keine Anhaltspunkte ersichtlich und werden vom Beschwerdeführer
auch nicht geltend gemacht, inwiefern die Berücksichtigung und Würdigung dieser
Vorstrafen die Strafzumessung der Vorinstanz unzulässig beeinflusst hätten.

3.6 Zu der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Strafempfindlichkeit hat sich
das Bundesgericht in seiner jüngeren Rechtsprechung in verschiedenen nicht
publizierten Entscheiden geäussert (vgl. die Übersicht im Urteil 6B_470/2009
vom 23. November 2009 E. 2.5). Dabei hielt es fest, dass die Verbüssung einer
Freiheitsstrafe für jeden in ein familiäres Umfeld eingebetteten Beschuldigten
mit einer gewissen Härte verbunden ist. Als unmittelbare gesetzmässige Folge
jeder Sanktion dürfe diese Konsequenz daher nur bei Vorliegen
aussergewöhnlicher Umstände erheblich strafmindernd wirken. Solche
aussergewöhnliche Umstände sind, wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, nicht
erkennbar. Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz keine besondere
Strafempfindlichkeit aufgrund der beruflichen Integration des Beschwerdeführers
sowie seiner psychischen Probleme berücksichtigt.
Es ist insgesamt nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz die Strafzumessung
nicht korrekt vorgenommen hätte. Verletzungen von Art. 47 StGB und Art. 9 BV
liegen nicht vor.

3.7 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach der Grenzwert der Strafart der
gemeinnützigen Arbeit um lediglich einen Tag überschritten werde und es daher
im vorinstanzlichen Ermessen läge, eine Strafe von lediglich fünf Monaten und
29 Tagen auszusprechen, geht fehl. Führt die Strafzumessung unter Würdigung
aller wesentlichen Umstände zu einer Freiheitsstrafe, die im Bereich eines
Grenzwertes liegt, hat sich der Richter zu fragen, ob - zugunsten des
Beschuldigten - eine Sanktion, welche die Grenze nicht überschreitet, noch
innerhalb seines Ermessensspielraumes liegt. Bejaht er die Frage, hat er die
Strafe in dieser Höhe festzulegen. Verneint er sie, ist es zulässig, auch eine
nur unwesentlich über der Grenze liegende Freiheitsstrafe auszufällen. In jedem
Fall hat der Richter diesen Entscheid im Urteil ausdrücklich zu begründen,
andernfalls er seiner Begründungspflicht nach Art. 50 StGB nicht nachkommt (BGE
134 IV 17 E. 3). Die Vorinstanz hat ausführlich und zutreffend dargetan,
weshalb für sie unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungskriterien eine
Freiheitsstrafe von 12 Monaten angemessen erscheint. Die ausgefällte
Freiheitsstrafe von sechs Monaten beruht ausdrücklich auf dem Umstand, dass die
von der ersten Instanz zu tief angesetzten Strafe von sechs Monaten aufgrund
des Verschlechterungsverbots nicht überschritten werden darf. Es liegt daher
nur scheinbar eine Freiheitsstrafe im Bereich des Grenzwertes der
gemeinnützigen Arbeit vor. Eine Senkung der Strafe unter sechs Monate liegt
ausserhalb des vorinstanzlichen Ermessensspielraums. Weitere Ausführungen zu
den Vorbringen des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit der Ausfällung
gemeinnütziger Arbeit erübrigen sich daher.

4.
4.1 Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die Verweigerung des bedingten
Strafvollzugs. Die Vorinstanz verstosse gegen Art. 42 Abs. 2 StGB, indem sie
besonders günstige Umstände für einen Strafaufschub verneine. Er sei voll
erwerbstätig und könne einen Arbeitsvertrag für eine unbefristete Stelle
vorweisen. Er sei stetig daran, seine Schulden abzuzahlen, und komme seinen
familiären Unterstützungspflichten nach. Seine finanziellen Perspektiven seien
wieder intakt. Sein Arbeitgeber sei mit ihm sehr zufrieden, zudem gebe ihm der
regelmässige Umgang mit Kindern psychischen Halt. Er konsumiere keinen Alkohol
mehr. Diese Entwicklung und die gesamten Umstände liessen eine günstige
Prognose zu. Bei seiner Tat habe es sich um einen einmaligen Ausrutscher
gehandelt, zumal er bisher nie wegen Gewaltanwendung in Erscheinung getreten
sei (Beschwerde, S. 8 f.).

4.2 Die Vorinstanz verneint besonders günstige Umstände beim Beschwerdeführer
mit Verweis auf die erstinstanzlichen Ausführungen (angefochtenes Urteil, S.
25). Die Erstinstanz erwähnt, dass dem Beschwerdeführer keine solchen Umstände
zugute gehalten werden könnten, da er sich ungeachtet der ihm bedingt gewährten
Gefängnisstrafen nicht davon habe abhalten lassen, erneut zu delinquieren
(erstinstanzliches Urteil, S. 24).

4.3 Art. 42 StGB regelt gemäss seinem Randtitel die "bedingten Strafen". Das
Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit oder
einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in
der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den
Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42
Abs. 1 StGB). Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu
einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten
oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt, so ist der
Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen (Art. 42 Abs.
2 StGB). Die Vorschrift von Art. 42 Abs. 2 StGB stellt klar, dass der Rückfall
für sich genommen den bedingten Strafvollzug nicht auszuschliessen vermag (BGE
134 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweisen).

4.4 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind unter besonders günstigen
Umständen im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB solche zu verstehen, die
ausschliessen, dass die Vortat die Prognose verschlechtert. Demnach gilt die
Vermutung einer günstigen Prognose bzw. des Fehlens einer ungünstigen Prognose
nicht. Vielmehr kommt der früheren Verurteilung zunächst die Bedeutung eines
Indizes für die Befürchtung zu, dass der Täter weitere Straftaten begehen
könnte. Die Gewährung des bedingten Strafvollzuges kommt daher nur in Betracht,
wenn eine Gesamtwürdigung aller massgebenden Faktoren den Schluss zulässt, dass
trotz der Vortat eine begründete Aussicht auf Bewährung besteht.

4.5 Die Vorinstanz genügt ihren Begründungsanforderungen nicht, wenn sie
lediglich auf die erstinstanzlichen Ausführungen verweist, die sich ihrerseits
auf den Hinweis beschränken, der Beschwerdeführer habe sich trotz bedingt
gewährter Gefängnisstrafen nicht von weiterer Delinquenz abhalten lassen.
Gleichwohl ist von einer Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils abzusehen, da
vorliegend besonders günstige Umstände zu verneinen sind.
4.6
4.6.1 Der Beschwerdeführer weist drei Vorstrafen auf und beging die vorliegend
zu beurteilenden Straftaten während zweier laufender Probezeiten. So wurde er
am 23. Mai 2005 wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand und Verletzung von
Verkehrsregeln zu einer bedingten Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt,
bei einer Probezeit von vier Jahren, nachdem er am 8. Oktober 2002 bereits
wegen mehrfacher Betäubungsmittelvergehen mit einer bedingten Gefängnisstrafe
von drei Monaten (Probezeit drei Jahre) sanktioniert worden war. Die zweite
laufende Probezeit betrifft die am 4. September 2006 wegen mehrfacher
Veruntreuung, mehrfachen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfachen
Fahrens trotz Führerausweisentzug ausgesprochene bedingte Gefängnisstrafe von
13 Monaten, bei einer Probezeit von fünf Jahren.
4.6.2 Die Vorinstanz hält im Rahmen der Prüfung der persönlichen Verhältnisse
zudem fest, dass der Beschwerdeführer Schulden im Umfang von Fr. 100'000.--
(erstinstanzliches Urteil, S. 22) respektive Fr. 50'000.-- (gemäss eigenen
Angaben im vorinstanzlichen Verfahren) aufweist und in psychiatrischer
Behandlung steht (angefochtenes Urteil, S. 22). Er geht seit 1. Februar 2010
einer Festanstellung nach und kann seinen beiden Söhnen Unterhaltsbeiträge
zahlen (angefochtenes Urteil, S. 21).
4.6.3 Gemäss erstinstanzlichem Urteil (S. 23) erscheint der Beschwerdeführer
auf Grund seines gesamten Aussageverhaltens als uneinsichtig. Eine besonders
positive Veränderung in den Lebensumständen des Beschwerdeführers besteht
insgesamt nicht, weshalb keine begründete Aussicht auf Bewährung zu erwarten
ist. Die Vorinstanz verletzt im Ergebnis Art. 42 Abs. 2 StGB nicht.

5.
5.1 Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem
Verfahrensausgang sind die bundesgerichtlichen Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Er stellt indessen ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung, das gutzuheissen ist,
da seine Bedürftigkeit ausgewiesen scheint und die Beschwerde nicht von
vornherein aussichtslos war (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG).

5.2 Der Beschwerdegegnerin bzw. dem Kanton Zürich sind keine Gerichtskosten
aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 und Abs. 4 BGG) und keine Entschädigung
zuzusprechen (Art. 66 Abs. 3 BGG). Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
ist eine angemessene Entschädigung aus der Bundesgerichtskasse auszurichten.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen. Dem
Beschwerdeführer wird für das bundesgerichtliche Verfahren Bernhard Jüsi als
unentgeltlicher Anwalt beigegeben.

3.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.
Dem Vertreter des Beschwerdeführers, Bernhard Jüsi, wird aus der
Bundesgerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Geschädigten und dem Obergericht des
Kantons Zürich, I. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. Januar 2011
Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Keller