Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.760/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_760/2010

Urteil vom 13. Dezember 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger, Mathys,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiberin Arquint Hill.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Danielle Julmy,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg, Zaehringenstrasse 1, 1702 Freiburg,
Beschwerdegegnerin,
2. A.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Isabelle Brunner Wicht,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind; mehrfache Schändung,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Freiburg, Strafappellationshof,
vom 28. Juni 2010.

Sachverhalt:

A.
A.________, geboren am 1992, leidet wie bereits seine im Jahre 1997 verstorbene
Mutter am "Cornelia-de-Lange Syndrom", einem Fehlbildungssyndrom mit
körperlichen und psychischen bzw. psychiatrischen Symptomen. Er lebte seit dem
Kleinkindesalter in einer heilpädagogischen Grossfamilie. Die Ferien verbrachte
er von Herbst 1996 bis Ende 2006/Anfang 2007 regelmässig bei seiner
Grossmutter, B.________, und deren Ehemann, X._______, in O.________. Am 21.
Dezember 2006 berichtete er gegenüber einer Betreuerin der Sonderschule
S.________, in deren Schulheim er von 2006 bis Herbst 2007 lebte, dass er von
seinem Grossvater während der Ferien in O.________ am Penis berührt worden sei.
Das Gespräch hielt die Betreuerin schriftlich fest. Am 16. Februar 2007
erzählte er auch dem Kinder- und Jugendpsychiater Dr. D.________ von den
angeblichen Berührungen.

Am 3. Dezember 2007 wurde die Diplompsychologin P.________ beauftragt, die
Glaubhaftigkeit der Aussagen von A.________ zu überprüfen. Die Exploration von
A.________ durch die Gutachterin erfolgte am 23. Januar 2008. Das Gutachten
wurde am 28. Februar 2008 ausgefertigt.

B.
Mit Verfügung vom 21. Oktober 2008 wurden X.________ und B.________ dem
Bezirksstrafgericht Saane zur Beurteilung überwiesen. Dieses sprach die
Beschuldigten mit Urteil vom 24. Juni 2009 von den Vorwürfen der sexuellen
Handlungen mit Kindern und der Schändung (X.________), angeblich begangen in
der Zeit von 1997 bis Januar 2007, sowie vom Vorwurf der Verletzung der
Fürsorge- und Erziehungspflicht (B.________), angeblich begangen in der Zeit
vom 24. Juni 2002 bis Januar 2007 frei bzw. stellte insoweit für die Zeit vor
dem 24. Juni 2002 den Eintritt der Verjährung fest.

Auf Berufung der Staatsanwaltschaft hin erklärte der Strafappellationshof des
Kantonsgerichts Freiburg X.________ am 28. Juni 2010 der mehrfachen sexuellen
Handlungen mit einem Kind sowie der mehrfachen Schändung schuldig. Es
verurteilte ihn zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 12 Monaten
bei einer Probezeit von drei Jahren. Den Freispruch des Bezirksstrafgerichts
gegenüber B.________ bestätigte es.

C.
Mit Beschwerde in Strafsachen beantragt X.________ die Aufhebung des Urteils
des Strafappellationshofs und seine Freisprechung. Eventualiter verlangt er die
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks Anordnung eines Obergutachtens
und Neubeurteilung.

D.
Vernehmlassungen wurden keine eingeholt.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen die vorinstanzliche
Beweiswürdigung.

2.
2.1 Nach dem Dafürhalten des Beschwerdeführers ist das
Glaubhaftigkeitsgutachten fehlerhaft und genügt es den bundesgerichtlichen
Minimalstandards nicht. Die Realkennzeichenanalyse setze voraus, dass die zu
beurteilende Aussage ein "originäres" Produkt des Aussagenden darstelle. Die
Erstbekundung des Beschwerdegegners bilde indessen kein solches Produkt. Bei
den Aufzeichnungen der Betreuerin handle es sich lediglich um ein
zusammenfassendes Protokoll seiner Erstaussagen. Darauf gehe die Gutachterin
nicht ein. Von 19 Realkriterien erachte sie nur neun als erfüllt und zwei als
teilweise erfüllt, was als mager zu bezeichnen sei. Im Rahmen der eigentlichen
Inhaltsanalyse stelle sie (unzählige) Mutmassungen an, um zum gewünschten
Ergebnis zu gelangen, zeige sie nicht auf, auf welche Aussagen des
Beschwerdegegners sie sich stütze, und begründe sie ihre Schlussfolgerungen
nicht oder nur ungenügend. Die Hinweise auf die Vorliebe des Beschwerdegegners
für Phantasiegeschichten bzw. darauf, dass er Phantasien in die Wirklichkeit
einfliessen lasse, thematisiere und verarbeite sie im Gutachten ebenso wenig
wie den Umstand, dass dieser bereits vor der Erstbekundung ein deutlich sexuell
orientiertes Verhalten aufgewiesen habe. Das Weglassen relevanter Informationen
spreche dafür, dass das Gutachten nicht als wissenschaftliche Arbeit, sondern
als tendenzielles Elaborat angefertigt worden sei.

2.2 Das Gericht würdigt Gutachten grundsätzlich frei. In Fachfragen darf es
davon indessen nicht ohne triftige Gründe abweichen, und Abweichungen müssen
begründet werden. Umgekehrt kann das Abstellen auf nicht schlüssige Gutachten
unter Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen im Sinne von
Art. 9 BV willkürlich sein (BGE 133 II 384 E. 4.2.3; 132 II 257 E. 4.4.1; 130 I
337 E. 5.4.2; 129 I 49 E. 4). Das trifft etwa zu, wenn der Sachverständige die
an ihn gestellten Fragen nicht beantwortet, wenn er seine Erkenntnisse und
Schlussfolgerungen nicht begründet oder diese in sich widersprüchlich sind oder
wenn die Expertise sonstwie an Mängeln krankt, die derart offensichtlich und
auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar sind, dass sie das Gericht nicht
hätte übersehen dürfen.

2.3 Bei Besonderheiten in der Person oder der Entwicklung des (Opfer-)Zeugen
kann eine Begutachtung in Betracht kommen, mit der die Aussagequalität bzw. die
Glaubhaftigkeit der Aussage abgeklärt werden soll. Es ist dabei Aufgabe des
Sachverständigen, auf Grundlage der mit wissenschaftlichen Methoden erhobenen
und ausgewerteten Befunde und Anknüpfungstatsachen eine
Wahrscheinlichkeitseinschätzung des Erlebnisbezugs einer Aussage abzugeben. Der
hierzu notwendige diagnostische Prozess folgt der Leitfrage, ob die aussagende
Person unter Berücksichtigung der konkreten Umstände, der intellektuellen
Leistungsfähigkeit und der Motivlage die zu beurteilende Aussage auch ohne
realen Erlebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der
Weise vorgenommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vorgehens
durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, sogenannte
Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie des
Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft und
die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert wird. Bei der
Glaubhaftigkeitsbegutachtung ist immer davon auszugehen, dass die Aussage auch
nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese
Unwahrheitshypothese mit den erhobenen Fakten nicht (mehr) kompatibel ist, wird
sie verworfen. Es gilt dann die Gegenhypothese, die Wahrheitsannahme (BGE 133 I
33 E. 4.3 S. 45; 129 I 49 E. 5; 128 I 81 E. 2; SUSANNE NIEHAUS, Begutachtung
der Glaubhaftigkeit von Kinderaussagen, in FAMPRA.ch 2/2010, S. 315 ff; S. 321;
HANS WIPRÄCHTIGER, Aussagepsychologische Begutachtung im Strafrecht, in
forumpoenale 1/2010, S. 40 ff., S. 43; RENATE VOLBERT/MAX STELLER, Die
Begutachtung der Glaubhaftigkeit, in Venzlaff/Foerster, Psychiatrische
Begutachtung, 4. Aufl., 2004, S. 693 ff.)
2.4
2.4.1 Der Erstaussage kommt in der Aussagepsychologie aufgrund
gedächtnispsychologischer Voraussetzungen entscheidende Bedeutung zu. Die
sachgerechte Durchführung der primären Einvernahme insbesondere von kindlichen
Opferzeugen und ihre Dokumentation ist deshalb eminent wichtig. Für eine
sorgfältige aussagepsychologische Analyse ist wesentlich, dass das Gespräch auf
Video oder Tonband aufgezeichnet wird, da die üblichen, in "amtliches"
Erwachsenenschriftdeutsch umformulierten, in erster Linie zumeist in Mundart
gemachten Kinderaussagen für eine weitere Analyse praktisch wertlos sind, vor
allem wenn die jeweiligen Fragen nicht mitprotokolliert werden (siehe VOLKER
DITTMANN, Zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, in Plädoyer 2/1997, S. 28
ff., S. 35 und 36). Die zu beurteilenden Aussagen sollen ein originäres
"Produkt" des Aussagenden sein (BGE 129 I 49 E. 6.1 E. S. 60).

2.4.2 Der Beschwerdegegner berichtete erstmals am 21. Dezember 2006 gegenüber
einer Betreuerin des Schulheims von Berührungen des Grossvaters an seinem
Geschlechtsteil (Reiben des Penis). Das Gespräch hielt die Betreuerin
schriftlich fest. Diese Aufzeichnungen scheidet die Gutachterin als zur
Begutachtung ungeeignetes Aussagematerial aus. Als "indirekte Quelle" (bzw.
nicht-originäres Produkt) könne diese von der Betreuerin wiedergegebene
Erstbekundung des Beschwerdegegners nicht Teil der merkmalsgestützten
Inhaltsanalyse bilden (act. 4015, Gutachten, S. 41). Als Aussagematerial
berücksichtigt die Gutachterin hingegen die Erstbefragung des Beschwerdegegners
bei der Polizei. Ebenso stützt sie sich bei der Begutachtung auf ihre eigene
Exploration. Beide Befragungen bzw. Gespräche erfolgten im Beisein einer
Vertrauensperson des Beschwerdegegners. Die polizeiliche Befragung fand am 11.
Juni 2007 statt, d.h. nur wenige Monate, nachdem sich der damals 14 oder 15
Jahre alte Beschwerdegegner (mit einer intellektuellen Leistungsfähigkeit von
50 bis 60 % seiner Altersstufe bzw. einem Entwicklungsstand eines 6 bis maximal
8-Jährigen; vgl. act. 4012) einer Betreuerin im Schulheim anvertraut hatte. Das
Gespräch wurde audiovisuell aufgezeichnet, die Video-Kassette anschliessend
wörtlich transkribiert. Fragestellungen und Frageformen werden im Trankskript
ebenso präzise wiedergegeben wie die Antworten und Reaktionen des
Beschwerdegegners. Exakte Zeitangaben verweisen durchwegs auf die
Original-Fundstellen im Videoband. Dass die in Mundart gemachten Aussagen des
Beschwerdegegners ins Schriftdeutsche transkribiert wurden, fällt aufgrund der
vorhandenen Aufzeichnungen nicht ins Gewicht. Nichts anderes gilt für die nur
wenige Monate nach der polizeilichen Befragung erfolgte Exploration durch die
Gutachterin am 23. Januar 2008. Auch dieses Gespräch ist audiovisuell
dokumentiert. Die auszugsweise erfolgte Transkription ins Schriftdeutsche
umfasst - in genauer Reihenfolge - Fragen und Antworten mit exaktem
Fundstellennachweis unter Wiedergabe des Gesprächsinhalts. Damit liegen verbale
Originalaussagen des Beschwerdegegners vor, die unter dem Gesichtspunkt ihrer
Dokumentation im Sinne der Aussagepsychologie verwertbar sind. Die Kritik in
der Beschwerde zur nicht gegebenen Originalität der Erstaussagen des
Beschwerdegegners geht an der Sache vorbei. Der Beschwerdeführer verkennt, dass
die erste Aussage, die sich in den Akten findet und sich für die
aussagepsychologische Begutachtung eignet, in der Regel keineswegs die erste
Aussage des Zeugen über das mutmassliche Delikt ist (vgl. ROLF BENDER/ARMIN
NACK/WOLF-DIETER TREUER, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, 3. Auflage,
München 2007, S. 61 N. 253).

2.5 Die Analyse der Qualität der Aussagen nimmt die Gutachterin mittels
merkmalsorientierter Inhaltsanalyse (anhand von Realkriterien) vor.
Realkriterien sind solche Merkmale, deren ausgeprägtes Vorhandensein
Indikatorwert für den Erlebnis- bzw. Wahrheitsgehalt einer Aussage hat
(DITTMANN, a.a.O., S. 245). Aus einer bestimmten Anzahl von Merkmalen (im Sinne
eines Schwellenwerts) darf allerdings nicht auf die Qualität der Aussage
geschlossen werden. Eine Fokussierung (nur) auf die Anzahl erfüllter
Qualitätsmerkmale ist mit andern Worten irreführend, zumal im Einzelfall auch
einzelne Merkmale ausreichen können, um den Erlebnisbezug einer Aussage
anzunehmen (VOLBERT/STELLER, a.a.O., S. 701). Richtigerweise kommt es deshalb
weniger auf die Zahl als auf die Qualität der Realitätskriterien an (BENDER/
NACK/ TREUER a.a.O., S. 122). Soweit der Beschwerdeführer das
Gutachtensergebnis aufgrund der Anzahl der als erfüllt bzw. als teilweise
erfüllt beurteilten Realitätskriterien als "mager" bemängelt, beruht seine
Kritik auf einem falschen Verständnis der Qualitätsmerkmale im Rahmen der
Aussageanalyse. Diese führen nicht über eine Aufsummierung zu einem
Gesamtergebnis in Bezug auf den wahrscheinlichen Erlebnisgehalt einer Aussage.

2.6 Die Gutachterin erhebt und bewertet die Aussagequalität mittels
Inhaltsanalyse (Realkriterien) unter Bezug auf die individuellen Fähigkeiten
des Beschwerdegegners systematisch (Gutachten, S. 41 ff.; 57 ff.). Sie
diskutiert und würdigt die einzelnen Realitätskennzeichen unter Verwendung
negativer Kontrollkriterien, bevor sie zu einem Schluss gelangt bzw. ein
Qualitätsmerkmal als erfüllt oder nicht erfüllt beurteilt. Sie formuliert dabei
vorsichtig, ohne vage zu sein. Ihre Schlussfolgerungen, welche sie stimmig in
das Zeitgeschehen einbettet, leuchten ein und sind in sich schlüssig begründet.

So legt sie beispielsweise anhand des Kriteriums der logischen Konsistenz,
welches sie als erfüllt ansieht, dar (S. 42 ff.), die angeblichen Übergriffe
des Grossvaters hätten gemäss den Schilderungen des Beschwerdegegners in
O.________ in der Toilette und im Bett stattgefunden, mehrheitlich im Bett. In
der Schweiz, als der Grossvater zu Besuch gekommen sei, sei nichts passiert.
Die Gutachterin hält diese Einschränkung insofern für plausibel, als die
Möglichkeiten (für Übergriffe) in der Schweiz beschränkter waren. Sie nimmt
weiter Bezug auf die Schilderungen des Beschwerdegegners betreffend Silvester
2006/2007. Danach seien er und der Grossvater ins Bett, der Grossvater habe ihn
noch einmal am Penis berührt. Er - der Beschwerdegegner - habe "nein" gesagt,
das sei absolut verboten. Die Gutachterin erachtet auch diese Aussage für
nachvollziehbar, weil die angebliche Missbrauchshandlung vermutlich nach der
Erstbekundung (vom 21. Dezember 2006) erfolgt und der Beschwerdegegner zu
diesem Zeitpunkt bereits (von der Betreuerin) über die Unerlaubtheit solcher
Handlungen belehrt worden sei. In der Exploration schliesslich habe der
Beschwerdegegner erzählt, seinem Grossvater gesagt zu haben: "Ich bi es Chind,
Opa, ich ha zerscht gseit, weisch was, Opa, verpiss di, ich bin en Bueb und ich
wett nöt am Penis glangt werde, nöt verschlegeret werde. Ich wott no laufe. Und
de Opa het gseit: Ich schlag dich, ich töt dich." Die Gutachterin folgert, dass
der Beschwerdegegner sich damit sehr wahrscheinlich auf seinen letzten
Ferienaufenthalt beziehe, habe er doch bereits gewusst, dass solche Handlungen
verboten seien. Seine Angabe, der Beschwerdeführer habe ihm gedroht, sei damit
zu erklären, dass er - der Beschwerdegegner - wohl zum ersten Mal Widerstand
gezeigt habe. Die angebliche Drohung des Beschwerdeführers könnte aus Angst vor
Enthüllung entstanden sein. Damit kongruent sei auch die Schilderung des
Beschwerdegegners, er habe Angst, wenn der Opa jetzt in die Schweiz komme. Als
er in der offiziellen Einvernahme gefragt worden sei, aus welchem Grund der
Beschwerdeführer gesagt haben soll, er werde ihn zusammenprügeln, wenn er das
nächste Mal komme, habe der Beschwerdegegner geantwortet: "Weil sonst ...
vermutlich wegen dem Penis - und jetzt habe ich es schon verraten." Die
Gutachterin kommt zum Ergebnis, der Beschwerdegegner könnte die Aussage
höchstwahrscheinlich nicht mit Verraten in Verbindung bringen, wenn er die
angeblichen Handlungen nicht erlebt hätte. Die Verknüpfung zwischen Drohung und
Verraten sei ein Zeichen von Ichbezogenheit.

Der Vorwurf, die Gutachterin stelle (unzählige) Mutmassungen an, um zu einem
Ergebnis zu gelangen, und begründe ihre Schlussfolgerungen nicht, trifft nicht
zu. Das Gutachten zeichnet sich im Gegenteil durch Sachlichkeit,
Nachvollziehbarkeit und Transparenz aus. Dass sich die Aussagen des
Beschwerdegegners in der Exploration betreffend Gewalttätigkeiten und sexuellen
Handlungen zunehmend verschärfen ("die Grosseltern hätten ihn verschlagen, bis
er tot gewesen sei"), erklärt die Gutachterin nachvollziehbar damit, dass die
Belehrung des Beschwerdegegners über das Verbotensein solcher Handlungen
(anlässlich der Erstbekundung) Phantasien erzeugt habe. Die Art, wie der
Beschwerdegegner diese in seine Erzählungen integriere, müsste seine
Kernaussagen allerdings nicht substantiell in Frage stellen, scheine er doch
(nur) dazu fähig, real Erlebtes auszumalen und verschärft darzustellen, nicht
aber solches (im Kern) zu erdichten (S. 39, 62). Dass die Gutachterin bei ihren
Formulierungen Wörter wie "vermutlich", "müsste", "höchstwahrscheinlich" oder
"unwahrscheinlich" benutzt, hat dabei nichts mit Spekulation zu tun, sondern
entspringt dem hypothesengeleiteten Vorgehen bzw. dem Arbeiten mit
Wahrscheinlichkeiten. Soweit die Gutachterin im Weiteren einzelne
Glaubhaftigkeitsmerkmale, etwa das Kriterium der ungeordneten sprunghaften
Darstellung (S. 44), ohne Rückgriff auf Einzelheiten des Aussageinhalts bzw.
einzelne Textpassagen beurteilt, tut sie das mit Grund bzw. nach den Regeln der
Kunst. Denn die von ihr derart beurteilten Kriterien beziehen sich auf die
Aussage des Beschwerdegegners in ihrer Gesamtheit (NIEHAUS, a.a.O.; 329; MAX
STELLER/RENATE VOLBERT, Psychologie im Strafverfahren, Seattle 1997, S 17). Der
Vorwurf der Mangelhaftigkeit des Gutachtens ist verfehlt.

2.7 Das Gutachten ist entgegen der Beschwerde auch nicht unvollständig. Im
Rahmen der Analyse der Aussagequalität setzt sich die Gutachterin ausgiebig mit
der Aussagetüchtigkeit, (S. 34 f.), der Aussageentstehung und
Aussageentwicklung (S. 35 f.), dem Motivhintergrund (S. 59 f.) sowie der
Problematik von Realität und Phantasie auseinander (S. 61 f.). In den
Ergänzungen zum Gutachten (act. 4084; act. 4087) nimmt sie unter ausdrücklichem
Bezug auf die Akten der Sonderschule S.________ und die Ausführungen von Dr.
D.________, der den Beschwerdegegner behandelnden Kinder- und Jugendpsychiater,
konkret Stellung zum angeblich distanzlosen und/oder sexualisierten Verhalten
des Beschwerdegegners vor der Erstbekundung, zum erhöhten Aggressionspotenzial
und seinem Interesse für gewaltbesetzte Themen ebenso wie zu Manipulation und
Phantasie. Anlässlich der Hauptverhandlung vor erster Instanz äussert sich die
Gutachterin erneut einlässlich zum Thema von Realität und Phantasie (act. 58,
S. 6 ff., S. 11). Im Übrigen diskutiert die Gutachterin auch die nach der
Erstbekundung entstandenen, belastenden Aussagen des Beschwerdegegners zur
angeblichen Beteiligung der Grossmutter differenziert (S. 40, 64 f., 66). Der
Vorwurf, die Gutachterin habe im Rahmen der Glaubhaftigkeitsbegutachtung
relevante Informationen etwa betreffend das sexualisierte Verhalten des
Beschwerdegegners vor der Erstbekundung oder dessen "Neigung zu fiktiven
Geschichten" weggelassen, erscheint haltlos.

2.8 Das beanstandete Gutachten erweist sich als methodisch fachgerecht erstellt
und entspricht den wissenschaftlichen Standards. Die Vorinstanz durfte darauf
bei ihrer Entscheidfindung ohne Willkür abstellen bzw. triftige Gründe für ein
Abweichen davon verneinen, zumal sie auch die Richtigkeit der Erstbekundung
durch den Beschwerdegegner vom 21. Dezember 2006 hinsichtlich Zustandekommen
und Inhalt bejaht (vgl. hierzu E. 3.2). Daraus folgt, dass sich das
Eventualbegehren des Beschwerdeführers auf Anordnung eines Zweitgutachtens als
unbegründet erweist.

3.
Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, die Beweise unter Verletzung des
Grundsatzes "in dubio pro reo" und des rechtlichen Gehörs im Sinne einer
unzureichenden Begründung willkürlich gewürdigt zu haben.

3.1 Die Rüge der Verletzung der Unschuldsvermutung im Sinne von Art. 32 Abs. 1
BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK begründet der Beschwerdeführer nur damit, dass seine
Verurteilung auf einer willkürlichen Beweiswürdigung beruhe. Es kommt ihr keine
selbständige Bedeutung zu. Zu prüfen ist deshalb nur, ob die Vorinstanz die
Beweise willkürlich gewürdigt hat. Willkür in der Beweiswürdigung nach Art. 9
BV liegt vor, wenn die Behörde in ihrem Entscheid von Tatsachen ausgeht, die
mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen oder auf einem
offenkundigen Fehler beruhen (BGE 135 V 2 E. 1.3; 134 I 140 E. 5.3 und 5.4).
Dass das angefochtene Urteil mit der Darstellung des Beschwerdeführers nicht
übereinstimmt oder eine andere Lösung oder Würdigung ebenfalls vertretbar
erscheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt für die Begründung von Willkür
praxisgemäss nicht (BGE 132 I 13 E. 5.1; 133 I 149 E. 3.1; 131 IV 100 nicht
publ. E. 4.1; 127 I 54 E. 2b mit Hinweisen).

Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV folgt die
Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Sie muss wenigstens
kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen
und auf welche sie sich stützt, sodass der Betroffene den Entscheid in voller
Kenntnis der Sache anfechten kann (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 mit Hinweisen).
3.2
3.2.1 Die Vorinstanz berücksichtigt bei der Beweiswürdigung die wesentlichen
Beweismittel, so insbesondere die Aussagen der Betreuerin und die durch sie
schriftlich festgehaltene Erstbekundung des Beschwerdegegners vom 21. Dezember
2006, das Glaubhaftigkeitsgutachten vom 28. Februar 2008, dessen schriftliche
Ergänzungen vom 6. Juni und 31. August 2008, den Arztbericht von Dr. D.________
vom 5. Februar 2008 (act. 4010), die Schilderungen der Gutachterin und des
Arztes anlässlich der Hauptverhandlung vor erster Instanz (act. 58), die
Aussagen des Beschwerdegegners sowie diejenigen des Beschwerdeführers und von
dessen Ehefrau, der Grossmutter. Die Vorinstanz würdigt die erwähnten
Beweismittel je für sich als auch im gegenseitigen Verbund. Ihre
Beweiswürdigung ist sachlich und ausgewogen, ihre Schlüsse nachvollziehbar. Im
Rahmen einer Gesamtwürdigung aller Umstände gelangt sie zum Ergebnis, dass sich
der Sachverhalt - so wie dem Beschwerdeführer vorgeworfen - zugetragen hat.

3.2.2 Was der Beschwerdeführer gegen die Beweiswürdigung vorbringt, vermag
Willkür nicht zu begründen. Das ist zunächst der Fall, soweit er die
vorinstanzliche Begründung zur Frage der Richtigkeit der Erstbekundung im
Hinblick auf deren Zustandekommen und Inhalt beanstandet. Die Betreuerin hielt
die gegenüber ihr gemachten Ausführungen des Beschwerdegegners auf Anraten der
Erziehungsleiterin der Schule schriftlich fest. Wie der Beschwerdeführer
richtig ausführt, macht eine detailgetreue Reinschrift einer Vorinformation
diese Vorinformation nicht per se richtig, indessen auch nicht per se falsch.
Darauf kommt es aber gar nicht an. Entscheidend ist die Glaubwürdigkeit der
Zeugin bzw. deren Glaubhaftigkeit, welche die Vorinstanz nach einer eingehenden
Analyse der Aussagen der Betreuerin unter Mitberücksichtigung des
Geschehensablaufs und der Angaben der mündlich vorinformierten
Erziehungsleiterin nachvollziehbar bejaht. Unter diesen Umständen ist nicht
ersichtlich, dass und inwiefern der vorinstanzliche Schluss, die Erstbekundung
habe so stattgefunden, wie von der Betreuerin berichtet, unhaltbar sein könnte.
Die Vorinstanz erwägt im Weiteren, dass die Aussagen des Beschwerdegegners in
Bezug auf das Kerngeschehen (Berühren des Penis durch den Grossvater im Bett
unter der Bettdecke und auf der Toilette) stets konstant waren. Das betreffe
auch seine mehrfachen Hinweise, dass das Ganze "ein Geheimnis" zwischen ihm und
seinem Opa sei. Sie untermauert ihre Ausführungen mit Verweisen auf die
Erstbekundung vom 21. Dezember 2006, die polizeiliche Befragung des
Beschwerdegegners vom 11. Juni 2007 und die gutachterliche Exploration vom 23.
Januar/28. Februar 2008. Damit ordnet sie Aussagen des Beschwerdegegners
entgegen der Beschwerde auch auf der "Zeitachse" ein.
Die Vorinstanz setzt sich mit den Aussagen des Beschwerdeführers und denjenigen
der Grossmutter hinlänglich auseinander. Diese begnügen sich damit, die
Vorwürfe des Beschwerdegegners abzustreiten, indem sie seine Schilderungen als
Phantasiegeschichten abtun bzw. auf die Impotenz des Beschwerdeführers
verweisen. Die Vorinstanz verwirft diese Einwendungen und qualifiziert sie als
Schutzbehauptungen. Die Aussagen des Beschwerdegegners seien im Kern konstant
und - wie auch von der Gutachterin und dem Kinderpsychiater bestätigt -
glaubhaft. Die geltend gemachte Impotenz des Beschwerdeführers stehe der
Vornahme von sexuellen Handlungen nicht entgegen, was umso mehr gelte, wenn das
Opfer - wie hier - keine sexuelle Reaktion verlange. Was an dieser Würdigung
willkürlich sein sollte, ist nicht erkennbar.
Ebenso wenig ist ersichtlich, dass die Vorinstanz bei ihrer Würdigung
wesentliche Sachverhaltsumstände zu Lasten des Beschwerdeführers ausser Acht
gelassen hätte. Genannt werden in der Beschwerde etwa das deutlich sexuell
orientierte Verhalten des Beschwerdegegners vor der Erstbekundung, seine
Vorliebe für Phantasiegeschichten, sein Interesse an seiner Betreuerin als
junger Frau sowie seine widersprüchlichen Aussagen in Bezug auf die Beteiligung
der Grossmutter an den sexuellen Übergriffen. Alle diese Vorbringen beschlagen
die Glaubwürdigkeit des Beschwerdegegners als Person bzw. die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen. Die Gutachterin befasst sich damit - auch unter
Berücksichtigung der geltend gemachten Vorbringen - in ihrem Gutachten und
dessen Ergänzungen (vgl. vorstehend Erw. 2.6). Sie gelangt nachvollziehbar zum
Schluss, dass die Kernaussagen des Beschwerdegegners auf real Erlebtem beruhen
bzw. er seine Aussagen ohne realen Erlebnishintergrund nicht hätte machen
können. Zwar seien in der Exploration Phantasieprodukte in die Schilderungen
eingeflossen. Die Kernaussagen des Beschwerdegegners betreffend die angeblichen
Übergriffe durch den Beschwerdeführer (Berühren des Penis) würden dadurch aber
nicht substantiell in Frage gestellt, zumal der Beschwerdegegner unter
Berücksichtigung seiner eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten
höchstwahrscheinlich nicht dazu in der Lage wäre, ein Erlebnis ohne eigene
Erfahrung als Ganzes zu erfinden. Vielmehr müssten innere Bilder eines
Kerngeschehens vorhanden sein (act. 4050; S. 35, 58, 62, 65 f.). Dieser Ansicht
ist auch der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. D.________ (vgl. Befragung vor
erster Instanz, act. 58, S. 14). Die Vorinstanz stützt sich bei ihrer Würdigung
auf die Ausführungen der Gutachterin. Die vom Beschwerdeführer genannten
Sachverhaltsumstände sind damit in die vorinstanzliche Beurteilung
eingeflossen. Es liegt somit weder eine willkürliche Beweiswürdigung noch eine
Gehörsverweigerung im Sinne einer unzureichenden Begründung des angefochtenen
Entscheids vor.

4.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen. Die Gerichtskosten sind dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Freiburg,
Strafappellationshof, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 13. Dezember 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Favre Arquint Hill