Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.800/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_800/2010

Urteil vom 24. Februar 2011
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Bundesrichter Wiprächtiger,
Gerichtsschreiberin Arquint Hill.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 Chur,
2. C.________ Club, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. C. Mark Bruppacher,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Einstellungsverfügung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts von Graubünden, II.
Strafkammer, vom 3. März 2010.
Sachverhalt:

A.
Der C.________ Club wurde im Jahr 1888 als weltweit erster Skeletonclub
gegründet. Er ist ein privater Club mit eigenen Statuten und Reglementen und
nicht dem internationalen Bob und Skeleton Verband (FIBT) angeschlossen. Die
vom C.________ Club seinen Mitgliedern zur Ausübung ihres Sports zur Verfügung
gestellte und jährlich neu von Hand angefertigte Natureisbahn ("Cresta Run")
wird seit 1885 im Wesentlichen gleich, im Gelände zwischen D.________ und
E.________, erbaut. Die Streckenlänge der Bahn, welche insgesamt zehn Kurven
aufweist, beträgt 1212 m, der Höhenunterschied 157 m. Es gibt zwei Startpunkte,
"Top" (volle Streckenlänge) und "Junction" (um einen Drittel verkürzte Länge).
Bei den Abfahrten werden Spitzengeschwindigkeiten bis zu rund 130 km/h
erreicht, die durchschnittliche Geschwindigkeit für einen Lauf kann 90 km/h
betragen. Zum Schutz der Eisbahn und besonders der Kurven vor der
Sonneneinstrahlung werden an bestimmten Stellen der Bahn Sonnensegel montiert,
deren Befestigung - bis anhin - mittels in die Seitenbankette der Bahn
eingeeister Vierkanthölzer erfolgte.

Am 25. Januar 2008 wurde auf dem "Cresta Run" ein von der britischen Armee
offiziell genehmigtes Selektionsrennen für die Inter Service Championships, die
"Army Junction Championships 2008", durchgeführt. Der Start erfolgte von
"Junction". An diesem Rennen nahm auch der britische Armeeangehörige Captain
X.________ teil. Er startete morgens um 09.40 Uhr. Die ersten zwei Drittel der
Fahrt verliefen problemlos. Ausgangs der Rechtskurve "Bulpetts" wurde der
Schlitten von X.________ jedoch instabil und geriet ins Schlingern. Der Körper
von X.________ wurde dadurch angehoben und sein rechtes Bein über das 50-60 cm
hohe Seitenbankett der Bahn in die Höhe geschleudert. Es kam zu einem massiven
Aufprall des Beins auf eines der am Bahnrand zur Befestigung des Sonnensegels
angebrachten Kanthölzer. X.________ wurde der rechte Fuss oberhalb des Knöchels
vollständig vom Körper abgetrennt.

B.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden stellte die am 2. April 2008
eröffnete Strafuntersuchung am 21. Oktober 2009 wieder ein. Es könne niemandem
eine strafrechtlich relevante Verletzung von Sorgfaltspflichten und ein
Verschulden am Unfall zum Nachteil von X.________ angelastet werden. Eine
hiegegen geführte Beschwerde des Unfallopfers wies das Kantonsgericht von
Graubünden am 3. März 2010 ab.

C.
Mit Beschwerde in Strafsachen beantragt X.________ sinngemäss die Aufhebung des
Entscheids des Kantonsgerichts und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
zur neuen Beurteilung.

D.
Das Kantonsgericht von Graubünden und die Staatsanwaltschaft Graubünden haben
am 26. bzw. 28. Januar 2011 auf eine Vernehmlassung verzichtet. Der C.________
Club beantragt mit Eingabe vom 10. Februar 2011, auf die Beschwerde sei nicht
einzutreten. Eventuell sei sie abzuweisen.

Erwägungen:

1.
Der die Einstellung des vorliegenden Strafverfahrens bestätigende Entscheid der
Vorinstanz stellt einen mit Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 78 ff. BGG
anfechtbaren Endentscheid im Sinne von Art. 80 Abs. 1 und Art. 90 BGG dar. Der
Beschwerdeführer ist aufgrund der erlittenen Verletzung in seiner körperlichen
Integrität unmittelbar verletzt (Art. 1 Abs. 1 OHG). Es kommt ihm ohne weiteres
Opferstellung zu. Da er am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen hat (Art. 81
Abs. 1 lit. a BGG), sich aufgrund der Sachlage ohne Zweifel ergibt, welche
Zivilforderungen er geltend machen könnte (vgl. BGE 131 IV 195 E. 1.1.1), und
klar ersichtlich ist, inwiefern sich der angefochtene Entscheid negativ auf
diese Forderungen auswirken kann (BGE 127 IV 185 E. 1a), ist auf die
vorliegende Beschwerde im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG
einzutreten.

2.
Die in der Vernehmlassung erhobenen formellen Einwände des C.________ Clubs
sind unbegründet. Der Beschwerdeführer muss kein Zustellungsdomizil bezeichnen,
da vorliegend eine direkte postalische Zustellung völkerrechtlich möglich ist.
Die Ausführungen in der Beschwerde sind zwar knapp, genügen aber jedenfalls den
gesetzlichen Begründungsanforderungen im Sinne von Art. 42 Abs. 2 BGG und Art.
106 Abs. 2 BGG.

3.
Die Eröffnung eines Strafverfahrens setzt voraus, dass der Beschuldigte eine
mit Strafe bedrohte Handlung begangen hat. Fehlt es nach durchgeführter
Untersuchung an einem hinreichenden Tatverdacht bzw. ist das Vorliegen eines
Straftatbestandes nicht genügend dargetan (Art. 82 Abs. 1 StPO/GR), so dass
eine Verurteilung in der Hauptverhandlung nicht zu erwarten ist, kann der
Untersuchungsrichter das Verfahren einstellen. Die Beurteilung der
Prozessaussichten steht dabei in seinem pflichtgemässen Ermessen. Allerdings
soll dieser nicht allzu rasch und gestützt auf eigene Bedenken zu einer
Aufhebung der Strafverfolgung schreiten. In Zweifelsfällen beweismässiger und
vor allem rechtlicher Art ist vielmehr Anklage zu erheben und soll es dem
Gericht überlassen werden, einen Entscheid zu fällen. Der auf die gerichtliche
Beweiswürdigung zugeschnittene Grundsatz "in dubio pro reo" gilt bei der
Anklageerhebung nicht. Nach Massgabe der Maxime "in dubio pro duriore" ist
vielmehr - wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch
- Anklage zu erheben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. April 2008 6B_588/
2007 E. 3.2.3, publiziert in Praxis 2008 Nr. 123; NIKLAUS SCHMID,
Strafprozessrecht, 4. Aufl. 2004, N 797).
Vorliegend stellte die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung mangels
genügender Anhaltspunkte für ein Drittverschulden im Hinblick auf die vom
Beschwerdeführer erlittene schwere Körperverletzung wieder ein. Den
verantwortlichen Betreibern des "Cresta Run", insbesondere dem "Security
Committee" und dem für den Bahnbetrieb und die Wettbewerbsdurchführung
zuständigen Sekretär des C.________ Clubs, könne keine strafrechtlich relevante
Verletzung ihrer Sorgfaltspflichten im Sinne von Art. 12 Abs. 3 StGB
nachgewiesen werden. Die Vorinstanz bestätigt diesen Entscheid.

Im Verfahren vor Bundesgericht geht es nicht darum zu prüfen, ob sich die
verantwortlichen Betreiber des "Cresta Run" der fahrlässigen schweren
Körperverletzung schuldig gemacht haben. Zu prüfen ist einzig, ob insoweit ein
hinreichender Verdacht besteht bzw. ob die Vorinstanz die Einstellung der
Strafverfolgung ohne Willkür bestätigen durfte, was der Fall ist, wenn nicht
genügend Belastungstatsachen vorhanden sind, die auf eine
Sorgfaltspflichtverletzung durch die Bahnbetreiber hindeuten. Besteht ein
hinreichender Verdacht, ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit
im kantonalen Verfahren eine Anklage wegen fahrlässiger schwerer
Körperverletzung erhoben wird, über welche in der Folge die zuständigen
kantonalen Gerichte zu entscheiden haben.

4.
Nach den Ausführungen im angefochtenen Entscheid handelt es sich beim
Beschwerdeführer um einen geübten und erfahrenen Skeletonfahrer. Er habe
insgesamt 114 Abfahrten auf dem "Cresta Run", davon 36 vom Startpunkt "Top",
absolviert. Es sei daher grundsätzlich von einem hohen Mass an
Eigenverantwortung auszugehen bzw. davon, dass er über die sportartspezifischen
Fähigkeiten und Kenntnisse verfügte, welche ihm ermöglichten, die Situation auf
der Bahn und allfällige bestehende Risiken richtig einzuschätzen. In der
fraglichen Saison - als es zum Unfall kam - habe er bereits 26 Fahrten auf dem
"Cresta Run" hinter sich gebracht. Die Ausgestaltung der Bahn, welche jedes
Jahr gleich angelegt werde, sei ihm deshalb gerade auch im Hinblick auf die
Position der Holzposten bekannt gewesen. Es bestünden keine Hinweise darauf,
dass er die möglichen Risiken verkannt habe, die sich im Zusammenhang mit
Fahrfehlern verwirklichen könnten. So sei durchaus möglich, dass ein Fahrer
eine Kurve etwas zu früh oder zu spät anfahre und beim Ausgang derselben an die
Gegenwand pralle oder aus der Bahn stürze. Dass der Beschwerdeführer ausgangs
der Kurve "Bulpetts" ins Schlingern geraten und dadurch sein rechtes Bein in
die Höhe geschleudert worden sei, sei mithin nicht derart aussergewöhnlich und
unvorhersehbar, dass er damit nicht habe rechnen müssen. Es handle sich
vielmehr gerade um ein sportartspezifisches Risiko, welches sich aufgrund eines
Fahrfehlers verwirklicht habe.

Eine die Eigenverantwortung überlagernde Fremdgefährdung der verantwortlichen
Betreiber des "Cresta Run" liege nicht vor. Der C.________ Club gehöre nicht
dem Internationalen Bob und Skeleton Verband (FITB) an. Das Internationale
Skeletonreglement des FITB, welches vorsehe, dass Aussenpfosten in einer
Distanz von (mindestens) 50 cm vom Bahninnenrand montiert werden müssten, sei
daher nicht anwendbar. Es würden einzig die Vereinsstatuten des C.________
Clubs gelten, welche zur Befestigung der Sonnensegel keine Regelung enthielten.
Die Sonnenschutztücher und die dazugehörigen Hölzer seien wie seit Jahrzehnten
stets in der gleichen Weise im äusseren Drittel der zwischen 40-50 cm breiten
Seitenwände der Bahn angebracht worden. Die Position der Holzpfosten habe die
Bahn nicht gefährlich gemacht. Aufgrund der verschiedenen Depositionen müsse
davon ausgegangen werden, dass die Bahn im Bereich der Unfallstelle nicht
besonders schwierig gewesen und es erst aufgrund des Fahrfehlers des
Beschwerdeführers (zu spätes oder zu hohes Anfahren der Kurve, Verlust der
Herrschaft über den Schlitten infolge eines Schlages oder zu starker Korrektur,
dadurch bewirktes Hochschleudern der Beine) zum Unfall gekommen sei. Dass es im
Verlaufe des Rennens zu solchen Fahrfehlern kommen könne, müsse den Fahrern und
damit auch dem Beschwerdeführer bewusst gewesen sein. Er sei somit nicht
überraschend mit einem untypischen, fallenartigen Hindernis konfrontiert
worden, mit welchem er nicht habe rechnen müssen. Mit andern Worten sei von den
angebrachten Kanthölzern keine die Grundrisiken der Sportart übersteigende
Gefahr ausgegangen. Da die fragliche Kurve als relativ einfach zu befahren
gegolten und sich dort seit Bestehen der Bahn noch nie ein derartiger Unfall
ereignet habe, sei für die Bahnbetreiber eine allfällig von den Pfosten
ausgehende Gefahr nicht erkennbar gewesen, und zwar unbesehen davon, in welchem
Abstand sie sich zum Bankettrand befunden hätten. Daran vermöge auch der
Umstand, dass die Pfosten nach dem Unfall versetzt worden seien, nichts zu
ändern. Der "Cresta Run" sei nach dem damaligen Kenntnisstand ausreichend
gesichert und als Anlage nicht per se gefährlich gewesen. Eine
Pflichtwidrigkeit der verantwortlichen Bahnbetreiber liege bei dieser
Konstellation nicht vor.

5.
Der Beschwerdeführer wehrt sich gegen die Einstellung des Verfahrens. Die
Vorinstanz habe bei ihrer Würdigung von ihm aufgeworfene zentrale Punkte nicht
berücksichtigt bzw. sei von unrichtigen Prämissen ausgegangen. Das betreffe
zunächst die Tatsache, dass im Unterschied zu früheren Jahren die Rechtskurve
"Bulpetts" in der Saison 2007/2008 entgegen der vorinstanzlichen Beurteilung
"anders als sonst" gewesen sei bzw. Schwierigkeiten beim Befahren verursacht
habe. Weiter seien die als Vierkanthölzer verwendeten Pfosten für die
Sonnensegel in der Saison 2007/2008 entgegen den Ausführungen der Vorinstanz
nicht wie sonst im äusseren, sondern im inneren Drittel des Seitenbanketts der
Bahn verankert gewesen. Das ergebe sich aus den Akten. Bei seiner Abfahrt sei
er weder gestürzt noch aus "dem Run geflogen". Vielmehr habe ihm ein zu nahe am
inneren Bahnrand angebrachtes Vierkantholz das in die Höhe geschleuderte Bein
über dem Fussknöchel abgeschnitten. Die Bahn sei damit an der Unfallstelle
nicht sicher genug gewesen. Das zeigten gerade auch die "FIBT"-Regeln, welche
aus Sicherheitsgründen postulierten, dass Pfosten oder Stützen 50 cm vom
Bahninnern entfernt montiert werden müssten. Das hätten die Bahnbetreiber nicht
getan. Darin liege die Sorgfaltspflichtverletzung der verantwortlichen
Bahnbetreiber.

6.
Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger
Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht genommen hat (Art.
12 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung setzt
somit voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht
verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der Täter zum
Zeitpunkt ihrer Vornahme nach den Umständen und nach seinen persönlichen
Verhältnissen die bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen
können und müssen. Für die Zurechenbarkeit des Erfolgs genügt die blosse
Vorhersehbarkeit nicht. Erforderlich ist auch dessen Vermeidbarkeit. Der Erfolg
ist vermeidbar, wenn er nach einem hypothetischen Kausalverlauf bei
pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre (BEG 134 IV 193 E. 7.3).
Ein fahrlässiges Erfolgsdelikt kann auch durch Unterlassen verübt werden.
Voraussetzung ist in diesem Fall erstens eine Rechtspflicht zur Vornahme der
unterlassenen Handlung (Garantenstellung) und zweitens die Möglichkeit, diese
Handlung vorzunehmen. Zwischen der Unterlassung und dem Erfolg besteht ein
Kausalzusammenhang, wenn bei Vornahme der gebotenen Handlung der Erfolg mit
einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit nicht eingetreten wäre. Die blosse
Möglichkeit des Nichteintrittes des Erfolges bei Vornahme der gebotenen
Handlung reicht zur Bejahung dieses hypothetischen Zusammenhanges nicht aus
(BGE 117 IV 130 E. 2a; 116 IV 182 E. 4; 115 IV 189 E. 2, je mit Hinweisen).
Das Mass der im Einzelfall zu beachtenden Sorgfalt richtet sich, wo besondere,
der Unfallverhütung und der Sicherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhalten
gebieten, in erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 130 IV 7 E. 3.3; 127 IV
34 E. 2a mit Hinweisen). Wo eine derartige Regelung fehlt, kann der Vorwurf der
Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie den allgemeinen
Gefahrensatz gestützt werden (BGE 106 IV 80 E. 4b).
Grundsätzlich gilt, dass derjenige, der einen Gefahrenbereich - zum Beispiel
eine Sportanlage - schafft, die davon ausgehenden Gefahren zu kontrollieren und
zu verhindern hat, dass dadurch Schädigungen fremder Rechtsgüter entstehen. Der
Betreiber von Sportanlagen hat dafür einzustehen, dass zur Gefahrenabwehr alle
zumutbaren Vorsichts-, Schutz- und Überwachungsmassnahmen getroffen werden
(vgl. Urteil 6S.610/1998 vom 2. Februar 1998 E. 3b; ANDREAS DONATSCH, Gedanken
zum strafrechtlichen Schutz des Sportlers, in ZStrR 107/ 1990, S. 400 ff.; S.
416; MELANIE BERKEL, Der Sportunfall im Lichte des Strafrechts, Giessen Diss.
2007, S. 182 f.; zum Ganzen vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, Die Einwilligung des
Verletzten bei den Delikten gegen Leib und Leben, Diss. Basel 1996).
Grenze der Sicherungspflicht des Bahnbetreibers bildet die Zumutbarkeit.
Schutzmassnahmen können nur im Rahmen des nach der Verkehrsübung Erforderlichen
und Möglichen verlangt werden, wenn auch ein Mindestmass an Schutz immer
gewährleistet sein muss (BGE 121 III 358 E. 4a; 115 IV 189 E. 3c). Eine weitere
Schranke der Sicherungspflicht liegt in der Eigenverantwortung des einzelnen
Sportlers. Es ist zu berücksichtigen, dass in erster Linie dieser für die
Folgen der Gefährdung seiner Gesundheit einzustehen hat. Denn es muss dem
eigenverantwortlich Handelnden offenstehen, sich sportlich zu betätigen und
dadurch kalkulierbare Risiken einzugehen. Die Anforderungen an die
Gefahrenabwendung haben sich mit andern Worten unter anderem danach
auszurichten, dass sie nicht zum Ziel haben können, völlige Gefahrenfreiheit zu
garantieren. Sie sollen vielmehr die Gefahren auf ein erträgliches Mass
beschränken. Jede Sportart birgt in sich ein unterschiedlich hohes
sportartspezifisches Grundrisiko. Betreiber von Sportanlagen sind damit
grundsätzlich nicht gehalten, das sportartspezifische tolerable Grundrisiko zu
vermindern bzw. die eigenverantwortlichen Sportler von einer kalkulierbaren
Selbstgefährdung abzuhalten (Urteil 6S.610/1998 vom 2. Februar 1998 E. 3 mit
Hinweisen auf die Literatur; vgl. auch die jüngere Rechtsprechung des
Bundesgerichts betreffend Mitwirkung an fremder Selbstgefährdung und
einverständliche Fremdgefährdung: BGE 134 IV 149; Urteil 6S.91/2007 vom 6.
Dezember 2007 und 17. Januar 2008 E. 4; BGE 131 IV 1 E. 3; 125 IV 189 E. 3).

7.
Beim "Cresta Run" handelt es sich um eine Skeletonbahn aus Natureis, die jedes
Jahr von Hand neu erstellt wird. Der C.________ Club, welcher die Bahn
betreibt, ist ein privater Club mit eigenen Statuten und Reglementen. Er ist
dem internationalen Bob und Skeleton Verband (FIBT) nicht angeschlossen. Das
Internationale Skeleton-Reglement des FIBT findet hier deshalb keine (direkte)
Anwendung. Das Mass der zu beachtenden Sorgfalt im Zusammenhang mit dem Betrieb
der Anlage richtet sich daher in erster Linie nach dem allgemeinen
Gefahrensatz. Die Regeln des FIBT können allerdings im Sinne eines
Referenzmassstabs zur Bemessung der Sorgfaltspflicht in Einzelfragen
herangezogen werden.
Ein strafrechtlicher Vorwurf kann sich ergeben, wenn der verantwortliche
Bahnbetreiber es versäumt, seiner Pflicht zur Sicherung nachzukommen. Wohl hat
auch der Sportler oder die Sportlerin, welcher oder welche die Anlage benützt,
ein Augenmerk auf die von ihm/ihr benützte Anlage zu richten. Im Allgemeinen
darf er oder sie sich jedoch darauf verlassen, dass die erstellte und
unterhaltene Anlage den Sicherheitsanforderungen entspricht. Es fällt mithin in
erster Linie in den Verantwortungsbereich des Bahnbetreibers, die Anlage
sachgerecht zu sichern, die davon ausgehenden Gefahren zu kontrollieren und zu
verhindern, dass Schädigungen fremder Rechtsgüter entstehen. Mit andern Worten
müssen und mussten die Betreiber des "Cresta Run" umfassende
Sicherheitsmassnahmen zur Gefahrenabwehr treffen bzw. grundsätzlich alles
Notwendige vorzukehren, damit sich eine durch die Anlage geschaffene Gefahr
nicht verwirklicht.
Wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid gestützt auf diverse Depositionen
ausführt, kann es durchaus geschehen, dass ein Fahrer des "Cresta Run" eine
Kurve etwas zu früh oder zu spät anfährt und dann beim Ausgang derselben an die
Gegenwand prallt oder gar aus der Bahn stürzt (vgl. angefochtenen Entscheid, S.
10). Die Vorinstanz erwägt weiter, dass sich beim Beschwerdeführer gerade
Solches zugetragen habe. Aufgrund eines Fahrfehlers sei dieser ausgangs der
Rechtskurve "Bulpetts" ins Schlingern geraten und habe in der Folge die
Kontrolle über seinen Schlitten verloren. Sein Körper bzw. sein rechtes Bein
sei dadurch in die Höhe geschleudert worden. Das sei weder derart
aussergewöhnlich noch unvorhersehbar, dass er - der Beschwerdeführer - damit
nicht habe rechnen müssen (vgl. angefochtenen Entscheid, S. 10 und 12). Dass es
zu solchen Fahrfehlern kommen könne, müsse den Teilnehmern des Rennens und
damit auch dem Beschwerdeführer bewusst sein (vgl. angefochtenen Entscheid, S.
12).

Was für die Teilnehmer des Rennens und damit für den Beschwerdeführer gilt,
muss gleichermassen auch für die Betreiber des "Cresta Run" gelten. Ist davon
auszugehen, dass das aufgrund des (allfälligen) Fahrfehlers des
Beschwerdeführers bewirkte Hochschleudern der Beine weder derart
aussergewöhnlich noch unvorhersehbar war, dass dieser damit nicht rechnen
musste, war es das auch für die Betreiber der Bahn nicht. Vielmehr handelt es
sich hier nach der insoweit nicht zu beanstandenden Beurteilung der Vorinstanz
um ein typisches Risiko des Skeletonsports im "Cresta Run", wie es denn etwa
gerade Stürze aus der Bahn oder das Prallen an die Seitenbanden sind. Dieses
sportartspezifische Grundrisiko fällt nach dem Gesagten in die
Eigenverantwortung des Sportlers. Mit andern Worten ist er hierfür
grundsätzlich selber verantwortlich. Daraus folgt aber nur, dass der
Bahnbetreiber an sich nicht verpflichtet ist, das sportartspezifische tolerable
Grundrisiko zu vermindern. Das Prinzip der Eigenverantwortung des Sportlers
entbindet den verantwortlichen Bahnbetreiber jedoch nicht davon, im Rahmen der
ihm obliegenden Sicherungspflicht zumutbare (Schutz)-Vorkehrungen zu treffen,
um die Verletzungsfolgen im Falle der Realisierung des sportartspezifischen
Risikos möglichst gering zu halten. So sind Sturzräume sachgerecht zu sichern.
Gleichermassen ist zu verhindern, dass hochgeschleuderte Extremitäten eines
Fahrers mit festen Objekten - wie etwa Pfosten, die zur Befestigung von
Sonnensegeln dienen - kollidieren können. Dies gilt umso mehr, als solche
Pfosten weder wesensgemässer Bestandteil der Bahn bilden noch zur Ausübung des
Sports gehören, sondern letztlich vielmehr eine zusätzliche Gefahrquelle
darstellen. Solche Objekte sind deshalb in Konkretisierung des Gefahrensatzes
grundsätzlich entweder vollständig aus der Gefahrenzone zu entfernen (vgl. in
diesem Zusammenhang etwa Skeletonreglement 2008, Regel 16.17 Positionierung von
Sonnenschutzeinrichtungen; 50 cm vom Bahninnenrand) oder - falls das nicht
möglich oder zumutbar ist - in geeigneter Weise zu sichern (Polsterung,
Verwendung weicher und flexibler statt harter und kantiger Materialien).

Vorliegend trennte ein zur Befestigung eines Sonnensegels in das Seitenbankett
der Bahn eingelassenes Vierkantholz (8.00 cm x 12.00 cm) das hochgeschleuderte
Bein des Beschwerdeführers über dem Fussknöchel vom Körper ab. Das fragliche
Vierkantholz befand sich in unmittelbarer Nähe zum Bahninnern. Konkret betrug
seine Entfernung zum Bahninnenrand lediglich 10 bis allerhöchstens 15 cm, was
sich ohne weiteres aus den Akten ergibt (vgl. kantonale Akten, act. 2/2,
Fotoblatt der Kantonspolizei Graubünden S. 5, Photographie Nr. 10; act. 2/3,
Unfallskizze Kantonspolizei Graubünden; vgl. staatsanwaltliche
Einstellungsverfügung S. 7 Ziff. 4.5). Die Feststellung im angefochtenen
Entscheid, das Kantholz habe sich im äusseren Drittel des 40 - 50 cm breiten
Seitenbanketts befunden, erweist sich damit ohne weiteres als offensichtlich
unrichtig. Überdies war der scharfkantige, massive Holzpfosten - was soweit
ersichtlich auch für die weiteren Kanthölzer entlang der Bahn gilt bzw. galt -
nicht gesichert. In Anbetracht dieser Gegebenheiten, d.h. der Positionierung
der ungeschützten Vierkanthölzer so nahe an der Bahn, bestehen Zweifel daran,
ob der "Cresta Run" im Bereich der Unfallstelle tatsächlich genügend sicher
war, zumal mit einem Hochschleudern der Beine eines Fahrers ja zu rechnen ist.
Die Frage, ob die Bahnbetreiber ihrer Pflicht zur Sicherung nachgekommen sind,
lässt sich damit entgegen der Vorinstanz nicht mit Bestimmtheit bejahen. Im
Gegenteil bestehen gewichtige Anhaltspunkte, die auf ein pflichtwidriges
Verhalten der Bahnbetreiber hindeuten. Das gilt selbst unter Berücksichtigung
dessen, dass die Holzpfosten zur Befestigung der Sonnensegel schon immer so
angebracht wurden, sich seit Bestehen der Bahn offenkundig keine derartigen
Unfälle ereignet haben und der Beschwerdeführer den Standort der Pfosten
ebenfalls kannte. Unter den gegebenen Umständen liegt auch die Annahme nicht
fern, dass die Verletzung des Beschwerdeführers nicht eingetreten oder
zumindest nicht derart schwerwiegend gewesen wäre, wenn der kantige Holzpfosten
nicht in unmittelbarer Nähe der Bahn gestanden hätte und/oder zumindest
gepolstert gewesen wäre.

Abgesehen davon scheinen die Feststellungen der Vorinstanz zur Gefährlichkeit
bzw. Schwierigkeit der Bahn im Bereich der Unfallstelle "Bulpetts" in der
fraglichen Saison auf nicht vollständigen bzw. einseitigen Abklärungen zu
beruhen. So machte der Beschwerdeführer bereits im Untersuchungsverfahren
ausdrücklich geltend, dass "Bulpetts" in der Saison 2007/2008 "anders als
sonst" bzw. "schwieriger als üblich" zu befahren gewesen sei. Die
Skeleton-Fahrer A.________ und B.________ (Champion Skeletonfahrer C.________
Club) würden seine Einschätzung teilen bzw. hätten ausgangs der Kurve
"Bulpetts" mit ähnlichen Schwierigkeiten wie er zu kämpfen gehabt. Es sei
darüber viel gesprochen worden. Zur Untermauerung seines Vorbringens wies und
weist der Beschwerdeführer auf entsprechendes Video-Material ("Video footage")
hin (siehe kantonale Akten, act. 2/20 S. 2; act. 3/2, polizeiliche Befragung
zur Sache, S. 3 und 4). Diesen Hinweisen wurde im Verfahren nicht nachgegangen,
wiewohl Solches - auch unter dem Aspekt der Tragweite des Unfalls für das Opfer
- nahegelegen hätte. Unter diesen Umständen können auch keine abschliessenden
Aussagen zur Schwere des dem Beschwerdeführer (allfällig) anzulastenden
Fahrfehlers bzw. zu einem allfällig bestehenden Selbstverschulden gemacht
werden.
Die Sach- und Rechtslage erweist sich vorliegend entgegen der Auffassung der
Vorinstanz nicht als derart klar, dass mit einer überwiegenden
Wahrscheinlichkeit angenommen werden könnte, bei einer gerichtlichen
Beurteilung sei mit einem Freispruch zu rechnen. Die vorinstanzliche
Bestätigung der von der Staatsanwaltschaft erlassenen Einstellungsverfügung
beruht damit auf Willkür.

8.
Die Beschwerde ist gutzuheissen. Der private Beschwerdegegner (C.________ Club)
unterliegt mit seinem Antrag auf Nichteintreten, eventualiter Abweisung der
Beschwerde. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem privaten
Beschwerdegegner die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Der
Beschwerdeführer ist vor Bundesgericht nicht anwaltlich vertreten. Besondere
persönliche Aufwendungen, die er gehabt haben könnte, macht er nicht geltend.
Es ist ihm deshalb keine Entschädigung zuzusprechen (BGE 133 III 439 E. 4; 115
Ia 12 E. 5).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, der angefochtene Entscheid des
Kantonsgerichts von Graubünden vom 3. März 2010 aufgehoben und die Sache zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem privaten Beschwerdegegner
auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht von Graubünden, II.
Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. Februar 2011

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Favre Arquint Hill