Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.849/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_849/2010

Urteil vom 14. April 2011
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger, Mathys, Bundesrichterin
Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiber Faga.

Verfahrensbeteiligte
X.________, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. Ernst Kistler,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau, Frey-Herosé-Strasse 12, Wielandhaus,
5001 Aarau,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Mehrfache grobe und einfache Verletzung der Verkehrsregeln,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Strafgericht,
1. Kammer, vom 26. August 2010.

Sachverhalt:

A.
X.________ fuhr am 8. Juni 2007 mit seinem Personenwagen von Lupfig (AG) auf
der Autobahn A3 nach Mülligen (AG) sowie von Dietikon (ZH) auf der
Mutschellenstrasse nach Spreitenbach (ZH). Dabei verletzte er die
Verkehrsregeln mehrfach grob und einfach. Er missachtete die signalisierte
respektive allgemeine Höchstgeschwindigkeit, überholte Fahrzeuge rechts, hielt
beim Überholen einen ungenügenden Abstand ein und überfuhr eine Sperrfläche
sowie eine Sicherheitslinie. Auf dem Beifahrersitz sass A.________, der die
Fahrt mit seiner Kamera filmte. X.________ werden zudem weitere (hier nicht
relevante) Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrs- und das
Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen.

B.
Das Bezirksgericht Brugg sprach X.________ mit Entscheid vom 15. Dezember 2009
schuldig unter anderem der mehrfachen groben und einfachen Verletzung der
Verkehrsregeln. Es verurteilte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 18
Monaten unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von fünf Tagen
sowie zu einer Busse von Fr. 2'500.--. Ferner widerrief es den bedingten
Vollzug einer Gefängnisstrafe von 14 Tagen. Eine von X.________ dagegen
erhobene Berufung wies das Obergericht des Kantons Aargau mit Urteil vom 26.
August 2010 ab.

C.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen. Er beantragt sinngemäss, er sei in
Bezug auf den Vorfall vom 8. Juni 2007 vom Vorwurf der mehrfachen groben und
einfachen Verkehrsregelverletzung freizusprechen und mit einer bedingten
Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.-- zu bestrafen. Eventualiter sei der
vorinstanzliche Schuldspruch zu bestätigen, und er sei zu einer bedingten
Freiheitsstrafe von zehn Monaten und einer Busse von Fr. 1'000.-- zu
verurteilen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen.

D.
Das Obergericht und die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau haben auf
Vernehmlassung verzichtet.

Erwägungen:

1.
Die von A.________ als Beifahrer auf der Fahrt vom 8. Juni 2007 benützte Kamera
ging anlässlich eines Volksfests ("Badenfahrt") verloren und wurde am 17.
August 2007 der Stadtpolizei Baden übergeben. Zur Identifizierung des
Eigentümers sichtete die Stadtpolizei die gespeicherten Daten. Sie stiess dabei
auf zwei Filme, welche die dem Beschwerdeführer zur Last gelegte Fahrt zeigen.
Dies hatte die Einleitung eines Strafverfahrens zur Folge.

Die Vorinstanz stützt sich im Rahmen der Sachverhaltsfeststellung auf die
Filmaufnahmen sowie auf die Aussagen des Beschwerdeführers. Am 9. November
2007, nach erfolgter Sichtung des Kamerainhaltes und nach durchgeführter
Konfrontation des Beschwerdeführers mit den Aufzeichnungen, ersuchte das
Bezirksamt Brugg betreffend die Speicherkarte um nachträgliche Genehmigung
ihrer Auswertung. Die Beschwerdekammer des Obergerichts des Kantons Aargau trat
am 15. November 2007 auf den Antrag nicht ein. Sie erwog, dass für eine
nachträgliche Genehmigung einer bereits erfolgten Auswertung keine gesetzliche
Grundlage bestehe.

2.
2.1 Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, die Filmaufnahmen seien
als Beweismittel nicht verwertbar. Gegen ihn sei kein Untersuchungsverfahren im
Gange gewesen, und die Aufnahmen seien ein Zufallsfund. Die
Verkehrsregelverletzungen hätten ihm nur unter der Verletzung der Privat- und
Geheimsphäre von A.________ nachgewiesen werden können (Art. 13 BV bzw. Art. 8
EMRK). Die Aufnahmen wären auf gesetzmässigem Weg nicht erhältlich gewesen. Zur
Identifikation des Eigentümers hätte genügt, wenn die Polizei auf dem Fundbüro
der "Badenfahrt" sich nach einer Verlustmeldung erkundigt hätte. Zudem habe sie
durch die rasche Sichtung der Dateien dem Eigentümer nicht genügend Zeit
gelassen, sich zu melden. Es treffe zu, dass er gegenüber der Polizei und dem
Bezirksgericht die ihm vorgeworfene Fahrweise (nach anfänglicher
Aussageverweigerung) eingestanden habe. Dies sei hingegen erst auf Vorhalt der
Filmaufnahmen geschehen, auf denen er und seine Fahrweise deutlich erkennbar
gewesen seien. Unter diesen Umständen hätte ihn ein Abstreiten nur noch mehr
diskreditiert. Indem die Vorinstanz Beweismittel heranziehe, die unrechtmässig
erlangt worden seien und die den seelischen Eigenraum eines anderen tangieren
würden, verletze sie das Gebot des fairen Verfahrens (Art. 29 Abs. 1 BV und
Art. 6 Ziff. 1 EMRK). Zudem sei, unter Hinweis auf Art. 5 und 25 f. BV, das
Legalitätsprinzip verletzt (Beschwerde S. 3 ff.).

2.2 Die Vorinstanz erwägt, die Polizei habe die Daten der Kamera nicht im
Hinblick auf eine Straftat untersucht, sondern weil sie den Eigentümer habe
ermitteln wollen. Bei den Filmaufnahmen vom 8. Juni 2007 handle es sich deshalb
um Zufallsfunde. Ob diese und die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der
polizeilichen Einvernahme vom 1. September 2007 verwertbar seien, könne
offenbleiben. Der Beschwerdeführer habe den ihm zur Last gelegten Sachverhalt
am 15. Dezember 2009 anlässlich der Parteibefragung vor dem Bezirksgericht
Brugg anerkannt. Ein allfälliges Beweisverwertungsverbot würde ein rund 2 ½
Jahre später erfolgtes Geständnis nicht mitumfassen. Gegenteiliges wäre nur
anzunehmen, wenn der Beschwerdeführer ausgesagt hätte in der Meinung, die
Aufnahmen könnten gegen ihn verwendet werden. Dies sei hier nicht der Fall, da
er selbst auf die Unverwertbarkeit der Filme hingewiesen habe (angefochtener
Entscheid S. 12 f.).

2.3
2.3.1 Es stellt sich die Frage, ob die Vorinstanz ein strafprozessuales
Beweisverwertungsverbot missachtet hat. Ist ein Entscheid vor Inkrafttreten der
Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (Strafprozessordnung,
StPO; SR 312.0) am 1. Januar 2011 gefällt worden, so werden Rechtsmittel
dagegen nach altem Recht, von den bisher zuständigen Behörden, beurteilt (Art.
453 Abs. 1 StPO). Die Beschwerde richtet sich somit nach altem Recht.

Zwangsmassnahmen zur Erforschung der materiellen Wahrheit setzen eine
gesetzliche Grundlage voraus, müssen im öffentlichen Interesse liegen und im
Hinblick auf die abzuklärende Straftat verhältnismässig sein (Art. 36 BV; vgl.
zum neuen Recht Art. 197 StPO).
2.3.2 Die Stadtpolizei Baden respektive die Kantonspolizei Aargau wurden auf
den Beschwerdeführer aufmerksam, weil sie die anlässlich eines Volksfests
verloren gegangene Kamera - laut den vorinstanzlichen Feststellungen auf der
Suche nach allfälligen Hinweisen auf den Eigentümer - sichteten. Die fraglichen
Aufnahmen wurden nicht im Rahmen einer abzuklärenden Straftat entdeckt, und
gegen den Beschwerdeführer oder Drittpersonen bestand in diesem Zusammenhang
kein Tatverdacht. Bei den Filmaufnahmen handelt es sich deshalb nicht um
eigentliche Zufallsfunde. Solche stammen aus dem rechtmässigen Einsatz
strafprozessualer Zwangsmassnahmen, dem namentlich ein genügender
Anfangsverdacht zugrunde lag (Judith Natterer, Die Verwertbarkeit von
Zufallsfunden aus der Telefonüberwachung im Strafverfahren, 2001, S. 31;
Niklaus Schmid, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2009, N.
1066).

Lagen aber keine Hinweise auf eine mögliche Straftat vor, so bestanden ebenso
wenig wesentliche Gründe oder eine zeitliche Notwendigkeit, den Inhalt des
Geräts zu sichten. Die Polizei hätte demnach laut den zutreffenden Ausführungen
des Beschwerdeführers die Kontaktaufnahme durch den Eigentümer abwarten können,
was sie indessen unterliess. Vielmehr wertete sie die gespeicherten Daten
bereits innerhalb zweier Wochen nach dem Verlust der Kamera aus (vgl.
vorinstanzliche Akten pag. 103). Das Vorgehen der Polizei scheint zudem
grundsätzlich nicht geeignet zu sein, den Eigentümer der Kamera ohne Weiteres
aufzufinden. Dieser dürfte regelmässig anhand von aufgefundenen Filmaufnahmen
oder Fotografien, wenn überhaupt, nur mit einem gewissen Aufwand zu ermitteln
sein.

Die Polizei hat mithin aufs Geratewohl Daten durchsucht. Ihre Vorgehensweise
ist im Ergebnis in einem gewissen Sinne mit einer unzulässigen
Beweisausforschung vergleichbar. Von einer solchen Beweisausforschung ("fishing
expedition") spricht man, wenn der Zwangsmassnahme kein genügender dringender
Tatverdacht zugrunde lag, sondern planlos Beweisaufnahmen getätigt werden. Die
Ergebnisse einer "fishing expedition" sind nicht verwertbar (BGE 128 II 407 E.
5.2.1 S. 417 mit Hinweisen; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl. 2004,
N. 686 Fn. 4 und N. 725; Niklaus Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts,
2. Aufl. 2005, N. 1211 und N. 1219; Natterer, a.a.O., S. 18 f.; Theobald Brun,
Die Beschlagnahme von Bankdokumenten, 1996, S. 39; zur Beweisausforschung unter
dem neuen Prozessrecht Schmid, Handbuch, a.a.O., N. 1067 und N. 973 Fn. 6;
Sabine Gless, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2011,
N. 81 zu Art. 141 StPO; Diego Gfeller, in: Basler Kommentar, a.a.O., N. 44 vor
Art. 241 - 254 StPO). Hier gelangte die Kamera auf gesetzmässigem Weg in den
Herrschaftsbereich der Stadtpolizei Baden. Die Frage, ob anlehnend an eine
verpönte Beweisausforschung von einem absoluten Verwertungsverbot auszugehen
ist oder ob es zu berücksichtigen gilt, dass die Polizei nach den
vorinstanzlichen Feststellungen mit der Absicht handelte, das Gerät seinem
rechtmässigen Besitzer zuzuführen, kann offenbleiben. Selbst bei einem
relativen Beweisverwertungsverbot überwiegt das private Interesse des
Beschwerdeführers an der Unverwertbarkeit des Kamerainhaltes (E. 2.3.4-5
nachfolgend).
2.3.3 Eine gesetzliche Grundlage, die der Untersuchungsbehörde die Möglichkeit
einräumen würde, losgelöst von einem (genügenden) Anfangsverdacht den Speicher
einer aufgefundenen Kamera ohne Einwilligung des Berechtigten zu sichten,
besteht nicht (vgl. § 90 in Verbindung mit § 85 aStPO/AG; vgl. auch § 4 Abs. 1
lit. b des Dekrets [des Kantons Aargau] vom 6. Dezember 2005 über die
Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit [SAR 531.210], der als
verwaltungspolizeiliche Aufgabe der Gemeinden die blosse Entgegennahme von
Fundgegenständen bezeichnet). Ebenso wenig kann mangels schwerer und
unmittelbarer Gefahr auf die Polizeigeneralklausel zurückgegriffen werden. Im
Ergebnis wurde die Kamera gesichtet, ohne dass hierfür ein Tatverdacht und
insbesondere eine gesetzliche Grundlage bestanden hätten.
2.3.4 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Verwertbarkeit
unrechtmässig erlangter Beweismittel verfassungsrechtlich nicht in jedem Fall
ausgeschlossen, sondern lediglich dem Grundsatz nach. Massgebend sind die
Schwere des Delikts und die Frage, ob das Beweismittel an sich zulässig und
auch auf gesetzmässigem Weg zu erlangen gewesen wäre. Es bedarf einer
Güterabwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Wahrheitsfindung und
dem privaten Interesse der angeklagten Person, dass der fragliche Beweis
unterbleibt (siehe zum Beispiel BGE 131 I 272 E. 4 S. 278 ff.; 130 I 126 E. 3.2
S. 132; vgl. auch BGE 133 IV 329 E. 4.4 S. 331; je mit Hinweisen; Hauser/
Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl. 2005, § 60.6 ff.;
a.M. Oberholzer, a.a.O., N. 805 ff., der ein striktes Verwertungsverbot
befürwortet, falls der Beweis auf gesetzeskonforme Weise nicht hätte erbracht
werden können; vgl. zum neuen Recht Art. 141 Abs. 2 StPO, wonach Beweise,
welche die Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung von
Gültigkeitsvorschriften erhoben haben, nicht verwertet werden dürfen, es sei
denn, ihre Verwertung sei zur Aufklärung schwerer Straftaten unerlässlich).
Beim Verwertungsverbot bleibt es namentlich, wenn bei der streitigen
Untersuchungsmassnahme ein Rechtsgut verletzt wurde, das im konkreten Fall den
Vorrang vor dem Interesse an der Durchsetzung des Strafrechts verdient (BGE 131
I 272 E. 4.1.2 S. 279).

Im Rahmen dieser Prüfung ist in rechtlicher Hinsicht sowohl den tangierten
Freiheitsrechten als auch dem Grundsatz des fairen Verfahrens Rechnung zu
tragen. Ist die Rechtswidrigkeit in Bezug auf die Sichtung der Aufnahmen nicht
mehr fraglich, muss geprüft werden, ob die Verwertung eines rechtswidrig
erlangten Beweises vor dem Fairnessgebot standhält. Allfällige Ansprüche aus
der Garantie des Privatlebens (Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK) und dem angerufenen
Legalitätsprinzip gehen in diesem Fall nicht über das Gebot des fairen
Verfahrens hinaus. Dies ändert nichts daran, dass die Garantie des Privatlebens
als verletztes Rechtsgut des Beschuldigten unter Umständen in die
verfassungsrechtliche Überprüfung, ob die Verwertung eines rechtswidrig gegen
ihn erlangten Beweises vor dem Gebot eines gerechten Verfahrens standhält,
einfliesst (BGE 131 I 272 E. 3.2.2 S. 275).
2.3.5 Es ist somit eine Interessenabwägung im Sinne der dargelegten Praxis
vorzunehmen.
2.3.5.1 Eine gesetzliche Grundlage, die der Untersuchungsbehörde die
Möglichkeit verschafft hätte, die Filmaufnahmen rechtmässig zu erlangen,
besteht nicht (E. 2.3.3 hievor). Dass die Sichtung der Aufnahmen an sich
unzulässig war und auf gesetzmässigem Weg nicht hätte erreicht werden können,
spricht tendenziell für die Unverwertbarkeit der Aufnahmen (BGE 130 I 126 E.
3.2 S. 132 mit Hinweis).
2.3.5.2 Die Ermittlungshandlungen richten sich nicht gegen sehr schwere,
sondern gegen relativ schwerwiegende Delikte. Dem Beschwerdeführer wird zur
Last gelegt, auf einer rund zehnminütigen Fahrt in Begleitung zweier Mitfahrer
mehrere Verkehrsregeln erheblich verletzt und dadurch eine ernstliche Gefahr
für die Sicherheit anderer geschaffen zu haben. Bei groben
Verkehrsregelverletzungen handelt es sich um Vergehen, die mit Freiheitsstrafe
bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft werden (Art. 90 Ziff. 2 SVG). Sie
stellen keine Fälle schwerer Kriminalität dar. Als schwere Straftaten fallen
vorab Verbrechen in Betracht. Um solche handelt es sich hier nicht. Vor diesem
Hintergrund legt die Schwere der hier interessierenden Vergehen grundsätzlich
die Unverwertbarkeit des unrechtmässig erlangten Beweismittels nahe.
2.3.5.3 Bei den umstrittenen Aufnahmen hat der Beifahrer mit seiner Kamera die
Fahrt des Beschwerdeführers festgehalten. Es ist nicht ersichtlich und wird vom
Beschwerdeführer auch nicht dargetan, inwiefern die Aufzeichnungen respektive
deren Sichtung durch Drittpersonen den seelischen Eigenraum des
Beschwerdeführers massgeblich tangieren respektive verletzen würden.
2.3.5.4 Die Polizei hat, wie dargelegt, im Ergebnis aufs Geratewohl Daten
durchsucht. Selbst wenn ein absolutes Verwertungsverbot verneint würde, so sind
die aufgezeigten Umstände respektive die Art und Weise, wie das Beweismittel
gewonnen wurde (E. 2.3.2), ein gewichtiges Kriterium zu Gunsten des privaten
Interesses des Beschwerdeführers an der Unverwertbarkeit der gesichteten Daten.
2.3.5.5 Insgesamt überwiegt nach der dargelegten Interessenabwägung das private
Interesse des Beschwerdeführers, dass der fragliche Beweis unverwertet bleibt,
das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung. Ein Abstellen auf die
rechtswidrig erlangten Filmaufnahmen hält deshalb vor dem Fairnessgebot nicht
stand. Dies führt zu einem Beweisverwertungsverbot.
2.4
2.4.1 Zu prüfen ist, ob ein solches Verbot so genannte Fernwirkung zeitigt. Die
Lehre ist gespalten, ob das Verwertungsverbot einzig für die rechtswidrig
beschafften primären Beweismittel gilt, oder ob es sich auch auf alle weiteren
Beweismittel erstreckt, welche gestützt auf die illegalen Primärbeweismittel
erhoben wurden. Während verschiedene Autoren für eine Fernwirkung des
Verwertungsverbots eintreten, wenden sich andere gegen eine solche umfassende
Unverwertbarkeit von Folgebeweisen. So ist nach der zweitgenannten Meinung
einzig von der Unverwertbarkeit auszugehen, wenn der ursprüngliche, ungültige
Beweis unverzichtbare Voraussetzung des mittelbar erlangten Beweises ist. Das
Bundesgericht hat sich für die zweite Lösung ausgesprochen, weil dadurch ein
angemessener Ausgleich erzielt wird zwischen den divergierenden Interessen an
der Einhaltung der Regeln über die Beweiserhebung und an der Ermittlung der
materiellen Wahrheit (BGE 133 IV 329 E. 4.5 S. 332 f. mit Hinweisen).
2.4.2 Anlässlich der kantonspolizeilichen Befragung vom 1. September 2007 hat
der Beschwerdeführer die ihm vorgeworfenen Verkehrsregelverletzungen vom 8.
Juni 2007 zu Beginn im Wesentlichen bestritten. Nachdem ihm die Filmaufnahmen
gezeigt wurden, erklärte er sich grösstenteils geständig (vorinstanzliche Akten
pag. 107 ff. und 112 f.). An der Hauptverhandlung vom 15. Dezember 2009
anerkannte er den Vorwurf (vorinstanzliche Akten pag. 857 f.). Weitere
Beweismittel wurden dem Beschwerdeführer nicht vorgehalten. Offensichtlich ist,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der ersten Einvernahme sich erst auf
Vorhalt der Aufnahmen zur Tat bekannte. Dieses Beweismittel, d.h. sein
Geständnis vom 1. September 2007, wäre ohne die rechtswidrig beschafften
Filmszenen nicht erlangt worden. Dasselbe gilt für die Befragung anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung. Dass diese erst rund zwei Jahre später
stattfand, ist nicht wesentlich. Dem Bezirksgericht Brugg lagen im Rahmen der
Sachverhaltserstellung sowohl die Filmaufnahmen als auch ein gestützt darauf
erstelltes Gutachten des Bundesamts für Metrologie vor. Auf diese
(rechtswidrigen) Beweismittel stellte es schwergewichtig ab (vgl. Urteil des
Bezirksgerichts Brugg vom 15. Dezember 2009 S. 9 ff.). Der Beschwerdeführer
konnte mithin die ihm zur Last gelegte Fahrweise denn auch nicht mit Aussicht
auf Erfolg in Abrede stellen. Vielmehr blieb ihm nach seinen zutreffenden
Ausführungen einzig zu bestätigen, was bereits durch die Aufnahmen und das
Gutachten offenlag. Ob der Beschwerdeführer respektive sein Verteidiger von der
Unverwertbarkeit der Beweismittel ausging, ändert daran nichts. Im Übrigen
wären die hier interessierenden Verkehrsregelverletzungen ohne die Sichtung der
Kamera nicht ans Licht gekommen. Es wäre mithin nicht möglich gewesen, den
Beschwerdeführer ohne die Filmszenen als Fahrer zu ermitteln. Die Folgebeweise,
welche im Anschluss an die rechtswidrig beschafften primären Beweismittel (die
gespeicherten Daten auf der Filmkamera) an sich legal erhoben wurden, sind
deshalb nicht verwertbar.

2.5 Die fraglichen Filmaufnahmen und die gestützt darauf beschafften
Beweismittel dürfen im Rahmen der Sachverhaltserstellung nicht herangezogen
werden. Der Schuldspruch wegen mehrfacher grober und einfacher Verletzung der
Verkehrsregeln (Vorfall vom 8. Juni 2007) verletzt deshalb Bundesrecht.

3.
Die Beschwerde ist gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben und die
Sache zur neuen Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz
zurückzuweisen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 66 Abs.
4 BGG), und der Kanton Aargau hat den Beschwerdeführer für das
bundesgerichtliche Verfahren angemessen zu entschädigen (Art. 68 Abs. 1 und 2
BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, das Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau vom 26. August 2010 aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Der Kanton Aargau hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche Verfahren
mit Fr. 3'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Strafgericht, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 14. April 2011

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Faga