Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.892/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_892/2010

Urteil vom 22. Dezember 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Bundesrichterin
Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiberin Arquint Hill.

Verfahrensbeteiligte
X.________, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. Peter Kreis,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Schützengasse 1, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Schwere Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, Strafkammer, vom
17. August 2010.

Sachverhalt:

A.
Das Kantonsgericht St. Gallen sprach X.________ am 17. August 2010
zweitinstanzlich wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5 i.V.m. Ziff. 2
lit. a BetmG schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe
von 14 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft bei einer Probezeit von 2
Jahren.

B.
Mit Beschwerde in Strafsachen beantragt X.________ die Aufhebung des Urteils
des Kantonsgerichts und seine Freisprechung. Eventualiter sei die
Freiheitsstrafe von 14 Monaten massiv zu reduzieren. Subeventualiter sei die
Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

C.
Vernehmlassungen wurden keine eingeholt.

Erwägungen:

1.
Die Vorinstanz nimmt in tatsächlicher Hinsicht an, der Beschwerdeführer habe
zwischen Juli 2008 und Juni 2009 unter mehreren Malen insgesamt rund 100 Gramm
Kokaingemisch von mittlerem bzw. durchschnittlichem Reinheitsgrad übernommen
und verkauft.

1.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, nachgewiesen seien nur die Übernahme
und der Verkauf von 50 bis eventuell 60 Gramm Kokaingemisch. Darauf lasse er
sich behaften. Bei der darüberhinausgehenden Annahme einer Menge von insgesamt
100 Gramm Kokaingemisch handle es sich um eine blosse Mutmassung des
Untersuchungsrichters, die er - der Beschwerdeführer - nie vorbehaltlos
anerkannt, in der Hoffnung auf eine rasche Freilassung aus der
Untersuchungshaft aber auch nicht ausdrücklich in Abrede gestellt habe.
Gestützt auf den "Grundsatz der Unteilbarkeit des Geständnisses" hätte die
Vorinstanz ihrem Entscheid deshalb höchstens die Zugabe von 50 bis eventuell 60
Gramm Kokaingemisch zugrunde legen dürfen. Ihr gegenteiliges Vorgehen sei
willkürlich (Art. 9 BV, auch in Verbindung mit Art. 63 und 217 der StPO/SG) und
verletze die Unschuldsvermutung (Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 EMRK). Das gelte
auch, soweit sie beim Reinheitsgrad des Kokains auf Durchschnitts- und nicht
auf Minimalwerte abstelle. Die von ihr diesbezüglich beigezogene Statistik der
Gruppe Forensische Chemie der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin
(SGRM) sei veraltet und trage dem Abwärtstrend in Bezug auf den Reinheitsgrad
im Kokainhandel in den letzten Jahren keine Rechnung.

1.2 Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung bzw. Beweiswürdigung kann nur
gerügt werden, wenn sie willkürlich im Sinne von Art. 9 BV ist oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 97 Abs. 1 BGG; BGE 134
IV 36 E. 1.4.1). Willkür liegt vor, wenn der angefochtene Entscheid
offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Situation in klarem
Widerspruch steht. Die Rüge der Willkür (einschliesslich der Rüge der
willkürlichen Anwendung kantonalen Rechts) muss in der Beschwerdeschrift anhand
des angefochtenen Entscheids präzise vorgebracht und begründet werden,
ansonsten darauf nicht eingetreten wird (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 136 I 49 E.
1.4.1; 134 II 244 E. 2.2).
Ebenfalls nur unter dem Gesichtspunkt der Willkür prüft das Bundesgericht,
inwiefern das Sachgericht den Grundsatz "in dubio pro reo" als
Beweiswürdigungsregel verletzt hat. Diese aus der Unschuldsvermutung (Art. 32
Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK) abgeleitete Maxime wurde in der
Rechtsprechung wiederholt dargelegt, worauf zu verweisen ist (BGE 127 I 38 E.
2a S. 40 f. mit Hinweisen).

1.3 Die Vorinstanz stellt im angefochtenen Entscheid auf die
untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 30. Juli 2009 ab, in deren Verlauf
der Beschwerdeführer anerkannte, von A.________ in verschiedenen Teilmengen
insgesamt 100 Gramm Kokaingemisch bezogen und weiterverkauft zu haben. Sie
übersieht dabei nicht, dass der Beschwerdeführer zur Menge des bezogenen bzw.
weiterverkauften Kokains im Verfahren unterschiedliche Angaben machte bzw. zum
Teil Zugestandenes widerrief. So führte er aus, "50 bis 60 Gramm Kokain bezogen
zu haben" (act. E/4 S. 4), berichtigte später, "es könnten auch 80 Gramm oder
so gewesen sein" (act. E/5 S. 2), "er anerkenne (nur) 90 Gramm - so viel habe
er von A.________ bezogen" (act. E/5 S. 13) bzw. "90 Gramm stimmten nicht - es
seien gesamthaft nur 80 Gramm (act. E/7 S. 3), um zum Schluss wieder auf die
anfänglich zugestandenen 50 bis 60 Gramm Kokain zurückzukommen (act. B/18, RA/
20). Diese Zahlenangaben bzw. teilweisen Widerrufe erfolgten - wie die
Vorinstanz willkürfrei darlegt - ohne jegliche Bezugspunkte bzw. ohne
Präzisierung, welche Tathandlung bzw. welche Teilmenge von der Korrektur
betroffen sein könnte. Hingegen beruhen die Teilgeständnisse vom 30. Juli 2009
- insbesondere was Menge und Masseinheit anbelangt - zur Hauptsache auf den dem
Beschwerdeführer vorgehaltenen, ihn belastenden Telefongesprächen mit
A.________. So anerkannte jener auf Vorhalt des aufgezeichneten
Telefongesprächs vom 19. November 2008, von A.________ drei Fingerlinge Kokain
erhalten zu haben (act. E/5 S. 4). Im Zusammenhang mit dem Telefongespräch vom
15. Dezember 2008, in dem von "fünf Autos" die Rede gewesen war, bestätigte er
zwar nicht direkt, dass damit "fünf Fingerlinge" gemeint gewesen seien ("Ich
anerkenne, dass ich von A.________ Kokain abgenommen habe. Ich hatte aber auch
mit Autos zu tun"). Er bejahte aber die Anschlussfrage, ob es sein könne, dass
er von A.________ 50 Gramm Kokain erhalten habe, vorbehaltlos (act. E/5 S. 4
ff.). Wenn die Vorinstanz von diesen - objektivierbaren - Teilgeständnissen des
Beschwerdeführers ausgeht und diese ihrem Entscheid zugrunde legt, tut sie das
ohne Willkür, zumal sie sämtliche Aussagen des Beschwerdeführers würdigt und
nachvollziehbar begründet, weshalb sie welche für glaubhaft erachtet und welche
nicht. Dass und inwieweit sie unter diesen Umständen - soweit im Strafprozess
überhaupt anwendbar - den im Zivilprozess geltenden "Grundsatz der
Unteilbarkeit des Geständnisses" verletzt haben könnte, welcher besagt, dass
"ein Geständnis so zu verwerten ist, wie es ist, einschliesslich aller
Zusätze", ist nicht ersichtlich (vgl. JOACHIM P. SCHMIDT, Teilbarkeit und
Unteilbarkeit des Geständnisses im Ziviprozess, Berlin Diss. 1972, S. 4).

Auch die weiteren Einwände des Beschwerdeführers verwirft die Vorinstanz mit
sachlich vertretbaren Argumenten. Sie führt aus, es beständen keine Hinweise
darauf, dass der Beschwerdeführer aufgrund von Druck, Einschüchterung oder um
eine raschere Freilassung zu erwirken unzutreffend hohe Kokainmengen bejaht
habe. Die Zugeständnisse des Beschwerdeführers liessen sich vielmehr direkt auf
die ihm vorgehaltenen Aufzeichnungen der Telefongespräche mit A.________
zurückführen. Im Übrigen habe der an der Einvernahme vom 30. Juli 2009
teilnehmende Rechtsvertreter anlässlich der Berufungsverhandlung auf das
korrekte und faire Vorgehen des Untersuchungsrichters hingewiesen und
bestätigt, dieser habe dem Beschwerdeführer die Mengenangaben von über 50 bis
eventuell 60 Gramm nicht in den Mund gelegt. Auch abgesehen vom Geständnis des
Beschwerdeführers erscheine schliesslich als unrealistisch, dass es im
Telefongespräch vom 15. Dezember 2008 effektiv um "fünf Autos" gegangen sei. Es
möge zwar zutreffen, dass der Beschwerdeführer auch gelegentlich mit Autos
gehandelt habe. Dass er jedoch ein solches Geschäft - bei dem es gerade um eine
Anzahl von "fünf Autos" gehe, die "jemand" kaufen wolle - mitten in der Nacht
mit seinem Kokainlieferanten bespreche, entbehre jeglicher Plausibilität, zumal
- abgesehen von der ins Recht gelegten Visitenkarte des Beschwerdeführers - bei
der Hausdurchsuchung keinerlei weitere Dokumente zu einem Fahrzeughandel hätten
gefunden werden können.

Diesen Erwägungen hält der Beschwerdeführer vor Bundesgericht nur seine eigene
Sicht der Dinge entgegen, indem er darlegt, wie seine Aussagen und sein
Aussageverhalten, die Zugeständnisse und deren teilweisen "Widerrufe", unter
besonderer Berücksichtigung seiner Haftsituation mit psychischer Belastung und
dem Wunsch auf rasche Freilassung richtigerweise zu interpretieren gewesen
wären. So macht er beispielsweise im Zusammenhang mit dem ihm anlässlich der
Einvernahme vom 30. Juli 2009 vorgehaltenen Telefongespräch vom 15. Dezember
2008 geltend, dass er die Frage, ob es sein könne, dass er 50 Gramm Kokain von
A.________ bezogen habe, zwar bejaht habe, dass sein "Ja" indessen keine Zugabe
darstelle, sondern ein blosses "Nicht-Ausschliessen" dieser Möglichkeit, zumal
er insoweit stets auch auf seine Tätigkeit im Autohandel hingewiesen habe.
Abgesehen davon sei damit auch nicht bewiesen, dass Kokain effektiv geliefert
worden sei, geschweige denn, dass es gerade 50 g Kokaingemisch gewesen wären.
Denn die Frage des Untersuchungsrichters, welche keinen (klaren) Bezug zum
Telefongespräch vom 15. Dezember 2008 aufweise, könnte gleich wie seine Antwort
als "Gesamt-Bilanz" seiner Kokainbezüge von A.________ betrachtet werden
(Beschwerde, S. 14). Mit dieser Kritik und weiteren in ähnlicher Weise
erhobenen Einwänden beispielsweise betreffend die Gründe seiner Kooperation mit
den Strafverfolgungsbehörden (Beschwerde, S. 15 - 17) nimmt der
Beschwerdeführer nur eine abweichende Würdigung der Beweismittel vor, um
aufzuzeigen, dass man aus den von ihm geschilderten Gründen zu einem andern
Beweisergebnis kommen müsste als die Vorinstanz. Den Nachweis, dass die
gegenteiligen Schlüsse der Vorinstanz schlechterdings unhaltbar sind, erbringt
er damit aber nicht. Auf seine nicht die formellen Begründungsanforderungen
erfüllende Kritik ist daher nicht einzutreten (Art. 106 Abs. 2 BGG).

1.4 Eine weitere Willkürrüge erhebt der Beschwerdeführer in Bezug auf die
vorinstanzliche Beurteilung des Reinheitsgrades des Kokains. Vorliegend konnte
kein Stoff beschlagnahmt werden. Der Beschwerdeführer wendet deshalb ein, die
Vorinstanz hätte mit Blick auf die Unschuldsvermutung auf Minimalwerte
abstellen müssen. Das Heranziehen von Durchschnittswerten sei willkürlich. Der
Einwand ist unbegründet. Die Vorinstanz stützt ihre Annahme, der
Beschwerdeführer habe mit einer 18 Gramm übersteigenden Menge reinen Kokains
gehandelt, nicht bloss auf die Analysen der SGRM ab, sondern zieht diesen
Schluss in Verbindung mit zusätzlichen belastenden Indizien. So hebt sie
hervor, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Befragungen nicht geltend
gemacht habe, seine Abnehmer hätten sich über die Stoffqualität beschwert; der
Abnehmer B.________ habe im Sommer 2009 vielmehr mehrere Male (7-8 Mal bzw.
10-12 Mal) Kokain bezogen. Da der Beschwerdeführer insoweit auch nicht
vorbringt, sein Kunde hätte über keine anderen Quellen Kokain beziehen können,
und er das Gramm Kokain überdies für Fr. 100.-- verkaufte (vgl. act. E/5 S. 5),
ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz von einer - in Bezug auf den
Reinheitsgehalt - zumindest durchschnittlichen Qualität des Stoffs ausgeht
(siehe hierzu auch Urteil 1P.22/1994 vom 3. Juni 1994). Zudem berücksichtigt
sie, dass es sich beim Beschwerdeführer - wenn auch auf unterster Stufe - um
einen Zwischenhändler und nicht um einen Lieferanten an Endverbraucher handelt
(was angesichts des Bezugs von 50 g Kokaingemisch bei A.________ in einem Mal
unter Willkürgesichtspunkten ebenfalls nicht zu beanstanden ist). Auch dieser
Umstand legt einen Handel mit durchschnittlicher Qualität nahe. Es ist deshalb
weder willkürlich (unter Einschluss der angefochtenen kantonalen Bestimmungen
der StPO), noch verletzt es die Unschuldsvermutung, wenn die Vorinstanz
gestützt auf diese Indizien in Verbindung mit den statistischen Daten zum
Reinheitsgrad von Kokain zum Schluss gelangt, der Beschwerdeführer habe mit
mehr als 18 Gramm reinem Kokain gehandelt. Im Übrigen wäre ihm selbst bei
Zugrundelegen des gemäss Standardabweichung tiefsten Reinheitsgehalts der SGRM
Analysen von 22% im Jahr 2008 und 16% im Jahr 2009 (was die Vorinstanz aus den
geschilderten Gründen ohne Willkür als nicht gerechtfertigt ablehnen durfte)
noch immer ein Handel mit einer Menge von 21,4 Gramm reinen Kokains zur Last zu
legen. Dass und weshalb die - vom Beschwerdeführer im Übrigen selber ins
Verfahren eingebrachten - breit abgestützten Betäubungsmittelstatistiken der
SGRM, namentlich pro 2008, veraltet und ein Abstellen darauf unhaltbar sein
sollten, ist nicht ersichtlich, zumal daraus entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers auch der im Kokainhandel zu verzeichnende Abwärtstrend
deutlich hervorgeht.

1.5 Ebenfalls ohne Erfolg rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) und seiner Verteidigungsrechte (Art. 32
Abs. 2 BV) wegen Nichtabnahme der offerierten Beweise. So stützt die Vorinstanz
den Schuldspruch weder auf die Aussagen des Kokainlieferanten A.________ noch
auf diejenigen des Kunden B.________, sondern ausschliesslich auf die
Protokolle der abgehörten Telefongespräche und die (Teil-)Geständnisse des
Beschwerdeführers. Die Vorinstanz durfte dessen Anträge auf Konfrontation mit
A.________ und B.________ deshalb ohne Verfassungsverletzung ablehnen. Ohnehin
will A.________ - gemäss Beschwerde (S. 13) - dem Beschwerdeführer lediglich 20
Gramm Kokain gegeben haben. Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer -
gemäss seinen eigenen Angaben - von jenem mengenmässig weit mehr Kokain bezog,
ist nicht ersichtlich, inwiefern er durch die Aussagen des A.________ in einer
Weise belastet worden sein soll, welche eine Konfrontationseinvernahme
erfordert hätte. Aus dem gleichen Grund ist nicht einzusehen, weshalb die
Vorinstanz die bereits auszugsweise bei den Akten liegende Anklageschrift in
Sachen A.________ in Gänze hätte beiziehen müssen. Abgesehen davon stellte der
Beschwerdeführer im Berufungsverfahren diesbezüglich offensichtlich keinen
formellen Beweisantrag. Er bekundete vielmehr sein Unverständnis darüber, dass
die Staatsanwaltschaft diese eingereicht hatte (vgl. act. B/32, B/36). Bei
seinen Ausführungen vor Bundesgericht handelt es sich insoweit um neue und
damit unzulässige Vorbringen (Art. 99 BGG). Ebenfalls nicht zu beanstanden ist
der vorinstanzliche Entscheid, auf die beantragte Einholung von Expertisen bzw.
Befragung von Zeugen, beispielsweise eines Apothekers der Kantonsapotheke Bern,
zu verzichten. Denn angesichts der bereits vorliegenden, konkret auf den
Schweizer Markt mit regionalen Schwerpunkten erhobenen, jährlichen Statistiken
der SGRM besteht hierzu keine Veranlassung. Wohl können auch andere Experten
oder fachkundige Zeugen Aussagen zu Statistiken oder Markttendenzen im
Zusammenhang mit Betäubungsmittelgehaltswerten machen, sie vermöchten die Werte
der SGRM, welche ein sehr breites Spektrum an Betäubungsmittelkonfiskaten
berücksichtigen, indessen kaum in Frage zu stellen. Die Vorinstanz durfte daher
ohne Willkür und damit auch ohne Gehörsverweigerung von den verlangten
Beweiserhebungen absehen.

2.
Der Beschwerdeführer bestreitet, vorsätzlich gehandelt zu haben. Was der Täter
weiss, will und in Kauf nimmt, betrifft nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung eine innere Tatsache und ist Tatfrage. Feststellungen zum
Sachverhalt prüft das Bundesgericht nur unter dem Gesichtspunkt der Willkür
(Art. 97 Abs. 1 BGG). Mit der vorinstanzlichen Begründung setzt sich der
Beschwerdeführer nicht auseinander. Er beanstandet die Feststellungen zu seinem
Wissen und Willen nicht. Dass die Vorinstanz den Rechtsbegriff des Vorsatzes
unrichtig angewendet haben sollte, zeigt der Beschwerdeführer weder auf noch
ist solches ersichtlich. Die Rüge ist unbegründet, soweit darauf überhaupt
einzutreten ist (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG).

3.
Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die Strafzumessung. Die ausgesprochene
Strafe von 14 Monaten sei durch eine massiv reduzierte Freiheitsstrafe zu
ersetzen.

3.1 Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es
berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung
der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird
nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts,
nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters
sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47
Abs. 2 StGB). Die Strafgerichte sind verpflichtet, die genannten und weitere
relevante Gesichtspunkte in die Strafzumessung einfliessen zu lassen. Bei der
Gewichtung der Strafzumessungsfaktoren kommt ihnen ein (weiter)
Ermessensspielraum zu. Das Bundesgericht greift auf Beschwerde in Strafsachen
hin in die Strafzumessung nur ein, wenn die Vorinstanz den gesetzlichen
Strafrahmen über- oder unterschritten hat, wenn sie von rechtlich nicht
massgebenden Kriterien ausgegangen ist oder wesentliche Gesichtspunkte ausser
Acht gelassen bzw. durch Überschreitung oder Missbrauch ihres Ermessens falsch
gewichtet hat (BGE 135 IV 130 E. 5.3.1; 134 IV 17 E. 2).

3.2 Vorliegend geht es um einen schweren Fall im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit.
a BetmG. Der Strafrahmen hierfür reicht von einem bis 20 Jahren
Freiheitsstrafe, womit eine Geldstrafe verbunden werden kann. Innerhalb dieses
Strafrahmens nimmt die Vorinstanz die Strafzumessung nach Art. 47 ff. StGB vor.
Sie berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer als nichtsüchtiger Händler der
untersten Kategorie eine verhältnismässig kleine Gesamtmenge an Kokain
umsetzte. Es erscheine deshalb eine Einsatzstrafe von 16 Monaten als
angemessen. Weiter seien jedoch keine Gründe ersichtlich, die sein Verschulden
als besonders gering erscheinen liessen. Strafmilderungsgründe lägen keine vor.
Von tätiger Reue oder einer notstandsähnlichen finanziellen Lage könne nicht
die Rede sein. Die Vorstrafenlosigkeit des Beschwerdeführers und sein korrektes
Verhalten in der Untersuchungshaft seien neutral zu werten. Aus seinen
persönlichen Verhältnissen ergebe sich strafzumessungsrechtlich nichts
Relevantes. Das Geständnis, das er aufgrund der ihm vorgehaltenen
Aufzeichnungen der Telefongespräche gemacht, zum Teil aber widerrufen habe,
falle kaum strafmindernd ins Gewicht. Eine Strafreduktion wegen
Strafempfindlichkeit (möglicher Widerruf der Niederlassungsbewilligung)
entfalle schliesslich ebenso wie eine solche wegen Betroffenheit im Sinne von
Art. 54 StGB. Eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten erscheine ausgewogen.

3.3 Die ausgefällte Strafe und die konkrete Strafzumessungsbegründung geben zu
keinen Beanstandungen Anlass. Was der Beschwerdeführer in der Beschwerde
dagegen vorbringt, überzeugt nicht. Soweit seine Kritik darauf aufbaut, dass es
sich vorliegend um keinen schweren Fall handelt, gehen seine Ausführungen an
der Sache vorbei. Die Gewichtung des Verschuldens des Beschwerdeführers durch
die Vorinstanz bewegt sich im Rahmen des dem kantonalen Richters zustehenden
Ermessens. Die Vorinstanz verweist zu Recht darauf, dass der Beschwerdeführer,
auch wenn er eine relativ geringe Drogenmenge umsetzte, als Zwischenhändler
unterster Kategorie delinquierte, ohne selber drogenabhängig zu sein oder sich
- bei fester Anstellung mit einem monatlichen Einkommen von Fr. 3'500.-- - in
einer eigentlichen finanziellen Notsituation bzw. notstandsähnlichen Lage zu
befinden. Sein teilweises Geständnis berücksichtigt die Vorinstanz angemessen
zu seinen Gunsten. Für eine stärkere Gewichtung besteht entgegen der Beschwerde
kein Anlass. Dass und inwieweit der Beschwerdeführer darüber hinaus eine
besondere Einsicht und Reue an den Tag gelegt haben soll, ist nicht
ersichtlich. Die Bekundung, sich künftig an das Gesetz halten zu wollen, ist
eine Selbstverständlichkeit. Gesetzeskonformes Verhalten darf erwartet werden.
Entgegen der Auffassung in der Beschwerde begründet auch die drohende
Wegweisung aus der Schweiz alleine keine erhöhte Strafempfindlichkeit bzw.
stellt für sich keinen zwingenden Strafzumessungsfaktor dar (Urteil 6B_203/2010
vom 27. Mai 2010 E. 5.3.3.; 6B_1027/2009 vom 18. Februar 2010 E. 4.1.4 und
4.5). Der Vorinstanz gereicht deshalb nicht zum Vorwurf, dass sie diesen
Umstand nicht zu Gunsten des Beschwerdeführers in die Strafzumessung
einfliessen liess. Die Folgen einer Wegweisung auf das Leben des
Beschwerdeführers sind in erster Linie im allfälligen Wegweisungsentscheid
selber zu berücksichtigen. Ebenso wenig verletzt es Bundesrecht, wenn die
Vorinstanz eine Strafreduktion nach Art. 54 StGB ausschliesst. Der mögliche
Bewilligungswiderruf stellt keine unmittelbare, sondern höchstens eine
indirekte Folge seiner Tat dar. Damit hat die Vorinstanz die für die
Strafzumessung massgeblichen Gesichtspunkte gewürdigt. Die ausgefällte
Freiheitsstrafe von 14 Monaten ist auch bei einer Gesamtbetrachtung nicht zu
beanstanden. Sie bewegt sich innerhalb des weiten sachrichterlichen Ermessens
und ist in jeder Hinsicht nachvollziehbar begründet.

4.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Gerichtskosten zu tragen
(Art. 66 Abs. 1 BGG). Sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
ist abzuweisen, da die Beschwerde von vornherein aussichtslos war. Seinen
finanziellen Verhältnissen ist bei der Bemessung der Gerichtskosten Rechnung zu
tragen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'600.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, Strafkammer,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. Dezember 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Favre Arquint Hill