Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.962/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_962/2010

Urteil vom 14. Juli 2011
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Mathys, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Denys,
Gerichtsschreiberin Koch.

Verfahrensbeteiligte
X.________, vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Leuch,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau, Frey-Herosé-Strasse 12, Wielandhaus,
5001 Aarau,
Beschwerdegegnerin 1,
2. A.________, vertreten durch Rechtsanwältin Ursula Weber,
Beschwerdegegnerin 2.

Gegenstand
Sexuelle Nötigung; willkürliche Beweiswürdigung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Strafgericht,
1. Kammer, vom 23. August 2010.

Sachverhalt:

A.
A.a A.________ prostituierte sich am 25. Februar 2006 am Sihlquai in Zürich, um
Geld für ihren Drogenkonsum zu verdienen. Sie einigte sich mit X.________, dass
es zu nicht näher bezeichneten sexuellen Handlungen gegen Entgelt kommen
sollte. Dieser bot ihr Fr. 50.-- an. Trotz der Vorbehalte gegenüber dem Preis
stieg A.________ in das Auto von X.________ ein. Auf der Fahrt von Zürich nach
Spreitenbach befriedigte sie ihn oral. In einem von ihm gemieteten Raum im
Industriegebiet Spreitenbach kam es zu weiteren sexuellen Handlungen.
A.________ zog sich auf Geheiss von X.________ aus. Dieser fesselte ihre Hände
auf den Rücken, worauf sie sich rücklings und mit verbundenen Augen auf einen
Tisch legen musste. Anschliessend schlug er sie mit einer Peitsche im Brust-
und Vaginalbereich. Er führte ihr einen Vibrator anal, vaginal und in den Mund
ein. Weiter vollzog er "gewöhnlichen" Analverkehr und liess sich oral
befriedigen, ohne dass er zum Samenerguss kam. Dazwischen schlug er A.________
wiederholt mit der Peitsche. Diese erstattete Strafanzeige. Sie machte geltend,
mit X.________ nur vaginalen Geschlechtsverkehr vereinbart zu haben. Während
der Schläge in der Lagerhalle habe sie die Beine angezogen und
zusammengepresst. Sie habe ihm gesagt, dass sie mit dem ganzen Geschehen nicht
einverstanden sei, dass ihr die Handlungen Schmerzen bereiteten und er sie in
die Stadt zurückbringen solle. Er habe sich über ihren Willen hinweggesetzt und
die sexuellen Handlungen fortgeführt.
A.b Das Bezirksgericht Baden verurteilte X.________ am 20. Januar 2010 wegen
sexueller Nötigung von A.________ zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18
Monaten. Das Obergericht des Kantons Aargau wies die dagegen erhobene Berufung
von X.________ am 23. August 2010 ab.

B.
Gegen das Urteil des Obergerichts wendet sich X.________ mit Beschwerde in
Strafsachen. Er beantragt, dieses sei aufzuheben, und er sei freizusprechen.
Eventualiter sei das Obergericht zu verpflichten, über seinen Antrag um Beizug
weiterer Akten zu entscheiden.

C.
Die Vorinstanz und A.________ schliessen in ihren Stellungnahmen auf die
Abweisung der Beschwerde, bzw. die Abweisung, soweit darauf einzutreten ist.
A.________ ersucht um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung.

D.
Das Bundesgericht hat über die vorliegende Beschwerde an der öffentlichen
Beratung vom 14. Juli 2011 entschieden.

Erwägungen:

1.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz verletze den Grundsatz "in
dubio pro reo" als Beweislast- und Beweiswürdigungsregel. Sie halte die
Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 unter Verletzung des Willkürverbots für
glaubhaft. Er habe sich mit der Beschwerdegegnerin 2 über das Geschäft "Sex
gegen Geld" geeinigt. Diese habe ihm im Verlauf der sexuellen Handlungen nie
gesagt, sie sei mit den sexuellen Handlungen nicht mehr einverstanden.
Subjektiv sei für ihn das fehlende Einverständnis nicht erkennbar gewesen. Es
stehe diesbezüglich Aussage gegen Aussage. Auch die Vorinstanz habe
festgehalten, der Widerstand sei eher schwach gewesen (angefochtenes Urteil S.
13). Insbesondere habe sich die Beschwerdegegnerin 2 die Handschellen selbst
ausziehen können, und die Augenbinde sei nicht zur Einschüchterung, sondern zum
sexuellen Spiel verwendet worden, was seinen Tatwillen in Frage stelle.
Gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 sprächen die
Umstände der Strafanzeige. Sie habe eine Entführungsgeschichte mit angeblich
erzwungenen sexuellen Handlungen erfunden. Nach der Anzeigeerstattung durch
ihren Vater habe sie die unwahre Geschichte der Polizei zu Protokoll gegeben.
Deshalb habe sie ein Interesse, an ihrer Opferrolle festzuhalten. Ansonsten
riskiere sie ein eigenes Strafverfahren wegen Irreführung der Rechtspflege oder
falscher Anschuldigung.
Auch die persönliche Situation und der Gesundheitszustand der
Beschwerdegegnerin 2, welche im Tatzeitpunkt unter Kokain- und
Medikamenteneinfluss gestanden und wegen einer Persönlichkeitsstörung sowie
Alkohol- bzw. Cannabisabhängigkeit in stationärer Behandlung gewesen sei,
müssten berücksichtigt werden. Es sei unklar, wieweit die Beschwerdegegnerin 2
bewusst Unwahrheiten wiedergegeben habe oder ihre Wahrnehmungsfähigkeit getrübt
gewesen sei.
Schliesslich sei der Inhalt der Aussagen widersprüchlich. Die
Beschwerdegegnerin 2 vermöge die Handlung weder zeitlich noch örtlich präzise
einzuordnen. Sie habe die Polizei nicht auf Anhieb zur Lagerhalle führen können
und den falschen Raum als Tatort bezeichnet. Die sexuellen Handlungen hätten
auch nicht eineinhalb Stunden gedauert, wie sie angebe, sondern bloss zwanzig
bis dreissig Minuten. Dies resultiere aus der Fahrtdauer von je zwanzig Minuten
für den Hin- und den Rückweg sowie der Abwesenheit der Beschwerdegegnerin 2 am
Sihlquai von insgesamt eineinhalb Stunden. Zum Tathergang sei auf seine eigenen
konstanten Aussagen abzustellen. Er habe stets eingeräumt, mit einer
Prostituierten im Lagerraum Sex gehabt zu haben. Anschliessend habe er diese an
den Sihlquai zurückgefahren und ihr Fr. 50.-- bezahlt. Anlässlich der
Konfrontation habe er die Beschwerdegegnerin 2 sofort erkannt, während diese
ihn erst später als mutmasslichen Täter habe identifizieren können. Er habe
nichts unternommen, um sein Auffinden zu erschweren. Die Vorinstanz unterlasse
eine Würdigung seiner Aussagen sowie seines Nachtatverhaltens.

2.
Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die vorinstanzliche
Sachverhaltsfeststellung kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich
unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht
und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend
sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG; vgl. auch Art. 105 Abs. 2 BGG). Offensichtlich
unrichtig im Sinne von Art. 97 Abs. 1 BGG ist die Sachverhaltsfeststellung,
wenn sie willkürlich ist (BGE 134 IV 36 E. 1.4.1 S. 39; vgl. zum Begriff der
Willkür BGE 136 III 552 E. 4.2 S. 560 mit Hinweisen).
Ebenfalls unter dem Gesichtspunkt der Willkür prüft das Bundesgericht,
inwiefern das Sachgericht den Grundsatz "in dubio pro reo" als
Beweiswürdigungsregel verletzt hat. Diese aus der Unschuldsvermutung (Art. 32
Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK) abgeleitete Maxime wurde wiederholt
dargelegt, worauf zu verweisen ist (BGE 127 I 38 E. 2a S. 40 f. mit Hinweisen).

Wird die Verletzung von Grundrechten (einschliesslich der willkürlichen
Anwendung von kantonalem Recht und Willkür bei der Sachverhaltsfeststellung)
gerügt, gelten qualifizierte Anforderungen an die Begründung. Diese prüft das
Bundesgericht nicht von Amtes wegen, sondern nur, wenn eine solche Rüge in der
Beschwerde vorgebracht und substanziiert begründet worden ist. Das bedeutet,
dass klar und detailliert anhand der Erwägungen des angefochtenen Entscheids
darzulegen ist, inwiefern verfassungsmässige Rechte verletzt worden sein sollen
(Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 136 I 65 E. 1.3.1 S. 68; 135 III 232 E. 1.2 S. 234;
je mit Hinweisen).

3.
Soweit der Beschwerdeführer die aus dem Grundsatz "in dubio pro reo"
abgeleitete Beweislastregel nach Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 32 BV als
verletzt sieht, ist seine Rüge unbegründet. Die Vorinstanz stützt den
Schuldspruch auf eine inhaltliche Analyse der Aussagen beider Beteiligter und
die darin enthaltenen Realkennzeichen. Sie gelangt zur Überzeugung, die
Äusserungen des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin 2 sei mit den
ausgeübten Sexualpraktiken einverstanden gewesen und er habe die Gegenwehr
nicht erkannt, seien unwahr. Die vom Beschwerdeführer gegen die Aussagen der
Beschwerdegegnerin 2 erhobenen Einwände verwirft sie. Ergänzend verweist sie
auf das erstinstanzliche Urteil (angefochtenes Urteil S. 8 und S. 11). Darin
werden der Inhalt, die Qualität und Quantität der Aussagen, äussere Umstände
wie die Einvernahmefähigkeit nach dem Vorfall und ärztliche Zeugnisse
berücksichtigt. Dieses Vorgehen ist verfassungs- und konventionsrechtlich nicht
zu beanstanden. Die Vorinstanz geht nicht davon aus, der Beschwerdeführer habe
seine Unschuld nachzuweisen.

4.
4.1 Die vom Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Beweiswürdigung ins Feld
geführten Argumente haben weitgehend appellatorischen Charakter. Er stellt der
Würdigung der Vorinstanz lediglich seine eigene Sicht der Dinge gegenüber, ohne
zu erörtern, inwiefern der angefochtene Entscheid auch im Ergebnis
verfassungswidrig sein soll. Beispielsweise bringt er vor, es stehe Aussage
gegen Aussage. In einer solchen Situation dürfe einer Partei nicht ohne gute
Gründe Glauben geschenkt werden (Beschwerde S. 3). Dabei setzt er sich nicht
mit den Gründen auseinander, dass und weshalb die Vorinstanz den Aussagen der
Beschwerdegegnerin 2 den Vorzug gibt. Ebenso wenig zeigt er eine
Verfassungsverletzung auf, indem er ausführt, sein Geständnis des äusseren
Sachverhalts (mit Ausnahme der Freiwilligkeit der Handlungen) deute auf sein
fehlendes Unrechtsbewusstsein hin. Weiter behauptet der Beschwerdeführer, die
Beschwerdegegnerin 2 hätte die Handschellen selbst lösen können. Dies traf
während der sexuellen Handlungen nicht zu, weil die Beschwerdegegnerin 2 nach
den unbestrittenen vorinstanzlichen Feststellungen rücklings auf ihren Händen
lag. Der Beschwerdeführer beanstandet zu Unrecht, die Vorinstanz setze sich
nicht mit seinen Aussagen auseinander. Sie ignoriere, dass er die
Beschwerdegegnerin 2 wiedererkannte und sie unter Drogen- bzw.
Medikamenteneinfluss stand. Dies ist offensichtlich nicht der Fall (vgl.
angefochtenes Urteil S. 8 und S. 11 mit Verweis auf das erstinstanzliche Urteil
S. 14 ff. und S. 24 ff., worin diese Punkte gewürdigt werden). Auf diese
Vorbringen ist nicht einzutreten (BGE 136 I 65 E. 1.3.1 S. 68 mit Hinweisen).

4.2 Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist im Ergebnis nicht willkürlich. Die
Beschwerdegegnerin 2 wehrte sich nach ihren konstanten Aussagen zu Beginn der
eingeklagten sexuellen Handlungen verbal und körperlich gegen die
Gewaltanwendung. Sie sagte dem Beschwerdeführer, er tue ihr weh und solle
aufhören. Dabei zog sie ihre Beine an den Bauch bzw. presste sie zusammen. Der
Beschwerdeführer, welcher mit Fr. 50.-- einen weit unterdurchschnittlichen
Preis für sadistische Handlungen mit Anal- und Oralverkehr offeriert hatte,
durfte nicht vom Einverständnis der Beschwerdegegnerin 2 zu diesen speziellen
Dienstleistungen ausgehen. Dass die Beschwerdegegnerin 2 der Polizei zunächst
wahrheitswidrig zu Protokoll gab, sie sei entführt worden, ändert nichts an der
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu den fraglichen Handlungen. Anlässlich der
zweiten polizeilichen Befragung gestand sie die Falschaussage aus eigenem
Antrieb. Als Grund versicherte sie glaubhaft, sie habe die Prostitution
verschweigen wollen, um keinen Zweifel am Missbrauch aufkommen zu lassen. Zudem
ist der Sachverhalt nur in wenigen Punkten umstritten, etwa bezüglich des
Inhalts der Abmachung (welche sexuellen Handlungen zu welchem Preis vereinbart
waren), des Einverständnisses der Beschwerdegegnerin 2 mit der Gewalt und ihrer
(erkennbaren) Gegenwehr. Das äussere Tatgeschehen, d.h. wann, wo und welche
sexuellen Praktiken ausgeübt wurden, ist aufgrund der übereinstimmenden
Aussagen erstellt. Nicht von Bedeutung ist der Umstand, dass die
Beschwerdegegnerin 2 die Lagerhalle und den Raum nicht auf Anhieb wiederfand,
denn sie war nicht ortskundig und zuvor nur ein einziges Mal dort gewesen.
Jedenfalls konnten aufgrund ihrer detaillierten Erinnerungen der Tatort und der
Beschwerdeführer als Mieter des Lagerraumes ermittelt werden. Auch aus der
zögerlichen Identifikation bei der Gegenüberstellung lässt sich nichts zu
Gunsten des Beschwerdeführers ableiten. Immerhin war die Beschwerdegegnerin 2
in der Lage, ihn als Täter zu bezeichnen.
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sind die Angaben der Beschwerdegegnerin
2 allerdings nicht in allen Teilen deckungsgleich; so etwa zu den anfänglich
vereinbarten Dienstleistungen (act. 154, 156, 186, erstinstanzliches Urteil S.
19 f.); zur Frage, wie sie sich gegen die Schläge wehrte (angefochtenes Urteil
S. 8 mit Hinweis auf das erstinstanzliche Urteil S. 25, act. 163, 167, 172,
186, Protokoll der erstinstanzlichen Hauptverhandlung S. 6); wie der
Beschwerdeführer auf ihre Abwehr reagierte und was er machte, als er das Blut
sah (act. 163, 173, 187, Protokoll der erstinstanzlichen Hauptverhandlung S. 6)
und zur Dauer der sexuellen Handlungen (act. 151, 158). Diese Gesichtspunkte
vermögen jedoch das Beweisergebnis in seiner Gesamtheit nicht umzustossen. Die
Unstimmigkeiten in den Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 sind mit dem
Zeitablauf erklärbar.

4.3 Nichts am Beweisergebnis ändern würde der Beizug weiterer medizinischer
Akten, so etwa der Krankheitsberichte, Diagnosen und Gutachten. Anlässlich der
Untersuchung des Universitätsspitals Zürich, welche unmittelbar nach dem
Vorfall erfolgte, wurde der Zustand der Beschwerdegegnerin 2 ausführlich
dokumentiert (act. 190 h). Gemäss dem Bericht des Spitals war ihre zeitliche
und örtliche Orientierung intakt. Aus dem Schreiben des behandelnden
Psychiaters ergibt sich, dass sie die Erlebnisse mit dem Beschwerdeführer nicht
thematisierte (act. 137 f.). Die Krankheitsakten könnten keine weiteren
Aufschlüsse zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 geben.
Die Vorinstanz durfte den Antrag um Einholung der medizinischen Akten in
antizipierter Beweiswürdigung ablehnen, ohne das rechtliche Gehör zu verletzen
(BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f. mit Hinweisen).

4.4 Die Vorinstanz berücksichtigt die Darstellung des Beschwerdeführers in
hinreichender Weise (angefochtenes Urteil S. 11 mit Verweis auf das
erstinstanzliche Urteil S. 25 ff.). Sie wertet seine Aussagen, er habe der
Beschwerdegegnerin 2 bewusst ein finanziell schlechtes Angebot unterbreitet,
damit sie aus dem Auto aussteige, als unglaubhaft. Aufgrund des nachfolgenden
Verhaltens ist diese Würdigung vertretbar, wäre es dem Beschwerdeführer doch
frei gestanden, den sexuellen Kontakt ohne besonderen Grund abzulehnen. Die
Vorinstanz übersieht nicht, dass sado-masochistische Spielarten zu den
Dienstleistungen Prostituierter gehören können. Das Missverhältnis zwischen dem
Preis von Fr. 50.-- und den verlangten Sexualpraktiken weist ihrer Auffassung
nach auf die Unglaubhaftigkeit der Version des Beschwerdeführers hin. Dies ist
nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer selbst verstand die Entschädigung
als absoluten Tiefpreis, für den keine Prostituierte derartige sexuelle
Handlungen anbietet (angefochtenes Urteil S. 8 und S. 11, erstinstanzliches
Urteil S. 24, S. 26). Die vorinstanzliche Feststellung, die Beschwerdegegnerin
2 sei finanziell nicht derart schlecht gestellt gewesen, dass sie auf jedes
Angebot eingegangen wäre, ist ebenfalls nicht schlechterdings unhaltbar. Denn
ihr Lebensunterhalt war durch eine IV-Rente oder Sozialhilfeleistungen
gesichert (angefochtenes Urteil S. 8 mit Verweis auf das erstinstanzliche
Urteil, dort S. 21). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer sich im zentralen
Punkt widersprach, nämlich ob die Beschwerdegegnerin 2 ihre Schmerzen geäussert
bzw. was ihn zum Aufhören bewogen hatte (angefochtenes Urteil S. 8 und S. 11,
erstinstanzliches Urteil S. 24 ff.). Nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag
der Beschwerdeführer aus seinem Eingeständnis der sexuellen Handlungen und der
Identifikation bei der Gegenüberstellung. Diese Umstände sprechen nicht gegen
die Version der Beschwerdegegnerin 2, zumal auch sie den Beschwerdeführer
wieder erkannte und den Kontakt im Detail schilderte. Der Beschwerdeführer
hatte keinen Grund, den Intimverkehr zu bestreiten, nachdem er als Mieter des
Lagerraumes bzw. als Sexualpartner identifiziert worden war. Er musste damit
rechnen, dass sich die sexuellen Handlungen durch weitere Beweismittel, wie
etwa DNA-Spuren, nachweisen lassen. Wenngleich einiges für eine andere Deutung
der Vorkommnisse sprechen könnte, durfte die Vorinstanz ohne Willkür und ohne
Verstoss gegen die Unschuldsvermutung hinsichtlich des Tatablaufs auf die
Aussagen der Beschwerdegegnerin 2 abstellen.

4.5 Nicht willkürlich sind die vorinstanzlichen Feststellungen zum Wissen und
Willen des Beschwerdeführers. Da die Beschwerdegegnerin 2 sich verbal und
körperlich gegen die Gewaltanwendung wehrte, musste der Beschwerdeführer das
fehlende Einverständnis erkennen. Indem er die sexuellen Handlungen ungeachtet
des Widerstandes der Beschwerdegegnerin 2 vornahm, manifestierte er seien
Tatwillen.

5.
5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz verletze Art. 189 Abs. 1
StGB. Er habe die Beschwerdegegnerin 2 nicht derart unter Druck gesetzt, dass
der Tatbestand der sexuellen Nötigung erfüllt sei. Die Beschwerdegegnerin 2
habe sich freiwillig nackt und mit gefesselten Händen auf den Tisch gelegt. Das
Tatbestandsmerkmal des psychischen Druckes sei nicht erfüllt.

5.2 Wer eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen
sexuellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet,
sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit
Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 189 Abs. 1
StGB).

5.3 Nach den verbindlichen vorinstanzlichen Feststellungen blutete die
Beschwerdegegnerin 2 während der sexuellen Handlungen aus der Scheide. Dabei
handelte es sich gemäss Arztbericht nicht um Menstruationsblut, weshalb die
Blutung auf die Gewaltanwendung des Beschwerdeführers zurückzuführen ist. Zudem
drückte der Beschwerdeführer den Kopf der Beschwerdegegnerin 2 gegen den Boden,
als sie versuchte, sein Glied aus dem Mund zu nehmen. Diese Handlungen durfte
die Vorinstanz als Akt physischer Aggression und als Gewaltanwendung im Sinne
von Art. 189 Abs. 1 StGB werten. Für die weiteren Handlungen konnte sie die
strukturelle Gewalt bejahen (vgl. dazu BGE 131 IV 107 E. 2.2 S. 109). Auch wenn
sich die Beschwerdegegnerin 2 zur Ausübung des Geschlechtsverkehrs freiwillig
in eine ausweglose Position begeben hatte, fehlte ihr Einverständnis zur
nachfolgenden Gewaltanwendung. Erst als der Beschwerdeführer sie schlug, nahm
sie seine Absichten wahr. Ihre diesbezügliche Ablehnung konnte sie nicht mehr
anders als verbal und durch beschränkten körperlichen Widerstand zum Ausdruck
bringen. Die Verurteilung wegen sexueller Nötigung nach Art. 189 Abs. 1 StGB
verletzt kein Bundesrecht.

6.
Der Beschwerdeführer wird aufgrund seines Unterliegens kostenpflichtig (Art. 66
Abs. 1 BGG). Er hat der Beschwerdegegnerin 2 eine angemessene
Parteientschädigung zu leisten (Art. 68 Abs. 1 BGG). Diese Parteikosten sind
aus der Bundesgerichtskasse zu bezahlen, sofern sie beim Beschwerdeführer nicht
einbringlich sein sollten. Das Gesuch der Beschwerdegegnerin 2 um
unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ist zu bewilligen (Art. 64 Abs.
1 und Abs. 2 BGG), weil sie mittellos ist und ihr Begehren nicht aussichtslos
war.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch der Beschwerdegegnerin 2 um unentgeltliche Rechtspflege wird
gutgeheissen. Für das bundesgerichtliche Verfahren wird ihr Rechtsanwältin
Ursula Weber als unentgeltliche Anwältin beigegeben.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Der Beschwerdeführer hat der Vertreterin der Beschwerdegegnerin 2 für das
bundesgerichtliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- zu
bezahlen.

5.
Sollte die Parteientschädigung gemäss Ziff. 4 beim Beschwerdeführer nicht
einbringlich sein, wird sie aus der Bundesgerichtskasse bezahlt.

6.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Strafgericht, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 14. Juli 2011

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Mathys

Die Gerichtsschreiberin: Koch