Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.968/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_968/2010

Urteil vom 29. März 2011
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Mathys,
Gerichtsschreiberin Pasquini.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Fux,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Postfach 2282, 1950 Sitten 2,
2. Y.________,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Nichteröffnung einer Strafuntersuchung; Willkür,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts des Kantons Wallis, Richter der
Beschwerdebehörde, vom 13. Oktober 2010.

Sachverhalt:

A.
X.________ fuhr am 11. Oktober 2009, um ca. 16.30 Uhr, mit seiner Ehefrau und
seinen beiden Kindern mit dem Personenwagen von Gampel in Richtung Visp. Er
wollte zwischen Gampel und Turtig den vor ihm fahrenden Y.________ überholen.
Nachdem er an diesem vorbeigefahren war, konnte er nicht in den
Normalfahrstreifen einbiegen, weil Y.________ sein Fahrzeug beschleunigte und
rechts am Personenwagen von X.________ vorbeifuhr. Dieser setzte seine Fahrt in
der Folge wieder auf dem rechten Fahrstreifen hinter dem Fahrzeug von
Y.________ fort. Am Ende der Ortschaft Turtig, bei Raron, beschleunigte
X.________ seinen Personenwagen auf 90 km/h, um zwei vor ihm fahrende
Fahrzeuge, wovon eines dasjenige von Y.________ war, zu überholen. Beim
Überholmanöver verlor er die Kontrolle über seinen Personenwagen und
kollidierte mit dem korrekt entgegenkommenden Fahrzeug von A.________. Dessen
Beifahrerin erlitt einen Brustbeinbruch, X.________ ein Schleudertrauma. Die
weiteren Unfallbeteiligten blieben unverletzt.

B.
Am 19. November 2009 erhob X.________ gegen Y.________ Strafklage wegen
vorsätzlicher und fahrlässiger Körperverletzung sowie Gefährdung des Lebens und
stellte sich als Zivilpartei. Die Dienststelle für Strassenverkehr und
Schifffahrt beantragte am 30. November 2009 beim Untersuchungsrichteramt
Oberwallis, es sei eine strafrechtliche Untersuchung gegen X.________ und
Y.________ einzuleiten. Der Untersuchungsrichter verfügte am 8. März 2010 die
Eröffnung einer Strafuntersuchung gegen X.________ wegen einfacher Verletzung
von Verkehrsregeln (Art. 90 Ziff. 1 i.V.m. Art. 32 Abs. 2 SVG) und wegen grober
Verletzung von Verkehrsregeln (Art. 90 Ziff. 2 i.V.m. Art. 31 Abs. 1 SVG).
Gegen Y.________ eröffnete er eine Strafuntersuchung wegen einfacher Verletzung
von Verkehrsregeln (Art. 90 Ziff. 1 i.V.m. Art. 35 Abs. 1 SVG), pflichtwidrigen
Verhaltens bei einem Unfall (Art. 92 Abs. 1 i.V.m. Art. 51 Abs. 2 SVG) und
versuchter Vereitelung einer Blutprobe (Art. 91a Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 22 Abs.
1 StGB). In Dispositiv-Ziff. 3 seiner Verfügung gab der Untersuchungsrichter
der Strafklage von X.________ gegen Y.________ wegen vorsätzlicher und
fahrlässiger Körperverletzung sowie Gefährdung des Lebens keine Folge.

C.
Die von X.________ gegen Dispositiv-Ziff. 3 der Verfügung vom 8. März 2010
erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht Wallis mit Urteil vom 13. Oktober
2010 ab.

D.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen. Er beantragt, Ziff. 3 der Verfügung
des Untersuchungsrichters Oberwallis vom 8. März 2010, welche dem Urteil des
Kantonsgerichts Wallis vom 13. Oktober 2010 zugrunde liege, sei aufzuheben.
Gegen Y.________ sei im Zusammenhang mit dem Strassenverkehrsunfall vom 11.
Oktober 2009 eine Strafuntersuchung wegen vorsätzlicher und fahrlässiger
Körperverletzung sowie Gefährdung des Lebens zu eröffnen.

E.
Das Kantonsgericht Wallis verzichtet am 15. Februar 2011 auf Gegenbemerkungen
und verweist auf sein Urteil vom 13. Oktober 2010. Y.________ beantragt in
seiner Eingabe vom 11. Februar 2011 sinngemäss, die Beschwerde sei abzuweisen,
indem er ausführt, dass er es für unnötig erachtet, betreffend den
Unfallhergang gegen ihn zu ermitteln. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis
liess sich innert Frist nicht vernehmen.

Erwägungen:

1.
1.1 Anfechtungsobjekt der Beschwerde an das Bundesgericht ist gemäss Art. 80
Abs. 1 BGG der letztinstanzliche kantonale Entscheid. Das ist vorliegend das
Urteil des Kantonsgerichts Wallis vom 13. Oktober 2010. Soweit der
Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung des Untersuchungsrichters
Oberwallis vom 8. März 2010 verlangt, ist darauf nicht einzutreten.
1.2
1.2.1 Die Beschwerdelegitimation bestimmt sich nach Art. 81 BGG in der bis zum
31. Dezember 2010 geltenden Fassung, sofern der angefochtene Entscheid vor dem
Jahresende gefällt wurde und die Beschwerde vor diesem Zeitpunkt beim
Bundesgericht einging (Urteil 6B_1085/2010 vom 6. Januar 2011 E. 1). Das ist
vorliegend der Fall.
1.2.2 Gemäss Art. 81 Abs. 1 BGG ist zur Beschwerde in Strafsachen berechtigt,
wer am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur
Teilnahme erhalten (lit. a) und ein rechtlich geschütztes Interesse an der
Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids hat (lit. b). Nach Art. 81
Abs. 1 lit. b aZiff. 5 BGG ist das Opfer beschwerdebefugt, wenn der
angefochtene Entscheid sich auf die Beurteilung seiner Zivilansprüche auswirken
kann. Opfer ist jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen,
sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist
(Art. 1 Abs. 1 OHG). Beispielsweise ist auch Opfer, wer bei einem
Strassenverkehrsunfall durch einen andern Verkehrsteilnehmer verletzt worden
ist (BGE 122 IV 71 E. 3a S. 76 mit Hinweisen). Wird Beschwerde gegen den einen
Einstellungsbeschluss bestätigenden Entscheid geführt, genügt es, dass eine die
Opferstellung begründende Straftat in Betracht fällt (BGE 131 IV 195 E. 1.1.2
S. 197 mit Hinweis). Die Legitimation des Opfers ist dabei unabhängig davon
gegeben, ob es bis zu diesem Zeitpunkt im Strafverfahren Zivilforderungen
adhäsionsweise geltend gemacht hat. Das Opfer muss aber darlegen, aus welchen
Gründen und inwiefern sich der angefochtene Entscheid auf welche Zivilforderung
auswirken kann (BGE 127 IV 185 E. 1a S. 187 f. mit Hinweisen).
1.2.3 Dem Beschwerdeführer kommt Opferstellung zu, da er aufgrund der beim
Strassenverkehrsunfall durch angebliche Straftaten des Beschwerdegegners 2
verursachten Verletzungen in seiner körperlichen Integrität unmittelbar
beeinträchtigt ist. Er hat am kantonalen Verfahren teilgenommen und gegen die
untersuchungsrichterliche Verfügung betreffend Nichteröffnung beim
Kantonsgericht Wallis Beschwerde erhoben. Der angefochtene Entscheid kann sich
angesichts der darin enthaltenen Begründung offensichtlich auf die
Zivilansprüche des Beschwerdeführers auswirken (Art. 46 f. OR), was im
vorliegenden Verfahrensstadium, d.h. vor der Eröffnung einer Strafuntersuchung,
für das Eintreten auf die Beschwerde genügt.

2.
2.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches
Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV und des Prinzips der "double instance" gemäss Art.
80 Abs. 2 BGG. Die erste Instanz habe ihren Entscheid über die partielle
Nichteröffnung einer Strafuntersuchung nicht begründet. Indem die Vorinstanz
von der Heilung dieses Verfahrensmangels ausgegangen sei und die Angelegenheit
nicht zur neuen Entscheidung zurückgewiesen habe, sei ihm eine Instanz verwehrt
worden (Beschwerde S. 20).

2.2 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts können Verfahrensmängel, wie
die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, geheilt werden, wenn die
Rechtsmittelinstanz über dieselbe Kognition verfügt wie ihre Vorinstanz und dem
Beschwerdeführer daraus kein Nachteil erwächst. Bei besonders schwerwiegender
Verletzung der Parteirechte ist eine Heilung jedoch ausgeschlossen (BGE 133 I
201 E. 2.2 S. 204 mit Hinweis).

2.3 Der Beschwerdeführer beanstandet zu Recht nicht, dass die Vorinstanz die
Heilung des erstinstanzlichen Verfahrensfehlers bejaht (angefochtenes Urteil S.
4). Das Prinzip der "double instance" gemäss Art. 80 Abs. 2 BGG ist vorliegend
nicht verletzt, da die Vorinstanz als oberes (kantonales) Gericht mit voller
Kognition hinsichtlich aller Tat- und Rechtsfragen als Rechtsmittelinstanz
entschieden hat. Art. 80 Abs. 2 BGG verpflichtet die Kantone nicht, einen
doppelten gerichtlichen Instanzenzug vorzusehen. Zudem bewirkt die Heilung
eines Verfahrensmangels per se keine unzulässige Verkürzung des Instanzenzugs
(BGE 110 Ia 81 E. 5d mit Hinweis). Mithin ist die Rüge der Verletzung des
Prinzips der "double instance" unbegründet.

3.
3.1 Die Vorinstanz bestätigt den Entscheid der ersten Instanz in Bezug auf die
Nichteröffnung einer Strafuntersuchung gegen den Beschwerdegegner 2 wegen
vorsätzlicher und fahrlässiger Körperverletzung sowie Gefährdung des Lebens.
Sie hält fest, bezüglich des Wiedereinbiegens beim zweiten Überholvorgang
würden die Aussagen des Beschwerdeführers und diejenigen des Beschwerdegegners
2 auseinander gehen. Das Fehlen von Bremsspuren an der Unfallstelle lasse die
Aussage des Letzteren, wonach der Beschwerdeführer nach dem Wiedereinbiegen auf
den Normalfahrstreifen brüsk gebremst habe, nicht als unglaubhaft erscheinen,
zumal ein Fahrzeug mit neuem Bremssystem kaum Spuren hinterlasse. Vom
Fehlverhalten des Beschwerdegegners 2 beim ersten Überholversuch des
Beschwerdeführers könne nicht ohne weiteres auf ein solches beim zweiten
Überholmanöver geschlossen werden, auch nicht aus der Fahrerflucht.
Unbestritten sei, dass der Beschwerdeführer durch sein Fahrverhalten beim
zweiten Überholvorgang die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren habe, ins
Schleudern und auf die Gegenfahrbahn geraten sei. Seine Aussage, wonach er beim
Überholen, mithin in der Beschleunigungsphase, mit Tempomat gefahren sei und
die Bremsen im fraglichen Zeitpunkt nur angetippt habe, um den Tempomaten
auszuschalten, sei wenig glaubhaft. Der Tempomat diene dazu, auf längeren
Strecken das Fahrzeug konstant auf einer vorher festgelegten Geschwindigkeit zu
halten, und werde daher beim Überholen, das eine Beschleunigung erfordere,
nicht verwendet. Überdies schalte er beim Beschleunigen aus.

3.2 Die Vorinstanz erwägt im Wesentlichen, gestützt auf die Aussagen des
Beschwerdeführers sei beim zweiten Überholvorgang davon auszugehen, dass er mit
dem Einbiegen auf den Normalfahrstreifen begonnen habe, bevor er sich über den
Abstand zum überholten Fahrzeug vergewissert habe. Ein Blick in den
Aussenrückspiegel genüge dabei nicht. Als er realisiert habe, dass dieser
Abstand ungenügend sei, habe er die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren und
dadurch die Frontalkollision mit dem entgegenkommenden Personenwagen
verursacht. Der Beschwerdegegner 2 sei am Strassenverkehrsunfall nicht
beteiligt gewesen und daher für die eingetretenen Folgen strafrechtlich nicht
verantwortbar (angefochtenes Urteil S. 7 f.).

4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, die Vorinstanz habe gegen
das Prinzip "in dubio pro duriore" verstossen. Bei willkürfreier Würdigung
seiner Aussagen sowie derjenigen des Beschwerdegegners 2 und von A.________
bestünde ein nicht zu unterdrückender Verdacht, wonach der Beschwerdegegner 2
an der Frontalkollision zumindest mitschuldig sei. Die Strafuntersuchung gegen
ihn müsse deswegen die gegen ihn im Zusammenhang mit dem Unfall erhobenen
Vorwürfe der vorsätzlichen und fahrlässigen Körperverletzung sowie Gefährdung
des Lebens mitumfassen (Beschwerde S. 8).

4.2 Der Beschwerdeführer rügt im Weiteren eine willkürliche Feststellung des
Sachverhalts. Die Vorinstanz sei bezüglich des ersten Überholmanövers einzig
den Aussagen des Beschwerdegegners 2 gefolgt. Beim zweiten Überholvorgang sei
sie aufgrund falscher Sachverhaltsfeststellungen betreffend den Tempomaten zum
Schluss gelangt, seine eigenen diesbezüglichen Aussagen seien unglaubhaft.
Sodann habe sie den Widerspruch zwischen den Aussagen des Beschwerdegegners 2
und denjenigen des Lenkers des entgegen gekommenen Fahrzeugs, A.________, nicht
gewürdigt. Die Vorinstanz habe nicht ausreichend abgeklärt, weshalb er nach dem
Überholen des Fahrzeugs des Beschwerdegegners 2 beim Wiedereinbiegen auf den
rechten Fahrstreifen plötzlich zu wenig Platz gehabt habe. Sie habe dies einzig
damit begründet, dass er mit dem Einbiegemanöver nicht zugewartet habe, bis er
das überholte Fahrzeug in seinem Rückspiegel gesehen habe. Es bestehe aber
zumindest der Verdacht, dass der Beschwerdegegner 2 erneut, wie beim ersten
Überholversuch, sein Fahrzeug beschleunigt und so den Abstand zum überholenden
Personenwagen "geschlossen" habe (Beschwerde S. 8 ff.).

4.3 Der Beschwerdeführer macht zudem geltend, die kantonalen Instanzen hätten
in willkürlicher antizipierter Beweiswürdigung die weiteren Insassen der
beteiligten Fahrzeuge nicht einvernommen und zur Frage der Unfallursache kein
Gutachten eingeholt. Dadurch hätten sie seinen Anspruch auf rechtliches Gehör
nach Art. 29 Abs. 2 BV bzw. Art. 6 Ziff. 1 EMRK verletzt (Beschwerde S. 14 ff.
und S. 18 f.).

5.
5.1 Unter welchen Voraussetzungen ein Strafverfahren eingestellt werden darf
und wann Anklage zu erheben ist, beurteilt sich in erster Linie nach dem
kantonalen Prozessrecht (Urteil 6B_115/2009 vom 13. August 2009 E. 2.2 mit
Hinweis). Die Vorinstanz stützt ihre Bestätigung des untersuchungsrichterlichen
(partiellen) Nichteröffnungsentscheids auf kantonales Recht. Nach Art. 46 Ziff.
1 der Strafprozessordnung des Kantons Wallis vom 22. Februar 1962 (aStPO/VS;
SGS 312.0; in Kraft bis zum 31. Dezember 2010) hat der Untersuchungsrichter
nach Eingang einer Anzeige oder Strafklage unverzüglich zu prüfen, ob die
Tatsachen, derer der Beklagte beschuldigt wird, strafbar erscheinen und ob die
gesetzlichen Voraussetzungen der öffentlichen Klage erfüllt zu sein scheinen.
Um zu prüfen, ob eine Untersuchung zu eröffnen ist, kann der Richter ein
Ermittlungsverfahren anordnen, welches die zweckmässigen
Untersuchungsmassnahmen umfasst (Art. 45bis Ziff. 1 aStPO/VS).
Die Beurteilung der Prozessaussichten steht im pflichtgemässen Ermessen der
Untersuchungsbehörde. Als Richtschnur gilt, dass Anklage erhoben werden muss,
wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch. Dies
gründet auf der Überlegung, dass bei nicht eindeutiger Beweislage der Entscheid
über einen strafrechtlichen Vorwurf nicht von den Untersuchungs- oder
Anklagebehörden, sondern von den für die materielle Beurteilung zuständigen
Gerichten getroffen werden soll. Bei der Anklageerhebung gilt daher der auf die
gerichtliche Beweiswürdigung zugeschnittene Grundsatz "in dubio pro reo" nicht.
Vielmehr ist nach der Maxime "in dubio pro duriore" im Zweifelsfall (wegen des
schwereren Delikts) Anklage zu erheben. Dieser Grundsatz ist auch bei der
gerichtlichen Beurteilung von Einstellungsverfügungen zu beachten (Urteil
6B_588/2007 vom 11. April 2008 E. 3.2.3 mit Hinweisen).

5.2 Die vorinstanzliche Feststellung des Sachverhalts kann nur gerügt werden,
wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne
von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des
Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 und Art. 105 BGG).
Offensichtlich unrichtig im Sinne von Art. 97 Abs. 1 BGG ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn sie willkürlich ist (BGE 134 IV 36 E. 1.4.1 S.
39). Die Willkürrüge muss präzise vorgebracht und begründet werden, ansonsten
darauf nicht einzutreten ist (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 136 I 49 E. 1.4.1 S. 53
mit Hinweisen).
Willkürlich ist ein Entscheid nicht schon, wenn auch eine andere Lösung
vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern insbesondere erst, wenn
er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem
Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass
verletzt. Willkür liegt nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines
Entscheids, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 135 V 2 E. 1.3 S. 4 f.
mit Hinweisen).

5.3 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV ergibt sich
unter anderem, dass die Behörden die Vorbringen des vom Entscheid in seiner
Rechtsstellung Betroffenen tatsächlich hören, prüfen und in der
Entscheidfindung berücksichtigen (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 mit Hinweisen).
Keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt vor, wenn eine
Behörde auf die Abnahme beantragter Beweismittel verzichtet, weil sie aufgrund
der bereits abgenommenen Beweise ihre Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür
in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass ihre Überzeugung durch
weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148 mit
Hinweisen).
5.4
5.4.1 Auf die Sachverhaltsrügen des Beschwerdeführers, welche keinen Einfluss
auf den Ausgang des Verfahrens haben, ist nicht einzutreten (Beschwerde S. 8
ff. und S. 14 f.). Dies betrifft namentlich seine Einwände bezüglich des ersten
Überholversuchs, da diese Geschehnisse offensichtlich nicht (direkt) die
spätere Frontalkollision bewirkten.
5.4.2 Die Rügen des Beschwerdeführers betreffend die vorinstanzlichen
Feststellungen über den Tempomaten sind unbegründet. Selbst wenn man seiner
Darstellung folgt, wonach er ihn auch beim Überholen verwendet und beim
Einbiegemanöver durch Antippen der Bremsen ausgeschaltet habe, ist dadurch die
Würdigung der Vorinstanz, seine diesbezüglichen Aussagen seien unglaubhaft,
nicht offensichtlich unhaltbar. Zumal auch dann fraglich ist, weshalb er sich,
als er angeblich aufgrund des geringen Abstands zum Fahrzeug des
Beschwerdegegners 2 erschrak, noch die Zeit nahm, den Tempomaten auszuschalten.
Sein Einwand, wonach sich dieser - entgegen der vorinstanzlichen Feststellung -
bei der Beschleunigung des Fahrzeugs nicht ausschaltet, dies unter anderem aber
beim Betätigen der Bremsen der Fall sei, ist somit ebenfalls unbehelflich
(Beschwerde S. 10 ff.). Folglich kann die Frage, ob das neu eingereichte
Handbuch über das von ihm damals gelenkte Fahrzeug nach Art. 99 Abs. 1 BGG noch
ins Recht gelegt werden konnte, offen bleiben (Beilage Nr. 4, 7-38/39).
5.4.3 Die Vorinstanz führt einleitend aus, die Aussagen des Beschwerdeführers
und des Beschwerdegegners 2 zum zweiten Überholvorgang würden auseinander
gehen. Gleichwohl hält sie fest, es sei unbestritten, dass Ersterer durch sein
Fahrverhalten die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren habe, ins Schleudern
und auf die Gegenfahrbahn geraten sei. Ohne nähere Erörterung zieht sie den
Schluss, er habe den Strassenverkehrsunfall alleine, d.h. insbesondere ohne
Beteiligung des Beschwerdegegners 2, verursacht. Die Aussagen der vorerwähnten
Personen stimmen in den massgeblichen Punkten jedoch entgegen der Meinung der
Vorinstanz nicht überein, weshalb sie nicht von unbestrittenen Tatsachen
ausgehen durfte. Hinzu kommt, dass sie nicht darlegt, wie sie zum "erstellten"
Sachverhalt gelangt. Indem sie lediglich abhandelt, weshalb die Aussagen des
Beschwerdegegners 2 ihrer Auffassung nach nicht unglaubhaft seien, ist noch
nicht dargelegt, ob bzw. weshalb sie glaubhaft sind. Eine solche Erörterung
erscheint vorliegend aber als zwingend, da die Aussagen des Beschwerdegegners 2
sowohl zu denen des Beschwerdeführers als auch zu denjenigen des Lenkers des
entgegen gekommenen Fahrzeugs, A.________, im Widerspruch stehen. Der
Beschwerdegegner 2 sagte im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer sei nach dem
Überholen auf den Normalfahrstreifen gefahren und habe brüsk abgebremst, bevor
er die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren habe (untersuchungsrichterliche
Akten S. 26). Demgegenüber erklärte A.________, der Beschwerdeführer habe nach
dem Überholen auf den rechten Fahrstreifen fahren wollen. Dieses Vorhaben habe
er aber nicht zu Ende geführt und sei nach einem Schwenker in direkter Linie
auf ihn zugekommen (untersuchungsrichterliche Akten S. 20). Mit diesem
offensichtlichen Widerspruch setzt sich die Vorinstanz nicht auseinander.
Bereits ihre Feststellung, die Aussage des Beschwerdegegners 2, der
Beschwerdeführer habe brüsk gebremst, sei glaubhaft, ist beim derzeitigen
Aktenstand willkürlich. Es mag zwar zutreffen, dass Fahrzeuge mit dem
fraglichen Bremssystem auch bei einem brüsken Bremsen keine entsprechenden
Spuren hinterlassen. Das Fehlen solcher Spuren spricht nicht gegen ein brüskes
Bremsen, aber selbstverständlich auch nicht dafür. Die Vorinstanz bringt nicht
vor, was für die Glaubhaftigkeit der Aussage des Beschwerdegegners 2 spricht.
In einer solchen Würdigung darf zudem nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich
der Beschwerdegegner 2 bereits einige Kilometer vor dem Unfall nicht durch den
Beschwerdeführer überholen liess. Ausserdem hielt er nicht an, obwohl er den
Unfall offensichtlich wahrgenommen hatte.
Die Vorinstanz scheint allerdings nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer gerade wegen des angeblichen brüsken Bremsens die Herrschaft
über sein Fahrzeug verlor. Ihrer Auffassung nach geschah dies, weil er sich
nicht vorschriftsgemäss vergewisserte, ob der Abstand zum nachfolgenden
Fahrzeug ausreichte, und weil er erschrak, als er bemerkte, dass dieser Abstand
zu gering war. Die entscheidende Frage ist nun, warum dieser Abstand zu gering
war und weshalb der Beschwerdeführer erschrak. Gewiss muss sich ein
Fahrzeuglenker, der einen anderen überholt hat, vor dem Wiedereingliedern in
den rechten Fahrstreifen vergewissern, ob der Abstand zum überholten Fahrzeug
hierfür genügend ist. Dies hat der Beschwerdeführer nicht getan, was
regelwidrig war. Das bedeutet aber nicht, dass er deshalb zwingend der
alleinige Verantwortliche für den Unfall war. Er war es jedenfalls nicht, wenn
der überholte Fahrzeuglenker beschleunigt haben sollte. Das muss vorliegend
untersucht werden.

5.5 Die vorinstanzliche Schlussfolgerung, wonach der Beschwerdeführer die
Frontalkollision alleine, d.h. ohne Beteiligung des Beschwerdegegners 2,
verursacht habe, weshalb gegen Letzteren über die damit zusammenhängenden
möglichen Straftaten keine Untersuchung zu eröffnen sei, erweist sich im
aktuellen Verfahrensstadium als ungenügend abgeklärt. Unter den gegebenen
Umständen durfte sich die Nichteröffnung einer Strafuntersuchung gegen den
Beschwerdegegner 2 wegen vorsätzlicher und fahrlässiger Körperverletzung sowie
Gefährdung des Lebens nicht kurzerhand auf seine Aussagen stützen. Entsprechend
dem Grundsatz "in dubio pro duriore" hätte bei der vorliegend keineswegs
eindeutigen Beweislage zumindest eine Untersuchung eröffnet werden müssen,
zumal weitere, leicht zugängliche Beweismittel vorhanden sind. Damit erweist
sich auch die vorinstanzliche antizipierte Beweiswürdigung als willkürlich. Die
Beschwerde ist begründet.

6.
Der Beschwerdeführer beantragt eine Rückweisung der Sache an die erste Instanz
zwecks Eröffnung einer Strafuntersuchung. Heisst das Bundesgericht eine
Beschwerde gut, so entscheidet es in der Sache selbst oder weist diese zur
neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurück. Es kann die Sache auch an die
Behörde zurückweisen, die als erste Instanz entschieden hat (Art. 107 Abs. 2
BGG). Vorliegend besteht kein Anlass, die Angelegenheit direkt an die erste
Instanz zurückzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdegegner 2, der in seiner
Vernehmlassung die Abweisung der Beschwerde beantragt, die Hälfte der
Gerichtskosten zu übernehmen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Dem Kanton Wallis sind keine
Kosten aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 4 BGG). Der Beschwerdegegner 2 und der Kanton
Wallis haben dem Beschwerdeführer eine Entschädigung von je Fr. 1'500.-- zu
zahlen (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, das Urteil des Kantonsgerichts Wallis,
Richter der Beschwerdebehörde, vom 13. Oktober 2010 wird aufgehoben und die
Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2.
Dem Beschwerdegegner 2 werden Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- auferlegt.

3.
Der Kanton Wallis und der Beschwerdegegner 2 haben den Beschwerdeführer für das
bundesgerichtliche Verfahren mit je Fr. 1'500.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Wallis, Richter der
Beschwerdebehörde, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 29. März 2011

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Favre Pasquini