Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2C.578/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
2C_578/2011

Urteil vom 1. Dezember 2011
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Zünd, Präsident,
Bundesrichter Seiler, Stadelmann,
Gerichtsschreiber Winiger.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Kreis,

gegen

Migrationsamt des Kantons St. Gallen,
St. Leonhard-Strasse 40, 9001 St. Gallen,
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, Moosbruggstrasse 11,
9001 St. Gallen.

Gegenstand
Widerruf/Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung,

Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
21. Juni 2011.

Sachverhalt:

A.
Der pakistanische Staatsangehörige X.________ (geb. 1969), reiste am 23.
Oktober 2002 in die Schweiz ein, wo er ein Asylgesuch stellte, welches mit
Verfügung vom 5. August 2003 und Beschwerdeentscheid der Asylrekurskommission
vom 25. August 2006 abgewiesen wurde. Da X.________ seiner Ausreisepflicht
nicht nachkam, wurde er am 13. September 2007 ins Herkunftsland ausgeschafft
und mit einer bis zum 13. Oktober 2010 gültigen Einreisesperre belegt. Am 19.
Dezember 2007 heiratete er in Pakistan die Schweizer Bürgerin Y.________ (geb.
1972), die in der Folge ohne ihren Mann in die Schweiz zurückkehrte. Sie
widersetzte sich einem von X.________ gestellten Einreisegesuch, da sie sich
bereits in Pakistan habe scheiden lassen. Darauf trat das Migrationsamt des
Kantons St. Gallen am 22. August 2008 auf dieses Gesuch nicht ein. Am 20.
September 2008 kam das gemeinsame Kind Z.________ zur Welt. Nach wiederholten
Meinungswechseln der Ehefrau erklärte diese schliesslich, ihr Mann solle in die
Schweiz einreisen dürfen, um die Ehe fortzuführen. In der Folge wurde das
Einreiseverbot aufgehoben und X.________, der am 31. Dezember 2009 in die
Schweiz eingereist war, eine bis 30. Dezember 2010 gültige
Aufenthaltsbewilligung erteilt.
Am 16. März 2010 reichten die Ehegatten beim Kreisgericht St. Gallen ein
gemeinsames Scheidungsbegehren ein und schlossen in diesem Rahmen am 15. April
2010 einvernehmlich eine Trennungskonvention ab, die der Ehefrau die Obhut über
das gemeinsame Kind zusprach und dem Ehemann ein Besuchsrecht von einer Stunde
pro Woche einräumte. Mit Entscheid des Kreisgerichts St. Gallen vom 3. Mai 2010
wurde die Ehe gerichtlich getrennt.
Am 27. April 2010 musste die Polizei beim Ehepaar Xa.________ wegen häuslicher
Gewalt intervenieren. Das Untersuchungsrichteramt St. Gallen sprach X.________
deswegen mit Strafbescheid vom 23. August 2010 der einfachen Körperverletzung,
der Tätlichkeiten, der Gefährdung des Lebens sowie der Drohung zum Nachteil der
Ehefrau schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von
sechs Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von vier Jahren sowie zu einer
Busse von Fr. 1'200.--.
Das Migrationsamt des Kantons St. Gallen widerrief am 10. August 2010 die
Aufenthaltsbewilligung von X.________ und setzte ihm Frist bis 30. Oktober
2010, um die Schweiz zu verlassen.

B.
Mit Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen
beantragte X.________, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, von einem
Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und einer Wegweisung aus der Schweiz sei
abzusehen und die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern. Das Departement
wies am 17. Januar 2011 den Rekurs ab und lud das Ausländeramt ein, eine neue
Frist zur Ausreise anzusetzen. Mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen wiederholte X.________ seine vorinstanzlich gestellten
Rechtsbegehren. Das Gericht wies die Beschwerde am 21. Juni 2011 ab.

C.
X.________ erhebt am 12. Juli 2011 Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten, eventuell subsidiäre Verfassungsbeschwerde. Er beantragt, das
angefochtene Urteil und die vorausgegangenen Entscheide des Sicherheits- und
Justizdepartements und des Migrationsamts seien aufzuheben, von einem Widerruf
der Aufenthaltsbewilligung und der Wegweisung sei abzusehen und die
Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, eventuell mit Bedingungen und
Auflagen, eventuell in Bejahung eines Härtefalls. Eventuell sei die
Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem
beantragt er die Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung.
Mit Eingabe vom 18. Juli 2011 hat X.________ innert Frist eine
Beschwerdeergänzung eingereicht.
Das Verwaltungsgericht sowie das Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons
St. Gallen beantragen die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für Migration
hat sich verspätet geäussert.

D.
Mit Verfügung vom 15. Juli 2011 hat der Präsident der II.
öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts der Beschwerde
antragsgemäss die aufschiebende Wirkung zuerkannt.

Erwägungen:

1.
1.1 Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, ist die ursprüngliche
Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers am 31. Dezember 2010 abgelaufen,
so dass der Widerruf derselben sowie der Antrag auf Aufhebung des Widerrufs
gegenstandslos sind. Gegenstand der Beschwerde kann somit nur die Verlängerung
bzw. Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung sein. Soweit in der
Beschwerde der Verzicht auf den Widerruf der Bewilligung beantragt wird, ist
darauf nicht einzutreten.

1.2 Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist unzulässig
gegen Entscheide betreffend ausländerrechtliche Bewilligungen, auf die weder
das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch einräumt (Art. 83 lit. c
Ziff. 2 BGG). Nach Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten von
Schweizerinnen Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Der
Beschwerdeführer ist im Sinne von Art. 117 ZGB gerichtlich von seiner
schweizerischen Ehefrau getrennt, so dass er sich nicht mehr auf Art. 42 AuG
berufen kann. Der Beschwerdeführer macht jedoch einen Anspruch gemäss Art. 50
Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG geltend. Insoweit ist die Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten zulässig. Unzulässig ist sie jedoch,
soweit damit die Aufhebung der unterinstanzlichen Entscheide beantragt wird,
sind doch diese durch den Entscheid des Verwaltungsgerichts ersetzt worden
(Devolutiveffekt), so dass einzig dieser Anfechtungsobjekt bildet; die
Entscheide der unteren Instanzen gelten als inhaltlich mitangefochten (Art. 86
Abs. 1 lit. d BGG; BGE 134 II 142 E. 1.4 S. 144).

1.3 Unzulässig ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
gegen die Wegweisung (Art. 83 lit. c Ziff. 4 BGG). Dagegen ist einzig die vom
Beschwerdeführer gleichzeitig erhobene subsidiäre Verfassungsbeschwerde
zulässig (Art. 113 ff. BGG; BGE 137 II 305 E. 1.1 S. 307); mit dieser kann
jedoch nur die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden (Art. 116
BGG), wofür die besondere Rügepflicht gilt (Art. 117 i.V.m. Art. 106 Abs. 2
BGG). In Bezug auf die Wegweisung rügt der Beschwerdeführer nicht in
rechtsgenüglicher Weise eine Verletzung verfassungsmässiger Rechte: Er
beanstandet zwar eine Verletzung von Art. 11, 13 und 14 BV, Art. 8 EMRK sowie
Art. 3 und 18 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des
Kindes (KRK; SR 0.107), dies aber hauptsächlich im Zusammenhang mit der
Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung. Inwiefern (unter der im Folgenden zu
prüfenden Annahme, dass die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung mit Recht
verweigert wurde) diese Rechte durch die Wegweisung verletzt werden sollten,
legt der Beschwerdeführer nicht dar. Er kritisiert im Wesentlichen bloss, die
Wegweisung verletze das Verhältnismässigkeitsprinzip, welches jedoch kein
selbständiges verfassungsmässiges Recht ist (BGE 134 I 153 E. 4.1 S. 156 mit
Hinweisen) und daher im Rahmen einer subsidiären Verfassungsbeschwerde nicht
selbständig angerufen werden kann (BGE 137 II 305 E. 2 S. 305). Auf die
subsidiäre Verfassungsbeschwerde kann deshalb nicht eingetreten werden.
Immerhin sind die Gründe, die einer Wegweisung entgegenstehen könnten (Art. 83
Abs. 2-4 AuG) auch im Rahmen der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten bei der Anwendung von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG zu prüfen (BGE
2C_784/2010 vom 26. Mai 2011 E. 3.3.2; vgl. E. 3.3 hiernach).

2.
Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat. Es kann die Sachverhaltsfeststellung der
Vorinstanz von Amtes wegen berichtigen oder ergänzen, wenn sie offensichtlich
unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht
(Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG). Die Rüge, der Sachverhalt sei offensichtlich
unrichtig festgestellt (Art. 97 Abs. 1 BGG) muss in der Beschwerdeschrift nach
den Anforderungen gemäss Art. 106 Abs. 2 BGG vorgebracht und begründet werden
(BGE 133 II 249 E. 1.4.3 S. 254 f.).

3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht vor Bundesgericht zu Recht keinen Anspruch
gestützt auf Art. 42 oder Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG mehr geltend, da die
inzwischen aufgelöste Ehegemeinschaft (vgl. E. 1.2 hiervor) in der Schweiz
statt der erforderlichen drei Jahre (dazu BGE 136 II 113 E. 3.3 S. 117 ff.) nur
ca. vier Monate bestanden hatte.

3.2 Der Beschwerdeführer beruft sich hingegen auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG.
Danach besteht nach Auflösung der Familiengemeinschaft der Anspruch des
Ehegatten auf Bewilligung weiter, wenn wichtige persönliche Gründe einen
weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Art. 50 Abs. 1 lit. b
AuG ist für Situationen gedacht, in denen die Voraussetzungen gemäss Art. 50
Abs. 1 lit. a AuG nicht erfüllt sind, aber - aufgrund sämtlicher weiterer
Umstände - eine Härtefallsituation vorliegt, welche früher im Rahmen von Art.
13 lit. f der Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die Begrenzung der Zahl der
Ausländer (BVO; AS 1986 1791) hätte berücksichtigt werden können. Der
Gesetzgeber wollte damit die diesbezüglich unterschiedlichen kantonalen Praxen
vereinheitlichen (Botschaft vom 8. März 2002 zum AuG, BBl 2002 3709 Ziff.
1.3.7.6 S. 3754). Der ursprünglich vom schweizerischen bzw. niedergelassenen
Ehepartner abgeleitete Bewilligungsanspruch soll in Ausnahmesituationen unter
einheitlichen bundesrechtlichen Kriterien verselbständigt weiterbestehen (BGE
2C_784/2010 vom 26. Mai 2011 E. 3.2.1).
Die "wichtigen persönlichen Gründe" nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG müssen den
weiteren Aufenthalt "erforderlich" machen. Nach Art. 50 Abs. 2 AuG und der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung dazu (BGE 136 II 1 E. 5 S. 3 ff.) kann dies
namentlich der Fall sein, wenn die ausländische Person mit abgeleitetem
Aufenthaltsrecht Opfer ehelicher Gewalt geworden ist oder wenn ihre soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint. Mögliche
weitere Anwendungsfälle bilden (gescheiterte) unter Zwang eingegangene Ehen
oder solche im Zusammenhang mit Menschenhandel. Der Verbleib in der Schweiz
kann sich zudem auch dann als erforderlich erweisen, wenn der Ehegatte, von dem
sich die Aufenthaltsberechtigung ableitet, verstirbt (vgl. BGE 137 II 1 E. 3
und 4 S. 3 ff.).
Da es im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG um nacheheliche Härtefälle geht,
d.h. an die ursprünglich aus der Ehe abgeleitete Bewilligung angeknüpft wird,
sind auch die Umstände, die zum Abschluss bzw. zur Auflösung der Ehe geführt
haben, von Bedeutung. Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und wurden
keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf
weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute Integration im
Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt. Entscheidend ist, ob die
persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung als stark gefährdet
zu gelten hat und nicht ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre (Urteil
2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 3). Ein persönlicher, nachehelicher
Härtefall setzt aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls eine erhebliche
Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben der ausländischen
Person voraus, die mit ihrer Lebenssituation nach dem Dahinfallen der gestützt
auf Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 AuG abgeleiteten
Anwesenheitsberechtigung verbunden sind. Da Art. 50 Abs. 1 AuG von einem
Weiterbestehen des Anspruchs nach Art. 42 und Art. 43 AuG spricht, muss der
Härtefall sich auf die Ehe und den damit verbundenen Aufenthalt beziehen (BGE
2C_784/2010 vom 26. Mai 2011 E. 3.2.3).

3.3 Der Beschwerdeführer ist nicht Opfer ehelicher Gewalt geworden, sondern hat
im Gegenteil seiner Ehefrau eheliche Gewalt zugefügt, was zur Trennung und
seiner strafrechtlichen Verurteilung führte. Er macht auch nicht substantiiert
geltend, dass seine Wiedereingliederung in Pakistan stark gefährdet wäre. Der
blosse Umstand, dass die Sicherheits- und Wirtschaftslage in Pakistan generell
weniger gut ist als in der Schweiz, stellt keine starke Integrationsgefährdung
im Sinne des Gesetzes dar. Bei dieser Sachlage sind auch keine Gründe
ersichtlich, die einem Vollzug der Wegweisung entgegenstehen würden (Art. 83
Abs. 2-4 AuG; vgl. E. 1.3 hiervor). Die in der Beschwerdeergänzung vom 18. Juli
2011 erwähnten angeblichen Probleme mit der pakistanischen Polizei sind nicht
substantiiert und wären zudem ohnehin unzulässige Noven (Art. 99 Abs. 1 BGG).
Sodann reicht es für eine nacheheliche Härtefallbewilligung nicht aus, dass der
Beschwerdeführer angeblich in der Schweiz gut integriert sei, relativ gut
deutsch spreche und eine Arbeitsstelle habe. Eine erfolgreiche Integration wäre
zwar massgeblich im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG, genügt aber nicht für
eine Bewilligung nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG. Bei dieser Rechtslage ist von
vornherein unerheblich, ob - wie der Beschwerdeführer kritisiert - die
Vorinstanz den Sachverhalt in Bezug auf die Integration (Deutschkenntnisse,
Arbeitsstelle) offensichtlich unrichtig festgestellt habe. Zudem kann
angesichts der erheblichen Straffälligkeit des Beschwerdeführers von einer
guten Integration keine Rede sein: Nebst der erwähnten Freiheitsstrafe von
sechs Monaten wegen ehelicher Gewalt gegen seine Ehefrau wurde der
Beschwerdeführer nach den verbindlichen Sachverhaltsfeststellungen der
Vorinstanz bereits während seines früheren Aufenthalts in der Schweiz achtmal
mit Busse oder Geldstrafe bestraft und musste die Polizei wiederholt wegen
aggressiven Verhaltens und Streitigkeiten gegen ihn intervenieren. Nicht
rechtserheblich ist zudem, ob der Beschwerdeführer - wie die Vorinstanz
mutmasst - seine Frau nur zwecks Aufenthaltsrechts in der Schweiz geheiratet
habe; selbst wenn dies nicht zuträfe, würde dies keinen Bewilligungsanspruch
nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG begründen.

3.4 Zur Hauptsache beruft sich der Beschwerdeführer auf sein Verhältnis zu
seinem Sohn und erblickt darin einen nachehelichen Härtefall unter
Berücksichtigung von Art. 8 EMRK, Art. 11, 13 und 14 BV sowie Art. 3 und 18
KRK.
3.4.1 Im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG sind auch die Interessen der
gemeinsamen Kinder zu berücksichtigen, zu denen eine enge Beziehung besteht und
die in der Schweiz gut integriert sind (Botschaft AuG, BBl 2002 3709 Ziff.
1.3.7.6 S. 3754; BGE 2C_784/2010 vom 26. Mai 2011 E. 3.2.2; Urteil 2C_830/2010
vom 10. Juni 2011 E. 3.1.3). Dabei ist den verfassungsrechtlichen bzw.
staatsvertraglichen Ansprüchen auf Erteilung bzw. Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung (Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV) Rechnung zu tragen
(Urteile 2C_327/2010 vom 19. Mai 2011 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 137 I 247;
2C_173/2011 vom 24. Juni 2011 E. 4.3).
3.4.2 Art. 8 EMRK gewährt grundsätzlich keinen Anspruch auf Aufenthalt in einem
Konventionsstaat, kann aber verletzt sein, wenn eine staatliche Entfernungs-
oder Fernhaltemassnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt und damit
das Familienleben vereitelt wird (BGE 137 I 247 E. 4.1.1 S. 249; 135 I 143 E.
1.3.1 S. 146 f., 153 E. 2.1; Urteil des EGMR Gezginci gegen Schweiz vom 9.
Dezember 2010 [16327/05], § 54, in: Plaidoyer 2011/1 S. 56; Plädoyer 2011/1 S.
65; AJP 2011 S. 560). Unter dem Schutz von Art. 8 EMRK steht in erster Linie
die Kernfamilie, das heisst das Zusammenleben minderjähriger Kinder mit ihren
Eltern (BGE 135 I 143 E. 1.3.2 S. 146). Durch Art. 8 EMRK geschützt wird nicht
primär ein rechtlich begründetes, sondern ein intaktes und tatsächlich gelebtes
Familienleben (BGE 2C_711/2010 vom 1. April 2011 E. 1.3; 135 I 143 E. 3.1 S.
148; 122 II 1 E. 1e S. 5). Deshalb ist für die Anrufung von Art. 8 EMRK im
Zusammenhang mit ausländerrechtlichen Bewilligungen regelmässig erforderlich,
dass die Beziehung zum Kind intakt und bereits bisher sachgerecht gelebt worden
ist (BGE 2C_711/2010 vom 1. April 2011 E. 2.3.1; vgl. Nichtzulassungsentscheide
der Europäischen Kommission für Menschenrechte Biçilir gegen Schweiz vom 22.
Februar 1995 [23701/94], in: JAAC 1995 Nr. 140 S. 1037 und Kusungana gegen
Schweiz vom 16. April 1998 [39401/98], in: JAAC 1998 Nr. 112 S. 955).
3.4.3 Aus familienrechtlichen Gründen muss der Elternteil, der sich für das
Zusammenleben mit seinen Kindern auf Art. 8 EMRK beruft, grundsätzlich über das
Sorge- bzw. Obhutsrecht verfügen (BGE 2C_711/2010 vom 1. April 2011 E. 2.3.1;
137 I 247 E. 4.2.1 und 4.2.2 S. 250 f.; 135 I 153 E. 2.2.4 S. 158; Urteile
2C_173/2011 vom 24. Juni 2011 E. 4 und 5; 2C_234/2010 vom 11. Juli 2011 E.
2.4). Dabei sind die zivilrechtlichen Vorgaben von den Migrationsbehörden
anzuerkennen, so lange sie nicht auf den dort vorgesehenen Rechtswegen
abgeändert wurden (Urteil 2C_234/2010 vom 11. Juli 2011 E. 2.4.2). Der nicht
sorge- bzw. obhutsberechtigte Ausländer kann die familiäre Beziehung mit seinen
Kindern schon aus zivilrechtlichen Gründen von vornherein nur in einem
beschränkten Rahmen leben, nämlich durch Ausübung des ihm eingeräumten
Besuchsrechts. Hierzu ist grundsätzlich nicht erforderlich, dass er dauernd im
gleichen Land wie das Kind lebt und dort über eine Aufenthaltsbewilligung
verfügt. Ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ist
ausnahmsweise dann zu bejahen, wenn zwischen dem Ausländer und dessen Kindern
in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht besonders enge Beziehungen
bestehen, die - würde eine Bewilligung verweigert - wegen der Distanz zwischen
der Schweiz und dem Land, in welches der Ausländer vermutlich auszureisen
hätte, praktisch nicht aufrechterhalten werden könnten. Zudem muss sich der
Ausländer tadellos verhalten haben. Nur unter diesen Voraussetzungen kann das
private Interesse am Verbleib im Land gestützt auf ein Besuchsrecht
ausnahmsweise das öffentliche Interesse an einer einschränkenden nationalen
Einwanderungspolitik im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK überwiegen (BGE 120 Ib 1
und 22; Urteile 2C_364/2010 vom 23. September 2010 E. 2.2.4; 2C_335/2009 vom
12. Februar 2010 E. 2.2.2; 2C_372/2008 vom 25. September 2008 E. 3.2.1; 2A.563/
2002 vom 23. Mai 2003 E. 2.2, in: FamPra.ch 2003 S. 633; 2A.465/1997 vom 30.
April 1998 E. 2b; Urteil des EGMR Rodrigues da Silva gegen Niederlande vom 31.
Januar 2006 [50435/99], § 42 f., in: EuGRZ 2006 S. 562).
3.4.4 Vorliegend ist der Beschwerdeführer erst in die Schweiz eingereist, als
sein Sohn schon mehr als ein Jahr alt war und hat hier nur rund vier Monate mit
ihm zusammengelebt, bevor die gerichtliche Trennung angeordnet wurde. Seither
steht der Sohn gemäss richterlichem Trennungsurteil unter der Obhut seiner
Mutter. Der Beschwerdeführer hat vorbehältlich einer Einigung der Eltern ein
Besuchsrecht von einer Stunde pro Woche, was weit unter der normalerweise
festgelegten Besuchszeit liegt. Unterhaltsbeiträge an Frau und Kind wurden im
Trennungsurteil "zur Zeit" mangels Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
keine festgelegt; für den Fall, dass er netto mehr als Fr. 2'600.-- pro Monat
verdienen werde, wäre der diese Zahl übersteigende Betrag bis zu maximal Fr.
600.-- pro Monat als Unterhalt an das Kind zu bezahlen. Die Vorinstanz hat
festgestellt, dass sich der Beschwerdeführer erst während des laufenden
Verfahrens betreffend Widerruf der Aufenthaltsbewilligung um seinen Sohn
gekümmert habe und keine Unterhaltsbeiträge leisten könne.
Der Beschwerdeführer behauptet, diese Sachverhaltsfeststellung sei willkürlich,
legt jedoch nicht dar, inwiefern sie mit der Aktenlage in Widerspruch stehen
oder sonstwie offensichtlich unrichtig sein soll. Er verweist zwar darauf, dass
er vor der Vorinstanz Arbeitsverträge ins Recht gelegt habe, macht jedoch nicht
einmal geltend, er habe Unterhaltsbeiträge effektiv bezahlt. Die dargelegten
Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz sind daher für das Bundesgericht
verbindlich (vgl. E. 2 hiervor). Bei dieser Sachverhaltslage kann von einer in
wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht besonders engen Beziehungen keine Rede
sein. Zudem hat sich der Beschwerdeführer angesichts seiner wiederholten
strafbaren Taten (vgl. E. 3.3 hiervor) keineswegs tadellos verhalten.
Insbesondere ist beachtlich, dass der Beschwerdeführer selber die Auflösung der
ehelichen Gemeinschaft und damit auch die Trennung von seinem Sohn verursacht
hat, indem er erhebliche eheliche Gewalt gegen seine Ehefrau ausübte. Unter
ähnlichen Umständen hat schon die Europäische Kommission für Menschenrechte im
Nichtzulassungsentscheid Katic gegen Schweiz vom 26. Februar 1997 (34295/96),
in: JAAC 1997 Nr. 122 S. 1010 in der Nichtverlängerung der Ausnahmebewilligung
keine Verletzung von Art. 8 EMRK erblickt, obwohl der ausländische Vater
während vieler Jahre enge Beziehungen zu seinem in der Schweiz ansässigen Kind
gehabt hatte. Noch viel weniger kann im vorliegenden Fall Art. 8 EMRK verletzt
sein, wo die Beziehungen des Beschwerdeführers zum Kind bedeutend weniger
intensiv sind. Zudem kann der Beschwerdeführer diese Beziehungen, wenn auch in
anderer Form, durchaus auch von Pakistan aus aufrechterhalten, zumal die
Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung nicht einem Einreiseverbot gleichkommt
und Kurzbesuche des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht ausschliesst.
3.4.5 Zu beachten ist zudem: In den Fällen, in denen der EGMR eine Verletzung
der EMRK bejahte, wenn dem geschiedenen oder nicht sorgeberechtigten
ausländischen Elternteil eines aufenthaltsberechtigten Kindes das
Aufenthaltsrecht entzogen wurde, handelte es sich durchwegs um Konstellationen,
in denen der ausländische Elternteil mehrere Jahre im betreffenden Land gewohnt
und dort eine Familie gegründet hatte (Urteile Nunez gegen Norwegen vom 28.
Juni 2011 [55597/09], Ziff. 79 ff.; Rodrigues da Silva gegen Niederlande vom
31. Januar 2006 [50435/99], in: EuGRZ 2006 S. 562; Ciliz gegen Niederlande vom
11. Juli 2000 [29192/95]; Berrehab gegen Niederlande vom 21. Juni 1988 [10730/
84]). Das trifft auf den Beschwerdeführer nicht zu: Sein früherer Aufenthalt in
der Schweiz resultierte nur aus der Dauer des asylrechtlichen
Rechtsmittelverfahrens und daraus, dass er auch nach dessen Abschluss
unrechtmässig das Land nicht verliess, sondern schliesslich ausgeschafft werden
musste. Eheschluss und Zeugung des Kindes erfolgten anschliessend während eines
Aufenthalts der Ehefrau in Pakistan. Erst mehr als ein Jahr nach der Geburt des
Kindes ist der Beschwerdeführer in die Schweiz eingereist, wo er schon kurz
nach seiner Einreise eheliche Gewalt gegen seine Ehefrau ausübte, was zur
Trennung führte. Aus den vorgenannten Umständen kann der Beschwerdeführer
keinen konventionsrechtlich begründeten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz
ableiten.
3.4.6 Bei dieser Sachlage kann auch der Umstand, dass das Kind behindert ist,
am Ausgang nichts ändern, so dass die Vorinstanz ohne Gehörsverletzung auf die
Einholung des vom Beschwerdeführer beantragten kinderpsychologischen Gutachtens
absehen durfte.
3.4.7 Da im Rahmen von Art. 8 EMRK bereits das Kindswohl im Sinne der
Kinderrechtskonvention zu berücksichtigen ist (vgl. E. 3.4.1 hiervor), ergeben
sich aus dieser keine über Art. 8 EMRK hinausgehenden Ansprüche (BGE 124 II 361
E. 3b S. 367 f.; Urteil 2C_62/2010 vom 30. August 2010 E. 2.3).

4.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist daher abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist. Auf die subsidiäre Verfassungsbeschwerde ist
nicht einzutreten. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer
kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
und Verbeiständung ist abzuweisen, weil die Beschwerden aussichtslos waren
(Art. 64 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten wird abgewiesen,
soweit darauf einzutreten ist.

2.
Auf die subsidiäre Verfassungsbeschwerde wird nicht eingetreten.

3.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

4.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

5.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Migrationsamt, dem Sicherheits-
und Justizdepartement, dem Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen sowie dem
Bundesamt für Migration schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 1. Dezember 2011

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Zünd

Der Gerichtsschreiber: Winiger