Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.231/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_231/2011

Urteil vom 20. September 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz, Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Widmer.

Verfahrensbeteiligte
1. X.________ Inc.,
2. Y.________ Ltd.,
3. Z.________ Ltd.,
alle drei vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Bühler,
Beschwerdeführerinnen,

gegen

1. A. Q.________,
2. B. Q.________,
beide vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. Hansjürg Lenhard,
Beschwerdegegner,

C.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Heinz Egli,
Nebenintervenient.

Gegenstand
Aktienrechtliche Verantwortlichkeit,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des
Kantons Zug, I. Zivilabteilung, vom 8. März 2011.

Sachverhalt:

A.
Die R.________ AG war eine im Kanton Zug ansässige Gesellschaft, welche die
Erbringung von Dienstleistungen und die Beratung auf dem Finanzsektor
bezweckte. A. Q.________ und B. Q.________ (Beschwerdegegner) gehörten während
der im vorliegenden Verfahren interessierenden Zeitspanne dem Verwaltungsrat
der R.________ AG an.

B.
Die R.________ AG reichte am 24. April 2002 beim Kantonsgericht Zug Klage auf
Bezahlung von Fr. 1'534'898.24 zuzüglich Zins von 5 % seit dem 2. Januar 2002
gegen die Beschwerdegegner ein. Sie machte geltend, die Beschwerdegegner hätten
im Juli 1999 in ihrer Funktion als Verwaltungsräte der R.________ AG eine
Zahlung an C.________ veranlasst, ohne dass es einen irgendwie gearteten
Forderungsgrund gegeben habe. Insbesondere sei ihr in diesem Zusammenhang keine
Gegenleistung erbracht worden. Die Beschwerdegegner beantragten Abweisung der
Klage. Die in der Klageantwort erfolgte Streitverkündung der Beschwerdegegner
an C.________ und D.________ wurde diesen am 24. Juli 2002 zur Kenntnis
gebracht. D.________ beteiligte sich in der Folge nicht am Prozess, während
C.________ dem Kantonsgericht den Beitritt als Nebenintervenient auf Seiten der
Beschwerdegegner mitteilte.

Mit Urteil vom 22. Mai 2003 wies das Kantonsgericht die Klage ab.

Gegen dieses Urteil reichte die R.________ AG am 25. Juni 2003 beim Obergericht
des Kantons Zug Berufung ein und beantragte die Gutheissung der Klage.

Am 12. August 2003 wurde über die R.________ AG der Konkurs eröffnet. Nachdem
die Gesamtheit der Konkursgläubiger auf die Weiterführung des vorliegenden
Verfahrens verzichtet hatte, trat das Konkursamt am 17. Dezember 2004 die
Verantwortlichkeitsansprüche gegen die Organe der R.________ AG gemäss Art. 260
SchKG an die Beschwerdeführerinnen ab, die im Konkurs der R.________ AG mit
Forderungen in der Höhe von Fr. 372'810.-- (X.________ Inc.), Fr. 732'961.80
(Y.________ Ltd.) und Fr. 745'620.-- (Z.________ Ltd.) kolloziert worden waren.
Eine gegen die Beschwerdeführerinnen erhobene negative Kollokationsklage wies
das Kantonsgericht Zug mit Urteil vom 9. Juni 2008 ab. Die R.________ AG wurde
nach durchgeführtem Konkursverfahren am 25. März 2009 von Amtes wegen gelöscht.

Die Beschwerdeführerinnen erklärten dem Obergericht am 27. Oktober 2008, den
Prozess aufgrund der Abtretungen fortführen zu wollen. Mit Noveneingabe vom 31.
März 2009 stellten sie den Antrag, die Beschwerdegegner seien unter
solidarischer Haftung zu verpflichten, den Beschwerdeführerinnen (als
Abtretungsgläubigerinnen im Konkurs der R.________ AG) Fr. 1'534'898.24,
eventuell DM 1,9 Mio. bzw. ein entsprechender Euro-Betrag, zuzüglich 5 % Zins
seit dem 2. Januar 2002 zu zahlen. Mit Urteil vom 8. März 2011 wies das
Obergericht die Berufung ab und bestätigte das Urteil des Kantonsgerichts vom
22. Mai 2003.

C.
Die Beschwerdeführerinnen beantragen mit Beschwerde in Zivilsachen, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Eventualiter seien die Beschwerdegegner unter solidarischer
Haftung zu verpflichten, den Beschwerdeführerinnen (als
Abtretungsgläubigerinnen im Konkurs der R.________ AG) Fr. 1'534'898.24,
eventuell DM 1,9 Mio. bzw. ein entsprechender Euro-Betrag, zuzüglich 5 % Zins
seit dem 2. Januar 2002 zu zahlen.

Die Beschwerdegegner schliessen auf Abweisung der Beschwerde und auf
Klageabweisung sowie Bestätigung des obergerichtlichen Urteils. Die Vorinstanz
beantragt unter Verzicht auf Gegenbemerkungen die Abweisung der Beschwerde. Der
Nebenintervenient liess sich nicht vernehmen.

Mit Präsidialverfügung vom 19. Mai 2011 wurden die Beschwerdeführerinnen zur
Sicherstellung einer allfälligen Parteienschädigung von Fr. 17'000.--
aufgefordert. Diese ging am 3. Juni 2011 bei der Bundesgerichtskasse ein.

Erwägungen:

1.
Das angefochtene Urteil des Obergerichts ist ein verfahrensabschliessender
Endentscheid (Art. 90 BGG) einer letzten kantonalen Instanz im Sinne von Art.
75 Abs. 1 und 2 BGG. Sodann übersteigt der Streitwert die Grenze nach Art. 74
Abs. 1 lit. b BGG. Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind,
ist auf die Beschwerde - unter Vorbehalt einer rechtsgenüglichen Begründung
(Art. 42 Abs. 2 BGG) - einzutreten.

2.
Nach Art. 754 Abs. 1 OR sind die Mitglieder des Verwaltungsrats und alle mit
der Geschäftsführung oder mit der Liquidation befassten Personen sowohl der
Gesellschaft als den einzelnen Aktionären und Gesellschaftsgläubigern für den
Schaden verantwortlich, den sie durch absichtliche oder fahrlässige Verletzung
ihrer Pflichten verursachen.

Verantwortlichkeitsansprüche ausser Konkurs können sowohl von der Gesellschaft
als auch von den einzelnen Aktionären geltend gemacht werden, wobei der
Aktionärsanspruch nur auf Leistung an die Gesellschaft geht (Art. 756 Abs. 1
OR). Für mittelbar geschädigte Gläubiger gibt es keine Möglichkeiten, ihren
eigenen Reflexschaden mittels Individualklage geltend zu machen (BGE 131 III
306 E. 3.1.1 S. 310 f.).

Nach der Konkurseröffnung ist in erster Linie der Konkursverwalter berechtigt,
die Verantwortlichkeitsansprüche der konkursiten Gesellschaft gegenüber den
verantwortlichen Organmitgliedern geltend zu machen. Verzichtet er darauf,
können die Aktionäre und Gesellschaftsgläubiger den Schaden der Gesellschaft
gegenüber den verantwortlichen Organen einklagen (Art. 757 Abs. 1 und 2 OR),
wobei sie ihren mittelbaren Schaden als einheitlichen Anspruch der
Gläubigergesamtheit geltend machen (BGE 136 III 148 E. 2.3 S. 149; 132 III 564
E. 3.2.2 S. 570 mit Hinweisen; 117 II 432 E. 1b/ee-ff S. 439 f.; vgl. zu den
verschiedenen Klagen, die dem Gesellschaftsgläubiger je nach der Art des von
ihm erlittenen Schadens zur Verfügung stehen BGE 132 III 564 E. 3 S. 568 ff.).

Der vorliegende Verantwortlichkeitsprozess wurde von der aufrecht stehenden
Gesellschaft (R.________ AG) anhängig gemacht, die mit ihrer Klage von den
Beschwerdegegnern Ersatz des Gesellschaftsschadens verlangte. Nach dem
erstinstanzlichen Entscheid und Einreichung der Berufung wurde über die
Gesellschaft der Konkurs eröffnet. In der Folge verzichtete die
Konkursverwaltung auf die Weiterführung des Prozesses. Nach den Feststellungen
der Vorinstanz verlangen die Beschwerdeführerinnen als Abtretungsgläubigerinnen
Ersatz des Gesellschaftsschadens stellvertretend für die Gläubigergemeinschaft
im Konkurs der R.________ AG.

Die Abtretungsgläubigerinnen treten dabei als Prozessstandschafter, d.h. als
Partei in eigenem Namen auf; sie nehmen die verfahrensrechtliche Stellung der
Konkursmasse ein; die Masse ist nicht Partei, bleibt aber Rechtsträgerin der
(behaupteten) Ansprüche (BGE 132 III 342 E. 2.2 S. 345 f., 564 E. 3.2.2;
STEPHEN V. BERTI, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und
Konkurs, Bd. II, 2. Aufl. 2010, N. 56 zu Art. 260 SchKG; BERNARD CORBOZ, in:
Commentaire romand, Code des obligations II, N. 42 zu Art. 757 OR). Bei dieser
Rechtslage fragt es sich, ob die nach der Abtretung der
Verantwortlichkeitsansprüche an die Beschwerdeführerinnen und während des
Berufungsverfahrens vor der Vorinstanz erfolgte Löschung der R.________ AG aus
dem Handelsregister zum Verlust der Aktivlegitimation der Beschwerdeführerinnen
geführt hat. Dabei ist allerdings zu beachten, dass einer Löschung der
Gesellschaft im Handelsregister lediglich deklaratorische Wirkung zukommt und
vor beendigter Liquidation nicht zum Verlust von deren Rechtspersönlichkeit
führt (FORSTMOSER/MEIER-HAYOZ/NOBEL, Schweizerisches Aktienrecht, 1996, § 56
Rz. 152; vgl. dazu auch BGE 132 III 731 E. 3.1; 117 III 39 E. 3b). In der Lehre
wird die Auffassung vertreten, eine Verantwortlichkeitsklage gegen ehemalige
Organe könne zumindest dann ohne Wiedereintragung der Gesellschaft (vgl. zur
Möglichkeit einer solchen: BGE 132 III 731 E. 3.3) geltend gemacht werden, wenn
ein direkter Gläubigerschaden eingeklagt wird (FORSTMOSER/MEIER-HAYOZ/NOBEL,
a.a.O., § 56 Fn. 70). Wie es sich damit verhält und ob im vorliegenden Fall, in
welchem die Beschwerdeführerinnen ihren (behaupteten) mittelbaren Schaden als
einheitlichen Anspruch der Gläubigergesamtheit geltend machen, eine die
Löschung überdauernde Aktivlegitimation der Beschwerdeführerinnen bestand, kann
allerdings mit Blick auf den Verfahrensausgang offen gelassen werden.

3.
Die Vorinstanz prüfte zunächst, ob den ins Recht gefassten Organen eine
Pflichtverletzung vorgeworfen werden kann, was sie verneinte. Da eine
Verantwortlichkeit der Beschwerdegegner bereits mangels der
Haftungsvoraussetzung einer Pflichtverletzung ausschied, ging die Vorinstanz
lediglich der Vollständigkeit halber auf die Einwände gegen den Schluss der
Erstinstanz ein, dass klägerischerseits auch das Vorliegen eines Schadens nicht
hinreichend dargetan worden sei. Die Vorinstanz bestätigte das Fehlen eines
Schadens.

Die Beschwerdeführerinnen fechten beide Punkte an und erheben mehrere Rügen
sowohl gegen die Verneinung einer Pflichtverletzung als auch gegen diejenige
eines Schadens. Nachstehend werden vorab die Rügen gegen die Verneinung einer
Pflichtverletzung geprüft.

4.
Den Beschwerdegegnern wurden im vorinstanzlichen Verfahren folgende
Pflichtverletzungen im Sinne von Art. 754 OR vorgeworfen:

4.1 In der Berufungsschrift vom 25. Juni 2003 wurde daran festgehalten, dass
die Beschwerdegegner die Tatbestände der Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) und
der Urkundenfälschung (Art. 251 StGB) erfüllt hätten. Das Kantonsgericht war
zum Schluss gelangt, dass beide Tatbestände jedenfalls in subjektiver Hinsicht
nicht nachgewiesen seien. Die Vorinstanz beanstandete diesen Schluss nicht. Es
blieb demnach insoweit an der Verneinung der behaupteten Pflichtverletzungen.

4.2 In der Noveneingabe vom 31. März 2009 machten die Beschwerdeführerinnen
geltend, die Beschwerdegegner hafteten für Pflichtverletzungen von C.________.
Die Vorinstanz erkannte, dass C.________ in der fraglichen Zeit nicht als
faktisches Organ der R.________ AG zu qualifizieren sei, weshalb dem
klägerischen Standpunkt, die Beschwerdegegner hätten aufgrund unbefugter
Delegation von Verwaltungsratskompetenzen auch für die Pflichtverletzungen des
faktischen Organs C.________ einzustehen, die Grundlage entzogen sei.

Selbst wenn aber - so die Vorinstanz in einer Eventualbegründung - C.________
als faktisches Organ der R.________ AG im fraglichen Zeitraum anzusehen wäre,
würde dies nicht zur Haftung der Beschwerdegegner führen. Denn das Verhalten
von C.________ könne nicht als Falschbeurkundung im Sinne von Art. 251 StGB
qualifiziert werden. Dementsprechend liege keine Pflichtverletzung von
C.________ vor, für welche die Beschwerdegegner einzustehen hätten.

Mithin entfiel eine Pflichtverletzung der Beschwerdegegner auch im Zusammenhang
mit dem Verhalten von C.________.

4.3 Weiter behaupteten die Beschwerdeführerinnen, die Beschwerdegegner hätten
gegen Art. 957 OR verstossen, indem sie unwahre Rechnungen erstellt und als
Buchhaltungsbelege verwendet hätten. Die Vorinstanz gelangte zum Ergebnis, dass
auch die von den Beschwerdeführerinnen behauptete Pflichtverletzung der
Beschwerdegegner infolge Verletzung der Buchführungsvorschriften nicht
vorliege.

5.
Die Beschwerdeführerinnen erheben dagegen folgende Rügen:

5.1 Zunächst machen sie eine Verletzung des Gehörsanspruchs und des Rechts auf
ein faires Verfahren (Art. 29 Abs. 1 und 2 BV) geltend wegen inoffizieller
Verwendung der Akten des Kollokationsprozesses, zu denen sie sich nicht hätten
äussern können. Sie werfen der Vorinstanz vor, die Kollokationsprozessakten
ohne Wissen der Beschwerdeführerinnen beigezogen und dem angefochtenen Urteil
zugrunde gelegt, indessen nicht einakturiert und nach der Verwendung aus den
Akten wieder entfernt zu haben.

Die Vorinstanz nahm an zwei Stellen Bezug zum Kollokationsprozess: So erwähnte
sie im Sachverhalt, dass das Kantonsgericht Zug mit Urteil vom 9. Juni 2008
eine gegen die Beschwerdeführerinnen erhobene negative Kollokationsklage
abgewiesen habe (S. 3 E. 5). Im Zusammenhang mit der Frage, ob C.________ als
faktisches Organ zu qualifizieren sei, erwähnte sie, dass die
Beschwerdeführerinnen im Kollokationsprozess in ihrer Klageantwort vom 7. Juni
2004 ausgeführt hätten, die R.________ AG sei auch nach dem Ausscheiden von
C.________ aus dem Verwaltungsrat durch diesen beherrscht gewesen (Urteil S. 8
E. 4.5.1). Sie nahm damit die entsprechende Darlegung im Kollokationsurteil
auf, in dem die genannte Ausführung aus der Klageantwort vom 7. Juni 2004
wiedergegeben wird (Urteil KG vom 9. Juni 2008 S. 4 E. 3). Weitere Hinweise auf
Akten des Kollokationsprozesses finden sich im angefochtenen Urteil nicht.

Das Urteil des Kantonsgerichts Zug vom 9. Juni 2008 im Kollokationsprozess
reichten die Beschwerdeführerinnen der Vorinstanz selber als Beilage 2 zu ihrer
Eingabe vom 27. Oktober 2008 ein. Dasselbe Urteil befindet sich denn auch nach
wie vor in den vorinstanzlichen Akten (im Umschlag der klägerischen Beilagen).

Bei dieser Sachlage kann von einem "klandestinen Aktenbeizug" keine Rede sein.
Die auf diesen Vorwurf gestützten Rügen entbehren der Grundlage.

5.2 Die Beschwerdeführerinnen sehen ihren Beweisführungsanspruch nach Art. 8
ZGB verletzt. Sie hätten in ihrer Noveneingabe vom 31. März 2009 beantragt, das
erst während hängiger Berufung entstandene Protokoll der Zeugeneinvernahme von
C.________ im Kollokationsprozess vom 18. Februar 2005 beizuziehen. Dieses
Protokoll sei zum Nachweis der klägerischerseits in beiden Vorinstanzen form-
und fristgerecht behaupteten Tatsache geeignet, dass der - z.B. in der
einschlägigen Rechnung von C.________ und in der R.________-Buchhaltung -
angegebene Rechtsgrund der Zahlung von DM 1,9 Mio. an C.________ fingiert
gewesen sei, was sowohl für die Frage der Pflichtverletzung als auch für
diejenige nach dem Schaden rechtserheblich sei. Die Vorinstanz übergehe den
Beweisantrag auf Beizug des besagten Protokolls mit Stillschweigen. Dies
verletze den Beweisführungsanspruch nach Art. 8 ZGB und - weil die Vorinstanz
sich überhaupt nicht zu diesem Beweisantrag ausgesprochen habe - den
Gehörsanspruch nach Art. 29 Abs. 2 BV.

Art. 8 ZGB gibt der beweispflichtigen Partei einen bundesrechtlichen Anspruch
darauf, für rechtserhebliche Vorbringen zum Beweis zugelassen zu werden, soweit
entsprechende Beweisanträge im kantonalen Verfahren form- und fristgerecht
gestellt worden sind (BGE 132 III 222 E. 2.3 S. 226; 130 III 591 E. 5.4 S. 601;
129 III 18 E. 2.6 S. 24 f.).

Es ist fraglich, ob die Beschwerdeführerinnen sich formgerecht auf das
Zeugeneinvernahmeprotokoll vom 18. Februar 2005 berufen haben. Nach § 160 Abs.
1 der vorliegend noch anwendbaren aZPO/ZG hat derjenige, der einen Beweis durch
Urkunden leisten will, diese (in der Urschrift oder in amtlich beglaubigter
Abschrift) vorzulegen. Die Beschwerdeführerinnen hätten das
Zeugeneinvernahmeprotokoll vom 18. Februar 2005 der Vorinstanz vorlegen müssen
anstatt nur dessen Beizug zu verlangen. Dazu dürften sie auch ohne weiteres in
der Lage gewesen sein, waren sie doch Parteien des Kollokationsprozesses und
damit im Besitz dieser Akten. Dass das Kantonsgericht Zug ihnen die
Kollokationsprozessakten nach rechtskräftiger Erledigung des
Kollokationsprozesses nicht herausgeben wollte, wie sie geltend machen,
erscheint daher nicht ausschlaggebend.

Vor allem aber ist zu beachten, dass nur solche Beweisanträge abzunehmen sind,
die zu rechtskonform vorgetragenen erheblichen Tatsachenbehauptungen gestellt
werden. Die Beschwerdeführerinnen tun aber nicht dar, dass sie mit dem
Zeugeneinvernahmeprotokoll vom 18. Februar 2005 den Beweis für rechtserhebliche
Tatsachen hätten antreten können. Sie geben einzig an, sie wollten mit dem
Protokoll die Rechtsgrundlosigkeit der R.________-Zahlung an C.________
beweisen. Die Vorinstanz mass jedoch der Frage, ob die den Transaktionen
zugrunde liegenden Schuld- und Forderungsverhältnisse tatsächlich Bestand
hatten, bei der Prüfung einer Pflichtverletzung wegen Verletzung von
Buchführungspflichten keine Relevanz zu (vgl. dazu auch die nachfolgende
Erwägung 5.5). Die Beschwerdeführerinnen machen nicht geltend und es ist nicht
erkennbar, dass und inwiefern die Rechtsgrundlosigkeit der Zahlung an sich
(d.h. ohne das Wissen der Beschwerdegegner davon) im Rahmen der
Pflichtwidrigkeitsbeurteilung anderweitig rechtserheblich sein könnte. Eine
Verletzung von Art. 8 ZGB, weil die Vorinstanz dem zu dieser Behauptung
beantragten Beizug des Zeugeneinvernahmeprotokolls vom 18. Februar 2005 nicht
entsprach, ist nicht dargetan.

Ebenso wenig muss auf eine Verletzung des Gehörsanspruchs erkannt werden, weil
die Vorinstanz sich zum genannten Antrag nicht explizit äusserte. Indem sie die
im Zusammenhang mit dem Beweisantrag angerufene Rechtsgrundlosigkeit als nicht
rechtserheblich bezeichnete, brachte sie implizite zum Ausdruck, weshalb sie
dem Antrag nicht entsprach.

Was aber das - rechtserhebliche - Wissen der Beschwerdegegner über die Wahrheit
der Rechnungen anbelangt, stellte die Vorinstanz nicht nur fest, dass die
Beschwerdeführerinnen nicht behauptet hätten, den Beschwerdegegnern sei zum
fraglichen Zeitpunkt bewusst gewesen, dass es sich um rechtsgrundlose
Forderungen von C.________ gehandelt haben soll. Sie hielt auch fest, dass
weder den klägerischerseits im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten
Rechtsschriften noch dem Protokoll der Hauptverhandlung vom 15. Mai 2003 der
Antrag zu entnehmen sei, zum Hintergrundwissen der Beschwerdegegner zu den
Transaktionen sei C.________ einzuvernehmen. Der beantragte Beizug des
Zeugeneinvernahmeprotokolls konnte aber nicht dazu dienen, eine lückenhafte
Sachdarstellung in der Behauptungsphase zu vervollständigen.

Im Übrigen ist die Rechtsgrundlosigkeit als solche eine Rechtsfrage. Zu
behaupten sind die Tatsachen, aus denen auf Rechtsgrundlosigkeit zu schliessen
ist. Die Beschwerdeführerinnen legen nicht dar, welche Tatsachen sie im
kantonalen Verfahren behauptet hätten, die sie mit welchen protokollierten
Zeugenaussagen von C.________ hätten beweisen wollen. Erst in ihrer Beschwerde
an das Bundesgericht zitieren sie eine Passage aus dem Kollokationsurteil vom
9. Juni 2008, in welcher das Gericht gewisse Aussagen von C.________
wiedergibt, aus denen es schloss, dass der auf den Rechnungen angegebene
Rechtsgrund nicht zutreffe. Den verbindlichen Feststellungen im angefochtenen
Urteil (Art. 105 Abs. 1 BGG) lässt sich nicht entnehmen, dass sich die
Beschwerdeführerinnen vor der Vorinstanz auf diese Ausführungen im
Kollokationsurteil berufen haben. Es kann der Vorinstanz daher nicht
vorgeworfen werden, sich nicht mit den dort wiedergegebenen Zeugenaussagen von
C.________ befasst zu haben.

5.3 Weiter rügen die Beschwerdeführerinnen eine Verletzung der
Begründungspflicht durch die Vorinstanz. Sie hätten vor allem die
Pflichtwidrigkeit der Zahlung an C.________ als solcher wegen deren
Rechtsgrundlosigkeit geltend gemacht. Dazu finde sich im angefochtenen Urteil
kein einziges Wort.

Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst das Recht des
Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Akts
zur Sache zu äussern. Er verlangt von der Behörde, dass sie seine Vorbringen
tatsächlich hört, ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung angemessen
berücksichtigt. Dies gilt für alle form- und fristgerechten Äusserungen,
Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und
erforderlich erscheinen. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren
Entscheid zu begründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der
Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss
kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich das Gericht hat
leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (BGE 136
I 184 E. 2.2.1 S. 188 mit Hinweisen).

Diesen Begründungsanforderungen wurde die Vorinstanz gerecht. Gemäss
angefochtenem Urteil machten die Beschwerdeführerinnen als Pflichtwidrigkeit
die Erfüllung der Tatbestände der Geldwäscherei und der Urkundenfälschung sowie
einen Verstoss gegen die Buchführungsvorschriften von Art. 957 OR geltend.
Ferner hafteten die Beschwerdegegner für Pflichtverletzungen von C.________.
Die Vorinstanz ging auf alle diese Vorhalte ein und begründete einlässlich,
weshalb sie diese für nicht gegeben beurteilte. Auch zur angeblichen
Rechtsgrundlosigkeit der Zahlung äusserte sich die Vorinstanz. Sie erachtete
diese Frage bei der Beurteilung der Pflichtwidrigkeit für nicht erheblich, da
die Beschwerdeführerinnen nicht behauptet hätten, den Beschwerdegegnern sei zum
fraglichen Zeitpunkt bewusst gewesen, dass es sich um rechtsgrundlose
Forderungen von C.________ gehandelt haben soll. Es kann daher nicht gesagt
werden, die Vorinstanz habe zum Vorwurf der rechtsgrundlosen Zahlung kein Wort
verloren. Eine Verletzung der Begründungspflicht nach Art. 29 Abs. 2 BV ist
nicht dargetan.

5.4 Die Beschwerdeführerinnen beanstanden die Nichtanwendung von Bundesrecht.
Die Vorinstanz habe nicht geprüft, ob sich "das fremdbestimmte
geschäftsführende Verwaltungsratshandeln mit der Unübertragbarkeit der in Art.
716a OR aufgeführten Verwaltungsratsaufgaben und mit der Treuepflicht des
Verwaltungsrates" vereinbaren lasse. Sodann habe die Vorinstanz die Rechtsfrage
nicht geprüft, ob in der rechtsgrundlosen Zahlung der AG an den Alleinaktionär
eine Pflichtwidrigkeit der Beschwerdegegner liege. Dies stelle eine Verletzung
von Art. 754 i.V.m. Art. 716a bzw. Art. 717 OR dar.

Die Vorinstanz prüfte einlässlich, ob die von den Beschwerdeführerinnen geltend
gemachten Pflichtwidrigkeiten vorliegen oder nicht. Die Beschwerdeführerinnen
konkretisieren nicht, inwiefern sie eine unbefugte Übertragung welcher
Verwaltungsratsaufgaben nach Art. 716a OR geltend gemacht und die
entsprechenden Umstände rechtskonform behauptet hätten. Was die (angeblich)
rechtsgrundlose Zahlung der R.________ AG an C.________ angeht, so beurteilte
die Vorinstanz dieses Vorbringen unter dem Titel der Geldwäscherei und der
Urkundenfälschung sowie der Verletzung von Buchführungspflichten, wie dies von
den Beschwerdeführerinnen geltend gemacht worden war. Die Beschwerdeführerinnen
belegen nicht mit Aktenhinweisen, dass sie im vorinstanzlichen Verfahren ein
Tatsachenfundament substanziiert hätten, auf dessen Grundlage die Vorinstanz
hätte schliessen müssen, das Verhalten der Beschwerdegegner verstosse
unabhängig von dessen Strafbarkeit und der Verletzung von Buchführungspflichten
gegen die Treuepflicht nach Art. 717 OR. Die Rüge der Nichtanwendung von
Bundesrecht verfängt daher nicht, soweit darauf angesichts der kaum
hinlänglichen Begründung (Art. 42 Abs. 2 BGG) überhaupt eingetreten werden
kann.

5.5 Schliesslich werfen die Beschwerdeführerinnen der Vorinstanz vor, die
Verletzung von Buchführungsvorschriften bundesrechtswidrig verneint zu haben.
Die Beschwerdegegner hätten am 15. bzw. 18. Juni 1999 den Beschwerdeführerinnen
Rechnungen der R.________ AG für "Structuring & Arrangement Fees" gestellt,
obwohl weder die R.________ AG noch C.________ den Beschwerdeführerinnen
irgendwelche Leistungen erbracht hätten. Die drei Rechnungen seien fingiert.
Zum Nachweis dieses rechtserheblichen Sachverhalts fingierter Rechnungen hätten
die Beschwerdeführerinnen einen tauglichen Beweisantrag gestellt (gemeint
Beizug des Protokolls der Zeugenaussagen von C.________ vom 18. Februar 2005),
den die Vorinstanz in Verletzung von Art. 8 ZGB und Art. 29 Abs. 2 BV mit
Stillschweigen übergangen habe.
Wie bereits in Erwägung 5.2 ausgeführt, erachtete es die Vorinstanz bei der
Prüfung der Verletzung der Buchführungspflichten für nicht relevant, ob die den
Belegen bzw. Buchungen zugrunde liegenden Schuld- und Forderungsverhältnisse
tatsächlich Bestand hatten, da die Beschwerdeführerinnen nicht behauptet
hatten, die Beschwerdegegner hätten zum fraglichen Zeitpunkt gewusst, dass es
sich um rechtsgrundlose Forderungen handle. Dass die Vorinstanz damit die
Rechtslage verkannt hätte, ist nicht ersichtlich. Durfte die Vorinstanz aber
die Rechtsgrundlosigkeit der Rechnungen im vorliegenden Zusammenhang für nicht
rechtserheblich anschauen, verletzte sie weder Art. 8 ZGB noch Art. 29 Abs. 2
BV, wenn sie den besagten Beweisantrag nicht abnahm (vgl. dazu auch Erwägung
5.2).

Die Beschwerdeführerinnen bringen vor, eine Pflichtverletzung könne nicht nur
wissentlich begangen werden, sondern gemäss Art. 717 OR auch durch eine bloss
unsorgfältige Wahrnehmung der Verwaltungsratsaufgaben. Die Vorinstanz habe Art.
754 i.V.m. Art. 717 OR verletzt, indem sie eine Pflichtverletzung der
Beschwerdegegner wegen deren Nichtwissens um Buchführungstatsachen verneint
habe. Das blosse Wissenmüssen um die buchführungsrelevanten wahren Fakten würde
genügen.

Die Beschwerdeführerinnen legen aber nicht dar, aus welchen tatsächlichen
Umständen auf ein derartiges Wissenmüssen geschlossen werden könnte, und ebenso
wenig, dass sie entsprechende Tatsachen im kantonalen Verfahren behauptet
hätten. Im angefochtenen Urteil sind denn auch weder solche Umstände
festgestellt noch geht daraus hervor, dass die Beschwerdeführerinnen im
kantonalen Verfahren überhaupt vorgebracht hätten, die Beschwerdegegner hätten
um die Unwahrheit der Forderungen wissen müssen. Eine entsprechende Behauptung
muss daher vorliegend als neu und damit als unzulässig gelten (Art. 105 Abs. 1
und Art. 99 Abs. 1 BGG). Die darauf gestützte Rüge einer Bundesrechtsverletzung
entbehrt der Grundlage.

5.6 Die Vorbringen gegen die Verneinung einer Pflichtwidrigkeit der
Beschwerdegegner erweisen sich demnach als unbegründet, soweit darauf
einzutreten ist. Da die Klage somit bereits mangels Pflichtverletzung zu Recht
abgewiesen wurde, erübrigt es sich, auf die Rügen gegen die Verneinung eines
Schadens einzugehen.

6.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei
diesem Verfahrensausgang werden die Beschwerdeführerinnen kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 und 5 sowie Art. 68 Abs. 2 und 4 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 15'000.-- werden den Beschwerdeführerinnen
auferlegt, in solidarischer Haftbarkeit.

3.
Die Beschwerdeführerinnen haben die Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren insgesamt mit Fr. 17'000.-- zu entschädigen, in solidarischer
Haftbarkeit. Diese Entschädigung wird aus der an die Gerichtskasse bezahlten
Sicherheitsleistung ausgerichtet.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, C.________ und dem Obergericht des Kantons
Zug, I. Zivilabteilung, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 20. September 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Klett

Der Gerichtsschreiber: Widmer