Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.412/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_412/2011

Urteil vom 4. Mai 2012
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Hurni.

Verfahrensbeteiligte
1. X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christoph Rohner,
Beschwerdeführerin,
2. B.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Titus Marty,
Nebenintervenient 2,

gegen

1. Handelsregisteramt des Kantons St. Gallen,
Beschwerdegegner,
2. AX.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Roland Müller,
Nebenintervenient 1,

Gegenstand
Auflösung einer Aktiengesellschaft,

Beschwerde gegen den Entscheid des Handelsgerichtspräsidenten des Kantons St.
Gallen vom 27. Mai 2011.

Sachverhalt:

A.
A.a Die X.________ AG (Gesuchsgegnerin und Beschwerdeführerin) ist eine
Aktiengesellschaft mit Sitz in Y.________. Sie bezweckt die Entsorgung von
Schrott, Metallen, Papier, Kunststoffen, Sonderabfällen und anderen
Materialien, die Erbringung von Transportdienstleistungen sowie den Erwerb, die
Verwaltung, Nutzung und Veräusserung von Gütern.
Das Aktienkapital der Gesellschaft beträgt Fr. 150'000.-- und ist in 150
Namenaktien mit einem Nennwert von Fr. 1'000.-- unterteilt. Die beiden
Aktionäre der Gesuchsgegnerin, AX.________ (Nebenintervenient 1 auf Seiten des
Gesuchstellers) und B.________ (Nebenintervenient 2 auf Seiten der
Gesuchsgegnerin), halten je 75 Namenaktien, d.h. je 50 % des Aktienkapitals.
A.b Mit Gesuch vom 24. Februar 2011 teilte das Handelsregisteramt des Kantons
St. Gallen (Gesuchsteller und Beschwerdegegner) dem Präsidenten des
Handelsgerichts des Kantons St. Gallen mit, dass die Gesuchsgegnerin Mängel in
der gesetzlich zwingend vorgeschriebenen Organisation aufweise, und stellte den
Antrag, es seien gestützt auf Art. 941a Abs. 1 OR die erforderlichen Massnahmen
zu ergreifen.
Zur Begründung führte das Handelsregisteramt aus, es lasse sich dem Protokoll
der Generalversammlung der Gesuchsgegnerin vom 10. Dezember 2010 entnehmen,
dass sich die beiden Aktionäre AX.________ und B.________ nicht über die
Einsetzung der Revisionsstelle hätten einigen können. Die Amtsdauer der
Revisionsstelle betrage gemäss den Statuten der Gesuchsgegnerin ein Jahr und
sei damit abgelaufen. Die Revisionsstelle sei an der Generalversammlung vom 10.
Dezember 2010 nicht wiedergewählt und es sei auch keine neue Revisionsstelle
gewählt worden. Damit fehle der Gesuchsgegnerin die Revisionsstelle und es
seien auch keine Unterlagen für einen Verzicht auf eine eingeschränkte Revision
gemäss Art. 727a Abs. 2 OR (Opting-Out) eingegangen. Die der Gesuchsgegnerin
angesetzte Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes sei
unbenutzt verstrichen.
Mit Brief vom 25. Februar 2011 wies der Handelsgerichtspräsident die
Gesuchsgegnerin darauf hin, dass er die Gesellschaft gestützt auf Art. 731b
Abs. 1 Ziff. 3 OR auflösen und ihre Liquidation nach den Vorschriften über den
Konkurs anordnen werde, sofern die Gesuchsgegnerin nicht bis zum 3. April 2011
den Nachweis erbringe, dass die Mängel in der gesetzlich zwingend
vorgeschriebenen Organisation behoben worden sind.
A.c Mit Eingabe vom 18. März 2011 beantragte AX.________ dem
Handelsgerichtspräsidenten, er sei als Nebenintervenient gemäss Art. 74 ZPO auf
Seiten des Gesuchstellers zuzulassen und die Gesuchsgegnerin sei gemäss Art.
731b Abs. 1 Ziff. 3 OR wegen Mängeln in der Organisation aufzulösen und es sei
deren Liquidation nach den Vorschriften über den Konkurs anzuordnen.
Zur Begründung führte AX.________ insbesondere aus, dass er und der
Verwaltungsratspräsident sowie Mitaktionär B.________ seit mehreren Jahren im
Streit lägen. Bereits im November 2007 habe ihm B.________ erstmals den Verkauf
seines Aktienanteils und das Ausscheiden aus der Gesellschaft angekündigt. In
den Jahren 2008 und 2009 seien diverse Schriftwechsel erfolgt, in denen die
Parteien ihren Unmut über die Lage im Unternehmen und die Zusammenarbeit der
Organe der Gesellschaft geäussert oder mit dem Austritt aus der Gesellschaft
gedroht hätten. Es seien in der Vergangenheit weder Verwaltungsratssitzungen
noch Generalversammlungen durchgeführt worden. Eine einvernehmliche Einigung
zwischen den Parteien über die Zukunft der Gesuchsgegnerin sei ebenfalls nie
zustande gekommen und beide Parteien seien im Unternehmen tätig geblieben. An
der ordentlichen Generalversammlung vom 10. Dezember 2010 habe kein einziger
Beschluss gefasst werden können, weil die beiden Aktionäre sich nicht hätten
einigen können bzw. das Beschlussquorum gemäss Art. 12 der Statuten in keinem
Fall erreicht worden sei. Entsprechend habe auch keine Revisionsstelle gewählt
werden können. Bei der vorliegenden paritätischen Zweipersonengesellschaft
könne das Mehrheitsprinzip nicht spielen. In Anbetracht der nicht beizulegenden
Streitigkeiten zwischen den beiden Aktionären und Verwaltungsräten der
Gesuchsgegnerin sei es unmöglich, eine Einigung betreffend die Einsetzung einer
Revisionsstelle zu finden, weshalb die Gesellschaft durch Entscheid des
Handelsgerichtspräsidenten aufzulösen sei.
A.d Mit Eingabe vom 4. April 2011 reichte die Gesuchsgegnerin, vertreten durch
den Verwaltungsratspräsidenten B.________, eine Stellungnahme ein und stellte
dem Handelsgerichtspräsidenten folgende Anträge:

"1. Es sei durch Entscheid des Handelsgerichtspräsidenten gemäss Art. 731b Abs.
1 Ziff. 2 OR für die Gesuchsgegnerin eine Revisionsstelle einzusetzen.
2. Das Interventionsgesuch von AX.________ vom 18. März 2011 zu einer
Nebenintervention auf Seiten des Gesuchstellers sei abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
3. Das Begehren von AX.________ vom 18. März 2011 um Auflösung der
Gesuchsgegnerin gemäss Art. 731b Abs. 1 Ziff. 3 OR wegen fehlender
Revisionsstelle sei abzuweisen.
4. Das Begehren von AX.________ vom 18. März 2011 um Auflösung der
Gesuchsgegnerin gemäss Art. 731 b Abs. 1 Ziff. 3 OR wegen angeblich anderer
Mängel in deren Organisation der Gesellschaft als dem Fehlen einer
Revisionsstelle sei nicht einzutreten, eventuell sei das Begehren abzuweisen.
5. Sollte der Handelsgerichtspräsident zum Schluss kommen, die Gesuchsgegnerin
sei auf Grund des Präsidialbeschlusses ihres Verwaltungsratspräsidenten vom
04.03.2011 nicht hinreichend vertreten, sei der Unterzeichnete zur
Interessenwahrung und Vertretung der Gesuchsgegnerin im vorliegenden Verfahren
nach Art. 731 b Abs. 1 lit. b OR als "Sachwalter" einzusetzen.
6. Soweit der Handelsgerichtspräsident für die Massnahmen nach Rechtsbegehren
Ziff. 1 und 2 einen Kostenvorschuss festsetzt, sei dieser der Gesuchsgegnerin
aufzuerlegen und deren Bankverbindung durch den Handelsgerichtspräsidenten
unmittelbar anzuweisen, den festgesetzten Betrag an die von ihm bestimmte
Zahlstelle zu überweisen."
Zur Begründung führte die Gesuchsgegnerin aus, ihr Hauptantrag auf Einsetzung
einer Revisionsstelle durch den Handelsgerichtspräsidenten sei gemäss Art. 731b
Abs. 1 Ziff. 2 OR ohne weiteres möglich und zulässig. Angesichts der
Zerstrittenheit der Parteien sei zu befürchten, dass jedem Vorschlag der einen
Seite von der anderen widersprochen würde. Es sei deshalb zielführender, wenn
der Handelsgerichtspräsident selber einige Vorschläge mache und nach Anhören
der Parteien im Hinblick auf allfällige Ablehnungsgründe direkt eine
Revisionsstelle einsetze. Von einer konkursamtlichen Liquidation gemäss Art.
731b Abs. 1 Ziff. 3 OR sei abzusehen. Eine solche schiesse mangels
Überschuldung und Illiquidität der Gesellschaft über das Ziel hinaus, und es
bestehe die Gefahr, dass unnötig wirtschaftliche Werte vernichtet würden. Die
Gesuchsgegnerin bestätigte, dass das gegenseitige Vertrauensverhältnis der
beiden Aktionäre tief greifend gestört sei. Die Situation sei aber nicht von
vornherein unheilbar, da es u.a. organisatorische Möglichkeiten gebe, wie z.B.
die Erweiterung des Verwaltungsrates, Änderung der Beteiligungsverhältnisse und
Einbezug einer neutralen Drittperson mit Stichentscheid etc., und es sei nicht
auszuschliessen, dass sich die beiden Aktionäre doch noch zu entsprechenden
Schritten durchringen könnten. Es sei deshalb einstweilen eine Revisionsstelle
einzusetzen, womit die Möglichkeit bestehen bleibe, dass ein Rettungs- oder
Übernahmeszenario irgendwelcher Art aufgegleist werden könne. Sollte dies nicht
gelingen, könne immer noch die Einsetzung eines Sachwalters oder eine Auflösung
und Liquidation erwogen werden.
A.e Mit Eingabe vom 4. April 2011 stellte B.________ dem
Handelsgerichtspräsident folgende Anträge:
"1. Es sei B.________ als Nebenintervenient gemäss Art. 74 ZPO auf Seiten der
Gesuchsgegnerin zuzulassen.
2. Es sei für die Gesuchsgegnerin eine Revisionsstelle einzusetzen.
3. Für den Fall einer Verneinung einer rechtsgültigen Bevollmächtigung von
Rechtsanwalt Dr. Christoph Rohner zu Interessenwahrung und Vertretung der
Gesuchsgegnerin aufgrund des Verwaltungsrats-Präsidialbeschlusses vom
04.03.2011, sei Rechtsanwalt Dr. Christoph Rohner für das vorliegende Verfahren
als "Sachwalter" gemäss Art. 731b Abs. 1 Ziff. 2 OR zur Vertretung der
Gesuchsgegnerin einzusetzen und es sei dessen Eingabe dementsprechend
zuzulassen und zu behandeln.
4. Das Interventionsgesuch von AX.________ vom 18. März 2011 zu einer
Nebenintervention auf Seiten des Gesuchstellers sei abzuweisen.
5. Das Begehren von AX.________ vom 18. März 2011 um Auflösung der
Gesuchsgegnerin gemäss Art. 731 b Abs. 1 Ziff. 3 OR wegen fehlender
Revisionsstelle sei abzuweisen.
6. Auf das Begehren von AX.________ vom 18. März 2011 um Auflösung der
Gesuchsgegnerin gemäss Art. 731 b Abs. 1 Ziff. 3 OR wegen angeblich anderer
Mängel in deren Organisation der Gesellschaft als dem Fehlen einer
Revisionsstelle sei nicht einzutreten, eventuell sei das Begehren abzuweisen."
B.________ brachte insbesondere vor, eine richterliche Auflösung und
Liquidation der Gesellschaft nach den Vorschriften über den Konkurs führe zu
einer massiven Verminderung und zu einem Verlust von erheblichen
Vermögenswerten der Gesellschaft. Er habe als Aktionär mit einer Beteiligung
von 50 % an der Gesellschaft und als Verwaltungsratsmitglied bzw. -präsident
der Gesellschaft ein rechtliches Interesse an der Erhaltung der
Gesuchsgegnerin. Die sowohl bilanz- als auch ertragsmässig sehr gut bestellte
Gesuchsgegnerin sei zu erhalten, es sei die Zerstörung von Vermögenswerten in
Folge einer konkursrechtlichen Liquidation allein wegen einer böswilligen
Verhinderung einer Wieder- oder Neuwahl einer Revisionsstelle durch AX.________
zu vermeiden. Nachdem dieser während 15 Jahren die Funktion als
Verwaltungsratspräsident inne gehabt habe, sei zwischen ihm und B.________ ein
Übergang des Präsidiums auf B.________ vereinbart und am 29. November 2005 im
Handelsregister eingetragen worden. Entgegen den Ausführungen von AX.________
sei für die Zeit ab 2005 kein Präsidiumswechsel im Dreijahresrhythmus
vereinbart worden. Auf Grund eines treuwidrigen Verhaltens von AX.________ sei
am 29. November 2005 die vormalige Einzelzeichnungsberechtigung der beiden
Verwaltungsräte in eine Zeichnungsberechtigung mit Kollektivunterschrift zu
zweien geändert worden. Wie bereits von der Gesuchsgegnerin ausgeführt, sei im
Jahre 2007 eine Unternehmensbewertung durchgeführt worden, worauf AX.________
es abgelehnt habe, sein Aktienpaket an B.________ oder an einen Dritten
abzutreten und das von B.________ gemachte Übernahmeangebot von Fr. 2.15 Mio
gemäss einem externen Gutachten anzunehmen. An der Generalversammlung vom 10.
Dezember 2010 habe AX.________ eine Wiederwahl der bisherigen Revisionsstelle
ohne Wahlvorschlag für eine andere neue Revisionsstelle abgelehnt und habe
versucht, B.________ als Mitglied und Präsident des Verwaltungsrats abzuwählen.
Damit habe offenkundig ein Mangel in der Organisation der Gesellschaft zum
Zwecke der Auslösung eines Verfahrens gemäss Art. 731b OR erreicht werden
sollen. Bei der Anordnung der Massnahmen gemäss Art. 731b OR sei der Grundsatz
der Verhältnismässigkeit zu beachten. Nachdem die Gesuchsgegnerin in keiner
Weise konkursreif sei, könne der Mangel einer fehlenden Revisionsstelle ohne
weiteres durch richterliche Bestellung einer Revisionsstelle gemäss Art. 731b
Abs. 2 Ziff. 2 OR behoben werden.
A.f Mit Schreiben vom 15. April 2011 verzichtete das Handelsregisteramt auf
eine Stellungnahme zu den erwähnten Eingaben und hielt fest, es werde der
richterlichen Entscheidfindung überlassen, welche Massnahmen im vorliegenden
Fall zu treffen sind.

B.
Mit Entscheid vom 27. Mai 2011 urteilte der Handelsgerichtspräsident wie folgt:
"1. Die X.________ AG wird aufgelöst. Es wird ihre Liquidation nach den
Vorschriften über den Konkurs angeordnet. Diese ist vom Konkursamt des Kantons
St. Gallen nach Rechtskraft dieses Entscheides durchzuführen.
2. Die Gesuchsgegnerin bezahlt die Entscheidgebühr von Fr. 2'500.--.

3. AX.________, die Gesuchsgegnerin und B.________ tragen je ihre Parteikosten
selber."

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen beantragt die Gesuchsgegnerin dem Bundesgericht,
es sei der Entscheid des Handelsgerichtspräsidenten vom 27. Mai 2011 aufzuheben
und es sei für die Gesuchsgegnerin gemäss Art. 731b Abs. 1 Ziff. 2 OR eine
Revisionsstelle einzusetzen. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben und es sei die Vorinstanz anzuweisen, für die Gesuchsgegnerin gemäss
Art. 731b Abs. 1 Ziff. 2 OR eine Revisionsstelle einzusetzen. Subeventualiter
sei bei Abweisung der Beschwerde in der Hauptsache im Dispositiv des
bundesgerichtlichen Entscheids vorzusehen, dass die Auflösung der
Gesuchsgegnerin bzw. die Konkurseröffnung frühestens 30 Tage nach Eröffnung des
bundesgerichtlichen Entscheids wirksam wird. Weiter sei der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung zu erteilen.
AX.________ schliesst in seiner Vernehmlassung auf Abweisung der Beschwerde,
soweit Eintreten, während B.________ die Gutheissung der Beschwerde beantragt.
Der Beschwerdegegner und die Vorinstanz haben auf eine Vernehmlassung
verzichtet. Die Beschwerdeführerin reichte eine Replik ein.

D.
Mit Präsidialverfügung vom 1. Juli 2011 wurde festgestellt, dass der Beschwerde
im Umfang der Begehren von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerde richtet sich gegen einen Endentscheid (Art. 90 BGG) in einer
Zivilsache (Art. 72 Abs. 1 BGG), der von einem oberen kantonalen Gericht
erging, das als Fachgericht für handelsrechtliche Streitigkeiten und einzige
kantonale Instanz eingesetzt ist (Art. 75 Abs. 2 lit. b BGG). Da auch die
weiteren Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
einzutreten.

2.
Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz offensichtlich unrichtige bzw.
unvollständige Sachverhaltsfeststellungen vor. Die Vorinstanz schliesse aus
einer Pattsituation im Verwaltungsrat der Beschwerdeführerin bzw. aus dessen
Handlungsunfähigkeit darauf, dass sich die festgestellten Mängel in der
Organisation der Beschwerdeführerin nicht mehr beheben liessen. Die
tatsächlichen Grundlagen, gestützt auf welche die Vorinstanz die
Handlungsunfähigkeit ableite, träfen jedoch nicht zu: Die Feststellung auf den
Seiten 9 und 11 des angefochtenen Entscheids, wonach die beiden Aktionäre und
Verwaltungsratsmitglieder B.________ und AX.________ lediglich über eine
Kollektivzeichnungsberechtigung verfügten, sei falsch. Vielmehr sei am 11.
April 2011 eine Einzelzeichnungsbefugnis des Verwaltungsratspräsidenten
B.________ im Handelsregister eingetragen worden, womit die Beschwerdeführerin
entgegen der Auffassung der Vorinstanz nach aussen durchaus handlungsfähig sei.
Der entsprechende Handelsregistereintrag sei der Vorinstanz mit der Eingabe von
AX.________ vom 18. April 2011 eingereicht worden.

2.1 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die
Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz nur berichtigen oder ergänzen, wenn sie
offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet dabei
"willkürlich" (BGE 135 III 397 E. 1.5). Überdies muss die Behebung des Mangels
für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein (Art. 97 Abs. 1 BGG).
Die Beschwerdeführerin, welche die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz
anfechten will, muss klar und substanziiert aufzeigen, inwiefern die gerügten
Feststellungen bzw. die Unterlassung von Feststellungen offensichtlich
unrichtig sind oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen
(vgl. BGE 136 II 508 E. 1.2; 133 II 249 E. 1.4.3 S. 255; 133 III 350 E. 1.3,
393 E. 7.1, 462 E. 2.4). Soweit die Beschwerdeführerin den Sachverhalt ergänzen
will, hat sie zudem mit Aktenhinweisen darzulegen, dass sie entsprechende
rechtsrelevante Tatsachen und taugliche Beweismittel bereits bei den
Vorinstanzen prozesskonform eingebracht hat (Urteile 4A_214/2008 vom 9. Juli
2008 E. 1.2, nicht publ. in: BGE 134 III 570; 4A_470/2009 vom 18. Februar 2010
E. 1.2). Überdies ist in der Beschwerde darzutun, inwiefern die Behebung des
gerügten Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97
Abs. 1 BGG; BGE 135 I 19 E. 2.2.2).

2.2 Eine Eintragung im Handelsregister wird gegenüber Dritten an dem nächsten
Werktag wirksam, der auf den aufgedruckten Ausgabetag derjenigen Nummer des
Schweizerischen Handelsamtsblatts (SHAB) folgt, in der die Eintragung
veröffentlicht ist (Art. 932 Abs. 2 OR). Die Einwendung, dass jemand eine
Dritten gegenüber wirksam gewordene Eintragung im Handelsregister nicht gekannt
habe, ist ausgeschlossen (Art. 933 Abs. 1 OR). Daraus ergibt sich, dass es sich
bei rechtskonform publizierten Handelsregistereinträgen um Tatsachen handelt,
die jedermann zugänglich sind und deren Kenntnis fingiert wird. Prozessual
handelt es sich um offenkundige bzw. notorische Tatsachen (Urteil 5A_62/2009
vom 2. Juli 2009 E. 2.1, in: Praxis 99/2010 Nr. 17 S. 120; Urteil 2C_952/2010
vom 29. März 2011 E. 2.3). Als solche müssen Handelsregistereinträge im
kantonalen Verfahren weder behauptet noch bewiesen zu werden (Art. 151 ZPO; BGE
135 III 88 E. 4.1 S. 89; 130 III 113 E. 3.4 S. 121) und können im Verfahren vor
Bundesgericht von Amtes wegen berücksichtigt werden (Art. 105 Abs. 2 BGG;
Urteil 5A_288/2011 vom 18. November 2011; 5A_62/2009 vom 2. Juli 2009 E. 2.1,
in: Praxis 99/2010 Nr. 17 S. 120; BGE 98 II 211 E. 4a S. 214).

2.3 Gemäss dem am 7. April 2011 im SHAB publizierten Handelsregistereintrag
wurde B.________ als Verwaltungsratspräsident der Beschwerdeführerin die
Einzelunterschrift erteilt. Der entsprechende Handelsregistereintrag wurde bei
der Vorinstanz mit Eingabe von AX.________ vom 18. April 2011 eingereicht.
Damit ist die Feststellung, dass die Beschwerdeführerin durch B.________ und
AX.________ mit Kollektivunterschrift zu zweien vertreten werde und die
Gesellschaft nur dann handlungs- und beschlussfähig sei, wenn die beiden
Aktionäre gemeinsam handeln, offensichtlich unrichtig. Die Behebung dieses
Mangels kann für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein, da die
Vorinstanz der angeblichen Handlungsunfähigkeit des Verwaltungsrats der
Beschwerdeführerin entscheidtragende Bedeutung zumisst. Die Sachverhaltsrüge
der Beschwerdeführerin erweist sich insoweit als begründet.
Zutreffend und hiermit in Anwendung von Art. 105 Abs. 2 BGG festzustellen ist,
dass B.________ im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils
Verwaltungsratspräsident der Beschwerdeführerin war und über eine
Einzelunterschrift verfügte.

3.
Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung von Art. 731b OR geltend. Ihrer
Auffassung nach hätte die Vorinstanz zur Behebung des Organisationsmangels
gestützt auf Art. 731b Abs. 1 Ziff. 2 OR das fehlende Organ, d.h. eine
Revisionsstelle ernennen sollen, anstatt sogleich die Auflösung der
Gesellschaft gestützt auf Art. 731b Abs. 1 Ziff. 3 OR anzuordnen. Mit ihrem
Vorgehen habe die Vorinstanz unverhältnismässig gehandelt, zumal es sich bei
der Beschwerdeführerin grundsätzlich um ein funktionierendes Unternehmen handle
und die Auflösung eine ultima ratio darstelle. Wenn AX.________ die Auflösung
der Beschwerdeführerin anstrebe, so stehe ihm hierzu die Auflösungsklage gemäss
Art. 736 Ziff. 4 OR zur Verfügung.
3.1
3.1.1 Aktiengesellschaften haben ihre Jahresrechnung durch eine Revisionsstelle
ordentlich (Art. 727 OR) oder gegebenenfalls eingeschränkt (Art. 727a OR)
prüfen zu lassen, wobei wenigstens ein Mitglied der Revisionsstelle seinen
Wohnsitz in der Schweiz haben muss (Art. 730 Abs. 4 OR). Nach Art. 727a Abs. 2
OR kann mit Zustimmung sämtlicher Aktionäre auf eine eingeschränkte Revision
verzichtet werden, wenn die Gesellschaft im Jahresdurchschnitt nicht mehr als
zehn Vollstellen hat (sog. Opting-out).
3.1.2 Gemäss Art. 731b OR kann ein Aktionär, ein Gläubiger oder der
Handelsregisterführer dem Richter beantragen, die erforderlichen Massnahmen zu
ergreifen, falls der Gesellschaft eines der vorgeschriebenen Organe fehlt oder
eines dieser Organe nicht rechtmässig zusammengesetzt ist (Abs. 1 Ingress). Der
Richter kann insbesondere der Gesellschaft unter Androhung ihrer Auflösung eine
Frist ansetzen, binnen derer der rechtmässige Zustand wieder herzustellen ist
(Abs. 1 Ziff. 1), das fehlende Organ oder einen Sachwalter ernennen (Abs. 1
Ziff. 2) oder die Gesellschaft auflösen und ihre Liquidation nach den
Vorschriften über den Konkurs anordnen (Abs. 1 Ziff. 3).
Mit dieser Norm hat der Gesetzgeber eine einheitliche Ordnung für die Behebung
und Sanktionierung organisatorischer Mängel innerhalb einer Gesellschaft
geschaffen (BGE 136 III 369 E. 11.4.1 mit Hinweisen). Die Bestimmung erfasst
diejenigen Fälle, in denen eine zwingende gesetzliche Vorgabe hinsichtlich der
Organisation der Gesellschaft nicht oder nicht mehr eingehalten wird (Urteil
4A_457/2010 vom 5. Januar 2011 E. 2.2.1; PETER/CAVADINI, in: Commentaire
romand, Code des obligations II, 2008, N. 1 zu Art. 731b OR; WATTER/WIESER, in:
Basler Kommentar, Obligationenrecht II, 3. Aufl. 2008, N. 1 zu Art. 731b OR;
Botschaft vom 19. Dezember 2001 zur Revision des Obligationenrechts [GmbH-Recht
sowie Anpassungen im Aktien-, Genossenschafts-, Handelsregister- und
Firmenrecht], BBl 2002, S. 3231 f.). Sie bezieht sich sowohl auf das Fehlen als
auch die nicht rechtsgenügende Zusammensetzung obligatorischer
Gesellschaftsorgane (Botschaft, a.a.O., S. 3231).

3.1.3 Die Behebung von Organisationsmängeln steht im Interesse eines
funktionierenden Rechtsverkehrs und kann die Interessen von Anspruchsgruppen
(Stakeholder) berühren, die sich am Verfahren nach Art. 731b OR nicht
beteiligen (Arbeitnehmer, Gläubiger, Aktionäre). Aufgrund der Interessen
Dritter sowie der Öffentlichkeit ist der Richter an spezifizierte Anträge der
Parteien nicht gebunden (Botschaft, a.a.O., S. 3232; BGE 4A_630/2011 vom 7.
März 2012 E. 3.5). Das im Summarium durchzuführende
Organisationsmängelverfahren (BGE 4A_630/2011 vom 7. März 2012 E. 3.9) ist
mithin vom Offizialgrundsatz beherrscht (Art. 58 Abs. 2 ZPO): Die Parteien
haben keine Verfügungsbefugnis über den Streitgegenstand und können sich
namentlich auch nicht vergleichen (vgl. WATTER/WIESER, a.a.O., N. 9 zu Art.
731b OR; BÜRGE/GUT, Richterliche Behebung von Organisationsmängeln der AG und
der GmbH - Normgehalt und verfahrensrechtliche Aspekte von Art. 731b OR, SJZ
2009, S. 161; FRANCO LORANDI, Konkursverfahren über Handelsgesellschaften ohne
Konkurseröffnung - Gedanken zu Art. 731b OR, AJP 2008, S. 1384; PETER LEHMANN,
Die "kleine" Aktienrechtsrevision [Teil 2], GesKR 2007, S. 423).
3.1.4 Bei den in den Ziffern 1 - 3 von Art. 731b Abs. 1 OR genannten Massnahmen
zur Behebung des Organisationsmangels handelt es sich um einen
exemplifikativen, nicht abschliessenden Katalog (BGE 136 III 369 E. 11.4.1 S.
371; WATTER/WIESER, a.a.O., N. 16 zu Art. 731b OR; PETER/CAVADINI, a.a.O., N. 7
zu Art. 731b OR). Mit Art. 731b Abs. 1 OR wollte der Gesetzgeber dem Richter
ähnlich wie bei der Auflösungsklage gemäss Art. 736 Ziff. 4 OR einen
hinreichenden Handlungsspielraum gewähren, um eine mit Blick auf die konkreten
Umstände des Einzelfalles angemessene Massnahme treffen zu können (Botschaft,
a.a.O., S. 3232; BGE 136 III 369 E. 11.4.1 S. 371; BGE 4A_630/2011 vom 7. März
2012 E. 3.5). Der Richter ist bei der Ausübung dieses Handlungsspielraums
freilich nicht ungebunden: Die Lehre geht zutreffend davon aus, dass die in
Art. 731b Abs. 1 OR genannten Massnahmen in einem Stufenverhältnis stehen
(LORANDI, a.a.O., S. 1385; BÜRGE/GUT, a.a.O., S. 159 f.). Der Richter soll die
drastische Massnahme der Auflösung gemäss Ziffer 3 erst anordnen, wenn die
milderen Massnahmen gemäss Ziffer 1 (Fristansetzung zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands) und Ziffer 2 (Ernennung des fehlenden Organs oder eines
Sachwalters) nicht genügen oder erfolglos geblieben sind. Es gilt mithin wie im
Verfahren nach Art. 736 Ziff. 4 OR das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. BGE
136 III 278 E. 2.2.2 S. 280; BÜRGE/GUT, a.a.O., S. 159 f.). Die Auflösung nach
Art. 731b Abs. 1 Ziff. 3 OR stellt eine ultima ratio dar, also das
letztmögliche Mittel, das erst zur Anwendung gelangt, wenn sich mildere Mittel
nicht als sachgerecht bzw. zielführend erweisen (BGE 136 III 369 E. 11.4.1 S.
371; VON BÜREN/STOFFEL/WEBER, Grundriss des Aktienrechts, 3. Aufl. 2011, N.
743, 1184; PETER BÖCKLI, Schweizer Aktienrecht, 4. Aufl. 2009, § 13 N. 492;
LORANDI, a.a.O., S. 1385; PETER/CAVADINI, a.a.O., N. 21 zu Art. 731b OR; BÜRGE/
GUT, a.a.O., S. 159 f.; PIERRE-ALAIN RECORDON, Les premiers pas de l'article
731b CO, SZW 2010, S. 4; DANIEL S. WEBER, Mängel in der Organisation von
Gesellschaften, in: Haunreiter et al. [Hrsg.], Auswirkungen von Krisen auf
Wirtschaft, Recht und Gesellschaft, 2009, S. 365). Dies ist etwa der Fall, wenn
Verfügungen nicht zustellbar sind oder wenn sich die Gesellschaft in keiner Art
und Weise vernehmen lässt (BÜRGE/GUT, a.a.O., S. 160).
3.1.5 Besteht im Aktionariat einer Gesellschaft eine Pattsituation bzw.
Blockade (sog. Deadlock), kann dies dazu führen, dass die Revisionsstelle als
obligatorisches Gesellschaftsorgan nicht bestellt werden kann. In der Lehre
wird die Auffassung vertreten, dass zur Behebung eines solchen
Organisationsmangels, der auf eine Pattsituation im Aktionariat zurückgeht, die
Ernennung des fehlenden Organs gemäss Art. 731b Abs. 1 Ziff. 2 OR die
grundsätzlich angemessene Massnahme darstellt (RECORDON, S. 3; vgl. auch
BÖCKLI, a.a.O., § 13 N. 491, 493 sowie BÜRGE/GUT, a.a.O, S. 160). Auch in der
Botschaft wird gerade die "andauernde Pattsituation" als Beispiel einer
Situation genannt, in der die richterliche Ernennung des fehlenden Organs zum
Zuge kommt (Botschaft, a.a.O., S. 3232).
3.1.6 Beantragt ein Aktionär gestützt auf Art. 731b Abs. 1 Ziff. 3 OR die
Auflösung der Gesellschaft, hat der Richter bei der Ausübung seines Ermessens
zu beachten, dass die strengen Voraussetzungen der Auflösungsklage gemäss Art.
736 Ziff. 4 OR nicht unterlaufen werden. Denn in den Gesetzesmaterialien finden
sich keine Anhaltspunkte dafür, dass der Gesetzgeber mit Art. 731b OR die
Möglichkeit einer erleichterten Auflösung von Aktiengesellschaften schaffen
wollte. Mit dem Auflösungsgesuch gemäss Art. 731b Abs. 1 Ziff. 3 OR soll dem
Aktionär, der sich in der Pattsituation einer Lösung widersetzt, kein
Instrument an die Hand gegeben werden, mit dem er die Auflösung der
Gesellschaft erwirken kann, ohne dass gleichzeitig die strengen Voraussetzungen
einer Auflösungsklage gemäss Art. 736 Ziff. 4 OR vorliegen.
Nach der im Leitentscheid BGE 136 III 278 E. 2.2.2 bestätigten Rechtsprechung
ist die Auflösung einer Aktiengesellschaft aus wichtigem Grund eine subsidiäre
Massnahme, die nicht angeordnet werden darf, solange sich bei einer Prüfung der
konkreten Umstände des Einzelfalles zeigt, dass der um Auflösung ersuchende
Aktionär seine legitimen Interessen mit weniger einschneidenden Mitteln
verteidigen kann, wie z.B. mittels Anfechtung von
Generalversammlungsbeschlüssen oder mittels Klagen auf Auskunftserteilung (BGE
136 III 278 E. 2.2.2 S. 280; 126 III 266 E. 1a und 2a; 109 II 140 E. 4 S. 142;
105 II 114 E. 6c S. 125 und E. 6d S. 126 f.; 104 II 32 E. 1a S. 35; 84 II 44 E.
1 S. 47; 67 II 162 E. d S. 166). Die Auflösung muss verhältnismässig sein, was
eine Abwägung aller auf dem Spiel stehenden Interessen voraussetzt (BGE 136 III
278 E. 2.2.2 S. 280; 105 II 114 E. 7 S. 127). Zu beachten ist dabei nicht nur
das Interesse des klagenden Aktionärs, sondern auch das der übrigen Aktionäre
und weiteren Anspruchsgruppen (namentlich der Arbeitnehmer) am Fortbestand der
Gesellschaft (BGE 136 III 278 E. 2.2.2 S. 280; 126 III 266 E. 1c S. 270; 105 II
114 E. 7 S. 128), wobei zu berücksichtigen ist, dass die Aktiengesellschaft
eine Kapital- und nicht eine Personengesellschaft ist, so dass - jedenfalls bei
grösseren Gesellschaften - grundsätzlich nur die finanziellen Interessen der
Aktionäre massgeblich sind (BGE 136 III 278 E. 2.2.2 S. 280; 67 II 162 E. b S.
164). Am Ende des Abwägungsprozesses muss sich eine Situation präsentieren, die
derart gravierend ist, dass der Fortbestand der Gesellschaft nach Treu und
Glauben als nicht mehr tragbar erscheint, die beklagte Gesellschaft mithin ihr
Existenzrecht verwirkt hat und verschwinden muss (BGE 136 III 278 E. 2.2.2 S.
280; 67 II 162 E. c S. 165).

3.2 Die Vorinstanz erwog, dass die Beschwerdeführerin über keine
Revisionsstelle verfügt und auch nicht auf eine eingeschränkte Revision gemäss
Art. 727a Abs. 2 OR verzichtet hat. Damit liege ein Mangel in der
Gesellschaftsorganisation gemäss Art. 731b OR vor. Solange die beiden
Aktionäre, die je 50 % der Aktien halten, keine Lösung finden, sei die Behebung
dieses Mangels nicht möglich. Denn bei diesem Stimmenverhältnis könnten in der
Generalversammlung der Beschwerdeführerin nur Beschlüsse gefällt werden, wenn
beide Aktionäre zustimmen. Zudem sei auch der Verwaltungsrat der
Beschwerdeführerin nur beschluss- und handlungsfähig, wenn beide Aktionäre
zustimmen bzw. gemeinsam handeln. Dass das seit längerer Zeit zwischen den
beiden Aktionären bestehende Patt einvernehmlich beendet werden könnte,
erscheine ausgeschlossen, da AX.________ im vorinstanzlichen Verfahren die
Auflösung der Gesuchsgegnerin gemäss Art. 731b Abs. 1 Ziff. 3 OR und deren
Liquidation nach den Vorschriften über den Konkurs beantragt habe.

Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass "gemäss der konstanten Praxis des
Handelsgerichtspräsidenten" nur noch die der Beschwerdeführerin bereits
angedrohte Auflösung und Liquidation bleibe, nachdem die milderen Massnahmen,
d.h. insbesondere die Aufforderungen des Handelsregisteramtes und des
Handelsregisterpräsidenten zur Mängelbehebung, nicht zum Ziel geführt haben.
Der Beschwerdeführerin sei in Anwendung von Art. 731b Abs. 1 Ziff. 1 OR
praxisgemäss unter Androhung der Auflösung eine Frist angesetzt worden, binnen
derer der rechtmässige Zustand wiederherzustellen war. Da diese Frist unbenutzt
verstrichen sei, müsse die Gesellschaft aufgelöst und ihre Liquidation nach den
Vorschriften über den Konkurs angeordnet werden.
Die richterliche Ernennung einer Revisionsstelle fällt nach Auffassung der
Vorinstanz unter anderem deshalb ausser Betracht, weil sich die beiden
Aktionäre auch in der Zukunft nicht auf eine Revisionsstelle einigen könnten.
Von "entscheidender Bedeutung" sei jedoch, dass die Beschwerdeführerin nicht in
der Lage wäre, einen Kostenvorschuss für die zu ernennende Revisionsstelle zu
leisten, da AX.________ als kollektivzeichnungsberechtigtes
Verwaltungsratsmitglied offensichtlich nicht bereit wäre, eine solche
Zahlungsanweisung zu unterzeichnen. Damit sei auf die Massnahme, richterlich
eine Revisionsstelle zu ernennen, zu verzichten, da diese aussichtslos
erscheine. Es verbleibe ausschliesslich die Möglichkeit, die Gesellschaft
aufzulösen und ihre Liquidation nach den Vorschriften über den Konkurs
anzuordnen.
Dem fügte die Vorinstanz bei, dass das Konkursamt den Umstand zu
berücksichtigen haben werde, dass die Beschwerdeführerin nicht überschuldet zu
sein scheine, und es sich bei ihr abgesehen von der Pattsituation im
Aktionariat um ein funktionierendes Unternehmen handle. In Berücksichtigung des
Verhältnismässigkeitsprinzips müsse das Konkursamt deshalb dafür besorgt sein,
dass das Unternehmen als Einheit an AX.________, B.________ oder an einen
meistbietenden Dritten verkauft werden kann.
3.3
3.3.1 Mit diesen Erwägungen verkennt die Vorinstanz das
Verhältnismässigkeitsprinzip, welches bei der Auswahl der zur Behebung eines
Organisationsmangels erforderlichen Massnahmen nach Art. 731b Abs. 1 OR gilt
(oben E. 3.1.4 f.). Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin zwar zunächst
korrekterweise eine Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
angesetzt (Art. 731b Abs. 1 Ziff. 1 OR). Sie hat in der Folge jedoch zu Unrecht
die richterliche Ernennung der fehlenden Revisionsstelle gestützt auf Art. 731b
Abs. 1 Ziff. 2 OR als milderes Mittel zur Auflösung nach Art. 731b Abs. 1 Ziff.
3 OR verworfen. Denn der von der Vorinstanz hierfür als von "entscheidender
Bedeutung" angeführte Grund, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage
wäre, einen Kostenvorschuss für die zu ernennende Revisionsstelle zu leisten,
beruht auf der Annahme, dass der Verwaltungsrat der Beschwerdeführerin nicht
handlungsfähig sei. Dies trifft - wie oben in E. 2.3 dargelegt - nicht zu, da
die Gesellschaft jedenfalls durch ihren Verwaltungsratspräsidenten, der über
eine Einzelzeichnungsbefugnis verfügt, vertreten werden kann. Zudem ist die
Beschwerdeführerin bei richterlicher Ernennung der Revisionsstelle gestützt auf
Art. 731b Abs. 2 OR ohnehin direkt im Urteilsdispositiv zu verpflichten, die
Kosten der ernannten Revisionsstelle zu tragen und dieser einen Vorschuss zu
leisten. Mit dieser Regelung wird verhindert, dass die richterliche Ernennung
eines entsprechenden Organs faktisch daran scheitert, dass eine blockierte
Gesellschaft die Kosten bzw. Vorschüsse für das entsprechende Mandat nicht
bezahlt (BÖCKLI, a.a.O., § 13 N. 494; RECORDON, a.a.O., S. 3). Unter dem
Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit rechtfertigt es sich somit nicht, bei
einem Fehlen der Revisionsstelle, das auf eine Pattsituation im Aktionariat
zurückzuführen ist, sogleich die drastische Massnahme der Auflösung anzuordnen,
zumal wenn es sich wie bei der Beschwerdeführerin um ein im Aussenverkehr
handlungsfähiges und gemäss den Feststellungen der Vorinstanz grundsätzlich
funktionierendes und finanziell gesundes Unternehmen handelt.
3.3.2 Die Auflösung der Beschwerdeführerin wird in erster Linie von AX.________
beantragt, während es das Handelsregisteramt in das Ermessen der Vorinstanz
gestellt hat, mit welcher Massnahme der Organisationsmangel zu beheben ist.
AX.________ versucht mithin, mit dem Instrumentarium von Art. 731b OR ein
Resultat zu erwirken, das für einen Aktionär grundsätzlich nur mittels einer
Auflösungsklage nach Art. 736 Ziff. 4 OR zu erreichen ist. Die Gutheissung
einer Auflösungsklage nach Art. 736 Ziff. 4 OR würde indessen voraussetzen,
dass das Interesse von AX.________ an der Auflösung der Beschwerdeführerin
dasjenige von B.________ und der weiteren Anspruchsgruppen (Arbeitnehmer,
Gläubiger) am Fortbestand der Gesellschaft überwiegt (BGE 136 III 278 E. 2.2.2
S. 280). Dass dem so wäre, ist gestützt auf die vorinstanzlichen
Sachverhaltsfeststellungen nicht ersichtlich. Eine Situation, die derart
gravierend ist, dass der Fortbestand der Gesellschaft nach Treu und Glauben als
nicht mehr tragbar erscheint, so dass die Beschwerdeführerin geradezu ihr
Existenzrecht verwirkt hätte (BGE 136 III 278 E. 2.2.2 S. 280), hat AX.________
weder vor der Vorinstanz noch vor Bundesgericht dargetan. Mit der sofortigen
Anordnung einer Auflösung der Beschwerdeführerin würden somit nicht nur das im
Rahmen von Art. 731b Abs. 1 OR zu beachtende Verhältnismässigkeitsprinzip
verletzt, sondern auch die in der Rechtsprechung entwickelten, strengen
Voraussetzungen von Art. 736 Ziff. 4 OR unterlaufen (oben E. 3.1.6).
Vorliegend ist der Mangel in der Organisation der Beschwerdeführerin daher
einstweilen dadurch zu beheben, dass die fehlende Revisionsstelle gemäss Art.
731b Abs. 1 Ziff. 2 OR richterlich ernannt wird.
3.3.3 Die Vorinstanz hat Bedenken geäussert, dass sich die beiden Aktionäre
auch in der Zukunft nicht zu gemeinsamem Handeln durchringen könnten. Selbst
wenn sich diese als berechtigt herausstellen und die Pattsituation die
Gesellschaft auf Dauer funktionsunfähig machen sollte, ist darauf hinzuweisen,
dass die Auflösung der Gesellschaft nicht die einzige Lösung ist, um den
Deadlock zu beheben. Gestützt auf Art. 731b OR bzw. Art. 736 Ziff. 4 OR kann
das Gericht nämlich Massnahmen anordnen, die für die Gesellschaft und die
weiteren Anspruchsgruppen des Unternehmens weniger einschneidend sind als eine
Auflösung und anschliessende Liquidation. Bei einer blockierten
Zweimanngesellschaft ist etwa an eine Übernahme der Aktien des einen Aktionärs
durch den anderen im Rahmen einer richterlich angeordneten Versteigerung zu
denken (dazu HANS CASPAR VON DER CRONE, Lösung von Pattsituationen bei
Zweimanngesellschaften, SJZ 1993, S. 42 ff.; ferner rechtsvergleichend MERKT/
GÖTHEL, US-amerikanisches Gesellschaftsrecht, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 2006, N.
759 ff., zu den Möglichkeiten einer Auflösung der Pattsituation mittels eines
buyouts). Mit einer solchen oder ähnlichen Massnahme kann der Beibehaltung des
Fortführungswerts der Gesellschaft (going concern value) im richterlichen
Urteilsdispositiv selbst Rechnung getragen werden. Eine entsprechende
(letztlich unverbindliche) Empfehlung in den Urteilserwägungen, wie sie die
Vorinstanz vorliegend dem Konkursamt erteilt hat, würde sich damit erübrigen.

4.
Die Beschwerde erweist sich als begründet. Der angefochtene Entscheid ist
aufzuheben und die Sache ist an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese
gestützt auf Art. 731b Abs. 1 Ziff. 2 OR die fehlende Revisionsstelle der
Beschwerdeführerin ernenne und die Kosten- und Entschädigungsfolgen des
kantonalen Verfahrens neu regele (Art. 67 und 68 Abs. 5 BGG).
Die Gerichtskosten des bundesgerichtlichen Verfahrens werden in der Regel der
unterliegenden Partei auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG). Der Beschwerdegegner ist
im bundesgerichtlichen Verfahren nicht kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 4 BGG).
Das Bundesgericht befindet nach seinem Ermessen über die Berücksichtigung der
Nebenintervenienten im Kosten- und Entschädigungspunkt (Art. 71 BGG i.V.m. Art.
69 Abs. 2 BZP). Während der Beschwerdegegner auf eigene Anträge verzichtete,
hat AX.________ als Nebenintervenient auf Seiten des Beschwerdegegners eigene
Anträge gestellt und ist damit vollumfänglich unterlegen. Aufgrund seines
persönlichen Interesses an der Abweisung der Beschwerde rechtfertigt es sich
daher, ihm die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens aufzuerlegen.
Die Parteikosten der Beschwerdeführerin sind vom Beschwerdegegner und
AX.________ sodann solidarisch und intern zu gleichen Teilen zu tragen (Art. 68
Abs. 2 BGG i.V.m. Art. 66 Abs. 5 BGG). B.________ als Nebenintervenient auf
Seiten der Beschwerdeführerin hat sich deren Anträgen lediglich angeschlossen;
ihm hierfür eine Parteientschädigung auszurichten, rechtfertigt sich nicht
(vgl. BGE 130 III 571 E. 6 S. 578).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angefochtene Entscheid des
Handelsgerichtspräsidenten des Kantons St. Gallen vom 27. Mai 2011 wird
aufgehoben.
Die Sache wird an die Vorinstanz zurückgewiesen zur Ernennung der fehlenden
Revisionsstelle der Beschwerdeführerin und zur Neuregelung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen des kantonalen Verfahrens.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 5'500.-- werden AX.________ auferlegt.

3.
Der Beschwerdegegner und AX.________ haben die Beschwerdeführerin für das
bundesgerichtliche Verfahren (unter solidarischer Haftbarkeit und intern zu
gleichen Teilen) mit Fr. 6'500.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, den Nebenintervenienten und dem
Handelsgerichtspräsident des Kantons St. Gallen schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 4. Mai 2012

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Klett

Der Gerichtsschreiber: Hurni