Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.479/2011
Zurück zum Index I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2011
Retour à l'indice I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2011


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_479/2011

Urteil vom 28. November 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Gerichtsschreiber Luczak.

Verfahrensbeteiligte
X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christian Sager, Beschwerdeführerin,

gegen

Y.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwältin Kerstin Hammer, Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Mäklervertrag,

Beschwerde gegen das Urteil des Handelsgerichts des Kantons Zürich vom 9. Juni
2011.

Sachverhalt:

A.
Die in Zürich domizilierte X.________ AG (Beschwerdeführerin) gehörte
ursprünglich zum A.________-Konzern, wurde aber im Zuge von dessen Sanierung an
den deutschen X.________-Konzern verkauft. Sie war Eigentümerin einer
Liegenschaft in Bülach, die grösstenteils von der W.________ AG, die
ursprünglich ebenfalls zum X.________-Konzern gehört hatte, als
Betriebsliegenschaft genutzt wurde. Am 24. November 2004 beauftragte die
Beschwerdeführerin die Y.________ AG (Beschwerdegegnerin) in einem als
"Verkaufsauftrag" überschriebenen Mäklervertrag im Sinne von Art. 412 ff. OR
mit dem Verkauf der Liegenschaft in Bülach. Diese wurde am 9. September 2005
verkauft. Als Käuferin trat formell die Bank B.________ auf, welche ihrerseits
mit der W.________ AG darüber einen Leasingvertrag abschloss. Ob der
Beschwerdegegnerin die gemäss Vertrag auf 3 % festgesetzte Mäklerprovision bzw.
die Hälfte davon zusteht, ist umstritten.

B.
Mit am 24. September 2007 eingereichter Weisung und am 29. Januar 2008
nachgereichter Klageschrift beantragte die Beschwerdegegnerin dem
Handelsgericht des Kantons Zürich, die Beschwerdeführerin zu verpflichten, ihr
Fr. 330'000.-- nebst Zins und Mwst zu bezahlen, unter Vorbehalt des
Nachklagerechts. Nachdem die Beschwerdegegnerin ursprünglich, ausgehend von
einem Kaufpreis von Fr. 11 Mio, noch die volle vertragsgemässe Provision von 3
% gefordert hatte, reduzierte sie in ihrer Replik die Klageforderung auf Fr.
166'875.-- nebst Zins und Mwst entsprechend 1,5 % vom effektiv erzielten
Kaufpreis von Fr. 11,125 Mio. Hierauf schrieb das Handelsgericht die Klage mit
Beschluss vom 9. Juni 2011 im Umfang von Fr. 163'125.-- zuzüglich 7 % Mwst als
durch Klagerückzug erledigt ab und verpflichtete die Beschwerdeführerin mit
Urteil vom selben Tage, der Beschwerdegegnerin Fr. 166'875.-- zuzüglich 7,6 %
Mwst und Zins zu bezahlen.

C.
Die Beschwerdeführerin beantragt dem Bundesgericht mit Beschwerde in
Zivilsachen, das Urteil des Handelsgerichts aufzuheben und die Klage
abzuweisen, eventuell die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin verlangt, auf die Beschwerde nicht
einzutreten, eventuell diese abzuweisen. Das Handelsgericht hat auf
Vernehmlassung verzichtet.

Erwägungen:

1.
Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es
ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an
die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem
anderen als dem angerufenen Grund gutheissen, und es kann eine Beschwerde mit
einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung abweisen.
Immerhin prüft das Bundesgericht, unter Berücksichtigung der allgemeinen
Begründungspflicht der Beschwerde (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG), grundsätzlich nur
die geltend gemachten Rügen, sofern die rechtlichen Mängel nicht geradezu
offensichtlich sind. Es ist jedenfalls nicht gehalten, wie eine
erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu
untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen werden (BGE
135 II 384 E. 2.2.1 S. 389; 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254 mit Hinweisen).

1.1 Unerlässlich ist im Hinblick auf Art. 42 Abs. 2 sowie Art. 106 Abs. 2 BGG,
dass die Beschwerde auf die Begründung des angefochtenen Entscheids eingeht und
im Einzelnen aufzeigt, worin eine Rechtsverletzung liegt. Es genügt nicht, die
im kantonalen Verfahren eingenommenen Rechtsstandpunkte zu bekräftigen.
Vielmehr ist mit der Kritik an den als rechtsfehlerhaft erachteten Erwägungen
der Vorinstanz anzusetzen. Genügt die Beschwerdeschrift diesen
Begründungsanforderungen nicht, ist darauf nicht einzutreten (vgl. BGE 134 II
244 E. 2.1 S. 245 f.; 116 II 745 E. 3 S. 749).

1.2 Nach Art. 105 BGG legt das Bundesgericht seinem Urteil den Sachverhalt
zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Abs. 1). Es kann diese
Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen berichtigen oder ergänzen, wenn sie
offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruht (Abs. 2). Die Voraussetzungen für eine Sachverhaltsrüge nach Art.
97 Abs. 1 BGG und für eine Berichtigung des Sachverhalts von Amtes wegen nach
Art. 105 Abs. 2 BGG stimmen im Wesentlichen überein. Soweit es um die Frage
geht, ob der Sachverhalt willkürlich oder unter verfassungswidriger Verletzung
einer kantonalen Verfahrensregel ermittelt worden ist, sind strenge
Anforderungen an die Begründungspflicht der Beschwerde gerechtfertigt.
Entsprechende Beanstandungen sind nach Massgabe von Art. 106 Abs. 2 BGG zu
begründen. Demzufolge genügt es nicht, einen von den tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz abweichenden Sachverhalt zu behaupten. Vielmehr
ist in der Beschwerdeschrift nach den erwähnten gesetzlichen Erfordernissen
darzulegen, inwiefern diese Feststellungen willkürlich bzw. unter Verletzung
einer verfahrensrechtlichen Verfassungsvorschrift zustande gekommen sind.
Andernfalls können Vorbringen mit Bezug auf einen Sachverhalt, der von den
Feststellungen im angefochtenen Entscheid abweicht, nicht berücksichtigt
werden. Vorbehalten bleiben offensichtliche Sachverhaltsmängel im Sinne von
Art. 105 Abs. 2 BGG, die dem Richter geradezu in die Augen springen (BGE 133 II
249 E. 1.4.3 S. 254 f. mit Hinweisen).

1.3 Auf die Beschwerde ist im Folgenden nur einzutreten, soweit sie diesen
Anforderungen gerecht wird. Vorbringen ohne ersichtlichen Bezug zum
angefochtenen Urteil bleiben unbeachtet, ebenso wie appellatorische
Sachverhaltskritik, welche die Beschwerdeführerin namentlich unter dem Titel
"Keine geschuldete Aufstellung durch die Beschwerdegegnerin" erhebt.

2.
Unter den Parteien ist im Wesentlichen die Auslegung des Verkaufsauftrags
umstritten. Ziel der Vertragsauslegung ist es, in erster Linie den
übereinstimmenden wirklichen Willen der Parteien festzustellen (vgl. Art. 18
Abs. 1 OR). Diese subjektive Vertragsauslegung beruht auf Beweiswürdigung, die
vorbehältlich der Ausnahmen von Art. 97 und 105 BGG der bundesgerichtlichen
Überprüfung entzogen ist. Steht eine tatsächliche Willensübereinstimmung fest,
bleibt für eine Auslegung nach dem Vertrauensgrundsatz kein Raum. Erst wenn
eine tatsächliche Willensübereinstimmung unbewiesen bleibt, sind zur Ermittlung
des mutmasslichen Parteiwillens die Erklärungen der Parteien aufgrund des
Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang
sowie den gesamten Umständen verstanden werden durften und mussten. Das
Bundesgericht überprüft diese objektivierte Auslegung von Willenserklärungen
als Rechtsfrage, wobei es an Feststellungen des kantonalen Richters über die
äusseren Umstände sowie das Wissen und Wollen der Beteiligten grundsätzlich
gebunden ist (Art. 105 Abs. 1 BGG). Massgebend ist dabei der Zeitpunkt des
Vertragsabschlusses. Nachträgliches Parteiverhalten ist bei der Auslegung nach
dem Vertrauensprinzip nicht von Bedeutung; es kann höchstens - im Rahmen der
Beweiswürdigung - auf einen tatsächlichen Willen der Parteien schliessen lassen
(BGE 132 III 626 E. 3.1 S. 632 mit Hinweisen).

2.1 Nach Ziff. 4 des Verkaufsauftrags erteilte die Beschwerdeführerin der
Beschwerdegegnerin einen Exklusiv-Verkaufsauftrag. Dieser beginnt am 15.
November 2004 und endet am 30. Juni 2005 ohne weitere Erklärung, sofern er
nicht spätestens einen Monat vor Ablauf der Festlaufzeit im gegenseitigen
Einvernehmen verlängert wird (Ziff. 4b). Ziff. 4c, letzter Absatz, lautet wie
folgt:
"Nach Beendigung dieses Vertrages wird der Beauftragte eine Aufstellung
vorlegen, welche alle Namen aufführt von Mietinteressenten mit denen während
der Vertragslaufzeit nachweisbar Verhandlungen geführt worden sind. Falls
innerhalb von einem Jahr nach Ablauf oder Auflösung dieses Vertrages eine
Vermietung an einen dieser aufgeführten Interessenten zustande kommt, ist die
Auftraggeberin provisionspflichtig."
Unter dem Titel "Provision" vereinbarten die Parteien in Ziff. 5d des
Verkaufsauftrags:
"Kommt es mit einem Interessenten der unmittelbare wirtschaftliche
Verflechtungen zum X.________-Konzern unterhält, bzw. unmittelbar durch die
Auftraggeberin akquiriert wurde zu Verhandlungen, so werden diese durch die
Auftragnehmerin geführt. In solchen Fällen reduziert sich die Provisionspflicht
auf 50 % des oben vereinbarten Satzes."

2.2 Diesen Bestimmungen entnahm die Vorinstanz zunächst, die in Ziff. 4
vereinbarte Exklusivität sei durch Ziff. 5d verschärft worden, indem der
Beschwerdeführerin zwar nicht gänzlich verboten worden sei, sich selbst um den
Abschluss zu bemühen. Für die Verhandlungsführung/Verkaufsabwicklung mit einer
selbst gefundenen Vertragspartnerin sei die Beschwerdeführerin jedoch gehalten
gewesen, die Beschwerdegegnerin beizuziehen und ihr so zumindest einen
reduzierten Provisionsanspruch zu verschaffen. Diese Regelung muss nach
Auffassung der Vorinstanz unter den gegebenen Umständen auch die Käuferin (Bank
B.________) und die Leasingnehmerin (W.________ AG) erfassen.

2.3 Zu diesem Ergebnis gelangte die Vorinstanz mit Blick auf den Ablauf der
Vertragsverhandlungen, in deren Rahmen die Beschwerdeführerin der
Beschwerdegegnerin eine Regelung vorgeschlagen habe, welche bei einem
Kaufvertragsabschluss mit einem Interessenten, der unmittelbare wirtschaftliche
Verflechtungen zum X.________-Konzern unterhalte bzw. unmittelbar durch die
Auftraggeberin akquiriert wurde, keine Provisionspflicht der Auftraggeberin
vorsah. Diesem Regelungsvorschlag habe die Beschwerdegegnerin entnehmen dürfen
und müssen, dass die Beschwerdeführerin (auch) einen Vertragsschluss mit den
potenziellen Vertragspartnern W.________ AG/Bank B.________ von der
Provisionspflicht ausnehmen wolle, nachdem die Beschwerdeführerin nach eigenen
Angaben die Beschwerdegegnerin bereits anlässlich des ersten Gesprächs vom 20.
Juli 2004 auf die laufenden bzw. geplanten Gespräche mit der W.________ AG/Bank
B.________ hingewiesen und ihr vermittelt hatte, dass sie sich keinesfalls in
diese einschalten sollte. Diesen Vorschlag habe die Beschwerdegegnerin indessen
explizit abgelehnt und der Beschwerdeführerin als Gegenvorschlag die in Ziff.
5d enthaltene Bestimmung unterbreitet, welche die Beschwerdeführerin akzeptiert
habe. Vor diesem Hintergrund habe die Beschwerdegegnerin die Regelung dahin
verstehen dürfen und müssen, dass auch im Falle eines Vertragsschlusses mit den
potenziellen Vertragspartnern W.________ AG/Bank B.________ Ziff. 5d des
Verkaufsauftrags zur Anwendung gelangen würde. Dass die Parteien entgegen
diesem Auslegungsergebnis tatsächlich vereinbart hätten, eine Provisionierung
des Verkaufes der Liegenschaft an die W.________ AG, auch in Form eines
Sale-and-lease-back-Geschäfts, auszuschliessen, blieb nach Auffassung der
Vorinstanz unbewiesen, so dass Ziff. 5d des Vertrages auch im Falle der
Erwerber W.________ AG/Bank B.________ zur Anwendung gelange.

2.4 Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Klausel regle einzig den Fall, in
welchem "es während der Vertragsdauer (nicht vorher! - sonst würde es sich ja
um eine Vorkenntnis handeln) zu einer Akquise durch die Auftraggeberin
(Beschwerdeführerin)" komme. Aufgrund der rechtserheblichen Vorkenntnis der
Käuferschaft habe keine Kausalität entstehen können, weshalb es gar keines
Vorbehalts bedurft habe, um den Vertrag mit W.________ AG bzw. Bank B.________
von der Provisionspflicht auszunehmen. Die Beschwerdeführerin habe in guten
Treuen Ziff. 5d dahin verstehen dürfen, dass einzig neu dazu tretende
Interessenten (Konzerngesellschaften oder externe Interessenten), die sich bei
ihr im Laufe des Vertrages meldeten, der Beschwerdegegnerin zur
Weiterbearbeitung zuzuweisen seien. Eine derartige Regelung sei entgegen der
Ansicht der Vorinstanz auch sinnvoll. Sie hätte Fälle abgedeckt, in denen eine
der (vielen) Konzerngesellschaften der Beschwerdeführerin aus irgendeinem
bislang nicht bekannten Grund die besagte Liegenschaft hätte erwerben wollen
oder sich über Internetwerbung oder über das umfangreiche Beziehungsnetz der
Konzernmitarbeiter ein neuer (nicht vorbekannter) Interessent bei der
Beschwerdeführerin gemeldet hätte.

2.5 Die gesetzlichen Vorschriften über den Mäklervertrag sind weitgehend
dispositiver Natur. Nach der Rechtsprechung können die Parteien des
Mäklervertrages auf das Erfordernis des Kausalzusammenhangs verzichten und dem
Makler einen Provisionsanspruch einräumen, auch wenn dessen Tätigkeit ohne
Einfluss auf den Vertragsabschluss des Auftraggebers bleibt (BGE 100 II 361 E.
3d S. 365; Urteil des Bundesgerichts 4C.228/2005 vom 25 Oktober 2005 E. 3 mit
Hinweisen). Nachdem die Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin nach eigenen
Angaben auf die bereits angelaufenen Gespräche mit der W.________ AG/Bank
B.________ hingewiesen hatte und folglich bei der Ausarbeitung des
Verkaufsauftrages dieser Fall bereits konkret im Raum stand, durfte die
Beschwerdegegnerin in guten Treuen annehmen, die Beschwerdeführerin habe mit
ihrem Regelungsvorschlag klarstellen wollen, dass der Beschwerdegegnerin gerade
bei einem aus den laufenden Gesprächen resultierenden Vertragsabschluss keine
Provision zustehen sollte, zumal nach dem angefochtenen Urteil keine
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Parteien die Möglichkeit, dass sich auch
eine andere Konzerngesellschaft für Liegenschaft interessieren könnte, erwogen
hätten. Demgemäss musste die Beschwerdeführerin den Gegenvorschlag der
Beschwerdegegnerin nach Treu und Glauben auf einen möglichen Abschluss mit
W.________ AG/Bank B.________ beziehen. Die beanstandete Auslegung der
Vorinstanz hält somit vor Bundesrecht stand.

2.6 Was die Aktivitäten der Beschwerdegegnerin im Hinblick auf eine
Verkaufsvermittlung anbelangt, listete die Vorinstanz verschiedene Tätigkeiten
einzeln auf. Diese seien erfolglos geblieben, weil die Beschwerdeführerin ihre
eigenen Verhandlungen geführt und abgeschlossen habe. Obwohl die
Beschwerdeführerin die Verhandlungsführung vertragsgemäss der
Beschwerdegegnerin hätte überlassen müssen, habe sie diese bewusst davon
ferngehalten. Aufgrund dieses Verhaltens billigte die Vorinstanz der
Beschwerdegegnerin einen Anspruch im Umfang der entgangenen Provision zu. Dem
stehe der Umstand, dass der Kaufvertrag nach dem 30. Juni 2005 und damit nach
Ablauf der Dauer des Mäklervertrages zustande gekommen sei, nicht entgegen,
hätten die Parteien doch in Ziff. 4c Abs. 2 des Vertrages bestimmt, dass der
Provisionsanspruch entstehe, wenn der Mäklervertrag nicht länger als ein Jahr
vor Vertragsschluss mit dem Dritten beendet wurde, sofern die übrigen
Voraussetzungen erfüllt seien. Letzteres treffe zu, wenn angenommen werde, die
Verhandlungsführung durch die Beschwerdegegnerin sei als Bedingung für die
Entstehung des Provisionsanspruchs aufzufassen, und die Beschwerdegegnerin so
gestellt werde, wie wenn sie die Vertragsverhandlungen geführt hätte. Gehe man
von einer Schadenersatzpflicht der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 97 ff.
OR aus wegen Nichterfüllung der Pflicht, die Verkaufsverhandlungen der
Beschwerdegegnerin zu überlassen, sei diese so zu stellen, wie wenn sie diese
geführt hätte. In beiden Fällen schulde die Beschwerdeführerin das positive
Interesse im Umfang der für den Erfolgsfall vereinbarten Provision.

2.7 Mit ihrer Rüge, die Vorinstanz habe fälschlicherweise in krassem
Widerspruch zum Beweisergebnis angenommen, die im Mäklervertrag erforderliche
Kausalität sei gegeben, verkennt die Beschwerdeführerin die Bedeutung der
beiden selbstständigen Begründungen der Vorinstanz, welche der
Beschwerdegegnerin gemäss der einen Variante nicht einen Erfüllungs-, sondern
einen Ersatzanspruch einräumt und gemäss der anderen den Eintritt der für den
Anspruch erforderlichen Bedingung fingiert (Art. 156 OR).

3.
Die Vorinstanz stellte sodann fest, die Beschwerdegegnerin habe nach Beendigung
des Vertrages keine förmliche Aufstellung im Sinne von Ziff. 4c vorgelegt, aber
der Beschwerdeführerin am 20. September 2005 ihren Tätigkeitsbericht geschickt,
dem zu entnehmen sei, welche potenziellen Interessenten die Beschwerdegegnerin
angesprochen habe. In rechtlicher Hinsicht würdigte die Vorinstanz Ziff. 4c des
Verkaufsauftrags als Obliegenheit, deren Nichterfüllung zu einem Rechtsverlust
führen könne und nicht, wie die Beschwerdeführerin gelten gemacht hatte, als
Rechtspflicht, deren Verletzung ohne Weiteres die Verwirkung des
Provisionsanspruchs nach sich ziehe.

3.1 Die Beschwerdeführerin hält auch vor Bundesgericht an ihrem Standpunkt
fest, wonach Ziff. 4c nicht eine blosse Obliegenheit statuiere, wie die
Vorinstanz annehme, sondern eine eigentliche Vertragspflicht. Daraus leitet die
Beschwerdeführerin ab, sie schulde zufolge des Verstosses gegen die betreffende
Vertragspflicht durch die Beschwerdegegnerin keine Provision.

3.2 Ob es sich nach dem Wortlaut der umstrittenen Bestimmung um eine
Obliegenheit oder eine eigentliche Vertragspflicht handelt, deren Verletzung
zum Verlust des im Übrigen verdienten Mäklerlohnes führt, kann offen bleiben.
Aus der Unterlassung, eine Liste zu erstellen, kann die Beschwerdeführerin
ohnehin nichts zu ihren Gunsten ableiten, hätten die W.________ AG
beziehungsweise die Bank B.________ doch auch dann nicht unter den von der
Beschwerdegegnerin kontaktierten Interessenten figurieren können, wenn die
Beschwerdegegnerin eine Liste gemäss Ziff. 4c des Verkaufsauftrags erstellt
hätte, weil die Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin in Verletzung der
vertraglichen Vereinbarung von den Verhandlungen mit W.________ AG/Bank
B.________ bewusst fernhielt. Aus diesem vertragswidrigen Verhalten darf der
Beschwerdeführerin kein Vorteil erwachsen, indem sie sich gestützt darauf ihrer
Provisionspflicht entschlagen könnte (vgl. BGE 114 II 79 E. 3a S. 81).

3.3 Die Vorinstanz erkannte somit im Ergebnis bundesrechtskonform, die
Bestreitung der Provisionspflicht unter Berufung auf die fehlende Auflistung
der W.________ AG/Bank B.________ verdiene keinen Rechtsschutz. An diesem
Ergebnis würde sich auch nichts ändern, wenn dargetan wäre, dass die
Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin über die Verhandlungen mit der
nachmaligen Käuferschaft informiert hätte, wie sie in der Beschwerde vorbringt,
nachdem für das Bundesgericht verbindlich feststeht, dass die
Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin von der Teilnahme an den Gesprächen
ausschloss.

4.
Die Vorinstanz hielt der für den Eventualfall der Gutheissung eines
Provisionsanspruchs erhobenen Verrechnungseinrede entgegen, es sei nach
allgemeiner Lebenserfahrung anzunehmen, die Beschwerdeführerin habe mit Fr.
11,125 Mio. bereits den höchstmöglichen Kaufpreis erzielt, unabhängig davon, ob
ihr eine Vermittlungsprovision anfiel oder nicht. Die Beschwerdeführerin wendet
vor Bundesgericht einzig ein, es sei nach der Lebenserfahrung üblich,
zusätzliche Kosten wie Vermittlergebühren in die Kaufpreisberechnung
einfliessen zu lassen. Wenn die Vorinstanz im Ergebnis davon ausgeht, nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sei für den Käufer der Gesamtpreis massgebend,
weshalb nicht davon auszugehen sei, die Beschwerdeführerin hätte mit Blick auf
die Vermittlungsgebühren einen höheren Preis verlangen können, ist dies nicht
zu beanstanden. Dass die Beschwerdeführerin entgegen der Annahme der Vorinstanz
in der Lage gewesen wäre, tatsächlich einen um die geschuldete Provision
erhöhten Kaufpreis zu erzielen, legt sie nicht dar und ist nicht ersichtlich.

5.
Aus den dargelegten Gründen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden kann. Bei diesem Verfahrensausgang wird die
Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche Verfahren kosten- und
entschädigungspflichtig.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 5'500.-- werden der Beschwerdeführerin auferleg.

3.
Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 6'500.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Handelsgericht des Kantons Zürich
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 28. November 2011
Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Klett

Der Gerichtsschreiber: Luczak