Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.629/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_629/2011

Urteil vom 6. Juni 2012
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichterinnen Rottenberg Liatowitsch, Kiss,
Gerichtsschreiberin Berger Götz.

Verfahrensbeteiligte
C.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Christoph Häberli,
Beschwerdeführer,

gegen

X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Paul Hollenstein,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
arbeitsrechtliche Streitigkeit; Überstunden,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Schwyz, 1. Zivilkammer, vom 30.
August 2011.

Sachverhalt:

A.
C.________ (Beschwerdeführer) war vom 23. März 1998 bis zu seiner
Frühpensionierung am 31. Juli 2007 als Konstruktionsschlosser bei der
X.________ AG (Beschwerdegegnerin) angestellt. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag
wurde nicht abgeschlossen. Mündlich vereinbarten die Parteien eine wöchentliche
Arbeitszeit von 45 Stunden und einen Bruttomonatslohn von anfänglich Fr.
5'000.-- (ab 2004: Fr. 5'500.--, ab 2005: Fr. 5'600.--, ab 2006: Fr. 5'650.--
und ab 2007: Fr. 5'700.--).
Am 26. Juni 2009 reichte C.________ beim Bezirksgericht March, Lachen, Klage
gegen die X.________ AG ein und beantragte, diese habe ihm Fr. 28'944.80
(aufgeteilt in Fr. 24'785.35 Überstundenabgeltung und Fr. 3'859.45
Entschädigung für nicht bezogene Ferientage sowie Fr. 300.--
Vermittlungsgebühr) nebst Zins zu 5 % seit 1. April 2007 zu bezahlen. In ihrer
Klageantwort vom 18. September 2009 anerkannte die X.________ AG die Forderung
für nicht bezogene Ferien der Jahre 2005 und 2006 im Betrag von Fr. 2'592.15,
beantragte aber im Übrigen die Abweisung der Klage. Die ehemalige Arbeitgeberin
überwies die anerkannte Summe am 10. Dezember 2009 an C.________. Nach
Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels hiess das Bezirksgericht die Klage
mit Einzelrichterentscheid vom 28. Februar 2011 teilweise gut und verpflichtete
die X.________ AG, C.________ Fr. 3'859.45 brutto (abzüglich
Sozialversicherungsbeiträge für AHV/IV/EO und ALV) nebst Zins zu 5 % seit 1.
August 2007 auf dem sich für Fr. 1'267.30 ergebenden Nettobetrag, sowie 5 %
Zins auf dem sich für Fr. 2'592.15 ergebenden Nettobetrag für die Zeit vom 1.
August 2007 bis 10. Dezember 2009 zu bezahlen, wobei die X.________ AG
berechtigt sei, davon den am 10. Dezember 2009 bereits bezahlten Betrag von Fr.
2'592.15 in Abzug zu bringen; im Übrigen wies es die Klage ab
(Dispositiv-Ziffer 1).

B.
In teilweiser Gutheissung der dagegen von C.________ erhobenen Berufung hob das
Kantonsgericht Schwyz Dispositiv-Ziffer 1 des Bezirksgerichtsentscheids auf und
verpflichtete die X.________ AG zur Bezahlung von Fr. 1'421.15, vermindert um
die von C.________ geschuldeten Sozialabzüge auf dem massgeblichen Lohn, nebst
Zins zu 5 % ab 1. August 2007 bis 10. Dezember 2009 zusätzlich auf Fr.
2'592.15; im Übrigen wies es die Klage ab, soweit sie nicht als durch
Anerkennung erledigt abgeschrieben wurde (Entscheid vom 30. August 2011).

C.
C.________ lässt Beschwerde in Zivilsachen führen und das Rechtsbegehren
stellen, in Abänderung des Kantonsgerichtsentscheids sei die X.________ AG zu
verpflichten, ihm weitere Fr. 24'785.35 brutto (gesamthaft Fr. 26'206.50),
vermindert um die vom Arbeitnehmer geschuldeten Sozialabzüge auf dem
massgeblichen Lohn, nebst Zins zu 5 % seit 1. August 2007 zu bezahlen.

Das Kantonsgericht beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen. Die X.________ AG
lässt ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde schliessen.

Erwägungen:

1.
Die Streitsache ist zivilrechtlicher Natur, womit die Beschwerde in Zivilsachen
das ordentliche Rechtsmittel ist (Art. 72 Abs. 1 BGG). Angefochten ist ein
Endurteil (Art. 90 BGG) einer oberen kantonalen Instanz, die als
Rechtsmittelbehörde entschieden hat (Art. 75 Abs. 2 BGG). Der für die
Beschwerdefähigkeit massgebende Streitwert (Art. 51 Abs. 1 lit. a BGG) für
arbeitsrechtliche Fälle von Fr. 26'206.50 (Fr. 24'785.35 Überstundenabgeltung
zuzüglich die vorinstanzlich zugesprochenen Fr. 1'421.15 für nicht bezogene
Ferien) übersteigt die Grenze nach Art. 74 Abs. 1 lit. a BGG. Da auch die
weiteren Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
einzutreten.

2.
Nach Art. 105 BGG legt das Bundesgericht seinem Urteil den Sachverhalt
zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Abs. 1). Es kann diese
Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen berichtigen oder ergänzen, wenn sie
offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruht (Abs. 2). Die Voraussetzungen für eine Sachverhaltsrüge nach Art.
97 Abs. 1 BGG und für eine Berichtigung des Sachverhalts von Amtes wegen nach
Art. 105 Abs. 2 BGG stimmen im Wesentlichen überein. Soweit es um die Frage
geht, ob der Sachverhalt willkürlich oder unter verfassungswidriger Verletzung
einer kantonalen Verfahrensregel ermittelt worden ist, sind strenge
Anforderungen an die Begründungspflicht der Beschwerde gerechtfertigt.
Entsprechende Beanstandungen sind nach Massgabe von Art. 106 Abs. 2 BGG zu
begründen (BGE 133 II 249 E. 1.4.3 S. 254 f.).

3.
Vor Bundesgericht ist einzig noch die Überstundenentschädigung umstritten.
Bereits im vorinstanzlichen Verfahren waren sich die Parteien einig, dass sie
zu Beginn des Arbeitsverhältnisses mündlich eine Wochenarbeitszeit von 45
Stunden verabredet hatten. Diese Arbeitszeitregelung liegt über der
wöchentlichen Arbeitszeit gemäss Art. 23.1 des - unstreitig auf das vorliegende
Arbeitsverhältnis anwendbaren - Gesamtarbeitsvertrages für das Schweizerische
Carrosseriegewerbe (GAV, gültig ab 1. Februar 2003 bis 30. Juni 2006 mit
Verlängerung der Allgemeinverbindlicherklärung bis 30. Juni 2009) von 41
Stunden pro Woche. Der Beschwerdeführer nimmt an, bei der Differenz von vier
Wochenstunden handle es sich um Überzeit, welche nunmehr nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses von der Arbeitgeberin zu entschädigen sei. Die
Beschwerdegegnerin geht demgegenüber davon aus, im Zeitpunkt der
Allgemeinverbindlicherklärung des GAV sei zwischen den Parteien stillschweigend
die Beibehaltung der ursprünglichen Wochenarbeitszeit von 45 Stunden vereinbart
worden, weshalb die Forderung ihres ehemaligen Arbeitnehmers unbegründet sei.

4.
Gemäss Art. 357 Abs. 2 OR sind Abreden in einem Einzelarbeitsvertrag nichtig,
wenn sie gegen die unabdingbaren Bestimmungen eines GAV verstossen, und werden
durch dessen Bestimmungen ersetzt. Jedoch können abweichende Vereinbarungen zu
Gunsten des Arbeitnehmers getroffen werden. Haben die Parteien eine vom GAV
abweichende Regelung getroffen, ist somit ein so genannter
Günstigkeitsvergleich vorzunehmen. Es muss bezogen auf das einzelne
Arbeitsverhältnis geprüft werden, ob die einzelarbeitsvertragliche Vereinbarung
für den Arbeitnehmer günstiger ist als die Regelung im GAV oder nicht
(JEAN-FRITZ STÖCKLI, in: Berner Kommentar, 1999, N. 37 zu Art. 357 OR). Dabei
kommt es nicht darauf an, welche Regelung dem konkreten Arbeitnehmer lieber
ist. Vielmehr muss von einem objektiven Massstab ausgegangen werden (BGE 116 II
153 E. 2a/aa S. 155). Es ist darauf abzustellen, wie ein vernünftiger
Arbeitnehmer unter Berücksichtigung des Berufsstandes und der
Verkehrsanschauung die Bewertung treffen würde (VISCHER/ALBRECHT, in: Zürcher
Kommentar, 4. Aufl. 2006, N. 23 zu Art. 357 OR; STÖCKLI, a.a.O., N. 38 zu Art.
357 OR). Die Objektivierung des Massstabs hat auch zur Folge, dass man nicht
die einzelnen Bestimmungen isoliert miteinander vergleichen kann. Andererseits
ist es aber auch nicht zulässig, in einem so genannten Gesamtvergleich den
Einzelarbeitsvertrag insgesamt mit dem GAV zu vergleichen. Vielmehr ist ein
Gruppenvergleich vorzunehmen (BGE 116 II 153 E. 2a/bb S. 156; VISCHER/ALBRECHT,
a.a.O., N. 23 f. zu Art. 357 OR; STÖCKLI, a.a.O., N. 39 zu Art. 357 OR). Mit
dem Gruppenvergleich werden eng zusammenhängende Bestimmungen des GAV mit den
entsprechenden Regelungen im Einzelarbeitsvertrag verglichen (BGE 134 III 399
E. 3.2.4.3 S. 402 f.; VISCHER/ALBRECHT, a.a.O., N. 24 zu Art. 357 OR).

5.
5.1 Das Kantonsgericht weist darauf hin, dass die allgemeinverbindlich
erklärten GAV-Bestimmungen als normative Regelungen mit Rechtsetzungscharakter
als bekannt vorauszusetzen sind, und nimmt an, vorliegend seien auch
überzeugende Anhaltspunkte für eine tatsächliche Kenntnis des GAV durch die
Parteien vorhanden. Eine GAV-konforme Wochenarbeitszeit von 41 anstelle der
bisherigen 45 Stunden sei offenbar zu keiner Zeit thematisiert worden. Aus der
Untätigkeit bzw. dem Schweigen des Beschwerdeführers sei unter diesen Umständen
auf einen konkludenten Willen zur Abrede nach Art. 357 Abs. 2 OR zu schliessen.
Diese vom GAV abweichende Vereinbarung der Wochenarbeitszeit habe nicht
zwingend schriftlich festgehalten werden müssen. Bei den differenten vier
Wochenarbeitsstunden handle es sich nicht um Überstunden "im klassischen Sinn".
Vielmehr liege eine Ausdehnung der geschuldeten Normalarbeitszeit vor, welche
innerhalb der Grenzen des öffentlichen Rechts (Art. 9 ArG und Art. 26.2 GAV)
zulässig sei. Die abweichende Vereinbarung betreffend Wochenarbeitszeit bedürfe
denn auch nicht zwingend einer betrieblichen Notwendigkeit, zumal die
Arbeitsleistung nicht einseitig durch die Arbeitgeberin angeordnet worden sei.
Der Günstigkeitsvergleich nach Art. 357 Abs. 2 OR in Form eines
Gruppenvergleichs durch Gegenüberstellung des Minimallohns gemäss GAV zuzüglich
Überstundenentschädigung und des vereinbarten Lohns ergebe, dass der
vereinbarte Lohn für den Arbeitnehmer günstiger gewesen sei, was zur Verneinung
einer Verletzung des Günstigkeitsprinzips führe. Das Bezirksgericht sei für den
Günstigkeitsvergleich durchgängig vom höheren Mindestlohn gemäss GAV 2006 von
Fr. 3'750.-- ausgegangen. Durch die Addition der Arbeitszeitausdehnung pro Tag,
aufgerechnet auf die Arbeitstage pro Monat und umgerechnet in Stundenlohn
zuzüglich 25 % Zuschlag im Sinne von Art. 321c Abs. 3 OR ergebe sich für das
Jahr 2004 ein Verdienst von Fr. 4'422.25, im Jahr 2005 betrage er Fr. 4'434.40,
im Jahr 2006 Fr. 4'634.80 und im Jahr 2007 Fr. 4'642.70. Dieses Einkommen stehe
dem vereinbarten Lohn von Fr. 5'500.-- (2004), Fr. 5'600.-- (2005), Fr.
5'650.-- (2006) und Fr. 5'700.-- (2007) gegenüber. Dabei sei zu Gunsten des
Beschwerdeführers für die Jahre 2006 und 2007 auf fünf anstatt vier Stunden
wöchentlicher Arbeitszeitausdehnung und auf den von ihm errechneten Stundenlohn
abgestellt worden. Der vereinbarte Bruttomonatslohn habe selbst bei dieser
Berechnungsweise den GAV-Minimallohn samt Überstundenentschädigung jeweils um
mehr als Fr. 1'000.-- überstiegen und wäre sogar bei - nicht beantragter -
Mitberücksichtigung einer Jahresendzulage höher gewesen. Der hier anzuwendende
GAV sehe keine zwingende wöchentliche Arbeitszeit oder Höchstarbeitszeit vor,
welche durch die geleistete Mehrarbeit verletzt worden wäre. Vielmehr sei in
Art. 26.2 GAV ausdrücklich festgehalten, dass nebst einem Ausgleich in Form der
Kompensation durch Freizeit auch eine allfällige Auszahlung nach betrieblicher
Praxis erfolgen könne. Die Zulässigkeit einer Arbeitszeitausdehnung auf 45
Wochenarbeitsstunden erscheine bei der vorliegenden, überproportional höheren
Entlöhnung und in Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
jedenfalls als sachgerecht. Es sei nicht Aufgabe der Gerichte, im Rahmen des
Günstigkeitsvergleichs zu untersuchen, welcher Lohn für den konkreten
Arbeitnehmer angemessen wäre, sondern es sei bloss zu prüfen, ob die durch den
GAV gesetzten Schranken und Mindestanforderungen eingehalten seien. Unter
diesen Umständen bestehe in casu keine Forderung infolge unvergüteter
Überstunden.

5.2 Gegen die Erwägungen des kantonalen Gerichts wird in der Beschwerde nichts
vorgebracht, woraus auf eine Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 lit. a BGG
oder einen Mangel in der vorinstanzlichen Feststellung des Sachverhalts gemäss
Art. 97 Abs. 1 BGG zu schliessen wäre:
5.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Feststellung im angefochtenen
Gerichtsentscheid, wonach auf einen konkludenten Willen der Parteien zum
Abschluss einer Abrede gemäss Art. 357 Abs. 2 OR geschlossen werden könne und
er demnach bereit gewesen sein solle, gegenüber der gesamtarbeitsvertraglichen
Arbeitszeit vier Stunden Mehrarbeit pro Woche ohne zusätzliche Entschädigung zu
leisten, sei willkürlich. Grundsätzlich sei gestützt auf Art. 357 Abs. 1 OR
davon auszugehen, dass ein Gesamtarbeitsvertrag, der während eines laufenden
Arbeitsverhältnisses in Kraft trete, widersprechende Regelungen des
Einzelarbeitsvertrages automatisch ausser Kraft setze. Deshalb habe er davon
ausgehen dürfen, dass seine Arbeitspflicht ab 1. Februar 2003 nur noch 41
Stunden pro Woche umfasse und alle weiteren Stunden als Überstunden zu
betrachten und zu entschädigen seien. Er habe sich auf die Unverzichtbarkeit
der aus dem Gesamtarbeitsvertrag fliessenden Forderungen gemäss Art. 341 OR
verlassen dürfen. Dies gelte unabhängig davon, ob er sich dieser Rechtslage im
massgeblichen Zeitpunkt tatsächlich bewusst gewesen sei. Er habe den Umstand,
dass die ehemalige Arbeitgeberin zwar weiterhin die Leistung von 45
Wochenstunden verlangt, diese Mehrleistung aber nicht entschädigt habe, nicht
als Offerte zum Abschluss einer seine Rechtsposition massiv schwächenden
Vereinbarung betrachten müssen. Es sei weder in seinem Interesse noch seine
Pflicht gewesen, sie auf die bestehende Diskrepanz zwischen Zahlung und
Berechtigung gemäss GAV hinzuweisen. Dazu komme, dass ihre Weigerung, die
Arbeitszeitregelung des GAV einzuhalten, definitiv erst im Klageverfahren, als
sie erstmals eine stillschweigende Vereinbarung behauptet habe, klar geworden
sei und als Offerte für den Abschluss der dem Beschwerdeführer unterstellten
Vereinbarung verstanden werden könnte. Das Akzept dieser "Offerte" würde
diesfalls aber auf einen unzulässigen rückwirkenden Verzicht auf die
Überstundenentschädigung hinauslaufen.

Die Parteien bestreiten die Annahme der Vorinstanz, wonach sie beide den Inhalt
des GAV von Anfang an gekannt hätten, nicht. Der Beschwerdeführer weist
letztinstanzlich sogar ausdrücklich darauf hin, dass er ab 1. Februar 2003, mit
der Allgemeinverbindlicherklärung des GAV, von einer nur noch 41 Wochenstunden
umfassenden Arbeitspflicht (gemäss Art. 23.1 GAV) habe ausgehen dürfen. Diese
Argumentation zeigt, dass ihm die GAV-Regelung und insbesondere die Differenz
zur mit der Arbeitgeberin mündlich vereinbarten Arbeitszeit von 45
Wochenstunden bereits vor der Allgemeinverbindlicherklärung bewusst war.
Dennoch hatte er zu keiner Zeit darauf bestanden, nur noch 41 Stunden pro Woche
zu arbeiten. Bei seiner Argumentation, wonach die Vorinstanz ihm nicht
unterstellen könne, er hätte mit einem Schlag eine Lohnreduktion von über 10 %
akzeptiert, indem er durch Schweigen oder Untätigkeit bei einer Arbeitszeit von
41 Stunden zuzüglich vier Überstunden mit Zuschlag pro Woche geblieben sei,
übersieht er, dass sein Lohn vor der Geltung des GAV gemäss mündlicher
Übereinkunft mit der Arbeitgeberin auf der betriebsüblichen Arbeitszeit von 45
Stunden pro Woche basierte. Die Beschwerdegegnerin wendet zu Recht ein, dass er
wohl mit einer Lohnreduktion im Rahmen einer Änderungskündigung hätte rechnen
müssen, wenn er ab 1. Februar 2003 mit der bisherigen Arbeitszeit von 45
Stunden pro Woche nicht mehr einverstanden gewesen wäre. So aber konnte er auch
ab 1. Februar 2003 von einem gleichbleibend hohen Lohnniveau profitieren. Das
kantonale Gericht hat mit Blick auf die gesamten Umstände willkürfrei
festgestellt, dass die Parteien mit der bewussten Beibehaltung der
Wochenarbeitszeit von 45 Stunden eine stillschweigende, von der GAV-Regelung
abweichende Vereinbarung gemäss Art. 357 Abs. 2 OR getroffen haben.
5.2.2 Als Eventualbegründung bringt der Beschwerdeführer vor, das
Günstigkeitsprinzip gemäss Art. 357 Abs. 2 OR sei verletzt, falls von einer
solchen konkludenten Abrede ausgegangen werde. Die absolut zwingende Vorschrift
des Art. 321c Abs. 1 OR bezeichne die über die gesamtarbeitsvertraglich
bestimmte Arbeitszeit hinausgehenden Arbeitsstunden unmissverständlich als
Überstunden. Nichts anderes habe auch das Bundesgericht in BGE 116 II 69
festgehalten. Die von der Vorinstanz ohne Angabe von Literatur oder
Rechtsprechung neu eingeführte "Arbeitszeitausdehnung" bzw. die Leistung von
Mehrarbeit gegenüber dem gesamtarbeitsvertraglichen Soll führe zu nichts
anderem als zu gewöhnlichen Überstunden. Dabei verkennt der Beschwerdeführer
allerdings, dass die vom GAV abweichende, stillschweigende Abrede unter den
Parteien eben gerade die Leistung von Mehrarbeit (im Vergleich zur vom GAV
vorgegebenen Normalarbeitszeit) - was von der Vorinstanz durchaus zutreffend
als "Arbeitszeitausdehnung" umschrieben wird - und nicht die Verpflichtung zur
permanenten Leistung von Überstunden zum Inhalt hatte. Eine solche Vereinbarung
ist nicht von vornherein nichtig. Ihre Gültigkeit hängt davon ab, ob sie für
den Arbeitnehmer günstiger ist (Art. 357 Abs. 2 OR; Urteil 4C.67/2005 vom 4.
Mai 2005 E. 4; vgl. E. 4 hiervor). Da der von den Vorinstanzen durchgeführte
Günstigkeitsvergleich im Sinne eines Gruppenvergleichs, bei welchem auf den
vier Mehrstunden pro Wochen ein Überstundenzuschlag auf der Basis des
effektiven Lohnes berücksichtigt wurde, ergab, dass der Beschwerdeführer durch
die konkludente Abrede eine (lohnmässige) Besserstellung erfuhr, wurde eine
Verletzung von Art. 357 Abs. 2 OR zu Recht verneint. Dem Einwand des
Beschwerdeführers, dass eine GAV-widrige Regelung nicht durch einen
finanziellen Sondervorteil erkauft werden könne, ist entgegenzuhalten, dass die
einzelvertragliche Vereinbarung einer höheren als der im GAV vorgesehenen
Arbeitszeit zu einem entsprechend höheren Lohn dem Interesse des Arbeitnehmers
im Zweifelsfall eher entspricht als die im GAV vorgesehene Regelung, sofern
beim Abschluss des Einzelarbeitsvertrags kein Druck auf den Arbeitnehmer
ausgeübt wurde und dieser sich der im GAV vorgesehenen Regelung bewusst war
(VISCHER/ALBRECHT, a.a.O., N. 27 zu Art. 357 OR).

Der Beschwerdeführer spricht sich für einen Einzelvergleich aus, da bezüglich
der sich beim Gruppenvergleich stellenden Frage der sachlogisch eng
zusammenhängenden Bestimmungen, die zu einer Gruppe zusammengefasst werden
dürfen, in der Rechtsprechung grosse Verwirrung herrsche. Dem kann zumindest
für die vorliegende Angelegenheit nicht beigepflichtet werden. Von einem engen
Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Verdienst ist schon in BGE 116 II 69 und
auch im Urteil 4C.67/2005 vom 4. Mai 2005, welchem ein vergleichbarer
Sachverhalt zugrunde liegt, ausgegangen worden. Es werden keine stichhaltigen
Gründe vorgebracht, weshalb der vorliegende Fall anders behandelt werden
sollte. Unklar bleibt schliesslich auch, welche Vorteile sich für den
Beschwerdeführer aus dem von ihm favorisierten Einzelvergleich ergeben. Er
erachtet es als offensichtlich, dass die Abrede, wonach er wöchentlich
regelmässig vier Stunden Mehrarbeit leisten müsse, "ohne dafür eine besondere
Vergütung zu erhalten", im Rahmen eines Einzelvergleichs nichtig wäre, "selbst
wenn sie tatsächlich zustande gekommen wäre". Dabei lässt er allerdings
wiederum unberücksichtigt, dass eine Herabsetzung der Arbeitszeit von
anfänglich 45 Wochenstunden auf die 41 Wochenstunden gemäss GAV per 1. Februar
2003 auch eine Lohnreduktion im Rahmen einer Änderungskündigung nach sich
gezogen hätte. Seine Hypothese erweist sich als Trugschluss, da der Mehrarbeit
auch bei einem Einzelvergleich ein entsprechender Verdienst gegenübersteht. Es
erübrigt sich daher an dieser Stelle, auf die in der Beschwerde mehrfach
zitierte Literaturmeinung von WOLFGANG PORTMANN (Einzelvergleich oder
Gruppenvergleich?, ARV 2009 S. 185; vgl. DERSELBE in: Basler Kommentar,
Obligationenrecht I, 5. Aufl. 2011, N. 41 zu Art. 357 OR) einzugehen, wonach
die Rechtsprechung einen Übergang zum Einzelvergleich zu vollziehen habe.

6.
Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Rügen vermögen zusammenfassend an der
vorinstanzlich bestätigten Ablehnung eines Anspruchs auf
Überstundenentschädigung nichts zu ändern.

7.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Gerichtskosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Für die Gerichtskosten
kommt ein reduzierter Ansatz zur Anwendung, da es sich um eine Streitigkeit aus
einem Arbeitsverhältnis mit einem Streitwert bis zu Fr. 30'000.-- handelt (Art.
65 Abs. 4 lit. c BGG). Der Beschwerdeführer hat der anwaltlich vertretenen
Beschwerdegegnerin deren Parteikosten für das bundesgerichtliche Verfahren zu
ersetzen (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Der Beschwerdeführer hat die Beschwerdegegnerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2'500.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Schwyz, 1. Zivilkammer,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. Juni 2012

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Klett

Die Gerichtsschreiberin: Berger Götz