Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.62/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_62/2011

Urteil vom 20. Mai 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichterinnen Rottenberg Liatowitsch, Kiss,
Gerichtsschreiberin Hotz.

Verfahrensbeteiligte
X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwältin Anita Hug,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Karl Gehler,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Konkurrenzverbot,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Zivilgericht,
1. Kammer,
vom 7. Dezember 2010.
Sachverhalt:

A.
A.________ (Beschwerdegegner) trat per 1. Juli 2004 in den Dienst der
X.________ AG (Beschwerdeführerin) ein; zu 50 % für "Sachbearbeitung,
Administration, Verkauf und Einkauf im Innendienst" und zu 50 % für "Verkauf im
Aussendienst in der Natursteinindustrie, Bauindustrie, andere Industrien". Der
Arbeitsvertrag vom 20. Oktober 2004 enthält eine "Konkurrenzklausel" mit
folgendem Wortlaut:

"Herr A.________ verpflichtet sich, nach Beendigung dieses Arbeitsvertrages
während drei Jahren (Art. 340a OR), sich jeder konkurrenzierenden Tätigkeit zu
enthalten, insbesondere weder auf eigene Rechnung ein Geschäft zu betreiben,
das mit dem des Arbeitgebers in Wettbewerb steht, noch in einem solchen
Geschäft tätig zu sein oder sich daran zu beteiligen (Art. 340 OR).
Bei Uebertretung des Konkurrenzverbotes durch den Arbeitnehmer schuldet dieser
dem Arbeitgeber eine Konventionalstrafe in der Höhe des vorjährigen
Jahressalärs, jedoch nicht mehr als CHF 100'000.--. Auch nach Leistung der
Konventionalstrafe bleibt der Arbeitnehmer für weiteren Schaden ersatzpflichtig
(Art. 340b OR)."

Am 25. März 2008 kündigte der Beschwerdegegner das Arbeitsverhältnis, welches
am 31. Mai 2008 endete.

Der Beschwerdegegner begann am 1. Januar 2009 als Aussendienstmitarbeiter für
die Firma Y.________ GmbH, in der Schweiz tätig zu werden.

B.
Am 30. April 2009 belangte die Beschwerdeführerin den Beschwerdegegner beim
Arbeitsgericht Baden wegen Verletzung des Konkurrenzverbotes auf Bezahlung von
Fr. 100'000.-- und allfälligen über die Konventionalstrafe hinausgehenden
Schaden. Ausserdem beantragte sie die Feststellung der Verletzung des
Konkurrenzverbots sowie die definitive Rechtsöffnung über Fr. 100'000.-- in der
angehobenen Betreibung gegenüber dem Beschwerdegegner.

An der Vermittlungsverhandlung vor dem Arbeitsgerichtspräsidium Baden vom 6.
Juli 2009 vereinbarten die Parteien gemäss dem zu jenem Zeitpunkt geltenden §
378 i.V.m. § 364 aZPO/AG, dass die Streitsache an das Obergericht des Kantons
Aargau zu überweisen sei. Das Verfahren vor Arbeitsgericht wurde mit Verfügung
des Präsidenten vom 6. Juli 2009 als erledigt abgeschrieben.
Das Obergericht wies die Klage mit Urteil vom 7. Dezember 2010 ab.

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen beantragt die Beschwerdeführerin dem
Bundesgericht, das Urteil des Obergerichts aufzuheben und festzustellen, dass
der Beschwerdegegner das Konkurrenzverbot verletzt habe. Zudem sei der
Beschwerdegegner zu verpflichten, eine Konventionalstrafe von Fr. 100'000.-- zu
leisten, und es sei der Beschwerdeführerin für den gleichen Betrag die
definitive Rechtsöffnung zu erteilen. Der Beschwerdegegner beantragt, die Klage
abzuweisen. Das Obergericht verzichtete auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Das angefochtene Urteil des Obergerichts ist ein verfahrensabschliessender
Endentscheid (Art. 90 BGG) einer letzten kantonalen Instanz (Art. 75 Abs. 1
BGG). Der Umstand, dass das Obergericht nicht als Rechtsmittelinstanz
entschied, hindert das Eintreten auf die Beschwerde nicht, da der angefochtene
Entscheid vom 7. Dezember 2010 noch im Jahre 2010 eröffnet wurde (vgl. Art. 405
Abs. 1 ZPO dazu BGE 4A_80/2011 vom 31. März 2011 E. 2 und BGE 4A_108/2011 vom
19. April 2011 E. 2). In diesem Zeitpunkt lief die Frist zum Erlass der
kantonalen Ausführungsvorschriften noch (Art. 130 Abs. 2 BGG). Ausserdem war
die Klage mit einem Streitwert von Fr. 100'000.-- mit Zustimmung der Parteien
an das Obergericht überwiesen worden (Art. 75 Abs. 2 lit. c BGG). Damit liegt
auch der erforderliche Streitwert für arbeitsrechtliche Fälle vor (Art. 74 Abs.
1 lit. a BGG). Unter Vorbehalt einer rechtsgenüglichen Begründung (Art. 42 Abs.
2 und Art. 106 Abs. 2 BGG) ist auf die Beschwerde einzutreten.

2.
Nach Art. 340 Abs. 1 OR kann sich der handlungsfähige Arbeitnehmer gegenüber
dem Arbeitgeber schriftlich verpflichten, nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses sich jeder konkurrierenden Tätigkeit zu enthalten,
insbesondere weder auf eigene Rechnung ein Geschäft zu betreiben, das mit dem
des Arbeitgebers in Wettbewerb steht, noch in einem solchen Geschäft tätig zu
sein oder sich daran zu beteiligen. Das Konkurrenzverbot ist nach Abs. 2 nur
verbindlich, wenn das Arbeitsverhältnis dem Arbeitnehmer Einblick in den
Kundenkreis oder in Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse gewährt und die
Verwendung dieser Kenntnisse den Arbeitgeber erheblich schädigen könnte.
Die Vorinstanz bejahte zwar die Verbindlichkeit des vereinbarten
Konkurrenzverbotes, da der Beschwerdegegner Einblick in den von ihm betreuten
Kundenkreis bekommen hatte. In zeitlicher Hinsicht beschränkte sie das
Konkurrenzverbot aber auf sechs Monate.

Die Vorinstanz ging damit von einer Geltungsdauer des Konkurrenzverbots vom 1.
Juni 2008 (Beendigung des Arbeitsverhältnisses) bis zum 1. November 2008 (recte
30. November 2008) aus. Damit sei die Konkurrenzklausel bereits hinfällig
gewesen, als der Beschwerdegegner am 1. Januar 2009 seine Tätigkeit bei der
Y.________ GmbH aufnahm. Selbst bei einer allfälligen konkurrenzierenden
Tätigkeit wäre damit keine Konventionalstrafe geschuldet. Dementsprechend wies
die Vorinstanz die Klage ab.

Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe damit Bundesrecht verletzt.

3.
3.1 Das Konkurrenzverbot ist nach Ort, Zeit und Gegenstand angemessen zu
beschränken, so dass eine unbillige Erschwerung des wirtschaftlichen
Fortkommens des Arbeitnehmers ausgeschlossen ist (Art. 340a Abs. 1 OR). Ob ein
Konkurrenzverbot als übermässig anzusehen ist, lässt sich immer nur unter
gesamthafter Berücksichtigung seines Umfangs nach Gegenstand, Ort und Zeit
beurteilen. Entscheidend ist, ob das Konkurrenzverbot das wirtschaftliche
Fortkommen des Arbeitnehmers in einer Weise beeinträchtigt, dass es sich durch
die Interessen des Arbeitgebers nicht rechtfertigen lässt (BGE 130 III 353 E. 2
S. 354 f.; 96 II 139 E. 3b). Dabei ist auch zu berücksichtigen, ob der
Berechtigte dem Verpflichteten für das Konkurrenzverbot eine
Karenzentschädigung ausrichtet oder nicht (BGE 130 III 353 E. 2 S. 355; 91 II
372 E. 8b S. 381).

Dass die sachlichen, zeitlichen und geografischen Beschränkungen des
Konkurrenzverbotes stets gesamthaft zu beurteilen sind, bedeutet etwa, dass der
örtliche und der sachliche Geltungsbereich bei einem nur sehr kurz dauernden
Konkurrenzverbot sehr viel grösser sein kann als bei einem länger dauernden.
Ebenso darf das Konkurrenzverbot mehr unterschiedliche Tätigkeiten erfassen,
wenn es örtlich sehr eng begrenzt ist und umgekehrt lässt sich ein weltweites
Konkurrenzverbot eher rechtfertigen, wenn die Tätigkeit sehr eng umschrieben
ist, sodass der Arbeitnehmer ohne Weiteres in andere Tätigkeiten ausweichen
kann (Urteil 4C.44/2002 vom 9. Juli 2002 E. 2).

3.2 Der Richter kann ein übermässiges Konkurrenzverbot unter Würdigung aller
Umstände nach seinem Ermessen einschränken; er hat dabei eine allfällige
Gegenleistung des Arbeitgebers angemessen zu berücksichtigen (Art. 340a Abs. 2
OR). Es handelt sich um eine Billigkeitsentscheidung, die auf objektiver
Interessenabwägung unter Beachtung der Umstände des beurteilten Falles beruht
(Art. 4 ZGB). Ermessensentscheide dieser Art überprüft das Bundesgericht an
sich frei; es übt dabei aber Zurückhaltung und greift nur ein, wenn die
kantonale Instanz von dem ihr zustehenden Ermessen einen falschen Gebrauch
gemacht hat, das heisst, wenn sie grundlos von in Lehre und Rechtsprechung
anerkannten Grundsätzen abgegangen ist, wenn sie Gesichtspunkte berücksichtigt
hat, die keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn sie umgekehrt
rechtserhebliche Umstände ausser Acht gelassen hat. Aufzuheben und zu
korrigieren sind ausserdem Ermessensentscheide, die sich als im Ergebnis
offensichtlich unbillig, als in stossender Weise ungerecht erweisen (BGE 135
III 121 E. 2 S. 123 f.; 133 III 201 E. 5.4 S. 211; 130 II 28 E. 4.1 S. 32; 213
E. 3.1 S. 220, je mit Hinweisen).

3.3 Die Vorinstanz hielt das Konkurrenzverbot in sachlicher Hinsicht für nicht
unangemessen. Es sei nicht vorausgesetzt, schriftlich zu bestimmen, welche
konkreten Tätigkeiten verboten seien. Sie verstand unter dem vertraglich
stipulierten Verbot "jeder konkurrenzierenden Tätigkeit" ein Verbot, für einen
anderen Arbeitgeber mit den gleichen Tätigkeitsgebieten wie denjenigen der
Beschwerdeführerin im Aussendienst tätig zu werden, mithin in der Belieferung
der Natursteinindustrie und von Baufirmen mit Werkzeugen, Maschinen und
insbesondere mit chemisch-technischen Produkten (Klebstoffe, Reinigungsmittel
etc.) zur Steinbearbeitung.

In Bezug auf die geografische Beschränkung enthält die "Konkurrenzklausel"
keine Angaben. Die Vorinstanz begrenzte das Konkurrenzverbot aufgrund von
Partei- und Zeugenbefragungen zu den effektiven Tätigkeitsgebieten des
Beschwerdegegners auf die Ostschweiz (Kantone Schaffhausen, St. Gallen,
Appenzell, Thurgau, Graubünden, Zürich) sowie den Ostteil des Kantons Aargau.

In zeitlicher Hinsicht beschränkte die Vorinstanz das Verbot auf ein halbes
Jahr, weil sie von einer weniger langen Wertbeständigkeit von Kundenkreisen als
von Geschäftsgeheimnissen ausging, womit sich kein längeres Konkurrenzverbot
rechtfertige. Zur Begründung stützte sie sich zum einen auf entsprechende
Lehrmeinungen (u.a. zitiert in nachfolgender Erwägung 4.1.1). Zum anderen erwog
sie sinngemäss, dass die Beschwerdeführerin ihre Kunden nach dem Weggang des
Beschwerdegegners offenbar nicht mehr in der gleichen Art und Intensität
betreut und es insbesondere unterlassen habe, einen Nachfolger einzusetzen,
sodass auch allfällige - nicht bewiesene - Umsatzeinbussen nicht auf eine
Konkurrenzierung des Beschwerdegegners zurückzuführen wären. Nach Ansicht der
Vorinstanz wäre es einem neuen Aussendienstmitarbeiter bei Beibehaltung des
intensiven, d.h. wöchentlichen bis monatlichen, Kontakts, den der
Beschwerdegegner mit den Kunden gepflegt hatte, vielmehr gelungen, innerhalb
von sechs oder sieben Monaten das Vertrauen der Kunden in ihn aufzubauen und
damit die Beziehungen zur Beschwerdeführerin aufrechtzuerhalten. In einer
solchen Situation wäre der Beschwerdegegner bei seinem Wiedereintritt in den
Arbeitsmarkt, am 1. Januar 2009, nicht mehr in der Lage gewesen, der
Beschwerdeführerin Kunden abzuwerben, sodass sich das Konkurrenzverbot nicht in
diesen Zeitraum hinein erstrecken dürfe.

4.
4.1
Die Beschwerdeführerin beanstandet, die Vorinstanz sei zu Unrecht von einem
"Richtwert" für die Schutzdauer eines Kundenkreises von sechs Monaten
ausgegangen. Ein solcher entspreche weder verbreiteter Lehrmeinung noch der
Bundesgerichtspraxis.
4.1.1 In zeitlicher Hinsicht darf ein Konkurrenzverbot nur unter besonderen
Umständen drei Jahre überschreiten (Art. 340a Abs. 1 OR). Das Gesetz stellt
eine Vermutung auf, wonach längere Konkurrenzverbote nicht angemessen sind.
Damit ist aber nicht gesagt, dass kürzere Verbote oder solche von drei Jahren
stets angemessen seien. Entscheidend für die angemessene Dauer des Verbots ist
unter anderem die Art der zu schützenden Kenntnisse. Fabrikations- und
Geschäftsgeheimnisse rechtfertigen regelmässig eine längere Dauer als der
blosse Einblick in einen Kundenkreis (BGE 91 II 372 E. 8a; 61 II 90 E. 2 S.
93). Denn die aus einem solchen gewonnenen Kenntnisse können den früheren
Arbeitgeber regelmässig nur während kurzer Zeit schädigen, nämlich bis der
Arbeitgeber einen neuen Arbeitnehmer bei seiner Kundschaft eingeführt hat;
danach kann der Betroffene seinem früheren Arbeitgeber keine Kunden mehr
abwerben, sondern diesem nur noch durch seine persönlichen Fähigkeiten - die
nicht unter dem Konkurrenzverbot stehen - Schaden zufügen (BGE 91 II 372 E. 8b;
STAEHELIN/VISCHER, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 1996, N. 3 zu Art. 340a OR mit
Hinweisen). Dies korreliert mit Art. 340c Abs. 1 OR, denn das Konkurrenzverbot
fällt dahin, wenn der Arbeitgeber nachweislich kein Interesse mehr hat, es
aufrecht zu erhalten. In der Lehre wird deshalb im Zusammenhang mit Einblicken
in Kundenkreise von einem Richtwert von ungefähr sechs Monaten ausgegangen
(CHRISTOPH NEERACHER, Das arbeitsvertragliche Konkurrenzverbot, 2001, S. 53;
STAEHELIN/VISCHER, a.a.O., N. 16 zu Art. 340 OR, N. 3 zu Art. 340a OR; MANFRED
REHBINDER, Berner Kommentar, 1992, N. 3 zu Art. 340a OR mit Hinweisen; PETER
BOHNY, Das arbeitsvertragliche Konkurrenzverbot, 1989, S. 128; derselbe,
Konkurrenzverbot, in: Geiser/Münch [Hrsg.], Stellenwechsel und Entlassung,
1997, S. 155 f., Fn. 138; vgl. auch die Übersicht bei STREIFF/VON KAENEL, in:
Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR, 6. Aufl. 2006, N. 3 zu Art. 340a OR, mit
weiteren Hinweisen auf kantonale Urteile, auch auf solche, die eine längere
Dauer zum Schutz von Kundenkreisen zulassen; a.A. ROGER RUDOLPH, Fokus
Arbeitsrecht: Sorgenkind Konkurrenzverbot, TREX 2010 S. 88 ff. Fn. 8, der von
einer tauglichen Obergrenze von 18 Monaten ausgeht). Das Bundesgericht hat im
Zusammenhang mit Kundenkontakten ein einjähriges (Urteile 4C.360/2004 vom 19.
Januar 2005 E. 3.3; 4P.167/1995 vom 27. Oktober 1995 E. 3a) und ein 18 Monate
dauerndes (Urteil 4P.335/1994 vom 4. April 1995 E. 3c) Konkurrenzverbot
geschützt. In etwas älteren Entscheiden wurde für Einblicke in Kundenkreise ein
Schutzanspruch von zwei (BGE 91 II 372 E. 8b) und drei Jahren (BGE 96 II 139 E.
3b S. 143 f.; 61 II 90 E. 2 S. 95) anerkannt.
4.1.2 Vorliegend geht es um ein Konkurrenzverbot, das den Einblick in einen
Kundenkreis betrifft. Ist die Vorinstanz für die Wertbeständigkeit des
konkreten Kundenkreises und einer entsprechenden angemessenen Schutzdauer durch
das Konkurrenzverbot von einem halben Jahr als "Richtwert" ausgegangen, so
liegt dieser Wert, im Gegensatz zur Auffassung der Beschwerdeführerin, im
Bereiche dessen, was verbreiteter Lehrmeinung entspricht. Diese sieht
zusammengefasst in jüngerer Zeit für die Schutzdauer eines Kundenkreises einen
Rahmen von wenigen bis 18 Monaten vor, womit eine Schutzdauer von sechs Monaten
grundsätzlich nicht zu beanstanden ist.
4.1.3 Da die zeitliche Begrenzung auf ein halbes Jahr gesamthaft, d.h. im
Lichte der konkreten örtlichen Beschränkung auf die Ostschweiz sowie Teile des
Kantons Aargau und einer nicht existierenden sachlichen Beschränkung zu
beurteilen ist, lässt sich der vorinstanzliche Entscheid namentlich auch im
Hinblick auf die erwähnte bundesgerichtliche Rechtsprechung vertreten. Die
konkreten Umstände lagen jeweils anders als im vorliegenden Fall: So betraf das
einjährige Konkurrenzverbot eines Transportfahrers bloss die Tätigkeit bei drei
Unternehmungen (4C.360/2004) und nicht eine solche in der ganzen Ostschweiz.
Das einjährige Konkurrenzverbot eines Mitarbeiters einer
Stellenvermittlungsfirma unterscheidet sich insofern vom vorliegenden Fall, als
dieser Mitarbeiter zeitgleich mit der Beendigung der Arbeitstätigkeit eine
Konkurrenzfirma errichtet hatte, sodass die Dauer für die Beurteilung
unerheblich war (4P.167/1995). Das Konkurrenzverbot von 18 Monaten betraf
schliesslich die Tätigkeiten eines Ingenieurs und keines jungen
Aussendienstmitarbeiters ohne branchenspezifische Ausbildung (4P.335/1994).
Auch das dreijährige Konkurrenzverbot nach BGE 96 II 139 bezog sich auf einen
leitenden Angestellten, und das zweijährige Konkurrenzverbot nach BGE 91 II 372
betraf in räumlicher Hinsicht wiederum bloss die Kantone Ob- und Nidwalden.

Es kann insoweit nicht davon gesprochen werden, dass die Vorinstanz von in
Lehre und Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abgewichen wäre.

4.2 Was die Beschwerdeführerin darüber hinaus gegen die Schutzdauer von sechs
Monaten einwendet, verfängt nicht, soweit darauf einzutreten ist:
4.2.1 Sie beanstandet, dass es sich bei ihrer Unternehmung nicht um einen
gewöhnlichen Geschäftsbetrieb, wie eine Autogarage, eine Bäckerei oder einen
Industriebetrieb handle. Vielmehr sei sie in einem sehr beschränkten
Marktsegment, der steinbearbeitenden Industrie, tätig, weshalb nicht von einer
weniger langen Wertbeständigkeit von Kundenkreisen als von
Geschäftsgeheimnissen ausgegangen werden könne; ihre Kundenbindung sei stärker
zu gewichten.
Es ist nicht festgestellt, dass die Beschwerdeführerin in einem spezialisierten
Markt, den nur wenige Unternehmungen in der Schweiz bedienen, tätig ist. Die
Beschwerdeführerin unterlässt es, hierzu eine begründete Sachverhaltsrüge zu
erheben, mit der sie eine Ergänzung des vorinstanzlichen Sachverhalts verlangen
und begründen würde, warum diese für den Ausgang des Verfahrens
entscheiderheblich sei (Art. 97 Abs. 1 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.2.2). Auf
dieses Vorbringen kann daher nicht abgestellt werden und die Beschwerdeführerin
ist mit ihrer darauf aufgebauten Argumentation nicht zu hören.

Es ist auch nicht ersichtlich, wieso für den Markt der steinbearbeitenden
Industrie, was die Unterscheidung der Wertbeständigkeit von
Geschäftsgeheimnissen und Kenntnissen über Kunden (vgl. Erwägung 4.1.1)
anbelangt, etwas anderes gelten soll als für den Markt der Autoindustrie oder
der Bäckereien. Es bleibt auch in der steinbearbeitenden Industrie ein
Unterschied, ob der Beschwerdegegner Kenntnisse über ein Fabrikations- oder
Geschäftsgeheimnis, wie beispielsweise eine "Schleifmethode" oder über die
Bedienung einer speziellen Maschine, oder ob er Kenntnisse über Kunden gewonnen
hat, die z.B. Klebstoff für Natursteine kaufen. Auch in dieser Branche dürfte
es relativ rasch möglich sein, durch den Einsatz eines neuen
Aussendienstmitarbeiters die Kundentreue zu erhalten. Jedenfalls legt die
Beschwerdeführerin nicht begründet dar, wieso dies auf ihren Markt nicht
zutreffen soll.

Selbst wenn von einer längeren marktspezifischen Schutzdauer für die
Kundendaten der Beschwerdeführerin ausgegangen würde, schränkte umgekehrt ein
kleiner und spezialisierter Markt den Beschwerdegegner umso stärker in seiner
wirtschaftlichen Freiheit ein. Das müsste bei der gesamthaften Beurteilung
ebenfalls berücksichtigt werden, weshalb die Beschwerdeführerin aus diesem
Argument keine Verlängerung des Konkurrenzverbots ableiten kann.
4.2.2 Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang behauptet, in ihrer
Branche sei aufgrund der speziellen "Kenntnisse" und "Kundenbedürfnisse" eine
längere Einarbeitungsphase nötig, um einen Nachfolger einzuarbeiten, zumindest
neun Monate oder noch länger, ergänzt sie den im angefochtenen Urteil
festgestellten Sachverhalt in unzulässiger Weise und ist nicht zu hören. Indem
sie bloss auf die Vorakten verweist, erhebt sie dazu keine taugliche
Sachverhaltsrüge (vgl. dazu Erwägung 4.2.1).
4.2.3 Die Beschwerdeführerin beanstandet sodann, dass die Art der
Kundenbetreuung nach dem Weggang eines Angestellten durch den alten Arbeitgeber
und der dadurch allenfalls entstandene Umsatzrückgang, welcher der
Arbeitgeberin zuzuschreiben sei, nicht relevant sein könnten für die Frage, ob
und wie lange nach Auflösung des Anstellungsverhältnisses ein Konkurrenzverbot
noch Gültigkeit habe.
Dem kann nicht gefolgt werden. Die relativ kurze Schutzdauer für Einblicke in
Kundenkreise trägt nach Lehre und Rechtsprechung (Erwägung 4.1.1) dem Umstand
Rechnung, dass unter normalen Umständen ein Nachfolger eines
Aussendienstmitarbeiters in der Lage ist, den Kundenstamm des Vorgängers innert
relativ kurzer Zeit zu übernehmen, womit danach regelmässig kein
Schädigungspotenzial und damit auch kein Interesse mehr an der
Aufrechterhaltung des Konkurrenzverbotes besteht.
Die Vorinstanz hielt fest, dass die Beschwerdeführerin es für 6-7 Monate nach
dem Weggang des Beschwerdegegners unterlassen hatte, einen Nachfolger
einzusetzen, weshalb allfällige Umsatzeinbussen ihr selber zuzuschreiben seien
und kein längeres Konkurrenzverbot, als eines von sechs Monaten gerechtfertigt
sei. Diese Auffassung ist nicht zu beanstanden und wird von der
Beschwerdeführerin auch nicht rechtsgenüglich als bundesrechtswidrig gerügt.
Namentlich vermag sie auch angebliche Widersprüche in der Argumentation der
Vorinstanz nicht nachvollziehbar aufzuzeigen. Die Beschwerdeführerin hatte
vielmehr ab Beendigung des Arbeitsverhältnisses sieben Monate, bzw. ab
Zeitpunkt der Kündigung des Beschwerdegegners gerechnet, neun Monate Zeit
gehabt, um bei ihrem Kundenkreis einen Nachfolger einzuführen. Wäre ein solcher
in diesem Zeitraum eingesetzt worden, so wäre ein Konkurrenzverbot nach der
Einarbeitungszeit mangels Interesses weggefallen (Art. 340c OR), weil
allfällige Kundenabwerbungen danach den persönlichen Fähigkeiten des
Beschwerdegegners zuzuschreiben wären, die unbestrittenermassen nicht
Gegenstand des Konkurrenzverbots sind.
4.2.4 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, dass ihre Umsatzeinbussen
erst zu dem Zeitpunkt entstanden seien, als der Beschwerdegegner wieder in den
Arbeitsmarkt eingetreten sei (Januar 2009), so ist dies nach dem vorstehend
Ausgeführten nicht entscheidrelevant. Zudem wiederholt sie damit bloss, was sie
schon vorinstanzlich behauptet und nicht bewiesen hat. Sie unterlässt es, dazu
eine zulässige Sachverhaltsrüge zu erheben, sondern beschränkt sich auf einen
blossen Verweis auf die Vorakten, womit auf diese Rüge ohnehin nicht
eingetreten werden kann.

4.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz ihr Ermessen nicht falsch ausgeübt, wenn
sie von einer Wertbeständigkeit und einer entsprechenden Schutzdauer des
konkreten Kundenkreises von sechs Monaten ausging und das Konkurrenzverbot
gesamthaft auf ein halbes Jahr beschränkte.

Die Geltungsdauer des Konkurrenzverbots begann somit am 1. Juni 2008 mit der
Beendigung des Arbeitsverhältnisses und endete am 30. November 2008. Zum
Zeitpunkt, als der Beschwerdegegner seine neue Stelle antrat, war das
Konkurrenzverbot damit bereits hinfällig, womit auch keine Konventionalstrafe
geschuldet ist.

4.4 Bei dieser Rechtslage erübrigt es sich zu prüfen, ob das Konkurrenzverbot
allenfalls von Anfang an ungültig war, wie der Beschwerdegegner geltend macht.
Es erübrigt sich ebenfalls, auf die von der Beschwerdeführerin beanstandete
geografische Einschränkung des Konkurrenzverbotes auf die Ostschweiz
einzugehen.

5.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei
diesem Verfahrensausgang wird die Beschwerdeführerin kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 5'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 6'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Zivilgericht, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 20. Mai 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Klett Hotz