Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.753/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_753/2011

Urteil vom 16. Juli 2012
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly, Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Gelzer.

Verfahrensbeteiligte
X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Martin Neese,
Beschwerdeführerin,

gegen

Y.________ Tbk,
vertreten durch Rechtsanwalt Paul Bürgi,
Beschwerdegegnerin,

Z.________ Lebensversicherungsgesellschaft,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christian E. Benz,
Nebenintervenientin.

Gegenstand
Kaufvertrag,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug, I.
Zivilabteilung, vom 8. November 2011.

Sachverhalt:

A.
Am 14. April 1997 schloss die X.________ AG (Verkäuferin) mit Sitz in
A.________/ZG mit der Y.________ Tbk (Käuferin), einer in Jakarta domizilierten
Aktiengesellschaft indonesischen Rechts, einen Vertrag (nachstehend:
Agreement), der von J.________, Verwaltungsratspräsident der Verkäuferin, und
von K.________, Verwaltungsratspräsident der Käuferin, unterzeichnet wurde. Das
Agreement hatte den Verkauf der kompletten Spinnerei Q.________, bestehend aus
den im Schätzungsbericht von L.________ vom 30. Juni 1995 aufgeführten
Gegenständen, sowie den Ventilatoren und dem Klimaanlagesystem, soweit es sich
vernünftigerweise entfernen liess, und deren Wiederaufbau in Indonesien zum
Gegenstand. Der Kaufreis betrug CHF 17'300'000.--, zahlbar in Raten von 5, 10,
75 und 10 %. Am gleichen Tag unterzeichnete J.________ folgenden von ihm
handschriftlich verfassten Zusatz zum Agreement:
"CFS 7'000'000.-- are on favour of Y.________ based on the overcharge from CFS
10'3000'000.-- net amount receivable for X.________, and the official amount of
CFS 17'3000'000.--.
Contract of the 14.4.1997 concerning the X.________-Plant Q.________ sold on
this day to Y.________.
Charges for this difference are payable by Y.________ but advanced to the bank
by X.________ AG."
Nachdem die Verkäuferin die erste Kaufpreisrate von CHF 865'000.-- bezahlt
hatte, veranlasste die Verkäuferin gestützt auf den Zusatz zum Agreement am 24.
April 1997 die Überweisung von CHF 350'000.-- auf das Konto von K.________ bei
der Bank R.________ in Frankfurt am Main. Nach Erhalt der zweiten Kaufpreisrate
in der Höhe von CHF 1'730'000.-- schrieb sie K.________ am 10. Juni 1997
weitere CHF 700'000.-- gut.
Nach Verschiebung des im Agreement auf Ende Dezember 1997 vorgesehenen
letztmöglichen Verschiffungstermins informierte die Verkäuferin mit Schreiben
vom 7. Mai 1998 die Käuferin darüber, dass die erste Ladung am 25. Mai 1998,
die zweite Ladung am 6. Juni 1998 und die dritte Ladung am 22. oder 29. Juni
1998 ab Antwerpen verschifft werde.
Zur Tilgung der dritten Kaufpreisrate von CHF 12'957'000.-- hatte die Käuferin
bei der Bank S.________ Jakarta ein Akkreditiv eröffnen lassen, das von der
Käuferin am 10. Juni, 26. Juni und 13. Juli 1998 unter Vorlage der
erforderlichen Verschiffungsdokumente in Anspruch genommen wurde.
Mit Zessionsvereinbarung vom 5. Juni 1998 trat die Käuferin ihre Rechte und
Pflichten aus dem Agreement an die W.________ (Zessionarin) ab. Diese liess im
August 1998 die Verkäuferin hinsichtlich der dritten Kaufpreiszahlung unter
Berufung auf die im Zusatz zum Agreement statuierte Rückzahlungsverpflichtung
über CHF 5'250'000.-- nebst Zins betreiben, wogegen die Verkäuferin
Rechtsvorschlag erhob. Ein Gesuch der Zessionarin um provisorische
Rechtsöffnung hat das Kantonsgerichtspräsidium Zug am 24. Juni 1999 und auf
Beschwerde hin die Justizkommission des Obergerichts des Kantons Zug am 17.
Dezember 1999 abgewiesen.

B.
Mit Klage vom 16. November 2001 stellte die Zessionarin dem Kantonsgericht Zug
in Ziff. 1 die Begehren, die Verkäuferin (Beklagte) auf Zahlung von
(a-d) CHF 5'250'000.-- nebst Zins als teilweise Rückerstattung der dritten
Kaufpreisrate gemäss dem Zusatz zum Agreement,
(e) CHF 2'319'148.20 nebst Zins als Ersatz der Summe von USD 1'345'862.--,
welche die Klägerin zur Ersatzbeschaffung der in einer Auflistung ("Details of
Shortages") genannten nicht gelieferten Vertragsgegenstände habe aufwenden
müssen,
(f) CHF 10'340.20 nebst Zins als Entschädigung für den Arbeitsaufwand von 120
Stunden zur Beschaffung der nicht gelieferten Bestandteile,
(g) CHF 5'629'544.95 nebst Zins als Verzögerungsschaden für die Zeit zwischen
November 1998 und Juni 1999 und
(h) CHF 863'196.40 nebst Zins als Ersatz des Verzögerungsschadens für die Zeit
von Juli bis 31. Dezember 1999 zu verpflichten.
Die Verkäuferin (Beklagte) beantragte die Abweisung der Klage. Zur Begründung
brachte sie namentlich vor, die Forderung gemäss Ziff. 1 lit. a-d betreffe eine
rechtswidrige und damit verjährte Schwarzgeldzahlung an K.________. Die
Forderungen gemäss Ziff. 1 lit. e-h seien gemäss Art. 210 OR verjährt. Sodann
stellte die Beklagte den eingeklagten Forderungen verschiedene Gegenforderungen
zur Verrechnung gegenüber, namentlich die noch ausstehende Kaufpreisrate von
CHF 1'730'000.--.
Beide Parteien verkündeten den T.________ Versicherungen, nunmehr Z.________,
den Streit, die mit Verfügung des Referenten vom 23. Januar 2002 als
Nebenintervenientin zugelassen wurde.
Im Sommer 2003 gingen die Rechte und Pflichten der Zessionarin infolge ihrer
Fusion mit der Käuferin auf diese über, welche damit als Klägerin in den
Prozess eintrat.
Das Kantonsgericht kam zum Ergebnis, die Beklagte schulde der Klägerin aus dem
Zusatz zum Agreement die Rückerstattung des sich auf CHF 5'250'000.--
belaufenden Anteils der dritten Kaufpreisrate nebst Zins. Da die Beklagte nicht
habe beweisen können, dass sie sämtliche geschuldeten Anlageteile geliefert
habe, sei davon auszugehen, die Lieferung sei gemäss den Angaben der Klägerin
unvollständig gewesen. Diese habe die von ihr behaupteten Deckungskäufe nicht
nachgewiesen, weshalb ihr Schadenersatzanspruch gemäss Art. 76 CISG nach dem
gutachtlich auf CHF 655'146.-- festgesetzten Marktpreis der nicht gelieferten
Teile zu bestimmen sei. Allerdings habe sich die Klägerin einen Zinsanspruch
der Beklagten von CHF 64'208.35 sowie die noch ausstehende
Nettokaufpreisforderung von CHF 1'030'000.-- nebst Zins anrechnen zu lassen.
Entsprechend verpflichtete das Kantonsgericht die Beklagte mit Urteil vom 14.
Dezember 2009, der Klägerin CHF 5'250'000.-- nebst Zins zu 5 % auf CHF
2'059'130.70 seit 10. Juni 1998, auf CHF 1'458'831.65 seit 26. Juni 1998 und
auf CHF 1'705'037.65 seit 13. Juli 1998, abzüglich CHF 64'208.35 und abzüglich
CHF 374'854.-- (CHF 1'030'000.-- minus CHF 655'146.--) nebst Zins zu 5 % seit
24. Januar 2000 zu bezahlen. Das Obergericht des Kantons Zug wies eine dagegen
gerichtete Berufung am 8. November 2011 ab.

C.
Die Beklagte (Beschwerdeführerin) erhebt Beschwerde in Zivilsachen mit den
Anträgen, das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug vom 8. November 2011
aufzuheben und die Klage vollumfänglich abzuweisen. Eventuell sei die Sache zu
neuer Entscheidung an das Obergericht zurückzuweisen.
Die Klägerin (Beschwerdegegnerin) schliesst auf Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf einzutreten sei, eventuell auf Rückweisung der Sache zu neuer
Entscheidung an die Vorinstanz. Das Obergericht beantragt, die Beschwerde
abzuweisen.
Die Beschwerdeführerin hat eine Replik und die Beschwerdegegnerin eine Duplik
eingereicht.

Erwägungen:

1.
1.1 Da die Sachurteilsvoraussetzungen gegeben sind, ist auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.

1.2 Mit Beschwerde in Zivilsachen kann insbesondere die Verletzung von Bundes-
und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 lit. a und b BGG).

1.3 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des
Sachverhaltes kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist
oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die
Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann
(Art. 97 Abs. 1 BGG). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet dabei "willkürlich" (
BGE 133 II 249 E. 1.2.2 S. 252).

2.
2.1 Die Vorinstanz beurteilte das Agreement vom 14. April 1997 nach dem
Übereinkommen der Vereinten Nationen über Verträge über den internationalen
Warenkauf vom 11. April 1980 (CISG; SR 0.221.211.1) und führte aus, für die
darin nicht geregelten Fragen sei auf das schweizerische Obligationenrecht
zurückzugreifen.

2.2 Dem ist beizupflichten. Die Parteien haben ihre Niederlassung in
verschiedenen Staaten (Art. 1 Abs. 1 CISG), und der Sitz der Verkäuferin,
welche die charakteristische Leistung erbringt, liegt in der Schweiz, deren
Recht nach den Regeln des internationalen Privatrechts zur Anwendung kommt (Art
118 IPRG i.V.m. Art. 3 des Haager Übereinkommens vom 15. Juni 1955 betreffend
das auf internationale Kaufverträge über bewegliche körperliche Sachen
anzuwendende Recht [SR 0.221.211.4]). Dies führt, da die Schweiz Vertragsstaat
des CISG ist, zu dessen Anwendbarkeit (Art. 1 Abs. 1 lit. b CISG). Diese ist
nicht deshalb ausgeschlossen, weil die bei der Übergabe beweglichen Waren am
Bestimmungsort mit einem Grundstück verbunden werden sollten (CHRISTOPH
BRUNNER, UN-Kaufrecht - CISG, 2004, N. 4 zu Art. 3 CISG; FRANCO FERRARI, in:
Kommentar zum Einheitlichen UN-Kaufrecht, Ingeborg Schwenzer [Hrsg.], 5. Aufl.
2008, N. 34 zu Art. 1 CISG). Auch die von den Parteien vereinbarten
Montagepflichten schliessen die Anwendung des CISG nicht aus, da sie dem Wert
nach nicht den überwiegenden Teil der Pflichten der Beschwerdeführerin als
Verkäuferin darstellten (Art. 3 Abs. 2 CISG; BRUNNER, a.a.O., N. 11 zu Art. 3
CISG).

3.
3.1 Im kantonalen Verfahren brachte die Beschwerdegegnerin vor, die im Zusatz
zum Agreement vorgesehenen Rückzahlungen von CHF 7 Mio. an sie seien zur
Anlegung von Devisenreserven in Umgehung von Devisenausfuhrbestimmungen erfolgt
und an K.________ als Zahlungsempfänger ausgerichtet worden. Demgegenüber ging
die Beschwerdeführerin davon aus, im Zusatz sei eine rechtswidrige
Schwarzgeldzahlung an die Familie K.________ vereinbart worden, welche die CHF
7 Mio. für sich aus ihrer Firma habe herausnehmen wollen.

3.2 Das Obergericht erwog, aus dem Wortlaut des Zusatzes zum Agreement ergebe
sich, dass der offizielle Kaufpreis CHF 17.3 Mio. betrage. Davon seien CHF 10.3
Mio. für die Beschwerdeführerin bestimmt, während die Differenz von CHF 7 Mio.
- basierend auf einer Überfakturierung - der Beschwerdegegnerin zustehen soll.
Auch aus den Umständen des Vertragsschlusses und dem späteren Verhalten der
Parteien könne nicht geschlossen werden, diese hätten in Abweichung vom
Wortlaut des Zusatzes eine Schwarzgeldvereinbarung zwischen der Familie
K.________ und der Beschwerdeführerin gewollt. Vielmehr habe der Zusatz zum
Agreement die Verpflichtung der Beschwerdeführerin statuiert, der
Beschwerdegegnerin einen Teil des Kaufpreises von CHF 17.3 Mio.
zurückzuerstatten. Zwar seien die gestützt auf den Zusatz zum Agreement
erfolgten ersten beiden Zahlungen der Beschwerdeführerin auf ein Konto von "Mr.
K.________" bezahlt worden. Dies lasse sich jedoch damit erklären, dass die
Beschwerdegegnerin keinen Transfer nach Indonesien wünschte, um ein
"Einfrieren" des Geldes durch den indonesischen Staat zu verhindern. Da es sich
beim Zusatz zum Agreement um eine geheime Vereinbarung gehandelt habe, die
weder gegenüber den Banken noch dem zum Schiedsrichter ernannten M.________
offengelegt worden sei, hätten die Parteien im Zusatz nicht die
Beschwerdegegnerin als Gläubigerin der CHF 7 Mio. bezeichnet, wenn es in
Wahrheit um eine Zahlung an K.________ persönlich gegangen wäre. Zudem habe die
Beschwerdegegnerin verlangt, den auf die dritte Kaufpreisrate entfallenden
Rückerstattungsbetrag auf ein auf sie lautendes Konto zu überweisen. Dass
dieses Konto bei einer Bank in Indonesien geführt wurde, lege nahe, dass die
Beschwerdegegnerin im Ausland über keine Bankkonten verfügt habe. Dies würde
erkläre, weshalb die Beschwerdegegnerin, die auf die ersten beiden
Kaufpreisraten entfallenden Rückerstattungsbeträge auf ein Konto der Familie
K.________ habe überwiesen lassen. Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin
hätte die teilweise Rückerstattung des Kaufpreises nicht zwingend Spuren in der
Buchhaltung der Beschwerdegegnerin hinterlassen müssen, zumal dieser daran
gelegen gewesen sei, die Rückerstattung gegenüber den zuständigen staatlichen
Stellen zu verschweigen. Zudem habe die Depotverwaltung der Bank R.________ am
5. November 1998 der Beschwerdegegnerin den Eingang der Zahlungen auf dem Konto
von K.________ angezeigt. Demnach sei nicht nachvollziehbar, wie die
Klageeinleitung durch die W.________ im Jahre 2001 hätte dazu führen sollen,
K.________ weiterhin zu ermöglichen, das von der Beschwerdeführerin bezahlte
Geld (schwarz) für sich zu behalten.

3.3 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe gegen das Willkürverbot
gemäss Art. 9 BV verstossen, indem sie verneint habe, dass sich der wirkliche
Wille der Parteien beim Abschluss des Zusatzes auf die Vereinbarung einer
Schwarzgeldzahlung gerichtet habe. Mit den Zahlungen auf ein privates Konto von
K.________ habe die Beschwerdegegnerin nicht in den Besitz ausländischer
Währungsreserven gelangen können, da die Vorinstanz offen gelassen habe, ob und
wie er darüber mit der Beschwerdegegnerin abgerechnet habe. Eine fehlende
Weiterleitung würde beweisen, dass die im Zusatz genannten Zahlungen die
Beschwerdegegnerin geschädigt hätten. Ferner hätten die Parteien bzw.
K.________ allen Grund gehabt, den wirklichen Willen im Zusatz zum Agreement zu
verbergen, da allgemein bekannt sei, dass unzulässige Vereinbarungen wenn immer
möglich verschleiert und Schwarzzahlungen an den Verwaltungsratspräsidenten zum
Nachteil der Gesellschaft nicht ausdrücklich als solche bezeichnet würden.
Demnach sei dem Wortlaut des geheimen Zusatzes zum Agreement bei der Ermittlung
des wirklich Gewollten kein wichtiger Stellenwert beizumessen. Einzig die
praktische Umsetzung des Zusatzes zum Agreement durch darin nicht genannte
Zahlungen an K.________ vermöge plausibel zu erklären, weshalb es neben dem
Kaufvertrag einer geheimen Zusatzvereinbarung bedurft habe.

3.4 Die richterliche Beweiswürdigung im Sinne der Beurteilung der Beweiskraft
der angebotenen Beweismittel wird vom CISG nicht geregelt und richtet sich nach
dem Prozessrecht der lex fori (KOLLER/MAUERHOFER, Das Beweismass im
UN-Kaufrecht, in: Festschrift für Ingeborg Schwenzer zum 60. Geburtstag, Bd. 1,
2011, S. 963 ff., 965). Die Beschwerdeführerin kann daher rügen, die
vorinstanzliche Beweiswürdigung verstosse gegen das Willkürverbot gemäss Art. 9
BV. Die Beweiswürdigung ist erst dann willkürlich, wenn das Sachgericht den ihm
dabei zustehenden erheblichen Ermessensspielraum überschreitet, indem es zum
Beispiel erhebliche Beweise übersieht oder daraus offensichtlich unhaltbare
Schlüsse zeiht (BGE 129 I 8 E. 2.1. S. 9; 120 Ia 31 E. 4b S. 40; je mit
Hinweisen).

3.5 Hätte sich K.________, wie von der Beschwerdeführerin behauptet, mit dem
Zusatz zum Agreement eine Schwarz- oder Schmiergeldzahlung für sich selbst zu
Lasten der Beschwerdegegnerin zusichern lassen wollen, hätte er den Zusatz und
die entsprechenden Zahlungen dieser gegenüber geheim halten müssen. Dies hat er
jedoch nicht getan, was sich daraus ergibt, dass sich die Beschwerdegegnerin
auf den Zusatz zum Agreement beruft und dabei nur den Teil der vereinbarten
Rückzahlungen verlangt, der nicht bereits an K.________ bezahlt wurde. Die
Beschwerdeführerin bestreitet auch nicht, dass die Beschwerdegegnerin ein
Interesse an der Umgehung von Devisenausfuhrbeschränkungen und entsprechend
auch an der Verheimlichung im Ausland gelegener Devisen in der Buchhaltung
haben konnte. Unter diesen Umständen ist die Vorinstanz nicht in Willkür
verfallen, wenn sie - unabhängig davon, ob die gestützt auf den Zusatz zum
Agreement erfolgten Zahlungen in der Buchhaltung der Beschwerdegegnerin genannt
wurden und unabhängig davon, wie diese mit K.________ abgerechnet hatte -
annahm, aus dem Verhalten der Parteien nach Vertragsschluss könne nicht
geschlossen werden, der wirkliche Wille der Parteien hätte sich auf den
Abschluss einer Schwarzgeldvereinbarung zwischen der Familie K.________ und der
Beschwerdeführerin bezogen.

3.6 Der Annahme der Vorinstanz, die Beschwerdegegnerin habe im Ausland
möglicherweise über keine Bankkonten verfügt, kommt keine entscheiderhebliche
Bedeutung zu, weshalb auf die dagegen gerichtete Kritik der Beschwerdeführerin
nicht einzutreten ist.

3.7 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, die von der Vorinstanz
vorgenommene objektive Vertragsauslegung sei rechtsfehlerhaft. Auch bei der
Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens sei davon auszugehen, die Parteien
hätten beim Abschluss eines Vertrages damit etwas für sie Sinnvolles gewollt.
Als sachgerecht erscheine insoweit nur die Vereinbarung einer
Schwarzgeldzahlung an K.________, die blosse Rückzahlung dagegen als Leerlauf.
Wäre es der Beschwerdegegnerin um die Umgehung von Devisenbestimmungen
gegangen, wäre nicht die Rückzahlung an die Beschwerdegegnerin, sondern die
Zahlung auf ein Konto im Ausland der entscheidende Punkt gewesen. Dazu fehle
jedoch im Zusatz jede Regelung.

3.8 Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin muss der Umstand, dass im
Zusatz zum Agreement der Zahlungsort für die Rückzahlungen nicht festgelegt
wurde, nicht bedeuten, dieser Zusatz habe nicht die Umgehung von
Devisenausfuhrbestimmungen bezweckt. Die Beschwerdegegnerin liess sich denn
auch die ersten beiden Rückzahlungen, die auf ein Konto in Deutschland
erfolgten, anrechnen. Demnach hat die Vorinstanz auch die Grundsätze der
objektiven Vertragsauslegung gemäss Art. 8 Abs. 2 CISG bei der Auslegung des
Zusatzes zum Agreement nicht verletzt, zumal dieser die Beschwerdegegnerin als
Gläubigerin der Rückzahlungen vorsah.

4.
4.1 Zum Beweis ihrer Behauptung, K.________ habe als Empfänger der im Zusatz
zum Agreement vorgesehen Zahlungen nicht mit der Beschwerdegegnerin abgerechnet
und das Geld für sich behalten, beantragte die Beschwerdeführerin im kantonalen
Verfahren die Edition der Buchhaltung der Beschwerdegegnerin für die Jahre 1997
und 1998 und der Kontounterlagen und Bankkorrespondenz über das Konto, auf
welches die Zahlungen der Beschwerdeführerin erfolgt seien. Die Vorinstanz gab
diesem Begehren nicht statt, da sie annahm, den Beweismitteln fehle die
Beweistauglichkeit, denn selbst wenn die teilweise Rückerstattung des
Kaufpreises in der Buchhaltung der Beschwerdegegnerin nicht ersichtlich wäre,
könnte daraus nicht abgeleitet werden, dass die Zahlungen ohne ihre Kenntnis
erfolgt seien.

4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe der Buchhaltung
der Beschwerdegegnerin ohne sachlichen Grund die Beweistauglichkeit
abgesprochen. Fehle in der Buchhaltung eine Spur der an K.________ geleisteten
Zahlungen, indiziere dies, dass diese nicht an die Beschwerdegegnerin
weitergeleitet worden seien. Auch die zur Edition verlangten Bankunterlagen
über das Konto von K.________ hätten darüber Auskunft geben können, ob das Geld
tatsächlich an die Beschwerdegegnerin weitergeleitet worden sei. Die Vorinstanz
habe daher den Beweisführungsanspruch gemäss Art. 8 ZGB und Art. 29 BV
verletzt, indem sie dem Begehren auf Edition der Kontounterlagen und der
Korrespondenz zwischen der Bank R.________ und K.________ und der Buchhaltung
der Beschwerdeführerin nicht nachgekommen sei.

4.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV verleiht in
Gerichtsverfahren den Parteien das Recht, mit rechtzeitig und formgültig
angebotenen Beweisanträgen gehört zu werden, soweit diese erhebliche Tatsachen
betreffen und nicht offensichtlich beweisuntauglich sind (BGE 136 I 265 E. 3.2
S. 272; 131 I 153 E. 3 S. 157; je mit Hinweisen). Dieses Recht auf Beweis
ergibt sich gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch aus Art. 8 ZGB,
der insoweit für den Bereich des Bundesprivatrechts Art. 29 Abs. 2 BV
konkretisiert (Urteile 4A_264/2011 vom 14. November 2011 E. 3.2; 4A_341/2011
vom 21. März 2012 E. 2.1). Der bundesrechtliche Beweisführungsanspruch
schliesst jedoch die vorweggenommene Beweiswürdigung nicht aus (BGE 129 III 18
E. 2.6 S. 25 mit Hinweisen). Es bleibt dem Sachgericht unbenommen, von
beantragten Beweiserhebungen deshalb abzusehen, weil es sie zum Vornherein
nicht für geeignet hält, die behaupteten Tatsachen zu beweisen, oder weil es
seine Überzeugung bereits aus anderen Beweisen gewonnen hat und davon ausgeht,
weitere Abklärungen vermöchten am massgeblichen Beweisergebnis nichts mehr zu
ändern (BGE 122 III 219 E. 3c S. 223 f. mit Hinweisen). Das Bundesgericht
greift in eine antizipierte Beweiswürdigung nur ein, wenn diese willkürlich und
damit offensichtlich unhaltbar ist (BGE 131 I 153 E. 3 S. 157 mit Hinweisen).

4.4 Da selbst die Beschwerdeführerin das mögliche Fehlen von Spuren der an
K.________ geleisteten Zahlungen in der Buchhaltung der Beschwerdegegnerin
bloss als Indiz für die unterlassene Abrechnung qualifiziert, ist die
Vorinstanz offensichtlich nicht in Willkür verfallen, wenn es die Edition der
Buchhaltung als nicht beweistauglich ansah. Dasselbe gilt bezüglich der
verlangten Bankunterlagen, zumal auch eine Verrechnung denkbar ist, welche
keine Banktransaktion erfordert.

5.
5.1 Weiter rügt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe den das Beweismass
regelnden Art. 8 ZGB verletzt, indem sie bezüglich des Nachweises des
tatsächlichen Willens der Parteien, der als innere Tatsache nicht direkt
bewiesen werden könne, den strikten Beweis verlangt und nicht die überwiegende
Wahrscheinlichkeit habe genügen lassen.

5.2 Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die Vorinstanz die behauptete
Vereinbarung einer Schwarzgeldzahlung an K.________ auch nicht als überwiegend
wahrscheinlich erachtete. Damit kann die in der Lehre umstrittene Frage offen
bleiben, ob bezüglich des Beweismasses die aus Art. 8 ZGB oder die aus dem CISG
abgeleiteten Grundsätze massgebend sind (vgl. dazu BGE 136 III 56 E. 4 S. 58
mit Hinweisen; vgl. auch KOLLER/MAUERHOFER, a.a.O., S. 966 ff.).

6.
6.1 Die Vorinstanz erwog, nachdem der Zusatz zum Agreement nicht als
Schwarzgeldvereinbarung ausgelegt werden könne, sei keine Norm indonesischen
Rechts ersichtlich, welche im Falle ihrer Verletzung die Nichtigkeit der
Vereinbarung nach sich zöge. Im Übrigen habe die Beschwerdeführerin den Schluss
der ersten Instanz, wonach eine Rückerstattungsvereinbarung weder
widerrechtlich noch sittenwidrig sei, nicht angefochten.

6.2 Die Beschwerdeführerin wendet ein, Schwarzgeldzahlungen seien weltweit
unzulässig, Die Nennung einer entsprechenden indonesischen Norm habe sich daher
erübrigt. Auf das Agreement und dessen Zusatz käme zudem nicht indonesisches
Recht, sondern das CISG und für die darin nicht geregelten Fragen das
schweizerische Obligationenrecht zur Anwendung, namentlich Art. 20 OR (Art. 117
IPRG). Da die Beschwerdegegnerin selbst geltend gemacht habe, der Zusatz zum
Agreement habe die Umgehung von Devisenausfuhrbestimmungen bezweckt und daher
in der Buchhaltung verschwiegen werden müssen, liege ein widerrechtliches
Geschäft vor. Sowohl die Schweiz als auch Indonesien seien dem Übereinkommen
der Vereinten Nationen gegen Korruption beigetreten, das in Art. 12 Ziff. 3
lit. a-c die Einrichtung von in den Büchern nicht erscheinenden Konten, die
Tätigung von Geschäften, die in den Büchern nicht oder nur mit unzureichenden
Daten erscheinen oder die Verbuchung nicht existierender Aufwendungen verbiete.
Die Beschwerdegegnerin behaupte selbst, solche Handlungen vorgenommen zu haben,
weshalb Widerrechtlichkeit gegeben sei.

6.3 Gemäss Art. 4 CISG regelt dieses Übereinkommen ausschliesslich den
Abschluss des Kaufvertrages und die aus ihm erwachsenden Rechte und Pflichten
des Verkäufers und des Käufers. Soweit in diesem Übereinkommen nicht
ausdrücklich etwas anderes bestimmt ist, betrifft es insbesondere nicht die
Gültigkeit des Vertrages oder einzelner Vertragsbestimmungen oder die
Gültigkeit von Handelsbräuchen. Als Gültigkeitsfrage im Sinne von Art. 4 CISG
gilt namentlich jene nach der Wirkung der Verletzung eines nationalen
gesetzlichen Verbots oder eines Verstosses gegen die guten Sitten, weshalb
insoweit das subsidiär anwendbare nationale Recht massgebend ist (vgl. FERRARI,
a.a.O., N. 18 zu Art. 4 CISG; BRUNNER, a.a.O., N. 7 zu Art. 4 CISG). Dieses ist
im vorliegenden Fall das Schweizer Recht (vgl. E. 2.2 hiervor).

6.4 Gemäss Art. 20 Abs. 1 OR ist ein Vertrag, der einen unmöglichen oder
widerrechtlichen Inhalt hat oder gegen die guten Sitten verstösst, nichtig.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist ein Vertrag widerrechtlich im
Sinne dieser Bestimmung, wenn sein Gegenstand, sein Abschluss oder sein
mittelbarer Zweck gegen objektives schweizerisches Recht verstösst, das
ausdrücklich oder gemäss seinem Zweck die Nichtigkeit des dagegen verstossenden
Vertrages vorsieht (BGE 134 III 438 E. 2.2 und 2.3 S. 442 f. mit Hinweisen).
Dabei kann es sich um Bundesrecht oder um kantonales Recht handeln (BGE 119 II
222 E. 2 S. 224 mit Hinweis). Zum Bundesrecht sind auch die vom Bund
abgeschlossenen internationalen Verträge zu zählen. Das von der
Beschwerdeführerin angerufene Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen
Korruption vom 31. Oktober 2003 (UN-Übereinkommen gegen Korruption; SR
0.311.56) ist für Indonesien am 19. Oktober 2006 und für die Schweiz am 24.
Oktober 2009 in Kraft getreten. Es kann daher auf im Jahr 1997 abgeschlossene
Verträge keine Anwendung finden. Dazu kommt, dass sich der von der
Beschwerdeführerin angerufene Art. 12 Abs. 3 dieses Übereinkommens nur auf
Handlungen bezieht, die zur Begehung einer darin umschriebenen Straftat
vorgenommen wurden. Die Verletzung von Devisenausfuhrbeschränkungen wird jedoch
im UN-Übereinkommen gegen Korruption nicht als Straftat genannt, weshalb aus
Art. 12 Abs. 3 des Übereinkommens nichts für die Widerrechtlichkeit eines
Geschäfts abgeleitet werden kann, das solche Beschränkungen missachtet.

6.5 Die Verletzung ausländischen zwingenden Rechts führt zur Sittenwidrigkeit
eines Rechtsgeschäfts im Sinne Art. 20 Abs. 1 OR, wenn es deshalb auch nach
schweizerischer Auffassung als sittenwidrig empfunden wird. Dies setzt voraus,
dass die verletzte ausländische Vorschrift Interessen des Individuums und der
menschlichen Gemeinschaft von fundamentaler und lebenswichtiger Bedeutung
schützt oder Rechtsgüter in Frage stehen, die nach allgemeiner ethischer
Auffassung schwerer wiegen als die Vertragsfreiheit (BGE 76 II 33 E. 8 S. 41;
vgl. auch Urteil 4C.172/2000 vom 28. März 2001 E. 5d, publ. in: Pra 2001 Nr.
136 S. 812 ff.). Devisenvorschriften können ihrem Wesen nach grundsätzlich
nicht zu den Normen dieser Bedeutung gerechnet werden (BGE 76 II 33 E. 8 S. 41
f.; 80 II 49 E. 3 S. 51 f.).

6.6 Dass indonesische Devisenausfuhrbeschränkungen insoweit eine Ausnahme
bildeten, macht die Beschwerdeführerin nicht geltend und ist auch nicht
ersichtlich. Demnach könnte ein möglicher Verstoss gegen solche Beschränkungen
nicht zur Sittenwidrigkeit des Vertrages im Sinne von Art. 20 Abs. 1 OR führen.

7.
7.1 Gemäss Art. 49 Abs. 1 CISG kann der Käufer die Aufhebung des Vertrages
erklären, (a) wenn die Nichterfüllung einer dem Verkäufer nach dem Vertrag oder
diesem Übereinkommen obliegenden Pflicht eine wesentliche Vertragsverletzung
darstellt, oder (b) wenn im Falle der Nichtlieferung der Verkäufer die Ware
nicht innerhalb der vom Käufer nach Art. 47 Abs. 1 gesetzten Nachfrist liefert
oder wenn er erklärt, dass er nicht innerhalb der so gesetzten Frist liefern
wird.
Art. 51 CISG mit dem Titel "Teilweise Nichterfüllung" lautet in der deutschen
Übersetzung:
"1 Liefert der Verkäufer nur einen Teil der Ware oder ist nur ein Teil der
gelieferten Ware vertragsgemäss, so gelten für den Teil, der fehlt oder der
nicht vertragsgemäss ist, die Artikel 46-50.
2 Der Käufer kann nur dann die Aufhebung des gesamten Vertrages erklären, wenn
die unvollständige oder nicht vertragsgemässe Lieferung eine wesentliche
Vertragsverletzung darstellt."
Art. 51 CISG soll klarstellen, dass sich bei teilweiser Nicht- oder teilweise
mangelhafter Erfüllung die allgemeinen Rechtsbehelfe des Käufers, darunter das
Recht auf Vertragsaufhebung gemäss Art. 49 CISG, grundsätzlich auf den
fehlenden oder nicht vertragsgemässen Teil beschränken und damit eine
Teilaufhebung des Vertrages möglich ist (PETER HUBER, in: Münchener Kommentar
zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Bd. 3, 6. Aufl. 2012, N. 1 zu Art. 51 CISG;
MAGNUS, a.a.O., N. 1 f. zu Art. 51 CISG; MARKUS MÜLLER-CHEN, in: Kommentar zum
Einheitlichen UN-Kaufrecht, Ingeborg Schwenzer [Hrsg.], 2008, N. 1 zu Art. 51
CISG). Die herrschende Lehre geht davon aus, die Anwendung von Art. 51 CISG und
damit die Möglichkeit der Teilaufhebung setze voraus, dass ein Kaufvertrag
mehrere Waren erfasse, die je eine eigenständige wirtschaftliche Einheit
bilden. Dies treffe nicht zu, wenn eine Maschine oder eine Produktionsanlage
als eine aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzte einheitliche
Sachgesamtheit verkauft werde (HUBER, a.a.O., N. 3 zu Art. 51 CISG;
MÜLLER-CHEN, a.a.O., N. 2 zu Art. 51 CISG; SCHNYDER/STRAUB, in: Kommentar zum
UN-Kaufrecht, Heinrich Honsell [Hrsg.], 1996, N. 9 f. zu Art. 51 CISG; ULRICH
MAGNUS, in: J. von Staudingers Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Wiener
UN-Kaufrecht, 2005, N. 4 zu Art. 51 CISG; WILHELM-ALBRECHT ACHILLES, Kommentar
zum UN-Kaufrechtsübereinkommen, 2000, N. 1 zu Art. 51 CISG; vgl. auch LÜDERITZ/
SCHÜSSLER-LANGEHEINE, in: Soergel, Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Bd.
13, 13. Aufl. 2000, N. 2 zu Art. 51 CISG). Zum Teil wird jedoch unter Berufung
auf den Schiedsspruch Nr. 7660 der Internationalen Handelskammer vom 23. August
1994 (CISG-online Nr. 129) die Meinung vertreten, etwas anderes gelte, wenn der
fehlende Teil der Maschine oder Anlage ohne Weiteres austauschbar sei (BRUNNER,
a.a.O., N. 5 Fn. 1178 zu Art. 51 CISG; vgl. auch PETER SCHLECHTRIEM,
Internationales UN-Kaufrecht, 4. Aufl. 2007 S. 139 Rz. 192).

7.2 Die Vorinstanz folgte der letztgenannten Lehrmeinung und nahm an, die
gemäss der Behauptung der Beschwerdegegnerin nicht gelieferten Teile seien ohne
Weiteres ersetzbar gewesen, da ihr Marktpreis gestützt auf ein Gutachten habe
bestimmt werden können. Die Beschwerdegegnerin habe daher den Vertrag
hinsichtlich der nicht gelieferten Teile gemäss Art. 51 CISG aufheben und
Schadenersatz verlangen dürfen. Dieser Anspruch entspreche Art. 190 OR, der dem
Käufer bei Verzug des Verkäufers erlaube, auf die Lieferung zu verzichten und
Schadenersatz wegen Nichterfüllung zu verlangen. Ein solcher Anspruch
unterstehe gemäss Art. 127 OR der zehnjährigen Verjährungsfrist.

7.3 Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Vorinstanz sei zu Unrecht von einer
teilbaren Leistung im Sinne von Art. 51 CISG ausgegangen. Die Nutzung der
verkauften Spinnerei als Produktionsanlage sei ohne die angeblich fehlenden
Teile nicht möglich gewesen. Somit sei eine einheitlichen Sache verkauft
worden. Fehle ein Bestandteil einer solchen Sache, liege ein Sachmangel
bezüglich der Sachgesamtheit vor, weshalb bezüglich der Verjährung Art. 210 OR
massgebend sei. Die darin vorgesehene einjährige Verjährungsfrist ab
Ablieferung der Ware sei zwar nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts zur
Vermeidung eines Widerspruchs zur zweijährigen Anzeigefrist gemäss Art. 39 CISG
anzupassen. Ob nun die Einjahresfrist erst mit der Mängelrüge zu laufen beginne
oder ob sie auf zwei Jahre seit Ablieferung der Ware auszudehnen sei, könne
offen bleiben. In beiden Fällen sei nach den Mängelrügen vom Juli/August 1998
die Verjährung eingetreten, da die vorliegende Klage am 16. November 2001
eingereicht worden sei und der Weisungsschein vom 19. September 2001 datiere.

7.4 Die Spinnerei Q.________ wurde als einheitliche Produktionsanlage und damit
als Sachgesamtheit verkauft, zumal ein Einheitspreis und nicht ein Preis für
die einzelnen Komponenten vereinbart war und die Anlage als Ganzes zu
funktionieren hatte. Demnach stellten die einzelnen funktionsnotwendigen
Bestandteile der Anlage für die Parteien keine eigenständige wirtschaftliche
Einheit dar, weshalb insoweit gemäss der herrschenden Lehre die Anwendung von
Art. 51 CISG und damit ein Teilrücktritt ausgeschlossen ist. Daran vermag
entgegen der Minderheitsmeinung der mögliche Ersatz der fehlenden oder
mangelhaften Bestandteile einer einheitlichen Sachgesamtheit nichts zu ändern,
weil damit deren Vertragswidrigkeit durch eine Nachbesserung behoben wird (vgl.
MÜLLER-CHEN, a.a.O., N. 2 zu Art. 51 CISG).

7.5 Da das CISG die Verjährung nicht regelt, richtet sich diese vorliegend nach
Schweizer Recht (E. 2.2.; vgl. auch Urteil 4A_68/2009 vom 18. Mai 2009 E. 10),
das für die Verjährung von Ansprüchen wegen mangelhafter bzw. nicht
vertragsgemässer Warenlieferung eine Verjährungsfrist von einem Jahr ab
Ablieferung der Sache an den Käufer vorsieht (Art. 210 Abs. 1 OR) und bestimmt,
dass die Einrede des Käufers wegen vorhandener Mängel bestehen bleibt, wenn
innerhalb eines Jahres nach Ablieferung die vorgeschriebene Anzeige an den
Verkäufer gemacht worden ist (Art. 210 Abs. 2 OR). Nach dieser Regelung kann
der Käufer bei der Anwendbarkeit des CISG verjährte Ansprüche aus einer
Vertragsverletzung noch einredeweise geltend machen, wenn er diese dem
Verkäufer gemäss Art. 39 CISG angezeigt hat (BRUNNER, a.a.O., N. 31 zu Art. 4
CISG).

7.6 Nach Art. 39 Abs. 1 CISG verliert der Käufer das Recht, sich auf eine
Vertragswidrigkeit der Ware zu berufen, wenn er sie dem Verkäufer nicht
innerhalb einer angemessenen Frist nach dem Zeitpunkt, in dem er sie
festgestellt hat oder hätte feststellen müssen, anzeigt und dabei die Art der
Vertragswidrigkeit genau bezeichnet.

7.7 Die Vorinstanz hat sich nicht zur Frage geäussert, ob die
Beschwerdegegnerin hinsichtlich der von ihr geltend gemachten nicht gelieferten
Bestandteile ihrer Anzeigepflicht im Sinne von Art. 39 CISG nachgekommen ist.
Gemäss den unangefochten gebliebenen Feststellungen der ersten Instanz steht
jedoch fest, dass die Beschwerdegegnerin mit Faxschreiben vom 16., 23. und 28.
Juli sowie vom 11. August 1998 der Beschwerdeführerin Listen zu den
Fehlbeständen betreffend die drei Schiffsladungen übermittelt hat. Insoweit
kann der Sachverhalt ergänzt werden (BGG 105 Abs. 2 BGG). Die
Beschwerdeführerin beruft sich auf diese Mängelrügen vom Juli/August 1998,
welche die Art der geltend gemachten Vertragswidrigkeit hinreichend genau
bezeichnen (vgl. BGE 130 III 258 E. 4.3 S. 281 f.), ohne geltend zu machen,
dass die Rügen verspätet erhoben worden seien, weshalb die Rechtzeitigkeit als
anerkannt gelten und von einer Anzeige gemäss Art. 39 CISG ausgegangen werden
kann. Demnach konnte sich die Beschwerdegegnerin gegenüber der von den
kantonalen Gerichten im Umfang von CHF 1'030'000.-- gutgeheissenen Forderung
auf Zahlung des restlichen Kaufpreises einredeweise auf Forderungen aus der von
ihr behaupteten unvollständigen und damit vertragswidrigen Lieferung berufen,
weshalb offen bleiben kann, ob diese Forderungen verjährt waren.

8.
8.1 Die Verteilung der Beweislast gehört zu den im UN-Kaufrecht geregelten
Gegenständen. Fehlt eine ausdrückliche Beweislastregel, so kommen die
allgemeinen Grundsätze zur Anwendung, welche dem UN-Kaufrecht zu Grunde liegen.
Nach diesen Grundsätzen ist insbesondere die Beweisnähe zu beachten, weshalb
der Käufer, der die Ware vorbehaltlos übernommen und daran die Sachherrschaft
erlangt hat, deren Vertragswidrigkeit zu beweisen hat, soweit er daraus Rechte
ableitet (BGE 130 III 258 E. 5.3 S. 264 ff. mit Hinweisen; vgl. auch Urteil
4C.245/2003 vom 13. Januar 2004 E. 3.1). Dieser Grundsatz gilt auch bezüglich
einer von der Käuferin nach der vorbehaltlosen Übernahme der Waren geltend
gemachten Unvollständigkeit der Lieferung (Urteil 4C.144/2004 vom 7. Juli 2004
E. 3.3 und 3.4; vgl. auch: THOBIAS MALTE MÜLLER, Ausgewählte Fragen der
Beweislastverteilung im UN-Kaufrecht im Lichte der aktuellen Rechtsprechung,
München 2005, S. 90 f.).

8.2 Die Vorinstanz erwog, die Nichtlieferung verschiedener Teile stelle eine
negative Tatsache dar, deren Beweis nicht möglich sei. Selbst wenn die
unvollständige Lieferung in den Herrschaftsbereich der Beschwerdeführerin
gelangt sei, sei sie damit nicht in der Lage, den Bestand der
Vertragswidrigkeit zu beweisen. Demgegenüber habe es die Beschwerdeführerin in
der Hand gehabt, den Nachweis der vollständigen Lieferung durch die Einreichung
von Packlisten, Frachtbriefen und ähnlichen Dokumenten zu erbringen. Da die
Beschwerdeführerin vorliegend die Vollständigkeit der Lieferung leichter
beweisen könne als die Beschwerdegegnerin deren Unvollständigkeit, sei der
Beschwerdeführerin die Beweislast hinsichtlich der vollständigen Lieferung
aufzuerlegen. Diesen Beweis habe die Beschwerdeführerin nicht erbringen können.

8.3 Die Beschwerdeführerin rügt einen Verstoss gegen die anerkannten Grundsätze
der Beweislastverteilung des CISG. Die Ware habe sich nach der Übernahme durch
die Beschwerdegegnerin in deren alleinigem Herrschaftsbereich befunden. Diese
sei daher entgegen der Meinung der Vorinstanz besser in der Lage gewesen, den
Bestand einer Vertragswidrigkeit nachzuweisen als die Beschwerdeführerin deren
Abwesenheit.

8.4 Aus dem angefochtenen Urteil geht nicht hervor, dass die Beschwerdegegnerin
bereits bei der Übernahme der Waren in Indonesien Vorbehalte angebracht hätte,
so dass von vorbehaltloser Übernahme auszugehen ist. Die Parteien stimmen darin
überein, dass die Beschwerdegegnerin die ihr gelieferten Waren ohne Beizug der
Beschwerdeführerin auspackte. Entsprechend nahm die Vorinstanz an, die
Lieferungen seien mit der Übernahme durch die Beschwerdegegnerin in deren
alleinigen Herrschaftsbereich gelangt. Danach war einzig diese in der Lage, die
Vollständigkeit der umfangreichen Lieferung zu prüfen und die entsprechenden
Beweise zu sichern, weshalb sie gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts
für die von ihr nachträglich geltend gemachte Unvollständigkeit der Lieferungen
beweispflichtig ist. Weshalb ihr diese Beweisführung unzumutbar sein soll, ist
nicht ersichtlich, zumal das Fehlen bestimmter Bestandteile, anders als zum
Beispiel die unterlassene Verletzung eines Konkurrenzverbots, nicht zu den so
genannten unbestimmten Negativa zu zählen ist (vgl. HANS PETER WALTER, Berner
Kommentar, 2012, N. 340 f. zu Art. 8 ZGB; Urteil 4C.344/2006 vom 8 Januar 2007
E. 2.1.2, nicht publ. in: BGE 133 III 189). Die Vorinstanz hat daher die
Grundsätze des CISG zur Beweislastverteilung verletzt, indem sie die Beweislast
hinsichtlich der vollständigen Lieferung der Beschwerdeführerin auferlegte und
mangels dieses Beweises auf Unvollständigkeit der Lieferung gemäss den
Behauptungen der Beschwerdegegnerin schloss.

8.5 Da die Vorinstanz aufgrund der unzutreffenden Beweislastverteilung nicht
prüfte, ob die Beschwerdegegnerin die von ihr geltend gemachte unvollständige
Lieferung beweisen konnte, ist das angefochtene Urteil bezüglich der daraus
abgeleiteten Forderungen der Beschwerdegegnerin aufzuheben und zur
Sachverhaltsergänzung und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang werden die Rügen gegenstandslos,
soweit sie sich gegen die Erwägung des Vorinstanz richten, nach welcher die
Beschwerdeführerin die Vollständigkeit der Lieferung nicht nachgewiesen habe
(vgl. BGE 135 I 187 E. 2.3 S. 191).

8.6 Sollte die Beschwerdegegnerin die von ihr behauptete Unvollständigkeit der
Lieferung beweisen können, wird die Vorinstanz zu prüfen haben, ob in
Anbetracht der Unzulässigkeit eines partiellen Vertragsrücktritts (vgl. E. 7.4
hiervor) in analoger Anwendung von Art. 76 CISG eine Schadensbestimmung
entsprechend dem Marktwert der fehlenden Teile in Frage kommt oder ob der
Beschwerdegegnerin gegebenenfalls ein Anspruch auf Minderung gemäss Art. 50
CISG zusteht.

9.
Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde das angefochtene
Urteil insoweit aufzuheben, als es die Beschwerdeführerin verpflichtet, der
Beschwerdegegnerin wegen teilweiser Nichtlieferung der im Agreement genannten
Gegenständen CHF 655'146.-- nebst Zins zu bezahlen. Die Sache ist zur Ergänzung
des Sachverhalts und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen,
die auch die Kosten des kantonalen Verfahrens neu zu bestimmen haben wird. Im
Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei
diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten für das
bundesgerichtliche Verfahren der weitgehend unterliegenden Beschwerdeführerin
zu neun Zehnteln und der Beschwerdegegnerin zu einem Zehntel aufzuerlegen und
die Beschwerdeführerin zu verpflichten, der Beschwerdegegnerin eine reduzierte
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 66 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, das angefochtene Urteil insoweit
aufgehoben, als es die Beschwerdeführerin verpflichtet, der Beschwerdegegnerin
wegen teilweiser Nichtlieferung von im Agreement genannten Gegenständen CHF
655'146.-- nebst Zins zu bezahlen, und die Sache wird zu neuer Entscheidung an
die Vorinstanz zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen,
soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von CHF 25'000.-- werden der Beschwerdeführerin zu neun
Zehnteln und der Beschwerdegegnerin zu einem Zehntel auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit CHF 24'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, der Nebenintervenientin und dem Obergericht
des Kantons Zug, I. Zivilabteilung, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 16. Juli 2012
Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Klett

Der Gerichtsschreiber: Gelzer