Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.283/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_283/2011

Urteil vom 29. August 2011
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter L. Meyer,
Gerichtsschreiber Bettler.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Fürsprecher Dr. Guido Fischer,
Beschwerdeführerin,

gegen

Y.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Benno Mattarel,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Ehescheidung (güterrechtliche Auseinandersetzung),

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts
des Kantons Aargau, Zivilgericht, 2. Kammer,
vom 16. Februar 2011.

Sachverhalt:

A.
X.________ (geb. 1957) und Y.________ (geb. 1960) heirateten im Januar 1986.
Sie sind Eltern von zwei mittlerweile mündigen Kindern. Seit dem 1. September
2004 leben die Ehegatten getrennt. Die Folgen des Getrenntlebens mussten
gerichtlich geregelt werden.
Die Parteien sind als einfache Gesellschafter Gesamteigentümer eines während
der Ehe erworbenen Einfamilienhauses, Grundstück Nr. 0000, in W.________. Die
Liegenschaft diente als Familienwohnung.

B.
Auf gemeinsames Begehren der Parteien schied das Bezirksgericht Zofingen mit
Urteil vom 25. Juni 2009 die Ehe und urteilte über die Scheidungsfolgen.
Strittig war insbesondere das rechtliche Schicksal des im Gesamteigentum der
Parteien stehenden Grundstücks Nr. 0000.
Das Bezirksgericht wies das Grundstück dem Ehemann zu Alleineigentum zu (Ziff.
6.1.1 des Dispositivs) und überband ihm die auf der Liegenschaft lastenden
Grundpfandschulden einschliesslich der offenen Zinsen (Ziff. 6.1.2 des
Dispositivs). Es wies zudem das zuständige Grundbuchamt zum Eintrag des
Eigentumsüberganges nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils an (Ziff. 6.1.3
des Dispositivs).

C.
C.a Gegen das bezirksgerichtliche Urteil gelangte X.________ am 25. Januar 2010
an das Obergericht des Kantons Aargau und verlangte insbesondere die Aufhebung
der Ziff. 6.1.1 - 6.1.3. Sie beantragte, das Grundstück Nr. 0000 sei ihr (unter
Überbindung der Grundpfandschulden einschliesslich der offenen Zinsen)
zuzuweisen. In seiner Anschlussappellation verlangte Y.________, es seien ihm
in Abänderung der Ziff. 6.1.2 des bezirksgerichtlichen Urteils die
Grundpfandschulden ohne die offenen Zinsen zu überbinden.
C.b Mit Urteil vom 16. Februar 2011 (zugestellt am 14. März 2011) bestätigte
das Obergericht die Zuweisung des Grundstücks Nr. 0000 an Y.________. Jedoch
überband es ihm die auf dem Grundstück lastenden Grundpfandschulden ohne die
offenen Zinsen. Das Obergericht auferlegte X.________ 3/4 der obergerichtlichen
Gerichtskosten und verpflichtete sie zur hälftigen Entschädigung der
obergerichtlichen Parteikosten von Y.________.

D.
Dem Bundesgericht beantragt X.________ (nachfolgend Beschwerdeführerin) in
ihrer Beschwerde in Zivilsachen vom 13. April 2011 und deren Ergänzung vom 11.
Mai 2011 die Aufhebung des obergerichtlichen Urteils, soweit das Obergericht
ihre Appellation gegen die Ziff. 6.1.1 - 6.1.3 des bezirksgerichtlichen Urteils
abgewiesen hat, und die ungeteilte Zuweisung des Grundstücks an sie unter
Überbindung der darauf lastenden Grundpfandschulden einschliesslich der offenen
Zinsen sowie entsprechender Eintragung im Grundbuch. Zudem verlangt sie
antragsgemässe die Neuverlegung der obergerichtlichen Kosten.
Es sind die Akten, hingegen keine Vernehmlassungen eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten sind die Fr. 30'000.-- übersteigenden vermögensrechtlichen
Folgen eines kantonal letztinstanzlichen Ehescheidungsurteils. Die Beschwerde
in Zivilsachen ist somit grundsätzlich zulässig (Art. 72 Abs. 1, Art. 74 Abs. 1
lit. b, Art. 75 und Art. 90 BGG).

1.2 Die Beschwerdeführerin hat ihre Beschwerde am 11. Mai 2011 und damit nach
Ablauf der Beschwerdefrist gemäss Art. 100 Abs. 1 BGG ergänzt, wobei sie zuvor
(zurecht) keinen Antrag auf Ansetzung einer angemessenen Frist zur Ergänzung
der Beschwerdebegründung gestellt hatte (Art. 43 BGG). Die Ergänzung der
Beschwerdeschrift nach Ablauf der Beschwerdefrist ist damit unzulässig (BGE 134
IV 156 E. 1.7 S. 162).

2.
2.1 Wird der Güterstand - hier der Errungenschaftsbeteiligung - aufgelöst (Art.
204 ZGB), nimmt jeder Ehegatte seine Vermögenswerte zurück, die sich im Besitz
des anderen Ehegatten befinden (Art. 205 Abs. 1 ZGB). Miteigentum der Ehegatten
an Vermögenswerten ist nach sachenrechtlichen Grundsätzen aufzuheben. Im
Streitfall wird die gemeinschaftliche Sache nach gerichtlicher Anordnung
entweder körperlich geteilt oder versteigert (Art. 651 Abs. 2 ZGB). Ergänzend
sieht Art. 205 Abs. 2 ZGB vor, dass der Ehegatte, der ein überwiegendes
Interesse nachweist, den gemeinschaftlichen Vermögenswert gegen Entschädigung
des andern Ehegatten ungeteilt zugewiesen erhalten kann (vgl. BGE 119 II 197 E.
2 S. 198 f.).

2.2 Gesamteigentum (Art. 652 ff. ZGB) wird mit der Veräusserung der Sache oder
dem Ende der Gemeinschaft aufgehoben und, wo es nicht anders bestimmt ist, nach
den Vorschriften über das Miteigentum geteilt (Art. 654 Abs. 1 und 2 ZGB). Die
Frage, ob Art. 205 Abs. 2 ZGB auf Gesamteigentum (bei einer einfachen
Gesellschaft unter den Ehegatten) ebenfalls Anwendung findet, ist in der Lehre
umstritten (zustimmend STECK, in: FamKommentar Scheidung, Band I, 2. Aufl.
2011, N. 8 zu Art. 205 ZGB; HAUSHEER/AEBI-MÜLLER, in: Basler Kommentar, 4.
Aufl. 2010, N. 11 zu Art. 205 ZGB; TERCIER UND ANDERE, in: Les contrats
spéciaux, 4. Aufl. 2009, N. 7748; CHAIX, in: Commentaire romand, 2008, N. 3 zu
Art. 548-550 OR [betreffend die Familienwohnung]; RUMO-JUNGO, Handkommentar zum
Schweizer Privatrecht, 2007, N. 6 zu Art. 205 ZGB; FELIX KOBEL, Immobilien in
der güterrechtlichen Auseinandersetzung, 2007, S. 95 ff.; REY, Die Grundlagen
des Sachenrechts und das Eigentum, Band I, 3. Aufl. 2007, N. 1017b; AEBI-MÜLLER
/TRACHSEL, Grundfragen der güterrechtlichen Auseinandersetzung, in: Dritte
Schweizer Familienrecht§Tage, 2006, S. 234 f.; HAUSHEER/LINDENMEYER LIEB,
Einfache Gesellschaft und Ehegüterrecht, in: Güter- und erbrechtliche Fragen
zur einfachen Gesellschaft und zum bäuerlichen Bodenrecht, 2005, S. 10; HOCH,
Auflösung und Liquidation der einfachen Gesellschaft, 2001, N. 434 [betreffend
die Familienwohnung]; HEGNAUER/BREITSCHMID, Grundriss des Eherechts, 4. Aufl.
2000, N. 26.07 und N. 25.12; HOHL, Gesellschaften unter Ehegatten, 2. Aufl.
1997, S. 169 ff.; HAUSHEER, Anmerkungen zur Ehegattengesellschaft, ZBJV 1995,
S. 619 ff.; HAUSHEER/REUSSER/GEISER, Berner Kommentar, 1992, N. 32 zu Art. 205
ZGB; offen gelassen BRÄM, Gemeinschaftlicher Erwerb durch Ehegatten, in: Der
Grundstückkauf, 2010, S. 401; ablehnend HANDSCHIN/VONZUN, Zürcher Kommentar, 4.
Aufl. 2009, N. 121 zu Art. 530 OR; GENNA, Auflösung und Liquidation der
Ehegattengesellschaft, 2008, S. 47 ff.; STAEHELIN, in: Basler Kommentar, 3.
Aufl. 2008, N. 4 zu Art. 548/549 OR; FELLMANN/MÜLLER, Berner Kommentar, 2006,
N. 278 zu Art. 530 OR; ESTHER KOBEL, Eherechtliche und schuldrechtliche
Leistungen unter Ehegatten, 2001, N. 4.227 ff.; BRÄM, Gemeinschaftliches
Eigentum unter Ehegatten an Grundstücken, 1997, S. 143 ff.; EPPENBERGER, Der
(teilweise) drittfinanzierte Grundstückserwerb in der güterrechtlichen
Auseinandersetzung, 1996, S. 81 f.; ENGLER, Zur Scheidung einfacher
Gesellschafter, BJM 1995, S. 231 f.; GLOOR, Die Zuteilung der ehelichen Wohnung
nach schweizerischem Recht, 1987, S. 65).
Das Bundesgericht sah sich soweit ersichtlich einzig im unpublizierten Urteil
5C.325/2001 vom 4. März 2002, in: Pra 2002 Nr. 188 S. 1004 und ZGBR 84/2003 S.
122 mit dieser Frage konfrontiert. Damals erübrigte sich jedoch eine
Auseinandersetzung, weil im Ergebnis die Voraussetzungen für eine Zuweisung
nach Art. 205 Abs. 2 ZGB ohnehin nicht erfüllt waren.
Vorliegend verlangten vor dem Obergericht beide Ehegatten übereinstimmend und
damit einvernehmlich die Anwendung von Art. 205 Abs. 2 ZGB (vgl. insoweit zur
Dispositionsmaxime BGE 119 II 197 E. 2 S. 198; Urteil 5C.171/2006 vom 13.
Dezember 2006 E. 7.1, in: FamPra.ch 2007 S. 375; allgemein zur
Dispositionsmaxime im Ehegüterrecht vgl. Art. 404 ZPO i.V.m. Art. 75 Abs. 2 des
Zivilrechtspflegegesetzes des Kantons Aargau vom 18. Dezember 1984 [ZPO; SAR
221.100; in Kraft bis 31. Dezember 2010] und Urteil 5A_822/2008 vom 2. März
2009 E. 4.1). Die Beschwerdeführerin anerkennt denn auch vor dem Bundesgericht
die Anwendbarkeit von Art. 205 Abs. 2 ZGB und stellt für den Fall ihres
Unterliegens die Zuweisung der Liegenschaft an den Beschwerdegegner nicht in
Frage. Vorliegend kann demnach die erwähnte Streitfrage zur Anwendbarkeit von
Art. 205 Abs. 2 ZGB offen gelassen werden.

2.3 Ein überwiegendes Interesse gemäss Art. 205 Abs. 2 ZGB ist dann anzunehmen,
wenn ein Ehegatte, aus welchen Gründen auch immer, eine besonders enge
Beziehung zur streitigen Sache nachweist. Das Gericht hat aufgrund der
konkreten Sachlage eine Interessenabwägung vorzunehmen und seine Entscheidung
nach Billigkeit zu treffen (Art. 4 ZGB; BGE 119 II 197 E. 2 S. 199).
Die ungeteilte Zuweisung gemäss Art. 205 Abs. 2 ZGB setzt nicht nur voraus,
dass der übernahmewillige Ehegatte ein überwiegendes Interesse am Vermögenswert
in gemeinschaftlichem Eigentum nachweist, sondern auch, dass er den andern
Ehegatten für seinen Anteil entschädigt. Auf die Entschädigung ist auch die
Übernahme einer solidarisch eingegangenen Schuldverpflichtung durch den
Ehegatten anzurechnen, der die Zuteilung verlangt, so dass der andere Ehegatte
aus seiner Schuldpflicht entlassen wird. Eine solche Schuldübernahme setzt die
Zustimmung des Gläubigers voraus (Art. 176 OR; vgl. zum Ganzen Urteil 5A_600/
2010 vom 5. Januar 2011 E. 4.1, in: SJ 2011 I S. 246 und FamPra.ch 2011 S.
420).

3.
3.1 Das Obergericht hielt bei der Prüfung eines überwiegenden Interesses nach
Art. 205 Abs. 2 ZGB fest, beide Ehegatten hätten unbestrittenermassen ein
erhebliches Interesse an der Zuteilung der Liegenschaft.
3.2
3.2.1 Nach den verbindlichen und unbestrittenen Feststellungen des Obergerichts
beträgt der Verkehrswert der Liegenschaft zwischen Fr. 475'000.-- und
495'000.--. Sie ist mit einer Hypothek in der Höhe von Fr. 400'000.-- der Bank
Z.________ belastet. Dabei handelt es sich um eine Solidarschuld der Ehegatten.
Zudem finanzierte der Beschwerdegegner Fr. 120'000.-- im Rahmen eines Vorbezugs
aus Mitteln seiner beruflichen Vorsorge.
Das Obergericht führte deshalb aus, mangels eines "Wertüberschusses der
Liegenschaft" bestehe das Interesse des Ehegatten, dem die Liegenschaft nicht
zugewiesen werde, nicht in einem Barerlös, sondern namentlich in der Entlassung
aus der Solidarhaft für die auf der Liegenschaft lastenden Grundpfandschulden
von Fr. 400'000.--. Damit komme die gesetzlich geforderte Entschädigung
vorliegend "der Entlassung des nicht übernehmenden Ehegatten aus der
Schuldpflicht gleich".
3.2.2 Was den Beschwerdegegner betrifft, erachtete es das Obergericht als
erstellt, dass dieser gegenwärtig ohne Weiteres in der Lage sei, die
Beschwerdeführerin für ihren Teil zu entschädigen. Es schloss dies aus einem
Schreiben der Bank Z.________ vom 9. Februar 2010 (Appellationsantwortbeilage
12), in dem diese bestätigte, dass aufgrund der Einkommenssituation des
Beschwerdegegners für ihn eine Hypothek in der Höhe von Fr. 400'000.-- tragbar
sei und sie inskünftig auf die Solidarschuldnerschaft der Beschwerdeführerin
verzichten würde.
3.2.3 Bei der Beschwerdeführerin kam das Obergericht hingegen zum Schluss, sie
sei aktuell nicht in der Lage, den Beschwerdegegner insoweit zu entschädigen,
als dessen Entlassung aus der Solidarhaftung in Frage stehe. Aus der
Bestätigung der Bank Z.________ vom 5. Januar 2010 (Appellationsbeilage 11)
gehe einzig hervor, dass der Beschwerdeführerin eine vollständige Übernahme der
bestehenden Hypothek von aktuell Fr. 400'000.-- als Alleineigentümerin möglich
sei. Hingegen fehle eine "Schuldentlassungserklärung". Die Bestätigung der Bank
vom 26. Februar 2010, die eine Schuldentlassungserklärung beinhalte, habe die
Beschwerdeführerin erst in ihrer Antwort auf die Anschlussappellation und damit
verspätet eingereicht.
3.2.4 Der Beschwerdegegner müsse deshalb befürchten, dass die Gläubigerbank auf
ihn zurückgreife, wenn die Beschwerdeführerin ihren finanziellen
Verpflichtungen nicht mehr nachkomme. Daraus folge, dass das finanzielle
Interesse des Beschwerdegegners an der Zuweisung der Liegenschaft überwiege,
weil eine Entlassung des Beschwerdegegners aus dem Solidarschuldverhältnis mit
der Bank von der Beschwerdeführerin nicht rechtsgenüglich dargetan worden sei.

4.
4.1 Die Beschwerdeführerin wirft dem Obergericht eine Verletzung des Verbots
des überspitzten Formalismus vor.
Die Gläubigerbank habe mit der Bestätigung vom 9. Februar 2010 für den
Beschwerdegegner nichts anderes beziehungsweise dasselbe sagen wollen, wie mit
der Bestätigung vom 5. Januar 2010 für die Beschwerdeführerin. Dies gehe
nunmehr auch ausdrücklich aus dem Schreiben der Bank Z.________ vom 7. April
2011 (Beilage 6 zur Beschwerde an das Bundesgericht) hervor, in dem diese
erkläre, sie habe unter den Bestätigungen vom 9. Februar 2010 und vom 5. Januar
2010 dasselbe verstanden .
Das Obergericht habe das Schreiben der Gläubigerbank vom 5. Januar 2010 "nicht
korrekt ausgelegt". Darin sage die Gläubigerin, dass sie die Beschwerdeführerin
als Alleinschuldnerin akzeptiere. Die "fehlende Redewendung, wonach der
Mitschuldner aus der Solidarschuldnerschaft entlassen werde", sei somit gar
nicht mehr nötig.
Sie habe mit dem Schreiben vom 5. Januar 2010 nachgewiesen, dass der
Beschwerdegegner nach der Eigentumsübertragung an sie nicht mehr durch die
Gläubigerbank belangt würde. Die Gläubigerbank bestätige im Übrigen, dass die
Beschwerdeführerin auch aktuell noch in der Lage sei, die eheliche Liegenschaft
unter Entlassung des Beschwerdegegners aus der Solidarhaft zu übernehmen.
4.2
4.2.1 Neue Tatsachen und Beweismittel dürfen nur so weit vorgebracht werden,
als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG). In
der Beschwerde ist darzutun, inwiefern die Voraussetzung für ein nachträgliches
Behaupten neuer Tatsachen oder das Einreichen neuer Beweismittel erfüllt sein
soll (BGE 134 V 223 E. 2.2.1 S. 226). Erst nach dem angefochtenen Entscheid
eingetretene Tatsachen oder erstellte Beweisurkunden sind unzulässig, da für
diese von vornherein nicht der angefochtene Entscheid Anlass zur Einreichung
vor Bundesgericht geben kann (BGE 135 I 221 E. 5.2.4 S. 229 f.; 133 IV 342 E.
2.1 S. 343 f.).
4.2.2 Der angefochtene Entscheid erging am 16. Februar 2011. Die von der
Beschwerdeführerin eingereichte Beweisurkunde vom 7. April 2011
(Beschwerdebeilage 6) und die damit verbundenen Tatsachenbehauptungen sind
demnach unzulässig und haben unberücksichtigt zu bleiben. Dasselbe gilt für die
in der Beschwerde enthaltenen Vorbringen, wonach die Gläubigerbank auch zum
heutigen Zeitpunkt noch bestätige, dass die Beschwerdeführerin die Liegenschaft
unter Entlassung des Beschwerdegegners aus der Solidarhaft übernehmen könne.
4.3
4.3.1 Ob die Übernahme der Hypothek bei der Bank Z.________ für die
Beschwerdeführerin wirtschaftlich tragbar und damit möglich ist und ob die
Gläubigerbank bereit ist, den Beschwerdegegner aus der Solidarhaft zu
entlassen, stellen Tatfragen dar (Urteil 5C.325/2001 vom 4. März 2002 E. 4, in:
Pra 2002 Nr. 188 S. 1006 und ZBGR 84/2003 S. 124).
4.3.2 Wird eine Sachverhaltsfeststellung beanstandet, muss in der
Beschwerdeschrift dargelegt werden, inwiefern diese Feststellung offensichtlich
unrichtig und damit willkürlich (BGE 136 III 636 E. 2.2 S. 638) oder durch eine
andere Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG (z.B. Art. 29 Abs. 2 BV oder
Art. 8 ZGB) zustande gekommen ist und inwiefern die Behebung des Mangels für
den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG; BGE 135
I 19 E. 2.2.2 S. 22). Auf rein appellatorische Kritik am Sachverhalt tritt das
Bundesgericht nicht ein.
Wird die Sachverhaltsfeststellung unter Verletzung eines verfassungsmässigen
Rechts - einschliesslich der Verfahrensgarantien von Art. 29 ff. BV -
beanstandet, hat die Beschwerdeführerin diese nach Art. 106 Abs. 2 BGG zu rügen
und zu begründen (BGE 133 II 249 E. 1.4.3 S. 255). Sie muss klar und
detailliert darlegen, inwiefern ein verfassungsmässiges Recht verletzt worden
sein soll.

4.4 Die Beschwerdeführerin begnügt sich mit dem Vorwurf, dem Obergericht sei
"überspitzter Formalismus" vorzuhalten. Überspitzter Formalismus als besondere
Form der Rechtsverweigerung (Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK) ist
gegeben, wenn für ein Verfahren rigorose Formvorschriften aufgestellt werden,
ohne dass die Strenge sachlich gerechtfertigt wäre, wenn die Behörde formelle
Vorschriften mit übertriebener Schärfe handhabt oder an Rechtsschriften
überspannte Anforderungen stellt und damit dem Bürger den Rechtsweg in
unzulässiger Weise versperrt (BGE 135 I 6 E. 2.1 S. 9; 128 II 139 E. 2a S.
142).
Die Beschwerdeführerin legt nicht weiter dar, inwiefern das Verbot des
überspitzten Formalismus vom Obergericht verletzt worden sein soll. Vielmehr
begnügt sie sich mit appellatorischer Kritik, indem sie ausführt, das
Obergericht habe die beiden Schreiben der Bank "zu Unrecht" unterschiedlich
behandelt oder habe die Bestätigung vom 5. Januar 2010 "nicht korrekt"
ausgelegt.
Auf diese Sachverhaltsrüge ist damit nicht einzutreten. Die Beschwerdeführerin
wendet sich im Übrigen nicht dagegen, dass das Obergericht die
Schuldentlassungserklärung vom 26. Februar 2010 nicht berücksichtigte, da diese
verspätet vorgebracht worden sei.

4.5 Damit ist von den obergerichtlichen Sachverhaltsfeststellungen auszugehen
und für das Bundesgericht verbindlich festgestellt, dass der Nachweis einer
Entlassung des Beschwerdegegners aus dem Solidarschuldverhältnis durch die
Gläubigerbank fehlt und damit die Beschwerdeführerin nicht in der Lage ist, den
Beschwerdegegner insoweit zu entschädigen, als die Entschädigung in dessen
Entlassung aus der Solidarhaftung besteht.

5.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht schliesslich eine Verletzung von Art. 205 Abs.
2 ZGB geltend, weil sie aus mehreren Gründen einen besonderen Bezug zur
fraglichen Liegenschaft habe und diese demnach ihr zuzuweisen sei.

5.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet zu Recht nicht, dass eine auf die
Entschädigung anzurechnende Übernahme einer solidarisch eingegangenen
Schuldverpflichtung die Zustimmung der Gläubigerin voraussetzt und nach Art.
798 ZGB nötig ist (Ziff. 3 S. 5 ff. der Beschwerde; vgl. Urteile 5A_600/2010
vom 5. Januar 2011 E. 4.1, in: SJ 2011 I S. 246 und FamPra.ch 2011 S. 420;
5C.195/2004 vom 22. November 2004 E. 4.3, in: FamPra.ch 2005 S. 322; 5C.325/
2001 vom 4. März 2002 E. 4, in: Pra 2002 Nr. 188 S. 1006 und ZBGR 84/2003 S.
124).
Ist es aber der Beschwerdeführerin aufgrund der verbindlichen
Tatsachenfeststellungen (vgl. E. 4.5 oben) nicht möglich, die in Art. 205 Abs.
2 ZGB vorausgesetzte Entschädigung zu leisten, ist eine ungeteilte Zuteilung
der Liegenschaft an sie ausgeschlossen. Da sie keine Eventualanträge (die sich
im Ergebnis gegen eine Zuweisung an den Beschwerdegegner richteten) stellt,
erübrigt sich eine Prüfung des angefochtenen Urteils dahin gehend, ob das
Obergericht sodann (nach Feststellung der fehlenden Möglichkeit der
Beschwerdeführerin zur Leistung der Entschädigung) im vorliegenden Fall, in dem
beide Ehegatten die ungeteilte Zuweisung verlangten, zurecht von einem
überwiegenden "finanziellen" Interesse des Beschwerdegegners an der Zuweisung
ausgegangen ist (vgl. dazu und betreffend die Konstellation, dass ein Ehegatte
die Zuweisung und der andere Ehegatte die öffentliche Versteigerung nach Art.
651 Abs. 2 ZGB verlangt: Urteile 5A_600/2010 vom 5. Januar 2011 E. 4, in: SJ
2011 I S. 246 und FamPra.ch 2011 S. 420; 5C.325/2001 vom 4. März 2002 E. 4, in:
Pra 2002 Nr. 188 S. 1006 und ZBGR 84/2003 S. 124; vgl. sodann für den Fall,
dass beide Ehegatten die Zuweisung verlangen, aber eine Partei die
Entschädigung nicht bezahlen kann: Urteil 5C.167/1995 vom 24. Januar 1996 E.
4).

6.
Aus den dargelegten Gründen ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Die
Beschwerdeführerin wird kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG). Dem
Beschwerdegegner ist kein entschädigungspflichtiger Aufwand entstanden (Art. 68
Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Zivilgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 29. August 2011
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Hohl

Der Gerichtsschreiber: Bettler