Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 1B.289/2012
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
1B_289/2012, 1B_291/2012

Urteil vom 28. Juni 2012
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Bundesrichter Raselli, Merkli,
Gerichtsschreiber Dold.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Beschwerdeführer, handelnd durch
seine Eltern Y.________ und Z.________, und diese
vertreten durch Advokat Dr. Nicolas Roulet,

gegen

Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft,
Rheinstrasse 55, 4410 Liestal,

weiterer Beteiligter:
Dieter Roth.

Gegenstand
1B_289/2012
Jugendstrafverfahren; Widerruf und Wechsel der amtlichen Verteidigung,

1B_291/2012
Jugendstrafverfahren; Beizug einer Wahlverteidigung,

Beschwerden gegen den Beschluss vom 20. März 2012 des Kantonsgerichts
Basel-Landschaft,
Abteilung Strafrecht.

Sachverhalt:

A.
Im Rahmen des gegen X.________ laufenden Jugendstrafverfahrens beauftragten
dessen Eltern, Z.________ und Y.________, Rechtsanwalt Dieter Roth mit der
Vertretung ihres Sohns. Mit Schreiben vom 15. Juli 2011 beantragte Dieter Roth
die Bewilligung der amtlichen Verteidigung. Die Jugendanwaltschaft
Basel-Landschaft hiess das Gesuch mit Verfügung vom 16. August 2011 gut.

Am 19. Dezember 2011 beantragte Y.________ einen Wechsel der amtlichen
Verteidigung. Das Gesuch wurde von der Jugendanwaltschaft mit Verfügung vom 20.
Dezember 2011 abgewiesen. Ebenfalls am 20. Dezember 2011 beantragte
Rechtsanwalt Nicolas Roulet in Vertretung von X.________ und Y.________, er sei
anstelle von Dieter Roth als amtlicher Verteidiger einzusetzen. Die
Jugendanwaltschaft teilte daraufhin Nicolas Roulet mit, sie habe über diesen
Antrag bereits mit der Verfügung vom 20. Dezember 2011 entschieden. Nicolas
Roulet beantragte in der Folge im Auftrag von X.________ und seinen Eltern, er
sei zusätzlich zum bereits eingesetzten amtlichen Verteidiger als
Wahlverteidiger zuzulassen. Mit Verfügung vom 23. Dezember 2011 wies die
Jugendanwaltschaft das Gesuch ab und forderte zudem Nicolas Roulet auf, bis zum
6. Januar 2012 darzulegen, dass die Finanzierung seines Mandats zumindest bis
zum Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens sichergestellt sei. Nach
unbenutztem Ablauf dieser Frist werde davon ausgegangen, dass X.________ und
seine Eltern nicht über ausreichende Mittel zur Finanzierung der
Wahlverteidigung verfügen.

Gegen die beiden Verfügungen der Jugendanwaltschaft vom 20. und 23. Dezember
2011 führte X.________ mit Eingabe vom 5. Januar 2012 Beschwerde beim
Kantonsgericht Basel-Landschaft. Mit Beschluss vom 20. März 2012 erwog das
Kantonsgericht, die beiden Beschwerdeverfahren seien zusammen zu behandeln und
über die Beschwerde vom 5. Januar 2012 sei in einem einzigen, für beide
Verfahren gleichlautenden Beschwerdeentscheid zu befinden. Das Kantonsgericht
stellte dennoch zwei verschiedene Entscheide mit verschiedenen
Verfahrensnummern und unterschiedlich umschriebenem Verfahrensgegenstand aus.
Die beiden Entscheide enthalten identische Erwägungen und das Dispositiv,
welches ebenfalls wörtlich übereinstimmt, lautet wie folgt:
"1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Die Verfügungen der Jugendanwaltschaft vom
20. und 23. Dezember 2011 werden demzufolge bestätigt.
2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gebühr von CHF
2'000.-- sowie Auslagen von CHF 160.--, total CHF 2'160.--, gehen zu Lasten des
Beschwerdeführers.
3. Dem amtlichen Verteidiger, Dieter Roth, wird für seine Bemühungen im
vorliegenden Beschwerdeverfahren ein Honorar von CHF 689.40, zuzüglich Auslagen
von CHF 42.50 und Mehrwertsteuer von CHF 58.55, total 790.45, zu Lasten des
Staates ausgerichtet."

B.
Mit zwei verschiedenen Eingaben vom 18. Mai 2012 erhebt X.________ Beschwerde
in Strafsachen. In seiner ersten Eingabe (Verfahren 1B_289/2012) beantragt er
im Wesentlichen, der Beschluss des Kantonsgerichts sei aufzuheben und Dieter
Roth sei als amtlicher Verteidiger durch Nicolas Roulet zu ersetzen.
Eventualiter sei die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Subeventualiter sei Ziff. 2 des angefochtenen Entscheids
aufzuheben und ihm für das vorinstanzliche Verfahren die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren, subsubeventualiter sei die Sache zur neuen
Kostenregelung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In seiner zweiten Eingabe
(Verfahren 1B_291/2012) beantragt X.________ im Wesentlichen, der Beschluss des
Kantonsgerichts sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Vorinstanz
ihm den Beizug einer privaten Wahlverteidigung zu Unrecht verweigert habe.
Dementsprechend sei ihm der Beizug einer freien Wahlverteidigung zu gestatten.
Eventualiter sei die Angelegenheit zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen.

Das Kantonsgericht und die Jugendanwaltschaft beantragen hinsichtlich beider
Verfahren die Abweisung der Beschwerden. Dieter Roth beantragt, die Beschwerden
seien abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.

Erwägungen:

1.
1.1 Zunächst ist zu klären, ob das Kantonsgericht am 20. März 2012 zwei
verschiedene Beschlüsse gefällt hat, oder ob es sich um einen einzigen
Beschluss handelt. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die Kostenfolgen von
Bedeutung, zumal der Beschwerdeführer rügt, es sei rechtsverletzend, wenn ihm
für zwei gleichlautende Entscheide zweimal Fr. 2'000.-- Gerichtskosten
auferlegt würden. Entscheidend ist diesbezüglich das Dispositiv in Verbindung
mit den Erwägungen. Das Dispositiv beider Entscheide bezieht sich jeweils auf
beide Verfügungen der Jugendanwaltschaft (jener vom 20. Dezember 2012 und jener
vom 23. Dezember 2012). Dies steht in Einklang mit der vorinstanzlichen
Erwägung, es sei angebracht, die beiden Beschwerdeverfahren zusammen zu
behandeln und somit über die Beschwerde vom 5. Januar 2012 in einem einzigen,
für beide Beschwerdeverfahren gleichlautenden Beschwerdeentscheid zu befinden.
Mithin ist von einem einzigen Beschluss auszugehen. Dass das Kantonsgericht
diesen in zwei verschiedenen Ausdrucken mit verschiedenen Verfahrensnummern und
verschiedener Bezeichnung des Prozessgegenstands versehen hat, ist demgegenüber
nicht entscheidend.

1.2 Da die vorliegenden Beschwerden einen einzigen Beschluss betreffen, ist es
angezeigt, die Beschwerdeverfahren zu vereinigen und die Sache in einem
einzigen Urteil zu behandeln.

1.3 Beim angefochtenen Beschluss handelt es sich um einen kantonal
letztinstanzlichen Zwischenentscheid in Strafsachen (Art. 78, 80 und 93 BGG).
1.4
1.4.1 Genauer zu prüfen ist, ob die Sachurteilsvoraussetzungen von Art. 93 BGG
erfüllt sind. Sofern sich diese nicht ohne Weiteres aus den Akten ergeben,
obliegt es dem Beschwerdeführer darzulegen, inwiefern sie gegeben sind (BGE 133
II 353 E. 1 S. 356). Vorliegend fällt von vornherein ausschliesslich die
Variante von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG in Betracht. Danach ist die Beschwerde
gegen einen Zwischenentscheid zulässig, wenn dieser einen nicht wieder
gutzumachenden Nachteil bewirken kann.

Als oberste rechtsprechende Behörde des Bundes soll sich das Bundesgericht in
der Regel nur einmal mit der gleichen Streitsache befassen müssen. Nach
ständiger Praxis zu Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG ist ein Vor- oder
Zwischenentscheid daher nur ausnahmsweise anfechtbar, sofern ein konkreter
rechtlicher Nachteil droht, der auch durch einen (für die rechtsuchende Partei
günstigen) Endentscheid nachträglich nicht mehr behoben werden könnte. Der
blosse Umstand, dass es sich beim aktuellen Offizialverteidiger nicht (oder
nicht mehr) um den Wunsch- bzw. Vertrauensanwalt eines Beschuldigten handelt,
schliesst eine wirksame und ausreichende Verteidigung nicht aus. Die Ablehnung
eines Gesuchs des Beschuldigten um Auswechslung des amtlichen Verteidigers
begründet daher grundsätzlich keinen nicht wieder gutzumachenden Rechtsnachteil
im Sinne des Gesetzes. Anders kann der Fall liegen, wenn der amtliche
Verteidiger seine Pflichten erheblich vernachlässigt, wenn die
Strafjustizbehörden gegen den Willen des Beschuldigten und seines
Offizialverteidigers dessen Abberufung anordnen, oder wenn sie dem
Beschuldigten verweigern, sich (zusätzlich zur Offizialverteidigung) auch noch
durch einen Privatverteidiger vertreten zu lassen (zum Ganzen: BGE 135 I 261 E.
1.2-1.4 S. 264 f.; Urteile 1B_197/2011 vom 14. Juli 2011 E. 1; 1B_357/2010 vom
7. Januar 2011 E. 1; je mit Hinweisen).
1.4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, der amtliche Verteidiger habe sich
nie Zeit für ein Gespräch mit seinen Eltern genommen. Er habe es unterlassen,
die Einweisung in eine Beobachtungsstation anzufechten oder nach einer gewissen
Zeit ein Entlassungsgesuch zu stellen. Auch sei er vom Zeitpunkt seiner
Mandatierung am 8. Juni 2011 bis zur Genehmigung der amtlichen Verteidigung am
16. August 2011 seinen Teilnahmerechten nicht nachgekommen. Er habe an
wichtigen Beweiserhebungen nicht teilgenommen. Seine Untätigkeit zeige, dass
eine genügende Vertretung nicht mehr bestehe. Schliesslich gebe es
Kommunikationsprobleme zwischen seinen Eltern und dem amtlichen Verteidiger.
Die Schreiben von seinen Eltern und ihm selber, die sie an den amtlichen
Verteidiger und die Jugendanwaltschaft gerichtet hätten, würden im Übrigen
eindeutig aufzeigen, dass das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört sei.
1.4.3 Das Kantonsgericht weist darauf hin, dass der amtliche Verteidiger von
den Eltern des Beschwerdeführers ausgesucht worden sei. In Bezug auf den
Vorwurf, der amtliche Verteidiger habe die Einweisung in eine
Beobachtungsstation nicht angefochten und sich später nicht um eine Entlassung
bemüht, hält das Kantonsgericht fest, dass der Beschwerdeführer und seine
Eltern anlässlich der Verhandlung vor dem Zwangsmassnahmengericht vom 16. Juni
2011 mit einer stationären Beobachtungsabklärung einverstanden gewesen seien.
Unter diesen Umständen sei es nachvollziehbar, dass der amtliche Verteidiger
die später verfügte Einweisung nicht angefochten habe und auf ein
Entlassungsgesuch verzichtet habe. Im Übrigen sei es in erster Linie die Sache
des amtlichen Verteidigers, die geeignete Verteidigungsstrategie festzulegen.
Der amtliche Verteidiger könne dies selbst gegen den klaren Willen des
Beschwerdeführers bzw. seiner Eltern tun. Die Behauptung, der amtliche
Verteidiger nehme sich keine Zeit für den Beschwerdeführer, werde von diesem
selber sowie der Jugendanwaltschaft glaubhaft bestritten. Die Verfahrensakten
zeigten zudem, dass der amtliche Verteidiger bei diversen Einvernahmen anwesend
gewesen sei. Der Beschwerdeführer lege darüber hinaus nicht dar, inwiefern der
amtliche Verteidiger seine Pflichten nicht hinreichend wahrnehme.
1.4.4 Der amtliche Verteidiger ist weiterhin, bereit, seine Aufgabe
wahrzunehmen. Er führt aus, er habe seit seiner Mandatierung am 8. Juni 2011
rund 35 Stunden für das Strafverfahren aufgewendet. Der Beschwerdeführer sei
letztmals am 11. Mai 2012 zu einer rund einstündigen Besprechung in seiner
Kanzlei erschienen, dies freiwillig und ohne Begleitung seiner Eltern. Bei der
Besprechung sei es hauptsächlich darum gegangen, wie das Verfahren weitergehe
und inwiefern der Beschwerdeführer vom Jugendheim Erlenheim aus, wo er sich
derzeit aufhalte, externe Schnupperlehren absolvieren könne. Im Anschluss daran
habe er eine entsprechende Eingabe an die Jugendanwaltschaft verfasst.
Hinsichtlich der Anfechtung der Einweisung bzw. eines möglichen
Entlassungsgesuchs habe er sich von den objektiven Vor- und Nachteilen für den
Beschwerdeführer leiten lassen. Es sei offensichtlich gewesen, dass im Dezember
2011, nach knapp einem halben Jahr in der Beobachtungsabklärung, eine gewisse
Ermüdung eingetreten sei. Es sei allerdings klar gewesen, dass es Mitte Januar
2012 zu einem Standortgespräch kommen und anschliessend die
Beobachtungsabklärung auf alle Fälle beendet werden würde. Ein
Entlassungsgesuch sei in diesem Zeitpunkt nicht angezeigt gewesen. Am
Standortgespräch habe er sich gemäss den Instruktionen durch den
Beschwerdeführer und seine Eltern dafür eingesetzt, dass die Fortdauer der
Massnahme, wenn sie denn unumgänglich sei, dann in der Nähe des Wohnorts der
Eltern stattfinde. Dieses Ziel sei erreicht worden. Ebenfalls habe der
Beschwerdeführer nun die Erlaubnis, externe Schnupperlehren zu machen.
1.4.5 Der Beschwerdeführer vermag nicht aufzuzeigen, inwiefern das Vorgehen des
amtlichen Verteidigers objektiv gegen seine Interessen verstösst, auch wenn
klar ist, dass er persönlich nicht damit einverstanden ist. Der
Beschwerdeführer zeigt auch nicht konkret auf, bei welchen Beweiserhebungen der
amtliche Verteidiger in Verletzung seiner Pflichten gefehlt haben soll. Die
allgemeinen Beanstandungen an der Mandatsführung und der Hinweis auf
Kommunikationsprobleme zwischen seinen Eltern und dem amtlichen Verteidiger
sind ebenfalls nicht geeignet, eine erhebliche Pflichtvernachlässigung
nachzuweisen. Eine wirksame Verteidigung erscheint vor diesem Hintergrund nach
wie vor gegeben. Die Sachurteilsvoraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG
sind in dieser Hinsicht nicht erfüllt.

1.5 Es ergibt sich, dass auf die Beschwerde im Verfahren 1B_289/2012 nicht
einzutreten ist. Dies gilt auch für die vorinstanzlich festgelegten Kosten- und
Entschädigungsfolgen, soweit sie das Verfahren 1B_289/2012 betreffen. Der
Beschwerdeführer rügt in diesem Zusammenhang, die Vorinstanz habe Art. 29 Abs.
3 BV verletzt, indem sie ihm die unentgeltliche Rechtspflege verweigert habe.
Diese Rüge ist im Rahmen einer allfälligen Beschwerde nach Vorliegen des
Endentscheids vorzubringen (Art. 93 Abs. 3 BGG; BGE 135 III 329 E. 1 S. 331
ff.; Urteil 5A_780/2011 vom 23. Februar 2012 E. 2; je mit Hinweisen).

1.6 In Bezug auf das Verfahren 1B_291/2012 sind die Sachurteilsvoraussetzungen
dagegen erfüllt. Auf diese Beschwerde ist einzutreten.

2.
2.1 Der Beschwerdeführer kritisiert, dass das Kantonsgericht Nicolas Roulet
nicht als Wahlverteidiger zugelassen hat. Er habe in einem fairen Verfahren
gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 3 EMRK einen uneingeschränkten
Anspruch auf freie Wahl der Verteidigung. Es könne durchaus eine
Wahlverteidigung neben einer amtlichen Verteidigung bestehen, auch wenn in
diesem Fall der amtliche Verteidiger sinnvollerweise aus seinem Amt entlassen
werde. Rechtsmissbräuchlich sei sein Ansinnen keineswegs, insbesondere wenn man
bedenke, dass für die Kosten der Wahlverteidigung auch eine Drittperson
aufkommen könnte. Im Übrigen verstosse es gegen die anwaltliche
Schweigepflicht, das finanzielle Verhältnis zum Mandaten offenzulegen.

2.2 Das Kantonsgericht führt aus, bei einem Beizug eines Wahlverteidigers sei
die amtliche Verteidigung aus dem Mandat zu entlassen, bzw. sei die Bewilligung
der amtlichen Verteidigung zu widerrufen. In einem solchen Fall sei davon
auszugehen, dass der Jugendliche oder seine Eltern entgegen der ursprünglichen
Annahme über genügend finanzielle Mittel verfügten, um sich eine
Wahlverteidigung zu leisten. Ein Gesuch um Bewilligung der selber zu
entschädigenden Wahlverteidigung neben der zuvor beantragten, vom Staat
bezahlten amtlichen Verteidigung sei widersprüchlich, wenn nicht gar
rechtsmissbräuchlich. Ausserdem müssten bei einer Vertretung der beschuldigten
Person durch mehrere Anwälte weitere problematische Fragen, namentlich die
Regelung des Verkehrs der verschiedenen Vertretungen mit den Behörden, geklärt
werden. Wenn zudem die amtliche Verteidigung aus dem Mandat entlassen würde, so
bestehe das Risiko, dass die Wahlverteidigung kurze Zeit später ihrerseits ein
Gesuch um Bewilligung der amtlichen Verteidigung stelle. Der zuständigen
Behörde müsse daher das Recht zugestanden werden, vor der Entlassung der
amtlichen Verteidigung von der gesuchstellenden Person einen Nachweis darüber
zu verlangen, dass sie auch tatsächlich über die notwendigen finanziellen
Mittel zur Bezahlung der Wahlverteidigung verfüge bzw. diese erhältlich machen
könne. Diesen Nachweis habe der Beschwerdeführer nicht erbracht.
2.3
2.3.1 Art. 32 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK und Art. 127 StPO
garantieren das Recht des Beschuldigten, sich im Strafprozess durch einen
Anwalt eigener Wahl verteidigen zu lassen. Das Recht auf freie Verteidigerwahl
ist nicht unbeschränkt. Abs. 2 von Art. 127 StPO sieht etwa Schranken für den
Fall der Mehrfachvertretung vor, Abs. 5 behält die Verteidigung der
beschuldigten Person grundsätzlich Anwälten vor. Das Kantonsgericht erblickt
eine weitere Schranke darin, dass dem bereits amtlich verteidigten
Beschuldigten die Wahlverteidigung nur unter Nachweis einer gesicherten
Finanzierung zu erlauben sei. Es geht davon aus, dass bei der Zulassung eines
Wahlverteidigers der amtliche Verteidiger zwingend zu entlassen sei.
2.3.2 Entgegen der Ansicht der Vorinstanz steht es einem bisher amtlich
verteidigten Beschuldigten frei, eine private Verteidigung zu beauftragen (und
diese dafür zu entschädigen). In der Regel wird damit zwar das Erfordernis der
amtlichen Verteidigung entfallen (Urteil 6B_294/2008 vom 1. September 2008 E.
8.5 mit Hinweisen). Dies ist aber nicht zwingend der Fall. Die gleichzeitige
Verteidigung durch einen amtlichen und einen Wahlverteidiger ist nicht
ausgeschlossen. Es kann beispielsweise zulässig und geboten sein, einen
amtlichen Verteidiger zusätzlich zu einer bereits bestehenden Wahlverteidigung
zu bestellen, wenn ein Beschuldigter durch die ständige Bestellung und
Abberufung von Verteidigern versucht, das Strafverfahren zu verschleppen
(Urteil 1P.493/1999 vom 30. November 1999 E. 3b mit Hinweisen; vgl. auch
WOLFGANG PEUKERT, in: Europäische Menschenrechtskonvention, 3. Auflage 2009, N.
300 zu Art. 6 EMRK). Ähnliche Überlegungen gelten, wenn fraglich ist, ob die
Finanzierung und damit das Fortbestehen der Wahlverteidigung mindestens bis zum
Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens gewährleistet ist, zumal wenn die
vorangehende Einsetzung einer amtlichen Verteidigung auf der Mittellosigkeit
des Beschuldigten beruhte (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO).
2.3.3 Aus dem Gesagten folgt, dass es in einer Situation wie der vorliegenden
angezeigt sein kann, die amtliche Verteidigung nicht zu entlassen, solange die
Kosten der Wahlverteidigung nicht bis zum Abschluss mindestens des
erstinstanzlichen Verfahrens sichergestellt sind (vgl. NIKLAUS RUCKSTUHL, in:
Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2011, N. 2 zu Art. 134
StPO). Dagegen stellt es eine Verletzung des Rechts des Beschuldigten auf freie
Verteidigerwahl dar, wenn die Verfahrensleitung es ihm von vornherein verwehrt,
zusätzlich zum amtlichen einen Wahlverteidiger zu bestellen. Für die vorliegend
verfügte Nichtzulassung eines Wahlverteidigers besteht somit keine
Rechtsgrundlage. Die Rüge des Beschwerdeführers ist begründet.

3.
3.1 Es ergibt sich, dass auf die Beschwerde im Verfahren 1B_289/2012 nicht
einzutreten ist, wobei sich diese Erkenntnis auf den Hauptpunkt sowie die
Kosten- und Entschädigungsfolgen bezieht.

Die Beschwerde im Verfahren 1B_291/2012 ist dagegen gutzuheissen und der
angefochtene Entscheid insoweit aufzuheben, als er dem Beschwerdeführer die
Bestellung eines Wahlverteidigers verwehrt. Bei diesem Ergebnis erübrigt es
sich, auf die in diesem Verfahren ebenfalls erhobene Rüge gegen die
Verweigerung der unentgeltlichen Rechtspflege durch die Vorinstanz einzugehen.
Ebenfalls als gegenstandslos erweist sich die Rüge gegen die angeblich doppelte
Auflage der Gerichtskosten. Nach dem unter E. 1.1 Ausgeführten liegt nur ein
Entscheid vor und sind die Gerichtskosten somit gar nicht zweimal geschuldet.
Aufgehoben wird zudem auch Ziff. 2 des Dispositivs des angefochtenen
Entscheids. Entsprechend dem Obsiegen des Beschwerdeführers im Verfahren 1B_291
/2012 sind die dem Beschwerdeführer auferlegten Gerichtskosten des kantonalen
Verfahrens von Fr. 2'160.-- auf Fr. 1'080.-- zu halbieren (Art. 67 BGG). Der
Kanton Basel-Landschaft hat dem Beschwerdeführer für die Kosten der
Wahlverteidigung eine Entschädigung von Fr. 1'000.-- auszurichten. Die Kosten
für die amtliche Verteidigung im kantonalen Verfahren trägt dagegen zumindest
vorläufig der Staat, weshalb die Zusprechung einer weiteren Parteientschädigung
für das kantonale Verfahren nicht angezeigt ist. Indessen wird das urteilende
Gericht bei der Festlegung der Verfahrenskosten dem Umstand Rechnung tragen
müssen, dass die Kosten der amtlichen Verteidigung für das Verfahren über die
Zulassung eines Wahlverteidigers auch nicht nachträglich dem Beschwerdeführer
auferlegt werden dürfen (Art. 135 Abs. 4 und Art. 426 Abs. 1 StPO).

3.2 Der Beschwerdeführer stellt für das Verfahren 1B_289/2012 ein Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege. Gemäss Art. 64 Abs. 1 BGG befreit das
Bundesgericht eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt,
auf Antrag von der Bezahlung der Gerichtskosten, sofern ihr Rechtsbegehren
nicht aussichtslos erscheint (BGE 129 I 129 E. 2.3.1 S. 135 f.; 133 III 614 E.
5 S. 616; je mit Hinweisen). Ob eine Beschwerde aussichtsreich ist, erschliesst
sich aus den Begehren und ihrer Begründung durch den Beschwerdeführer (Urteil
6B_588/2007 vom 11. April 2008 E. 6.2, in: Pra 2008 Nr. 123 S. 766). Wie sich
aus den vorangehenden Erwägungen ergibt, ist vorliegend auf die Begehren schon
gar nicht einzutreten. Infolge Aussichtslosigkeit des Rechtsmittels entfällt
deshalb der Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege nach Art. 64 Abs. 1 BGG.
Der Beschwerdeführer trägt somit die Gerichtskosten für das Verfahren 1B_289/
2012 (Art. 66 Abs. 1 BGG). Er hat zudem keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Infolge des Obsiegens des Beschwerdeführers im Verfahren 1B_291/2012 sind
diesbezüglich keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 66 Abs. 3 BGG). Dem
Beschwerdeführer ist zulasten des Kantons Basel-Landschaft eine
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG). Das in diesem
Verfahren vom Beschwerdeführer gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
wird damit gegenstandslos.

Der amtliche Verteidiger macht grundsätzlich zu Recht Aufwendungen im
Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren geltend. Mit Blick auf die
Verfahrensumstände erscheint es jedoch nicht als gerechtfertigt, im
Zusammenhang mit dem voliegenden Zwischenverfahren eine gesonderte
Entschädigung für das Beschwerdeverfahren vor dem Bundesgericht festzusetzen.
Die Staatsanwaltschaft oder das urteilende Gericht wird dem diesbezüglichen
Verfahrensaufwand im Rahmen der Festsetzung der Entschädigung des amtlichen
Verteidigers gestützt auf Art. 135 Abs. 2 StPO Rechnung zu tragen haben.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verfahren 1B_289/2012 und 1B_291/2012 werden vereinigt.

2.
Auf die Beschwerde im Verfahren 1B_289/2012 wird nicht eingetreten.

3.
Die Beschwerde im Verfahren 1B_291/2012 wird gutgeheissen. Ziff. 1 des
Dispositivs des angefochtenen Entscheids wird insoweit aufgehoben, als dem
Beschwerdeführer damit die Bestellung eines Wahlverteidigers verweigert wird.
Ziff. 2 des Dispositivs des angefochtenen Entscheids wird ebenfalls aufgehoben
und die vom Beschwerdeführer zu tragenden Gerichtskosten des kantonalen
Verfahrens werden auf Fr. 1'080.-- reduziert. Der Kanton Basel-Landschaft hat
dem Beschwerdeführer für die Kosten der Wahlverteidigung im kantonalen
Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.-- auszurichten.

4.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im bundesgerichtlichen Verfahren
1B_289/2012 wird abgewiesen.

5.
Der Beschwerdeführer trägt die Gerichtskosten des bundesgerichtlichen
Verfahrens 1B_289/2012 von Fr. 1'000.--. Für das Verfahren 1B_291/2012 werden
keine Gerichtskosten erhoben.

6.
Der Kanton Basel-Landschaft hat dem Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche
Verfahren 1B_291/2012 eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- auszurichten.

7.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Jugendanwaltschaft und dem
Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, sowie dem weiteren
Beteiligten schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 28. Juni 2012

Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Fonjallaz

Der Gerichtsschreiber: Dold