Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 1B.535/2012
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
1B_535/2012

Urteil vom 28. November 2012
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Bundesrichter Karlen, Eusebio,
Gerichtsschreiber Steinmann.

Verfahrensbeteiligte
X.A.________, vertreten durch Advokat Dieter Gysin,
Beschwerdeführer,

gegen

1. X.B.________, vertreten durch Advokatin Stefanie Mathys-Währer,
Beschwerdegegnerin,
2. Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft, Emma Herwegh-Platz 2a, 4410
Liestal,

Gegenstand
Strafverfahren; Einstellung,

Beschwerde gegen den Beschluss des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung
Strafrecht, vom 24. Juli 2012.

Sachverhalt:

A.
Das Ehepaar X.________ hatte am 14. November 2010 eine verbale und
handgreifliche Auseinandersetzung. Unmittelbar danach fuhr es mit dem Fahrzeug
von X.B.________ zur Polizeistation Sissach. Dort reichten die Ehegatten
gegenseitig Strafanzeige ein. X.B.________ führte das Auto mit überhöhter
Geschwindigkeit, beging mehrere Verkehrsregelverletzungen und soll X.A.________
bedroht haben.

X.A.________ stellte am 15. November 2010 gegen X.B.________ Strafantrag wegen
sämtlicher in Frage kommender Delikte. Zudem reichte er am 26. Januar 2011 eine
Zivilklage ein. Mit einer Teil-Einstellungsverfügung vom 29. März 2012 stellte
die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, das
Strafverfahren gegen die Beschuldigte X.B.________ in Bezug auf Tätlichkeiten,
eventualiter einfache Körperverletzung, mehrfache Gefährdung des Lebens,
Drohung und wegen Fahrens in nicht fahrfähigem Zustand in Anwendung von Art.
319 Abs. 1 lit. a und b StPO ein. Die Zivilklage wurde auf den Zivilweg
verwiesen.

Hiergegen erhob X.A.________ Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft.
Dessen Abteilung Strafrecht wies die Beschwerde mit Beschluss vom 24. Juli 2012
ab. Sie verneinte in Bezug auf Art. 129 StGB Tatbestandsmässigkeit und Schuld.
Hinsichtlich der Drohung nach Art. 180 StGB fehlte es an einem hinreichenden
Verdacht. Der Tatbestand von Art. 91 Abs. 1 SVG erschien dem Kantonsgericht
offensichtlich als nicht erfüllt. In Bezug auf den Straftatbestand von Art. 90
Ziff. 2 evt. von Art.90 Ziff. 1 SVG hatte die Staatsanwaltschaft einen
Strafbefehl in Aussicht gestellt.

B.
Gegen diesen Beschluss des Kantonsgerichts hat X.A.________ beim Bundesgericht
am 14. September 2012 Beschwerde in Strafsachen erhoben. Er beantragt dessen
Aufhebung und die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz;
ferner seien die Zivilforderungen vollumfänglich gutzuheissen.

Das Kantonsgericht beantragt mit seiner Vernehmlassung die vollumfängliche
Abweisung der Beschwerde. Denselben Antrag stellt die Staatsanwaltschaft
Basel-Landschaft. X.B.________ verzichtet als Beschwerdegegnerin auf eine
Stellungnahme. Der Beschwerdeführer hält in seiner Replik an seinen Anträgen
fest.

Erwägungen:

1.
1.1 Der angefochtene Entscheid des Kantonsgerichts betrifft eine Strafsache und
ist kantonal letztinstanzlich. Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung
berechtigt. Er hat am Verfahren der Vorinstanz teilgenommen und ist
Privatkläger. Der angefochtene Entscheid kann sich auf die Beurteilung seiner
Zivilansprüche auswirken. Die Beschwerde ist rechtzeitig erhoben. Demnach kann
auf die Beschwerde in Strafsachen grundsätzlich eingetreten werden (Art. 78
Abs. 1, Art. 80 Abs. 2, Art. 81 Abs. 1 lit. a und lit. b Ziff. 5, Art. 100 Abs.
1 BGG).

1.2 Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren in drei Bereichen eingestellt: 1)
Tätlichkeiten nach Art. 126 Abs. 2 StGB (evt. einfache Körperverletzung), 2)
mehrfache Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB und Drohung im Sinne von
Art. 180 StGB und 3) Fahren in nicht fahrfähigem Zustand nach Art. 91 Abs. 1
SVG. Das Kantonsgericht hat diese Verfahreneinstellung bestätigt. Im
vorliegenden Verfahren nimmt der Beschwerdeführer ausschliesslich auf den
Bereich 2) betreffend Gefährdung des Lebens und Drohung Bezug. Er legt in
keiner Weise dar, weshalb die Einstellungen hinsichtlich der Bereiche 1) und 3)
gegen Bundesrecht verstossen sollte. Seine Anträge reichen damit über seine
Beschwerdebegründung hinaus. Insoweit kann auf die Beschwerde nicht eingetreten
werden.

Der Beschwerdeführer beantragt neben der Aufhebung des angefochtenen
Beschlusses die vollumfängliche Gutheissung seiner Zivilforderungen. Soweit die
Staatsanwaltschaft die Zivilklage auf den Zivilweg verwiesen hat und dieser
Entscheid vom Kantonsgericht bestätigt worden ist, liegt in Bezug auf die
Zivilklage kein letztinstanzlicher materieller Entscheid vor. Im Falle der
Gutheissung der vorliegenden Beschwerde müsste das Kantonsgericht zu den
Zivilforderungen erneut Stellung nehmen. Auch in dieser Hinsicht kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden.

1.3 Mit der Beschwerde in Strafsachen kann laut Art. 95 lit. a BGG die
Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich von Bundesverfassungsrecht) geltend
gemacht werden. In der Beschwerdeschrift ist gemäss Art. 42 Abs. 2 BGG in
gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt. Ob
diese Anforderungen erfüllt sind, wird im entsprechenden Sachzusammenhang zu
prüfen sein.

2.
Der Beschwerdeführer rügt in zweifacher Hinsicht eine unrichtige Feststellung
des Sachverhalts.

2.1 Werden die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz angefochten, so muss
im Rahmen von Art. 97 BGG klar und substantiiert aufgezeigt werden, inwiefern
die gerügten Feststellungen bzw. die Unterlassung von Feststellungen
offensichtlich unrichtig sind oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruhen und dass die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens
entscheidend sein kann (Art. 105 Abs. 2 BGG; vgl. BGE 133 II 249 E. 1.4.3; 133
III 350 E. 1.3; 133 III 393 E. 7.1; 133 III 462 E. 2.4).

2.2 Das Kantonsgericht hielt im angefochtenen Entscheid fest, dass der
Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin nach einer heftigen
Auseinandersetzung zusammen das Auto von Letzterer bestiegen, um auf dem
nächsten Polizeiposten gegenseitige Strafanzeigen zu erstatten. Demgegenüber
macht der Beschwerdeführer geltend, er selber habe vorerst keine Strafanzeige
erheben wollen. Es sei ausschliesslich die Beschwerdegegnerin gewesen, die
Strafanzeige erheben wollte. Er sei lediglich zur Auskunftserteilung
mitgefahren. In der Replik führt der Beschwerdeführer aus, er habe den Wagen
nicht gegen den Willen der Beschwerdegegnerin bestiegen.

Es wird vom Beschwerdeführer nicht dargetan und ist nicht ersichtlich,
inwiefern die Motivation zum Besteigen des Fahrzeugs oder der Moment des
Entschlusses zu einer Strafanzeige von Bedeutung sein sollten. Es ist einzig
erheblich, dass die Eheleute die Fahrt gemeinsam unternahmen und die Ehefrau am
Steuer sass. Die Rüge der unrichtigen Sachverhaltsfeststellung ist unbegründet.

2.3 Ferner macht der Beschwerdeführer geltend, der Sachverhalt sei hinsichtlich
der Fahrt nicht hinreichend abgeklärt. Das Kantonsgericht habe es unterlassen,
relevante Untersuchungen betreffend die begangenen Verkehrsregelverletzungen
durchzuführen.

Hinsichtlich der Verkehrsregelverletzungen kann, wie dargelegt, auf die
Beschwerde nicht eingetreten und somit auch keine unrichtige Feststellung des
Sachverhalts geltend gemacht werden. Was die Fahrt der Beschwerdegegnerin unter
dem Gesichtswinkel der Gefährdung des Lebens und der Drohung betrifft, legt der
Beschwerdeführer nicht dar, welche Untersuchungshandlungen notwendig gewesen
wären und welche Umstände unaufgeklärt geblieben seien. Er nimmt auch keinen
Bezug auf die Akten. Denen kann entnommen werden, dass einerseits der
Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin, aber auch die Insassen des von der
Beschwerdegegnerin überholten Fahrzeugs und verschiedene Nachbarn einvernommen
worden sind. Bei dieser Beweislage ist nicht ersichtlich, inwiefern
Unterlassungen zu einer offensichtlich unrichtigen Sachverhaltsfeststellung
geführt hätten.

3.
Das Kantonsgericht hat die Einstellung des Verfahrens gestützt auf Art. 319
Abs. 1 StPO bestätigt.

Nach dieser Bestimmung kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen,
wenn bei gegebener Sachlage ein Schuldspruch unwahrscheinlich bzw. ein
Freispruch wahrscheinlich und ein Gerichtsverfahren daher als aussichtslos
erscheint. Art. 319 Abs.1 StPO nennt eine Reihe von Einstellungsgründen.
Hingegen gilt der aus dem Legalitätsprinzip fliessende Grundsatz "in dubio pro
duriore" (Art. 5 Abs. 1 BV und Art. 2 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 319 Abs. 1 und
Art. 324 Abs. 1 StPO). Er bedeutet, dass eine Einstellung durch die
Staatsanwaltschaft grundsätzlich nur bei klarer Straflosigkeit bzw.
offensichtlich fehlenden Prozessvoraussetzungen angeordnet werden darf. Bei der
Beurteilung dieser Frage verfügen die Staatsanwaltschaft und die oberen
kantonalen Instanzen über einen gewissen Spielraum, den das Bundesgericht mit
Zurückhaltung überprüft. Hingegen ist (sofern die Erledigung mit einem
Strafbefehl nicht in Frage kommt) Anklage zu erheben, wenn eine Verurteilung
wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch. Falls sich die
Wahrscheinlichkeiten eines Freispruchs oder einer Verurteilung etwa die Waage
halten, drängt sich in der Regel, insbesondere bei schweren Delikten, ebenfalls
eine Anklageerhebung auf (vgl. BGE 138 IV 86 E. 4.1 S. 90; 137 IV 219 E.
7.1-7.2 S. 226 f.; Urteil 1B_591/2011 vom 18. Juni 2012 E. 4).

Das Kantonsgericht hat seinen Entscheid im Wesentlichen auf Art. 319 Abs. 1
lit. a und lit. b StPO gestützt. Danach kann das Verfahren eingestellt werden,
wenn kein eine Anklage rechtfertigender Tatverdacht erhärtet ist oder wenn kein
Straftatbestand in objektiver oder subjektiver Hinsicht erfüllt ist. Der
Beschwerdeführer bezieht sich nicht auf eine spezifische, in Art. 319 Abs. 1
StPO genannte Konstellation. Seiner Beschwerdeschrift kann indes entnommen
werden, dass er die in Frage stehenden Straftatbestände in objektiver und
subjektiver Hinsicht als erfüllt betrachtet.

4.
Im vorliegenden Fall steht zum einen der Straftatbestand der Gefährdung des
Lebens nach Art. 129 StGB in Frage.

4.1 Nach dieser Strafnorm wird bestraft, wer einen Menschen in skrupelloser
Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt (vgl. zum Ganzen die Urteile 6S.127/
2007 vom 6. Juli 2007 E. 2.3; BGE 133 IV 1 E. 5 S. 8; 136 IV 76 nicht
publizierte E. 1; je mit Hinweisen auf die Lehre).

Objektiv ist eine konkrete Lebensgefahr erforderlich. Nach der Rechtsprechung
ist eine unmittelbare Lebensgefahr anzunehmen, wenn nach dem gewöhnlichen Lauf
der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Verletzung des
Lebens besteht. Diese liegt nicht erst vor, wenn die Wahrscheinlichkeit des
Todes grösser ist als die Wahrscheinlichkeit seiner Vermeidung, sondern schon
bei einer nahen Möglichkeit des Todeseintritts. Das Element der Unmittelbarkeit
beinhaltet neben der ernsthaften Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung der
Gefahr, dass die unvermittelte, akute Gefahr direkt dem Verhalten des Täters
zuzuschreiben ist (BGE 121 IV 67 E. 2b; 111 IV 51 E. 2).

Subjektiv ist direkter Vorsatz in Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr
erforderlich; Eventualvorsatz genügt nicht (siehe auch BGE 121 IV 67 E. 2b/aa).
Direkter Vorsatz ist nach der Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter den
deliktischen Erfolg, mag ihm dieser auch gleichgültig oder sogar unerwünscht
sein, als notwendige Folge oder als Mittel zur Erreichung des verfolgten Zwecks
in seinen Entschluss miteinbezogen hat. Er braucht nicht das vom Täter
erstrebte Ziel zu sein; es genügt, dass er mitgewollt ist (BGE 119 IV 193 E. 2b
/cc). Demgegenüber liegt Eventualvorsatz vor, wenn der Täter den Eintritt des
Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch
handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt (BGE
125 IV 242 E. 3c mit Hinweisen).

Sicheres Wissen um die unmittelbare Lebensgefahr, also um die Möglichkeit des
Erfolgseintritts (Tod), ist mit sicherem Wissen um den Erfolgseintritt gerade
nicht identisch, kann also sowohl mit (eventuellem) Tötungsvorsatz wie mit
bewusster Fahrlässigkeit bezüglich der Todesfolge einhergehen. Art. 129 StGB
erlangt aber nur in diesem zweiten Fall praktische Bedeutung, denn bei
Tötungsvorsatz greifen Art. 111 ff. StGB ein. Art. 129 StGB kommt somit die
Funktion eines Auffangtatbestands zu, wenn der Tötungsvorsatz nicht
nachzuweisen ist. Eine Verurteilung wegen Art. 129 StGB fällt mit anderen
Worten in Betracht, wenn der Täter trotz der erkannten Lebensgefahr handelt,
aber darauf vertraut, die Gefahr werde sich nicht realisieren.
Des Weiteren verlangt der subjektive Tatbestand von Art. 129 StGB, dass die
Möglichkeit des Todeseintritts so wahrscheinlich erscheint, dass sich
wissentlich darüber hinwegzusetzen als skrupellos erscheint (BGE 121 IV 67 E.
2b/aa; 106 IV 12 E. 2a und b, je mit Hinweisen). Gemeint ist damit ein
qualifizierter Grad der Vorwerfbarkeit, eine besondere Hemmungs- oder
Rücksichtslosigkeit des Täters. Zu berücksichtigen sind die Tatmittel, die
Tatmotive sowie die konkrete Tatsituation. Die Skrupellosigkeit muss sich
mithin als Qualifikation der Tat ergeben; ein Rückgriff auf
Persönlichkeitsmerkmale oder auf das Vorleben des Täters ist zur Begründung
nicht zulässig.

4.2 Zum Tatbestand der Gefährdung des Lebens für den Bereich des
Strassenverkehrs kann insbesondere auf die folgenden Urteile verwiesen werden:

Der Tatbestand ist als erfüllt betrachtet worden in einem Fall, in dem
anlässlich eines Strassenrennens auf der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von
144 km/h der Täter einen Beteiligten durch einen Schwenker gezwungen hat, nach
rechts auf den Pannenstreifen auszuweichen (Urteil 6S.127/2007 vom 6. Juli
2007).

Das Bundesgericht hat den Tatbestand bejaht im Fall eines Fahrzeuglenkers, der
auf der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h nachts und bei nasser
Fahrbahn grundlos und ohne Blinkzeichen auf die Überholspur wechselte und bei
einem Abstand von zwanzig Metern zum hinter ihm fahrenden Fahrzeug unvermittelt
voll auf die Bremsen trat (Urteil 6S.563/1995 vom 24. November 1995, in Pra
1996 Nr. 173 S. 638).

Schuldig gesprochen wegen Gefährdung des Lebens hat das Bundesgericht zudem
einen Fahrzeuglenker, welcher nachts auf der Autobahn bei nasser Fahrbahn mit
185 km/h fuhr und ein Überholmanöver ausführte, bei welchem der Abstand zum
überholten Fahrzeug beim Fahrspurwechsel nur einen bis zwei Meter betrug
(Urteil 6S.164/2005 vom 20. Dezember 2005 E. 2.3.1).
Im Fall einer absichtlich herbeigeführten seitlichen Kollision bei einer
Geschwindigkeit von 120 - 130 km/h auf der Autobahn schliesslich hat das
Bundesgericht zwar den Eventualvorsatz in Bezug auf allfällige Todesfolgen
verneint und die vorinstanzliche Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher
Tötung gemäss Art. 111 StGB aufgehoben. Den Tatbestand von Art. 129 StGB hat
das Gericht hingegen als erfüllt angesehen (BGE 133 IV 1 E. 4.7 und E. 5.2).

Schliesslich ist ein Fahrer wegen Gefährdung des Lebens verurteilt worden, der
nachts auf einer Autostrasse mit einer Geschwindigkeit von mind. 188 km/h eine
Rechtskurve befuhr, die Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zwar
vermeiden konnte und hernach die Herrschaft verlor und von der Strasse abkam (
BGE 136 IV 76, nicht publizierte E. 1).

4.3 In objektiver Hinsicht kann davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdegegnerin in gefährlicher Fahrweise mit klar übersetzter
Geschwindigkeit gefahren war und dabei Verkehrsregeln verletzte. Dies wird
durch die Zeugenaussagen des Ehepaars A.________ bestätigt, das auf derselben
Strasse unterwegs war und im Bereiche einer Rechtskurve mit Sicherheitslinie
von der Beschwerdegegnerin überholt wurde. Dem Fahrzeug der Beschwerdegegnerin
kam offenbar ein Teil des Spoilers und ein Raddeckel abhanden, wie das genannte
Ehepaar bezeugte. In einer Linkskurve verlor die Fahrerin die Herrschaft über
das Fahrzeug, kam von der Strasse ab und fuhr in ein ansteigendes Feld.

Der Beschwerdeführer selber bezeichnet die Fahrt als "halsbrecherisch". Die
Beschwerdegegnerin hat eingestanden, mit übersetzter Geschwindigkeit gefahren
zu sein. Die Parteien haben zur tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit
unterschiedlich ausgesagt. Es bestehen dazu keine gesicherten Aussagen. Unter
diesem Gesichtswinkel kann nicht angenommen werden, dass es sich um eine
Geschwindigkeit handelte, die mit derjenigen in den genannten Urteilen
vergleichbar wäre. Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin in einer
Rechtskurve mit Sicherheitslinie das Fahrzeug des Ehepaars A.________
überholte, birgt für sich allein genommen nicht eine konkrete unmittelbare
Lebensgefahr im Sinne von Art. 129 StGB in sich. Es kann nicht gesagt werden,
dass darin nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder
nahe Möglichkeit einer Verletzung des Lebens besteht. Eine solche Gefahr kann
auch nicht im Umstand erblickt werden, dass die Beschwerdegegnerin schliesslich
die Herrschaft über das Fahrzeug verlor, ab der Strasse abkam und - offenbar
ohne weitere Folgen - in ein Feld fuhr.

Bei dieser Sachlage kann nicht angenommen werden, dass der Tatbestand von Art.
129 StGB in objektiver Hinsicht mit hinreichender Sicherheit erfüllt ist, eine
Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch und deswegen eine
gerichtliche Beurteilung erforderlich wäre.

4.4 In subjektiver Hinsicht hat das Kantonsgericht darauf hingewiesen, dass der
Beschwerdegegnerin kein sicheres Wissen um das Schaffen einer unmittelbaren
Lebensgefahr im Sinne eines dolus directus nachgewiesen werden könne. Die
Beschuldigte habe unter grosser seelischer Belastung gestanden. Demgegenüber
erachtet der Beschwerdeführer den Schluss als zwingend, dass die
Beschwerdegegnerin angesichts der riskanten Fahrweise um die unmittelbare
Lebensgefahr wusste und diese Folge zur Erreichung der Drohung auch tatsächlich
wollte.

Der Beschwerdeführer geht auf den vom Kantonsgericht erwähnten seelischen
Zustand der Beschwerdegegnerin nicht näher ein. Deren Einvernahme macht
deutlich, dass sie "vollkommen von der Rolle", "total durch den Wind" und im
höchsten Mass verwirrt war. Sie gab an, wie eine "Gepickte" gefahren zu sein.
Die Fahrt nahm einen kaum nachvollziehbaren Verlauf. Daraus kann ohne Weiteres
geschlossen werden, dass die Beschwerdegegnerin in einem Zustand der Erregung
war, der einen direkten Vorsatz und Skrupellosigkeit im genannten Sinn
ausschliesst. An dieser Beurteilung ändert der Umstand nichts, dass sie am
folgenden Tag ihre Fahrweise und die Verletzung von Verkehrsregeln eingestand
und bedauerte. Die Aussagen der Zeugen A.________ bestätigen den verwirrten
Zustand der Beschwerdegegnerin (a.a.O). Es kann daher auch nicht gesagt werden,
die Beschwerdegegnerin habe die Hilflosigkeit des Beschwerdeführers in der
konkreten Situation hinterhältig und rücksichtslos ausgenützt. Ebenso wenig
kann aus dem rational erscheinenden Verhalten zu Hause vor der Fahrt auf einen
klaren Vorsatz während der Fahrt geschlossen werden. Auch aus dem ärztlichen
Befund vom Tage danach können keine direkten Schlüsse auf den Gemütszustand
während der Fahrt gezogen werden.

Bei dieser Sachlage konnte das Kantonsgericht den subjektiven Tatbestand der
Gefährdung des Lebens ohne Weiteres verneinen.

4.5 Demnach durfte das Kantonsgericht das Vorliegen des Tatbestands von Art.
129 StGB verneinen und hat mit der Bestätigung des Einstellungsbeschluss Art.
319 Abs. 1 StPO nicht verletzt. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkte
als unbegründet.

5.
Zum andern ist das Vorliegen des Straftatbestands der Drohung nach Art. 180
StGB zu prüfen. Die Drohung soll gemäss dem Beschwerdeführer im Wesentlichen in
den Aussagen der Beschwerdegegnerin bestehen, sie würde gegen einen Baum fahren
oder sie würde ihn "über den Haufen fahren", ferner im blossen Umstand der
halsbrecherischen Fahrt als solcher.

5.1 Nach dieser Bestimmung wird bestraft, wer jemanden durch schwere Drohung in
Schrecken oder Angst versetzt. Bei der Prüfung, ob eine Drohung schwer und
geeignet ist, den Geschädigten in Schrecken oder Angst zu versetzen, ist nach
der Praxis grundsätzlich ein objektiver Massstab anzulegen. In der Regel ist
dabei auf das Empfinden eines vernünftigen Menschen mit einigermassen normaler
psychischer Belastbarkeit abzustellen (vgl. Urteil 6S.103/2003 vom 2. April
2004, E. 9).

5.2 Das Kantonsgericht stellte darauf ab, dass der Beschwerdeführer der
Beschwerdegegnerin entsprechende Drohungen vorwirft, diese die Drohungen aber
von Anfang an bestritt. Damit stehen sich die gegensätzlichen Aussagen der
Parteien gegenüber. Es liegen keine objektiven Beweise dazu vor. In der
gegebenen Situation ist es nicht möglich, die einzelnen Aussagen der beiden als
glaubhafter oder weniger glaubhaft zu bewerten. Daran vermögen die Hinweise des
Beschwerdeführers auf Aussagen der Beschwerdegegnerin in anderem Zusammenhang
nichts zu ändern. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann nicht
gesagt werden, dass sich das Kantonsgericht ausschliesslich auf die Aussagen
der Beschwerdegegnerin stützte. Bei zweifelhafter Beweislage ist eine
gerichtliche Beurteilung grundsätzlich angebracht. Die Einstellung kann sich
indes rechtfertigen, soweit unter Einbezug der gesamten Umstände eine
Verurteilung als von vornherein unwahrscheinlich erscheint. Da im vorliegenden
Verfahren keinerlei weitere Beweisergebnisse erwartet werden können, trifft
dies auf den vorliegenden Fall zu. Das Kantonsgericht hat deshalb kein
Bundesrecht verletzt, wenn es die Einstellung in diesem Punkt gestützt auf Art.
319 Abs. 1 lit. a StPO bestätigte.

5.3 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, der Tatbestand der Drohung sei
überdies durch die halsbrecherische Fahrt der Beschwerdegegnerin als solcher
erfüllt. Eine schwere Drohung im Sinne von Art. 180 StGB könne nicht nur durch
Worte, sondern auch durch ein entsprechendes Verhalten zum Ausdruck kommen.

Die Tathandlung der schweren Drohung besteht in der Ankündigung eines künftigen
Übels, das Schrecken oder Angst erzeugt. Diese Ankündigung kann durch Worte
oder entsprechende Gesten zum Ausdruck kommen (vgl. Delnon/Rüdy, Basler
StGB-Kommentar, 2. Auflage, 2007, Art. 180 N. 12 ff.). Im vorliegenden Fall
kann in der Fahrt als solcher, auch wenn sie halsbrecherisch gewesen sein soll,
keine Ankündigung eines Übels gemäss Art. 180 StGB erblickt werden.

5.4 Es ergibt sich zusammenfassend, dass auch die Einstellung des Verfahrens
hinsichtlich des Tatbestands der Drohung nach Art. 180 StGB vor Art. 319 Abs. 1
StGB standhält.

6.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens sind die bundesgerichtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Mangels Stellungnahme steht
der Beschwerdegegnerin keine Parteientschädigung zu.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 3'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, der Staatsanwaltschaft des Kantons
Basel-Landschaft und dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 28. November 2012

Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Fonjallaz

Der Gerichtsschreiber: Steinmann