Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.607/2012
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_607/2012

Urteil vom 5. September 2012
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichter L. Meyer, Marazzi, von Werdt, Herrmann,
Gerichtsschreiber Zbinden.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Beda Meyer Löhrer,
Beschwerdeführer,

gegen

Bezirksamt A.________.

Gegenstand
Fürsorgerische Freiheitsentziehung,

Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau, 1.
Kammer, vom 6. August 2012.

Sachverhalt:

A.
A.a Am 10. Februar 2008 erkletterte X.________ (geb. 17. August 1990) den
Flachdachvorbau des Solariums "S.________" in T.________ und gelangte durch ein
Dachflächenfenster in das Innere der Liegenschaft. Nachdem er im Erdgeschoss
ein Elektrokabel behändigt hatte, begab er sich zur schlafenden Prostituierten
P.________ und legte mit dem Kabel eine doppelte Schlinge um ihren Hals. Als
das Opfer erwachte, drosselte er es bis zur Bewusstlosigkeit und vergewaltigte
es. Als P.________ das Bewusstsein wiedererlangte, drosselte er sie erneut und
verging sich ein weiteres Mal an ihr. Anschliessend tötete er sie.

A.b In einer im Strafverfahren in Auftrag gegebenen Begutachtung vom 15. Juli
2010 gelangte Dr. med. E.________ bei X.________ zur Diagnose einer
schwergradigen Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen
(ICD-10: F91.2) und Sadomasochismus (ICD-10: F65.5). Ein Ergänzungsgutachten
von Dr. med. F.________ vom 29. September 2011 diagnostizierte bei X.________
eine Persönlichkeitsstörung vom antisozialen Typ mit deutlichen
psychopathischen Anteilen (ICD-10: F60.2) sowie eine schwere Paraphilie im
Sinne eines sexuellen Sadismus (ICD-10: F65.5). Zusätzlich wurden Cannabis- und
Alkoholmissbrauch (ICD-10: F12.1 bzw. ICD-10: F10.1) festgestellt.
A.c Nachdem X.________ am 27. Juni 2008 aus dem Jugendwohnheim W.________
ausgebrochen war und im Hause seiner Mutter und seines Stiefvaters eine Pistole
des Stiefvaters entwendet hatte, wurde er im Hauptbahnhof V.________ verhaftet
und am 1. September 2008 in das Massnahmenzentrum für junge Erwachsene,
U.________ eingewiesen.
A.d Am 24. November 2011 erkannte das Jugendgericht A.________ X.________ wegen
der Tat vom 10. Februar 2008 namentlich des Mordes (Art. 112 StGB), der
sexuellen Nötigung (Art. 189 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB) und der Vergewaltigung
(Art. 190 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB) für schuldig und verurteilte ihn zu einem
Freiheitsentzug von vier Jahren. Ferner ordnete das Gericht gestützt auf Art.
10 Abs. 1 und Art. 15 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Juni 2003 über das
Jugendstrafrecht (Jugendstrafgesetz, JStG; SR 311.1) eine Unterbringung in
einer geschlossenen Anstalt sowie gestützt auf Art. 10 Abs. 1 und Art. 14 Abs.
1 JStG eine in der Anstalt durchzuführende "ambulante Behandlung" der bei
X.________ bestehenden psychischen Störung an.

B.
B.a Am 7. Mai 2012 beantragte die Jugendanwaltschaft Aargau dem Bezirksamt
A.________, X.________ nach Vollendung des 22. Altersjahres am 17. August 2012
in einer geeigneten und insbesondere gesicherten Einrichtung unterzubringen und
ihn dort zu behandeln.

B.b Am 20. Juni 2012 verfügte das Bezirksamt über X.________ eine
fürsorgerische Freiheitsentziehung gestützt auf Art. 397a ff. ZGB und ordnete
die Überweisung des Betroffenen vom Massnahmenzentrum für junge Erwachsene in
die Jugendvollzugsanstalt (JVA) A.________, Sicherheitstrakt (SITRAK) II sowie
die dortige Zurückbehaltung an (Ziff. 1 und 2). Die Anstaltsleitung wurde
angewiesen, X.________ seiner psychischen Beeinträchtigung entsprechend zu
behandeln, resp. die bereits im Massnahmenzentrum für junge Erwachsene laufende
intensive persönlichkeitszentrierte und deliktorientierte forensische
Psychotherapie weiterzuführen. Sodann verfügte das Bezirksamt, die dazu
notwendigen administrativen Vorkehrungen und "das Aufgleisen, resp. die
nahtlose Weiterführung der Therapie in der JVA A.________", seien durch die
Jugendanwaltschaft Aargau in enger Zusammenarbeit mit der JVA vorzunehmen
(Ziff. 4).
B.c Mit Urteil vom 6. August 2012 fasste das Verwaltungsgericht des Kantons
Aargau in teilweiser Gutheissung einer Beschwerde von X.________ die Ziffer 4
der bezirksamtlichen Verfügung neu, indem die zur Behandlung notwendigen
Vorkehrungen nunmehr vom Bezirksamt A.________ in enger Zusammenarbeit mit der
JVA A.________ vorzunehmen sind. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab.

C.
X.________ (Beschwerdeführer) hat gegen das seinem Anwalt am 8. August 2012
zugestellte Urteil des Verwaltungsgerichts mit Eingabe vom 23. August 2012 beim
Bundesgericht Beschwerde in Zivilsachen erhoben. Er beantragt, das angefochtene
Urteil sei aufzuheben und die JVA A.________ anzuweisen, ihn aus der Anstalt zu
entlassen. Für das bundesgerichtliche Verfahren ersucht er um unentgeltliche
Rechtspflege. Es sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
Angefochten ist ein letztinstanzlicher kantonaler Endentscheid (Art. 75 Abs. 1
und Art. 90 BGG) betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung. Er betrifft
eine öffentlich-rechtliche Angelegenheit, die in engem Zusammenhang mit dem
Zivilrecht steht und demzufolge ohne weiteres mit Beschwerde in Zivilsachen
beim Bundesgericht angefochten werden kann (Art. 72 Abs. 2 lit. b Ziff. 6 BGG).
Der Beschwerdeführer war im kantonalen Verfahren Partei (Art. 76 Abs. 1 lit. a
BGG). Er ist mit dem Gesuch um Entlassung nicht durchgedrungen und verfügt
damit über ein schützenswertes Interesse an der Aufhebung des Entscheids (Art.
76 Abs. 1 lit. b BGG). Auf die rechtzeitig (Art. 100 Abs. 1 BGG) eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.

2.
Im vorliegenden Fall hat das Jugendgericht A.________ am 24. November 2011
gestützt auf Art. 10 Abs. 1 und Art. 15 Abs. 1 JStG die Unterbringung des
Beschwerdeführers in einer geschlossenen Anstalt sowie gestützt auf Art. 10
Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 JStG eine in der Anstalt durchzuführende "ambulante
Behandlung" der beim Beschwerdeführer bestehenden psychischen Störung
angeordnet (Sachverhalt Bst. A.d). Nach Art. 19 Abs. 2 JStG enden diese
Massnahmen mit der Vollendung des 22. Altersjahres des Betroffenen. Ist der
Wegfall einer Schutzmassnahme für den Betroffenen selbst oder für die
Sicherheit Dritter mit schwer wiegenden Nachteilen verbunden und kann diesen
nicht auf andere Weise begegnet werden, so beantragt die Vollzugsbehörde
rechtzeitig die Anordnung geeigneter vormundschaftlicher Massnahmen (Art. 19
Abs. 3 JStG). Die Jugendanwaltschaft hat um Anordnung entsprechender Massnahmen
gegenüber dem Beschwerdeführer ersucht, das Bezirksamt hat eine fürsorgerische
Freiheitsentziehung gestützt auf Art. 397a Abs. 1 ZGB verfügt und das
Verwaltungsgericht hat diesen Akt mit dem angefochtenen Urteil geschützt. Im
Folgenden gilt es somit zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine
fürsorgerische Freiheitsentziehung gegeben sind.

3.
Eine mündige oder entmündigte Person darf wegen Geisteskrankheit,
Geistesschwäche, Trunksucht, anderen Suchterkrankungen oder schwerer
Verwahrlosung in einer geeigneten Anstalt untergebracht oder zurückbehalten
werden, wenn ihr die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwiesen werden
kann (Art. 397a Abs. 1 ZGB). Die Einweisung bzw. die Zurückbehaltung in einer
Anstalt gestützt auf Art. 397a Abs. 1 ZGB erfordert, dass die betroffene Person
infolge der im Gesetz umschriebenen Schwächezustände persönlicher Fürsorge
bedarf, die ihr nur in einer Anstalt gewährt werden kann (BGE 114 II 213 E. 5
S. 217 f.; siehe zum Ganzen: BGE 134 III 289 E. 4 S. 292 ff.). Die in Art. 397a
Abs. 1 ZGB enthaltene Aufzählung der Schwächezustände ist abschliessend
(Botschaft vom 17. August 1977 über die Änderung des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches [Fürsorgerische Freiheitsentziehung] und den Rückzug des
Vorbehaltes zu Artikel 5 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten, BBl 1977 III 1, S. 26 Ziff. 212.2). Insbesondere sieht das
Gesetz keine fürsorgerische Freiheitsentziehung allein wegen Fremdgefährdung
vor (vgl. dazu insbesondere auch EUGEN SPIRIG, Zürcher Kommentar, 1995, N. 340
zu Art. 397a ZGB; THOMAS GEISER, Basler Kommentar Zivilgesetzbuch I, 4. Aufl.
2010, N. 26 zu Art. 397a ZGB). Zu berücksichtigen ist ferner die Belastung,
welche die Person für ihre Umgebung bedeutet (Art. 397a Abs. 2 ZGB). Nach der
ausdrücklichen Vorschrift des Art. 397a Abs. 3 ZGB muss die von der
fürsorgerischen Freiheitsentziehung betroffene Person entlassen werden, sobald
ihr Zustand es erlaubt.

4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, laut den verbindlichen vorinstanzlichen
Feststellungen könne er selbst für sich sorgen; er sei damit nicht
fürsorgebedürftig, respektive leide nicht an einem Schwächezustand im Sinn von
Art. 397a Abs. 1 ZGB. Vorliegend werde der Schutz der Allgemeinheit vor seiner
Fremdgefährlichkeit als Hauptgrund für die fürsorgerische Freiheitsentziehung
betrachtet, was indes mit Art. 397a Abs. 1 ZGB nicht zu vereinbaren sei. Die
angeordnete Massnahme verletze damit Art. 31 BV und Art. 5 EMRK.

4.2 Das Verwaltungsgericht hält in der Tat dafür, mit der fürsorgerischen
Freiheitsentziehung solle die Allgemeinheit vor dem Beschwerdeführer geschützt
werden, von dem weiterhin ein erhebliches Rückfallrisiko ausgehe. Diese
Ausführungen beziehen sich indes auf das Fürsorgebedürfnis des
Beschwerdeführers (siehe Urteil S. 11 E. 3.1. am Anfang). Mit Bezug auf das
Erfordernis des Schwächezustandes gelangt das Verwaltungsgericht an anderer
Stelle (Urteil S. 10 f. E. 2.6) aufgrund der Akten, insbesondere des
psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. E.________ vom 15. Juli 2010 und des
Ergänzungsgutachtens von Dr. med. F.________ vom 29. September 2011, des
Verlaufsberichts des Massnahmenzentrums für junge Erwachsene vom 6. Juni 2012
und der Aussagen der behandelnden Therapeuten in tatsächlicher Hinsicht zum
Schluss, der Beschwerdeführer leide an einer psychischen Erkrankung, nämlich an
einem sexuellen Sadismus (DSM-IV: 302.84 und ICD-10: F65.5) sowie an einer
Persönlichkeitsstörung vom antisozialen Typus (DSM-IV: 301.6 und ICD-10:
F60.2). Laut Verwaltungsgericht wird dieser Befund von den Angaben des
Beschwerdeführers bestätigt, wonach er sich nach wie vor von seinen
sadistischen Phantasien befangen zeigt und auf Befragen hin das Rückfallrisiko
für vergleichbare Taten wie jene vom 10. Februar 2008 mit 40 % bezeichnet. Das
Verwaltungsgericht schliesst aus den berücksichtigten tatsächlichen Angaben in
rechtlicher Hinsicht, das Verhalten des Beschwerdeführers sei nach wie vor als
abwegig und grob befremdend zu werten, womit eine Geisteskrankheit gemäss ZGB
zu bejahen sei (zum Begriff: BGE 118 II 254 E. 4a S. 260 f.). Der
Beschwerdeführer bringt nichts vor, was die tatsächlichen Feststellungen bzw.
die rechtliche Schlussfolgerung der Vorinstanz infrage stellte. Damit aber ist
entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers ein Schwächezustand im Sinn von
Art. 397a Abs. 1 ZGB erstellt.

5.
5.1 Das Verwaltungsgericht geht wie erwähnt von einem erheblichen
Rückfallrisiko (negative Legalprognose) aus. Der Beschwerdeführer bringt gegen
diese Feststellung, die namentlich auf einer Beurteilung des behandelnden
Arztes gründet, nichts vor, was diese Schlussfolgerung als willkürlich bzw.
sonst wie gegen Bundesrecht verstossend erscheinen liesse. Wie bereits erwähnt
(E. 4.2 hiervor) hält das Verwaltungsgericht aufgrund dieser Feststellung
dafür, mit der fürsorgerischen Freiheitsentziehung solle die Allgemeinheit vor
dem Beschwerdeführer geschützt werden, indem er die für die Reduktion des
Rückfallrisikos erforderliche Behandlung in einer geeigneten Institution
erhalte.

5.2 Es sei an dieser Stelle auf die Ausführungen des aktualisierten
Massnahmeberichts vom 6. Juni 2012 des Massnahmenzentrums für junge Erwachsene
verwiesen, wonach das Rückfallrisiko im Fall des geisteskranken
Beschwerdeführers unverändert "als deutlich bis sehr hoch" eingestuft wird.
Tatsächlich ergibt sich aus dem Fremdgefährdungspotenzial eines Geisteskranken
fast zwangsläufig ein Beistands- und Fürsorgebedürfnis: Wer die Sicherheit
anderer bedroht, ist persönlich schutzbedürftig (SCHNYDER/MURER, Berner
Kommentar, 1984, N. 95 zu Art. 369 ZGB). Dieser Auffassung ist jedenfalls im
vorliegenden Fall zuzustimmen, indem vom Beschwerdeführer nach wie vor eine
schwere Gefahr für Leib und Leben Dritter ausgeht. Nichts anderes ergibt sich
grundsätzlich aus nArt. 426 ZGB, der ab dem 1. Januar 2013 die Voraussetzungen
der fürsorgerischen Unterbringung umschreibt. Auch diese Bestimmung kennt den
Einweisungsgrund der Fremdgefährdung nicht. Dennoch darf der Schutz Dritter in
die Beurteilung einbezogen werden, zumal es letztlich ebenfalls zum
Schutzauftrag gehört, eine kranke bzw. verwirrte Person davon abzuhalten, eine
schwere Straftat zu begehen (vgl. dazu Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Änderung
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und
Kindesrecht], BBl 2006 7001, S. 7062 f. Ziff. 2.2.11). Insoweit ist die
Auffassung des Verwaltungsgerichts nicht bundesrechtswidrig, der
Beschwerdeführer sei zur Reduktion des erheblichen Rückfallrisikos in einer
geeigneten Institution zu behandeln. Da ausgewiesenermassen weiterhin eine vom
Beschwerdeführer ausgehende hohe Gefahr für eine Straftat gegen Leib und Leben
besteht, ist es nicht in seinem Interesse, ihn ohne psychiatrische Behandlung
seinem Schicksal zu überlassen. Insoweit ist demnach ein Fürsorgebedarf in Form
der Behandlung der Geisteskrankheit gegeben.

6.
Zu berücksichtigen ist sodann, dass angesichts der zurzeit vom Beschwerdeführer
ausgehenden erheblichen Rückfallgefahr und der damit verbundenen Gefährdung
Dritter eine ambulante Therapie nicht infrage kommen kann.

7.
Der Beschwerdeführer erachtet die fürsorgerische Freiheitsentziehung in
zeitlicher Hinsicht als unverhältnismässig. Gemäss den verbindlichen
Feststellungen der Vorinstanz sei ein Therapieerfolg bei ihm allenfalls innert
fünf bis zehn oder zwölf Jahren zu verzeichnen. Es sei schlicht offen, ob die
Behandlung überhaupt jemals erfolgreich sein werde, zumal er als schwer
therapierbar gelte. Unter diesen Umständen laufe die Einweisung auf eine
Verwahrung in einer Strafanstalt hinaus, was mit Art. 31 BV und Art. 5 EMRK
nicht zu vereinbaren sei.

7.1 Aus dem Massnahmebericht vom 6. Juni 2012 des Massnahmenzentrums für junge
Erwachsene ergibt sich, dass die bisher erzielten deliktpräventiven Effekte als
gering eingestuft werden. Anlässlich der Verhandlung vom 13. Juli 2012
bestätigte der behandelnde Therapeut, dass seit der Erstellung des Gutachtens
keine wesentliche Veränderung der Situation eingetreten sei. Immerhin wird die
Behandelbarkeit der Krankheit des Beschwerdeführers nicht grundsätzlich infrage
gestellt. Zum zeitlichen Horizont zur Erreichung einer Verbesserung des
Krankheitsbildes des Beschwerdeführers äussert sich der Therapeut
zurückhaltend, erwähnt aber, es brauche noch einen intensiven
Behandlungsprozess. Unter Hinweis auf vergleichbare Fälle meint er, dass die
Behandlung fünf bis zehn Jahre, eventuell zwölf Jahre betragen könnte.

7.2 Entscheidend ist vorerst, dass ein Behandlungserfolg durch den behandelnden
Arzt nicht von vornherein ausgeschlossen wird. Mitzuberücksichtigen gilt es
überdies, dass die erforderliche Behandlung des Beschwerdeführers noch nicht
sehr lange andauert. Angesichts des Schweregrades der bei ihm festgestellten
Krankheit und der kurzen verstrichenen Zeitspanne, in der eine Behandlung
durchgeführt worden ist, lässt sich nicht sagen, der Therapie werde kein Erfolg
beschieden sein. Angaben von Experten, die kategorisch jegliche Erfolgsaussicht
verneinen, sind nicht auszumachen. Was den zeitlichen Horizont der Behandlung
anbelangt, so lässt sich unter den erwähnten tatsächlichen Gegebenheiten nichts
Konkretes über die Dauer der Behandlung aussagen. Der befragte Therapeut machte
jedenfalls keine verbindlichen Aussagen, auch wenn er sich zum zeitlichen
Horizont ähnlich gelagerter Fälle äusserte. Schliesslich ist darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer entlassen werden muss, sobald sein
Zustand es erlaubt (Art. 397a Abs. 3 ZGB). Die Rüge des Beschwerdeführers
beruht im Wesentlichen auf Spekulationen und ist damit nicht geeignet, eine
Verletzung von Art. 31 BV bzw. Art. 5 EMRK auszuweisen.

8.
Mit Bezug auf die Eignung der JVA als Einrichtung im Sinn von Art. 397a Abs. 1
ZGB hat das Verwaltungsgericht zusammengefasst erwogen, angesichts der
psychiatrischen Erkrankung des Beschwerdeführers und der in der JVA A.________
vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten erscheine die Unterbringung des
Beschwerdeführers in dieser Einrichtung zwar nicht als ungeeignet, zumal die
bisherige Betreuung und Behandlung im Wesentlichen fortgesetzt werden könne.
Die Einrichtung sei aber nicht als ideal zu bezeichnen. Das Bezirksamt habe
nicht zuletzt im Lichte der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte dafür zu sorgen, dass der Beschwerdeführer baldmöglichst in eine
geeignetere Einrichtung verlegt werden könne.
Der Beschwerdeführer erachtet die JVA als ungeeignete Anstalt. Zum einen sei
eine deliktorientierte Behandlung erst in etwa 18 Monaten möglich. Zum andern
erweise sich das von der Rechtsprechung des EGMR gesetzte zumutbare Mass von
sechs Monaten in dieser ungeeigneten Einrichtung bereits als überschritten. Die
weitere Zurückbehaltung in der JVA verletze daher auch insoweit Art. 31 BV und
Art. 5 EMRK.

8.1 Gemäss Art. 397a Abs. 1 ZGB darf eine mündige Person namentlich wegen
Geisteskrankheit in einer geeigneten Anstalt untergebracht oder zurückbehalten
werden, wenn ihr die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwiesen werden
kann. Was unter einer geeigneten Anstalt zu verstehen ist, umschreibt das
Bundesrecht nicht näher (BGE 112 II 486 E. 3, auch zu den Gründen; zum Begriff
der Anstalt allgemein: BGE 121 III 306 E. 2b S. 308). Aus dem in der genannten
Bestimmung erwähnten Zweck der Freiheitsentziehung, der eingewiesenen Person
die nötige persönliche Fürsorge zu erbringen, ergibt sich aber, dass es sich um
eine Institution handeln muss, die mit den ihr normalerweise zur Verfügung
stehenden organisatorischen und personellen Mitteln in der Lage ist, die
wesentlichen Bedürfnisse der eingewiesenen Person bezüglich Fürsorge und
Betreuung zu befriedigen (BGE 112 II 486 E. 4c S. 490; 114 II 213 E. 7 S. 218).
Mithin muss im Einzelfall das Betreuungs- und Therapieangebot der Anstalt den
vorrangigen Bedürfnissen der betroffenen Person entsprechen (BGE 112 II 486 E.
5 und 6 S. 490 ff.). Eine Strafanstalt kommt ausnahmsweise als Anstalt im Sinn
von Art. 397a Abs. 1 ZGB in Frage, wenn sie die wesentlichen Bedürfnisse der
eingewiesenen Person bezüglich Fürsorge und Betreuung zu befriedigen vermag (
BGE 112 II 486 E. 4c S. 490; 114 II 213 E. 7 S. 218; siehe auch Urteil 5A_519/
2007 vom 10. Oktober 2007 E. 3).

8.2 Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
(EGMR) ist der Betroffene grundsätzlich in einem Krankenhaus oder einer
entsprechenden anderen Einrichtung unterzubringen. Ein vorübergehender
Aufenthalt in einem Gefängnis ist zulässig, solange dies erforderlich ist, um
eine geeignete Einrichtung auszuwählen (z.B. Urteil 48865/99 Morsink gegen
Niederlande vom 11. Mai 2004 zitiert nach JENS MEYER-LADEWIG, EMRK
Handkommentar, 3. Aufl. 2011, N. 47 zu Art. 5 EMRK). Verstreicht indes infolge
bekannter Kapazitätsschwierigkeiten längere Zeit, verstösst die Unterbringung
in einem Gefängnis gegen Art. 5 EMRK. In diesem Sinn hat der EGMR unter
Berücksichtigung eines seit Jahren bekannten strukturell bedingten Mangels an
Einrichtungskapazitäten eine Frist von sechs Monaten in einem Gefängnis als mit
Art. 5 EMRK unvereinbar erachtet (Urteil 49902/99 Brand gegen Niederlande vom
11. Mai 2004 Ziff. 66, zitiert nach MEYER-LADEWIG, a.a.O.).

8.3 Zurzeit steht dem Beschwerdeführer - den Feststellungen im angefochtenen
Urteil zufolge - im SITRAK II der JVA wöchentlich ein- oder zweimal eine
Einzeltherapie zur Verfügung, während mit der deliktorientierten Therapie
(Gruppentherapie) noch nicht hat begonnen werden können. Nach Angaben des
Beschwerdeführers wird dies erst in etwa 18 Monaten der Fall sein. Im Lichte
des vorhandenen, wenn auch unvollständigen Therapieangebotes und der
Rechtsprechung des EGMR ist die am 20. Juni 2012 verfügte Einweisung in die JVA
zwecks Durch- bzw. Weiterführung der psychiatrischen Behandlung mit Art. 397a
Abs. 1 ZGB bzw. Art. 31 BV und Art. 5 EMRK vereinbar. Die JVA darf jedenfalls
beim heutigen Stand der Behandlung, d.h. in dieser ersten Phase der
fürsorgerischen Freiheitsentziehung, als geeignete Einrichtung betrachtet
werden, die gegenwärtig die hiervor als berechtigt anerkannten Behandlungs- und
Sicherheitsbedürfnisse des Beschwerdeführers (E. 5.2) zu gewährleisten vermag.
Wie das bereits das Verwaltungsgericht in seinem Urteil (E. 4.5 S. 17)
angeordnet hat, wird das Bezirksamt A.________ indessen dafür besorgt sein
müssen, dass der Beschwerdeführer in absehbarer Zeit in eine für seine
Behandlung besser geeignete - soweit erforderlich auch in einem anderen Kanton
gelegene - Einrichtung verlegt werden kann.

9.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer an einer
Geisteskrankheit leidet und bei ihm somit ein Schwächezustand im Sinn von Art.
397a Abs. 1 ZGB gegeben ist. Der Beschwerdeführer bedarf überdies der Fürsorge
in Form der Behandlung seiner Krankheit, die ihm aufgrund der konkreten
Gefährdungslage nur in einer Anstalt gewährt werden kann. Die vom Bezirksamt
bestimmte JVA entspricht gegenwärtig noch den Anforderungen an eine geeignete
Anstalt im Sinn von Art. 397a Abs. 1 ZGB bzw. Art. 5 EMRK.

10.
Was der Beschwerdeführer im Übrigen gegen das angefochtene Urteil vorträgt, ist
nicht geeignet, dieses als bundes- bzw. konventionswidrig erscheinen zu lassen:

10.1 Da im vorliegenden Fall die Voraussetzungen für eine fürsorgerische
Freiheitsentziehung gemäss Art. 397a Abs. 1 ZGB gegeben sind, erübrigen sich
Ausführungen zur Frage, ob Art. 19 Abs. 3 JStG seinerseits eine Einweisung des
Betroffenen wegen Fremdgefährdung zulässt. Somit kann auch offenbleiben, ob die
Vorinstanz diese Bestimmung bundesrechtswidrig ausgelegt hat. Auf diese Rüge
ist nicht näher einzugehen.

10.2 Eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör erblickt der
Beschwerdeführer darin, dass die Vorinstanz nicht auf seine Rüge eingegangen
sei, die fürsorgerische Freiheitsentziehung stelle eine doppelte Bestrafung
dar. Der EGMR qualifiziere eine Massnahme unter anderem dann als Strafe im Sinn
von Art. 7 EMRK, wenn die Verhängung der Massnahme im Anschluss an eine
Verurteilung wegen einer Straftat oder zumindest aus Anlass der Begehung einer
Straftat erfolgt sei.
Artikel 29 Abs. 2 BV zwingt die Behörde nicht, sich mit allen Parteivorbringen
auseinanderzusetzen; sie kann sich vielmehr auf die wesentlichen Punkte
beschränken (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3 S. 445; BGE 130 II 530 E. 4.3 S. 540).
Der Beschwerdeführer legt nicht substanziiert dar, inwiefern die von ihm
zitierte Rechtsprechung des EGMR (Urteil Welch gegen Grossbritannien vom 9.
Februar 1995, Serie A Bd. 307 Rz. 28) für den konkreten Fall massgebend sein
soll. Mit einem kurzen aus dem Zusammenhang gerissenen Ausschnitt aus Rz. 28
dieses Urteils wird jedenfalls nicht rechtsgenüglich dargetan, inwiefern diese
Rechtsprechung für den vorliegenden Fall massgebend sein soll. Insoweit kann
der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, sie habe ein wesentliches Element der
Argumentation des Beschwerdeführers nicht berücksichtigt. Im Übrigen hat das
Verwaltungsgericht in E. 6.3 ausführlich begründet, weshalb keine Strafe im
Sinn von Art. 7 EMRK angenommen werden kann.
Aber auch die Rüge des Beschwerdeführers, die fürsorgerische
Freiheitsentziehung stelle eine doppelte Bestrafung des jugendlichen Täters und
damit eine Verletzung von Art. 7 EMRK dar, belegt keine Bundesrechtsverletzung.
Mit seinem unvollständigen Zitat aus Rz. 28 des Urteils Welch verwässert der
Beschwerdeführer den Sinn der Rechtsprechung des EGMR: Bei der Beurteilung, ob
eine Strafe gemäss Art. 7 EMRK vorliegt, ist zwar als Erstes zu bestimmen, ob
die Massnahme im Anschluss an eine Verurteilung wegen einer Straftat
ausgesprochen worden ist. Dabei handelt es sich aber nicht um das einzige
wesentliche Element der Begriffsbestimmung. Massgebend sind insbesondere auch
Natur und Zweck der strittigen Massnahme, ihre Qualifikation im
innerstaatlichen Recht, das Verfahren zu deren Anordnung und Vollstreckung
sowie die Schwere der Massnahme. Bei der nunmehr angeordneten Einweisung
handelt es sich um einen durch eine vormundschaftliche Behörde (Art. 397b Abs.
1 ZGB) gestützt auf Art. 397a Abs. 1 ZGB verfügten und damit rechtmässigen
Entzug der Freiheit eines psychisch Kranken (Art. 5 Ziff. 1 lit. e EMRK), der
überdies nicht aus Gründen der Bestrafung, sondern zwecks Gewährung der nötigen
Fürsorge (Behandlung der Geisteskrankheit) erfolgt. Von einer Strafe im Sinn
von Art. 7 EMRK kann daher keine Rede sein.

10.3 Der Beschwerdeführer beruft sich schliesslich auf das Verbot des
Rechtsmissbrauchs (Art. 5 Abs. 3 BV und Art. 2 Abs. 2 ZGB). Er macht im
Wesentlichen geltend, durch die Anordnung der fürsorgerischen
Freiheitsentziehung solle der Umstand berichtigt werden, dass sämtliche
Massnahmen des Jugendstrafrechts mit dem 22. Altersjahr des Betroffenen enden.
Es sei rechtsmissbräuchlich, die primär jugendstrafrechtlich motivierte
Freiheitsentziehung aufrecht zu erhalten. Mit ihrem Vorgehen schaffe die
Vorinstanz eine neue jugendstrafrechtliche fürsorgerische Freiheitsentziehung.
Es ist bereits ausführlich dargelegt worden, dass es bei der vorliegenden
Freiheitsentziehung um die Behandlung der psychischen Krankheit des
Beschwerdeführers und insoweit um die Gewährung der nötigen Fürsorge und nicht
um eine erneute Bestrafung geht (E. 4 f.). Abgesehen davon verpflichtet Art. 19
Abs. 3 JStG die Vollzugsbehörde, vormundschaftliche Massnahmen zu beantragen,
wenn ein Wegfall der Massnahme des Jugendstrafrechts für den Betroffenen bzw.
für die Sicherheit Dritter schwer wiegende Nachteile mit sich bringt und diesen
Nachteilen nicht auf andere Weise begegnet werden kann. Das Bezirksamt hat auf
Antrag der Jugendanwaltschaft die Voraussetzungen für eine Anordnung der
fürsorgerischen Freiheitsentziehung nach Art. 397a Abs. 1 ZGB geprüft und, wie
sich gezeigt hat, zu Recht bejaht. Von Rechtsmissbrauch kann keine Rede sein.

11.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen. Den Umständen des konkreten Falles
entsprechend werden keine Kosten erhoben (Art. 66 Abs. 1 BGG).

12.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird
gutgeheissen, zumal er als bedürftig gilt und die Beschwerde nicht als von
Anfang an aussichtslos erschienen ist. Dem Beschwerdeführer wird ein amtlicher
Rechtsbeistand bestellt, der für seine Bemühungen aus der Bundesgerichtskasse
zu entschädigen ist (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren
wird gutgeheissen. Dem Beschwerdeführer wird Rechtsanwalt Beda Meyer Löhrer als
amtlicher Rechtsbeistand bestellt.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Rechtsanwalt Beda Meyer Löhrer wird für seine Bemühungen ein Honorar von Fr.
2'000.-- aus der Bundesgerichtskasse entrichtet.

5.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Bezirksamt A.________ und dem
Verwaltungsgericht des Kantons Aargau, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 5. September 2012
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Hohl

Der Gerichtsschreiber: Zbinden