Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.638/2012
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_638/2012

Urteil vom 2. November 2012
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter von Werdt, als Einzelrichter,
Gerichtsschreiber Zbinden.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Bezirksgericht Kreuzlingen, Präsident, Hauptstrasse 5, Postfach, 8280
Kreuzlingen,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
unentgeltliche Rechtspflege (Grundbuchberichtigung),

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Thurgau vom 11. Juli
2012.

Erwägungen:

1.
Zwischen dem Nachlass von Z.________ bzw. ab dem 11. Mai 2011 der Stiftung
Z.________ als Klägerin und der X.________ AG als Beklagter ist beim
Bezirksgericht Kreuzlingen ein Prozess hängig. Die Klägerschaft beantragt die
Feststellung der Nichtigkeit verschiedener Kaufverträge, welche die X.________
AG (Käuferin) mit der Y.________ AG (Verkäuferin) über verschiedene
Liegenschaften in A.________ abgeschlossen hatte. Des Weiteren wurde verlangt,
das Grundbuchamt A.________ anzuweisen, die X.________ AG als Eigentümerin der
Grundstücke zu löschen und die Y.________ AG als Eigentümerin einzutragen,
eventuell sei die X.________ AG zu verpflichten, die Grundstücke an die
Y.________ AG zu übereignen. Am 21. April 2011 stellten X.________ und die NS
X.________ AB das Gesuch, dem Grundbuchberichtigungsprozess als
Nebenintervenienten beizutreten. Diesem Gesuch gab der Einzelrichter des
Bezirksgerichts Kreuzlingen mit Entscheid vom 15./16. August 2011 nicht statt.
Eine dagegen erhobene Beschwerde blieb erfolglos.
Am 23. November 2011 erhoben X.________ und die NS X.________ AB als
Hauptintervenienten Klage gegen die Stiftung Z.________ und die X.________ AG.
Mit Verfügung vom 2. Dezember 2011 verpflichtete der verfahrensleitende Richter
die Hauptintervenienten, innert 20 Tagen ab Zustellung der Verfügung für die
Gerichtskosten, bei einem Streitwert gemäss Klage von Fr. 2.4 Mio., einen
Kostenvorschuss von je Fr. 18'000.-- zu bezahlen. Die Hauptintervenienten kamen
dieser Aufforderung nicht nach, weshalb ihnen mit Verfügung vom 16. März 2012
unter Hinweis auf die Säumnisfolgen (Nichteintreten auf die Klage) eine
Nachfrist von 20 Tagen zur Bezahlung des Kostenvorschusses gesetzt wurde. Mit
Eingabe vom 30. April 2012 ersuchten X.________ und die NS X.________ AB um
unentgeltliche Rechtspflege. Am 23./29. Mai 2012 wies der Präsident des
Bezirksgerichts Kreuzlingen das Gesuch ab und setzte den Klägern eine
letztmalige Nachfrist von 20 Tagen zur Leistung der Kostenvorschüsse. Am 11.
Juli 2012 wies das Obergericht des Kantons Thurgau die von X.________ und der
NS X.________ AB erhobene Beschwerde ab und setzte beiden eine nicht
erstreckbare Frist von 20 Tagen ab Zustellung des Beschwerdeentscheids zur
Leistung der von der ersten Instanz geforderten Kostenvorschüsse.

Dagegen hat einzig X.________ beim Bundesgericht Beschwerde erhoben. Er ersucht
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Klageverfahren und um
Aufhebung der Frist zur Leistung des Kostenvorschusses; ferner beantragt er die
unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren. Seinem
Verfahrensantrag, der Beschwerde aufschiebende Wirkung zuzuerkennen, wurde mit
Präsidialverfügung vom 24. September 2012 entsprochen. Es sind keine
Vernehmlassungen eingeholt worden.

2.
In der Beschwerde ist in Auseinandersetzung mit den Erwägungen des
angefochtenen Entscheids darzulegen, welche Rechte der beschwerdeführenden
Partei durch das kantonale Gericht verletzt worden sind (Art. 42 Abs. 2 BGG;
BGE 134 II 244 E. 2.1 S. 245), wobei eine allfällige Verletzung
verfassungsmässiger Rechte vom Bundesgericht nicht von Amtes wegen geprüft
wird, sondern nur dann, wenn solche Rügen in der Beschwerdeschrift ausdrücklich
erhoben und begründet werden (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 135 III 232 E. 1.2 S.
234). Wird eine Sachverhaltsfeststellung beanstandet, muss in der
Beschwerdeschrift dargelegt werden, inwiefern diese Feststellung willkürlich
oder durch eine andere Rechtsverletzung im Sinn von Art. 95 BGG (z.B. Art. 29
Abs. 2 BV oder Art. 8 ZGB) zustande gekommen ist (vgl. BGE 133 II 249 E. 1.2.2
und 1.4.3 S. 255) und inwiefern die Behebung des Mangels für den Ausgang des
Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 in fine BGG; BGE 135 I 19 E.
2.2.2 S. 22). Auf rein appellatorische Kritik am Sachverhalt tritt das
Bundesgericht nicht ein.

3.
Beide kantonalen Instanzen sind anhand einer Prüfung der Voraussetzungen von
Art. 117 ZPO (Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege) davon ausgegangen, der Beschwerdeführer habe den Nachweis seiner
Bedürftigkeit nicht erbracht.

3.1 Das Obergericht hat im Wesentlichen erwogen, gemäss 97 ZPO habe das Gericht
die nicht anwaltlich vertretene Partei über die mutmassliche Höhe der
Prozesskosten sowie über die unentgeltliche Rechtspflege aufzuklären.
Dementsprechend werde die Partei in der Verfügung betreffend Leistung des
Kostenvorschusses auf den Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege hingewiesen
und es werde ausdrücklich festgehalten, im schriftlichen Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege müssten die finanziellen Verhältnisse vollständig
dargelegt und entsprechende Belege eingereicht werden. Ferner werde darin
ausdrücklich auf Art. 117 ff. ZPO hingewiesen. Zwar finde sich die an beide
Beschwerdeführer gerichtete Verfügung vom 2. Dezember 2011, mit denen die
Parteien zur Leistung eines Kostenvorschusses angehalten worden seien, nicht in
den Akten. Die Beschwerdeführer behaupteten jedoch nicht, sie seien nicht
entsprechend act. 16 (es handelt sich dabei um das besagte
Kostenvorschussformular, welches das Datum vom 30. November 2011 trägt und das
an beide Beschwerdeführer gerichtet war) über die unentgeltliche Rechtspflege
und die Anforderungen an ein entsprechendes Gesuch aufgeklärt worden. Sie
könnten sich daher nicht auf den Standpunkt stellen, nicht gewusst zu haben,
dass und welche Belege sie zusammen mit dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege hätten einreichen müssen. Unter diesem Gesichtspunkt sei die
Feststellung der ersten Instanz nicht zu beanstanden, eine nochmalige
Aufforderung an die Beschwerdeführer, die entsprechenden Unterlagen
einzureichen, habe sich erübrigt. Die in der Beschwerde geltend gemachten
Gründe, weshalb die Beschwerdeführer keine Unterlagen eingereicht hätten,
vermöchten nicht zu genügen. Ihre Behauptung, mit den schwedischen
Verhältnissen nicht vertraut zu sein, sei unbeheflich und nicht glaubhaft,
nachdem sie sich gemäss eigenen Angaben bereits seit bald zwei Jahren in
Schweden aufhielten. Es sei den Beschwerdeführern ohne weiteres zuzumuten
gewesen, aussagekräftige Unterlagen über Bankguthaben oder Belege über die
behaupteten Darlehen ins Recht zu legen. An dieser Beurteilung änderten auch
die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführer zu ihren Vermögensverhältnissen
nichts. Insbesondere könne aus dem behaupteten Konkurs der X.________ AG nicht
auf die Mittellosigkeit der Beschwerdeführer geschlossen werden. Offensichtlich
sei es der X.________ AG bis vor Kurzem möglich gewesen,
Gerichtskostenvorschüsse zu zahlen.
Der Beschwerdeführer setzt sich in seiner Eingabe über weite Strecken mit
dieser Erwägung nicht auseinander. Er beschränkt sich vielmehr grösstenteils
darauf, die obergerichtlichen Ausführungen zu bestreiten und neue im
angefochtenen Entscheid nicht enthaltene Tatsachen aufzuführen. Zudem verweist
er erneut auf die Konkursunterlagen, mit denen er die Bedürftigkeit zu belegen
versucht. Er geht dabei aber nicht auf die Erwägung des Obergerichts ein, dass
sich aus dem Konkurs der X.________ AG die Mittelosigkeit der Beschwerdeführer
nicht ergebe. Er versucht vielmehr unter Berufung auf im angefochtenen
Entscheid nicht festgestellte Tatsachen, seine Mittelosigkeit zu belegen
(Hinweis auf die Schwierigkeit, in Schweden eine anderweitige Anstellung zu
finden). Schliesslich wiederholt er das bereits vor Obergericht Vorgebrachte
(Darlehen), ohne aber klar zu belegen, dass er seinem Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege diesbezügliche Belege beigelegt hätte. Unbeheflich ist
schliesslich der Hinweis auf das Urteil 5A_8/2012, bei dem nicht ersichtlich
ist, was es mit der vorliegenden Sache zu tun haben könnte. Es handelt sich
dabei um einen Nichteintretensentscheid betreffend eine Beschwerde gegen die
Anordnung einer Verfügungsbeschränkung. Die auf den Seiten 2-4 der Beschwerde
zur Mittellosigkeit gemachten Ausführungen erweisen sich insgesamt mangels
genügender Begründung (E. 2) als unzulässig.

3.2 Mit Bezug auf die Aussichtslosigkeit hat die Vorinstanz erwogen, die
Beschwerdeführer machten geltend, laut Vermächtnisanzeige des Bezirksgerichts
Zürich habe der Beschwerdeführer ein Vorkaufsrecht auf die Parzelle Nr. xxx in
A.________. Dieses Vorkaufsrecht sei im Lauf der Zeit auf die X.________ AG
übertragen worden. Inwiefern die Beschwerdeführer mit diesen Ausführungen ein
besseres Recht auf die im Streit liegenden Grundstücke als die Stiftung
Z.________ und insbesondere die X.________ AG ableiten wollten, sei nicht
nachvollziehbar. Die Ausführungen der Beschwerdeführer sowohl in ihrer Eingabe
vom 30. April 2012 als auch in der Beschwerdeschrift zielten darauf ab, dass
die Stiftung Z.________ kein Anrecht auf die fragliche Liegenschaft in
A.________ haben soll. Letztlich scheine es den Beschwerdeführern darum zu
gehen, dass die Stiftung nicht über die Aktien der Y.________ AG verfügen
solle. Mit diesen Ausführungen griffen die Beschwerdeführer aber lediglich die
Rechtsposition der Stiftung Z.________, nicht aber jene der X.________ AG an.
Letztere habe die Grundstücke von der Y.________ AG erworben und sei als
Eigentümerin im Grundbuch A.________ eingetragen worden. An diesem Ergebnis
ändere auch die Behauptung nichts, der Beschwerdeführer mache erbrechtliche
Ansprüche auf die Parzelle Nr. xxx in A.________ geltend, weshalb nicht
relevant sei, ob die Stiftung Z.________ oder die X.________ AG den
Hauptprozess gewinne. Aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers und der
Akten sei nicht nachvollziehbar, inwiefern die behaupteten erbrechtlichen
Ansprüche mit dem Verkauf der Liegenschaften durch die Y.________ AG an die
X.________ AG im Zusammenhang stünden.
Der Beschwerdeführer setzt sich mit dieser Erwägung nicht nachvollziehbar
auseinander, sondern begnügt sich auch hier mit der Geltendmachung
verschiedener im Entscheid nicht enthaltener Tatsachen. Unbeheflich ist auch
hier die Berufung auf das Urteil 5A_8/2012, das sich überhaupt nicht mit der
vom Beschwerdeführer behaupteten Thematik befasst hat. Insgesamt kann den
Ausführungen des Beschwerdeführers nicht schlüssig entnommen werden, warum die
Auffassung der Vorinstanz, die Beschwerdeführer hätten nicht nachvollziehbar
dargelegt, inwiefern sie gegenüber der Stiftung Z.________ und der X.________
AG ein besseres Recht an der Liegenschaft Nr. xxx in A.________ haben sollten,
Bundesrecht verletzt.

4.
Wie dargelegt vermögen die Ausführungen des Beschwerdeführers den in Erwägung 2
aufgezeigten Begründungsanforderungen nicht zu genügen. Auf die offensichtlich
unzulässige Beschwerde ist somit im vereinfachten Verfahren (Art. 108 Abs. 1
lit. b BGG) durch den Einzelrichter unter Kostenfolge für den Beschwerdeführer
(Art. 66 Abs. 1 BGG) nicht einzutreten.

5.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege, über welches
im vorliegenden Fall der Einzelrichter befinden kann (Art. 64 Abs. 3 BGG), ist
wegen offensichtlicher Aussichtslosigkeit der Beschwerde abzuweisen (Art. 64
Abs. 1 BGG).

6.
Da im angefochtenen Entscheid eine Frist zur Leistung des Kostenvorschusses
gesetzt und der Beschwerde aufschiebende Wirkung zuerkannt worden ist, muss im
Dispositiv des vorliegenden Urteils eine neue nicht erstreckbare Frist zur
Leistung des Kostenvorschusses angesetzt werden (vgl. Urteil 5A_595/2011 vom
15. November 2011 E. 12, die Neuansetzung der Frist zum Auszug aus der
ehelichen Wohnung betreffend).

Demnach erkennt der Einzelrichter:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
Dem Beschwerdeführer wird eine nicht erstreckbare Frist von 20 Tagen ab
Zustellung des vorliegenden Urteils gesetzt, um den von der ersten Instanz
festgesetzten Kostenvorschuss zu bezahlen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren
wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Thurgau
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 2. November 2012
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Einzelrichter: von Werdt

Der Gerichtsschreiber: Zbinden