Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.83/2012
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_83/2012

Urteil vom 5. Dezember 2012
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher,
Bundesrichter L. Meyer, Marazzi, Herrmann,
Gerichtsschreiber Levante.

Verfahrensbeteiligte
X.________ N.V.,
vertreten durch Rechtsanwalt Gregor Marcolli,
Beschwerdeführerin,

gegen

Z.________, Willensvollstrecker im Nachlass des S.________ sel.,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Andreas Güngerich,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Haftung für Arrestschaden (Art. 273 SchKG),

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern,
Zivilabteilung, 1. Zivilkammer, vom 9. Dezember 2011 (ZK 11 19).

Sachverhalt:

A.
A.a Die X.________ N.V. ist eine in Curaçao/Niederländische Antillen
domizilierte Gesellschaft.

A.b T.________, U.________ und V.________, alle mit Wohnsitz im Ausland, sind
die Erben von S.________. Er verstarb als niederländischer Staatsangehöriger am
19. August 2003 mit letztem Wohnsitz in der Schweiz, wo er Eigentümer einer
Liegenschaft war. Als Testamentsvollstrecker und Abwicklungstreuhänder setzte
er Z.________, in Abcoude/Niederlande, ein.

B.
B.a Auf Begehren der X.________ N.V. erliess der Gerichtspräsident 1,
Gerichtskreis XI Interlaken-Oberhasli, gestützt auf Art. 271 Abs. 1 Ziff. 4
SchKG am 22. Februar 2006 einen Arrestbefehl gegenüber T.________, U.________
und V.________ für eine Forderung von Fr. 5'707'502.-- nebst Zinsen aus einem
Darlehensvertrag. Als Arrestgegenstände wurden die Liegenschaft A.________
Gbbl. 2158, die Gegenstände (Möbel, etc.) im Gebäude, sowie der beim Notar
W.________ in Interlaken hinterlegte Kaufpreis bezeichnet. Der Arrest wurde vom
Betreibungs- und Konkursamt Berner Oberland, Dienststelle Interlaken,
gleichentags vollzogen (Arresturkunden vom 21. April 2006).

B.b Der Arrest wurde mit Einspracheentscheid vom 2. Mai 2006 bestätigt. Das
Obergericht des Kantons Bern hob (auf Appellation hin) den Arrest am 18. August
2006 auf. Die staatsrechtliche Beschwerde der X.________ N.V. wurde abgewiesen,
soweit darauf eingetreten wurde (Urteil 5P.355/2006 des Bundesgerichts vom 8.
November 2006).
B.c
Am 19. Juni 2006 überliess das Betreibungsamt die verarrestierte Liegenschaft
gegen Sicherheitsleistung (nach Art. 277 SchKG) zur freien Verfügung. Die
betreibungsrechtliche Beschwerde der X.________ N.V. blieb erfolglos (Entscheid
des Obergerichts des Kantons Bern als Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und
Konkurssachen vom 23. November 2006). In der Folge wurde die Liegenschaft
gestützt auf den am 3. Februar 2006 bzw. vor Arrestlegung mit den Eheleuten
R.________ geschlossenen Vertrag verkauft.

C.
C.a Am 19. April 2007 erhob Z.________ als Willensvollstrecker beim
Gerichtskreis XI Interlaken-Oberhasli Klage gegen die X.________ N.V. und
verlangte Schadenersatz aus Haftung für Arrest gemäss Art. 273 SchKG. Der
Schaden wurde im Wesentlichen mit verschiedenen Aufwendungen im Zusammenhang
mit der Übertragung der Liegenschaft an R.________ begründet, welche durch die
ungerechtfertigte Arrestlegung entstanden seien.

C.b Am 29. Dezember 2010 wurde die X.________ N.V. vom Gerichtskreis
verpflichtet, Z.________ den Betrag von Fr. 79'568.50 nebst (näher bestimmten)
Zinsen zu bezahlen. Mit Appellationsentscheid vom 9. Dezember 2011
verpflichtete das Obergericht des Kantons Bern (Zivilabteilung, 1. Zivilkammer)
die X.________ N.V., Z.________ den (reduzierten) Betrag von Fr. 37'038.50
nebst Zins zu 5 % seit dem 8. November 2006 zu bezahlen.

D.
Die X.________ N.V. hat am 25. Januar 2012 Beschwerde in Zivilsachen erhoben.
Die Beschwerdeführerin verlangt, der Entscheid des Obergerichts vom 9. Dezember
2011 sei aufzuheben und die Klage von Z.________ (Beschwerdegegner) vom 19.
April 2007 sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Eventuell sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Nach Durchführung des Schriftenwechsels beantragt der Beschwerdegegner die
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Die Beschwerdeführerin
hält an ihrem Begehren fest. Das Obergericht hat auf eine Vernehmlassung
verzichtet.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten ist ein Entscheid über die Haftung für Arrestschaden nach Art.
273 SchKG. Der im ordentlichen Verfahren ergangene Entscheid stellt eine
Zivilsache im Sinne von Art. 72 Abs. 1 BGG dar. Der letztinstanzliche kantonale
Rechtsmittelentscheid schliesst das Verfahren ab (Art. 75, Art. 90 BGG). In der
vermögensrechtlichen Angelegenheit ist die erforderliche Streitwertgrenze
erreicht (Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG). Die fristgemäss (Art. 100 Abs. 1, Art. 46
Abs. 1 lit. c BGG) erhobene Beschwerde in Zivilsachen ist grundsätzlich
zulässig.

1.2 Mit vorliegender Beschwerde kann u.a. die Verletzung von Bundesrecht gerügt
werden (Art. 95 lit. a BGG). Weiter kann gerügt werden, ausländisches Recht sei
nicht angewendet worden, wie es das schweizerische internationale Privatrecht
vorschreibt (Art. 96 lit. a BGG). In vermögensrechtlichen Streitsachen ist
betreffend die Anwendung des massgebenden ausländischen Rechts (Art. 96 lit. b
BGG) nur die Rüge der Verletzung des Willkürverbotes (Art. 9 BV) möglich (BGE
133 III 446 E. 3.1 S. 447).

1.3 Das Bundesgericht ist an den vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt
gebunden (Art. 105 Abs. 1 BGG). Zulässig ist einzig die Rüge, dass eine
Tatsachenfeststellung auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG
beruhe oder eine Tatsache offensichtlich unrichtig festgestellt worden sei
(Art. 97 Abs. 1 BGG), wobei "offensichtlich unrichtig" mit "willkürlich"
gleichzusetzen ist (BGE 133 III 393 E. 7.1 S. 398 mit Hinw.). Noven sind gemäss
Art. 99 BGG unzulässig.

1.4 In der Beschwerdeschrift ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der
angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG). Die Verletzung von
verfassungsmässigen Rechten ist in der Beschwerdeschrift vorzubringen und zu
begründen (Art. 106 Abs. 2 BGG), wobei das Rügeprinzip gilt (BGE 133 III 589 E.
2 S. 591). Für die Rüge einer Verletzung des Willkürverbots (Art. 9 BV) reicht
es nicht aus, die Rechtslage aus Sicht des Beschwerdeführers darzulegen und den
davon abweichenden angefochtenen Entscheid als willkürlich zu bezeichnen;
vielmehr ist im Einzelnen darzulegen, inwiefern das kantonale Gericht
willkürlich entschieden haben soll und der angefochtene Entscheid deshalb an
einem qualifizierten und offensichtlichen Mangel leidet (BGE 117 Ia 10 E. 4b S.
11 f.).

1.5 Die Beschwerdeführerin legt nicht dar (Art. 106 Abs. 2 BGG), inwiefern eine
Verletzung der Rechtsweggarantie (Art. 29a BV) oder EMRK-Garantien (Art. 6 EMRK
betreffend civil rights) vorliegen soll, wenn das Obergericht für die
Haftungsklage aus Arrest betreffend die Widerrechtlichkeit auf den
Arresteinspracheentscheid (Art. 278 SchKG) abgestellt hat. Dass der Gesetzgeber
den Weg an ein Gericht ermöglichen, aber eine summarische Prüfung wie
betreffend die Arresteinsprache (aArt. 25 Abs. 2 lit. a SchKG, Art. 251 lit. a
ZPO) vorsehen kann (BIAGGINI, in: Biaggini [Hrsg.], BV Kommentar, 2007, N. 9 zu
Art. 29a BV), wird in der Beschwerdeschrift nicht erörtert.

2.
Das Obergericht hat zunächst erwogen, dass der Beschwerdegegner als
Testamentsvollstrecker und Abwicklungstreuhänder im Nachlass S.________ nach
schweizerischem Recht, mithin als Willensvollstrecker befugt sei, die
Schadenersatzklage nach Art. 273 SchKG zu erheben. Im Erbschein und
Testamentsvollstreckerzeugnis werde dem Beschwerdegegner in Ziff. 8 und 9 (der
vom niederländischen Notar am 27. September 2004 ausgestellten Urkunde)
ausdrücklich die Verwaltung des Nachlasses übertragen.
Mit Bezug auf die Haftungsvoraussetzungen hat das Obergericht die
Widerrechtlichkeit des Arrestes als gegeben erachtet; es hat sich auf den
Rechtsmittelentscheid im Arresteinspracheverfahren abgestützt, mit welchem der
Arrest aufgehoben wurde. Das Obergericht hat einen durch den Arrest
verursachten Schaden darin erblickt, dass Verhandlungen und Abklärungen eine
zusätzliche (bzw. "aussergerichtliche") Rechtsvertretung erforderten, weitere
Kosten beim Notariat W.________ entstanden und Lager- und Aufbewahrungskosten
für Mobilien anfielen.

3.
Streitpunkt im vorliegenden Schadenersatzprozess nach Art. 273 SchKG ist
zunächst, ob das Recht zur Klageerhebung besteht.

3.1 Nach den Sachverhaltsfeststellungen im angefochtenen Urteil stützt der
Beschwerdegegner seine Tätigkeit auf einen Erbschein und ein
Testamentsvollstreckerzeugnis bzw. die in Rotterdam/Niederlande am 27.
September 2004 ausgestellte notarielle Urkunde. Diese wurde entgegen der
Darstellung in der Beschwerdeschrift nicht übergangen, sondern vom Obergericht
als entscheiderheblich erachtet. Die Beschwerdeführerin bringt nichts vor, um
die vorfrageweise Anerkennung dieses Ausweises über die Ernennung des
Willensvollstreckers in Frage zu stellen (Art. 96 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 29
Abs. 3 IPRG; vgl. SCHNYDER/LIATOWITSCH, in: Basler Kommentar, Internationales
Privatrecht, 2. Aufl. 2007, N. 4 zu Art. 96 IPRG). Um die Tragweite einer
(anerkannten) ausländischen Urkunde zu interpretieren, kann es allgemein
notwendig sein, sich auf das Recht zu beziehen, welches die ausländische
Behörde angewendet hat (BUCHER, in: Commentaire romand, LDIP/CL, 2011, N. 9 zu
Art. 96 IPRG; vgl. BGE 122 III 213 E. 4b S. 217).

3.2 Das Obergericht hat festgehalten, dass dem Beschwerdegegner gemäss der
niederländischen Urkunde vom 27. Februar 2004 ausdrücklich die Verwaltung des
Nachlasses übertragen worden sei. Aus der Urkunde "Verklaring van erfrecht en
executele" (übersetzt als "Erbschein, zugleich Testamentsvollstreckerzeugnis")
geht hervor, dass der Erblasser den Beschwerdegegner als
"Testamentsvollstrecker und Abwicklungstreuhänder" eingesetzt hat, welcher
während seiner Verwaltung "bei der Erfüllung seiner Aufgaben die Erben
gerichtlich und aussergerichtlich vertritt", und er in der erwähnten
Eigenschaft "befugt ist, den Nachlass zu verwalten" (Ziff. 8 und 9). Dass der
Notar niederländisches Recht angewendet hat, geht ohne weiteres aus der Urkunde
hervor, zumal erwähnt wird, dass der Erblasser den Nachlass dem Heimatrecht
unterstellt habe. Ist der Umfang der Befugnisse des Willensvollstreckers (wie
hier) in einem ausländischen Willensvollstreckerausweis festgehalten, so ist
dies nach Massgabe von Art. 96 IPRG grundsätzlich bindend (PICHLER, Die
Stellung des Willensvollstreckers in "nichterbrechtlichen" Zivilprozessen,
2011, S. 170). Die Beschreibung der Befugnisse des Beschwerdegegners in der
Urkunde lässt den Schluss zu, dass er zur Anhebung der vorliegenden Klage
berechtigt ist, ohne dass insoweit eine Einschränkung vorliegt. Dies hat das
Obergericht jedoch in Anwendung des ausländischen Rechts gefolgert, indem es
auf die Tragweite gemäss Beschreibung in der Urkunde abgestellt hat. Eine
Verletzung von Kollisionsregeln rügt die Beschwerdeführerin insoweit nicht und
braucht - wie sich aus dem Folgenden ergibt - nicht weiter erörtert zu werden.

3.3 Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, inwiefern die Tragweite der Urkunde
auf einer geradezu unhaltbaren bzw. willkürlichen Interpretation des
ausländischen Rechts beruhen soll, wenn ihr das Obergericht das Recht auf
Klageerhebung durch den Beschwerdegegner entnommen hat. Die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zum niederländischen Recht genügen den Anforderungen an die
Willkürrüge nicht. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Anerkennung der
Urkunde eine weitergehende Anwendung ausländischen Rechts notwendig macht, um
die Tragweite zu interpretieren, zumal der niederländische
Testamentsvollstrecker nach der Literatur umfassende und exklusive
Vertretungsbefugnisse hat (KÜNZLE, Berner Kommentar, 2011, N. 138 zu Vorbem. zu
Art. 517-518 ZGB; WEBER, Niederlande, in: Ferid u.a., Internationales Erbrecht,
Stand: 2004, Vorbem. Rz. 36).

3.4 Wenn die allgemeinen Regeln (E. 3.1) zur Interpretation von ausländischen
Urkunden auf den niederländischen Willensvollstreckerausweis vom 27. Februar
2004 angewendet werden, bleibt es beim Ergebnis, dass das Obergericht
Bundesrecht bzw. verfassungsmässige Rechte nicht verletzt hat, wenn es dem
Beschwerdegegner die Klagebefugnis zugesprochen hat. Entgegen der Darstellung
der Beschwerdeführerin hat das Obergericht den Sachverhalt, soweit er hier
entscheidrelevant ist, nicht unrichtig festgestellt. Das Gleiche gilt - vor dem
Hintergrund des niederländischen Willensvollstreckerausweises - für die
Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend ein holländisches Urteil vom 2.
August 2011 zur Aktivlegitimation des Beschwerdegegners. Im konkreten Fall
erübrigen sich weitere Erörterungen zu Art. 92 IPRG bzw. zur Frage, inwieweit
das Erb- und Eröffnungsstatut mit Bezug auf die Rechtsstellung des
Willensvollstreckers voneinander abzugrenzen sind (vgl. u.a. BUCHER, a.a.O., N.
6 zu Art. 92 IPRG, sowie HEINI, in: Zürcher Kommentar zum IPRG, 2. Auf. 2004,
N. 21 zu Art. 92 IPRG, mit verschiedenen Ansichten).

4.
Gemäss Art. 273 Abs. 1 SchKG haftet der Gläubiger dem Schuldner als auch dem
Dritten für den aus einem ungerechtfertigen Arrest erwachsenen Schaden. Anlass
zur vorliegenden Beschwerde gibt die Frage, ob die Voraussetzungen zur Haftung
für Arrestschaden gegeben sind.

4.1 Es steht fest und ist unbestritten, dass das Obergericht den Arrest im
Einspracheverfahren mit Entscheid vom 18. August 2006 aufgehoben hat, weil die
Arrestforderung nicht fällig und durch ein Pfand gedeckt sei, und dass die
staatsrechtliche Beschwerde erfolglos blieb. Die Beschwerdeführerin wendet sich
gegen die Auffassung des Obergerichts, welches die Widerrechtlichkeit des
Arrestes mit der Begründung bejaht hat, dass die Arresteinsprache gutgeheissen
worden ist.
4.1.1 Das Obergericht folgt der Auffassung, die von der Lehre ganz überwiegend
geteilt wird (GILLIÉRON, Commentaire de la loi fédérale sur la poursuite pour
dettes et la faillite, Bd. IV, 2003, N. 11 zu Art. 273 SchKG; STOFFEL/CHABLOZ,
Commentaire romand, Poursuite et faillite, 2005, N. 16 zu Art. 273 SchKG; AMONN
/WALTHER, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 8. Aufl. 2008, §
51 Rz. 81; MEIER-DIETERLE, in: Kurzkommentar SchKG, 2009, N. 7 zu Art. 273
SchKG; KREN KOSTKIEWICZ, Schuldbetreibungs- und Konkursrecht, 2012, S. 382 Rz.
1507). Die Beschwerdeführerin hält mit Hinweis auf die abweichende Meinung von
ARTHO VON GUNTEN (Die Arresteinsprache, 2001, S. 118) entgegen, dass der
Arresteinspracheentscheid im Schadenersatzprozess nach Art. 273 SchKG nicht
bindend sei, weil die Einsprache im summarischen Verfahren beurteilt werde und
das Prozessthema verschieden sei.
4.1.2 Diese Argumentation überzeugt nicht. Gerade weil das Prozessthema im
Schadenersatzprozess verschieden und der Einspracherichter zuständig ist, über
die Arrestbewilligung zu entscheiden, ist der Richter im Schadenersatzprozess
an die rechtskräftig beurteilte Vorfrage gebunden. Diese Überlegung zur
Vorfrage kommt bereits in einem frühen Urteil des Bundesgerichts zum Ausdruck
(BGE 22 S. 884 E. 3 S. 888). In der Botschaft zum revidierten SchKG werden
sodann das Fehlen eines Arrestgrundes, das Nichtbestehen der Gläubigerforderung
und der Arrest auf Vermögen, das im Eigentum Dritter steht, als Hauptfälle des
ungerechtfertigten Arrestes bezeichnet (Botschaft über die Änderung des SchKG
vom 8. Mai 1991, BBl. 1991 III 1, Ziff. 208.3 S. 167 f.). Kommt der
Arresteinspracherichter nach Prüfung dieser Gründe zur Arrestbewilligung (vgl.
Art. 272 Abs. 1 SchKG) zum Ergebnis, dass die Einsprache gutzuheissen ist,
steht fest, dass das Mittel des Arrestes falsch war. Wenn das Obergericht im
Haftungsprozess aus Arrestschaden die auf Arresteinsprache hin rechtskräftig
beurteilte Vorfrage nicht mehr überprüft hat, ist dies nicht zu beanstanden. Es
erübrigt sich, auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin gegen die (Eventual-)
Begründung der Vorinstanz einzugehen, wonach der Arresteinspracheentscheid bzw.
die Aufhebung des Arrestes bei erneuter Prüfung rechtens wäre.

4.2 Ob den Arrestnehmer bei der Wahl des falschen Mittels ein Verschulden traf,
ist nicht zu untersuchen; die (Kausal-) Haftung für Arrestschaden tritt auch
ein, wenn das Vorgehen in unklarer Lage verständlich erscheint (BGE 19 S. 439
E. 2 S. 442; bestätigt in Urteil 5C.177/2002 vom 16. Oktober 2002 E. 1 und 4,
Pra 2003 Nr. 72 S. 381, 385 f. mit weiteren Hinw.). Die Beschwerdeführerin
bringt daher vergeblich vor, das Obergericht habe übergangen, dass sie das
Arrestgesuch in guten Treuen gestellt habe.

4.3 Die Beschwerdeführerin kritisiert weiter, dass das Obergericht Kosten von
Fr. 20'000.-- für Verhandlungen und Abklärungen bzw. zusätzliche
("aussergerichtliche") Rechtsvertretung als ersatzfähigen Schaden erachtet hat.
4.3.1 Aus dem Hinweis auf die Literatur vermag die Beschwerdeführerin nichts
für sich abzuleiten, da es nicht um die Anwaltskosten für die
Schadenersatzklage (Geltendmachung des Schadenersatzes), sondern um den aus der
Arrestlegung verursachten Vermögensschaden geht. Zum Schaden, der aus dem
ungerechtfertigten Arrest erwachsen kann, gehören auch Kosten bzw.
Aufwendungen, die der Schuldner zu seiner Verteidigung vornehmen musste, u.a.
für das Einspracheverfahren, soweit diese nicht durch die verfahrensrechtlichen
Entschädigungen bereits gedeckt wurden (STOFFEL/CHABLOZ, a.a.O., N. 9 zu Art.
273 SchKG; MEIER-DIETERLE, a.a.O., N. 3 zu Art. 273 SchKG). Es verstösst nicht
gegen den Schadensbegriff bzw. Bundesrecht, wenn das Obergericht angenommen
hat, dass ausserhalb des Einspracheverfahrens entstandene Aufwendungen für
Rechtsvorkehren als Schaden erfasst sind. Bereits in BGE 113 III 94 E. 10c S.
101 f. wurde (bei eingeschränkter Kognition) eine in diese Richtung gehende
Auffassung bestätigt.
4.3.2 Mit Bezug auf den Umfang der Aufwendungen macht die Beschwerdeführerin
Ausführungen, welche die Entstehung und das Ausmass des Schadens bzw. Tatfragen
betreffen (BGE 123 III 241 E. 3a S. 243). Sie legt allerdings nicht hinreichend
dar, inwiefern die gestützt auf die Einvernahme und Unterlagen des damaligen
Rechtsvertreters des Beschwerdegegners getroffenen Feststellungen auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG oder einer geradezu unhaltbaren bzw.
willkürlichen Würdigung von Beweismitteln beruhen sollen (vgl. Art. 9 BV; BGE
134 V 53 E. 4.3 S. 62). So übergeht sie u.a. mit ihrem Hinweis auf die
Aufwendungen des Rechtsvertreters vom 7. Juli 2006 für "Akten- und
Rechtsstudium betr. Vernehmlassung zur Beschwerde", dass das Obergericht (mit
Verweisung auf den erstinstanzlichen Entscheid) festgehalten hat, im kantonalen
Beschwerdeverfahren (Art. 17 SchKG; Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG) gegen die
Freigabeverfügung vom 19. Juni 2006 seien ebenfalls Aufwendungen entstanden,
welche nicht ersetzt wurden. Dass die Zusprechung von Fr. 20'000.-- auf einer
Rechtsverletzung beruhe, ist insoweit nicht dargetan.

4.4 Das Obergericht hat dem Beschwerdegegner sodann Ersatz von Fr. 3'463.65
zugesprochen, welche beim Notar W.________ entstanden und gemäss
Honorarrechnung belegt seien. Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin
wurde dieser Betrag in der Klage verlangt. Das Obergericht hat (unter Hinweis
auf die Ausführungen der Erstinstanz) festgehalten, dass die Notariatskosten
durch die blockierte Verfügung über die Liegenschaft verursacht worden sowie
ausgewiesen und angemessen seien. Von einer Verletzung der Begründungspflicht
(Art. 29 Abs. 2 BV; BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236) kann nicht gesprochen werden.
Soweit die Beschwerdeführerin als unrichtige Sachverhaltsfeststellung
kritisiert, in der Honorarrechnung vom 24. Januar 2004 (als Klagebeilage 30)
seien Positionen enthalten, welche nichts "mit der Abänderung des
Kaufvertrages" zu tun hätten, geht sie fehl. In der Beschwerdeschrift wird
nicht hinreichend dargelegt, inwiefern das Obergericht die Honorarrechnung -
mit dem Titel "Arrestverfahren Erbengemeinschaft S.________" - geradezu
unhaltbar bzw. willkürlich (vgl. Art. 9 BV) gewürdigt habe, wenn es den
tatsächlichen Grund für die fakturierten Positionen im Arrestverfahren erblickt
hat. Insoweit liegt keine Rechtsverletzung vor, wenn die Vorinstanz die
betreffende Schadensposition zugesprochen hat.

4.5 Weiter hat das Obergericht (unter Hinweis auf die Erwägungen der
Erstinstanz) festgehalten, dass nach der Aufhebung des Arrestes die Möbel aus
der Liegenschaft geräumt und eingelagert werden mussten. Es hat auf die
entsprechenden Rechnungen abgestellt (mit welchen die am bzw. seit Ende
November 2006 erbrachten Leistungen der P.________ AG fakturiert werden) und
die Ursache für die vom Beschwerdegegner geltend gemachten Kosten im Umfang von
Fr. 13'574.85 im Arrest erblickt. Die Beschwerdeführerin hält demgegenüber
fest, das Chalet hätte zufolge Verkauf ohnehin geräumt werden müssen, und im
Zeitpunkt der Arrestlegung sei die Räumung ebenfalls ohne Anwesenheit der Erben
angestanden. Entgegen ihrer Darstellung ist das Obergericht für die Entstehung
des Schadens davon ausgegangen, dass der Zeitpunkt der Arrestaufhebung nicht
vom Beschwerdegegner bestimmt werden konnte. Wenn die Vorinstanz angenommen
hat, der Arrest sei mit Abweisung der staatsrechtlichen Beschwerde (welcher das
Bundesgericht aufschiebende Wirkung gewährt hatte) am 8. November 2006
dahingefallen, so dass (im Hinblick auf den Chalet-Verkauf) die unverzügliche
Räumung und Einlagerung der Mobilien per Ende November 2006 erforderlich war,
kann von einer willkürlichen Feststellung des tatsächlichen Grundes, der zum
Schaden geführt hat, nicht gesprochen werden. Die Rüge einer unrichtigen
Sachverhaltsfeststellung im Sinne von Art. 97 BGG ist unbehelflich.

4.6 Die Beschwerdeführerin beruft sich schliesslich auf eine Saldoklausel in
einem Vertrag vom 13. Februar 2007, mit welchem V.________ der
Beschwerdeführerin mehrere, in den Niederlanden gelegene Grundstücke verkauft
hat. In jenem Vertrag sei eine Saldoklausel vorhanden, welche der umfassenden
Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen aus Arrest entgegenstehe, sondern
höchstens zu zwei Dritteln der Forderung berechtige. Ob die angerufene
Saldoklausel nach dem Willen der Vertragsparteien und dem auf jenen
Grundstückskauf anwendbaren Recht überhaupt Ansprüche aus der hier umstrittenen
Arresthaftung erfasst, braucht nicht erörtert zu werden. Das Obergericht hat
festgehalten, dass der Schaden aus der Arrestlegung im Vermögen der
Erbengemeinschaft eingetreten sei, und gefolgert, dass die
Schadenersatzforderung den Erben gemeinschaftlich zustehe bzw. eine Erbin
allein nicht darüber verfügen könne. Darauf geht die Beschwerdeführerin nicht
ein, wenn sie Ausführungen über die fehlende Rechtspersönlichkeit des
Nachlasses trifft. In diesem Punkt ist die Beschwerde nicht hinreichend
begründet, um die Legitimation des Willensvollstreckers zur Geltendmachung des
Schadenersatzanspruches in Frage zu stellen.

5.
Nach dem Dargelegten ist der Beschwerde in Zivilsachen kein Erfolg beschieden.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde in Zivilsachen wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet, den Beschwerdegegner mit Fr. 2'500.--
zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Zivilabteilung, 1. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 5. Dezember 2012
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Hohl

Der Gerichtsschreiber: Levante