Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2C.1082/2014
Zurück zum Index II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2014
Retour à l'indice II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2014


Wichtiger Hinweis:
Diese Website wird in älteren Versionen von Netscape ohne graphische Elemente
dargestellt. Die Funktionalität der Website ist aber trotzdem gewährleistet.
Wenn Sie diese Website regelmässig benutzen, empfehlen wir Ihnen, auf Ihrem
Computer einen aktuellen Browser zu installieren.
Zurück zur Einstiegsseite Drucken
                                                               Grössere Schrift

Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
2C_1082/2014

Urteil vom 29. September 2016

II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Seiler, Präsident,
Bundesrichter Zünd,
Bundesrichterin Aubry Girardin,
Bundesrichter Haag,
nebenamtlicher Bundesrichter Benz,
Gerichtsschreiber Matter.

Verfahrensbeteiligte
Eidgenössische Steuerverwaltung,
Beschwerdeführerin,

gegen

X.________ AG,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Beat Stalder.

Gegenstand
Direkte Bundessteuer 2007 - 2009,

Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug,
Abgaberechtliche Kammer,
vom 7. Oktober 2014.

Sachverhalt:

A.
Die X.________ AG mit Sitz in U.________ besitzt eine Beteiligung an der
Y.________ AG (vormals Y.________ Holding AG). Im Geschäftsjahr 1993
berichtigte sie den Buchwert dieser Beteiligung erfolgswirksam um 25 Mio.
Franken und nahm im Jahresabschluss 1995 eine weitere Korrektur des
Beteiligungswertes in der Höhe von 20 Mio. Franken vor.

B.
In den Geschäftsjahren 2007 bis 2009 rechnete die Steuerverwaltung des Kantons
Zug bei der direkten Bundessteuer jeweils 5 Mio. Franken im Gewinn der
X.________ AG auf, weil sie die bei der genannten Beteiligung verbuchte
Wertkorrektur in diesem Umfang als nicht mehr geschäftsmässig begründet
erachtete. Im Einspracheverfahren nahm die Steuerverwaltung eine reformatio in
peius vor und legte die Aufrechnungen auf 5 Mio. Franken für das Jahr 2007
fest, auf 15 Mio. Franken für 2008 und auf 25 Mio. Franken für 2009.

C.
Dagegen gelangte die X.________ AG an das Verwaltungsgericht des Kantons Zug,
das ihre Beschwerde mit Urteil vom 7. Oktober 2014 guthiess und die Sache im
Sinne der Erwägungen an die kantonale Steuerverwaltung zurückwies, damit diese
den Steuerbetrag ohne Aufrechnungen ermittle.

D.
Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat am 27. November 2014 beim Bundesgericht
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erhoben mit dem Antrag,
das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 7. Oktober 2014 aufzuheben und die
X.________ AG gemäss dem Einspracheentscheid vom 12. April 2013 zu veranlagen.
Das Verwaltungsgericht beantragt, die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei. Die Steuerverwaltung des Kantons Zug beantragt die Gutheissung
der Beschwerde, die X.________ AG deren Abweisung.

Erwägungen:

1.

1.1. Das angefochtene Urteil ist ein kantonal letztinstanzlicher Entscheid
eines oberen Gerichts in einer Angelegenheit des öffentlichen Rechts, die unter
keinen der Ausschlussgründe von Art. 83 BGG fällt.
Angefochten ist ein Rückweisungsentscheid des Verwaltungsgerichts an die
kantonale Steuerverwaltung. Darin weist die Vorinstanz die Steuerbehörde an,
die Veranlagungen 2007-2009 der Beschwerdegegnerin ohne irgendwelche
Aufrechnungen vorzunehmen. Damit verbleibt der unteren Behörde, an welche die
Sache zurückgewiesen wird, kein Entscheidungsspielraum mehr und dient die
Rückweisung bloss noch der rechnerischen Umsetzung des oberinstanzlich
Angeordneten (vgl. zum Ganzen u.a. BGE 134 II 124 E. 1.3 S. 127; 135 V 141 E.
1.1 S. 143; 133 V 477 E. 4 S. 480 ff.). Mithin ist der Rückweisungsentscheid
als Endentscheid (Art. 90 BGG) vor Bundesgericht anfechtbar. Die Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist deshalb zulässig (Art. 82 ff. BGG).

1.2. Die Eidgenössische Steuerverwaltung ist gestützt auf Art. 89 Abs. 2 lit. a
BGG in Verbindung mit Art. 146 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über
die direkte Bundessteuer (DBG, SR 642.11) bzw. mit Art. 12 der
Organisationsverordnung für das Eidgenössische Finanzdepartement vom 17.
Februar 2010 (OV-EFD, SR 172.215.1) zur Beschwerde an das Bundesgericht
legitimiert.

1.3. Beruht der angefochtene Entscheid auf mehreren selbständigen Begründungen,
die je für sich den Ausgang des Rechtsstreits besiegeln, so hat der
Beschwerdeführer darzulegen, dass jede von ihnen Recht verletzt; andernfalls
kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden (vgl. u.a. BGE 138 I 97 E.
4.1.4 S. 100; 138 III 728 E. 3.4 S. 734 f.; je m.w.H.).
Hier hat das Verwaltungsgericht mit zwei voneinander unabhängigen Begründungen
geurteilt, dass die kantonale Steuerverwaltung in den Perioden 2007 bis 2009 zu
Unrecht auf die in den Geschäftsjahren 1993 und 1995 gebildeten Wertkorrekturen
zurückgekommen sei. Zum einen handle es sich um Abschreibungen, die handels-
und steuerrechtlich als definitiv zu gelten hätten (siehe dazu nachfolgend E. 2
und E. 3). Zum anderen dürfe in den Veranlagungen 2007-2009 gegenüber der
Beschwerdegegnerin selbst dann keine Aufrechnung erfolgen, wenn eine
Wertberichtigung vorliegen sollte (vgl. unten E. 4). Die Beschwerdeführerin
setzt sich gegen beide Begründungen des vorinstanzlichen Urteils zur Wehr. Auf
die Beschwerde ist demgemäss einzutreten.

2.
Das Verwaltungsgericht hat im Wesentlichen die Auffassung vertreten, bei den
von der Beschwerdegegnerin in den Jahren 1993 und 1995 vorgenommenen
Wertkorrekturen handle es sich um endgültige Korrekturen und nicht um
provisorische Wertberichtigungen; als Abschreibungen seien sie von der damals
zuständigen Steuerbehörde denn auch rechtskräftig akzeptiert worden, worauf in
den hier massgeblichen Perioden 2007-2009 nicht mehr zurückgekommen werden
dürfe. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden.

2.1. Grundsätzlich wird im Steuerrecht zur Unterscheidung von Abschreibungen
und Wertberichtigungen massgeblich auf die Dauerhaftigkeit der Wertkorrektur
abgestellt. Einem definitiven Wertverzehr wird mit Abschreibungen Rechnung
getragen, und zwar sowohl auf Anlage- als auch auf Umlaufvermögen.
Vorübergehende oder drohende Wertveränderungen auf dem Anlage- oder
Umlaufvermögen werden durch Wertberichtigungen berücksichtigt (BGE 137 II 353
E. 6.4.1 S. 361; Urteile 2C_142/2012 vom 12. Dezember 2013 E. 2.4 und 2C_243/
2012 vom 12. Juli 2012 E. 2.1; PETER LOCHER, Kommentar zum Bundesgesetz über
die direkte Bundessteuer, I. Teil, 2011, N. 3 zu Art. 28 DBG; MARKUS REICH, in
Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung
der direkten Steuern, 2003, 2. A., N. 13 zu Art. 10 StHG; je mit Hinweisen).
Damit stimmt Folgendes überein: Wenn die verbuchte Wertkorrektur als
Rückstellung (wozu auch Wertberichtigungen gezählt werden) gemäss Art. 63 Abs.
1 DBG zu würdigen ist, kann die Veranlagungsbehörde diese Rückstellung nach
Massgabe von Art. 63 Abs. 2 DBG in einer späteren Periode dem steuerbaren
Gewinn wieder hinzurechnen, soweit sie geschäftsmässig nicht mehr begründet
ist. Handelt es sich dagegen um eine Abschreibung laut Art. 62 Abs. 1 DBG, so
kann die Steuerbehörde keine spätere Zuschreibung bzw. Wiederaufwertung
verlangen. Steuerrechtlich gilt das Prinzip, dass Abschreibungen endgültig
sind, Rückstellungen indes provisorisch (Art. 63 Abs. 2 DBG).

2.2. Die Steuerbehörden sind nicht ohne weiteres dazu berufen, Wertkorrekturen
in der Handelsbilanz rechtlich zu qualifizieren. Das gilt insbesondere für den
Zeitpunkt, in dem die Korrektur vorgenommen wird.

2.2.1. Aufgabe der Steuerbehörde im Veranlagungsverfahren ist es lediglich, in
der Handelsbilanz verbuchte Wertkorrekturen im steuerbaren Gewinn aufzurechnen,
wenn die betreffende Korrektur als handelsrechtswidrig beurteilt wird oder eine
steuerliche Korrekturnorm die Aufrechnung vorsieht (Art. 63 Abs. 2 DBG) bzw.
die Wertkorrektur gestützt auf Art. 58 Abs. 1 lit. b DBG geschäftsmässig nicht
begründet ist.
Bei neu gebildeten Wertkorrekturen genügt es also im Hinblick auf eine
vollständige und richtige Veranlagung, im aktuellen Steuerjahr darüber zu
befinden, ob die Korrektur dem Grunde sowie der Höhe nach gerechtfertigt ist.
Nicht notwendig ist es, in diesem Zeitpunkt bereits zu untersuchen, ob sie
definitiv oder provisorisch ist, weil diese Rechtsfrage keine Auswirkungen auf
die Steuerfaktoren der aktuellen Veranlagung hat. Das entspricht namentlich
auch dem Grundsatz der Periodizität (vgl. u.a. die Urteile 2C_1155/2014 vom 1.
Februar 2016 E. 4.3.6 in: ASA 84 S. 719; 2A.128/2007 vom 14. März 2008 E. 5.3
in: StR 63/2008 S. 630; 2P.64/2004 vom 19. Juli 2004 E. 3.2 in: RDAF 2004 II S.
251).

2.2.2. Daraus ergibt sich für den vorliegenden Fall Folgendes: Indem die damals
zuständige (Zürcher) Steuerbehörde in den Perioden 1993 und 1995 die
Wertkorrektur akzeptierte, entschied sie lediglich rechtskräftig darüber, dass
die Bildung der Wertkorrektur im jeweils massgeblichen Jahr nicht gegen
Handelsrecht verstiess und als geschäftsmässig begründet zu gelten hatte.

2.2.3. Dagegen macht die Beschwerdegegnerin vergeblich geltend, dass im
Veranlagungsverfahren der genannten beiden Perioden die Verbuchung als
Abschreibung der damals zuständigen Veranlagungsbehörde hätte in die Augen
springen müssen und sie im Rahmen der ihr obliegenden Untersuchungspflicht bei
Zweifeln weitere Abklärungen hätte treffen müssen. Da sie dies unterlassen
habe, sei rechtskräftig darüber entschieden, dass eine (definitive)
Abschreibung erfolgt sei.
Unzutreffend argumentiert die Beschwerdegegnerin weiter, sie habe in den Jahren
1993 und 1995 im Sinne eines Verfahrensantrages unmissverständlich ihren Willen
zum Ausdruck gebracht, die Wertkorrektur als definitive Abschreibung
qualifizieren zu wollen. Sie habe gegenüber den Steuerbehörden mit der
Verbuchung der Wertkorrekturen ausdrücklich den Willen kundgetan, dass es sich
um Abschreibungen handle, was gegen blosse Wertberichtigungen spreche. Solche
"Anträge" sind indessen im Zeitpunkt der Bildung der Wertkorrektur rechtlich
unwirksam: Die Steuerbehörde kann und darf darüber gar nicht befinden, solange
die Wertminderung der Beteiligung und damit die geschäftsmässige Begründetheit
der Wertkorrektur unbestritten sind. Die steuergesetzlichen
Verfahrensbestimmungen räumen der Behörde keine Handhabe ein, die (Nicht-)
Endgültigkeit der Wertkorrektur im Sinne eines Feststellungsentscheides
verbindlich festzulegen.

2.3. Die Steuerbehörde hat auch in den Folgejahren keine Veranlassung, die
Wertkorrektur verbindlich als endgültige Abschreibung oder vorübergehende
Wertberichtigung zu qualifizieren, so lange sie die Korrektur akzeptiert. Eine
Qualifikation hat erst in jener Periode zu erfolgen, in welcher die
Qualifikation rechtliche Auswirkungen auf die Steuerfaktoren, den Steuersatz
oder die Steuerbeträge hat. Das gilt insbesondere dann, wenn eine Werterholung
des Gegenstandes auszumachen ist bzw. die Gründe für die Wertkorrektur
weggefallen sind.

2.3.1. Durch das Verhalten der Veranlagungsbehörde und des Pflichtigen in
früheren Perioden ist die genannte Qualifikation nicht präjudiziert oder gar
rechtskräftig entschieden. Es liegt auch keine Verletzung des
Vertrauensgrundsatzes (Art. 5 Abs. 3, Art. 9 BV) vor, wenn die Behörde zu einer
Prüfung der geschäftsmässigen Begründetheit der Rückstellung schreitet, obschon
eine solche Prüfung im Vorjahr unterblieben ist. Anders zu urteilen wäre nur
dann, wenn eine ausdrückliche behördliche Zusicherung vorläge, wonach die
Wertkorrektur als Abschreibung behandelt werde (vgl. die Urteile 2C_383/2011
vom 31. Oktober 2011 E. 3.3; 2C_596/2007 vom 24. Juni 2008 E. 5 in: StR 64/2009
S. 462). Darauf könnte sich der Pflichtige unter Umständen nach dem Grundsatz
von Treu und Glauben (Art. 9 BV) berufen, was hier aber nicht geltend gemacht
wird. Auf jeden Fall gibt es für ihn keinen Anspruch oder gar ein
wohlerworbenes Recht, in seinen Geschäftsbüchern früher vorgenommene
Wertkorrektur nach Belieben weiterzuführen, wenn deren geschäftsmässige
Begründetheit der Höhe nach oder im Bestand weggefallen ist.

2.3.2. Damit stimmt überein, dass der Steuerpflichtige sich erst in dem
Zeitpunkt, in dem die Veranlagungsbehörde die Wertkorrektur nicht mehr
akzeptiert, gegen die betreffende Qualifikation als Wertberichtigung zur Wehr
setzen kann. Zuvor fehlt ein Rechtsschutzinteresse, weil die Einsprache nicht
auf die Abänderung der in der Veranlagungsverfügung festgesetzten
Steuerfaktoren (steuerbarer Gewinn), des Steuersatzes, oder der Steuerbeträge
abzielt (vgl. Urteil 2C_253/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 3.2).

2.3.3. Vorliegend war der massgebliche Zeitpunkt für die zu beurteilende
Qualifikation in den Steuerjahren 2007 bis 2009 gegeben: In diesen Jahren
rechnete die kantonale Steuerverwaltung die Wertkorrektur gestützt auf Art. 63
Abs. 2 DBG jeweils als teilweise nicht mehr geschäftsmässig begründet auf, was
nur bei Rückstellungen bzw. Wertberichtigungen möglich ist (vgl. oben E. 2.1).
Erst dadurch erfolgte die genannte Qualifikation (vgl. oben E. 2.3.1) und wurde
sie für die Beschwerdegegnerin anfechtbar (vgl. oben E. 2.3.2).

3.
Zur Rechtsfrage, ob auf der Beteiligung der Y.________ AG eine Abschreibung
oder Wertberichtigung erfolgte, ist Folgendes festzustellen: Die
Beschwerdegegnerin nahm die Wertkorrektur indirekt vor, was als blosser
Wertberichtigungsposten (vgl. das Schweizer Handbuch der Wirtschaftsprüfung,
1998, S. 244) oder als indirekte Abschreibung gedeutet werden kann. Auf die
buchhalterische Behandlung durch den Steuerpflichtigen kommt es allerdings
nicht an, wenn es zu beurteilen gilt, wie eine Wertkorrektur steuerlich zu
qualifizieren ist (vgl. oben E. 2.2.3).
Auf Beteiligungen anerkennt die Steuerbehörde bis zur tatsächlichen
Realisierung vorerst in der Regel lediglich Wertberichtigungen (vgl. RAINER
ZIGERLIG/MATHIAS OERTLI/HUBERT HOFMANN, Das st. gallische Steuerrecht, 7. A.,
2014, 68). Die Beschwerdegegnerin begründet die damalige Wertkorrektur mit der
angespannten Wirtschaftslage, die infolge einer schlechten Konjunkturphase
typischerweise vorübergehender Natur ist. Gründe, die für eine endgültige
Wertminderung der Beteiligung sprachen und allenfalls ausnahmsweise eine
endgültige Abschreibung hätten rechtfertigen können, bringt die
Beschwerdegegnerin keine vor.

4.

4.1. Weil die Wertkorrektur somit als blosse Wertberichtigung einzustufen ist,
bleibt zu klären, ob sie in den Veranlagungsverfahren 2007-2009 zu Recht
infolge Werterholung wieder aufgelöst wurde. Dies geht mit folgender Verteilung
der Beweislast einher.

4.1.1. Es gilt die Grundregel, dass die Steuerbehörde die Beweislast für
steuerbegründende und -erhöhende Tatsachen und die steuerpflichtige Person die
Beweislast für steueraufhebende oder -mindernde Tatsachen trägt (vgl. u.a. BGE
140 II 248 E. 3.5 S. 252 m.w.H.). Die Aufrechnung von bilanzierten
Rückstellungen, wozu steuerlich auch die Wertberichtigungen gehören, wirkt sich
steuerbegründend aus, weshalb die tatsächlichen Voraussetzungen von der Behörde
zu beweisen sind.
Hier hatte die kantonale Steuerverwaltung somit darzutun, dass die zuvor
getätigte (und von der Beschwerdegegnerin in den hier massgeblichen Jahren
weiterhin als berechtigt behauptete) Wertkorrektur auf der genannten
Beteiligung nicht mehr geschäftsmässig begründet war, d.h. dass der effektive
Wert der Beteiligung von deren Buchwert nicht mehr in demjenigen Ausmass
abwich, wie die Beschwerdegegnerin dies der Korrektur zugrunde gelegt hatte.

4.1.2. Wenn bei Rückstellungen als vorläufige Korrekturen deren
geschäftsmässige Begründetheit in jeder Periode geprüft werden darf, muss die
steuerpflichtige Unternehmung auf Verlangen der Behörde   über die
geschäftsmässige Begründetheit Auskunft geben können (vgl. Art. 123 Abs. 1 u.
Art. 126 Abs. 2 DBG; siehe dazu auch  LOCHER, a.a.O., II. Teil, 2004, N. 14 zu
Art. 62 DBG;  ZWEIFEL/CASANOVA, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, § 14 Rz.
28 ff. S. 126 f.). Verweigert sie die Auskunft oder nennt sie keine genügenden
Tatsachen für den Nachweis der geschäftsmässigen Begründetheit, so kann die
Rückstellung steuerrechtlich nicht (mehr) als geschäftsmässig begründet
anerkannt werden (vgl. u.a. das Urteil 2C_392/2009 vom 23. August 2010 E. 3.2
in: ASA 79 S. 704). Dies gilt sogar dann, wenn die Rückstellung im Zeitpunkt
der Bildung unbestritten geschäftsmässig begründet und der Höhe nach angemessen
war (vgl. das eben erwähnte Urteil 2C_392/2009 E. 4.1; siehe dazu auch oben E.
2.2.1).

4.2. Wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, weist die kantonale
Steuerverwaltung nach, dass sich der Wert der massgeblichen Beteiligung im
Laufe der Jahre nachhaltig erholt hatte, was sich aus dem Börsenkurs der
Beteiligungsrechte, der regelmässigen Dividendenausschüttung, der anhaltenden
Gewinnerzielung der Firma und den hohen stillen Reserven ergab. Weiter zeigt
die Steuerbehörde in einer tabellarischen Übersicht auf, dass die Differenz
zwischen dem Buchwert der Beteiligung und dem Anteil der Beschwerdeführerin am
Eigenkapital der Beteiligung zwischen 2007 und 2009 immer positiv war und
zwischen 41 Mio. Franken und 53 Mio. Franken schwankte. All das hat das
Verwaltungsgericht als starkes Indiz dafür gewertet, dass die Wertkorrekturen
von 45 Mio. Franken in den Steuerjahren 2007 bis 2009 nicht mehr begründet
waren (vgl. E. 3b des angefochtenen Urteils, S. 27).

4.3. Das Gericht hat die im Einspracheentscheid vorgenommenen Aufrechnungen
dennoch nicht geschützt, weil es davon ausgegangen ist, die Steuerbehörde hätte
mehr als nur den Nachweis erbringen müssen, dass die Wertkorrekturen nicht mehr
begründet waren; sie hätte gestützt auf Art. 62 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 207a
Abs. 2 DBG zusätzlich belegen müssen, dass hier ein der Steuerumgehung
nahekommender Sachverhalt vorliege, was aber im konkreten Fall nicht
ersichtlich sei. Dieses zusätzliche Erfordernis erweist sich aber als
bundesrechtwidrig.

4.3.1. Die Bestimmung von Art. 62 Abs. 4 DBG, die im Zuge der
Unternehmenssteuerreform I per 1. Januar 1999 in Kraft trat, wurde in der
Literatur kritisch aufgenommen: Es entspreche einer singulären Neuerung, dass
Steuerbehörden Wiederaufwertungen auf Beteiligungen erzwingen könnten. Vor
diesem Hintergrund zu verstehen sind Forderungen, Art. 62 Abs. 4 DBG als blosse
Missbrauchsbestimmung zu handhaben (MARC BAUEN, Aufwertungen von Beteiligungen
im Handels- und im Steuerrecht, Diss. 1998, S. 173) bzw. auf Tatbestände zu
beschränken, welche einer Steuerumgehung nahe kommen (KUHN/KLINGLER, in:
Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, 2. A., 2008, Rz 24 und Rz 30 zu Art. 62 DBG; RICHNER/FREI/
KAUFMANN/MEUTER, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, Rz 264 zu §
64).

4.3.2. Hier sind aber Wertkorrekturen aus den Jahren 1993 und 1995 strittig.
Demgemäss will die Beschwerdeführerin Art. 62 Abs. 4 DBG gar nicht nach jenem
Gehalt zur Anwendung bringen, welcher der Bestimmung seit deren Inkrafttreten
per 1. Januar 1999 zukommt. Soweit sie sich auf diese Bestimmung beruft, leitet
die Beschwerdeführerin daraus ausdrücklich nichts anderes ab, als sich bereits
aus Art. 63 Abs. 2 DBG ergibt. Diese Norm enthält aber kein zusätzliches
Erfordernis, wonach nur missbräuchlich gebildete Wertkorrekturen bei einer
Werterholung wieder dem Gewinn hinzugerechnet werden dürften.

4.4. Wie sich aus dem vorinstanzlichen Urteil ergibt hat die kantonale
Steuerverwaltung überzeugend dargetan, dass die Wertkorrekturen nicht mehr dem
aktuellen wirtschaftlichen Wert der betroffenen Beteiligung entsprachen.
Dagegen müsste die Beschwerdegegnerin Umstände nennen können, die zu einer
anderen Beurteilung Anlass geben könnten (vgl. oben E. 4.1.2), was sie aber
nicht tut (siehe dazu Ziff. 44-47 S. 11-15 ihrer Beschwerdeantwort vor
Bundesgericht). Somit kann der Nachweis als erbracht gelten, dass die
Wertkorrekturen im genannten Umfang nicht mehr begründet waren. Demgemäss
erweisen sich die im Einspracheentscheid vorgenommenen Aufrechnungen als
bundesrechtskonform.

5.

5.1. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, das angefochtene Urteil
aufzuheben und der Einspracheentscheid der kantonalen Steuerverwaltung zu
bestätigen.

5.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdegegnerin
kostenpflichtig (Art. 65 f. BGG). Im gleichen Sinne ist die Sache zur
Neuverlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des kantonalen Verfahrens an
die Vorinstanz zurückzuweisen.

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen, das Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Zug vom 7. Oktober 2014 aufgehoben und der Einspracheentscheid der
Steuerverwaltung des Kantons Zug vom 12. April 2013 bestätigt.

2. 
Die Gerichtskosten von Fr. 15'000.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

3. 
Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des
kantonalen Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons Zugs
zurückgewiesen.

4. 
Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten, dem Verwaltungsgericht des
Kantons Zug, Abgaberechtliche Kammer, und der Steuerverwaltung des Kantons Zug
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 29. September 2016

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Seiler

Der Gerichtsschreiber: Matter

Navigation

Neue Suche

ähnliche Leitentscheide suchen
ähnliche Urteile ab 2000 suchen

Drucken nach oben